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Full text of "Mitteilungen"

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MITTHEILUNGEN 


KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 

GEOGRAPHISCHEN  GESELLSCHAFT. 


III.  JAHRGANG  1859. 


REDIGIRT 


FRANZ    FOETTERLE, 

K-    K.  BKRGRATI1     ERSTEM  SECRETAR  »ER  K.  K.  GEOGRAPHISCHEN  GESEI.LSVHAKT 


WIEN,  1859. 

DRUCK      VON      M.    AÜER. 


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INHALT 

des    dritten    Bandes. 

Seite 

Statuten    der    k.    k.    geographischen   Gesellschaft       V 

Geschäftsordnung    der    k.    k.    geographischen    Gesellschaft VII 

Verzeichniss    der    Mitglieder    der    k.    k.    geographischen    Gesellschaft X 

Berichte   über   die   Versammlungen   der   k.   k.   geographischen    Gesellschaft. 

Jahresversammlung    am    9.    November    1858. 

Fürst   von    Salm    H.    Jahresbericht 1 

Foetterle    F.    Rechenschaftsbericht 10 

Verzeichniss  der  verschiedenen  fnstitute,  Gesellschaften  etc.j    mit  welchen   die   k.    k. 

geographische    Gesellschaft    in   Schriftentausch    getreten    ist (3 

Kintzl    L.    Antrag    des    Danke6    an    den    Präsidenten 17 

Wahl    von    Functionären 17 

Wahl    von    neuen   Mitgliedern  .        ^ .   *\^ 18 

Foetterle    F.    Vorlage    erhaltener    Geschenke    von    Hrn\pToyikar    M.    Kirchner 

in    Chartum    und    von    Hrn.    Freiherrn    von    Hiet^inger 18 

Fr-ankl    Dr.    L.    A.    Vorlage    mehrerer   seiner    Werke    und    des    Gedichtes    „an    die 

hingeschiedene  Freundin    I<ia    Pfeiffer"  .    .    .    .\ 18 

Matkovich   P.    Einsendung    der    topographischen    Karte    des    Gebietes    St.    Michel 

di    Lemmo    in    lstrien 18 

Versammlung   am    23.    November    1858. 

Czoernig   K.    Freih.    v.    Eröffnung    der  Versammlung 18 

Wahl    von    neuen    Mitgliedern 18 

Schmidt   Dr.   J.    Ueber    die    Metallbarometer 19 

Schmidt    Dr.    J.    Ueber    den    grossen   Do  na  tischen    Kometen 19 

H eifert  A.  Freih.  v.  Ueber  den  Mangel  eines  allgemeinen  topographischen  Le- 
xikons  von  Oesterreich 20 

Hauer  F.  v.  Vorlage  des  Werkes:  Reports  of  Exploration^  and  Surveys  to  ascer- 
tain  the  most  practicable  and  economical  rötete  for  a  reilroad  from 
the    Missisippi   river   lo    the   Pacißc    Ocean,    made    linder    the    Direction 

of  the   Secretary   of    War   in    1853  —  1854 21 

Foetterle    F.    Vorlage    von    100  Aquarell-Ansichten   aus    dem  Thal    der  Rienz    und 

Boite  und  dem  Drauthale  von  Hrn.  k.  k.  Rath  und  Professor  Th.  Ender.     25 

Eingegangene    Druckschriften 27 

Versammlung   am    7.    Dezember    1858. 
Czoernig    K.    zeigt    den    Verlust    mehrerer    Mitglieder    durch     den    Tod    an         .    .       27 

Wahl    neuer  Mitglieder 28 

Foetterle   F.    Vorlage    des   Werkes:    „das    mineralogische  Lexikon  für  das  Kaiser- 

thum    Oesterreich    von   V.    Ritter    von    Zepharovich" 28 

Foetterle  F.  Vorlage  von  A.  St  ein  hau  s  er's  Zusammenstellung  über:  Organi- 
sation    und    Fortschritt    der    militärisch- kartographischen    Arbeiten    in 

Oesterreich 28 

Foetterle    F.    Vorlage     einer    Reihe    landschaftlicher    Ansichten    des    obern    Save- 

Thales    vom    Hrn.    k.    k.    Rath    und   Prof.   Th.    Ender 28 

Eingegangene    Druckschriften 28 

Versammlung   am    21.    Dezember    1858. 

Wahl    neuer    Mitglieder 29 

Foetterle  F.  Vorlage  zweier  gezeichneter  Kartenwerke    der  Republik  Venedig  von 

Christoforo   Sorte 29 

I 


II 

Seite 
Guggenberger    M.    „lieber    eine    practische    bequeme    geographische  Maasseinheit 

als    genauer    Theilwerth    der    geographischen    Meile 31 

Ruthner    Dr.    A.    v.    Vorlage    von    Aquarell-Landschaften    aus    Salzburg    und    Tyrol 

von    Hrn.    k.    k.    Rath    und    Prof.    Tu.    Ender 34 

Eingegangene    Druckschriften 35 

Versammlung    am    4.    Jänner    1859. 

Foetterle    F.    Mittheilung    über   den    Tod    zweier  Mitglieder 36 

Foetterle  F.  Vorlage  der  Werke:   „der  milit.  Maria  Theresien-Orden"  von  J.  Hir- 
tenfeld   und    „les   saints  lieuxu    von  Mislin 36 

Foetterle  F.  Bericht  über  die  November-Sitzung  der  kais.  russisch. -geogr.  Gesellschaft  36 

Ha  i  din  ger  W.  Vorlage  von  :  „Lettre*,  sur  la  Turquie  par  M.  P.   de  Tchihatchef"  36 

H  ai  d  in  ger    W.    Vorlage   von    Prof.    Dr.    F.    Locher's    „Allgemeiner    Erdkunde"  .  37 

Haidinger    V\\    Mittheilungen    aus    einem    Schreiben    von    S.  R.  Murchison.     .  38 

Guggenberger    M.    Schilderung    des    Leopoldsteiner    See's 38 

Foetterle    F.    Vorlage    einer    grossen  Karte   von  Kleinasien 38 

Foetterle    F.    Vorlage    von    landschaftlichen    Aquarell-Darstellungen    aus    den    süd- 
lichen   Alpengegenden     von    Hrn.    k.    k.    Rath     und   Prof.    Th.    Ender  39 
Eingegangene    Druckschriften 39 

Versammlung    am    18.    Jänner    1859. 

Wahl   neuer  Mitglieder 41 

Foetterle    F.    Vorlage    eingegangener   Druckschriften 41 

Foetterle    F.    Vorlage    von  K.    v.    Sonklar*s    Mittheilung:    „Ueber  einige  Höhen- 
messungen der  Gebrüder  A.    und    H.    S  chlagi  n  t  weit" 41 

Haidinger    W.    Mittheilung    von    Nachrichten    von    der    „Novara" 41 

Haidinger    W.     Vorlage     mehrerer     von     Hrn.     E.     R.     Straznicky     erhaltener 

Zeitungsblätter 42 

Boleslawsky   G.    v.    Vorlage    ethnograph  scher  Gegenstände    aus  Egypten,    Nubien 

und  Sudan 43 

Kornhuber    Dr.    G.    A.    Ueber    das    Moor    „Schur" 43 

Foetterle    F.    Mittheilung    über    seine   Reise    nach    dem    Orient 44 

Eingegangene    Druckschriften 44 

Versammlung    am    1.    Februar    1859. 

Wahl    eines    neuen  Mitgliedes 45 

Foetterle    F.Vorlage  des  Werkes:    „Reisen    in    Central-Afrika"    v.   Dr.  H.    Barth  45 
Haidinger    W.    Nachricht    über    M.    v.    Riedwald's    Allgm.  Zeitg    f.   Wissenschaft  45 
Becker    Dr.    M.    Vorlage    der    von    dem    k.    k.    Ministerium    für    Cultus    und    Unter- 
richt   eingeführten    Lehrbücher    für    Volksschulen     .    .    .    : 46 

Foetterle    F.    Mittheilung    über    seine  Reise    nach    dem  Orient 46 

Eingegangene    Druckschritten 46 

Versammlung    am    15. "Februar    1S59. 

Wahl  neuer   Mitglieder 47 

Foetterle    F.    Mittheilung    über    seine  Reise    nach   dem  Orient 47 

Stäche  Dr.  G.  Darstellung  der  geologisch-geographischen  Beschaffenheit  der  Tschit-  47 

scherei    in    Istrien 47 

Eingegangene    Druckschriften 48 

Versammlung    am    1.    März    1859. 

Wahl    eines    neuen   Mitgliedes 49 

Streffleur    V.    Ueber    die    Configuration    des    Terrains    innerhalb    des    Weichbildes 

von    Wien 49 

Zhishman   Dr.  Jos.  Ueber  den  Zug  Alarich's    nach  Griechenland,  dem  Pelopones 

und   Epirus 50 

Stur    D.    Nachtrag    zu    den    Mittheilungen    und   Untersuchungen    über    das  Erdbeben 

zu    Sillein    am    15.    Jänner    1858    von    Hrn.    Joseph    Kiemen s    ...  51 
Lorenz    Dr.    J.    Ueber  die  Versumpfungen  in  den  oberen  Flussthälern  der  Salzach, 

Enns    und    Mur 55 

Eingegangene    Druckschriften 57 

Versammlung    am    22.    März    1859. 

Foetterle    F.    Mittheilung    über    den    Tod   zweier    Mitglieder 58 

Wahl    neuer  Mitglieder 58 


III 

Seite 

Becker    Dr.   M.    Ueber  die    topographischen  Verhältnisse    im  Umkreis    des   Oetscher  59 

Foetterle  F.  Vorlage  sämmtlicher  Manuscripte  Dr.  W.  Helfer's  über  Hinter-Indien  59 
Foetterle    F.  Vorlage  der  „Land-  und  Seekarte    des  mittelländischen  Meeres  nebst 

den    angrenzenden    Ländern    von    Dr.    Henry    Lange" 59 

Foetterle  F.  Vorlage   des    Werkes   Dr.  Bö'ttgers:   „Das    Mittelmeer." 59 

Foetterle    F.   Mittheilung    über    Don    Mazza's    Institut   in    Verona 59 

Foetterle  F.    Mittheilung    über    die    wissenschaftliche    Reise    des    Herrn    Dr.    Th. 

Kotschy    nach    dem   Taurus    und    Kurdistan 60 

Eingegangene   Druckschriften 60 

Versammlung    am    5.    April   1859. 

Wahl    neuer    Mitglieder 62 

Haidinger    W.  Mitteilung    von    Nachrichten    von    den    Novara-Reisenden      ...  62 

Müller    Dr.    Fr.   Mittheilungen    über    eine    Reise    nach    Grodno 69 

Zhishman    Dr.  J.    Alarichs    Zug  nach    Italien        69 

Eingegangene    Druckschriften 70 

Versammlung   am    3.    Mai   J859. 

Wahl    eines    neuen   Mitgliedes 71 

Foetterle    F.   Mittheilung    des    Verlustes    durch    den    Tod    der    korrespondirenden 

Mitglieder  P.    von  Sick,    und    0.  Sendtner 72 

Foetterle  F.  Vorlage  der  Abhandlung  „Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Un- 
garn"   von   Fr.    Ritter    v.    Hauer 72 

Foetterle  F.  Vorlage  der  Mittheilung  „über  die  Quellen  des  liburnischen  Kar- 
stes  und    der    vorliegenden    Inseln"  von    Dr.    J.    R.    Lorenz    .    .    .    .       72 

Haidinger    W.   Vorlage   der    Abhandlung:    „Das    Delta    des    Nil    von  Cap.  Spratt     72 

Wolf  H.    Die    Strassen-    Fluss-    und    Eisenbahnnivellements    im    Honther    und    Neo- 

grader-Comitate    in    Ungarn       73 

Steinhauser    A.    Vorlage    von    Kartenwerken    über    Bayern 73 

Versammlung   am    17.  Mai    1859. 

Andrian    Frh.    v.    Vorlage    mehrerer    Berichte    an    das    engl.    Parlament 76 

Foetterle    F.    Ueber    die  Teraingestaltung  des  nordwestlichen  ungarischen  Gebirgs- 

landes 77 

Ruthner    Dr.    A.    v.    Uebergang    aus    dem    Oetzthal   in  das    Pitzthal 7  7 

Eingegangene    Druckschriften 77 

Versammlung    am    7.  Juni    1859. 

Wahl    neuer    Mitglieder 78 

Foetterle    F.    Die    Publication    der  h.    Mechitaristen-Congregation    auf    S.  Lazaro      78 
Foetterle   F.    Die   hydrographischen    Verhältnisse    des    Kreises:  Unter  dem  Wiener- 
Wald     78 

Ruthner    Dr.    A.    v.    Uebergang   -von    dem    Oetzthal    in    das    Pitzthal 78 

Foetterle  F.  Bericht  des  Herrn  J.  M.  Ziegler  über  den  Vorgang  der  topo- 
graphischen Arbeiten  in  der  Schweiz,  über  'Munzingers  Reisen  in 
Afrika / 79 

Versammlung    am   18.    Ocktober    1859. 
Genehmigung    der    erfolgten    Uebergabe    einer   Medaille    an    die    Equipage  der    k.    k. 

Fregatte    „Novara" 86 

Foetterle  F.  Einladung  zur  Subscription  von  Beiträgen  für  die  A.  v.  Hum- 
boldt-Stiftung           87 

Wahl    neuer   Mitglieder 87 

Foetterle    F.    Vorlage  der   Karten   der    beiden    Hemisphären   von    Dr.    C.    Vogel 

in    Leipzig 87 

Haidinger  W.    Schreiben  von  Dr.  D.  Livingstone    aus    Tette   am    Zambesi-FIusse     87 

Haidinger    W.    Schreiben   des    Hrn.    Dr.    R.  Ave- Lalle mant 89 

Haidi nger    W.     Bericht   über   die    neuesten    von    Hrn.   Dr.  F.   Hochstetter    von 

Auckland    und   Nelson    erhaltenen    Nachrichten 91 

Haidinger   W.  Ueber   Dr.    F.   Liharzik's    Werk   „das    Gesetz    des   menschlichen 

Wachsthums 94 

Frauenfeld  G.  Notizen  zur  Kenntniss  über  die  Insel  Neu-Amsterdam  ....  94 
Haidinger   W.    Das    dritte   und    letzte   Jahr   der   Erdumseglung    der  k.  k.  Fregatte 

„Novara"  von    Dr.    K.    Scherz  er 94 

1* 


IV 

Seite 
Foetterle   F.     Vorlage    zweier    Mittheilungen    des    Hrn.    Prof.    L.    H.    Jeitteles 

in   Kaschau 95 

Foetterle    F.    Notiz    über    die    Planina-Grotte    von    Dr.    E.    H.    Costa 97 

Eingegangene    Druckschriften 97 

Abhandlungen. 

I,    Fligely    A.    v.    Organisation    und    Fortschritt    der    militär- kartographischen 

Arbeiten    in    Oesterreich 1 

II.    Scherzer    Dr.    K.    und    Schwarz    Dr.    E.    Lieber    Körpermessungen      .    .       11 
III.    Matkovich    P.   Topographische    Karte    des    Gebietes    St.    Michel  di  Lemmo 

in   Istrien     ....         32 

IV.    Schmidt    J.    F.    Ueber    den    Reichenauer-Berg    in    Mähren 38 

V.  Barth  Dr.  W.  Versuch  einer  Erklärung  der  verhältrrissmä<sig  höhern  Tem- 
peratur an  den  Polen  der  Erde  aus  dem  Verhältniss  zwischen  Sonne 
und    Erde 44 

VI.  Sonklar    K.   v.    Ueber    einige    Höhenmessungen    der    Gebrüder    A.    und    H. 

S  c  h  1  a  g  i  n  t  w  e  i  t 58 

VII.  Pechmann   E.    Die    geographische    Breite   von    Insbruck 65 

VIII.    Hauer    F.    Ritter    v.    „Höhenmessungen    im    nordöstlichen    Ungarn*    ...       71 

IX.  Lorenz    Dr.    J.   R.    Die    Quellen    des    liburnischen    Karstes    und    der   vor- 

liegenden   Inseln 103 

X.  Steinhauser    A.  Die  älteste  und  neueste  topographische  Karte  von  Baiern        108 
XL    Wolf  H.    Strassen-,     Fluss-,    und    Eisenbahn-Nivellements   im  Honther-  und 

Neograder-Comitate    Ungarns 120 

XII.    Ruthner    Dr.    A.    v.    Uebergang    aus    dem    Oetzthal    in      das     Pitzthal     über 

den    Hocbvernagt-    und    Sechsegertenferner 130 

XIII.  Dr.  F.    Müller.    Mittheilungen    über    eine    Reise    nach  Grodno  in   den  Bialo- 

wescher-Wald    und    über    die    Auerochsen 155 

XIV.  Dr.  J.  W.    Helfer's     gedruckte    und    ungedruckte    Schriften     über    die    Te- 

nasserim-Provinzen,  den    Mergui-Archipel    und    die    Andamanen-Inseln        167 
XV.    Jeitteles    L.    H.    Quellentemperatur-Messungen    in    den    Sudeten    und    Kar- 

pathen 390 

XVI.    Jeitteles    L.    H.    Das   Erdbeben    am    15.    Jänner    1858    in    den    Karpathen 

und     Sudeten   in    seinen    Beziehungen    zur    Atmosphäre 397 

XVII.    Scherzer    Dr.    K.    Das    zweite   Jahr    der     Erdumseglung    Sr.    Maj.    Fregatte 

„Novara" 414 

XVIII.    Scherzer    Dr.    K.    Das    dritte    und    letzte    Jahr    der  Frdumeglung    Sr     Maj. 

Fregatte    „Novara"       425 


STATUTEN 

DER  KAISERLICH  KÖNIGLICHEM 

GEOGRAPHISCHEN  GESELLSCHAFT. 


I.  Zweck  und  Mittel. 

1.  Der  Zweck  der  Gesellschaft  ist,  die  Interessen  der  geographischen  Wissen- 
schaft  in    ihren    verschiedenen    Richtungen    zu    fördern. 

2.  Die  Mittel  zur  Erreichung  dieses  Zweckes  sind  periodische  Versammlungen, 
Herausgabe  von  Druckschriften  und  Karten,  Unterstützung,  Zuerkennung  von  Preisen, 
anzulegende  Sammlungen  von  Büchern,  Karten  und  andern  zweckdienlichen  Gegenständen. 

3.  Die  Gesellschaft  schöpft  die  Mittel  zur  Bestreitung  ihrer  Auslagen  und  Ver- 
mehrung ihres  Besitzes  aus  Beiträgen,  welche  sie  erhält  an  Geld  und   andern  Gegenständen. 

II.   Bildung  und  Erneuerung. 

4.  Die  Gesellschaft  besteht  aus:  a)  ordentlichen  Mitgliedern,  b)  ausserordentlichen 
Mitgliedern,  e)  correspondirenden  Mitgliedern  und  d)  Ehrenmitgliedern  a.  im  Inlande 
ß  im  Auslande. 

5.  Ordentliche  Mitglieder  sind  diejenigen,  welche  einen  Jahresbeitrag  von  5  Gul- 
den C.  M.,   oder  für  Lebenszeit  die    12*  2fache    Ausgleichungssumme  per  62  fi.  30  kr.  zahlen. 

Ausserordentliche  Mitglieder  sind  diejenigen,  welche  einen  jährlichen  Beitrag  von 
mindestens   10    fl.    C.  M.  leisten. 

6  Zur  Aufnahme  als  ordentliches  oder  ausserordentliches  Mitglied  wird  der  Name 
von  einem  Mitgliede  dem  Ausschusse  vorgeschlagen,  von  diesem  der  nächsten  Gesammt- 
versammlung    empfohlen    und    durch    absolute    Majorität    angenommen. 

7.  Dieses  Verfahren  ist  für  jene  Personen,  welche,  sich  vorbehaltlich  der  Aller- 
höchsten Genehmigung  und  ihrer  eigenen  Annahme  der  Statuten  als  eventuelle  Mitglie- 
der   der    Gesellschaft    erklären,    nicht    mehr    erforderlich. 

8.  Zu  correspondirenden  Mitgliedern  werden  jene  Personen  gewählt,  welche, 
ohne  einen  Beitrag  zu  leisten,  die  Interessen  der  geographischen  Gesellschaft  durch 
ihre    persönliche    Thäthigkeit    fördern. 

9.  Zu  Ehrenmitgliedern  a.  im  Inlande  oder  ß.  im  Auslande,  sollen  solche  Per- 
sonen gewählt  werden,  welchen  die  Gesellschaft  für  ihre  ausgezeichneten  Verdienste 
um  die  Förderung  der  geographischen  Wissenschaft  eine  besondere  Anerkennung  dar- 
zubringen   wünscht. 

10.  Sowohl  die  Correspundenten,  wie  die  Ehrenmitglieder  werden  vom  Aus- 
schusse der  Gesammtversammlung  vorgeschlagen  und  mit  absoluter  Stimmenmehrheit 
gewählt.  Die  Aufnahme  eines  Ausländers  als  Mitglied  der  Gesellschaft  hat  nicht  ohne 
Genehmigung    des    Ministeriums    des    Innern   zu   geschehen. 

III.  Rechte  und  Pflichten. 

11.  Alle  Mitglieder  sind  verpflichtet,  die  Zwecke  der  Gesellschaft  innerhalb  der 
durch  die  Statuten  gezogenen  Grenzen  nach  Kräften  zu  fördern;  die  ordentlichen  und 
ausserordentlichen  Mitglieder  überdiess  auch  die  jährlich  zu  entrichenden  Beiträge  regel- 
mässig zu  zahlen.  —  Die  VerahsJiumung  der  Einzahlung  des  Jahresbeitrages  nach 
Jahresfrist    wird    als    Austrittserklärung    betrachtet. 

12.  In  den  Gesammtversammlungen  hat  jedes  anwesende  Mitglied  Eine  Stimme. 
Es  hat  das  Recht,  Anträge  zu  stellen,  welche  an  den  Ausschuss  zu  richten  und  schrift- 
lich   dem    Secretär    zu    übergeben    sind. 

Die  Mitglieder  werden  durch  Druckschriften,  welche  sie  unentgeltlich  in  Empfang 
nehmen  können,  in  der  Kenntniss  der  Vorgänge  erhalten.  Sie  benützen  die  Samm- 
lungen   nach    den    in    der    Geschäftsordnung    bestimmten    Normen. 

IV.  Geschäftsführung-  und  Leitung. 

13.  Die  Geschäftsführung  geschieht  theils:  a)  in  den  Gesammtversammlungen 
durch    die  versammelten  Mitglieder,    b)    durch    die    von  denselben   gewählten   Functionäre. 

14.  Die  den  Gesammtversammlung-en  zur  Entscheidung  vorbehaltenen  Geschäfte 
sind:    a)   Wahl    aller    Mitglieder,    b)    Wahl  der    Functionäre,    c)    Annahme  der    Geschäfts- 


VI 

Ordnung,    d)    die   Genehmigung   des   jährlich  zu    legenden  Rechnungsberichtes,  e)    Aende- 
rung  der    Statuten,    wobei    übrigens    die    Allerhöchste    Genehmigung  vorbehalten    ist. 

l.j.  In  der  Regel  findet  jeden  Monat  eine  Gesammtversammlung  statt.  Der  Tag 
derselben    wird    in    der   Wiener    Zeitung    bekannt     gemacht. 

16.  Ausserordentliche  Versammlungen  können  nur  durch  den  Ausschuss  bestimmt 
werden,    und    müssen    dann    ebenfalls   in    der    Wiener    Zeitung  bekannt    gemacht    werden. 

17.  Alle  übrigen  Geschäfte  besorgt  ein  Ausschuss  durch  die  Functionäre.  Diese 
bilden  einen  Körper,  der  in  seiner  vollständigen  Zusammensetzung  aus  34  Vertrauens- 
männern besteht,  a)  Ein  Präsident  mit  einjähriger  Functionsdauer.  b)  Sechs  Vice-Prä- 
sidenten  mit  zweijähriger  Functionsdauer  und  jährlicher  Erneuerung  der  Hälfte.  Nach 
dem  ersten  Jahre  bestimmt  das  Loos  die  Austretenden,  c)  Zwei  Secretäre.  d)  Ein 
Rechnungsführer,  e)  Ein  Cassier,  und  zwar  alle  vier  mit  einer  in  der  Geschäftsord- 
nung zu  bestimmenden  Functionsdauer.  f)  Zwei  Prüfungscommissäre  der  Jahresrechnungen 
mit  einmaliger  Function  der  Prüfung,  g)  Einundzwanzig  Ausschussmänner  mit  dreijäh- 
riger Functionsdauer  und  jährlicher  Erneuerung  eines  Drittheils.  Nach  dem  ersten  und 
zweiten    Jahre    bestimmt    das    Loos    die     Austretenden. 

18.  Der  Präsident  und  die  sechs  Vice-Präsidenten  sind  nach  dem  Austreten 
nicht    sogleich  wieder    zu    derselben    Function    wählbar. 

19.  Der  Präsident  leitet  die  Verhandlungen  in  den  Gesammt-  und  Ausschuss- 
Sitzungen,  welche  letztere  er  beruft.  Er  gibt  am  Schlüsse  seines  Functionsjahres  einen 
Jahresbericht. 

20.  Die  Vice-Präsidenten  unterstützen  den  Präsidenten  in  der  Geschäftsleitung 
und    vertreten    denselben  nach    einem    einmonatlichen    Turnus. 

21.  Die  Secretäre  führen  die  Protokolle  in  den  Sitzungen,  besorgen  die  Corre- 
spondenz  und  überwachen  die  Sammlungen.  Einer  der  Secrectäre  legt  den  im  Aus- 
schuss   berathenen,    jährlich  zu  legenden  Rechenschaftsbericht   in  der  Gesammtsitzung  vor. 

22.  Der  Rechnungsführer  und  der  Cassier  besorgen  die  Geldangelegenheiten  der 
Gesellschaft. 

23.  Sämmtliche  Functionäre  werden  von  dem  Präsidenten  oder  von  dem  ihn 
vertretenden  Vice-Präsidenten  zu  Ausschuss-Sitzungen  berufen,  in  welchen  die  Anwe- 
senden   Stimme    haben. 

V.  Vertretung  und  Schlichtung  von  Streitigkeiten. 

24.  In  diesen  Ausschuss-Sitzungen  werden  sämmtliche  Geschäfte  der  Gesellschaft 
erledigt,  welche  nicht  der  Gesammt- Versammlung  vorbehalten  sind;  die  vor  die  letztere 
kommmenden  Fragen  und  Anträge  näher  erwogen  und  die  zu  fassenden  Entschlüsse 
vorbereitet. 

25.  Sowohl  für  die  Gesammt-  wie  Ausschuss-Sitzungen  leitet  ein  Secretär  die  Vor- 
bereitungen. 

26.  Jede  Abstimmung,  sowohl  in  den  Gesammt-  wie  Ausschuss-Sitzungen  geschieht 
nach    absoluter    Majorität    der    Stimmen. 

27.  Ueber  jede  Gesammt-  und  Ausschuss-Sitzung  wird  ein  Protokoll  geführt, 
welches  von  dem  jedesmaligen  Vorsitzenden,  dem  Sekretär  und  einem  anwesenden 
Ausschussmanne    gefertigt    wird. 

28.  Die  Gesellschaft  wird  durch  den  Präsidenten  oder  im  Falle  seiner  Verhin- 
derung durch  den  ihn  vertretenden  Vice-Präsidenten  gemeinschaftlich  mit  einem  Sekre- 
tär   nach    aussen    und   den    Behörden   gegenüber    vertreten. 

29.  Der  Natur  der  Gesellschaft  nach  sind  eigentliche  Streitigkeiten  nicht  denkbar 
—  Die  etwa  eintretenden  Verschiedenheiten  der  Ansichten,  die  sich  auf  die  Erreichung 
der  gesellschaftlichen  Zwecke  beziehen,  werden  in  den  Ausschuss-Sitzungen  vorgetragen 
und  in  Anträge  formulirt,  in  einer  Gesainmt-Sitzung  zur  Entscheidung  vorgelegt. 

VI.  Auflösung  der  Ciesellschaft. 

30.  Im  Falle  der  Auflösung  der  Gesellschaft,  welche  vorläufig  zur  Kenntniss  der 
politischen  Landesstelle  zu  bringen  ist,  entscheidet  die  Gesammt-Sitzung  über  die  Moda- 
litäten der  Auflösung,  insbesondere  aber  über  die  bezüglich  des  Gesellschaftsvermö- 
gens   zu    treffenden  Verfügungen. 


VII 


GESC HAFTS-ORDNUNG 

DER    KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 

GEOGRAPHISCHEN -GESELLSCHAFT. 


Der  Zweck  der  Gesellschaft  ist  die  Förderung  der  geographischen  Wissenschaft 
in  ihren  verschiedenen  Richtungen  und  zwar  durch  periodische  Versammlungen,  Heraus- 
gabe von  Druckschriften  und  Karten,  Unterstützungen,  Zuerkennung  von  Preisen,  an- 
zulegende Sammlungen  von  Büchern.  Karten  und  andern  zweckdienlichen  Gegenständen. 
Die  Geschäftsordnung  hat  daher  nähere  Erörterungen  für  alle  diese  Zweige,  so  wie 
für    die    Geschäftsführung    im    Allgemeinen    zu    enthalten. 

Die    Geschäftsordnung    geschieht:    a)    durch    die    Functionäre: 

I.  Der  Präsident. 

§.  1.  Der  Präsident  führt  bei  allen  Sitzungen  den  Vorsitz,  eröffnet  dieselben, 
leitet    die    Verhandlungen,    und    schliesst    sie. 

§.  2.  Er  unterfertigt  die  Diplome  und  alle  wichtigeren  Akten,  in  welchen  die 
Gesellschaft    als    Ganzes    nach    Aussen    und    den    Behörden    gegenüber    repräsentirt    ist. 

§.    3.    Er    beruft    die    Ausschuss-Sitzungen. 

§.  4.  Er  nimmt  die  von  dem  Rechnungsführer  und  Kassier  von  drei  zu  drei 
Monaten    verfassten    Rechnungsabschlüsse    zur    Kenntniss. 

§.  5..  Er  weiset  specielle  wissenschaftliche  oder  administrative  Gegenstände  in 
vorkommenden  Fällen  eigenen  Referenten  aus  der  Zahl  der  Ausschuss-  oder  der  übrigen 
Mitglieder   zu. 

§.    6.    Er    gibt    am    Schlüsse    seines    Functionsjahres    einen    Jahresbericht. 

§.  7.  Im  Verhinderungsfalle  wird  er  durch  den  in  der  Tour  stehenden  Vice- 
präsidenten    vertreten, 

11.    Vice-Präsidenten. 

§.  8.  Die  sechs  Vicepräsidenten  vertreten  den  Präsidenten  in  allen  seinen  Func- 
tionen   und    zwar    von    Monat    zu    Monat  abwechselnd  in   alphabetischer   Reihenfolge. 

111.  Secretäre. 

§.  9.  Den  beiden  Secretären  fallen  alle  die  Geseilschaft  betreffenden  admini- 
strativen   Geschäfte   zu,    in    welche    sie    sich  theilen. 

§.  10.  Alle  an  die  Gesellschaft  gerichteten  Zusendungen  gehen  an  den  ersten 
Secretär;  derselbe  beantwortet  alle  Briefe,  Anfragen  und  Akten  im  Einverständnisse 
mit  dem  Präsidenten  und  legt  sie  nöthigenfalls  berichterstattend  in  der  Ausschuss- 
sitzung vor. 

§.  11.  Er  trägt  die  in  den  Ausschusssitzungen  formulirten  Anträge  in  den  Ge- 
sammtsitzungen    zur    Entscheidung   vor. 

§.  12.  Er  legt  ferner  alle  eingegangenen  Tausch-  oder  Geschenkgegenstände 
in  den  Gesammtversammlungen,  so  wie  die  an  die  Gesellschaft  eingesendeten  wissen- 
schaftlichen   Aufsätze    dem    Ausschusse    vor. 

§.  13.  Er  führt  über  die  für  die  Gesammtversammtung  angemeldeten  Vorträge 
eine    eigene  Aufschreibung. 

§.  14.  Er  unterfertigt  mit  dem  Präsidenten  alle  Diplome  und  alle  Akten,  sowie 
allein  die   minderwichtigen    kurrenten,    administrativen    Gegenstände   der   Correspondenz. 

§.  15.  Er  verfasst  den  am  Schlüsse  des  Jahres  zu  legenden  Rechenschaftsbe- 
richt und  legt  ihn  der  Ausschusssitzung  und  der  allgemeinen  Versammlung  vor.  Dieser 
Rechenschaftsbericht  enthällt  zugleich  den  Rechnungsabschluss  des  Jahres,  sowie  Vor- 
anschläge. 

§.  16.  Er  leitet  im  Einverständnisse  mit  dem  Präsidenten  den  Druck  der  Ge- 
sellschaftsschriften. 

§.    17.    Er   führt    über    die    Mitglieder    ein    genaues    Verzeichniss. 

§.    18.    Er    führt  die    Kanzlei direction. 

§.    19.   Er   unterfertigt  alle  an  den  Kassier  zur  Auszahlung  gerichteten  Anweisungen. 

§.    20.    Die   Function   des    ersten    Secretärs    dauert  vier   Jahre. 


VIII 

§.  21.  Der  zweite  Secretär  führt  bei  allen  Sitzungen  das  Protokoll  und  un- 
terstützt   den    ersten    Secretär    in    allen   seinen    Geschäften. 

§.  22.  Er  besorgt  ferner  die  Ordnung  und  Aufsicht  der  Bibliothek  und  der 
Sammlungen,    worüber    er   genaue    Kataloge    führt. 

§.  23.  Er  führt  ferner  über  alle  an  die  Gesellschaft  eingegangenen  Gegenstände 
eine    chronologische    Vormerkung    und    eine    eigene    Inventarsrechnung. 

§.  24.  Die  Function  des  zum  ersten  Mal  gewählten  zweiten  Secretärs  dauert 
zwei   Jahre,    später  ebenfalls    4    Jahre. 

IV.   Rechnungsführer. 

§.  25.  Der  Rechnungsführer  nimmt  alle  an  den  Verein  gelangenden  Gelder  in 
Empfang  und  übergibt  sie  dem  Kassier  zur  Aufbewahrung,  worüber  ein  eigenes  Vor- 
merkungsbuch   zwischen    Beiden   geführt    wird. 

§.  26.  Er  übernimmt  alle  zur  Zahlung  einlangenden  Contos  und  weiset  den  Be- 
trag zur  Auszahlung  an  den  Kassier  mittelst  eigener  vorgedruckten  Anweisungen,  die 
vom    Secretär    mitgefertigt    sind. 

§.  27.  Er  führt  über  sämmtliche  Einnahmen  und  Ausgaben  eine  eigene  Geld- 
rechnung und  übergibt  dem  Präsidenten  von  drei  zu  drei  Monaten  einen  vom  Kas- 
sier   mitgefertigten    Kechnungsabschluss. 

§.    28.   Er    unterfertigt    mit    dem    Kassier    die    Jahreskarten. 

§.  29.  Er  bereitet  alljährlich  einen  vollständigen  Jahresabschluss  vor  und  über- 
gibt   denselben    dem    ersten    Secretär. 

§.    30.    Die    Function    des    Rechnungsführers    dauert    drei    Jahre. 

V.  Kassier. 

§.  31.  Der  Kassier  nimmt  die  ihm  vom  Rechnungsführer  übergebenen  Gesell- 
schaftsgelder   in    Empfang    und    führt    hierüber    eine    geuaue    Aufschreibung. 

§.  32.  Er  zahlt  alle  an  ihn  gerichteten  vom  Rechnungsführer  und  Sekretär  un- 
terfertigten   Anweisungen  aus,    und   verzeichnet   dieselben. 

§.  33.  Sobald  die  Baarschaft  Einhundert  Gulden  übersteigt,  legt  er  sie  frucht- 
bringend  an.  „    • 

§.-  34.  Er  unterzeichnet  alle  vom  Rechnungsführer  verfassten  dreimonatlichen , 
und    Jahresrechnungen,    so   wie    die   Jahreskarten. 

VI.  Prüfungs-Commissäre. 

§.   35.    Die    Function    des   Kassiers    dauert    zwei    Jahre. 

§.  36.  Die  Prüfungs-Commissäre  revidiren  die  vom  Rechnungsführer  zu  legende 
Jahresrechnung  und  die  vom  zweiten  Secretär  zu  führende  Inventarialrechnung  am 
Jahresschlüsse. 

VII.  Ausschussmitglieder. 

§.  37.  Die  Ausschuss -Mitglieder  haben  in  den  Aussohuss- Sitzungen  entschei- 
dende  Stimme. 

§.  38.  Sie    übernehmen    in    vorkommenden    Fällen    Referate   zur   Erledigung, 
b)  durch   die 

Gesammt-  Versammlungen. 

§.  39.  Den  Vorsitz  bei  diesen  fü'irt  der  Präsident ;  ist  dieser  nicht  anwesend,  so 
übernimmt  der  Monats-Vicepräsident,  als  dessen  Stellvertreter  den  Vorsitz.  Sollte  der- 
selbe nicht  anwesend  sein,  oder  den  Vorsitz  ablehnen,  so  folgt  der  nächstgereihte 
Monats-Vicepräsident  u.   s.    f. 

§.  40.  Sollte  auch  keiner  der.  Vicepräsidenten  anwesend  sein,  oder  den  Vorsitz 
ablehnen,  so  leitet  ein  im  Alphabet  zunächst  folgendes  Ausschussmitglied  die  Verhand- 
lungen. 

§.  41.  Gegenstände  der  Gesammtsitzungen  sind:  die  wissenschaftlichen  Vorträge,  die 
die  Gesellschaft  betreffenden  Mittheilungen,  und  die  der  Gesammt-Versammlung  durch 
die    Statuten  vorbehaltenen    Geschäfte. 

§.    42.   Die    Vorträge    werden    von   den   Mitgliedern    der    Gesellschaft  gehalten. 

§.  43.  In  besonderen  Fällen  ladet  der  Präsident  oder  der  erste  Secretär,  im 
Einverständnisse  mit  demselben,  zur  Abhaltung  eines  Vortrages  auch  solche  Personen 
ein,    welche   nicht  Mitglieder    der   Gesellschaft    sind. 

§.  44.  Wer  einen  Vortrag  zu  halten  beabsichtigt,  wird  ersucht,  davon  dem  er- 
sten Secretär  schriftlich  oder  mündlich,  wo  möglich  zwei  Tage  vor  der  Versammlung, 
die  Mittheilung  zu   machen. 


IX 

§.  45.  Zrir  Beschlussfähigkeit  der  Gesammtversammlung  ist  die  Anwesenheit  von 
mindestens   einundzwanzig   Mitgliedern    erforderlich. 

Jahres- Versammlung. 

§.  46.  Die  erste  Gesanimtversamuilung  im  Monat  November  eines  jeden  Jahres 
wird  zugleich  als  Jahresversammlung  betsaehtet,  in  welcher  der  Jahresbericht  und  der 
Rechenschaftsbericht    vorgelegt    wird. 

§.  47.  In  derselben  werden  die  erforderlichen  Wahlen  der  Functionäre  vor- 
genommen. 

Ausschuss-Sitzungen. 

§.    48.    Zu    den    Ausschuss-Sitzungen  werden  die  Functionäre  besonders  eingeladen. 

§.  49.  In  denselben  führt  der  Präsident  oder  der  ihn  vertretende  Monatspräsi- 
dent den  Vorsitz.  Die  Sitzung  beginnt  mit  der  Vorlesung  des  Protokolls  der  vorher- 
gegangenen  Ausschuss-Sitzung. 

§.  50.  Gegenstände  der  Ausschuss-Sitzungen  sin>l:  die  Berichte  des  ersten  Se- 
cretärs  über  die  gefassten  Beschlüsse,  die  wichtigsten  die  Gesellschaft  betreffenden  Ein- 
laufe,   und    die    eingegangenen    Anträge. 

§.  51.  Zur  Beschlussfähigkeit  ist  die  Anwesenheit  von  mindestens  sieben  Func- 
tionären    erforderlich. 

§.  52.  Alle  anwesenden  Functionäre  sind  stimmfähig,  bei  gleicher  Stimmenzahl 
entscheidet    der    Präsident. 

§.  53.  Auf  Verlangen  eines  Mitgliedes  ist  über  den  Schluss  der  Debatten  ab- 
zustimmen. Sobald  der  Schluss  der  Debatte  ausgesprochen  ist,  hat  nur  noch  der  An- 
tragsteller   oder   Berichterstatter    das   Recht    zum    Worte. 

§.  54.  Bei  der  Fragestellung  ist  ein  Antrag  auf  Aussetzung  des  Beschlusses  auf 
eine  spätere  Zeit  vor  allen  materiellen  Verbesserungsvorschlägen  zur  Abstimmung  zu 
bringen.  Von  zwei  selbstständigen  Anträgen  ist  derjeige  zuerst  zur  Abstimmung  zu 
bringen,  durch  dessen  Annahme  der  andere  Antrag  von  selbst  hinwegfällt.  Ausser  die- 
sem Falle  hat  der  weitergehende  Antrag  den  Vorrang  vor  dem  andern.  Im  Uebrigen 
gehen    Verbesser'ings-Vorschläge    den    Hauptanträgen    vor. 

Herausgabe  von  Druckschriften. 

§.  55.  Die  Gesellschaft  veröffentlicht  Druckschriften,  deren  Ausdehnung  von  den 
vorhandenen    Geldmitteln    abhängt. 

§.  56.  Diese  sollen  enthalten:  a)  die  Sitzungsberichte  über  die  Gesammtsitzun= 
gen  der  Gesellschaft,  b)  Abhandlungen  sowohl  von  Mitgliedern,  wie  von  Nichtmitglie- 
dern    über    geographische    Gegenstände. 

§.  57.  Die  Abhandlungen  werden  »on  den  Sitzungsberichten  dadurch  getrennt 
gehalten,    dass    sie    eine   abgesonderte    Paginirung    erhalten. 

§.  58.  Jeder  Verfasser  erhält  von  seiner  gelieferten  Abhandlung  fünfzig  Se- 
paratabdrücke gratis. 

§.  56.  Die  Redaction  führt  der  erste  Secretär  in  Einvernehmen  mit  dem  Prä- 
sidenten. 

Bibliothek. 

§.  60.  Alle  an  die  Gesellschaft  einlangenden  Druckschriften  und  Karten  wer- 
den  in    einer  Bibliothek   aufbewahrt,    deren    Aufsicht    der   zweite    Secretär  führt. 

§.  61.  Ueber  dieselben  wird  ein  gehöriger  Katalog  und  ein  chronologisches  Vor- 
merkbuch der    einlangenden    Gegenstände    geführt. 

§.  62  Jedes  Mitglied  ist  berechtigt,  aus  der  Bibliothek  die  Druckschriften  zu 
benützen. 

§.  63.  Gegen  jede  Entlehnung  aus  dem  Vereinslokale  wird  eine  Empfangsbe- 
stätigung  ausgestellt. 

§.  Auch  andere  an  die  Gesellschaft  eingehende  Gegenstände  werden  in  der 
Bibliothek  aufbewahrt  und  hierüber  wird  vom  zweiten  Secretär  ein  eigenes  Inventa- 
rium  geführt. 

Hilfspersonale. 

§.  65.  Zur  weiteren  Besorgung  der  Geschäfte  wird  den  Secretären  ein  Scriptor 
zur  Aushilfe    und    ein    Diener  gegen    eine    monatliche    Entschädigung    beigegeben. 


K.   K.   GEOGRAPHISCHE   GESELLSCHAFT. 


Funktionäre. 

Präsident: 

Czocrnig  Karl,  Freiherr  v.  Czernhausen,   Se.  Excellenz,  U.  J.  Dr.,  Commandeur,  k.  k.  w.  geh. 
Kalh,  Seetionschef  im  k.  k.  Handelsministerium,  C.  M.  K.  A. 

Vicc-l*rä.sitleuten : 

Baidinger  Wilhelm,    Ritter,    Phil.   Dr.,    k.  k.  Seetionsrath,    Director  der  k.  k.  geologischen 

Reichsanstalt,  M.  K.  A. 
Belfert  Alexander,  Freiherr  von,  U.  J.  Dr.,  Unterstaatssecretär  im  k.  !..  Ministerium  für  Cultus 

und  Unterricht, 
flieizinger  Karl,  Freiherr  von,  Se.  Excellenz,  k.  k.  wirklicher  geheimer  Rath,  k.  k.  Reichsrath. 
Kinlzl  Leopold,  k.  k   Generalmajor. 
Saliii-Rcilieischeidt-kiaiitlieiin  Hugo,  Se.   Durchlaucht  Fürst  von,  Ritter  des  goldenen  Vliesses, 

Grosskreuz,  k.  k.  Reichsrath  etc. 
Steinhäuser  Anton,  k.  k   Rath. 


Secretär : 

filcchunngsführer : 

trassier; 


FoetUrle  Franz,  k.  k.  Bergrath. 
Hornig  Emil,  k.  k.  Professor. 

Artaria  August,  Kunsthändler. 

Censoren : 

flarinat  Anton,  Revident  im  statistischen  Bureau  des  k.  k.   Handelsministeriums. 
Schimmer  Gustav  Adolf.  Revident  im  statistischen  Bureau  des  k.  k.  Handelsministeriums. 

Ausschuss-  Mitglieder: 

lierker  Moriz  A.,  Phil   Dr.,  k.  k.  Schulrath. 

Bergmann  Joseph,  Ritter,  Custos  im  k.  k.  Münz-  und  Antiken-Cabinet,  M.  K.  A. 

Cjbnlz  Ignaz,  k.  k.  Artillerie  Hauptmann. 

Ficker  Adolf,  U.  J.  et  Phil.  Dr.,  Ministerial-Secretär  im  k.  k.  Handelsministerium. 

Kitzinger  Leop.,  Med.  et  Phil.Dr,  Custos-Adjunkt  am  k.  k.  zoologischen  Hof-Cabinete.  M.  K.A. 

Fligely  August  von,  Commandeur,  k.  k.  Generalmajor,  Director  des  k.  k.  Militär,  geographischen 
Institutes. 

Fritscfa  Karl,  Adjunkt  a.  d.  k.  k.  Cential-Anstalt  für  Meteorologie  u.  Erdmagnetismus,  CM.  K.A 

Bauer  Franz,  Ritter  von,  k.  k.  Bergrath,  C.  M.  K.  A. 

Beller  Karl,  k.  k.  Professor  am  k.  k.  Theresianum. 

Beufler  zu  Rasen  und  Perdonegg  Ludwig,  Ritter  von.  k.  k.  w.  Kämmerer,   k.  k.  Seetionsrath. 

flingenau  Otto  Freiherr  von,  k.  k.  wirkl.  Kämmerer,  Bergrath,  Professor. 

Börnes  Moriz,  Ritter,  Phil.  Dr.,  Custos  und  Vorstand  des  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinetes.  - 

Kotschy  Dr.  Theodor,   Custos-Adjunkt  am  k.  k.  botanischen  Hof-Cabinete. 

Rreil  Karl,  Ritter,  Phil.  Dr.,  Director  der  k.  k.  Central -Anstalt  für  Meteorologie  und  Erd- 
magnetismus, M.  K.  A. 

Muszvnski  Karl,  Hauptmann  im  k.  k.  Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

Pechmann  Eduard,  Ritter,  Oberstlieutenant  im  k.  k.   Mifit.   Ingenieur-Geographen-Corps. 

Reissek  Siegfried,  Med.  Dr.,  Custos-Adjunkt  am  k.  k.  botanischen  Hof-Cahinete.  C.  M.  K.  A. 

Buthner  Anton  v. ,  U.  J.  Dr.,  Hof-  und  Gerichts-Advokat. 

Simon;  Friedrich,  k.  k.  Professor. 

Zhishinan  Josef.  Phil.  Dr.,  Professor  am  k.  k.  Theresianum. 


XI 
Ehren  -  Mitglieder. 

Des  Inlandes: 

S  e.  k.  k   H  o  h  e  i  t  d  e  r  D  u  r  c  h  1  a  u  c  h  t  i  g  s  t  e  P  r  i  n  z  und  Herr 

Erzherzog  Ferdinand  Maximilian. 
Se.  k.  k.  Hoheit  der  Durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Karl  Ludwig. 
S  e.  k.  k.  H  o  h  e  i  t  d  e  r  D  u  r  c  h  I  a  u  c  h  t  i  g  s  t  e  P  r  i  n  z  undHerr 

Erzherzog  A  I  b  r  e  c  li  t. 
S  e.  k.  k.  H  o  h  e  i  t  d  e  r  D  u  r  c  h  I  a  u  e  h  t  i  g  s  t  e  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Karl  Ferdinand. 
S  e.  k.  k.  H  o  h  e  i  t  d  e  r  I)  u  r  c .  h  I  a  u  c  h  t  i  g  s  t  e  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  IS  te  phan. 
S  e.  k.  k.  H  o  h  e  i  t  d  e  r  D  u  r  e  h  I  a  u  c  h  t  i  g  s  t  e  P  r  i  n  z  undHerr 

Erzherzog  Joseph.  « 

S  e.  k.  k.  Hoheit  der  Durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 
Erzherzog  Ludwig  Joseph. 

Bone  Dr.  Ami,  M.  K.  A. ,   Wi  e  n. 

Hauslab,  Se.  Excellenz  Franz  Ritter  v..  k   k.  \v.  Geh.  Kath,  k.  k.  Feldmarschall-Lieutenant.  Wien. 

Nostitz  Gräfin  Pauline  vi,  geborne  Freiin  Des-Granges.  Schön dorf  bei  Neu-Arad,  Ungarn. 

Des  Auslandes: 

S  e.  M  a  j.  der  Kaiser  von  Brasilien 

Dom   Pedro  II 

S  e.  M  a  j.  der  König  von  S  c  h  w  e  d  e  n  und  Norwegen 

Karl  XIV. 

S  e.  kaiserliche  Hoheit  der  G  r  o  s  s  f  ü  r  s  t 

Constautiu  von  R  u  s  s  1  a  n d. 

Bache  Alexander  D.,  Superintendant  des  Coast  Survey  der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika, 
Washington. 

Baer  Dr.  Karl  Ernst  von,  kaiserlich  russischer  Staatsrat!)  und  Akademiker,  St.  Petersb  urg. 

Barth  Dr.  Heinrich,  Ritter  des  Bath-Ordens,  Hamburg. 

Baeyer,  königl.  preussischer  Generalmajor  und  Ahtheilungschef  im  grossen  Generalstab,  Berlin. 

Beaiiinoiit  Leonce  Lllc  de,  Ritter,  kaiserlich  französischer  Senator,  beständiger  Secretär  der  kai- 
serlichen Akademie  der  Wissenschaften,  Paris. 

Brisbane  Sir  Thomas  Macdougall,  Hart,,  königl.  grossbritannischer  General-Lieutenant,  Präsident 
der  königl.  Gesellschaft  von  Edinburg.  Edinburg. 

Candolle  Alphons  de,  Professor,  Genf. 

Demidoff  Anatol  Fürst  von,  kaiserlich  russischer  Kammerherr ,  Staatsrat!),  SanDonato   bei 
Florenz. 

Daumas  Melchior,  kaiserl.  französischer  Divisions-General,  Director  der  Abtheilung  für  Algier 
im  Kriegsministerium,  Paris. 

Dove  Heinrich  Wilhelm,  königl.  preussischer  Professor,  Mitglied   der  königl.  Akademie    der 
Wissenschaften,    Berlin. 

IMipperrcy  Louis  Isidore,  kaiserl.  französischer  Admiral,  Paris. 

Dupin  Karl  Baron,  kaiserl.  französischer  Senator,  Mitglied  des  Instituts  von  Frankreich,  Paris. 

Ehrenberg  Dr.  Christian  Gottfried,  Ritter,  Professor,  Mitglied  der  königl.  Academie  der  Wissen- 
schaften, Berlin. 

Ermann  Dr.  Adolph,  königl.  preussischer  Professor,  Berlin. 

Fitz  Roy  Robert,    königl.  grossbritannischer  Rear-Admiral,  Mitglied  der  königl.  Gesellschaft, 
London. 

Fremont  John  Christ.,  Oberst  der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika,  Washington. 

Fries  Dr.  Elias,  Ritter,  königl.  schwedischer  Professor,  Upsala. 

Grey  Sir  George,  Gouverneur  des  Kapiandes  in  der  Kapsta  dt. 

Griiiell  Henry,  Vice-Präsident  der  geographischen  Gesellschaft  in  New-York. 

Hansteen  Christian,  Commandern*,  königl.  schwed.  Professor,  Christian)*). 

Hermann  Dr.  Friedrich  Benedikt  Wilhelm  von,  königl.  bayer.  Staatsrat!),  Director  des  statist. 
Bureau  und  Vorstand  d.  k.  General-Bergwerks-  und  Salinen-Administration,  München. 

Hooker  Sir  William  Jackson,  Ritter,  Director  des  königl.  botanischen  Gartens,  Mitglied  der  k. 
Gesellschaft  in  London,  Kew. 

Jomard  Edme  Francois,  Präsident  der  geographischen  Gesellschaft  in  Paris,  Mitglied  des  kais. 
Institutes  von  Frankreich,  Paris. 


XII 

Keyserling  Alexander  Andreje»  itsch  Graf  von,  kaiseri.  russischer  Kammerherr,  Reval 

Kupfl'or  Adolph  Theodor,  kaiseri.  russischer  Staatsrath,  Akademiker,  St.  Petersburg. 

Lainuiit  Dr.  Johann  Ritter,  Conservator  der  königl.  Sternwarte,  München. 

Lesscps  Ferdinand  von,  Paris. 

Luca  Se.  Excellenz  Anton  Xaver  de,  apostolischer  Nuntius.  Erzbischof  von  Tarsus,  Grosskreuz 
der  königl.  bayer.  Krone,.  Mitglied  der  b.  Congregation  de  Propaganda  fide  etc.,  Wien. 

Liitke  Fr.  v.,  kaiseri.  russischer  Admiral,  St.  Petersburg. 

Lyell  Sir  Charles.  Hitler,  Mitglied  der  königl.  Gesellschaft,  London. 

IMarlius  Dr.  Karl  Philipp  Friedrich  von.  königl.  bayer.  Hofrath,  Commandern-,  Ritter,  München. 

JUiddendurfT  Adolph  Theodor  von,  kaiseri.  russischer  Staatsrath,  beständiger  Secretär  der  kais. 
Akademie  der  Wissenschaften,  St.  Petersburg. 

Horeau  de  Jonnes  Alexander,  Mitglied  des  Institutes  von  Frankreich,  Paris. 

Murchison  Sir  Roderick  Impey,  Grosskreuz,  Mitglied  der  königl.  Gesellschaft  und  Präsident 
der  königl.  geographischen  Gesellschaft,  London. 

Quctelet  Dr.  Adolph  Lambert  Jacob.  Director  der  königl.  Sternwarte,  Präsident  der  Central- 
Commission  für  Statistik,  Brüssel. 

Ranlinsuii  Heinrich  Creswicke,  königl.  gross  britannischer  Oberst,  Commandeur,  Mitglied  der 
königl.  Gesellschaft,  London. 

Rose  Dr.  Gustav,  Professor  der  Mineralogie.  Berlin. 

Rü|t|)el  Dr.  Eduard,  Frankfurt  a.  M. 

Sabine  Eduard,  königl.  grossbritannischer  General-Major,  Mitglied  der  königl.  Gesellschaft, 
London. 

Sinjth  William  Henry,  königl.  grossbritannischer  Rear-Admiral,  Ritter,  Mitglied  der  königl.  Ge- 
sellschaft, Lo  mloii. 

8 1 r ii v e  Friedrich  Georg  Wilhelm  v.,  kaiseri.  russischer  Staatsrath,  Director  der  kaiseri.  Stern- 
warte, Pulkowa. 

Sykes  William  Henry,  königl.  grossbritannischer  Oberst,    Mitglied  der  königl.  Gesellschaft, 

I.  ii  II  il  on. 
Tchlhatcheff  Peter  von,  kaiserlich   russischer  Kamnierherr,  St.  Petersburg. 
Vlcunite  de  Yerncuil  Philipp  Eduard  le  Poulletier,  Mitglied  des  kaiseri.  Institutes  von  Frankreich, 

Vice-Präsident  der  geologischen  Gesellschaft  von  Frankreich,  Paris. 
Wheweli  Reverend  William  D.  D  ,  Marter  of  Trinity  College,  Mitglied  der  königl.  Gesellschaft 

in  London,  Cambridge. 
Wied  Seine  Durchlaucht  Maximilian  Prinz  von,  Wied. 
Zarco  del  Valle  y  Huet,  Seine  Excellenz  Don  Antonio  Remon,  Grosskreuz,  königl.  spanischer 

General-Lieutenant,  Präsident  der  königl.  Akademie  der  Wissenschaften,  Madrid. 

Correspoudirende  Mitglieder. 

Des  Inlandes: 

Kremiuer  Alfred  von,  k.  k.  Vice-Consul  und  Consulats-Leiter  in  Cairo. 

Loossey  Karl,  k.  k.  General-Consul  in  New -York. 

Schwarz  Dr.  Wil.,  k.  k.  Sectionsrath  u.  Kanzlei-Directur  des  k.  k.  General-Consulats  in  Paris. 

Magyar  Ladislaus  Amerigo,  in  Bihe  in  Afrika. 

Des  Auslandes: 
Ablcb  Hermann,  kaiseri.  russischer  Staatsrath,  Akademiker,  St.  Petersburg. 
Anderson  Ch.  J.,  Stockholm. 
Andrec  Karl,  Phil.  Dr.  Leipzig. 

Angelrodt  E.  J..  k.  k.  Vice  Consul  in  St.  Louis,  Missouri.  U.  S.  A. 
d'Avezac,  Secretär  der  geographischen  Gesellschaft,  Paris. 
Bergbaus  Dr.  Heinrich,  königl.  preussischer  Professor,  Berlin. 
Bickerstcth  Dr.,  Inspector  siimmtlicher  Spitäler,  Kapstadt. 
Bleck  Dr.  W.  H.  J,  Kapstadt. 

Blceker  Dr.  P.,  Präsident  der  naturforschenden  Gesellschaft  für  Niederland.  Indien,  Batavia. 
Buist  Dr.  F.  Georg,  Mitglied  der  königl.  Gesellschaft  in  London,  Secretär  der  geographischen 

Gesellschaft,  Bomb  a  y. 
Carrasco  Don  Eduardo,  Cosmografo  major  del  Peru,  Professor,  Director  der  nautischen  Schule, 

Lima. 
Castelnau  Graf  Francis  de,  kaiseri.  französischer  General-Consul,  Kapstadt. 
Dana  James  D.,  Professor,  New-Haven,  Connecticut. 

Darwin  Charles  Esq.,  Mitglied  der  königl.  Gesellschaft  in  London,   Down  bei  Bromley,  Kent 
Daussy  Peter,  Commandeur,  Mitglied  des  kaiserliehen  Instituts  von  Frankreich,  Paris. 
Kniory  W.  E.,  Major  der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika,  Washington. 


XIII 

Engel  Dr.  Christian  Lorenz  Ernst,  Vorstand  des  statistischen  Bureau's,  Berlin. 

Kwald  Ludwig,  grossherzogl.  hessischer  Ober-Steuerrath,  Vorstand  des  Vereines  für  Erdkunde 

und  verwandte  Wissenschaften,  Darmstadt. 
Ferrcira  Lagos  Dr.  Manne],  kaiserl.  brasilianischer  Prnfessor,  Rio  de  Janeiro. 
Flügel  Felix  Philipp  Dr.,  Konsul  der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika,  Leipzig. 
Forchbammer  Dr.  Peter,  Professor,  Kiel. 

Galton  Francis  Esq.,  Mitglied  der  geographischen  Gesellschaft,  London. 
Gibbon  M.  Mac  Jupes,  Intendant  des  botanischen  Gartens  in  der  Kapstadt. 
Gicwinck  Dr.  Constantin,  kaiserl.  russischer  Professor,  Dorpat. 
Grisebach  Dr.  August,  königl.  hannoverscher  Professor,  Göttingen. 
Hamilton  William  John  Esq.,  Mitglied  der  königl.  Gesellschaft,   Präsident  der  geologischen 

Gesellschaft,  London. 
Uampe  Ernst,  Apotheker,  B  I  anke  nbu  r  g. 
Ueer  Dr.  Oswald,  Professor,  Zürich 

lleliuerseii  Gregor  v.,  kaiserl.  russischer  General-Major,  Akademiker,  St.  Petersburg. 
Henry  Joseph,  Secretär  des  Smithsonian  Institution,  Washington. 
Heuglin  Theodor,  Ritter  von,  Stuttgart. 
Holding  Mr.  J.  C.,  Kapstadt. 
Hooker  Joseph  Dalton,  Mitglied  der  königl.  Gesellschaft  in  London,  Director-Assistent  der 

königl.  Gärten,  Kew. 
Jochuius  A.,  königl.  preussischer  General-Lieutenant,  London. 
Jobnston  Alexander  Keith  Esq.,  Mitglied  der  königl.  Gesellschaft,  Edinburg. 
.luiigliiiliii  Dr.  Franz,  Batavia. 
Juritz  Dr.  C.  F.,  Kapstadt. 

hänilz  Dr.  Ludwig  Friedlich,  kaiserl.  russischer  Professor,  Dorpat. 
Karsten  Dr.  Hermann,  königl.  preussischer  Professor,  Berlin. 
Kiepert  Dr.  Heinrich,  Mitglied  der  königl.  Akademie  der  Wissenschaften.  Berlin. 
Kolblug  Dr.,  Missionär  zu  Gnadenthal  im  Kapland. 

Koppen  Peter  v.,  kaiserl.  russischer  Staatsrath,  Akademiker,  St.  Petersburg, 
hülzing  Dr.  Traugott  Friedrich,  königl.  preussischer  Professor,  Nordhausen. 
Lacblan  Mr.  Mac,  zu  Stelienbosch  im  Kapland. 
Laing  Dr.  T.,  Inspector  sämmtlicher  Spitäler  in  der  Kapstadt. 

Lamansky  Eugen  v.,  Secretär  der  kaiserl.  russischen  geograph.  Gesellschaft,  St.  Petersburg. 
Layard  Mr.  L.,  Secretär  des  Südafrikanischen  Museums,  Kapstadt. 
Lcgoyt  August,  Chef  des  Bureau  für  allgemeine  Statistik  im  kaiserl.  Ministerium  des  Innern, 

Paris. 
Llvingstone  Dr.  David,  k.  grossbritann.  Consul  in  Afrika. 
Maclear  M.,  Uirector  der  Sternwarte,  Kapstadt. 

Malte-Brun  V.  A,  Redactions-Secretär  der  geographischen  Gesellschaft,  Paris. 
Maury  Alfred,  General-Secretär  der  geographischen  Gesellschaft,  Paris. 
Maury  Mathew  Fontaine,  Director  der  Sfernwarte  der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika, 

Washington. 
Merk  Ernst,  Command.  des  k.  k.  österr.  Leopold-Ord.,  k.  k.  General-Consul,  Hamburg. 
Mettcnius  G.,  königl,  sächsischer  Professor,  Leipzig. 
Müller  Karl,  königl.  sächsischer  Professor,  Halle  a.  d.  S. 
Muh  ich  J.,  Batavia. 

Netscher  M.  E.,  Directionsmitglied  der  Gesellschaft  für  Kunst  und  Wissenschaft,  Batavia. 
\i  uinaiin  Karl  Friedrich,  königl.  bayerischer  Professor,  München. 
Pappe  Dr.  L.,  Kapstadt. 

Peieruianu  Dr.  August,  Geograph  der  Perthes'schen  geographischen  Anstalt,  Gotha. 
Peters  Dr.  Wilhelm,  königl.  preussischer  Professor,  Berlin. 
Poeppig  Eduard,  königl.  sächsischer  Professor,  Leipzig. 
lia» son  Mr.,  Kolonial-Sccretär,  Kapstadt. 
Roser  Dr.,  Missionär  zu  Gnade  nthal  im  Kapland. 

Sartorius  v.  Walterhansen  Dr.  Wolfgang  Freih.,  königl.  hannoverscher  Professor,  Göttingen. 
Schlagintweit  Dr.  Hermann,  Berlin. 
Schlaginlweit  Dr.  Robert,  Berlin. 

Scbomburgk  Sir  Richard  Henry,  königl.  grossbritannischer  General-Consul,  Siain. 
Schür b  de  Capaneina  Dr.  Wilhelm,  kaiserl.  brasilianischer  Professor,  Rio  de  Janeiro. 
Shaw  Dr.  Norton,  Secretär  der  königl.  geographischen  Gesellschaft,  London. 
Seemann  Dr.  Berthold,  Redacteur  der  Bonplandia,  London. 

Spruner  Karl  von,  Oberstlieutenant  im  kön.  bayer.  General-Quartiermeisterstabe,  München. 
Slraznickj  Eduard  R.,  Bibliothekar  der  geographischen  Gesellschaft,  New- York. 
Sturz  Johann  Jacob,  Berlin. 


XIV 

Sydow  Ernst  von,  königl.  preussiseher  Hauptmann  a.  D.,  Gotha. 

Vcrsteeg  \V.  F.,  k.  niederländisch.  Kapitän  etc.,  Bat  a  via. 

Vogel  Dr.  Eduard,,  Reisender  in  Central-Afrika. 

Wagner  Dr.  Moriz,  M  ü  n  c  li  e  n. 

Wappaeus  Dr.  Johann  Eduard,  königl.  hannoverscher  Professor,  Göttingen. 

Weddell  Hugo  A.,  Garten-Director  im  Musee  imperial  d'histolre  naturelle,  Paris. 

ft'citzel  A.  W.  P.,  k.  niederländ.  Capitän  etc ,  Batavia. 

Wjlej  Mr.,  Kapstadt. 

Ziegler  W.  M.,  Palmgarten  bei  Winterthur  in  der  Schweiz. 

Anssordentliche  nnd  ordentliche  Mitglieder. 

(Die  ausserordentlichen  Mitglieder  sind  mit  A.  r?I.  bezeichnet.) 
Abel   Joseph,   k.  k.    Schichtenmeister.    C  i  I  I  i. 
Alpenburg  August    Ritter    von,    Realitätsbesitzer.  Innsbruck. 
Alt   Alois,    Dr.    U.  J.,   Landes-Advokat.    Krakau. 

Acken   Hermann   von.   Hauptmann   im   k.  k.    Ingenieur-Geographen-Corps, 
Anaker   Emil   Edler    von,    Hauptmann    im   k.    k.    Gen. -Quartiermeisterstabe. 
Andiian-Werburg  Ferdinand  Freiherr  von,  Geolog  an  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
Anstalt. 


1856 

1857 

1858 


1857 
1856 


1859 

n 

1857 
1856 
1857 

1856 

1857 
1857 
1856 


Ankersbofen  Theophil,   Freiherr   von,   Landstrasse   497. 
int 


toine   Franz,   k.  k.    Hofgärtner,    k.  k.   Hofburg. 

Areiistein   Joseph,    Se.    Hochw.,   Phil.    Dr.,   Ritter,    k.   k.    Professor.   Stadt,    Heili- 
genkreuzerhof. 
10  Arneth    Joseph  C,    Ritter,   k.k.   Regierungsrath,   Director  der   k.    k.    Münz-    und 
Antiken-Cabinete.    Stadt,   alter  Fleischmarkt   697. 

Aitaria   August,    Kunsthändler,   Stadt,   Kohlmarkt    1151. 

Artaria   Claudius,   Kunsthändler.   Stadt,    Kohlmarkt   1151. 

Auer  Alois,   Ritter,    Philos.    Dr.,    k.   k.  Hofrath,    Director   der   k.  k.    Hof-    und 
Staatsdruckerei.    Neubau,   Mariahilfer  Hauptstrasse    306. 

Auerhahn,  Erzieher  bei    Herrn    Grafen   Kinsky,  Stadt,   Freiung    62. 

Babanek    Wenzel,   Professor   am   k.   k.    Obergymnasium.   Pisek. 

Bach  Dr.   Alexander  Freiherr   von,   Se.   Excellenz,    Grosskreuz,   k.  k.  wirklicher 
geheimer   Rath,    k.   k.  Botschafter     in   Rom.    A.   M.  (10  fl.) 

Balbi    Eduard  von,  k.    k.    Professor.    Venedig. 
18561  Bauer   Alexander,  Dr.    Ch.    Stadt,  Kärthnerstrasse    1049. 

1857j  Bauer    Edmund.    Gemeinderath ,    Director    des    stabilimento   teenico,    Consul    von 

Hayti   und  Buenos-Ayres,  Tri  est. 
20  Bauiugartner  Andreas  Freiherr   von,    Se.  Excellenz,  Philos.  Dr.,  Grosskreuz,  k.  k. 
wirkl.    geheimer  Rath,  Präsident  der  K.  A.   W.    A.  JJI.    (15  fl.)  Stadt,  Seiler- 
stätte   803. 

Bayer   Anton,   k.    k.  Hauptmann    und    Director   der    k.    k.    Militär-Schwimmschule 
Jägerzeile    49. 

Becsey    de    la    Volta    Stephan    Freiherr    von,    Ritter  des  k.    k.    Maria  Theresien- 
Ordens,  k.  k.   Oberst-Lieutenant,    Stadt    1578. 

Beer  Joseph    G.    Landstrasse  138. 

Beck    Friedrich,   Buchhändler.    Stadt  603. 

Becker   Moriz   A.,  Phil.    Dr.,    k.    k.   Schulralh.   Landstrasse,    Razumowskyg.    93. 

Bell  Samuel,  Sectionsrath   im  k.  k.  Ministerium  des  Innern.  Landstrasse,  Wagg.  662, 

Bergmann  Joseph,  Ritter,  Custos   im    k.  k.  Münz- und  Antiken-Cabinete.    M.    K.    A. 
Landstrasse,    unteres   Belvedore  642. 

Bilhaber   Herrmann.   Ch.  Dr.   Josephin.    Florianigasse    52. 

Blaba    P.    Franz,    Consistorialrath    und    Bezirksdeehant.    Heraltitz.    Mähren. 
30   Blumfeld    Franz    Seraphin   Edler    von,     Comthur.    Ministerialrat!!    im    k.    k.    Han- 
delsministerium.   Stadt    136. 

Böhm    Joseph    Georg,    Phil.    Dr.,    Director   der    k.    k.    Sternwarte.    Prag. 
1859  Buleslawsky    Gustav  von,    Hauptmann   im  k.    k.    Militär-Ingenieur-Geograph-Corps. 

1836  Bunitz    Herrmann,   Phil.  Dr.    k.    k.   Cniversitäts-Professor.    M.   K.    A.   alte    Wieden 

Hauptstrasse    348. 

Boscban    Friedrich,   Med.   Dr.   Stadt,  alt.  Fleischmarkt   702. 

Buscban    Friedrich,   k.    k.   priv.  Grosshändler,  Stadt,    Pressgasse    457. 

Brachelli    Hugo,    Beamter    im    Statist.    Bureau     des    k.    k.     Handelsministeriums 
Spittelberg    134. 

Braumüller    Wilhelm,    Buchhändler.   A.   M.  (10   fl.)    Stadt,    Graben    567. 


XV 


Breiiner-Enkevoirth  Aug.   Graf,    k.   k.  Oberst-Erbland-Kämmerer.   A.  HI.  (12   fl.) 

Landstrasse  6- 
Hrozowskj  Wenz.,  Vice-Director  d.  Gremial-Handelsschule.  Stadt,  Tuchlfluben  557. 
40  Brück  Karl  Freiherr  von,  Se.  Exe.,  Grosskreuz,  k.  k.  w.  geheimer  Rath,  k.  k.  Finanz- 
minister,  A.  HI.  (10  fl.)  Stadt  Himmelpfortgasse. 
1837  Briijiiiaiin    Wilhelm,    k.  k.    Ober-Berg-Commissär.    Kaschau. 

1858  ßniniier  Joseph,    Director    des   k.   k.    Ober-Gymnasiums    zu    Vinkovce. 

Bruuiier   von    ftattenwyl    Karl,  k.   k.    Telegraphen-Director. 
Bublcli   Sigismund,    Erzieher,    Mariahilf  42. 

1857  Biicker    Dr.  B.  F.,    Informator    in  P  Ionen    bei  Takum    in  Kurland. 

1858  Bühler  Ernst,  Ingenieur  der  k.  k.  a.  priv.    Kaiser    Ferdinand's   Nordbahn,  Prerau. 
1856|         Blink  Franz,  Ccntral-Direetor  der   freiherrl.    Rothschild'schen  Eisenwerke.    Witt- 

kowitz,    Mähren. 
„  Burg   Adam,  Ritter  von,  k.  k.  Regierungsrath,  Professor,    M.    K.    A.  Wieden   348. 

„  Bürger   Johann,    Währing   133. 

1857    50  Busan    Hermann    von,     Hofrath    des    k     k.    Obersten     Gerichtshofes.    Stadt,  höh. 
Markt  512. 

1856  Butterweck  Karl.  Alservorstadt    127. 

1857  Civelli   Joseph,    Besitzer   der  geographischen    Anstalt   in    Mailand. 

1856  Conrad   Michael,  Sectionsrath  im  k.   k.  Finanzministerium.  Landstr.  Rennweg  636. 

1857  Costa  Ethbin  Heinr.  v.,  U.  J.  et  Phil    Dr.,  Secretar  des  histor.  Vereins  von  Krain, 
Laibach. 

1856  Cjbulz    Ignaz,    k.    k.    Artillerie-Hauptmann. 
Czedik    von  Bründlsberg   Alois,    k.    k.    Professor.    Wieden,    Favoritcnstrassc    314. 
Czerniu,    Graf  von  Chudenitz  Eugen,   Se.    Excelleuz,    k.   k.   wirkl.  geheimer   Rath. 

A«    HI.    (25  fl.)   Josephstadt,    Glacis    213. 
Czoernig  Karl  Freih.v.  Czernhausen,  Se.Exc,  U.  J.  Dr.,  k.  k.  w.  geh.  Rath,  Sectionschef 

im  k.k.  Handelsm.  C.  M.  K.  A.  A.  HI.  (10  fl.)   Stadt,  alter    Fleischmarkt  690. 
Üauscher   Anton    U.  J.    Dr.,  Press  bürg. 

1857  60  Decker   Karl,  k.    k.    Kunstmeister.    S  Chemnitz. 
Denk  Anton,    Stadt  571. 

Dolezal    Anton,    Revident  im    statistischen  Bureau    des  k.  k.     Handelsministeriums. 
Drassenberger   Joseph     k.    k.    Rechnungsrath.   Landstrasse,    Heumarktglacis   498. 
Dreer  Franz  von,    Doctor    der   Medizin.    Tri  est. 

1859  Dunlop   Alexander    Graham,    Attache    der   k.  grossbritannischen    Gesandtschaft. 
1857  Ebersberg    Julius,    k.    k.    Hauptmann,  Professor  an  der   k.  k.    Artillerie-Akademie. 

Weisskirchen. 

1856  Egger   Franz,  ü.  J.  Dr.,    k.    k.    Hof-  und    Gerichts-Advokat.  Stadt,  Wollzeile    776. 

1857  Egger  Alois,  Professor  am  k.  k.  akademischen  Ober-Gymnasium.  Landstrasse    87. 
Eugelbardt   Ignaz,    Sectionsrath    im    k.    k     Handelsministerium. 

70  Erik    von    der    Burg    Karl,    k.    k.   Schulrath.    Josephstadt  216. 

1856  Einust   von    Gerdovchak   Erperich,   Gutsbesitzer.   Josephstadt    319. 
Lttingshausen   Constantin.     Ritter    von,    Med.    Dr.,  Professor  an    der    k.   k.    medic. 

chirurg.  Josephs-Akademie,    Alservorstadt  222. 
1858j         Ettncr  Moritz,  Hauptmann  im  k    k.   General-Quartiermeister-Stabe.    Ofen. 

1857  Fabisch  Joseph,  k.  k.  Oberst,  Direct.  der  k.   k.  Artil. -Akademie.  Weisskirchen. 

1856  Farkas    von   Vukotinovic,    Gutsbesitzer.    Agram. 
Felder  Cajetan,  U.J.  Dr.,  k.  k.  Hof-  und  Gerichts-Advokat.  Stadt,  Kohlmarkt  1149/50. 
FtMizI   Eduard,    Med.   Dr.,    k.  k.    Universitäts-Professor,   Director   des   k.   k.    bota- 
nischen   Gartens.    M.  K.  A.,  Landstrasse,    Rennweg   638. 

Ticker   Adolph,   U.    J.    et  Phil.   Dr.,   Ministerial-Secretär   im    k.  k.    Handelsminis- 
terium.   Landstrasse.    Hauptstrasse    370. 
Figdor    Gustav,    k.  k.  priv.  Grosshändler.   Jägerzeile  579. 

1858  80  Filippi    Eduard,  Ritter,    Oberst-Lieutenant  in   der  k.  k.  Marine-Artillerie,  Sections- 
chef beim   k.    k.    Marine-Commando.  Tri  est. 

1857  de  Fiori  Franz,  Prof.  an  der  nautischen  Akademie.    -Tri est. 

1856  Fitzinger  Leopold,  Med.    et    Phil      Dr..    Custos-Adjunkt    am    k.  k.   Hof-Naturalien- 

Cabinete.    M.  K.    A. 

Fligelj  August  von,  Commandern-,  k.  k.  General-Major,  Director  des  k.  k.  militär- 
geographischen  Institutes.    A.  HI.    (20  fl.) 

Foetterle    Franz,    k.  k.    Bergrath.    Landstrasse,    Razumowskygasse    93. 

Frankl    Joseph   Adam  Paul,    Med.  Dr.,  Stadt,  Weihburggasse  939. 


XVI 


Eintr. 
Jahr 

1856 


1857 
1856 

1858 
1857 

1856 
1857 

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1859 
1856 
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1856 


1858 


1856 


1857 
1856 

1857 


1856 


Frauenfeld  Georg,    Custos-Adjunkt  am    k.    k.  Hof-Naturalien-Cabinete. 

Friesach  Karl    von,   Med.  Dr.   Stadt   484. 

Fritsch  Joseph,  k.  k.  Zollbeamter.  Zinnwald. 

Fritsrh  Karl.  Adjunkt  an  der  k.  k.  Central-Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnet- 
ismus C.  M.  K.  A.   Wieden,  Favoritenstrasse  303. 
90  Gabler  Wilhelm,  Phil.  Dr,  Ilossau  199. 

Gabrielv  Joseph  von,  Rechnungsrath  im  k.  k.  Handelsministerium. 

Ganabl  Johann,  Major  im  k.  k.  Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

Galsclier  Albert,  Se.  Hoehw.,  Capitular  des  Stiftes  Schotten  und    k.  k.  Professor. 

Ghcipiier  von  Mely-Nadasd  Paul  Sigmund,  Hofrath  des  k.  k.  Obersten  Gerichtshofes, 
Laimgnibe  184. 

Gigl  Alexander,  Bibliotheks-Offiziul  im  k.  k.  Ministerium  des  Innern. 

Gintl  Wilhelm,  Phil.  Dr.,  k.  k.  Telegraphen-Director.  C.  M.  K.  A.  Leopoldstadt  623. 

Glasl  Karl,  Professor  an  der  k.  k.  Ober-Realschule  am  Schottenfeld. 

Ginelin  Otto,  Phil.  Dr. 

Göhlert  T.  V.,  Ministerial-Concipist  im  k.  k.  Ministerium  des  Innern. 
100  Gorizutti  Franz   Freiherr   v.,    k.  k.  Feldmarschall-Lieutenant,  Truppen -Üivisions- 
Commandant.  Venedig. 

Götsch  Georg,   Wundarzt.  Tschars  bei  Naturns,  Vintschgau  in  Tyrol- 

Guttschar  Job  ,  Se.  Hochw..  bisch.  Consistorialrath,  k.  k.  Schulrath.  Grosswardein. 

Griimii  Johaun,  Director  der  k.  k.  Montan-Lehranstalt.  Pfibram. 

Grün  Dionys,  k.  k.  Professor.  Landstrasse  487. 

Grünne  Ferdinand   Graf,  Rittmeister  im  k.  k.  Adjutanten-Corps. 

Grüner  Karl,  Major  im  k.  k.  Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

Guggeuberger  Ignaz  Martin,  k.  k.  Hauptmann.  Wieden  376. 

Giiggentbal  Victor  von,   k.  k.  Major,   Vorstand  der  k.  k.  Kriegs-Bibliothek. 

Giitinaimstlial   Ludwig,  Ritter  von,  Vice-Präsident  der  k.  k.   Central-See-Behörde 
T  r  i  e  s  t. 
110  Uaecker  C.  Friedrich,  Beamter  der  k.  k.  priv.  Credit-Anstalt.  Landstrasse,  Wag- 
gasse 663. 

Haidinger  Fugen,  k.  k.  priv.  Fabriksbesitzer.  Ellbogen. 

Ilaidiiiger  Rudolph,  k.  k.  priv.  Fabriksbesitzer.  Ell  böge  n. 

Haiduiger   Wilhelm,  Ritter,    k.  k.  Hofrath,  Director  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt. M.  K.  A.  Landstrasse,  Ungeigasse  363. 

flank  eil  berg  Theodor,  Ritter  von.  Stadt,  ßürgerspital. 

Harniat  Anton,  Revident  im  statist.  Bureau  des  k.k.  Handelsministeriums.  Landstr. 337. 

flarlinger  Anton,  Lithograph.  Mariahilf  71. 

flarlinger  August,   Lithograph.   Mariahilf  71. 

Hartnigg  Paul,  Bergwerks-ßeamter  der  Venetianischen  Bergbau-Gesellschaft.  Sap- 
pada  hei  Auronzo. 

Haueis  Emil ,  Lehramts-Candidat.  Stadt  168. 
120  flauer  Franz  Ritter  von,  k.  k.  Bergrath.  C.  M.  K.  A.  Landstrasse,  Lagergasse  774. 

Hauer    Joseph    Ritter    von,    Se.   Excellenz,  k.  k    wirkl.  geheimer   Rath.    A.  M« 
(10  fl.J    Landstrasse,    Hauptstrasse   279. 

HaiiT   Julius    Ritter   von,    k.k.    Maschinen-Inspectors-Adjunkt.    Schemnitz. 

flauer   Karl  Ritter  von,  k.  k.  Hauptmann  und    Vorstand  des  chemischen  Labarato- 
riums   der  k.  k.    geologischen    Reichsanstalt,    Landstrasse,    Ungergasse    575. 

Hauke,   Director  der  Handels-Akademie. 

Heine  Gustav,  Redacteur  des  Fremdenblattes,  Stadt,  Wollzeile  774. 

Heinrich  Alois,  Secretar  des  niederösterreichischen  Gewerbe-Vereines. 

Heisler  Ferdinand  von,  U.  J.  Dr.,  Senats-Präsident  des  k.  k.  Obersten  Gerichtshofes. 
Stadt,  Singerstrasse  896. 

Helfert  Alexander  Freiherr  von,  U.  J.  Dr.,  Unter-Staatssecretär  im  k.  k.  Ministerium 
für  Cultus  und  Unterricht,  Stadt,  Wollzeile  769. 

Heller  Karl,  Professor  am  k.  k.  Theresianum. 
130  Hcngelinüller  Mich.,  Hofrath  des  k.  k.  Obersten  Gerichtshof.  Stadt,  neuen  Markt  1053, 

Hess  Heinrich  Freiherr  von,  Se.  Excellenz,  Grosskreuz,  k.  k.  wirkl.    geheimer  Rath: 
Feldmarschall,  Stadt   1073. 

Hessler  Ferdinand,  Phil.  Dr.,  k.  k-  Professor.  C.  M.  K.  A.  Neue  Wieden  775. 

Heuller  zuRaseu  und  Perdonegg  Ludwig  Ritter  von,  k.k.  wirkl.  Kämmerer, Sections- 
rath  im  k.  k.  Ministerium  für  Cultus  und  Unterricht.  Landstrasse  747. 
1857|         flieber   Carlmann,  Phil.  Dr.,  Director  des  k.  k.  Ober-Gymnasiums.  Gratz. 


Eintr. 
Jahr. 

1856 
1857 
1856 


1837 
1850 


1857 

1838 
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» 

1856 

1859 

1858 
1856 

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18*59 

1856 
1859 
1856 
1857 
1856 
1857 
1858 
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18l>7 

1858 
1856 

1857 

1856 

1857 
1858 


ausser- 


XVII 


Olerschel  Joachim,  Ritter,  Ingenieur.  Laimgrube  177. 

flletzliiger  Karl  Freih.  v.,  Se.  Excellenz,  k.  k.  wirkl.  geh.  Rath,  Reichsrath.Stadt  548. 

Hillgenau  Otto  Freiherr  von  k.  k.  wirkl.  Kammerer,  k.  k.  Rergrath,  Professor.  Stadt, 

Seilerstätte  804. 
Ulrteiifeld  J.  N.,  Redacteur  der  Militär-Zeitung.  Rossau  127. 
Borbeder  Johann  Karl,  Ministerial-Secretär  im  k.  k.  Finanz-Ministerium. 
140  flocbsteüer  Ferdinand,  Phil.  Dr.,  Geolog  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 
Hochstetter  Karl.  Fabriksbesitzer.  Hruschau,  Mähren. 
Huck  Karl,  Ritter  von,  Phil.  Dr.,  Se.  Excellenz,  k.  k.  wirkl.  geheimer  Rath,  Sections- 

chef  im  k.  k.  Finanzministerium.  Stadt,  unt.  Bäckerstrasse  746. 
Hofer  Joseph,  Professor  ander  k.k.  Realschule  in  der  Leopoldstadt.  Leopoldst.  185. 
Hofler  Joseph,  Beamter  beider  Dampfschifffahrts-Gesellschaft.   Alservorstadt  15. 
Hoffinger  Johann  Baptist  von,  U.  J.  Dr.,  k.  k.  Hof-Concipist.  Stadt  785. 
II u ll'in an ii  Leopold  von,  k.  k.  Hof-  und  Ministerial-Secretär.  Stadt  753. 
Bögelsberger    Karl,   Professor   an   der  k.k.  Ober-Realschule  auf  der  Landstrasse, 

Landstrasse  Gemeindegasse  74. 
Hiilenia  Edmund,  Gutsbesitzer.  Egendorf,  Ober-Oesterreich. 
Uölzel  Eduard,  Buch- und  Kunsthändler.  0  Imütz. 
150  Hopfuer  Johann,  Erzieher  bei  Sr.  Durchlaucht  dem  regierenden  Fürsten   von   Lich- 
tenstein. Stadt  44. 
Börnes  Moriz,  Phil.  Dr.,  Ritter,  Director  des  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinets. 
Bornig  Emil,    Professor    an    der  k.  k.  Ober-Reaschule  auf  der  Landstrasse.    Stadt 

Wallfischgasse  1020. 
Borustcin  Karl,  Phil.  Dr.,  Adjunct  an  der  k.  k.  Universitäts-Sternwarte.  C.  M.  K.  A. 
Bovanji  Franz,  Se.  Hochw.,  Domherr  v.  Grosswardein.  Stadt,  Bürgerspital. 
Brubv  Franz,  k.  k.  Catastral-Archivar,  Alservorstadt  210. 
Brubv  Karl,  k.  k.  Gensdarmerie-Ober-Lieutenant  in  Oedenburg. 
Brubv  Moriz,  Hauptmann  im  k.  k.  Infanten e-Reg.  Erzherzog  Karl. 
Bügel  Karl  Freiherr  von,  Se.  Excellenz,  Grosskreuz,  k.  k.  wirkl.  geh.  Rath, 

ordentlicher  Gesandter  und  bevollmächtigter  Minister.  A,  M.  (01  fl.) 
Jan  Georg,  Director  des  städt.  Museums.   Mailand. 
160  Jüek  August,  k.  k.  Linienschiffs-Arzt,  Leibarzt  Se.    k.  Hoheit  des  Herrn  Erzherzog 

Ferdinand  Maximilian.  T  r  i  e  s  t. 
Jlllv  Gustav,  Professor  am  k.  k.  Ober-Gymnasium.  Ol  mutz. 
Jokelv  Johann,  Geolog  an  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 
Kaiser  Johann  Nepomuk,  Ritter,  k.  k.  Universitäts-Professor.  Landstrasse  304. 
Kastner  Leopold,  Vorstand  der  Registratur  der  k.  k.  priv.  Credit- Anstalt. 
Keler  Sigmund  von,  Hauptmann  im  k.  k.  General-Quartiermeister  Stabe. 
Kempen  Johann,  Freiherr  von  Fichtenstamm,  Se.  Excellenz,  Grosskreuz,  k.  k.  wirkl. 

geheimer  Rath,  k.  k.  Feldzeugmeister  in  Pension  A.  WI. 
Kerner  Anton,  Med.  Dr.,  Professor  am  k.  k.  Josephs-Polyteehnikum.   Ofen. 
Kerr  Frau  Leopoldine,  Mitglied  mehr,  gelehrten  Gesellschaften  A.  IM. 
Keszthcly,  die  Direction  des  k.  k.  Ober-Gymnasiums  zu. 
170  Kintzl  Leopold,  k.  k.  General-Major,  Alservorstadt,  Glacis  200. 

Riraly  Jos.  Paul,  Director  des  evangelischen  Ober-Gymnasiums.  Oedenburg. 

Kluger  von  Teschenberg  Adolph,  Hauptmann  im  k.  k.  General-Quartirmcister-Stabe. 

Kluii  Vincenz,  Dr.,  Phil.,  Professor  an  der  Handels-Akademie.  Stadt  Strauchgasse. 

Kocziczka  Wenzel,  Hauptmann  im  k.  k.  Lin.  Inf.  Reg.  Erzh.  Wilhelm  Nr.  12. 

Kögler  Wilhelm,  k.  k.  Professor.  Prag. 

Koristka  Karl,  k.  k.  Professor  am  st.  Polytechnicum.  Prag. 

Kornhuber  Gustav   Andreas,   Med.  et  Phil.,   Dr.  Professor   an  der  Ober-Realschule 

Pressburg 
Kotschy  Oscar,  Pfarrer.  Bist  ritz,  Schlesien. 
Kutscby  Dr.  Theodor,  Custos-Adjunkt  am  k.k.  botanischen  Hoi-Cabinet.  Josephstadt, 

Roferanogasse  78. 
180  Kralnsky  Alois  Ritter  von,  Hauptmann  im  k.  k.  Lin.  Inf.  Reg.  Erzh.  Stephan  Nr.  58. 
Krasicki  Kasimir  Graf  A.  UI.  (10  fl.)  Lemberg. 

Kreil  Karl,  Phil.  Dr.,  Director  der  k.  k.  Central-Anstaltfür  Meteorologi  und  Erdmag- 
netismus. M  K.  A.  Wieden,  Favoritenstrasse  303. 
Krichubrr  Ludwig  Ritter  von.  Alte  Wieden,  Schmölerlgasse. 

Rronenfels  Johann  Ritter  von,  Ober-Lieutenant  im  k.  k.  Lin.  Inf.   Reff.  Grossherzog 
von  Baden  Nr.  50.,  Prof.  der  Geographie  am  k.  k.  Kadetten-Institute  Fi  um  e. 


') 


XVIII 


Eintr. 
Jahr. 

1857 


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1857 
1859 
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1857 
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1857 

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1356 

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1857 

1857 
1856 

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1857 
1858 

1858 

1856 

1858 
1859 

1857 


Krumb  aar  Joseph,  Minislerial-Concipist  im  k.  k.  Ministerium  für  Cultus  u.  Unterricht. 
Kubinyi  August  von,  k.  k.  Rath,  Director  des  ungarischen  National-Museums.  Pest, 
kubinyi  Franz  von,  Gutsbesitzer.  Pest. 

K ii k ii I a  Wilhelm,  Professor  an  der  k.  k.  Ober-Realschule.  Laybach. 
Kiinesch  Adalbert,  Se.  Hoehw.;  Professor  an  der  k.k.  Nautischen  Akademie.  Trio  st. 
190  kiinzc'k  August,  k.  k.  Universitäts-Professor.  C.  M.  K.  A.  Erdberg.  108. 
kupfeisrhmidt  Adolph,  k.  k.  Salinen-Cassa-Offizial.  Bochni  a. 
kurz  Eduard,  k.  k.  Professor  in  Gratz. 
Lanckoronsky-Brzezlc   Kasimir  Graf,   k.  k.  wirkl.   Kämmerer.  A.  HI.  (-5  fl.)  Stadt 

Schenkenstrasse  51. 
Langner  Julius,  Hauptmann  im  k.  k.  46.  Lin.  Inf.  Reg. 
Lanza  Franz,  Med.  Dr.,  Professor  am  k.  k.  Ober-Gymnasium.  Spalato. 
Lehne  Gustav,  k.  k.  Gensdarmerie-Rittmeister. 

Lens  Louis  Guislain  de,  Secretär'der  Galizischen  Karl-Ludwigs-Bahn.  Stadt  903. 
Lerch  Johann,  Med.  et  Phil.  Dr.,  Leopoldstadt  675. 
Lctoclia  Anton,  k.  k.  Kriegscommissär. 
200  Lewynski  Heinrich,  Se.  Hochw.,  Professor  am  k.  k.  Ober-Gymnasium.  Lemberg. 
Liebenberg  Emil  Ritter  von,  Major  im  k.  k.  Lin.  Inf.  Regimente  Nr.  11. 
Liebener  Leonhard,  k.  k.  Ober-Baudirector.  Innsbruck. 
Lindeiiberg  Louis,  Fabriksbesitzer. 

Lipoid  Marcus  Vineenz,  k.  k.  Bergrath.  Landstrasse,  Waggasse  665. 
Littrnw  Heinrich  Ritter  von,  k.  k.  Fregatten-Capitain,  Director  der  k.k.  Handels-  und 

Nautischen  Akademie.  Tri  est. 
Lobkowllz  Karl  Johann,  Fürst  von,  Herzog  von  Raudnitz,  Commandeur,  k.  k.  wirkl. 

geheimer  Rath,  Statthalter  von  Niederösterreich  etc.  A.  HI.  (12  fl.) 
Locher  Franz,  Phil.  Dr.,  Professor.  Ell  wangen,  Würteinberg. 
Loefllcr  Franz,  Gutspächter.  Krzeszow  bei  Sucha,  Galizien. 
Lorenz  Josef  Roman,  Phil.  Dr.,  Professor  am  k.  k.  Obergymnasiuni.  Fiume. 
210  Löwenthal  J.,   Redacteur  der  österreichischen  Zeitung. 

Luby  Caspar  E.,  Bauverwalter.  A.  HI.  (10  fl.)  Jak vir  bei  Neu-Szöny. 

Lukas  Franz,  Phil.  Dr.,  Assistent  an  der  k.  k.  Central-Anstalt  für  Meteorologie  und 

Erdmagnetismus.  Wieden  303. 
Malaguzzi  de  Valery  Alexander  Graf.  Venedig. 

Marck  Franz,  Professor  am  k.  k.  Ober-Gymnasium.   Vinkovce,  Militärgrenze. 
Marenbolz  K.  Th.  Ferdinand  Freiherr  von,  k.  k.  Hauptmann  in  Pension.  Linz. 
Marien!  Jacob,  k.  k.  Generalmajor  in  Pension. 
Marschall  auf  Burgholzhausen  August  Friedrich  Graf,  Erbmarschall  in  Thüringen, 

k.  k.  w.  Kämmerer,  Archivar  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt.  Stadt,  Wollzeile  789. 
Matkovich  Peter,  Se.  Hochw.,  Professor  am  k.  k.  Ober-Gymnasium.  Warasdin. 
Matzenauer  Josef,  Piaristen-Ordens-Priester. 
220  Mayer  Karl,  Erzieher  bei  Herrn  Grafen  Hardegg.  Freiung. 
Mayr  Gustav,  Med.  Dr.,  k.  k.  Professor.  Pest. 

Menhardt  Johann,  Beamter  im  stat.  Bureau  des  k.  k.  Handelsministeriums.  Wieden  487. 
Messedaglia  Angelo,  U.  J.  Dr.,  o.  ö.  Professor  der  National-Oekonomie  und  Statistik. 

Padu  a. 
Meszäros  Gustav  von,  Major  im  k.  k.  General-Quartiermeister-Stabe.  Alservorstadt. 

Schlösselgasse  318. 
Migerka  U.  J.  Dr.  Venedig. 

Miller  August  von  und  zu  Aichholz.  A.  HI.  (20  fl.)  Stadt,   Krugerstr. 
Miller  Franz  von  und  zu  Aichholz.  Hruschau,  Mähren. 
Miller  Friedrich,  Amanuensis  der  k.  k.  Universitäts-Bibliothek. 
Miller  Vineenz  von  und  zu  Aichholz.  Stadt,  Krugerstr. 
230  Mislin  Jacob,  Monsignor,  inful.  Abt  von  St.  Maria  de  Gog,  geh.  Kämmerer  Sr.  Heil. 

des  Pabstes  Pius  IX.,  Domherr  des  Domeapitel.  zu  Grosswardein.  Stadt,  Kruger- 
strasse 1010. 
Molin  Raphael.  Med.  Dr.,  Professor  an  der  k.  k.  Universität.  Padua. 
Morelli  Hadrian,  k.  k.  Corvetten-Capitän.  Triest. 
Much  Mathäus,  k.  k.  Finanz-Procuraturs-Concipist.  Temesvar. 
Mündel  Joseph,  Sectionsrath  im  k.  k.  Finanz-Ministerium.  Alservorstadt  319. 
Mustatza  Nicolaus  Freih.  v.,  Gutsbesitzer  zu  Toporouz,  Bukowina. 
Muszynski  Karl,  Hauptmann  im  k.  k.  Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 
Muth  Alexander  v.,  k.  k.  Landesgerichts-Secretär.  Stadt,  alt.  Fleischmarkt  696. 


XIX 


Eintr. 
Jahr. 

1859 
1857 

1858 

18"57 

18*56 

1857 

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1856 


1859 
1856 


Muzler  Stephan,  Se.  Hocliw.  Director  des  k.  k.  Obergymnasium.  Warasdin. 
Nardi  Franz,  Dr.,  So.  Hochw.,  Auditor  der  Sacra  Routa.  Koni. 
240  Nciudhj  Joseph  von,  Hauptmann  im  k.  k.  Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 
Neuinann  Franz,  Jurist,  Stadt,  Annag.  995. 

Ncumaiin  Julius,  Hauptmann  im  k.  k.  General-Quartiermeister-Stahe. 
Obrntiuller  Ignaz,  Professor  an  der  städtischen  Ober-Realschule.  Pressburg. 
Palacky  Johann,  Docent  an  der  k.  k.  Universität.  Prag. 
Pasetti  Florian  Ritter  von,  Ministerialrat!]  im  k.  k.  Handelsministerium. 
Patera  Adolph,  k.  k.  Reichs-Chemiker.  Joachims thal,  Böhmen. 
Pattloch  Otto,  Opalgruben-Inspeetor.  Dubnik,  Ungarn. 

Pechmami  Eduard,  Ritter,  Oherstlieut.  im  k.  k.  Milit.-Ingenieur-Geographen-Corps. 
Peters  Karl,  Med.  Dr.,  Professor  an  der  k.  k.  Universität.  Pest. 
250  Petz  Eduard.  Major  im  k.  k.  Kriegs-Archiv. 

Pick  Hermann,  Med.  Dr.,  Professor  am  k.  k.  akad.  Ober-Gymnasium.  Stadt  594. 
Pierre  Victor,  Phil.  Dr.,  Professor  an  der  k.  k.  Universität.  Prag. 
Pipitz  Dr.  F.  E.,  Redactcur  der  Triester-Zeitung.  Triest. 
Pitt oni  Joseph  Claudius,  Ritter  von  Dannenfeldt.  k.  k.  Truchsess.  Gratz 
Pirona  Julius,  Med.  Dr.,  Professor  am  k.  k.  Lyceal-Gymnasium.  Udine. 
Pleischl  Adolph  Martin,  Ritter,  k.  k.  Regierungsrath.  Alservorstadt  109. 
Pohl  Joseph,  Chem.  Dr.,  Professor  am  k.  k.  polytechnischen  Institute.  Wicden  462. 
Pokorny  Alois,  Med.  Dr.,  Professor  am  k.  k.  akad.  Ober-Gymnasium.  Stadt  74. 
Poszvek  Gustav,  Professor  am  evangelischen  Ober-Gymnasium.  Oedenburg. 
260  Potyka  Theodor,  Ingenieur-Assistent  der  k.  k.  priv.  Feidinands-Nordbahn. 
Prasch  Vincenz,  Professor  am  k.  k.  Obergymnasium.  Brunn. 
Pratobevera-Wiesborn  Adolph  Freiherr  von,  Hofrath  des  k.  k.  Obersten  Gerichts-  und 

Cassationshofes. 
Proschko  Fr.  Isidor,  U.  J.  Dr.,  k   k.  Ober-Polizei-Commissär.  Linz. 
Ptaschnik  Johann,  Professor  am  k.  k.  Obergymnasium  am  Thcresianum. 
Radoneiz  Eduard,  k.  k.  Linienschift's-Lieutenant.  Triest. 
Raffclsbergcr  Franz,  Eigenthümer  der  k.  k.  a  pr.  typo-geographischen  Kunstanstalt. 

Alservorstadt,  Quergasse  349. 
Rakovszkv  Stephan  von,  Gutsbesitzer.  Pressburg. 
Ratzesberg  Ludwig  Ritter  von,  Wartenburg  bei  Vöklabruck.  0.  Ö. 
Rcirhenbacb  Karl  Freih.  v.,  Phil.  Dr.  C.  M.  K.  A.  Schloss  Reis  en  b  c  r  g  nächst  Wien. 
270  Reissek   Siegfried,   Med.   Dr.,   Custos-Adjunkt   im   k.    k.    botanischen  Hof-Museum. 
C.  M.  K.  A.  Landstrasse  408. 
Rcitlinger,  Philos.  Dr.,  Privatdocent.  Stadt,  Bischofgasse. 
Repitsi'h  Johann,  k.  k.  Professor  am  Gymn.  Lügos. 

Reslhubcr  Augustin,  Se.  Hochw.,  C.  M.  K.  A.  Dir.  d.  Sternwarte.  Kremsmünster. 
Reuss  August  Emil,  Ritter,  Professor  an  der  k.  k.  Universität.  M.  K.  A.  Prag. 
Richtkufen  Ferdinand  Freih.  v.,  Phil.  Dr.,  Geolog  an  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt. 
Robert  Justin,  k.  k.  priv.  Fabriksbesitzer.  Oberalm  bei  Hallein,  Salzburg. 
Rochleder  Friedrich,  Med.  Dr.,  Professor  an  der  k.  k.  Universität.  M.  K.  A.  Prag. 
Robiati  Mathias  Ambrosius  Dr.,  Professor.  Mailand. 
Rolle  Friedrich,  Phil.  Dr.,  Assistent  am  k.  k.  Hof-Mineralien-Cabinete. 
280  Röslcr  Maximilian,  Professor  an  der  k.  k.  Ober-Realschule  auf  der  Landstrasse. 

Rosinanit  Alois,  Präsidial-Secretär  d.  k.  k.  n.  öst.  Statthalt.  Stadt,  Spitalplatz  1100. 
Rossiwal  Joseph.  Revident  im  statistischen  Bureau  des  k.  k.  Handelsministeriums. 
Rosthorn  Hugo  Edler  von,  Mitinteressent   einer  Metallwaarenfabrik.  Leopoldstadt, 

grosse  Fuhrmannsgasse  716. 
Rucber  Ignaz  Edler  v.,  Oberstlieutenant  im k.k. Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 
Russeger  Joseph  Ritter  von,  k.  k.  Ministerialrath,  Vorstand  der  k.  k.  Berg-,  Forst- 

und  Güter-Direction  C.  M.  K.  A.  Schemnitz. 
Ruthncr  Anton  von,  J.  U.  Dr.,  k.  k.  Hof-  und  Gerichts-Advokat,  Stadt  597. 
Saffran  Emanuel  Freiherr  von,  Oberst  im  k.  k.  Adjutanten-Corps. 
Saliii-Reiffersrheidt-Kraiithcim  Hugo,  Se.  Durchlaucht  Fürst  von,  Ritter  des  goldenen 

Vlieses,  k.  k.  Reichsrath.  Landstrasse,  Razumowskygasse  74. 
Salzbacher  Joseph,  Se.  Hochw.,  Theologiae  Dr.,  Domherr  und  Capitular-Prälat  zu 
St.  Stephan. 
1857  290  Sapieha  Leo,  Se.  Durchlaucht  Fürst  von,  Stadt  903. 

Sauer  Franz,  Lehrer  der  Unter-Realschule  zu  St.  Thecla  auf  der  Wieden. 
1856|         Schabus  Jakob,  Professor  an  der  k.  k.  Ober-Realschule  am  Schottenfeld. 

2* 


1857 
1857 
1859 
1856 
1859 

1857 
1856 


1857 
1855 


XX 

Eintr. 
Jahr. 

1858  Schiffer  Julius  Ritter  von,  Ingenieur  der  k.  k.  priv.  Kaiser  Ferdinands-Nordbahn 

„  Schaller  Josef,  Hauptmann  im  k.  k.  Militär-Ingenieur- Geographen-Corps. 

1856  Scballhaminei'  Michael,  Reichsritter,  im  k.  k.  Post-Controlor.  Oedenburg. 

1858  Sc  hau b  Franz,  Phil,  Dr.,  Director  der  k.  k.  Marine-Sternwarte.  Triest. 

„  Srhauensteiu  Anton,  k.  k.  Finanz-Ministerial-Concipist. 

1856  Scheda  Joseph,  Major  im  k.  k.  Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

1858  Scbefrzik  Anton,  Ingenieur  der  k.  k.  priv.  Kaiser  Ferdinands-Nordbahn. 

1856  300  Scherzer  Karl,  Ritter  von,  Phil.  Dr. 

„  Schimmer  Gustav  Adolph,  Revident  im  Statist.  Rureau  des  k.  k.  Handelsministeriums 

1857  Schindler  Gustav,  Ritter,  Oberst  im  k.  k.  Genie-Corps  und  General-Archivs-[)inctn;\ 

Stadt  468. 

1856  Schleicher  Wilhelm.  Gresten,  Nied.  Oesterreich. 

„  Schmerling  Anton  Ritter  von,  Se.  Excellenz,  k.  k.   geh.   Rath,  Präsident  d.'s  k    k 

obersten  Gerichtshofes. 
„  Schmldl,  Erzieher  bei  Herrn  Grafen  Wilczek.  Stadt. 

„  Schmidt  Adolf,  Phil.  Dr.,  Professor  an  der  Handelsakademie.  Pest. 

1857  Schmidt  Julius,  Phil.  Dr.,  Director  der  königl.  Sternwarte.  Athen. 
„  Schmidt  Wilhelm.  Phil.  Dr.  Augsburg. 

1856  Schmitt  Augustin,  k.  k.  Professor.  Gumpendorf  Nr.  394. 

„      310  Schober  Johann,  Director  der  Realschule.  Leopoldstadt. 

1858  Scholz  Anton,  Med.  Dr.  Prag. 

1856  Schom  Adolf,  k.  k.  Oberlieutenant,  Professor  am  k.  k.  Cadctten-Institute  Ha  inburjj 

„  Schott  Heinrich, k.  k.  Hofgarten-  und  Menagerie-Direktor.  C.  M.  K.  A.  Seh  ö  n  b  run  n. 

1858  ScbröcUnger  Julius,  Ritter  v.  Neudenberg,  k.  k.  Ministerial-Secretär.  Wieden  378. 
Schnitter  Dr.  Anton,  Professor  am  k.  k.  politechnischenlnstitute.M.K.  A.  Wieden  51. 
Schubert  W.,  Direktor  der   evangelischen  Lehranstalt.  Oberschützen,  Ungarn. 
Schwarlz  Gustav,  Edler  von  Mohrenstern.  A.  Jfl.  (15  fl.)  Jägerzeile  Nr.  47. 

1858j  Schwarz  Karl,  Ingenieur-Assistent  der  k.  k.  priv.  Kaiser-Ferdinands-Nordbahn. 

„  Schwarz  Franz,  Med.  Dr.,  Chefarzt  im  k.  k.  Hospital.  Ko  nsta  ntin  o  p  el. 

1856'  320  Schwarz  Georg,  Commandeur.  Stadt,  Graben  1122. 

Schwarzcnberg  Johann  Adolf  Fürst  zu,  Herzog  zu  Krummau,  Ritter  des  Ord.  des  gold. 
Vliesses,  Grosskreuz,  k.  k.  w.  geh.  Rath,  Präsident  der  Landwirthschaftsgese Ilsehaft 
(A.  I»I.)  (15  fl.) 
Schwenda  Julius,  k.  k.  Professor  a.  d.  k.  k.  Oberrealschule  a.  d.  Landstrasse. 
Schweiz  W.  August,  Se.  Hoehw.,  k.  k.  Professor.  Josefstadt  im  h.  Piaristen-Colleg. 

1856  Sedlarzek  Ernst,  Hauptmann  im  k.  k.  Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

1859  Sedlaczek  Josef,  k.  k.  Rezirksvorsteher  zu  Szilagyi  Cseh,  Siebenbürgen. 

1857  Seidel  J.  W.,  Buchhändler,  Stadt,  Graben. 
Seldl  Johann  Gabriel  Ritter,  k.  k.  Schätzmeister  und  Custos  am  k.  k.   Münz-   und 

Antiken-Cabinete.  M.  K.  A.  Alservorstadt  149. 
Seiller  Johann  Caspar,  Freih.  von,  Comthur,   Bürgermeister  der  Reichshaupt-  und 

Residenzstadt  Wien.  A.  IM.  (10  fl.) 
Sellgmaim  Franz.  Med.  Dr.,  k.  k.  Professor.  Stadt  153. 

1857  330  Seligmann  F.  A.,  Med.  Dr.,  k.  k.  Fregatten-Arzt.  Triest. 
Senft  Eduard,  U.  J.  Dr.,  k   k.  Gerichts-Adjunkt.  Ausp  itz,  Mähren 
Sevbel  Emil,   k.  k.  priv.  Fabriksbesitzer.  Wieden. 

Simon;  Friedrich,  k.  k,  Universitäts-Professor.  Landstrasse.  Waggasse  508. 
Slmigliiowicz  Franz,  k.  k.  Professor.  Czernowitz. 

1859  Slmlginowicz  Adolf,  Professor  am  k.  k.  kathol.  Gymnasium.  Kronstadt 

1858  Skuppa  J.  k.  k.  Hauptmann. 
Sommaruga   Franz  Freiherr  von,  Sectionsrath  im  k.  k.  Finanz-Ministerium,  Hoher 

Markt    511. 
Soiiderlelthner  Georg,  Concepts-Adjunkt  bei  der  k.  k.  Obersten  Polizei-Behörde. 
Sonklar  von  Innstätten  Karl,  Major  im  k.  k.  Lin.  Inf.  Regiment  Nr.  16.    Wiener- 
Neustadt. 
340  Spaur  Anton  Ritter  von,  Stadt  152. 
1858j         Stäche  Guido,  Phil.,  Dr.,  Geolog  der  k.  k.  geologischen  Reiehsanstalt. 
1857)         Stein  Lorenz,  k.  k.  Universitäts-Professor.  Leopoldstadt  656. 
1856i         Steinhäuser  Anton,   k.  k.  Rath.  Stadt  1072. 
„    I         Stifft  Freiherr  von,  Stadt  833. 

„    I         Streffleur  Valentin,  k.  k.  Generalkriegs-Commissär.  Landstrasse  747. 
M    i         Stur  Dionys,  Geolog  an  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt. 


Eiotr. 
Jahr. 

1857 


i857 

1859 
1856 

1859 
1857 
1856 


1857 
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1856 
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1858 
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1857 
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1856 
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XXI 


Suess  Eduard,  k.  k.  Universitäts-Professor,  erster   Custos-Adjunct  am  k.   k.  Hof- 
Mineralien-Cabinete. 

Teirlrb  Valentin,  Phil.  Dr.,  Director  der  Ober-Realschule  auf  der  Wieden. 

Temple  Rudolf,  Hauptmann  im  k.  k.  Linien  Inf.  Regimente  Prinz  Friedrich  Wilhelm 
von  Preussen  Nr.  20.  Pest. 
350  Tburin  Caspar,  Se.  Hochw.  Professor  am  k.  k.  Obergymnasium  Warasdin. 

Tkalar  Emerieh  Ignaz  von,  Phil.  Dr.  Secretär  der  Handels-Kammer.  Agram. 

Tkalec  Jacob  Franz,  Professor  am  k.  k.  Ober-Gymnasium.  Agram. 

Toinascbek  Karl,  Professor  am  k.  k.  Obergymnasium  am  Theresianum. 

Trotter  Victor,  U.  J.  Dr.  Hof-  und  Gerichts-Advocat. 

Tschudl  Johann  Jacob  v.,  Med.  Dr.  CM.  K.  A.  Jacob  erhof  bei  Edlitz.  Nied.  Oest. 

Turcsänjl  Adolf,  k.  k.  Professor.  Oedenburg. 

Turrziuanowirz  Paul,  k.  k.  Schichtmeisters-Adjunkt.  Wieliczka. 

Iranisch  Anton,  Phil.  Dr..  Secretär  der  Handels- Kammer.  Laibach. 

I  rllngcr  Paul.  Se.  Hochw.  Beneficiat.  Gresten,  Nied.  Oestereich. 
360  Vacanl  de  Font  Olivo  Camill  Freiherr  von,  Commandeur,  k.  k.  Feldmarschall-Lieu- 
tenant. Mailand. 

Yanlcek  Franz,  k.  k.  Professor  am  Ober-Gymnasium.  Vinkovce.  Militärgränze. 

Veigl  Joseph,  Hauptmann  im  k.  k.  Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

Wagner  Ferdinand,  Director  der  Realschule  in  der  Jägerzeile. 

Walbel  Georg,  Med.  Dr.,  im  k.  k.  allgem.  Krankenhause. 

Walderdorf  Arthur,  Wilderich,  Graf  von. 

Walland  Ignaz,  General-Agent  für  Eisen-Industrie.  Stadt  300. 

Warhanek  Wilhelm,  Professor  an  der  k.  k.  Ober-Realschule.  Landstrasse  109. 

Warna  Heinrich,  Med.  Dr.,  k.  k.  Marine-Oberarzt.  Triest. 

Weiss  Adolph,  Phil.  Dr.,  Landstrasse  140. 

Weiss  Edmund,  Assistent  der  k.  k.  Sternwarte.  Landstrasse  440. 
370  Werner  Joseph,  Freih.  v.,  Se.  Exe,  k.  k.  w.  geh.  Rath,  k.  k.  Gesandter  in  Dresden. 

Wllczek  Johann  Graf  von,  k.  k.  wirkl.  Kämmerer.  Stadt  26. 

Wilrzek  Heinrich  Graf  von,  k.  k.  wirklicher  Kämmerer.  Szemered,  Ungarn. 

Wilkens  C.  F.,  Handelsmann. 

Wlssiagg  Johann,  k.  k.  Landesgerichtsrath.  Pressburg. 

Wittinarin  Alois  Ritter  von,  k.  k.  Gubernialrath,  Director  des  österr.  Lloyd.  Triest. 

Woblniann  Bruno,  Phil.  Dr.,  Erzieher  bei  Herrn  Grafen  Hoyos.  Alservorstadt  200. 

Woldfich  D.,  Johann  Nep.,  Prof.  am  k.  k.  Gymnasium.  Eperies. 

Wolf  Heinrich,  Geolog  an  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 
380  Wüllerstorfu.  Urbair  Bernh.  Freih.  v.,  Commod.  k.  k.  Linienschiffs-Capitän.  Trie  st. 

Würtenberger  Franz,  k.  k.  Oberfactor.  Steyer. 

Zaufall  Franz,  Hauptmann  im  k.  k.  Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 

Zegladowlcz  Titus,  Ritter,  Se.  Hochw.,  k.  k.  Professor.  Bochnia. 

Zeltbaimner  Anton,  Professor  am  k.  k.  Ober-Gymnasium.  Pest. 

Zepharowlch  Victor,  Ritter  von,  Phil.,  Dr.,  k.  k.  Universitäts-Professor.  Krakau. 

Zerenner  Karl,  Phil.,  Dr.,  Coburg. 

Zezschwitz  Friedrich  Oskar,  Freiherr  von,  Hauptmann  im  k.  k.    Militär-Ingenieur- 
Geographen-Corps. 

Zlegl  Joseph,  Lehrer  an  der  Unter-Realschule  in  der  Leopoldstadt. 

Zeuschner  Ludwig,  Warschau- 
390  Zhlsbiiia.ii  Anton  Eduard,  Professor  an  der  k-  k.  Handels-  und  Nautischen  Akademie 
Triest. 

Zblshiuan  Joseph,  Phil.,  Dr.,  Prof-  am  k.  k.  Theresianum.  Wieden  Hechteng.  4054- 

Zwach  Martin,  Ministerialsecretär  im  k-  k.  Handelsministerium. 


Die  Gesellschaft  verlor  durch  den  Tod   folgende 
JEhren-Mitglieder : 

Se.  k.  k.  Hoheit  den  Durchlauchtigsten  Prinzen  und  Herrn,  Erzherzog  Jobann. 

Dieterlcl  Dr.  Thomas,  k.  preuss.  geh.  Ober-Regierungsrath,  Dir.  des  statist.  Bureau.  Berlin. 

Humboldt  Alexander  Freiherr  von,  Se.  Exe,  Berlin. 

Ritter  Carl,  k.  preuss.  Professor,  Präsident  der  Gesellschaft  für  Erdkunde.  Berlin. 


XXII 


Correspondirende  Mitglieder  : 

Papen  August,  k.  hannoverscher  Major  a.  D.,  Frankfurt  a.  M. 

Scblaglntwell  Adolf.  Berlin. 

Sendiaer  Otto,  Dr.,  k.  bayer.  Professor.  München. 

Sfcfe  Paul  von,  Phil.  Dr.,"k.  würtemb,  Finanzrath.  Stuttgart. 

Ausserordentliche  und  ordentliche  Mitglieder  : 

Aiidrlan-Wcrbiirg  Victor  Freiherr  von,  k.  k.  wirkl.  Kämmerer  A.  IH. 

Augustln  Vincenz  Freiherr  von,  Grosskreuz,  k.  k.  w.  geh.  Rath.  k.  k.  Feldzeugineister.  A.  .11. 

Bajzath  Michael,  k.  k.  pens.  Oberst. 

t  hini'l  Joseph,  Se.  Hochw.,  Chorherr  zu  St.  Florian,  k.  k.  Regierungsrath.  M.  K.  A. 

C» ra i I ich  Joseph,  Phil.  Dr.,  k.  k.  a.  o.  Professor,  Custos-Adjunct  etc. 

Krzlwani'k  Franzi  k.  k.  Oberlieutenant. 

Lejdult  Franz,  Med.  Dr.,  Professor  am  k.  k.  polytechnischen  Institute.  M.  K.  A. 

Metternich-Wiiineburg  Clemens  Wenzel  Lothar,  Fürst  von,  Se.  Durchlaucht. 

Hledwald  Max  von. 

Sejdl  Mathias,  k.  k.  Major. 


BERICHTE  ÜBER  DIE  VERSAMMLUNGEN 

DER  KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 

GEOGRAPHISCHEN  GESELLSCHAFT. 


Jahresversammlung  am  9.  November  1858. 

Der  Herr  Präsident  Sr.  Durchlaucht  Fürst  und  Altgraf  Hugo  v.  Salm 
Reiff  er  scheid  -  Krau  thei  in  eröffnete  die  Versammlung  mit  folgender 
Ansprache : 

Verehrte  Herren!  Indem  die  Periode  ihr  Ende  erreicht  hat,  für 
welche  Ihr  wohlwollendes  Vertrauen  mich  zum  Präsidenten  unserer  Gesell- 
schaft  berief,    liegt   mir   Ihnen    gegenüber  noch    eine  Pflicht  zu  erfüllen  ob. 

Ich  habe  Ihnen  einen  übersichtlichen  Bericht  über  die  Leistungen, 
oder  was  hier  gleichbedeutend  ist,  die  Fortschritte  der  geographischen 
Wissenschaft    während    des    abgelaufenen    Jahres    zu    erstatten. 

Zufrieden,  wenn  man  mich  nur  als  bescheidenen  Freund  der  Wis- 
senschaften gelten  lassen  will,  dessen  Beruf  es  zuvor  erheischt,  sich  ihrer 
Resultate,  wie  er  eben  kann,  als  Werkzeug  in  mancher  Richtung  zu  bedie- 
nen, ihm  aber  nicht  vergönnt,  sie  auch  wissenschaftlich,  dass  ist  um  ihrer 
selbst  willen,  und  mit  dem  Aufgebot  aller  Kräfte  zu  betreiben,  wurde  es 
mir  zunächst  zum  Bedürfniss,  mich  für  den  vorliegenden  Zweck  nach 
einem  Muster  umzusehen,  an  ein  Beispiel  mich  anzulehnen,  welches  ich 
denn  auch  in  dem  Voranschritt  meines  verehrten  Vorgängers,  des  würdi- 
gen Ritters  W.  Haidinger,  dessen  Gedanke  der  Gründer  unserer  Gesell- 
schaft wurde,  gefunden  habe.  Hat  er  die  Aufgabe  eines  Jahresberichtes 
als  eine  der  schwierigsten  bezeichnet,  die  ihm  noch  vorgelegen,  was  sollte  ich 
empfinden  und  sagen?  —  Gar  mancherlei  höchst  triftiges,  gälte  es  Rechtferti- 
gung dem  Ablehnen  einer  Aufgabe  zu  suchen.  Dass  davon  keine  Rede  sein 
kann,  liegt  in  dem  mir  durch  Ihre  Wahl  bewiesenen  Vertrauen,  dem  mir 
nur,  so  weit  die  schwachen  Kräfte  eben  reichen,  zu  entsprechen  erübrigt. 
Erlauben  Sie  mir  nach  diesen  einleitenden  WTorten,  nunmehr  zur  Sache 
zu   schreiten. 

Wie  billig  wendet  sich  zuerst  die  erste  Betrachtung  jenen  unserer 
Mitglieder  zu,  deren  Laufbahn,  während  des  nun  zu  Ende  gehenden 
Jahres,  durch  ihren  tief  zu  bedauernden  Tod  abgeschnitten  wurde;  deren 
für  sie  persönlich  abgeschlossenes  Wirken,  uns,  den  Ueberlebenden,  im 
Sinne  gesellschaftlicher  Genossenschaft,  fortzusetzen  und  zu  ergänzen  obliegt. 

Zuerst  lassen  Sie  mich  unseres  ordentlichen  Mitgliedes  Dr.  Friedrich 
Wilhelm  Freiherrn  von  Reden  gedenken,  den  im  rüstigsten  Mannesalter 
der  Tod  so  schnell  überwältigte,  dass  die  Meisten  von  uns  durch  dessen 
Kunde  überrascht  wurden,  noch  ehe  sie  von  Krankheit,  geschweige  von 
Gefahr,    etwas  geahnt. 

Sie  kennen  alle  meine  Herren  die  unermüdliche  Bienen-Emsigkeit, 
mit  der  von  Reden  ein  Material  des  ungeheuersten  Details  gesammelt 
und  ordnend  gestiftet,  ja  in  manchem  Theil  schon  geniessbar  verarbeitet 
hatte.  Als  echter  Mann  der  lebendigen  Wissenschaft,  hielt  er  nicht 
die  Welt  um  der  Statistik  willen  geschaffen,  sondern  suchte  in  dieser 
einen    allgemeinen    Schlüssel    zur   Beurtheilung    der    Weltverhältnisse. 

Mittheilungen   der  k.  k,  geographischen  Gesellschaft  III.  Bd.  1.  Heft.  1 


2  Jahresversammlung  am  9.  November  1858. 

In  trüber  Betrachtung,  wie  viel  er  gesäet,  und  wie  verhältnissmässig 
wenig  ihm  ein  zu  früher  Tod  an  Erndte  einzuheimsen  vergönnte,  ist 
wohl  ein  seufzender  Wunsch  erlaubt,  dass  seine  Saat  den  würdigen  Pfle- 
ger  finden    und    nicht    verloren    gehen    möge !  — 

Der  zweite  ist  unser  ordentliches  Mitglied,  Herr  Emil  Porth,  der 
an  Jahren  fast  noch  Jüngling,  aus  innerem  Drang  sich  wissenschaftlichen 
Anstrebungen  ergab.  In  v.  rhältnissmässig  behaglichen  Verhältnissen,  gaben 
ihm    diese,    sowie    die  Natur  seines  Bergbesitzes,    hiezu  Mittel  und  Anregung. 

Sich  unserm  verehrten  Secretär  Herrn  Bergrath  Foetterle  auf 
dessen  Excursion  nach  Klein- Asien  anschliessend,  nahm  er  dort  den 
tödtlichen  Keim  in  sich  auf,  der  ihm  nicht  einmal  mehr  die  Wiederkehr 
in  den  Schoss  der  Seinigen  gestattete.  Schwer  erkrankt,  raffte  ihn  in 
Triest  ein  rasch  entwickeltes  Nervenfieber  hinweg,  eben  da  er,  rückkeh- 
rend,   kaum    die    Schwelle    der    Heimath    wieder   betreten. 

Drittens  nenne  ich  Ihnen  Herrn  Anton  von  Reguly,  correspondi- 
rendes    Mitglied    unserer    Gesellschaft. 

Mit  der  Leidenschaft  des  Lernens  verband  er  die  Begabung  uner- 
müdlichen Fleisses,  die  es  ihm  möglich  machte,  gründliche  Sprachstudien 
bei  fremdesten  Stämmen  des  hohen  Noidens  zu  machen,  und  zugleich 
noch  andere  nahe  liegende  wissenschaftliche  Interessen  zu  pflegen.  Mehr- 
fach von  Seiten  der  ungarischen  Akademie,  so  wie  vom  Eifer  heimischer 
Freunde  unterstützt,  fand  er  auch  mannigfache  Förderung  in  Russland, 
das  ihm  auch  die  Anerkennung  zollte,  nachdem  er  eine  mühevolle  Karte 
des  nördlichen  Uralgebiethes  in  16  Quartblättern  beendigt.  „Reguly  sei 
durch  dieses  Werk  zum  Entdecker  einer  ausgedehnten  terra 
incognita  in  der  Geographie  und  Ethnographie  Russlands 
geworden." 

Die  Verarbeitung  alles  des  gesammelten  reichen  Materials,  als  reif 
für  die  Oeffentlichkeit,  war  ihm  nicht  mehr  vollständig  vergönnt.  Dem 
Vernehmen  nach  ist  die  ungarische  Akademie  im  Besitze  seiner  nachge- 
lassenen Aufzeichnungen.  Ein  ausführliches  Verzeichnis*  seiner  Arbeiten 
enthält  seine  Biographie,  wie  selbe  der  Pester  Lloyd  vom  29.  August 
dieses   Jahres    ab,    brachte. 

Nun  lassen  Sie  mich  des  Falles  erwähnen,  der  uns  vor  nur  wenig 
Wochen  unserer  Ida  Pfeiffer  beraubte.  Unser  im  doppelten  Sinne,  dem 
ihrer  Abstammung  als  Oesterreicherin .  und  dem  ihrer  Verbindung  mit 
unserer    Gesellschaft,    als    deren    Ehrenmitglied. 

Wahrlich  eine  wunderbare  Frau ,  mit  dem  dunklen  Instinct  eines 
Dranges  in  die  Ferne,  welche  jedoch  ohne  deren  kriegerische  Wuth,  fast 
an    die    Führer  der    uralten    Völkerwanderung   gemahnt. 

Mit  einem  Muth  und  einer  Ausdauer ,  ja  lassen  Sie  es  mich  ein 
Gottvertrauen  in  die  selbstbewust  gewordene  Bestimmung  nennen,  begabt, 
wie  sie  in  solchem  Grade  auch  dem  stärksten  Manne  zur  Ehre  gereich- 
ten, hat  sie  Gegenden  durchwandert,  wohin  auch  nicht  viele  Europäer 
gedrungen,  hat  sie  Beschwerden  und  Gefahren  überstanden,  die  manchen 
Stärkeren  gesättigt  und  entmuthigt  hätten,  ihr  aber,  waren  sie  nur  erst 
vorüber,    nur    ein    Reitz    zu    Entwürfen    neuer    Unternehmungen    wurden. 

Vom  Haus  aus  ohne  Diplom  oder  sonstigen  Zunftbrief,  wusste  sie 
mit  dem  angebornen  Takt  weiblicher  Auffassung  so  manches  Interessante 
zu  erkennen  und  zu  sammeln,  dass  ihre  Reisen  immerhin  auch  der  stren- 
geren    Wissenschaft     nicht    ohne    einigen    Gewinn    blieben;     denn     dieser 


Fürst  von  Salm.  3 

kömmt  es  ja  nicht  immer  auf  den  plötzlichen  Gewinn  ganzer  Länder- 
strecken an;  auch  der  einzelne,  noch  so  gering  scheinende  Baustein  ist 
ihr    ein    wahrer,   echter    und    dauernder   Gewinn. 

Und  so  sei  ehrende  Erinnerung  ihrem  Namen  geweiht,  so  wie  dem 
tragischen  Schicksal,  dem  sie  endlich  erlag,  als  sie  schon  leidend,  inmitten 
schauerlicher  Mordscenen,  kaum  das  Leben  vor  der  madegassischen  Wild- 
katze Ranaivalo  Manjoka  zu  bergen  vermochte,  und  mit  dem  Todeskeim, 
den  diese  Schrecken  entzündet,  heimkehrend  dahin  siechte,  dieselben  in 
letzten    glühenden    Fieberphantasien    noch    einmal    durchlebend. 

Noch  habe  ich  Ihnen  unseres  Ehrenmitgliedes  des  Herrn  Dr.  Ignatz 
Knoblecher  Erwähnung  zu  thun,  Apostolischen  Provicars  der  katholischen 
Mission    für    Central-Afrika    in    Chartum. 

Einer  ausführlicheren  Biographie  steht  der  Raum  nicht  zu  Gebot, 
auch  sind  deren  Umstände  bereits  von  der  OelTentlichkeit  vielfach  gewür- 
digt, sowie  auch  seine  Missionsberichte  in  derselben  Erwähnung  und  Ver- 
breitung fanden.  Ein  echter  Glaubensbote,  blieben  ihm  auch  die  Anfor- 
derungen der  Wissenschaft  nicht  fremd.  Manche  daraus  hervorgegangenen 
Sammlungen  hatte  auch  unsere  Gesellschaft  Gelegenheit,  Ihrer  Kenntniss- 
nahme  vorzuführen.  Er  ist  ein  Opfer  seines  warmen  Eifers  geworden. 
Tiefleidend  musste  er  Erholung  seiner  Kräfte  in  Europa  suchen,  gelegent- 
lich einer  Reise,  deren  Hauptzweck  jedoch  die  Interessen  seiner  Mission 
betraf.  Ein  unerforschlicher  Rathschluss  Hess  ihn  nicht  mehr  zu  seinem 
WTerke  zurückkehren.  Zu  Neapel  ereilte  ihn  der  Tod,  ihm  nur  den  Trost 
des  Vertrauens  lassend,  dass  was  er  so  innig  betrieben  und  gewirkt,  zur 
Fortführung  tüchtigen  Freundeshänden,  die  er  zum  Theil  hiefür  herange- 
bildet,  verblieb. 

Weiter  entriss  uns  der  Tod  zwei  ordentliche  Mitglieder,  den  Piari- 
sten-Ordens-Priester  P.  Gottfried  Fitzinger  und  den  Professor  W.  Zdo- 
binsky,  ersteren  im  besten  Mannes-,  diesen  im  eben  vollendeten  Jüng- 
lingsalter. Beide  eifrige  Theilnehmer  unserer  Bestrebungen,  ersterer  auch 
durch    Beiträge    ein   Mehrer    unserer   Bibliothek. 

Von  Ausländern  verloren  wir  das  Ehrenmitglied  Herrn  Robert  Brown, 
einen  der  verdienstvollsten  Botaniker  neuerer  Zeit.  Lange  Freund  und 
Genosse  Sir  Joseph  Banks,  testamentarischer  Nutzniesser  seiner  kostba- 
ren Sammlungen,  bis  sie  an  das  brittische  Museum  gelangten,  starb  er 
von  jedem,  der  ihn  kannte,  auch  den  Fachgenossen  verehrt,  sowohl  um 
seines  tiefen  Wissens,  als  seines  einfach  harmlosen  Characters  voll  Liebens- 
würdigkeit willen. 

Das  correspondirende  Mitglied  Mariano  Eduardo  de  Rivero  Usta- 
riz,  Generalkonsul  von  Peru  für  Belgien  zu  Brüssel.  Durch  Studien  in 
Europa  gebildet,  Director  der  Bergbaue  und  des  Museums  von  Peru,  war 
er  auch  Reisebegleiter  der  Herren  Boussingault  und  Ro  ul  in  in  Columbia 
gewesen.  Die  geographische  Gesellschaft  hat  ihm  eine  Bereicherung 
ihrer  ßüchersammlung  durch  mehrere  seiner  eigenen  Publicationen  zu 
verdanken. 

Indem  ich  hiermit  die,  leider  nicht  kleine  Liste  derer  schliesse,  deren 
Tod  die  Gesellschaft  als  ihre  Mitglieder  in  doppelter  Weise  zu  beklagen 
hat,  habe  ich  noch  mit  wenigem  eines  Mannes  zu  gedenken,  der,  obwohl 
nicht  in  unserer  unmittelbaren  Genossenschaft,  so  doch  wesentlich  der 
von  uns  gepflegten  Wissenschaft,  und  zwar  mit  grosser  Bedeutung,  in 
einer    ihrer    practischsten   Richtungen     angehört.     Nenne     ich     den    Namen 

1* 


4  Jahresversammlung  am  9.  November  1858. 

Alois  Negrelli  Ritter  von  Moldelbe,  so  nenne  ich  für  die  Zeitgenos- 
sen einen  der  wesentlichsten  Träger  und  thätigsten  Mitwirkenden,  seit 
Beginn  jener  denkwürdigen  Werke,  mit  denen  Oesterreich  begann  die 
ersten  Stränge  von  Eisenbahnen  zu  legen,  die  schon  jetzt,  ein  bedeutend 
verzweigtes    Netz,    seine    Länder    so    vielfach    durchziehen. 

Wie  aber  innere  Verbindungen  nur  dann  eine  nicht  untergeordnete 
Weltbedeutung  gewinnen,  wenn  sie  nicht  bloss  an  den  eigenen  Grenzen 
abbrechen,  sondern  überall  an  die  allgemeinen,  von  der  Natur  selbst  gege- 
benen oder  geforderten  grossen  Weltverbindungen  anzuknüpfen  suchen,  so 
finden  wir  mit  Stolz  unsern  Negrelli  auch  unter  den  ersten  Theilueh- 
mern  an  den  Studien  und  Vorarbeiten  zum  Durchstich  der  Landenge  von  Suez. 

Wie  bei  Gibraltar  die  mittelländische  Binnensee,  den  sie  umrahmen- 
den Völkern  den  Weg  in  das  Weltmeer  eröffnete,  durch  das  sie  fortan 
der  Compass  Flavio  Giajas  von  Amalfi  um  die  Welt  und  wieder  zur 
Heimath  zurückführte,  so  soll  dem  gegenüber  nun  ein  zweites  Thor  eröff- 
net werden  als  kürzester  Wasserweg  in  den  Orient,  den  die  Schiffe  bis- 
her nur  um   das    ungeheure   Afrika    herum    zu    fahren    hatten. 

Ein  bedeutsames  Zeichen  der  Zeit ,  dass  sie  dieses  gerade  jetzt 
erstrebt,  worauf  ich  noch  zurückkommen  werde.  Hier  genüge  die  Andeu- 
tung wieder  Name  Negrelli,  sowohl  bei  der  Gründung  von  Eisenbahnen, 
als  einer  künstlichen  Weltwasserstrasse,  fortan  den  Gedenktafeln  der 
Geschichte  angehört,  denn  auch  er  weilt  nicht  mehr  unter  den  Leben- 
den, auch  ihn  traf  es,  die  Verwirklichung  heissesten  Strebens  nicht 
erleben    zu    sollen. 

Suez,  dem  er  ein  neues  Leben  eröffnen  gewollt,  gab  ihm  den  Tod. 
Schwere  Anstrengungen  in  dem  gefährlichen  Clima  zerrütteten  seine 
Gesundheit,  welche  die  heimathliche  Luft,  die  Pflege  der  Seinen ,  ihm 
nicht  mehr  herzustellen,  sondern  ihm  nur  die  Ruhe  in  vaterländischer 
Erde    zu    geben   vermochten,  die    leicht    auf  seiner    Asche    liege. 

Von  dem  ehrenden  Gedanken  der  Todten,  die  ihr  Wirken  hieniden 
vollendet,  gehe  ich  nun  zum  Wirken  der  Lebenden  über.  Hier  darf  ich 
mich  berichtend  kürzer  fassen,  denn  ihre  Thätigkeit ,  vor  unseren  Augen 
sich    entwickelnd,    bringt   sich    selber    zu    Kenntniss    und    Erinnerung. 

Mit  der  innern  Heimath  beginnend  habe  ich  Ihnen  vorerst  die 
Ergebnisse  des  k.  k.  militärisch-geographischen  Institutes  vorzuführen, 
wie  ich  deren  Bekanntgebung  der  gütigen  Mittheilung  seines  Directors 
des   Herrn    Generalmajors   August  von    Fligely    verdanke. 

Das  k.  k.  Militär,  geographische  Institut  hat  im  Verlaufe  dieses  Jahres 
von  der  Spezialkarte  von  Böhmen  im  Maasse  von  1  :  144,000,  —  die  Blattei- 
Nr.  2,  8,  14,  27  und  36  herausgegeben,  es  bleiben  somit  von  den  38  dieses 
Werk  bildenden  Blättern  noch  9  zu  publiciren,  welche  im  nächsten  Jahre 
fertig    werden. 

Auch  von  der  Generalkarte  dieses  Landes  in  4  Blättern  und  im 
Maasse    von    1  :  288,000    sind    bereits    3    im    Gerippstich   vollendet. 

Die  Spezialkarte  von  Dalmatien  in  21  Blättern  im  Maasse  von  1  :  144,000 
ist  im  Stiche  so  weit  vorgeschritten,  dass  das  Gerippe  vollendet,  fünf 
Blätter  beschrieben    und    zwei    Blätter  sich  bereits    im  Terrainstich  befinden. 

Die  Aufnahme  von  Ungarn  hat  durch  die  allerhöchst  bewilligte  Ver- 
mehrung der  Arbeitskräfte  solche  Fortschritte  gemacht,  dass  die  gänzliche 
Vollendung  in  2  Jahren  zu  erwarten  steht.  —  Die  Spezialkarte  dieses 
Landes  im    Maase    von    1  :  144,000    wurde    daher    in    der   Zeichnung    auch 


Fürst  von  Salm.  *J 

begonnen.  Von  der  schon  im  vorigen  Jahre  erwähnten  General-  und 
Administrativkarte  von  Ungarn  im  Maasse  von  1  :  288,000  und  17  Blättern, 
sind  bereits  8  Blätter  erschienen.  —  Die  vielen  Schwierigkeiten  in 
der  Orthographie  der  Ortsnamen  fanden  ihre  Erledigung  durch  einen 
hohen  Befehl,  welcher  auf  die  strengste  Benützung  der  durch  die 
politischen  Behörden  herausgegebenen  Ortsverzeichnisse  hinwies.  —  Auch 
auf  die  vielen,  wie  in  keiner  andern  Provinz  der  Monarchie  in  solchem 
Maasse  zu  erwartenden  Veränderungen  im  Strassennetze,  Eisenbahnbau  etc.  etc. 
wurde  dadurch  Bedacht  genommen,  dass  der  Terrain  vom  Geripp  getrennt 
auf  einen  eigenen  Stein  ausgeführt  wurde  und  färbig  gedruckt  wird.  Von 
ganz  besonderem  Interesse  dürfte  aber  der  orographische  Theil  dieser 
Karte  sein,  da  bis  nun  keine  der  bekannten  Karten  auch  nur  annähernd 
einen  richtigen  Begriff  von  der  Terraingestaltung  dieses  Landes  gab ,  — 
noch   geben   konnte. 

Geodätische  Arbeiten  fanden  in  der  westlichen  Militär-Grenze  u.  z. 
im  Liccaner-,  Otocaner-,  Oguliner-  und  Sluiner-Grenzregimente  statt.  — 
Sie  bezweckten  die  Vervollständigung  des  I.  Netzes  und  die  Legung  eines 
Netzes    II.    und   III.    Ordnung    zum    Gebrauche    der  Katastral-Vermessung. 

In  Ober-Oesterreich  wurde  das  Netz  I.  Ordnung  zur  Verbindung  der 
Basen  bei  Wiener-Neustadt  und  Innsbruck  vollständig  beendet,  —  und  in 
Ungarn  das  Hauptnetz,  ausgehend  von  der  Basis  bei  Wiener-Neustadt  bis 
Ofen  gemessen,  und  in  verschiedenen  Theilen  Punkte  für  die  Militär-Auf- 
nahme   bestimmt. 

Die  in  den  Jahren  1856  und  1857  bewirkte  Aufnahme  des  Fürsten- 
tums Wallachei  nach  der  gleichzeitig  bewirkten  Triangulirung  in  112 
Militär-Sections-Blätter  zusammengestellt,  rein  gezeichnet  und  photographisch 
copirt. 

Hieran  reihet  sich  die  vom  Hrn.  k.  k.  Schulrath  Dr.  M.  Becker  herausge- 
gebene Wandkarte   des   Kaiserthums  Oesterreich. 

Was  sowohl  dem  täglichen  wie  dem  Schulgebrauch  erspriesslich  sein 
kann,  bringt  sie  in  reicher  Fülle  zu  übersichtlich  klarer  Anschauung;  in 
ihrer  Durchführung  gleichmässig  den  Geographen,  wie  den  Freund  und 
gewiegten    Kenner    der   Schule    beurkundend. 

Von  diesen  häuslichen  Arbeiten  biethet  sich  der  Uebergang  zu  eigent- 
lichen   Reisen    durch  heimische    Kräfte. 

Schon  bei  Gelegenheit  des  zu  früh  verblichenen  Porth  wurde  erwähnt, 
dass  er  den  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterl  e  auf  einer  Reise  nach  Klein-Asien 
begleitet,  welche  dieser,  als  Mitglied  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
zu  Zwecken  geologischer,  sowie  sich  daran  knüpfender  bergmännischer 
Forschungen  unternahm ,  mit  dem  nächsten  Zwecke  der  Constatirung  von 
Kohlenlagern    und    ihre   Ausbeutung    für    Schiffahrtszwecke. 

Herr  Dr.  Karl  Kr  eil,  Director  der  k.  k.  Central-Anstalt  für  Meteo- 
rologie und  Erdmagnetismus,  unternahm  in  Begleitung  des  Directors  der 
k.  k.  Marine-Sternwarte  in  Triest  Hrn.  Dr.  Schaub  eine  Seereise  auf 
einem  k.  k.  Kriegsschiffe  in  das  schwarze  Meer,  um  magnetische  Beob- 
achtungen auf  diesem  selbst,  wie  auch  an  den  verschiedensten  Küstenpunkten 
anzustellen.     Derselbe  ist  erst  kürzlich   auf  der    Donau   zurückgekehrt. 

Hieran  reihen  sich  Reisen  mehrerer  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  im  Laufe  des  Sommers  nach  Ober-Ungarn  zu  speciellen  Zwecken 
dieser   Anstalt,    von    der  auch    die  ausführlicheren  Berichte  erstattet  werden. 

Ebenso  machte  auch  Hr.  k.  k.  Bergrath  M.  V.  Lipoid  einen  Ausflug  nach 


6  Jahresversammlung  am  9.  November  1858. 

Cattaro,  worüber  der  Bericht  gleichfalls  der  geologischen  Reichsanstalt  zusteht, 
sowie  über  die  weitern  sonstigen  geologischen  Aufnahmsreisen  dieses  Sommers. 

Dahin  gehört  auch  die  auf  Anregung  des  Herrn  Dr.  A.  Schmidl 
durch  Seine  kaiserliche  Hoheit  den  durchlauchtigsten  Herrn  ErzherzogAlbr  echt 
in  das  Werk  gesetzte  Untersuchung  des  Biharer-Comitates,  an  welcher  sich 
die  Herren  Professoren  Dr.  Schmidl,  Dr.  Peters,  Dr.  Kern  er  und 
J.  Wastler  betheiligten,  die  von  Dr.  Julius  Schmidt  auf  eigene  Kosten 
unternommene  Bereisung  des  Erdbebenkreises  um  Sillein  in  Ungarn,  worüber 
das  1.  Heft  1858  unserer  Mittheilungen  eine  Abhandlung  enthält,  und 
woran  sich  eine  Reise  des  Professors  Jeitteles  in  Troppau  anschliesst, 
welche  derselbe  mit  Unterstützung  der  kaiserlichen  Academie  der  Wissen- 
schaften zu  gleichem  Zwecke  unternahm,  und  von  der  ein  Bericht  erst 
vor    ganz   kurzem    der    letzteren   zugekommen    ist. 

Der  Professor  am  Ober -Gymnasium  in  Fiume  Herr  Dr.  J.  Lorenz, 
uns  bereits  durch  Untersuchungen  über  die  Salzburger  Torfmoore  bekannt, 
hat  vergangenen  Sommer,  mit  Unterstützung  des  k.  k.  Unterrichts-Mini- 
steriums, eingehende  Untersuchungen  im  Quarnero,  in  phisikalisch-geogra- 
phischen,  zoologischen,  botanischen  und  geologischen  Beziehungen  ausge- 
führt, hiebei  mit  anerkennenswerthester  Liberalität  durch  den  österr.  Lloyd 
gefördert,  der  ihm  zur  Befahrung  ein  eigenes  Dampfboot  zur  Verfügung 
stellte. 

Die  Anwesenheit  des  durch  seine  „Studien  über  Albanien"  bekannten 
k.  k.  Consuls  in  Syra,  Hr.  v.  Hahn,  gab  der  kaiserlichen  Akademie  der 
Wissenschaften  Veranlassung  ihn  zu  geographischen  Arbeiten  zwischen  Bel- 
grad und  Saloniki  zu  unterstützen,  namentlich  in  den  Thälern  der  Morawa 
und  des  Wardar,  und  das  deren  beide  Gebiethe  trennende  Gebirge,  wovon 
nicht  nur  eine  belangreiche  Erweiterung  geographischer  Kenntniss ,  sondern 
auch  die  Lösung  mancher  Frage  über  Führung  einer  Eisenbahn  nach  Salo- 
niki zu  erwarten  ist. 

Auf  eigene  Kosten  unternahm  Hr.  Professor  Dr.  Franz  Unger  eine 
Reise  nach  Unter-  und  Ober-Aegypten,  und  gelangte  auf  dem  Nil  bis 
Assuan.  Auf  der  Rückreise  besuchte  er  die  Syrische  Küste  sowie  Cypern 
und    Rhodus. 

Der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  hat  er  bereits  einen  Vortrag 
über  das  Alter  der  ägyptischen  fossilen  Hölzer,  als  ersten  Reise-Erfolg  vorgelegt. 

Ihn  begleitete  theilweise  Hr.  Eckhold  durch  Beiträge  des  k.  k. 
Unterrichts-Ministeriums  und  mehrerer  Gönner  unterstüzt,  denen  auch  unsere 
Gesellschaft  sich  anschloss,  so  wie  durch  freie  Fahrt  auf  der  Südbahn  und  nach 
Alexandrien  gefördert.  InCairo  mit  Herrn  Unger  zusammentreffend,  begleitete  er 
ihn  bis  Assuan  und  stromabwärts  zurück  bis  Edfu,  wo  sie  sich  trennten.  Herr 
Eckhold  befindet  sich  noch  in  Cairo,  von  wo  er  Vegetations- Studien 
ägyptischer  Baumarten  und  eine  Abhandlung  über  dortige  Wald-  und  Wüsten- 
cultur  einsandte,  die  von  Tafeln  voll  gelungener  Charakteristik,  von  verschie- 
denen  Baum-   und    Waldparthien    begleitet    ist. 

Einer  der  tüchtigsten  Zoologen  Oesterreichs  Herr  Dr.  Schmarda  ist 
erst  vor  Kurzem  von  einer   mehrjährigen  Reise  um   die  Erde  zurückgekehrt. 

Im  Jahre  18o2  begleitete  er  Herrn  Dr.  F.  Ritter  v.  Fried  au  nach  Ceylon, 
ging  von  da  über  Mauritius  und  die  Capstadt  nach  Sidney  und  nach  Neusee- 
land, an  die  Westküste  von  Südamerika  nach  Chili  und  Peru,  machte  meh- 
rere Ausflüge  in  die  Andischen  Condilleren,  und  kehrte  über  Panama  zurück. 
Die  Mittel  zu  diesen  Reisen  hatte  Herr  Ritter  v.  Fried  au  ermöglicht,  auf  dessen 


Fürst  von  Salm.  7 

Schloss  in  Steiermark  sich  auch  nunmehr  die  gemachten  grossen  zoolo- 
gischen Sammlungen  Schmarda's,  voll  des  werthvollsten  Materials,  nament- 
lich die  niederen  Thierklassen  betreffend,  befinden,  von  dessen  Bearbeitung  um  so 
mehr  wissenschaftlicher  Gewinn  zu  erwarten  steht,  als  sich  Hr.  Schmarda 
hiezu  noch  längere  Zeit  im  Jardin  des  plantes  in  Paris,  sehr  eingehen- 
den  Vorbereitungsstudien    unterzog. 

Noch  auf  Reisen  befinden  sich  von  unsern  Mitgliedern  Dr.  v.  Tschudi 
und  Dr.  Friesach  seit  längerer  Zeit  in  Südamerika,  dann  Hr.  August 
Müller   von   und    zu  Aichholz    in    Syrien. 

Mit  dem  allgemeinen  umfassenden  das  Einzelne  abschliessend,  kann 
ich  Ihnen  meine  Herren  über  die  Fahrt  der  k.  k.  Corvette  Carolina 
Folgendes    mittheilen: 

Als  die  Weltumseglungs-Expedition  der  k.  k.  Fregatte  „Novara"  beschlos- 
sen wurde,  erhielt  die  k.  k.  Corvette  „Carolina"  die  Bestimmung  anfäng- 
lich die  erstgenannte  Fregatte  zu  begleiten,  und  sodann  ihre  Fahrt  allein 
nach  den  südamerikanischen  Küsten  zu  maritimen  Zwecken  auszudehnen. 
Aus  Anlass  dieser  projektirten  Excursion  der  Corvette  „Carolina"  fand  sich 
Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Herr  Erzherzog  Ferdinand 
Maximilian  allergnädigst  veranlasst,  die  Benützung  der  projektirten  Reise 
der  „Carolina"  zu  handelspolitischen  Zwecken  in  Anregung  zu  bringen, 
worauf  mit  Allergnädigster  Zustimmung  Seiner  kaiserlichen  Hoheit  die 
Entsendung  des  Handels-Agenten  Herrn  Ferd.  Fabel  auf  der  Corvette 
„Carolina"  behufs  Anbahnung  kommerzieller  Verbindungen  zwischen  Oester- 
reich  und  den   südamerikanischen    Staaten    beschlossen  wurde. 

Am  30.  April  1857  verliess  die  Corvette  „Carolina"  den  Hafen  von 
Triest. 

Am    8.    August    1857    Ankunft   in    Bahia. 

Aufenthalt    daselbst  bis    31.    August    1857. 

In  Bahia  hat  der  Handels-Agent  Hrn.  Fabel  die  erste  Aufstellung  der 
ihm  mitgegebenen  Mustersammlung  österreichischer  Waaren  und  Fabrikate 
veranstaltet. 

Bis  zum  31.  August  war  die  Corvette  „Carolina"  79  Tage  in  See 
gewesen,   und    49    Tage    in    verschiedenen    Häfen  vor   Anker  gelegen. 

Am  8.    September   1857    Ankunft    der   „Carolina"    in  Rio    de  Janeiro. 

In  der  brasilischen  Hauptstadt  veranstaltete  Fabel  abermals  eine 
Ausstellung  österreichischer  Waarenmuster,  und  trennte  sich  von  der  „Caro- 
lina", um  Behufs  Realisirung  seiner  kommerziellen  Zwecke  seinen  Aufent- 
halt  in  Rio  de    Janeiro    zu    verlängern. 

Der  Tag  des  Abganges  der  „Carolina"  von  Rio  de  Janeiro  ist  unbekannt. 

Am  17.  November  1857  erfolgte  die  Abreise  der  „Carolina"  von 
Montevideo. 

Am  13.  April  1858  traf  die  Corvette  Carolina  in  Gibraltar  wieder 
im  Mittelmeere    ein. 

Nenne  ich  noch  die  Expedition  um  die  Welt  der  k.  k.  Fregatte 
„Novara",  so  berühre  ich  einen  Gegenstand,  der  uns  nur  mit  erhebenden 
Empfindungen  erfüllen  kann.  Mit  tiefster  Theilnahme,  von  Zeit  zu  Zeit 
durch  die  bereits  eingegangenen  Berichte  angefrischt,  folgen  ihr  unsere 
Gedanken,  die  jetzt  wahrscheinlich  schon  das  stille  Meer  in  seinem  süd- 
lichen Theil  durchfurcht,  unter  Führung  eines  ebenso  tüchtigen  Seemanns 
als    Gelehrten,    des    Commodors    v.   Wüllerstorf,    schon   im    zweiten    Sta- 


8  Jahresversammlung  am  9.  November  lö58. 

dium  ihrer  Aufgabe  begriffen  ist,  in  jener  Hälfte  ihrer  Fahrt,  die  schon 
die  Aussicht  gibt,  bald  die  Segel  heimwärts  zu  stellen,  da  dem  Plane  nach 
die  Rückkehr  um  das  Cap  Hörn  erfolgen  soll.  Gott  geleite  das  gute  Schiff 
und    die    guten  Männer   die    es    trägt! 

In  ganz  kurzer  Uebersicht  entnehme  ich  noch  Petermanns  Mit- 
theilungen einige  Notizen  über  geographische  Reisen  und  Arbeiten,  die 
auf  den    Antheil    des    Jahres    1858    fallen. 

Für  Europa  finden  wir  die  Angabe  der  Arbeiten ,  welche  im  Laufe 
der  nächsten  Zeit  durch  das  topographische  Bureau  des  königlich  preus- 
sischen  Generalstabs    zur  Ausführung   kommen    sollen: 

1.  Vollständige  Aufnahme  der  Hohenzoller'schen  Fürstenthümer,  für  eine 
Karte   im   Massstab    von    1  :  50.000. 

2.  Beendigung  der  Bemessung  der  Altmark,  um  im  Jahre  1859  die  Pro- 
vinz   Preussen    mit  allen  Kräften    anfassen    zu    können. 

3.  Vollendung  und  Revision  der  Aufnahme  der  Umgegend  von  Berlin, 
um    sie   wie    1  :  50,000    in   Kupfer   zu  graviren. 

4.  Umfassende  Versuche  in  Anwendung  der  Photographie  zu  Zwecken  des 
topographischen    Bureaus. 

Beiträge   zur    Bestimmung    der  Seehöhe    von    Dresden. 

In  Russland  sind  seit  vergangenem  Jahre  51  Generalstabs -Offiziere 
in  eben  so  viele  Gouvernements  abgeschickt  worden,  um  deren  statistische 
Beschreibungen  zu  revidiren  und  nach  einem  neuen  Programm  zusammenzu- 
stellen. Diese  sollen  dann  mit  Karten  in  russischer  Sprache  in  die  Oeffent- 
lichkeit    kommen. 

Arbeiten  des  kaiserlich  russischen  Generalstabs  und  topographischen 
Kriegsdepots: 

1.  Trigonometrische  Netze  in  den  Gouvernements  Kostroma  von  Woronesch, 
und  längst  der  Wolga  von  Sanatow  bis  Simbirsk.  Im  Sanatow'schen 
Gouvernement  zur  Anknüpfung  an  die  Triangulation  der  Gouv.  Woronesch, 
Tambow    und    Pensa. 

2.  Zwei  chronometrische  und  astronomische  Expeditionen  in  die  Gouv. 
Wologda   und    Wiätka,    wo    an    100   Punkte   bestimmt   werden    sollen. 

3.  Topographische  Aufnahme  der  Gouv.  Poltawa,  Gorkoff  und  Esthland 
im   Maassstab    1  :  42000   (1  Werst  =  1  engl.  Zoll). 

4.  In  Sibirien,  dem  Kaukasus  u.  s.  w.  Fortsetzung  der  topographischen 
Arbeiten.  Von  den  Graveuren  werden  heuer  noch  Smolensk  und 
Kaluga,  vielleicht  auch  Witegsk  vollendet.  Im  Maassstab  von  1  :  126,000 
(3  Werst  =  1  engl.  Zoll). 

In  Asien  sind  neueste  Nachrichten  über  Roths  Reisen,  aber  auch  die 
seines    Todes,   der   am    26.    Juni    erfolgte. 

Ferner  Cühdorfs  Schilderung  der  Wichtigkeit  des  russischen  Besitzes 
am   Amur    und    einer   Reise    von    dessen    Mündung  nach    Moskau. 

Für  Afrika  sind  mehrere  Reisen  theils  beabsichtigt,  wie  Maccarthys 
theils  im  Zuge,  wie  August  Rösche rs  von  Hamburg,  in  Chaillus  im  äqua- 
torialen Theil,  dann  Burtons  Reise  von  der  Ostküste  gegen  den  innerafri- 
kanischen See.  Gemeldet  wird  Neimanns  Tod  in  Cairo  am  15.  März.  In 
Aussicht  wird  die  Herausgabe  der  Reisen  von  Ladislaus  Magyar  gestellt, 
dessen    seltsam   genug   Livingstone    gar   nicht    erwähnt. 

In  Amerika  reist  Herr  L.  Pückler  in  den  Andesregionen. 

In  Australien  hat  die  Regierung   der  Niederlande   eine  Expedition   nach 


Fürst  von  Salm.  9 

Neu-Guinea  abgeschickt,  zum  doppelten  Zweck  eine  Niederlassung  zu  gründen, 
als  auch  zur  Anstellung  wissenschaftlicher  Untersuchungen. 

Als  Neuestes  gelangte  an  unsern  Altmeister  Alexander  vonHumbo  ld  t  durch 
den  Consul  in  Bombay  die  telegraphische  Nachricht,  dass  auf  Befehl  des 
John  Lawrenec  und  unter  dem  Commando  Lord  William  Hay's  von  Simla 
eine  Expedition  abgefertigt  wird,  um  Adolph  Schlagintweit  aufzusuchen. 
Noch  ist  also  ein  günstiger  Erfolg  vielleicht  zu  hoffen ! 

Niemand  mehr  als  ich  selbst  meine  Herren  fühlt  und  bedauert  mehr 
die  unerquickliche  Trockenheit  dieses  summarischen  Details,  aber  die  Zeit 
ist  mir  zugemessen  und  ich  habe  Ihre  Geduld  vielleicht  schon  über  Gebühr 
in  Anspruch  genommen.  Wo  ich  irrte  oder  etwas  übersah  oder  sonst  eine 
Ergänzung  nöthig  würde,  soll  sie  noch  vor  der  Drucklegung  verbessernd 
eintreten. 

Gestatten  Sie  mir  zum  Schlüsse  eilend,  noch  einige  wenige  abrundende 
Worte : 

Mit  Recht  nannte  Linne  die  Botanik  die  Scientia  amabilis ,  mit 
gleichem  Rechte,  ja  in  noch  höherem  Sinne  wäre  der  Geographie  diese 
Bezeichnung  zu  vindiziren.  Ist  jene  das  blühende  Mädchen,  so  strahlt 
diese,  eine  Königin,  in  voller  Pracht  matronalen  Reizes,  in  strengerer 
Reife  und  dennoch  in  vollendeter  Liebenswürdigkeit.  Mit  noch  manchen 
andern  führt  sie  auch  die  Wissenschaft  der  Botanik  in  ihrem  Gefolge 
und  neben  ihr  geht,  auf  ihre  Schulter  gestützt,  Staatskunst,  in  einer 
Hand  die  Feder ,  das  Schwert  in  der  andern ,  den  Adlerblick  in  die 
Ferne    gerichtet. 

Was  ich  Ihnen  so  eben  von  geographischen  Leistungen  aufgezählt, 
reiht  sich  von  selbst  nach  drei  Kategorien.  Es  ist  die  Arbeit  sinnender 
Wissenschaft,  die  bei  nächtlicher  Lampe  die  Kunde  von  Wegen  und 
Stegen  der  Welt  verarbeitet,  die  Gesetze  erforscht,  nach  denen  sich  deren 
Wesen  und  Art  dargestellt  und  diess  Alles  in  Umrissen  dem  Auge  über- 
sichtlich fasslich,  festzuhalten  sucht.  Bald  zeigen  sich  Lücken  in  einer 
oder  der  andern  Art,  diese  zu  ergänzen,  eröffnet  der  wandernde  Handel 
ein  Folium  für  Geographie,  worin  er  einzeln  zu  Buche  bringt ,  woraus 
ihm  wieder  die  Wissenschaft  ein  organisches  Ganze  zum  Gesammtgewinn 
heranbildet.  Ja  sie  begeistert  kühne  Herzen,  um  ihretwillen  allein  weite 
Meere  unter  neuen  Sternbildern  nach  unbekannten  Küsten  zu  durchfor- 
schen, durch  pfadlose  Wüsten  zu  dringen,  bis  auch  diese ,  dem  schon 
Bekannten  sich  anschliessend,  dieses  fortzusetzen  und  zu  ergänzen.  Dieses 
möchte  ich  practische  Geographie  nennen ,  die  von  der  Wissenschaft 
geführt,    ihr    Reich    durch    entdeckende    Thaten    erweitert. 

Nun  tritt  eine  Praxis  noch  höherer  Potenz  hinzu,  und  wie  alle 
Exponentialgrössen,  nur  in  seltenen  Fällen  nach  der  rationalen  Einfachheit 
elementarer  Rechnungsweise  aufzufassen  und  zu  berechnen.  Es  ist  dieses 
erobernde  Geographie ,  wie  sie  einst  vorzugsweise  Spanien  und  England 
nach  Westen  und  Osten  getrieben ,  damit  die  Wissenschaft  für  ewig 
bereicherten,  aber  in  ihren  practischen  Resultaten,  sie  eben  auch  nur  krie- 
gerisch   zu    behaupten    vermögen. 

So  wurde  in  neuesten  Tagen  wieder  das  märchenhafte  Indien  unse- 
rem Tagesinteresse  schaudervoll  näher  gerückt,  so  nährt  das  ferne  China 
die  Spalten  der  Zeitungen  mit  willkommener  Speise,  so  hat  Russland  an 
den  Ufern  des,  bisher  eben  nur  dem  Namen  nach  bekannten,  Amur, 
im   Stillen   die    Gründe    einer   Besitzergreifung   gelegt,    die   uns    nun    schon 


10  Jahresversammlung  am  9.  November  1858. 

als    vollendete    Thatsache    entgegentritt,    ehe    noch    ihr    Beginn   so    recht  zur 
gesprächsweisen    Kenntniss    der   Welt   gediehen    war. 

Diess  meine  Herren,  sind  Ereignisse  von  weit  grösserer  als  der 
nächst  sichtbaren  Tragweite.  Wir  stehen  eben  wieder  an  einem  der  grossen 
Wendepunkte    der    Weltgeschichte. 

Seit  mit  dem  unergründlich  geheimnissvollen  Ereigniss,  von  dem  der 
Welt  die  Rechnung  einer  neuen  Zeit  darum  zu  Theil  wurde,  weil  erst 
von  da  an  eine  geistige  Einheit,  Stammesgeschichten  zur  Weltgeschichte 
zusammenzubinden  und  fügen  begann,  können  wir  ein  Hin-  und  Zurückwogen 
derselben,  in  grossartigem  Verhältniss  fast  regelmässige  Strömungen  von 
Osten   nach    Westen    und    wieder   von    Westen    nach    Osten    verfolgen. 

Von  Osten  drang  das  Christenthum  nach  Westen,  und  bald  nach 
ihm  der  Strom  bisher  unbekannter  Stämme  in  der  Völkerwanderung, 
bestimmt  dessen  Träger  in  staatlichem  Boden  zu  werden.  Kaum  in  Europa 
gefestigt,  trieb  ein  dunkler  Instinct  die  Völker  in  den  Kreuzzügen  wieder 
nach  Osten,  das  Grab  des  Erlösers  aus  den  Fäusten  der  letzten  Nach- 
zügler   der   Völkerwanderung,    Seldschuckischer   Fürsten,    zu   retten. 

Ohne  dauernden  Erfolg  an  Ermattung  verendet,  hatten  sie  doch  den 
Kriegseifer  Türkischer  und  später  Mongolischer  Horden  geweckt,  die  wieder 
in  gewaltigen  Strömen  nach  Westen  zuflutheten.  Die  stolze  Byzanz  war 
gefallen,  flüchtend  drängte  die  antike  Bildung,  ein  geistiger  Strom  nach 
Westen.  Nach  Westen  drang  durch  Columbus  wachgerufen  das  Streben 
der  Conquistadoren  nach  einem  geträumten  Eldorado.  Nach  Westen  brach- 
ten Holland  und  England  die  Keime  heimischer  Staatseinrichtungen,  bis  sie 
ihnen    in    errungener  Selbstständigkeit   über  den  Kopf  wuchsen. 

Nach  mancherlei  Zwischenfallen,  welche  auszuführen  die  Zeit  mir 
nicht  erlaubt,  die  aber  alle  nur  das  Gemälde  vollenden,  von  dem  mir 
nur  eine  Andeutung  der  äussersten  Umrisse  vergönnt  bleibt,  stehen  wir 
nun   wieder  an    dem    Punkte    des    nach    Osten    rückfluthenden    Weltstromes. 

Diess  ist  die  Bedeutung  der  jetzigen  Tage,  darum  wird,  wenn  nicht 
England,  so  doch  Europa,  wie  in  Indien ,  so  in  China  endlich  siegen. 
Darum  wird  der  uralte  Landzusainmenhang  zweier  Welttheile  gelöst  und 
das  Land  bei  Suez  durchschnitten.  Darum  entsteht  ein  zweites  junges 
Russland  am  Amur,  um  bald  Japan  die  Hand  zur  allgemeinen  Verbrüde- 
rung zu  bieten,  wo  es  sich  zunächst  mit  Amerika  begegnen  wird ,  wel- 
ches dann  von  dieser  Seite  in  einem  nächsten  Weltenalter  den  Sturm 
und   Drang    nach  seinem    Westen   zu    uns    herüber   beginnen    wird. 

Doch  meine  Herren  ich  bemerke  wie  mich  Phantasie  über  die, 
vielleicht  erlaubten  Gränzen  führt.  Lächelnd  wird  wohl  Mancher  fragen, 
wie  ein  einfacher  Jahresbericht  der  Anlass  sein  konnte,  sich  bis  zu  Deu- 
tungen der  Zukunft  zu  versteigen?  Indess  meine  Herren  nehmen  Sie  es 
mit  Nachsicht  auf,  wenn  ein  Drang  mich  vielleicht  zu  weit  führte,  den 
Sie  an  sich  nicht  verdammen  werden,  den  Drang,  auch  beim  kleinsten 
Einzelnen,  sich  eines  grossen  Ganzen  und  organischen  Zusammenhanges 
instinctartig    bewusst   zu  werden." 

Hierauf  las  der  erste  Secretär  Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle 
folgenden  von  ihm  verfassten,  und  vom  Ausschusse  gut  geheissenen 
Rechenschaftsbericht    über    das    vergangene    Vereinsjahr    1858. 

Meine    Herren! 

„Ich  habe  die  Ehre,  Ihnen  heute  den  Rechenschaftsbericht  über  die 
Thätigkeit    unserer  geographischen  Gesellschaft    in    dem    vergangenen   zwei- 


F.  Foetterle.  1  i 

ten  Jahre  ihres  Bestehens,  sowie  über  ihre  inneren  Angelegenheiten  und 
ihre  Finanzen  vorzutragen.  Ich  kann  diess  mit  um  so  mehr  Befriedigung 
thun,  als  ich  Ihnen  meine  Herren  nur  Erfreuliches  zu  berichten  habe, 
aus  dem  sie  entnehmen  werden,  dass  die  Thätigkeit  der  Gesellschaft 
zwar  in  einer  langsamen,  aber  um  desto  sicherern  Zunahme  begriffen  ist; 
dass  sie  nicht  mehr  den  Schwankungen  unterliegt,  welche  so  häufig  bei 
neuen  Gesellschaften  oft  durch  unbedeutenden  äusseren,  oft  persönlichen 
Einfluss  während  einiger  Zeit  eintreten,  und  kürzer  oder  länger  andauern. 
Mit  voller  Beruhigung  können  wir  Unsere  Gesellschaft  als  consolidirt 
betrachten.  Wir  geniessen  noch  fortwährend  die  Begünstigung  der  freien 
Benützung  des  Lokales  zowohl  zu  Versammlungen  ,  wie  zur  Bib- 
liothek, und  verdanken  sie  dem  Wohlwollen  Sr.  Excellenz  des  Herrn 
Ministers  des  Innern,  Freiherrn  v.  Bach,  und  unserem  hochverehrten 
ersten  Präsidenten  und  gegenwärtigen  Vicepräsidenten  Herrn  Sectionsrathe 
W.  Haidinger.  Die  bedeutende  Zunahme  der  Mitglieder  gibt  uns  einen 
erfreulichen  Beweis  für  das  Wachsen  der  Theilnahme  an  den  Interessen 
der  Gesellschaft  auch  ausserhalb  dem  Kreise  ihrer  Thätigkeit,  sowie  die 
bedeutende  Vermehrung  der  Verbindung  mit  anderen  Gesellschaften  und 
Instituten  uns  ein  erfreulicher  Beweiss  ist,  dass  man  auch  unseren  Pub- 
licationen  einen  Werth  beilegt,  und  ihren  Inhalt  beachtet.  Sowohl  die 
Anzahl  von  Vorträgen  in  den  allgemeinen  Versammlungen,  wie  die  Anzahl 
der  Beiträge  zu  den  Abhandlungen  haben  sich  in  einer  Weise  gemehrt, 
dass  es  mir  möglich  wurde,  von  den  Mittheilungen  statt  2  Heften  wie 
im  vergangenen  Jahre,  3  Hefte  für  den  2.  Band  abzuschliessen.  Einen 
ebenso  erfreulichen  Fortschritt  zeigt  die  Seele  des  Bestandes  der  Gesell- 
schaft, die  finanzielle  Seite,  denn  mit  der  Vermehrung  der  Mitglieder  ist 
auch  eine  Vermehrung  der  Beiträge  eingetreten,  und  wir  haben  heute 
keine  Klage  über  allzu  viele  Versäumniss  der  Beitragsleistung  für  das 
vergangene   Jahr    zu    führen. 

Ich  übergehe  nun  zu  den  einzelnen  Geschäftsabtheilungen,  und  will 
mich    etwas    weitläufiger   bei   jedem    derselben    einlassen. 

Die  Gesammtanzahl  der  Mitglieder  der  Gesellschaft  sowohl  ausser- 
ordentliche wie  ordentliche  belief  sich  im  Laufe  des  vergangenen  Gesell- 
schaftsjahres, wie  aus  dem  betreffenden  Rechenschaftsberichte  und  aus 
dem  im  ersten  Band  der  Gesellschaftsschriften  enthaltenen  Mitglieder-Ver- 
zeichnisse ersichtlich  ist,  auf  321,  wovon  16  ausserordentliche  mit  einem 
Gesammtbeitrage  von  229  Gulden  C.  M.,  und  305  ordentliche;  von  diesen 
hatten  94  ausserhalb  Wien  in  Oesterreich,  und  5  ausserhalb  der  öster- 
reichischen Monarchie  in  den  andern  Staaten  Europas  ihren  Wohnsitz 
aufgeschlagen.  Seit  jener  Zeit  bis  zu  Ende  October  des  1.  J.  sind  neuer- 
dings der  Gesellschaft  65,  wovon  2  als  ausserordentliche  Mitglieder  bei- 
getreten. Freilich  hat  die  Gesellschaft  auch  den  Verlust  von  4  Mitglie- 
dern durch  den  Tod  zu  beklagen,  (der  Herren  Freiherrn  von  Reden, 
P.  G.  F i t z i n g e r,  Professor  E.  Zdobinsky,  und  E.  Port h),  während  9  andere 
Herren  aus  der  Reihe  der  Mitglieder  sich  ausscheiden  Hessen.  Es  ver- 
blieben demnach  am  Schlüsse  des  vergangenen  Monates  374  Mitglieder, 
wovon  18  ausserordentliche  mit  einem  Gesammtjahresbeitrage  von  264 
Gulden  (277.20  Gulden  Oesterreichische  Währung)  und  356  ordent- 
liche. Von  der  Gesammtzahl  sind  54  k.  k.  Offiziere.  Es  dürfte  hier  nicht 
ohne  Interesse  sein  zu  erfahren,  in  welchem  Verhältnisse  die  Betheiligung 
an   der    Gesellschaft   in    geographischer    Verbreitung   zunimmt,   was  aus  fol- 


\2  Jahresversammlung  am  9.  November  1858. 

genden  Zahlen  ersichtlich  sein  mag.  Wie  es  in  der  Natur  der  Sache 
selbst  liegt,  hat  dieselbe  innerhalb  der  Residenz  am  stärksten  zugenom- 
men, denn  gegenwärtig  wohnen  von  den  374  Mitgliedern  253  in  Wien, 
7  wohnen  im  Ausland  in  den  Städten  Augsburg,  Coburg,  Constantinopel, 
Ellwangen,  Florenz,  Plönen  und  Warschau;  und  114  in  51  verschiede- 
nen Ortschaften  der  österreichischen  Monarchie,  u.  z.  in  Agram,  Baden, 
Bistritz  bei  Teschen,  Bochnia,  Czernowitz,  Dubnik  bei  Eperies,  Edlitz  bei 
Neunkirchen,  Ellbogen,  Eggendorf  im  Traunkreis,  Gratz,  Gresten ,  Heral- 
titz  bei  Trebitsch,  Hruschau  bei  M.  Ostrau,  Innsbruck,  Jaworzno,  Joa- 
chimsthal, Keszthely,  Krakau,  Kremsmünster,  Laybach,  Lemberg,  Linz, 
Mailand,  Mauer,  Oberalm,  Oberschützen,  Oedenburg,  Ofen,  Ollmütz,  Padua, 
Pest,  Pilsen,  Prag,  Prerau ,  Pressburg,  Przibram,  Sappada  bei  Auronzo 
Schemnitz,  Schmöllnitz,  Steyr,  Szemered,  Szigeth  Marmaros,  Temesvar, 
Triest,  Tschars  in  Tyrol,  Udine,  Warasdin,  Venedig,  Vinkovce,  Wr.  Neu- 
stadt, Witkowitz  und  Zara;  unter  diesen  Orten  ist  wieder  Triest  durch 
15,  Prag  durch  8,  Pest,  Pressburg  und  Ollmütz  durch  je  5  Mitglieder 
am    zahlreichsten    vertreten. 

Da  die  Bibliothek  eine  der  wichtigsten  Besitzungen  und  geistigen 
Mittel  einer  Gesellschaft  ist,  so  wurde  ihrer  Vermehrung  und  ihrer  zweck- 
mässigen Instandhaltung  besondere  Sorgfalt  gewidmet.  Die  Möglichkeit  der 
ersteren  wurde  durch  die  zahlreichen  Geschenke  hochverehrter  Gönner 
und  Freunde  erleichtert,  wozu  unsere  verehrten  Ehren-,  correspondirenden, 
wie  wirklichen  Mitglieder  beitrugen.  Die  Ordnung  der  Bibliothek,  wie  die 
Führung  des  allgemeinen  alphabetischen  Kataloges,  des  Zettlkataloges  und  des 
Realkataloges  verdanke  ich  vorzüglich  beinahe  einzig  dem  ungemein  grossen 
Eifer    und    Thätigkeit  unseres   Scriptors    Herrn    A.    Senonner. 

Es  freut  mich  ungemein,  Ihnen  meine  Herren  die  angenehme  Mittheilung 
machen  zu  können,  dass  der  Stand  der  Gesellschaftsbibliothek  sich  im 
Laufe  des  vergangenen  Jahres  mehr  als  verdoppelt  hat,  was  aus  dem 
nachfolgenden  Vergleiche  am   deutlichsten    ersichtlich    ist. 

Der   Stand    der    Bibliothek    betrug 

,,T    ,  .±  t...    ,         an  Karten,     bestehend 

an  Werken     mit  Banden     „,..  m-.u 

Planen  etc.   aus  Blattern 

zu  Ende  des  Vereinsjahres  1857  262  979  46  320. 

zu  Ende  des  Vereinsjahres  1858  775  2011  77  421. 

daher  beträgt  die  Vermehrung  513  1032  31  101. 

Aus  eigenen  Geldmitteln  konnte  leider  auch  dieses  Jahr  fast  gar 
nichts    beigetragen    werden. 

Gewiss  werden  Sie  meine  Herren  mir  alle  beistimmen,  wenn  ich 
hier  in  Ihrer  Aller  Namen  den  hochverehrten  Gebern  den  verbindlichsten 
Dank  der  Gesellschaft  ausdrücke,  denen  unsere  Bibliothek  so  viele  und 
werthvolle  Werke,  welche  Ihnen  grösstentheils  bereits  in  den  einzelnen 
Monatsversammlungen  vorgelegt  wurden,  verdankt;  und  sie  alle  hier  noch- 
mals nenne,  wenn  sie  Ihnen  auch  aus  den  bereits  erfolgten  Vorlagen 
bekannt  sein  werden;  es  sind  die  Herren:  Abich  H.  in  St.  Petersburg, 
Angelrodt  in  St.  Louis,  d'Aveeac  in  Paris,  Artaria  A.,  Se.  Excellenz  A.  Freih. 
von  Bach  in  Wien  ,  Baeyer  in  Berlin,  Bauer  E.  in  Triest,  Brachelli  H.,  Graf  A. 
Breonner  in  Wien,v.  Balbi  E.  in  Venedig,  v.  Costa  D.  E.  H.  in  Laybach,  Freih.  v. 
Cioernigin  Wien,R.Danmas,K.DanssyinParis,Fr.  v.  Demidoff  in  WTien,  Dietz  B.  in 
Karlsruhe,  Erdmann  in  Stockholm,  Ermann  Dr.  A.  in  Berlin,  Flügel  Dr.  F.  in 
Leipzig,   Forchhammer  Dr.  P.  in  Kiel,  Fritsch  K.,    Fitiinger  G.  in  Wien,  Graham 


F.  Foetterle.  13 

C.  in  London,  (irrewink  Dr.  in  Dorpat,  Haidinger  W.  in  Wien,  Helmersen  G.  in 
St.  Petersburg,  Se.  Excellenz  Freih.  v.  Hietzinger  K.,  Freih.  v.  Hingenan,  R.Heufler 
L.,  v.  Hönigsberg  Dr.  R.,  Heinzel  in  Wien,  Hölzel  in  Ollmütz,  v.  Jochmas  in 
London,  Kästner L.  in  Wien,  Kiepert  H.  in  Berlin,  Rornhuber  Dr.  G.  A.  in  Press- 
burg, Roristka  B.  in  Prag,  L.  Freiin  v.  Kotz  in  Prag,  ftocziczka  W.  in  Krakau. 
de  Lesseps  F.  in  Paris,  Löwenthal  J.  in  Wien,  Lorenz  Dr.  J.  in  Fiume,  Loosey  K. 
in  New- York,  Mayr  Dr.  B.  in  Pest,  Malte  Brnn  in  Paris,  Metger  Dr.  J.  in  Han- 
nover, Mühry  Dr.  A.  in  Göttingen,  Mnrchison  Sir  R.  J.  in  London,  Nardi  Dr. 
F.  v.  in  Rom.  Negrelli  F.  R.  v.,  Papen  K.  in  Frankfurt,  Palacky  Dr.  J.  in  Prag, 
Paleocapa  in  Turin,  Perthes  J.  in  Gotha,  Patloch  0.  inDubnik,  Pipitz  Dr.  J. 
in  Triest,  de  Rivero,  Ritter  K.  in  Berlin.  Salzbacher  Dr.  J.  in  Wien,  Schröckin- 
ger  Ritter  von,  Schwarz  Georg  in  Wien,  Varnhagen  in  Paris,  Wenzig  J.  in 
Prag,  Wurzbach  Dr.  C.  v.  in  Wien,  Zeithammer  A.  in  Agram,  Ziegler  J.  M.  in 
Winterthur.   — 

Eine  andere  ebenso  reiche  wie  werthvolle  Quelle  des  Zuflusses  für 
die  Bibliothek  bilden  die  zahlreichen  Druckschriften,  welche  der  Gesellschaft 
von  den  verschiedenen  Gesellschaften  und  Instituten  des  In-  und  Auslandes 
als  Gegensendungen  für  die  eigenen  Mittheilungen  zukommen;  aus  dem 
nachfolgenden  Verzeichnisse  dieser  Institute  und  Gesellschaften  wollen  Sie 
die  Ausdehnung  der  Verbindungen  entnehmen,  welche  zu  dem  Zwecke 
der  Bereicherung  unserer  Bibliothek,  so  wie  zur  Verbreitung  der  eigenen 
Druckschriften    eingeleitet  wurden." 

Verzeichniss 

der  verschiedenen  Institute,   Gesellschaften    u.  s.  w.,    mit  welchem  die  k.  k. 
geographische  Gesellschaft   in   Schriftentausch    getreten    ist. 
a.  Im   Inlande: 
Agram ,    k.  k.  Landwirthschafts-Gesellschaft. 

Brunn,   k.  k.  M.  schl.  Gesellschaft  für  Ackerbau,  Natur-  und  Landeskunde. 
„        Statistisch  historische  Section  der  „  „ 

„         Forstsection    der    k.    k.  „  „ 

„        Werner- Verein    zur   geologischen    Durchforschung   von   Mähren    und    Schlesien. 
Czernowitz,   k.  k.    Ober-Gymnasium. 

„  Verein   für    Landeskultur    und    Landeskunde. 

Gratz  ,    k.   k.    Landwirthschaftsgesellschaft. 

Heruiannstadt,    Siebenbürgischer   Verein   für    Naturwissenschaften. 
Innsbruck ,    Ferdinandeum. 

Riagenfurt ,    k.    k.    Landwirthschafts-Gesellschaft. 
Lavbach,   Historischer   Verein    für   Krain. 
Lemberg,    k.    k.    Ackerbau-Gesellschaft. 
Linz,    Museum    Francisco    Carolinum. 

„        k.    k.    Landwirthschafts-Gesellschaft. 
Mailand,    J.    r.    Instituto    Lombardo. 

„  Academia  physico-medico-statistica. 

Pesth,   Ungarische   Akademie   der   Wissenschaften. 

„         Redaction  des   Pesth'er   Lloyd. 
Prag,    k.   böhm.    Gesellschaft  der   Wissenschaften. 
„       Naturhistorischer    Verein   „Lotos". 
„       k.   k.    patriot.    ökonomische   Gesellschaft. 
Pressburg,    Städtische  Ober-Realschule. 
„  Verein   für   Naturkunde. 

„  Ungarischer   Forstverein. 

Venedig,   J.   r.   Instituto  Veneto. 

,,         Collegium  der  Mechitaristen  auf  S.  Lazaro. 
Verona,    Academia  dell'  agricoltura,  delle  scienze  di  commeracio- 
Wien,   k,   k.    Direction  für  administrative  Statistik. 


14  Jahresversammlung  am  9.  November  1858. 

Wien      k.    k.   geologische  Reichsanstalt. 

„       k.   k.    zoologisch-botanische  Gesellschaft. 
,,       k.   k.    Landwirthschafts-Gesellschaft. 
„       k.  k.    n.  öst.  Gewerbe-Verein. 
„       Redaction  der  Austria. 

5,  „  der  österr.  botanischen  Monatschrift. 

Und  die  Handelskammern  zu:  Agram,  Bergamo,  Botzen,  Brescia,  Brunn,  Budweis,  Chia- 
venna,  Como,  Cremona,  Czernowitz.  Fiume,  Gratz,  Klausenburg,  Kronstadt,  Laybach. 
Leoben,  Linz,  Lodi,  Mailand,  Oedenburg,  Ollmütz,  Padua,  Pavia,  Pesth,  Pilsen,  Prag, 
Rovigo,   Salzburg,  Temesvar,  Treviso,  Triest,  Troppau,   Udine,  Verona,  Vicenza  und  Wien, 

b.    Im    Auslande. 
Albany,  New- York  State  Library. 
Amsterdam',  N.  Akademie  der  Wissenschaften. 
Barmen ,  Rheinische  Missions-Gesellschaft. 
Berlin,  Gesellschaft  für  Erdkunde. 
Bologna,  Academia  delle  science. 
Boston,  American  Academy  of  arts  and  sciences. 
Breslau,  k.  Universität. 

„        schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Kultur. 
Brüssel ,  k.  Akademie  der  Wissenschaften. 

,,         k.  Central-Commission  für  Statistik. 
Cambridge  American  Association  for  the  advancement  of  science. 

„  Haward  College. 

Darmstadt,  Gesellschaft  für  Erdkunde  und  verwandte  Wissenschaften. 
Frankfurt  a.  M.,   Geographischer  Verein. 

„  Ravenstein's  geographische  Anstalt. 

Görlitz,  Naturforschende  Gesellschaft. 
Gotha,  Justus  Perthes 's  geographische  Anstalt. 
Bannau ,  Wetterau'sche   Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde. 
Karlsruhe,  das  grossherzogliche  Ministerium. 
London,  Royal  Society. 

„        Asiatic  Society  of  Great  Britain  and  Irland. 
,,        Ethnological  Society. 
}}        Statistical  Society. 
„         Geographical  Society. 
„        Mission  Society. 
„        Britisch  Evangelical  Society. 
Moskau,  kais.   Naturforschende  Gesellschaft. 
München,  k.  Akademie  der  Wissenschaften. 
Neubrandenburg,  Verein  der  Freunde  der  Naturwissenschaften. 
New-Haweu,  the  Editor  of  the  American  Journal. 
New- York,  Geographical  Society. 

„  American  Ethnographical  Society. 

,,  Redaction  der  Mission  Intelligencer. 

Paris,   Soci6t6  de  la  Geographie. 

,,       Soci6te  pour  la  propagation  de  la  foi. 
St.  Louis  (Missouri),  Academy  of  sciences. 
St.  Petersburg,  k.  russ.  geographische  Gesellschaft. 
Philadelphia,  Franklin  Institute. 

,,  American  Philosophical  Society. 

,,  Geological  Society. 

Turin,  Redaction  des  Bolletino  dell'  Istmo  di  Suez. 
Washington,  Smithsonian  Institution. 
„  Patent-Oflice. 

,,  War  Departement. 

„  National  Observatory  and  Hydrographical  Office. 

„  U.  St.  Coast  Survey. 

Wiesbaden ,  Verein  für  Naturkunde. 

„Es  sind  demnach  119  verschiedene  Institute  und  Gesellschaften,  wovon 
47  in  28  verschiedenen  Orten  im  Auslande,  und  72  in  42  verschiedenen 
Orten  im  Inlande,  mit  welchen  unsere  Gesellschaft  in  Verbindung  steht, 
welchen  sie  ihre  Mittheilungen  zusendet,  und  von  welchen  sie  bereits  ihre 
Druckschriften  erhalten  hat,    oder   deren  Zusendung  in  naher  Aussicht  steht. 


F.  Foetterle.  15 

Von  den  ausländischen  Gesellschaften  und  Instituten  erlaube  ich  mir  nament- 
lich auf  die  zahlreiche  Vertretung  der  Nordamerikanischen  aufmerksam  zu 
machen;  die  Gesellschaft  verdankt  die  Herstellung  dieser  Verbindung  dem 
unermüdlichen  Eifer  und  der  regen  Theilnahme  unseres  correspondirenden 
Mitgliedes  des  k.  k.  österreichischen  General-Consuls  zu  New-York  Hrn. 
Karl  Loosey,  und  des  nordamerikanischen  General-Consuls  zu  Leipzig 
Hrn.  Dr.  Flügel,  denen  die  Gesellschaft  hiefür  zu  grösstem  Danke  ver- 
pflichtet  ist. 

Vergleicht  man  die  diessjährigen  mit  den  vorjährigen  Verbindungen 
zum  gegenseitigen  Schriftenaustausche  und  Verkehre,  so  zeigt  es  sich, 
dass  am  Schlüsse  dieses  Jahres  im  Inlande  mit  65,  und  im  Auslande  mit 
39  verschiedenen  Instituten  und  Gesellschaften  mehr  Verbindungen  einge- 
leitet waren,  als  am  Schlüsse  des  vergangenen  Jahres,  und  ich  bin  fort- 
während bemüht,  diese  sowohl  für  die  Bibliothek  nützlichen,  wie  die 
Gesellschaft    selbst    sehr   ehrenden    Verbindungen    fortwährend   auszudehnen. 

Auch  unser  kleines  Nubisches  Museum  hat  zu  Anfang  des  Jahres 
durch  Herrn  Hansal's  Geschenk  eine  nicht  unwesentliche  Vermehrung 
erhalten.  Diese  besteht  aus  folgenden  ethnographischen  Gegenständen: 
10  vergiftete  Pfeile,  29  eiserne  Pfeile,  4  grosse  Bogen,  u.  z.  2  von 
den  Bari,  und  2  von  den  Tschier,  8  eiserne  Lanzen  der  Bari,  (2  des 
Nemnemstammes),  1  ganz  aus  Eisen  verfertigte  Wurfpflanze,  1  Zauberstab 
eines  Regenmachers,  2  Eisenhacken,  welche  auf  die  Feinde  geschleudert 
werden,  1  Keule  von  schwarzem  Eisenholz,  1  Pfeifenrohr,  1  junger  Stamm 
des  schwimmenden  Ambackholzes,  2Rahad,  1  Negerflöte,  2  Pfeifen,  welche 
die  Bari  bei  ihrem  Gesänge  brauchen,  1  Streitaxt  mit  einer  Gabel  zum 
Eindrücken  der  Augen  des  Feindes,  1  Zierstab  der  Heliab,  1  Keule  der 
Schilluk  von  schwerem  gelben  Holze,  1  lederner  Riemen,  welcher  als 
Abzeichen  des  Haus-  und  Besitzstandes  getragen  wird,  1  Schild  der  östlich 
vom  Barilande  wohnenden  Bern  aus  dem  Rückentheile  einer  Giraffenhaut 
und   mehrere   Hausgeräthe,    Schmuck   und  Ziersachen. 

Einen  ebenso  erfreulichen  Fortgang  habe  ich  die  Ehre,  Ihnen  meine 
Herren,  über  die  eigenen  Druckschriften  der  Gesellschaft,  die  Mittheilun- 
gen, zu  berichten.  Im  Laufe  des  Jahres  wurden  zwei  Hefte  des  2.  Bandes 
vollendet  und  versendet,  ein  drittes  Heft  wurde  am  31.  October  als  Schlussheft 
des  2.  Bandes  abgeschlossen,  und  ist  zum  grössten  Theile  schon  gesetzt, 
so  dass  ich  in  kurzer  Zeit  die  Ehre  haben  werde,  es  Ihnen  vorlegen  zu 
können.  Ich  verdanke  vielen  unserer  hochverehrten  Herren  Mitglieder  werth- 
volle  Beiträge  wie  den  Herren  Dr.  A.  Alth,  F.  Simony,  J.  M.  Gug- 
genberger,  A.  Steinhauser,  Th.  Kotschy,  Dr.  J.  Schmidt,  A.  E. 
Zhis hinan,  Dr.  L.  F.  Kämtz  und  unseren  Novara-Reisenden,  dem  Hrn. 
Commodore  v.  Wüllerstorf  selbst  und  Dr.  K.  Scherzer  und  erlaube 
mir  hier  allen  diesen  Herren  meinen  besonderen  Dank  auszudrücken.  Wie 
in  dem  vorjährigen  ersten  Bande,  sehen  wir  auch  in  dem  zweiten  die 
Richtung  gleichsam  angedeutet,  welche  für  unsere  geographische  Gesell- 
schaft gleichsam  vorgezeichnet  ist,  denn  auch  hier  herrscht  unser  eigenes 
schönes  Kaiserreich  so  wie  der  Osten  vor,  da  unter  den  16  Abhandlun- 
gen 6  auf  die  österreichische  Monarchie,  6  auf  Asien,  1  auf  Afrika  sich 
beziehen,    und    3   mehr   allgemeinen    Inhaltes   sind. 

Wir  sind  aber  auch  denjenigen  Herren  zu  besonderem  Danke  ver- 
pflichtet, welche  durch  das  lebendige  Wort  in  den  allgemeinen  Versamm- 
lungen  so  viel   zu   unserer  Belehrung   und  geistigen   Unterhaltung  beitrugen. 


16  Jahresversammlung  am  9.  November  1858. 

Mit  wahrer  Befriedigung  werden  Sie  meine  Herren  sowohl  aus  der 
Abtheilung  der  Abhandlungen,  wie  der  Sitzungsberichte  entnehmen,  dass 
auch  in  dieser  und  gewiss  der  wichtigsten  Abtheilung  der  Wirksamkeit 
unserer  Gesellschaft  die  Leistungen  des  eben  vergangenen  nicht  hinter 
denen  des  Vorjahres  geblieben  sind,  und  ich  kann  nur  die  Herren  ein- 
laden, auch  in  dem  nun  zu  beginnenden  Jahre  eine  eben  grosse  Theil- 
nahme   an    der   Thatigkeit    der    Gesellschaft    entwickeln    zu    wollen. 

Ich  kann  nicht  umhin,  hier  meinem  hochverehrten  Freunde,  unserem 
allverehrten  Hrn.  Vice-Präsidenten  Sectionsrath  Haidinger,  sowie  den 
Herren  Ausschussmitgliedern  Schulrath  Dr.  M.  Becker  und  Bergrath  F.  v.  Hauer 
meinen  verbindlichsten  Dank  auszudrücken  für  die  Bereitwilligkeit,  mit  der 
sie  sich  während  meiner  längeren  Abwesenheit  der  Redaction  der  Mitthei- 
lungen,   und    den    Secretariatsgeschäften   unterzogen. 

Was  die  Vertheilung  der  Druckschriften  betrifft,  so  wurde  sie  in 
diesem    Jahre    folgender   Massen    vorgenommen: 

Von  dem  ersten  Jahrgange  wurde  ausser  den  bereits  in  dem  Rechen- 
schaftsberichte vom  vorigen  Jahre  ausgewiesenen  41 2  Exemplaren  noch  Yertheilt 

12    an    Mitglieder   des    kaiserlichen    Hauses    und   an  Ehrenmitglieder, 

48    an  neu    eingetretene    Mitglieder, 

78    an   Gesellschaften,   mit  welchen   Verbindungen    angeknüpft    wurden. 

550    Exemplare  des  1.  Bandes  wurden  demnach  bisher  vertheilt  und  es  bleiben 
450    Exemplare    als   Rest    der    ganzen  Auflage. 

Von    dem   zweiten  Bande    wurden    vertheilt: 
374  an   die   ausserordentlichen    und    ordentlichen    Mitglieder , 
31   an     die    Mitglieder    des     allerhöchsten    Kaiserhauses    und     an    mehrere 
Ehrenmitglieder, 
119  an   verschiedene    Gesellschaften    und    Institute;    daher 

524  Exemplare    im    Ganzen   und    es  bleiben 

476  Exemplare    als   Rest    der    ganzen    Auflage   übrig. 

Was  den  Stand  der  Kasse  der  Gesellschaft,  sowie  die  Einnahmen 
und  Ausgaben  im  Laufe  dieses  Jahres  betrifft,  so  habe  ich  die  Ehre, 
Ihnen  meine  Herren  im  Nachfolgenden  einen  Auszug  der  von  den  Herren 
Censoren  revidirten  Jahresrechnung,  welche  wir  den  freundlichen  Bemü- 
hungen des  Herrn  Rechnungsführers  E.  Hornig  und  des  Herrn  Kassiers 
A.    Artaria    verdanken,    im    Nachfolgenden    mitzutheilen: 

Einnahmen» 

Kassarest   vom    Jahre    1857 ,     .     .     .     1011  fl.  37  kr. 

Jahresbeiträge         1919    „     —    „ 

Zinsen    von    Obligationen 20    „    42    „ 

Summa  2951  „  19  „ 
Ausgaben. 

Druck    der   Mittheilungen     .          1546  fl.  46  kr. 

Kanzlei-Erfordernisse       . 87  „  32  „ 

Remuneration    des    Scriptor 200  „  —  „ 

„             des    Vereinsdieners       ........  100  „  —  „ 

Auslagen  für   Bibliothek 88  „  —  „ 

Postporto 199  „  40  „ 

Reise-Unterstützung 150  „  —  „ 


Summa  2371    „    58  „ 
Es    verbleibt   demnach  ein   Rest   von    579    fl.    21    kr.,  wovon    160  fl. 
CMze.    in    5%  Obligationen,     für   die   Einnahmen    von    1859:     rechnet   man 


F.  Foetterle.  17 

hiezu  die  Beiträge  von  18  ausserordentlichen  Mitgliedern  mit  264  fl. ,  die 
Zinsen  der  lebenslänglichen  Einzahlungen  von  3  Mitgliedern  mit  15  fl.  und 
die  Jahresbeiträge  von  353  ordentlichen  Mitgliedern,  mit  1765  Gulden, 
so  haben  wir  eine  Einnahme  für  das  Jahr  1859  von  2623  Gulden  CMze., 
ungerechnet  der  noch  sicher  zu  erwartenden  Einnahme  von  Beiträgen  neu 
eintretender  Mitglieder.  Es  erscheint  diese  Summe  im  Vergleiche  mit  der 
vorjährigen  Einnahme  von  2951  fl.  19  kr.  zwar  um  328  fl.  geringer, 
allein  wenn  man  bedenkt,  dass  am  Schlüsse  des  vergangenen  Jahres  ein 
Rest  von  1011  Gulden  von  einer  zweijährigen  Einnahme,  und  einer  blos 
einjährigen  Ausgabe ,  sehr  viel  zu  der  Höhe  jener  Einnahmssumme  beitrug, 
so  muss  die  im  künftigen  Jahre  zu  erwartende  Einnahme  als  ein  bedeu- 
tender Fortschritt  in  der  Vermehrung  der  disponiblen  Geldmittel  betrachtet 
werden.  —  Als  ein  bedeutungsvolles  und  erfreuliches  Zeichen  der  Theil- 
nahme,  an  den  Interessen  der  Gesellschaft  wollen  Sie  es  betrachten,  dass 
bloss  eine  sehr  geringe  Anzahl  von  Mitgliedern  bisher  ihrer  Verpflichtung 
der  Leistung  des  Jahresbeitrages  für  1858  nicht  nachgekommen  sind,  unter 
diesen  sind  jedoch  die  meisten  auswärts,  denen  es  nicht  an  Willen,  son- 
dern an  geeigneter  Gelegenheit  zur  Einsendung  mangelte,  und  bei  denen 
an    der   Leistung   nicht  zu    zweifeln    ist. 

Nachdem  ich  Ihnen,  Meine  Herren ,  einen  kurzen  Ueberblick  über  die 
innern  Angelegenheiten  unserer  Gesellschaft  entworfen  habe,  und  zum 
Schlüsse  gelangt  bin,  habe  ich  Ihnen  noch  im  Namen  des  Ausschusses 
den  Dank  desselben  auszudrücken  für  die  Unterstützung  und  Aufnahme, 
die  Sie  seinen  Anträgen  zu  Theil  werden  Hessen,  sowie  für  die  Theil- 
nahme,  die  Sie  den  Interessen  der  Gesellschaft  zollten ;  erlauben  Sie  mir, 
meine  Herren,  Ihnen  hier  noch  speciell  meinen  eigenen  Dank  auszudrü- 
cken für  die  besondere  Nachsicht  mit  der  Sie  stets  die  Güte  hatten, 
meine  Thätigkeit  für  die  Gesellschaft  zu  beurtheilen;  ich  habe  volle 
Ursache  dieselben  namentlich  für  das  vergangene  Jahr  in  Anspruch  zu 
nehmen,  wo  mich  mein  specieller  Beruf  für  längere  Zeit  den  Interessen 
der  Gesellschaft  entzog:  nehmen  Sie  schlüsslich  die  Versicherung,  dass 
ich  mit  gleicher  Vorliebe  fortfahren  werde ,  mir  die  Interessen  der 
Gesellschaft  wie  bisher  angelegen  sein  zu  lassen,  und  sie  ebenso  zu 
vertreten;  und  ich  kann  nur  mit  der  inständigsten  Bitte  an  Sie  Alle 
meine  Herren  schliessen,  mich  auch  fernerhin  in  diesen  meinen  Bestre- 
bungen   wie    bisher    unterstützen    zu    wollen." 

Da  nun  nach  Erstattung  des  wissenschaftlichen  sowie  des  Rechen- 
schaftsberichtes über  das  eben  abgelaufene  Vereinsjahr  die  Function  des 
Präsidenten  zu  Ende  geht,  so  dankte  Se.  Durchlaucht  Fürst  von  Salm 
nochmals  der  Gesellschaft  für  das  ihm  während  seiner  Function  als  Prä- 
sident bewiesene  Vertrauen  und  ersuchte  die  Versammlung  zur  Wahl  eines 
neuen    Präsidenten    schreiten    zu    wollen. 

Herr  k.  k.  Generalmajor  L.  Kintzl  ergriff  hierauf  das  Wort  und 
dankte  im  Namen  der  ganzen  Gesellschaft  dem  abtretenden  Herrn  Präsi- 
denten für  die  rastlose  und  erfolgreiche  Vertretung  der  Interessen  der 
Gesellschaft,  und  die  ganze  Versammlung  stimmte  mit  Freuden  diesem 
Ausdrucke    des    Dankes    bei. 

Da  nun  den  Statuten  der  Gesellschaft  gemäss  der  abtretende  Präsi- 
dent zu  derselben  Function  nicht  wieder  wählbar  ist,  so  stellte  der  Aus- 
schuss  der  Versammlung  den  Antrag,  dieselbe  möge  den  k.  k.  Sec- 
tionschef    Herrn    Dr.    Carl    Freiherrn     von     Czoernig     für    das     nächste 

.Minheilungen  der  k.  k.  geogr.  Gesellschaft.  III.  Bd.  I.  Heft.  *> 


jg  Versammlung  am  23.  November  1858. 

Vereinsjahr    zu    ihrem   Präsidenten    wählen,    welcher    Antrag     angenommen 
wurde. 

Hierauf  wurden  über  Antrag  des  Ausschusses  als  Ersatz  für  drei 
den  Statuten  gemäss  austretende  und  nicht  wieder  wählbare  Vicepräsi- 
denten  u.  z.,  die  Herren  k.  k. Regierungsrath  J.  Chine i,  k.  k.  Generalma- 
jor A.  v.  Fligely  und  Graf  C.  Lanckoronski  zu  neu  eintretenden 
Vicepräsidenten  gewählt  die  Herren:  Se.  Durchlaucht  Fürst  von  Salm- 
Reifferscheid,  Se.  Excellenz  K.  Freiherr  v.  Hunzinger  und  Herr 
k.  k.  Generalmajor  L.  Kintzl.  Zum  Kassier  wurde  Herr  A.  Artaria, 
zu  Rechnungs-Censoren  die  Herren  A.  Harmat  und  G.  A.  Schimmer 
wieder   gewählt. 

Da  auch  den  Statuten  gemäss  das  Loos  zum  Austritt  aus  dem 
Ausschusse  sieben  Ausschussmitglieder  traf,  und  zwei  andere  Ersatzwahlen 
stattzu6nden  hatten,  so  wurden  zu  neuen  Ausschussmitgliedern  gewählt  die 
Herren:  Generalmajor  A.  v.  Fligely,  k.  k.  Major  E.  Pechmann,  k.  k. 
Hauptmann  J.  Cyhulz,  Professor  Dr.  K.  Heller  und  Professor  Dr.  J. 
Zhishman;  und  die  Herren  V.  Freiherr  von  Andrian,  Dr.  L.  Fitzin- 
ge r,    K.   Fritsch    und    Dr.    M.    Hörn  es    wiedergewählt. 

Als  neu  eintretende  ordentliche  Mitglieder  wurden  gewählt  die  Her- 
ren L.  Kastner,  Vorstand  der  Registratur  der  k.  k.  pr.  Kreditanstalt, 
Dr.  J.  Lorenz,  k.  k.  Professor  am  Obergymnasium  zu  Fiume,  und  J. 
Skuppa,    Hauptmann   im    k.    k.    Militär-Ingenieur    Geographen-Korps. 

Hr.  Foetterle  zeigte  nun  mehrere  Geschenke  vor,  welche  der 
Gesellschaft  in  letzterer  Zeit  zugekommen  sind.  Se.  Hochwürden  Herr 
M.  Kirchner,  prov.  Provicar  der  katholischen  Mission  in  Central-Africa 
zu  Chartum ,  der  seit  kurzer  Zeit  sich  in  Wien  befindet ,  hatte  der 
Gesellschaft  einige  ethnographische  Gegenstände  für  ihr  kleines  Nubisches 
Museum  übergeben.  Ein  äusserst  werthvolles  Geschenk  an  Druckschriften, 
bestehend  aus  74  Bänden,  verdankt  die  Gesellschaft  Sr.  Excellenz  Herrn 
Freiherrn  v.  Hi et zi  nger,  es  befindet  sich  darunter  die  vollständige  Ausgabe 
von  K.  Ritter's  Erdkunde,  so  wie  mehrere  andere  Werke  von  Dr.  H.  Berg- 
haus, Gaspari  Hasel  und  Canabich,  v.  Lic  htenstern,  Somm  er  und 
sein    eigenes  Werk  „Statistik    der   österreichischen  Militärgrenze." 

Hr.  Dr.  L.  A.  Frank  1  überreichte  durch  den  Secretär  der  Gesell- 
schaft nebst  seiner  eigenen  Beschreibung  „nach  Jerusalem"  und  Inschrif- 
ten des  alten  jüdischen  Friedhofes  auch  sein  Gedicht  „an  die  hingeschie- 
dene Freundin  Ida  Pfeiffer"  in  zahlreichen  Exemplaren,  die  an  die 
Anwesenden   vertheilt    wurden. 

Das  ordentliche  Mitglied,  Herr  k.  k.  Professor  P.  Matkovich  in 
Warasdin,  sandte  die  Kopie  einer  topographischen  Karte  des  Gebietes 
von  St.  Michel  di  Lemmo  in  Istrien,  welche  er  während  seiner  diesjäh- 
rigen Studien  im  Museo  Correr  in  Venedig  fand  und  kopirte,  nebst  einer 
Beschreibung  (Siehe  dieses  Heft:  Abhandlungen  Nr.  III,   S.    32.) 


Versammlung  am  23.  \ovember  1858. 

Der  Herr  Präsident  k.  k.  Sectionschef  Freiherr  von  Czoernig  führte 
den  Vorsitz  und  eröffnete  die  Sitzung,  indem  er  der  Gesellschaft  den  Dank 
für  seine  Wahl   zu  ihrem  diessjährigen  Präsidenten  ausdrückte. 

Zu  neuen  ordentlichen  Mitgliedern  wurden  gewählt  die  Herren:  k.  k. 
Oberlieutenant  H.  v.  Acken,  Abt  und  Domherr  J.  Mislin,  Fabriksbesitzer 
H.    von   Rosthorn,  k.  k.  Oberlieutenant  J.  Schallerund  Dr.  G.  Stäche. 


Dr.  J.  Schmidt.  19 

Der  Astronom  der  Sternwarte  zu  Athen,  Herr  Dr.  Julius  Schmidt 
macht  einige  Mittheilungen  über  den  Fortgang  seiner  die  Metallbarometer 
betreffenden  Untersuchungen.  Indem  er  kurz  die  zu  Olmütz  im  Jahre  1854 
begonnenen  Versuche,  dann  seine  Beobachtungen  in  Italien,  endlich  seine  im 
Jahre  1857  unter  Mitwirkung  des  Herrn  Prälaten  v.  Unkrechtsberg  ausge- 
führten Vergleichungen  zwischen  Metall-  und  Quecksilber-Barometern  berührt, 
zeigt  er  die  Gestalt  der  Kurven ,  durch  welche  man  die  Variationen  der 
Aneroide-Stände  gegen  den  Stand  des  Quecksilbers  ausdrückt  und  die  gerin- 
gen Aenderungen  desselben,  welche  aus  theils  bekannten,  theils  unbekannten 
Ursachen  seit  1857  eingetreten  sind.  Die  Reisen  der  Herren  Bergrathes  F. 
r.  Hauer  und  Baron  F.  v.  Richthofen  in  Ungarn  (1858)  gaben  ihm  Veranlas- 
sung, aufs  neue  sich  mit  den  Metallbarometern  zu  beschäftigen,  indem  jene 
Herren  sich  solcher  Instrumente  zu  ihren  zahlreichen  hypsometrischen 
Bestimmungen  bedienten.  Um  diese  wichtige  Beobachtungsreihe  in  fast  unbe- 
kannten Länderräumen  sicher  berechnen  zu  können,  ward  für  beide  Metall- 
barometer die  ganze  Untersuchung  wieder  angefangen  und  durch  die  am  28. 
October  in  Begleitung  des  Herrn  Gustav  Ts eher mack  unternommene  Bestei- 
gung des  Gloggnitzer  Schneeberges  zum  Abschlüsse  gebracht.  Herr  Schmidt 
machte  schliesslich  darauf  aufmerksam,  dass  er  diessmal  zu  Argumenten  sei- 
ner Reductionstafeln  die  wahren  (von  Wärme  corrigirten)  Stände  des  Metall- 
barometers benutzt,  wodurch  jetzt  jede  Art  von  ermüdender  Interpellation 
wegfällt,  die  dann  auftritt,  wenn  mehrere  Stände  des  Quecksilbers  gemacht 
werden. 

Nach  dieser  Notitz  über  Metallbarometer  sprach  Herr  Dr.  Schmidt 
etwas  ausführlicher  über  den  grossen,  am  2ten  Juni  1858  von  Donati  in 
Florenz  entdeckten  Kometen. 

Nach  den  Rechnungen  der  Herren  Beult  es  in  Berlin,  Stampfer  und 
Löwy  in  Wien  bewegt  sich  der  Komet  in  einer  langgedehnten  Ellipse  in 
einer  Zeit  von  2100  bis  2500  Jahren,  welche  sich  bei  der  definitiven  Bahn- 
bestimmung viel  sicherer  wird  angeben  lassen. 

Die  merkwürdigen  Erscheinungen  an  dem  Kometen  schilderte  Hr.  Schmidt 
nach  seinen  eigenen  Beobachtungen,  ohne  indessen  mehr  als  die  wichtigsten 
Punkte  hervorzuheben  :  Sichtbarkeit  des  Kometen  in  der  Dämmerung  und  am 
Tage  ;  Zeit  des  grössten  Glanzes,  nicht  genau  mit  der  Umdrehung  überein- 
stimmend; Länge  des  Schweifes,  die  vom  7.  bis  11.  October  leicht  bis  zu 
40°  und  mehr  (gemessen  in  der  Krümmung  des  Schweifes)  erkannt  werden 
konnte.  Am  11.  October  Hess  sich  der  Schweif  bis  zum  Kopfe  des  Drachen 
verfolgen,  während  der  Kern  im  Aequator  stand.  Sodann  ward  der  Zurück- 
biegung des  Schweifes  gedacht ,  oder  seines  Zurückbleibens  hinter  der 
Richtung  des  Radius  Vector;  endlich  des  mächtigen  Phänomens  der  Licht- 
ausströmung des  Kernes,  welche  in  der  Gestalt  von  conzentrischen  Kugel- 
schalen am  Kerne  aufsteigend  sich  in  der  Gestalt  von  lichten  Kreisbogen 
oder  Heiligenscheinen  um  den  glänzenden  Nucleus  bildeten.  Diese  Ausströ- 
mung erreichte,  gemessen  am  Kerne  in  der  Richtung  zur  Sonne  hin, 
oft  2000  geographische  Meilen  im  Halbmesser  und  ,  unterstützt  durch 
zahlreiche  Mikrometermessungen  zwischen  dem  2.  und  18.  October  Hessen 
sich  Näherungswerthe,  wenn  auch  nur  ganz  im  Rohen,  für  die  Geschwin- 
digkeiten ermitteln,  mit  welchen  der  Kern  des  Kometen  die  Lichtmeteore 
gegen  die  Sonne  hin  ausströmte.  Diese  Geschwindigkeiten  sind  sehr 
gross,  grösser  als  die  unserer  Orkane,  und  selbst  grösser  als  die  des 
Schalles    und  des    Lichts, 

2* 


20  Versammlung  am  2?>  November  1858. 

Zuletzt  wurden  noch  die  Versuche  mit  der  von  Herrn  Sectionsrath 
Haidinger  für  Krj Stallbeobachtungen  mit  so  vielem  Erfoige  in  Vorschlag 
gebrachten  dichroskopischen  Lupe  erwähnt,  um  nämlich  die  Anwesenheit 
des  polarisirten  Lichtes  am  Kometen  durch  eine  längere  Beobachtungsreihe 
zwischen   dem   25.    September    und    dem    18.    October    herzustellen. 

Zum  Schluss  legte  Herr  Schmidt  photographische  Tafeln  über  den 
Kometen  vor,  die  der  ausgezeichnete  Photograph  Herr  Ludwig  Angerer 
nach  Handzeichnungen  des  Beobachters  in  sehr  gelungener  Weise  ausge- 
führt   hatte. 

Die  ganze  mit  vielen  Abbildungen  versehene  Abhandlung  über  den 
Kometen  wird  in  diesem  Winter  zu  Athen  durch  den  Druck  veröffent- 
licht  werden. 

Der  Herr  Vize-Präsident  Freiherr  v.  H  eifert  bespricht,  anknüpfend 
an  einen  am  17.  Februar  1857  über  denselben  Gegenstand  gehaltenen 
Vortrag  des  Herrn  Ministerial-Secretärs  Dr.  Anton  Beck,  den  Mangel 
eines  allgemeinen  topographischen  Lexikons  von  Oesrerreieh.  Im  Jahre 
1851  ist  die  erste  Abtheilung  eines  allgemeinen  Post-Lexikons  von  Oester- 
reich,  herausgegeben  vom  Postkursbureau  des  k.  k.  Handelsministeriums, 
erschienen,  Unterösterreich  enthaltend.  In  den  Jahren  1852 — 1858  erschien 
in  17  Heften  die  zweite  Abtheilung  dieses  Werkes,  nicht  mehr  ein  ein- 
zelnes Kronland  enthaltend,  sondern  eine  Kronländer-  Gruppe,  nämlich 
Böhmen  ,  Mähren  und  Schlesien.  Seitdem  ist  nichts  weiter  heraus- 
gekommen, was  um  so  mehr  zu  bedauern,  als  die  an's  Licht  getretenen 
Theile  in  der  That  auf  das  Vollständigste  und  Verlässlichste  alle  Anfor- 
derungen erfüllen,  die  an  ein  Unternehmen  dieser  Art  gestellt  werden 
können.  Zwei  Privatunternehmungen  ,  die  seitdem  an  die  Oeffentlichkeit 
kamen,  lassen  dieses  Bedauern  nur  in  erhöhtem  Grade  hervortreten.  Der 
einen,  einem  topographischen  Handwörterbuch  von  Galizien,  Krakau  und 
Bukowina,  Lemberg  1855,  lässt  sich  zum  Lobe  nachsagen,  dass  es  wohl 
Alles  leiste,  was  durch  die  Privatkräfte  eines  Einzelnen  geleistet  werden 
kann.  Allein  mit  dem  amtlich  zu  Gebote  stehenden  Materiale  verglichen, 
enthält  diese  so  sorgfältige  Arbeit  vielleicht  eben  so  viele  Lücken  als 
Daten;  mindestens  hat  eine,  noch  durchaus  nicht  auf  erschöpfende  Voll- 
ständigkeit Anspruch  machende  Vergleichung  gezeigt,  dass  den  11  ersten 
Nummern  dieses  Lexikons  12  Nummern  entgegengestellt  werden  können, 
die  entweder  ganz  fehlen  oder  wo  die  bei  der  Verschiedenheit  der  Les- 
arten eines  und  desselben  Ortsnamens  unerlässlichen  Vorweisungen  mangeln. 
Lässt  schon  eine  sich  auf  ein  einzelnes  Kronland  oder  eine  Kronländergruppe 
beschränkende  Privatarbeit  so  erhebliche  Lücken  wahrnehmen ,  so  muss  dies 
begreiflicherweise  noch  mehr  der  {''all  sein,  wenn  sich  die  Kräfte  eines  Ein- 
zelneu  an  ein  den  ganzen  Umfang  des  grossen  Kaiserreiches  umfassendes 
Unternehmen  wagen.  Dies  ist  bei  dem  1857  mit  der  ersten  Lieferung 
begonnenen  topographischen  Universal-Lexikon  des  österreichischen  Kaiser- 
staates von  J.  A.  Jarosch  der  Fall.  Der  seitdem  verstorbene  Verfasser, 
Jarosch,  hat  seinem  Werk  den  alten  Crusius  zu  Grunde  gelegt,  die  neue 
politische  und  gerichtliche  Eintheilung  oft  ganz  unrichtig  beigefügt,  wo  es 
ihm  nicht  zusammenging,  ganz  fallen  gelassen;  dabei  ist  dem  Verfasser  der 
Unfall  begegnet,  dass  er  auch  solche  Orte  anführt,  die  zu  Crusius  Zeiten 
allerdings  zu  Oesterreich  gehörten,  seitdem  aber  in  Folge  von  Grenzberich- 
tigungen  an  Nachbarstaaten  abgetreten  worden  sind;  der  Auslassungen  und 
Unrichtigkeiten    oder    mangelhaften  Angaben    ist   eine    Unzahl.    Diese   beiden 


Dr.  A.  Freih.  v.  Helfert.    F.  v.  Hauer.  21 

jüngsten  Erscheinungen  auf  dem  Gebiete  der  topographischen  Lexikographie 
Oesterreichs  müssen  daher,  wie  gesagt,  das  Bedauern  nun  erneuern  und 
steigern,  dass  das  vom  Kursbureau  des  k.  k.  Handelsministeriums  seit  Jah- 
ren angesammelte  vollständige  und  verlässliche  Materiale  leider  noch  immer 
der  so  wünschenswerten  Veröffentlichung  entgegenharrt.  Es  ist  von  mehre- 
ren Seiten  die  Vermuthung  ausgesprochen  worden,  dass  die  geographische 
Gesellschaft  selbst  die  Ausführung  eines  solchen  Werkes  in  die  Hand  neh- 
men werde.  Hierüber  wäre,  nach  Hrn.  Freiherrn v.  Helfert's  Meinung,  Fol- 
gendes zu  erwiedern :  Wenn  die  geographische  Gesellschaft  einmal  den  IM  an 
einer  allgemeinen  österreichischen  Topographie  in  Angriff  nehmen  wollte,  so 
dürfte  diess  in  keiner  andern  Weise  geschehen,  als  in  einer  solchen,  die 
der  Stellung  und  dem  Berufe  dieser  Gesellschaft  würdig  und  entsprechend 
wäre;  so  müsste  dieses  ein  wissenschaftliches  Nationalwerk  sein  ,  welches 
die  topographischen  Wissenswürdigkeiten  nach  allen  Richtungen  hin  umfasste, 
also  nicht  bloss  Nomenklatur,  Distanzen,  politische  und  gerichtliche  Zustän- 
digkeit u.  s.  w.,  sondern  auch  geographische  Lage,  Klima,  Bevölkerung,  aber 
ferner  Lokalgeschichte,  soziale  Verhältnisse,  Industrie,  Handel,  Wissenschaft 
u.  s.  w. ;  so  könnte  diess  nicht  in  der  wenn  auch  practischen,  so  doch  unmetho- 
dischen Gestalt  eines  Namensverzeichnisses,  sondern  nur  nach  Theilungsgrün- 
den  geschehen,  welche  der  natürliche  Zusammenhang  der  Dinge  an  die  Hand 
gibt.  Ein  solches  Werk  würde  aber  begreiflicherweise  jahrelanger  Vorbereitun- 
gen bedürfen,  es  würde,  wenn  es  auch  mit  allem  Eifer  betrieben  würde,  eine 
Reihe  von  Jahren  zu  seinem  Erscheinen  fordern.  So  lange  diess  nicht  geschieht, 
sollte  die  geographische  Gesellschaft,  nach  Herrn  Freiherrn  v.  Helfert's 
Ansicht,  wenigstens  solchen  topographischen  Unternehmungen,  welche  inner- 
halb enger  gezogener  Grenzen  Verdienstliches,  oder  wie  die  bisherigen  Publi- 
kationen des  Postkurs-Bureau  Ausgezeichnetes  leisten,  und  welche,  wenn  gleich 
zunächst  nur  der  Befriedigung  practischer  Bedürfnisse  gewidmet,  dennoch  auch 
der  wissenschaftlichen  Forschung  nicht  unergiebige  Ausbeute  versprechen,  ja 
ein  unentbehrliches  Nothbehelf  sind,  so  sollte  die  Gesellschaft  solchen  Unter- 
nehmungen jedenfalls  ihre  warme  Sympathie  und  ihr  reges  Interesse  zuwenden. 
Herr  Freiherr  v.  Hei  fert  behält  sich  vor,  einen  hierauf  bezüglichen  Antrag  bei 
dem  Ausschusse  der  Gesellschaft  einzubringen. 

Herr  Bergrath  Franz  von  Hauer  legte  die  bisher  erschienenen  8  grossen 
Quartbände  des  amerikanischen  Prachtwerkes:  Reports  of  Eccplorations  and 
Surveys  to  ascertain  the  rnost  practicable  and  economical  route  for  a  railroad 
from  the  Missisippi  river  to  the  Pacific  Ocean,  made  under  the  Directum  of 
the  Secretary  of  War  in  1853 — 1854,  zur  Ansicht  vor.  Den  ersten  Band,  der 
im  Jahre  1855  erschien,  hatte  die  k.  k.  geographische  Gesellschaft  schon  vor 
längerer  Zeit  durch  den  k.  k.  Herrn  Generalkonsul  C.  J.  Loosey  zum 
Geschenke  erhalten  und  er  war  in  der  Versammlung  am  11.  September  1856 
von  Herrn  Sectionsrath  Hai  ding  er  vorgelegt  worden,  die  ganze  Reihe  der 
übrigen,  die  in  den  Jahren  1855  bis  1857  erschienen  verdankt  die  k.  k.  geo- 
graphische Gesellschaft  Herrn  Jefferson  Davis,  Kriegssekretär  der  Vereinigten 
Staaten  ,  unter  dessen  unmittelbarer  Oberleitung  die  Untersuchungen,  deren 
Ergebnisse  in  dem  Werke  verzeichnet  sind,    ausgeführt  wurden. 

Diese  Untersuchungen  wurden  angeordnet  von  dem  Kongress  der  Verei- 
nigten Staaten,  der  in  seinen  Sitzungen  vom  3.  März  1853,  31.  Mai  1854  und 
5.  August  1854  erst  150,000  dann  40,000  und  dann  wieder  150,000,  also 
zusammen  340,000  Dollars  (728,565  fl.  Oe.  W.)  für  dieselben  bewilligte. 

Der  Druck  der  gesammten  Berichte  in  den  vorliegenden  Bänden  wurde 


22  Versammlung  am  23.  November  1858. 

vom  Senate  in  seiner  Sitzung  am  24.  Februar  1855  angeordnet,  und  zwar 
wurden  10,000  Abzüge  für  den  Gebrauch  des  Senates,  500  für  den  Kriegsse- 
cretär  und  je  50  Exemplare  für  jeden  der  bei  den  Untersuchungen  beschäftigten 
kommandirenden  Offiziere  bestimmt. 

Im  ganzen  wurden  im  Verlaufe  der  Jahre  1853,  1854  und  1855  fünf 
Hauptlinien,  manche  derselben  mit  verschiedenen  Varianten  zwischen  dem  Strom- 
gebiet des  Missisippi  und  dem  stillen  Ocean,  dann  zahlreiche  Linien  in  Califor- 
nien  und  Oregon  untersucht.  JedeLinie  war  einer  besonderenAbtheilung,  beste- 
hend aus  Offizieren  vom  Corps  der  topographischen  Ingenieure,  Naturforschern, 
Civil-Ingenieuren  und  Assistenten,  einen  Maler,  wissenschaftlichen  Sammlern 
u.  s.  w.  übergeben;  wo  erforderlich,  war  auch  eine  militärische  Escorte  bei- 
gegeben. 

Der  Umfang  der  geleisteten  Arbeiten  dürfte  das  folgende  summarische 
Inhaltsverzeichniss  der  bis  jetzt  erschienenen  achtBände  der  „Reports"  am  besten 
ersichtlich  machen. 

Bd.  I.  A.  Bericht  des  Kriegssecretärs  an  das  Repräsentanten-Haus  über  die  ver- 
schiedenen vorgenommenen  Untersuchungen  33  Seiten.  Eine  Uebersichts- 
Karte  und  2  Tafeln  mit  Profilen  der  untersuchten  Routen. 

B.  Prüfung   der    Berichte    über    die     Untersuchungen    der  Jahre    1853     und 

1854  für  Eisenbahnrouten  vom  Missisippi  zum  stillen  Ocean,  und  früherer 
Untersuchungen  die  auf  denselben  Gegenstand  Bezug  haben  von  Capt.  A.A. 
Humphreys  und  Lieutenant  G.  K.  Warren  74  Seiten. 

C.  Eisenbahn  Memoranda  von  Capitän  Geo.  B.  Mc.  Clellan  15  Seiten. 

D.  Bericht  über  die  Kosten  des  Transportes  von  Truppen  und  ihren  Erforder- 

nissen nach  Californien,  Oregon,  Neu-Mexiko  u.  s.  w.  von  General  Tho- 
mas S.  Jesup.  2  Seiten. 

E.  Bericht  über  die  Untersuchungen  für  eine  Route  nah  am  47.   und  49.  Grad 

nördlicher  Breite  von  St.  Paul  nach  Puget  Soned  von  J.  J.  Stevens, 
Gouverneur  des  Washington  Territoriums.  651  Seiten. 
Bd.  II.  A.  Bericht  von  Lieutenant  E.  G.  Beckwith  über  die  von  Capitän  J.  W. 
Gunnison  untersuchte  Linie  zwischen  dem  38.  und  39.  Parallelkreis  von 
der  Mündung  des  Kansas-Flusses  zum  Sevier-See.  (Capitän  Gunnison 
selbst  war  bei  seiner  Arbeit  zugleich  mit  dem  Topographen  und  Maler  Herrn 
Kern  und  dem  Botaniker  F.  Kreutzfeldt  von  den  Pah-Utah-Indianern 
ermordet  worden)  128  Seiten  mit  13  landschaftlichen  Darstellungen  in 
Farbendruck,  Tafeln  der  meteorologischen  Beobachtungen,  Höhenmes- 
sungen u.  s.  w. 

B.  Bericht  von  Lieutenant  E.[G.  Beckwith  über  die  Linie  am  4ten  Parallelkreis. 

96  Seiten.  Angeschlossen  der  1.)  Bericht  von  James  Schiel  über  die 
Geologie  der  Gegend  zwischen  dem  38  und  41ten  Grad.  17  Seiten  mit 
vielen  Holzschnitten  und  vier  Tafeln  mit  Abbildungen  von  Petreffacten  dann 
2)  Bericht  von  John  Torray  und  Asa  Gray  über  die  botanischen  Ergeb- 
nisse der  Expedition.    14  Seiten  mit  10  Tafeln. 

C.  Bericht  von  Fred.  W.  Lander  über  die  Recognoscirung  einer  Route  von 

Puget  Sound  über  den  South -Pass  zum  Missisippi.  (Derselbe  hatte  diese 
Untersuchung  im  Jahre  1854  auf  eigene  Kosten  ausgeführt,  und  das 
Repräsentanten-Haus  beschloss  seinen  Bericht  jenen  der  anderen  Expedi- 
tionen beizuschliessen.  45  Seiten. 

D.  Bericht  von  Capitän  John  Pope  über  die  Untersuchung  der  Route  nah  am 

32.  Grad  n.  B.  vom  Red  Riner  zum  Rio  Grande  156  Seiten  mit  Tabellen 
wie  oben  dazu. 


Fr.  v.  Hauer.  23 

1.  Botanischer  Bericht  von  John  Torrey  und  Asa  Gray,  20 Seiten 
mit  10  Tafeln. 

2.  Geologischer  Bericht  von  William  P.  Blake  SO  Seiten  mit  1 
geologischen  Karte  und  einer  Tafel  mit  Profilen. 

E.  Bericht  von  Lieutenant  John  G.  Parke  über  den  Theil  derselben  Route  zwi- 

schen Dona  Ana  am  Rio  Grande  und  Pirnas  Villages  am  Gila.  28  Seiten. 

F.  Auszüge  aus  den  Berichten  von  Lieutenant  Col.  W.  H.  Emory  über  in  den 

Jahren  1846  und  1847  gemachte  Untersuchungen  jenes  Theiles  derselben 
Route  der  zwischen  dem  Zusammenfluss  des  S.  Pedro  mit  dem  Gila  und 
dem  Zusammenfluss  des  Letzteren  mit  dem  Colorade  liegt.  (20  Seiten). 

Bd.  III.  A.  Auszüge  aus  dem  vorläufigen  Berichte  von  Lieutenant  A.  W.  Whipple 
über  die  Route  nah  am  35.  Parallelkreis.  36  Seiten. 

B.  Hauptbericht  von  Lieutenant  A.  W.  Whipple  über  die  bezeichnete  Route 
und  zwar: 

1)  Reisetagebuch    136    Seiten    mit  20  landschaftlichen  Ansichten,    theils 

Tafeln  in  Farbendruck,  theils  Holzschnitten. 

2)  Bericht   über   den  topographischen  Charakter  der  Gegend.     T7  Seiten, 

5  Tafeln,  viele  Tabellen. 

3)  Bericht   über  die  Indianer-Stämme  von  Lieutenant  Whipple,    Thomas 

Ewbank,  und  Professor  W.  M.  W.  Turner,  mit Vocabularien  der 
indischen  Sprachen,  einer  Geschichte  der  Apacher  und  anderer 
Stämme  und  42  Abbildungen.  (127  Seiten). 

4)  Bericht    über    die    Geologie  der  Route  und  zwar  a)  Bericht  über   die 

Sammlungen  von  Will.  P.  Blake,  und  b)  Resume  und  Feldnotizen 
von  Jules  Marcou.  Zusammen  175  Seiten  mitl  geologischen  Karte, 
einen  Durchschnitt  vom  stillen  Ocean  bis  zum  Missisippi.  2  Tafeln 
Abbildungen  von  Petreffacten  aus  der  Kohlenformation  und  der  Krei- 
deformation  und  vielen  Holzschnitten. 
Bd.  IV.  Fortsetzung  von  Lieutenant  A.  W.Whipple's  Hauptbericht. 

5)  Bericht  über  die  Botanik  der  Expedition  bestehend  aus 

a)  Allgemeine  Beschreibung  des  botanischen  Charakters  der  Gegend  von 
J.  M.  Bigelow.  8.,  216  Seiten. 

6)  Beschreibung  der  Waldbäume  von  demselben.  Seite  17 — 26  mit  einer 
grossen  Tafel,  einem  botanischen  Profil,  welches  die  Verbreitung 
der  Baumarten  entlang  der  Boute  ersichtlich  macht. 

c)  Beschreibung  der  Cactien  von  George  Engelmann  und  J.   M.  Bige- 

low. S.  27—58  mit  24  Tafeln  Abbildungen. 

d)  Beschreibung  der    allgemeinen    botanischen    Sammlungen   Yon  John 

Torrey.  S.  59—182  mit  25  Tafeln  Abbildungen. 

e)  Beschreibung  der  Moose  und  Leberkräuter  von  W.  S.  Sullivant.    S. 

183  —  193  mit  10  Tafeln. 

6)  Vorläufige    Notizen    über    die  zoologischen  Ergebnisse  der  Expedition 

von  Dr.  B.  B.  Kennerly.  17  Seiten. 

Endlich  Anhänge  und  zwar  astronomische  und  magnetische  Beobachtungen, 
Höhenmessungen,  meteorologische   Beobachtungen  u.  s.  w.  durchaus  Zahlenre- 
sultate. 288  Seiten. 
Bd.  V.  Bericht  des  Lieutenants  R.  S.  Williamson  über  dieRoutenin  Californien 

zur  Verbindung  mit  den  Routen  nah  am  35.  und  32.  Parallelkreis  und  zwar 

1)  Reisebericht.     43    Seiten    mit  24  Ansichten  theils  Holzschnitte,   theils 

Tafeln  im  Farbendruck. 

2)  Geologischer  Bericht   von    Will.  B.  Blake.   310  Seiten  mit   12  Tafeln 


24  Versammlung  am  23.  November  1858. 

landschaftlichen  Ansichten  in  Farbendruck,  8  Blättern  mit  Durch- 
schnitten, vier  geologischen  Karten,  vielen  Holzschnitten   u.    s.    w. 
Dazu  als  Anhänge 
«)  Notizen  über  fossileFische  von  Prof.  Louis  Agassiz.4  Seiten,  ITafel. 

b)  Beschreibung   fossiler    Muscheln    (Tertiäre    und  jüngere)    von   T.  A. 

Conrad.  13  Seiten,  8  Tafeln. 

c)  Catalog  der  rezenten  Muscheln  und  Beschreibung  der  neuen  Arten  von 

Augustus  A.  Gould.  7  Seiten,   1  Tafel. 

d)  Brief  von  Prof.  J.  W.  Bailey  über  die  Struktur  einer  fossilen  Pflanze 

vom  Posuncula-Biver.   1  Seite. 

e)  Beschreibung  der  Structur  des  fossilen  Holzes  aus  der  Colorado  Wüste 

von  Prof  Geo.  C.  Seh  äffe  r.  2  Seiten,  1  Tafel. 

f)  Chemische  Untersuchung  von  Bodenarten  u.  s.w.  von  J.  D.   Easter. 

4  Seiten. 

g)  Catalog  der  geologischen  Sammlung  und  Beschreibung  einzelner  Stücke. 

15  Seiten. 
k)  Beschreibung  der  von  \V.  P.  Blak  e  gesammelten  (rezenten)  Pflanzen 
von  John  Torrey.  12  Seiten,  10  Tafeln. 
3)  Botanischer  Bericht   von  E.Durand  und  T.  C.  Hilgard.  15  Seiten  mit 
17  Tafeln.   Dazu  Anhänge  wie  früher  14  Seiten. 
Bd.   VI.  Bericht  von  Lieutenant  Henry  L.  Ab  bot  über  die  unter  dem  Commando 
des  Lieutenant  B.  S.  Williamson  im  Jahre  1855  in  Oregon  und  Califor- 
nien  untersuchten  Bouten. 

1)  Allgemeiner  Bericht  134  Seiten  mit  12  Tafeln,    landschaftliche  Ansich- 

ten in  Farbendruck. 

2)  Geologischer  Bericht  und  zwar 

d)  Bericht  über  die  Geologie  der  Boute  von  J.  S.  Ne  w  berry  68  Seiten 

mit  1  Tafel  und  vielen  Holzschnitten. 
6)  Beschreibung  der  Tertiärfossilen  von  T.  A.  Conrad.  5  Seiten,  4Tafeln. 

c)  Analyse  von  Wasser  und  Mineralien  von  den  hot  Springs  im  Des  chutes- 

Thal  von  L.  M.  Dornbach.  5  Seiten. 

d)  Catalog  der  gesammelten  Mineralien  und  Fossilien.  7  Seiten. 

3)  Bericht  über  die  Botanik   der  Boute  von  J.  S.  Newberry.   102    Seiten 

mit  16  Tafeln,  darunter  die  10  ersten  Abbildungen  von  Bäumen  in 
Farbendruck.  An  der  Bestimmung  der  Pflanzen  hatten  die  Herren 
John  Torrey,  W.  S.  Sullivant,  und  Eduard  Tuckermann 
theilgenommen. 

4)  Zoologischer  Bericht  und  zwar  : 

a)  Bericht  über  die  gesammelten  Fische  von  Dr.  Charl.  Girard.  34  Seiten, 

11  Tafeln. 

b)  Mammalien  und  Vögel  von  J.  S.  Newberry.  75 Seiten,  5  Tafeln. 

c)  Landschneken  von  W.    G.  Binney.  4  Seiten.  Anhang.  Astronomische 

Beobachtungen  u.  s    w.  wie  oben  64  Seiten. 
Bd.  VII.  AJ  Bericht  von  Lieutenant  John  G.  Parke  über  Bouten  in  Californien 
zur  Verbindung  mit  den  Bouten  nah  am  35.  und  32.  Grad  und  über 
den  Theil  der  letzten  Boute  zwischen  dem  Bio  grande  und  Pirnas 
Villages  am  Gila. 

1)  Allgemeiner  Bericht.   42  Seiten  mit  8  Tafeln   landschaftlichen  Ansich- 

ten in  Farbendruck. 

2)  Geologischer  Bericht  von  Thomas  Antisell,  204  Seiten  mit  14  Tafeln 

mit  Durchschnitten.   10  Tafeln  Petrefacten,  2  geologischen  Karten. 


F.  v.  Hauer.  F.  Foetterle.  25 

3)  Botanischer  Bericht  von  John  Torrey.  28  Seiten  mit  8  Tafeln. 
Anhänge  wie  früher  116  Seiten  mit  11  Tafeln. 
B.  Schluss  der  offiziellen  Uebersicht  der  Berichte  und  zwar: 

1)  Auszug  der  jährlichen  Berichte   des  Kriegssecretärs    an  den  Congress 

vom  December  1855  und  1856. 

2)  Berichte   über   den  Fortgang   der   Untersuchungen  von   Capitän  A.  A. 

Humphreys  an  den  Kriegssecretär  von  denselben  Jahren. 

3)  Tafel   welche   die   vergleichsweise  Länge,    Kosten  u.    s.    w.    der  ver- 

schiedenen untersuchten  Routen  ersichtlich  macht. 
Bd.  VIII.  Generalbericht  über  die   Zoologie   der    verschiedenen    untersuchten 
Routen.   1.  Theil.  Mammalia  von  Spencer  F.  Baird.    757   Seiten 
mit  60  Tafeln. 
Mit  diesem  Bande  ist  die  Herausgabe  der  Berichte  noch  nicht  geschlossen, 
noch  steht  in  weiteren  Bänden  die  Beschreibung  der  anderen  Classen  des  Tier- 
reiches in  Aussicht. 

Der  ungeheuren  Masse  wissenschaftlichen  Materiales  gegenüber,  welches 
die  ganze  Publication  darbietet,  ist  jedes  weitere  Eingehen  auf  Details  an  diesem 
Orte  unthunlich  nur  die  auf  die  Frage  der  zu  erbauenden  Eisenbahn,  bezügliche 
Schlusstabelle  aus  dem  7.  Bande  möge  hier  noch  eine  Stelle  finden.  Sie  gibt  in 
gedrängtester  Form  Antwort  auf  die  Frage  um  derentwillen  zunächst  die  ganzen 
Untersuchungen  eingeleitet  worden  waren.  (Die  Tabelle  siehe  die  folgende  Seite.) 
Herr  k.  k.  Bergrath  Foetterle  zeigte  bei  100  verschiedene  Blätter 
landschaftlicher  Darstellungen  vor,  welche  er  zu  diesem  Zwecke  dem  Ver- 
fasser derselben,  dem  ausgezeichneten  Maler  Herrn  k.  k.  Rathe  und  Pro- 
fessor Thomas  Ender  verdankte.  Es  sind  Aquarell-Studien,  von  dem 
Letzteren  im  vergangenen  Sommer  in  der  erstaunlich  kurzen  Zeit  von 
31/,  Monaten  der  Natur  selbst  entnommen.  Sie  beziehen  sich  auf  die 
Thäler  der  Rienz  und  der  Boite  mit  den  Ansichten  des  Toblacher-,  Dürrn- 
und  Misurina-See's,  von  Peutelstein,  von  Cortina,  des  Anteiao,  des  Pelmo, 
von  Balle,  Pieve  die  Cadore  und  des  Lago  die  Sta.  Croce  bei  Belluno, 
ferner  auf  das  Drau-,  Lieser  und  Malta-Thal  mit  den  Ansichten  von 
Innichen,  des  Sextenthaies  und  von  Innerfeld,  von  Lienz,  von  Greifenburg, 
Spital,  Gmünd,  Malta,  und  des  Gössgrabens,  von  Millstadt  und  des  Mill- 
städter-See's,  von  Ostrawitz,  Geiersberg,  des  Wörther-See's  u.  s.  w.  Sie 
geben  eine  naturgetreue  Ansicht  aller  dieser  Gegenden  in  ihrem  Zusam- 
menhange. Es  sind  nicht  nur  meisterhaft  ausgeführte  Bilder  sondern  sie 
geben  den  Charakter  der  Gegend,  den  Einfluss  des  Gesteins  auf  die 
Beschaffenheit  des  Terrains,  die  Verschiedenheit  der  Formation  mit  einer 
so  wundervollen  Auffassung,  wie  diess  selbst  bei  den  grössten  Kunst- 
werken dieser  Art  sehr  schwer  wieder  zu  finden  ist.  Wir  sehen  in  die- 
sen Bildern  die  Grossartigkeit  unserer  eigenen  Alpen,  einerseits  das  wild 
romantische  Zerrissene  der  Kalk-  und  Dolomit-Alpen,  so  wie  das  Besänf- 
tigende, welches  Schiefergebilde  auf  die  ersteren  dort  ausüben,  wo  sie 
gemeinschaftlich  auftreten;  auf  der  anderen  Seite  zwar  noch  die  Gross- 
artigkeit, aber  schon  mit  dem  viel  sanfteren  Charakter  derjenigen  Gebirge, 
welche  aus  krysfallinischen  Gebirgen  bestehen,  wie  dies  bei  unseren  Cen- 
tralalpen  der  Fall.  Diese  Bilder  liefern  den  schönsten  Beweis,  wie  reich 
unsere   Alpen  an   grossen   schönen    Naturansichten   sind. 


26 


Versammlung  am  23.  November  1858 


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Freih.  v.  Czoernig.  27 

Eingegangene  Druckschriften : 

Oesterreichs   Neugestaltung   1848— i858.     Von   Freiherrn   v.    Czoernig.    Wien  1858. 
Ausweis   über    den    Handel   in    Oesterreich   u.   s.  w.   XIV.    XVII.     Wien    1856 — 1858.    — 

Tafeln  zur  Statistik  der  österr.  Monarchie.  N.  Folge.  1849—1851.  I  1—9  1852—1854. 

II   6.    1856—1858.  —  Mittheilungen  aus  dem  Gebiete  der  Statistik.   VII.    1.    Wien. 

1858.     Von  der  k.  k.  Direction  für  administrative   Statistik. 
Vergleichende   geologische    Grundzüge     der    kaukasisch-armenischen    und    nordpersischen 

Gebirge.     Prodromus  der    Geologie    der    kaukasischen    Länder.     Von    H.    Abich. 

St.  Petersburg  1858.     Vom  Verfasser. 
Statistique  de  la  France.    Territoire,    Population,   agriculture,  Industrie  de  Paris  1837 — 

1856.    In  14  Bden.     Vom  kais.    franz.    statistischen   Bureau,    Paris. 
Beports    of  Explorations    and    surveys   to    ascertain   the   most  practicable    and   economical 

route  for    a  Bailroad    from    the    Mississippi    river   to    the    Pacific    Ocean   II — VIII. 

Washington.  1855 — 1857.    Vom  Secretär  des  Kriegsdepart.   Washington. 
Message  from     the   President   of  the    United  States  to   the  tuo   Houses     of  Congress    at 

the  commencement  of  the  Session  of  the  Congress.  1857/58.  I — III.  Washington  1858. 
Beport   of  the    Commerce  and  Navigation  1857.  Washington    1857.    —  Annual   Beport  of 

the  Board  of  Begents    1656.     Washington  1856.    —    Meteorological     andphysical 

Tables      prepared    for    the     Smithsonian    Institution.     By   Arn.    Guyot.    2.    edit. 

Washington    1858.     Von  dem   Smithsonian  Institution   in  Washington. 
Beport   of  the  Superintendent  of    the   Coast  Survey  showing  the  progress    of  the  Survey 

during  the  year  1856.  Washington  1857.    Von  Prof.  Dr.  Bache  in  Washington. 
Journal    of    the  American    Oriental   Society.     New-Haven   I — V.    1850 — 1856.     Von   der 

Gesellschaft. 
Transactions   of  the  Academy  of  science.     St.   Louis  I.   2.  1858.     Von  der  Akademie. 
Letter   of  the  Lieut.   G.  K.    Warren   to   the    H.    G.   W.    Jones    relative   to   his    explo- 
rations of  Nebraska  territory    1858.     Vom  Verfasser. 
The  seventh  Census  of  the  United  States  1850.    Dr.  Bow.     Superintendent  of  the  U.  S. 

Census.     Washington   1856.     Vom   Yale    College,    New  Haven. 
Fortsetzung   der   Zeitschriften   der  k.    k.   Landwirthschaftsgesellschaften  in  Wien,   Agram, 

Brunn,    Klagenfurt,   Gratz,    Linz,    der  Austri»,    der  Militär-Zeitung   und   des  Pest. 

Lloyd. 

Versammlung  am  7.  Deeember  1858. 
Der  Herr  Präsident,  k.  k.  Sectionschef  Freiherr  v.  Czoernig  führte 
den  Vorsitz  und  eröffnete  die  Sitzung  mit  der  Mittheilung  der  schweren  Ver- 
luste ,  welche  die  Gesellschaft  durch  den  in  letzter  Zeit  erfolgten  Tod  meh- 
rerer Mitglieder  trafen.  Er  erwähnte  zuerst  des  Todes  Sr.  Durchlaucht  des 
regierenden  Fürsten  Alois  Liechtenstein,  der  durch  Betheiligung  an  so 
vielen  gemeinnützigen  Unternehmungen  so  Vieles  zum  allgemeinen  Besten 
und  zur  Förderung  der  Wissenschaft  beitrug  und  dem  auch  die  k.  k. 
geographische  Gesellschaft,  wenn  er  derselben  auch  nicht  angehörte,  doch 
zu  besonderem  Danke  verpflichtet  ist,  indem  es  ihr  gestattet  sei,  das  in 
seinem  Palais  befindliche  Sitzungslokale  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
zu  benützen.  Ein  sehr  schwerer  Verlust  für  die  Gesellschaft  selbst  ist  der 
Tod  ihrer  beiden  Mitglieder  des  Freiherrn  Viktor  v.  Andrian-Werburg 
und  des  k.  k.  Regierungsrathes  Josef  C  hm  el.  Ersteren  ereilte  der  Tod  am 
23.  November  1.  J.  in  einem  Alter  von  45  Jahren.  Als  Ausschussmitglied 
verdankt  ihm  die  Gesellschaft  eine  ungemein  grosse  Theilnahme  an  der 
Förderung  ihrer  Interessen,  so  wie  er  stets  grosses  Interesse  an  vater- 
ländischen Unternehmungen  zeigte.  Chmel  starb  am  28.  November  1.  J. 
in  einem  Alter  von  60  Jahren.  An  ihm  verlor  nicht  nur  die  geographische 
Gesellschaft  einen  sehr  theilnehinenden  Vice-Präsidenten,  sondern  Oesterreich 
den  ausgezeichnetsten  Forscher  vaterländischer  Geschichte,  dem  diese 
Anerkennung  in  den  weitesten  wissenschaftlichen  Kreisen  Europa's  zu  Theil 
wurde.  Der  Herr  Präsident  theilte  mit,  dass,  um  dieser  Anerkennung  auch 
einen   bleibenden    Ausdruck   zu   verleihen,    innerhalb    der  Kaiserlichen   Aka- 


28  Versammlung  am  7.  December  1858. 

demie  und  der  Central-Commission  zur  Erhaltung  der  Baudenkmale  der 
Entschluss  gefasst  wurde,  Chmel  über  seinem  Grabe  ein  Denkmal  zu 
setzen.  Ueber  Herrn  Schulrathes  Dr.  Becker  Antrag  wurde  eine  Be» 
theiligung  an  diesem  Unternehmen  auch  innerhalb  der  k.  k.  geographi- 
schen   Gesellschaft    festgesetzt. 

Ueber  Antrag  des  Auschusses  wurden  den  Statuten  gemäss  die  Herren 
Arth.  Wilderich  Graf  v.  Wald  er dor  ff,  und  Professor  Vincenz  Prasch 
in  Brunn  zu  ordentlichen  Mitgliedern   der    Gesellschaft  gewählt. 

Herr  Secretär  Foetterle  legte  mehrere  Druckschriften  und  Karten- 
werke vor,  welche  der  Gesellschaft  im  Tausche  gegen  ihre  eigenen  Mit- 
theilungen   zugekommen    sind. 

Herr  Foetterle  legte  ferner  ein  für  Oesterreich  höchst  wichtiges 
Werk  vor,  dessen  Verfasser  der  Gesellschaft  angehört,  „das  mineralogische 
Lexicon  für  das  Kaiserthum  Oesterreich  von  V.  Ritter  v.  Zepharovic  h". 
Es  ist  dies  das  erste  Werk,  was  die  Vertheilung  des  so  reichen  Mine- 
ralvorkommens Oesterreichs  behandelt,  und  das  Verdienst  des  Verfassers 
ist  ein  um  so  grösseres,  als  nur  sehr  wenige,  einzelne  Kronländer  betref- 
fende Vorarbeiten  bestanden.  Hier  sehen  wir  zum  ersten  Male  Oesterreichs 
Mineralreichthum  in  einer  systematisch  geographischen  Zusammenstellung, 
es  sind  in  dem  Werke  3237  verschiedene  Fundorte  von  Mineralvorkom- 
men aufgeführt,  wovon  634  auf  Böhmen,  407  auf  Mähren,  302  auf  Un- 
garn, 306  auf  Tirol,  238  auf  Steiermark,  224  auf  Siebenbürgen  und 
951    auf  die    anderen  Kronländer    fallen. 

Dem  Director  des  k.  k.  militärisch-geographischen  Institutes,  Herrn 
k.  k.  Generalmajor  A.  v.  Fligely,  verdankt  die  k.  k.  geographische  Gesell- 
schaft die  Mittheilung  sehr  werthvoller  Daten  über  die  Organisation  und 
den  Fortschritt  der  militärisch-kartographischen  Arbeiten  in  Oesterreich.  Herr 
k.  k.  Rath  A.  Steinhauser  hatte  diese  Daten  zu  einer  für  die  „Mit- 
theilungen" der  Gesellschaft  bestimmten  Abhandlung  zusammengestellt,  welche 
von  dem  Secretär  vorgelesen  wurde.  (Siehe  dieses  Heft:  Abhandlungen 
Nr.    I.    Seite   1.) 

Am  Schlüsse  legte  Herr  Foetterle  abermals  eine  grössere  Reihe 
von  landschaftlichen  Ansichten  vor,  welche  ihm  von  dem  Verfasser  derselben, 
dem  ausgezeichneten  Maler,  Herrn  k.  k.  Rath  und  Professor  Thomas  Ender 
mitgetheilt  wurden.  Sie  beziehen  sich  auf  die  Gegenden  des  oberen  Save- 
thales  von  Ratschach  bis  Radmannsdorf,  des  Wocheinerthaies  von  der  Wochein 
bis  Veldes,  auf  die  Umgebung  von  Tarvis  und  Raibl,  auf  das  Isonzothal 
und  auf  die  Mündung  des  Val  di  Ferro  in  das  Tagliamentothal  und  in  die 
Ebene  von  Friaul  bei  Gemona.  Der  Einfluss  des  Kalkes  und  des  Dolomites 
auf  das  Eigenthümliche  seiner  Gebirgsbildung,  ihre  steilen  und  zackigen 
Formen,  so  wie  der  Einfluss  verschiedener  Gesteinsformationen  auf  die 
Terraingestaltung  sind  in  diesen  der  Natur  entnommenen  Darstellungen  auf 
eine  so  ausgezeichnete  Weise  gegeben,  wie  dies  äusserst  selten  wieder- 
zufinden ist,  und  man  fühlt  sich  bei  Betrachtung  dieser  Bilder  unwillkür- 
lich in  einen  der  an  Naturschönheiten  reichsten  Theil  unseres  Kaiserreiches 
versetzt. 

Eingegangene  Druckschriften : 

Oversigt  over  det  Kong.  Danske  Videnskabernes  Selskabs  Forhandlinger  og  dets  Medlemers 
Arbeider    i  Aaret  1857.     Von  der  k.   Akad.    d.    Wiss.  in   Kopenhagen. 

Zeitschrift  für  allgemeine  Erdkunde  N.  F.  V.  3.  Berlin  1858.  Von  der  Gesellschaft 
für   Erdkunde  in  Berlin. 


Freih.  v.  Czoernig.  29 

Verhandlungen  der  Forst-Section  für  Mähren  und  Schlesien.  H.  33.  44.  Brunn  1858. 
Von    der  Forst-Seetion  in  Brunn. 

Bulletino    dell'  lstmo    di   Suez  III.     21.   Torino   1858.     Von    der  Redaction. 

Atti  dell'  I.  R.  Istituto  veneto  di  scienze,  lettere  ed  arti  Ser.  III.  Vot.  III.  disp.  9.  10 
Venezia   1858.     Vom    k.    k.   Institute. 

Parallelo  chromatische  Tafeln  zum  Studium  der  Geologie,  von  Dr.J.  R.  Lorenz.  Gotha  1858. 

Atlas  der  Alpenländer,  Schweiz,  Savoyen,  Piemont,  Südbayern,  Tirol  u.  s.  w.  Nach 
dem  neuesten  Materiale  bearbeitet  von  J.  G.  Mayr.  1.  Lieferung.  Titel  und 
Uebersichtsblatt.  Sect.  I.  IV.  Gotha  1858.  Von  J.  Perthes  geographischer 
Anstalt  in  Gotha. 

Archiducatus  Austriae  inferioris  geographica  et  noviter  emendata  accuratissima  descriptio. 
Jussu  et  sumptibus  inclytorum  Archiducatus  Austriae  inferioris  dominorum  Sta- 
tuum  provincialum  tabula  haec  geographica  noviter  emendata  in  lucem  data  est 
Anno  Sal.  dorn.  1697.  Jac.  Hoffmann  et  Jakobus  Hermundt  sculpe.  Vom  Freih. 
v.    Stifft. 

Verhandlungen  und  Mittheilungen  des  Siebenbürger-Vereins  für  Naturwissenschaften  in 
Hermannstadt.    II    5 — 8    de   1858.     Vom  Vereine. 

lieber  den  Zusammenhang  der  Gletscherschwankungen  mit  den  meteorologischen  Ver- 
hältnissen.    Von  Carl   v.    Sonklar.    k.   k.  Major.  Wien   1858.     Vom  Verfasser. 

Mittheilungen  über  wichtige  neue  Erforschungen  auf  dem  Gesammtgebiethe  der  Geographie. 
Von  Dr.  A.  Petermann.  Nr.  10  de  1858.  Gotha.  Von  J.  Perthes  geogra- 
phischer Anstalt  in  Gotha. 

Carta  stradale  e  postale  dell'  Italia  disegnata  secondo  le  carte  e  le  opere  piü  accre- 
ditate  dei  moderni  geografi  da  Carlo  Cerri  nella  proporzione  di  -rrhrs  del 
naturale;  l'anno    1852   con   aggiunte    dell'   anno    1857.    Vienna. 

Mappa  generalis  Regni  Hungariae  partiumque  adnexorum  Croatiae  Slavoniae  et  confinorum 
militarium  magni  item  Principatus  Transsylvaniae  etc.  Pesthini.  Anno  1806.  Joannes 
de  Lipszky.     Von    Herrn   August   Artaria. 

Fortsetzung  von   Zeitschriften. 


Versammlung  am  21.  December  1858. 

Der   Herr   Präsident    k.    k.    Sectionschef  Dr.    K.  Freiherr  von  Czoer- 
nig   führte    den    Vorsitz. 

Ueber  Antrag  des  Ausschusses  wurden  Herr  Fr.  0.  Freiherr  v. 
Zez schwitz,  Oherlieutenant  im  k.  k.  Milit.  Ingenieur  Geographen-Korps  zum 
ordentlichen  und  die  Herren  Ernst  Merk,  k.  k,  österreichischer  General- 
konsul in  Hamburg,  und  Dr.  Karl  Andreein  Leipzig  zu  correspondirenden 
Mitgliedern  gewählt.  Der  Herr  Secretär  Foetterl  e  theilte  hierauf  eine 
Zuschrift  Sr.  Excellenz  des  Herrn  k.  k.  Ministers  des  Innern  Freih.  v.  Bach  mit, 
in  welcher  Se.  Excellenz  über  eine  Mittheilung  Seiner  kaiserlichen  Hoheit  des 
durchlauchtigsten  Herrn  Erzherzog  Marine-Oberkommandanten,  Ferdinand 
Maximilian,  der  geographischen  Gesellschaft  eine  Liste  von  Gelehrten 
in  ßatavia,  welche  sich  um  die  „Novara"-  Expedition  besondere  Verdienste 
erworben  haben,  vorlegt  und  zur  Wahl  als  corrcspondirende  Mitglieder 
vorschlägt.  Ueber  Antrag  des  Ausschusses  werden  hierauf  die  Herren: 
Dr.  P.  Bleecker,  Präsident  der  naturforschenden  Gesellschaft  für  Nieder- 
ländisch-Indien  in  Batavia,  Dr.  J.  Munnich,  M.  E.  Netscher,  Direc- 
tionsmitglieder  der  Gesellschaft  für  Künste  und  Wissenschaften  in  Batavia, 
A.  W.  P.  Weitzel,  k.  Niederländischer  Kapitän  und  Directions-Secretär 
der  Gesellschaft  für  Künste  und  Wissenschaften  in  Batavia,  und  W.  F. 
Versteeg,  k.  Niederländischer  Kapitän  und  Ingenieur-Director  derselben 
Geseilschaft,   zu    correspondirenden    Mitgliedern    gewählt. 

Ausser  den  theils  als  Geschenk,  theils  im  Tausche  eingegangenen 
Druckschriften  legte  der  Herr  Secretär  Foetterle  zwei  ältere  grosse 
gezeichnete   Kartenwerke    vor,    welche    er    zu    diesem  Zwecke    durch  gütige 


30  Versammlung  am  21.  December  1858. 

Vermittlung  des  Mitgliedes  Herrn  k.  k.  Hauptmann  E.  Petz  mit  höherer 
Bewilligung  dem  k.  k.  Kriegsarchive  verdankt.  Beide  umfassen  Theile  der 
Republick  Venedig  zu  Ende  des  16ten  Jahrhunderts  und  sind  ausgeführt 
von  dem  Kartenzeichner  der  Republick  Christofore  Sorte  mit  einer  für 
die  damalige  Zeit  ungemein  grossen  Sorgfalt  und  Genauigkeit.  Das  eine 
dieser  Kartenwerke,  bestehend  aus  acht  auf  Leinwand  aufgespannten  Blät- 
tern umfasst  die  Provinz  Friaul;  sie  scheint  als  Hauptzweck  gehabt  zu 
haben  die  Darstellung  der  Gränze  der  Republick  gegen  Kärnthen  und 
Istrien,  da  auf  der  auf  der  Karte  befindlichen  Aufschrift  ausschliesslich 
diese  Grenze,  welche  überdiess  auf  der  Karte  mit  einer  starken  Goldlinie 
bezeichnet  ist,  und  die  damals  im  Gebrauche  gewesenen  Uebergangspässe 
hervorgehoben    sind.  Diese  Aufschrift  lautet  folgendermassen: 

„Io  Christoforo  Sorte,  Primo  Perito  ordinario  dil  chiamo  magistrato 
di  ben  inculti  dil  Sermo  Du.  D.  di  Venetia.  Di  Venetia  il  di  15.  Noven- 
brio  1590.  Ho  fatto  il  presente  Dissegno  dilla  Patria  dil  friuli  di  ordine  dilli  Illrai 
sign  Pro"  sopra  la  fabrica  dil  Palazo  di  S.  Marco  sopra  al  quäl  dissegno  si 
a  da  sapere  come  sono  separato  con  unna  Linea  di  oro  il  stado  della  Serma 
Siga  di  Venetia  dal  stado  Arciducale,  et  a  preso  di  cio  si  crederano  sopra 
a  esso  dissegno  signato  Nri  di  oro  i  quali  significano  li  Passi  senciali  che 
terminano  nel  stado  Veneto  per  liquali  si  puol  transitar  di  qua  e  dela  dellj 
stadi  sopra  nominati,  et  Prima  il  Passo  importantissimo  delli  Tre  Ponti  che  e 
a  N°  I.  il  quäl  sono  sopra  laPiave  f.  dove  si  entrano  in  essa  Lansiei  f.  dove  sono 
quatro  Transiti  in  esso  Ponte  di  grandissima  importanza,  il  Primo  viene  dal  lago 
di  missurina  Territorio  alemano,  etAuronzo,  Passo  di  molta  importanza  dove 
puol  caminar  essercitj  alemanj  .  et  da  detto  Ponte  si  puol  transitar  al  prencipio 
del  Taiamento  f.  nella  cargna  il  quäl  va  a  capitar  a  Tolmezo,  et  a  Venzon  dove 
puol  transitar  essercitj  di  molta  importanza.  et  da  detto  ponte  Passo  che  va  a 
Sapada  nella  cargna  Passo  ordinario  di  eavidi.  et  da  detto  Ponte  scorrendo  giu 
Per  la  Piave  alla  Pieve  di  Cadore  et  a  N.  IV  a  Perarolo  dove  entrano  la  Boit  f. 
nella  Piave,  et  e  Passo  di  molta  importanza  quäl  viene  da  Botistai  et  d'Ampezo, 
et  di  ipsloch:  et  a  N°.  V.  a  M.  -f~  transito  da  envali  du  somaja  N°.  VI.  a  Mte.  de 
Lanza  Passo  ordinario  che  va  da  Tolmezo  nell  Allemagna  Transito  da  cavali,  a  N°. 
VII.  Passo  prencipalissimo  de  Ponteba  che  va  a  Vilaco,  et  capita  a  Venzon,  a 
N°.  VIII.  Passo  de  chiaveredo  scorendo  per  la  strada  imperiale  a  tulmin,  a  N°.  II. 
va  nella  de  Nadison  f.  va  a  capitar  a  cividale  Passo  de  grandissima  importanza, 
et  a  N°.  X.  vi  sono  Passo  dove  turchi  in  Crestianita  quallj  vene  per  la  valle  de 
Vipao  et  paso  il  Lisonzo  f.  loco  che  sono  tra  Goricia,  et  Gradisca ,  et  questo 
sono  quanto  ho  trovato    et  alla  loro  bona  gratia  umilmeute  mihi  raccomando." 

Das  zweite  Kartenwerk,  um  4  Jahre  später  als  das  vorhergehende 
verfasst  und  in  derselben  Manier  ausgeführt,  umfasst  die  Provinzen  Padua 
und  Treviso,  die  Lagunen  und  die  Po-Mündungen  und  besteht  aus  10 
Blättern.  Es  ist  mit  demselben  Fleisse  ausgeführt,  wie  das  vorhergehende 
und  gibt  ein  genaues  Bild  der  damaligen  Beschaffenheit  der  Küste,  da 
der  Maassstab  auf  beiden  Kartenwerken  gleich,  beiläufig  1  Zoll  gleich  einer 
italienischen  Meile  ist.  Es  scheint  dieses  Kartenwerk  nur  ein  Theil  eines 
grossen  aus  fünf  wahrscheinlich  gleichen  Theilen  bestehenden  Werkes, 
die  ganze  „terra  ferma"  der  Republick  Venedig  darstellend,  zu  sein,  und  ihre 
Aufschrift  lautet:  „Jo  christofore  Sorte  ho  fatto  il  pressente  dissegno  il 
quäl  sono  uno  dillj  cinque  pezi  di  tutto  il  stado  di  Terra  ferma  dilla 
serma  Siga  de  Venetia  il  quäl  dissegno  sono  il  Padoano,  Trevisano,  lagune 
et    parte    de    Polesene,     il     quäl    si    puol     vedere    le    distantie    de    luoco    a 


M.  Guggenberger.  31 

luoco,    col  compaso    sopra  la  presente   scala,   et    fatto    fidelmente  quanto    ho 
saputo   levato  col  bossolo    di    Venetia   il    di   io  luglio    1594. 

Herr  k.  k.  Hauptmann  M.  Guggenberger  machte  folgende  Mitthei- 
lung: „Ueber  eine  praktisch  bequeme  geographische  Maass- 
einheit als  genauer  Theilwerth  der  geographischen  Meile, 
was    der    französische   Meter   nicht   ist." 

„Die  neueste  Zeit  strebt  mehr  als  je  nach  Einigung  in  Gewicht, 
Münze  und  Mass.  Für  erstere  Beide  sind  bereits  grosse  Schritte  gesche- 
hen;   für    das    Letztere   wären    dergleichen    nicht   minder  nöthig. 

Was  aber  fürs  Leben  nothwendig  erachtet  wird,  könnte  doch  in 
der  geographischen  Wissenschaft  mindestens  als  wünschenswerth,  und  somit 
ein  dahinzielender,  vermittelnder  Vorschlag  wohl  nicht  als  ganz  überflüs- 
sig erscheinen.  Die  Verkörperung  der  Idee  eines  absoluten  Grund- 
maasses  hat  seit  ßes  sei's  so  gründlichen  Nachweisungen  ihre  bestimmte 
Gränze  erhalten;  aber  ein  bequemes  Mittelmaass  mit  Decimaleintheilung 
bleibt    um  nichts    weniger    ein    allgemeines    Desiderium. 

Das  neufranzösische  Längenmaass  (Metre)  wurde  längere  Zeit  für 
eine  feststehende  Einheit  angesehen,  jedoch  für  alle  Länder  und  Völ- 
ker, die  den  Fuss  als  Mittelmaas  gebrauchen,  nicht  annehmbar  befunden, 
und  zwar  aus  guten  Gründen.  „Denn  1,  kann,"  wie  unser  berühmte 
Astronom  Bessel  sagt*)  „das  Meter  die  Anfangs  beabsichtigte  Bedeu- 
tung (eines  Naturmaasses  als  genauer  Theil  der  Erdausmessung)  in  kei- 
nem Falle  haben,  und  wirklich  nichts  anders  sein  als  ein,  zwar  nach 
einer  gewissen  Absicht  gewählter,  aber  dennoch  innerhalb  engerer  oder 
weiterer    Gränzen   willkührlicher   Theil    der    Toise   de   Peron." 

2.  Dringt  sich  von  selbst  die  so  fühlbar  unbequeme  Handhabung 
des  Meters  für  alle  Völker  und  Staaten  auf  ,  welche  Klafter-,  Schuh-,  Zoll-, 
Linien-  und  Punkt-Eintheilung  haben,  und  auch  jetzt  noch  immer  die  grosse 
Mehrzahl    (nach  v.  Littrow  gibt  es  sogar    über    100  Fussgattungen)  bilden. 

Der  Metre  (als  halbe  Klafter  oder  3  Schuh)  ist  nämlich  für  Strec- 
kenmaass  (Klafter)  offenbar  zu  klein,  für  Werkmaass  (Schuh)  zu  gross; 
sein  Zehntel  {DecimMre)  als  Schuh,  wie  der  Centimetre  als  Zoll ,  der 
Millimetre  als    Linie    ebenfalls    viel    zu    klein, 

Aber  auch  das  Klafter-  oder  Ruthenmaass  zeigt  bei  den  verschiede- 
nen Völkern  eine  zu  grosse,  von  G  bis  zu  20  Fuss  betragende  Längen- 
abweichung; nur  der  Fuss  oder  Schuh  ist,  ungeachtet  seines  so  überaus 
zahlreichen  Auftretens  doch  am  geringsten  auseinander,  in  Nord-  und 
Mitteleuropa    nämlich    zwischen    125    bis    140    Pariser   Linien. 

Im  Süden  kennt  man  zwar  auch  den  Fuss ,  rechnet  jedoch  mehr 
in    anderer   Weise. 

Eine  Fusseinheit  würde  demnach  wohl  am  füglichsten  entsprechen, 
sowohl    in    der    Zehnthel-Theilung  als   Vervielfältigung. 

Von  den  allgemeinen  Bedürfnissen  aber  auch  ganz  abgesehen,  möchte 
sich  schon  für  den  speciellen  Gebrauch  der  Geographie,  welche  ja  bereits 
ihr  eigenthümliches  Grossmaass,  die  geographische  Meile,  wirklich 
besitzt,  zum  Behufe  der  übrigen  kleineren  Ausmessungen  und  Darstellun- 
gen ein  gleichförmiges  The ilmaass  für  Unterricht  und  Ueber- 
sicht  gleich  fördernd  herausstellen,  das  als  genauer  Theilwerth  der 
geographischen  Meile  ja  auch  nicht  ohne  alle  wissenschaftliche  Berechti- 
gung   erschiene,    und    als    bequem    vermittelnd    für    alle    Höhen-,   Längen-, 


")  Astronomische   Nachrichten  Nr.  438. 


32  Versammlung  am  21.  December  1858. 

Flächen-  und  Körperangaben  dort  nicht  unwillkommen  erscheinen  dürfte, 
wo    die    geographische   Meile    als    Maasseinheit    zu    gross    ist. 

Von  diesem  Standpunkte  aus  erhielt  mein  Versuch  zur  Auffindung 
eines  solchen  geographischen  Fussmaasses  allerdings  einige  Ermunterung. 
Der    geographische    Fuss    als    wissenschaftliche    Maasseinheit. 

Unser  Bessel  hat  sich  veranlasst  gesehen*)  die  Aufgabe  der  Be- 
stimmung des  wahrscheinlichsten  Erdsphäroids  zu  lösen,  und 
dabei    die    zehn    verlässlichsten    Gradmessungen    zu    Grunde  gelegt: 

1.  die  peruanische,  —  2.  und  3.  die  beiden  ostindischen,  —  4.  die 
letzte  französische,  —  5.  die  englische,  —  6.  die  hannoversche,  —  7.  die 
schwedische,  —  dann  die  drei  neuesten,  8.  in-  Russland  vom  General  Ten- 
ner, welche  mit  der  von  Struve  einen  Meridianbogen  von  8  Grad  um- 
fasst.  —  9.  in  Dänemark  von  Schuhmacher,  die  1  %  Grad  und  10.  in 
Preussen  von  Major  Bayer  und  Bessel  selbst,  welche  ebenfalls  1  y2  Grad 
umspannt.  Die  Länge  eines  Erdquadranten,  welche  nach  der  anfänglichen  Absicht 
10  Millionen  Meter  sein  sollte,  ist  dieser  neuen  Bestimmung  zu  Folge' 
=  10,000565.278  Meter,  mit  einer  mittleren  Unsicherheit  von  508.7  Meter 
letztere  demnach  fast  so  gross  wie  ihre  Abweichung  von  der  runden 
Zahl.  „Man  sieht",  sagt  Bessel,  „wie  unsicher  das  Meter  als  fester  Theil- 
werth  selbst  jetzt  noch,  wo  die  Zahl  der  Gradmessungen  sich  beträcht- 
lich   vermehrt    hat.    sein    würde." 

Inzwischen  haben  die  Franzosen  **)  selbst  nachgewiesn,  dass  sich 
1808  ein  Rechnungsfehler  eingeschlichen,  der  auf  die  Grösse  des  Meters 
Einfluss  hat;  und  da  Bessel  bei  obiger  Berechnung  das  Metermaass  anwandte, 
so  sah  er  sich  auch  bemüssigt,  seine  Rechnung  durch  Berücksichtigung 
dieses  Fehlers  zu  verbessern.  Es  stellt  sich  also  die  Länge  des  Erd- 
quadranten =  10,000855.76  Meter  =  5,131170.81  Toisen,  mit  dem  mittle- 
ren   Fehler  T   498.23    Meter   heraus. 

Dieser  neuesten  und  sorgfältigsten  Bestimmung  gemäss  enthält  nun 
eine  geographische  Meile  3807.232  Toisen  =-  2284.3392  Pariser  Fuss. 
Könnte  man  nun  diese  Grösse  der  geographischen  Meile  in  eine  runde 
Anzahl  gleicher  Theile  zerlegen,  deren  Längenwerth  den  gebräuchlichsten 
Fussmaassen  nicht  zu  fern  läge,  so  wäre  die  mir  selbst  gestellte  Auf- 
gabe gelöst.  Und  in  der  That  entspricht  die  Zahl  25,000  dieser  Anforderung 
auf  das  Genaueste;  denn  glücklicher  Weise  ist  22843.392  Pariser  Fuss 
getheilt  durch  25000  genau  gleich  0.91373568  Pariser  Fuss  =  131.5779 
Pariser  Linien,  eine  Grösse  der  gesuchten  Fusslänge,  welche  sich  sehr 
bequem  und  fast  in  der  Mitte  der  gewöhnlichsten  Fussmaasse  einreihen  lässt. 

Pariser  Linien. 

Am  nächsten  steht  der  schwedische  Fuss    mit 131,615 

dann  der  Oldenburgische  mit 131,162 

Nach  abwärts  folgen 

Hannover  mit      129,484 

Baiern 129,38 

Lübeck  und  die  beiden  Meklenburge 129,00 

Lippe  Schaumburg 128.60 

Lippe  Detmold        • 128,34 

Bremen        • 128,27 

Hessen-Cassel 127,54 

Würtemberg        127,00 

Hamburg  wie  Holstein  und   Schleswig  mit 126,98 

'*)   Comptes  rendus  i841.  T.  XII.  p.    ü?6. 
**)   Astronomische   Nachrichten  Nr.    333. 


M.  Guggenberger.  33 

Pariser  Lininn 

Braunschweig ~~136M~ 

Frankfurt  a.  M 126,20 

Sachsen  (Königreich) 125,54 

Sachsen-Weimar 125,00 

nach  Aufwärts  dagegen : 

Baden  und  die  Schweiz  mit 132,90 

England  und 

Russland  mit 135,114 

Preussen  sowie  Anhalt,  auch 
Dänemark  und 

Norwegen  mit 139,13 

Oesterreich  mit 140,127 

endlich 

Frankreichs  alter  Fuss  mit 144,00 

und  der  dritte  Theil  des  Meters 147,7653 

Der   Meter   kann    aber    auch    (wie    es    der    Badische    und    Schweitzer 

Fuss    mit   0,3    Meter    bereits   in  Anwendung  zeigt)  dem  geographischen  Fuss 

bis    auf   1,4    Pariser   Linie  nahe    gebracht    werden,    wenn    man    3   Meter   in 

10    gleiche    Theile    zerlegt. 

Belgien,    die    Niederlande,    Hessen-Darmstadt,  Nassau    haben  den  Meter 

oder   Theile    desselben    als    Grundmaass,    während    die    wenig    angewendeten 

Fussmaasse    von    Mittel-Italien,     Spanien    und    Portugal    nur    etwas    grösser 

sind   als    der    österreichische    Fuss. 

Das    geographische    Maass    enthielte    nun 

I.  Die  geographische  Meile  =  25000  geographische  Fuss  =  10000 
geographische    Schritt  oder  geographische    Ellen  =  22843,392  Pariser  Fuss; 

II.  Den  geographischen  Schritt,  wie  die  geographische  Elle  =  2,5 
geographischen    Fuss  =  2,2843392   Pariser    Fuss. 

Für    die    Zehntheilung    würden    sich    folgende    Abstufungen    ergeben: 

1.  Die  geographische  Klafter  oder  kleine  Ruthe  =  10  geographische 
Fuss   =  9,1373568   Pariser   Fuss; 

2.  Der  geographische  Fuss  =  10  geographische  Zoll  =  0,91373568 
Pariser   Fuss  =  10,9648    Pariser    Zoll; 

3.  Der  geographische  Zoll  =  10  geographischen  Linien  =  1,09648 
Pariser    Zoll  =  13,15779    Pariser   Linien; 

4.  Die  geographische  Linie  =  10  geographische  Puncte  =  1,315779 
Pariser    Linien  ; 

5.  Der   geographische    Punct  =  0,1316  Pariser  Linien. 

So  wie  nachgewiesenermassen  der  Unterschied  des  geographischen 
Fuss  es  mit  den  gebräuchlichen  Fussmaassen  aller  Länder  nicht  bedeu- 
tend erscheint,  ist  es  glücklicherweise  auch  bei  dem  geographischen  zehn- 
theiligen Zoll,  der  Linie  und  dem  Puncte  der  Fall,  dass  sie  näm- 
lich von  der  gewohnten  Grösse  viel  weniger  abweichen,  als  es  der  Fall 
wäre,    wenn    der  alte    Fuss    in   10   Zoll    anstatt    in    zwölf  zerfiele. 

Für   Oesterreich    z.  B.    ergibt    sich    folgendes    Verhältniss: 

1  geographische  Meile  =  2500  geographische  Klafter  =  4000  weni- 
ger   87,54    österreichische  Klafter. 

1    geographische  oder    10    Schuh-Klafter  =*■  9,38   österreichische  Fuss. 

1  geographische  Schritt  =  2,5  geographische  Fuss  =  2,35  österr. 
Fuss,  d.  h.  der  geographische  Schritt  ist  nur  um  7,36  Pariser  Linien 
kleiner   als   der   österreichische  Schritt. 

3 


34  Versammlung  am  21.  Pezembei  1858. 

I  geographische  Elle  =  2,5  geographische  Fuss  =  2,35  österreichi- 
sche Fuss  erscheint  gegen  die  österreichische  Elle  =  2,465  österreichische 
Fuss    kleiner   um    16,47    Pariser    Linien. 

1  geographischer  Fuss  =  131,5779  Pariser  Linien  ist  ebenfalls 
nur  um  8,549  Pariser  Linien  kleiner  als  der  österreichische  Fuss;  dage- 
gen   entfallt 

1  geographischer  Zoll  =  13,15779  Pariser  Linien  im  Vergleich  des 
österreichischen    Zolles    grösser    um    1,48    Pariser  Linien;    und 

1  geographische  Linie  =  1,3158  Pariser  Linien  übertrifft  die 
österreichische  Linie  (0,973  p.  "')  um  0,3428  Pariser  Linien  =  4,11  Par. 
Puncte;     endlich    ist 

1  geographischer  Punct  =  0,13159  Pariser  Linie  ebenfalls  grösser 
als    der    österreichische    Punct    um    0,05    einer    Pariser    Linie. 

Zusammengefasst  ergibt  sich  beim  geographischen  Maass  gegen 
österreichisches 

Kleiner:  die    Meile    (um    2,2°)    der    Schritt   (2,2  |)    die    Elle    (4,8f) 

der   Fuss  (6,11) 
Grösser:  der   Zoll    (12,71)     die   Linie    (35,2 1)  der    Punct   (62,5 1). 

Die  Verkleinerungen  sind  also  wirklich  sehr  unbedeutend,  und  Ver- 
stössen gegen  die  gewohnte  Anschauung  fast  nicht,  wahrend  die  Ver- 
grösserung  der  kleinsten  Maasstheile  für  Constructionen  in  jedem  Maass- 
stabe wohl  kaum  unwillkommen  sein  wird  In  nahezu  gleichem  Verhält- 
nisse steht  das  geographische  Theilmaass  auch  zu  dem  preussischen  Län- 
genmasse, weil  der  preussische  Fuss  noch  um  keine  ganze  Pariser  Linie 
kleiner  ist  als  der  österreichische  Fuss.  Der  am  andern  Ende  obiger 
Vergleichsscala  verzeichnete  kleinste  Fuss  von  125  Pariser  Linien  (Sach- 
sen-Weimar) steht  vom  geographischen  Fuss  nur  um  1  Linie  weniger 
ab  als  der  preussische  Fuss,  so  dass  der  geographische  Fuss  wohl  als 
ein  in  der  Mitte  liegendes  Fussmaass  betrachtet  werden  kann,  und  in  wis- 
senschaftlicher Beziehung  als  genauer  Theilwerth  der  geographischen  Meile 
in  allen  Maassabstufungen  auch  für  jedes  Bedürfniss  der  Höhen-Flächen- 
und    Körperangaben    vermittelnd    einzutreten    vermag. 

Ob  und  wie  weit  auch  ausserhalb  des  wissenschaftlichen  Bereiches 
dieser  als  ganz  neutral  zu  betrachtende  Fuss  einem  dezimalen  Vereins- 
maasse  zu  Grunde  gelegt  werden  könnte,  darf  hier  füglich  dahingestellt, 
und  müsste  der  natürlichen  Einwirkung  der  Wissenschaft  auf  das  Leben 
überlassen    bleiben." 

Herr  Dr.  A.  v.  Ruthner  legte  eine  Reihe  von  Aquarellen  des  kai- 
serlichen Rathes  und  Professors  Herrn  Thomas  Ender  vor,  welche  derselbe 
zur  Besichtigung  auf  das  Freundlichste  der  k.  k.  geographischen  Gesell- 
schaft überliess.  Sie  stellen  Landschaften  aus  Salzburg  und  Tirol,  und 
zwar  hauptsächlich  aus  den  Centralalpen  und  insbesonders  aus  der  Tauern- 
kette,  endlich    in    zwei    Ansichten    den    Pasterzengletscher    in    Kärnthen    dar. 

Wenn  die  geographische  Gesellschaft  aus  Veranlassung  der  Vorlage 
der  Studien  desselben  Künstlers  aus  dem  Dolomitgebirge  Tirols,  aus  den 
venetianischen  Alpen,  aus  Krain  und  einem  Theile  von  Kärnthen  in  den 
letzten  zwei  Sitzungen  allgemein  anerkannt  habe,  dass  Herr  Ender's 
Aquarelle  nicht  nur  künstlerisch  schön,  sondern  dass  sie  auch  im  höch- 
sten Grade  naturgetreu  sind  und  dass  vornehmlich  der  Einfiuss  der  verschie- 
denen Gebirgsarten  auf  die  Charakteristik  der  einzelnen  Gegenden  mit  seltener 
Wahrheit  aufgefasst  ist,  so  muss  dieses  Verdienst  den  vorliegenden  landschaft- 


Dr.  A.  v.  Ruthner.  35 

liehen  Darstellungen  in  nicht  minderem  Maasse  zugesprochen  werden,  als 
in  diesem  tritt  noch  ein  neuer  Vorzug  Herrn  Ender's  hervor:  das  rechte 
Verständniss  der  Gletscher,  welche  selten  vollständig  mit  dem  Pinsel  auf- 
gefasst  in  den  Abbildungen  der  Pasterze,  des  Rauriser  Goldberges,  die 
beiden  höheren  Thalstufen  von  Kaprun,  nämlich  der  Wasserfall-Alpen  und 
des  Moserbodens,  dann  in  jenen  des  Venedigers  und  der  übrigen  Glet- 
scher der  Sulzbachthäler,  der  Fernau  im  hintersten  Theile  des  Sulzbach- 
thales  in  Tirol  u.  a.  m.  mit  einer  kaum  zu  übertreffenden  Naturwahrheit 
wiedergegeben    werden. 

Um  solche  Bilder  zu  malen,  ist  nicht  bloss  ein  grosses  künstleri- 
sches Talent,  sondern  auch  die  wärmste  Liebe  zur  Natur,  wie  sie  Herrn 
Professor  Ender  eigen  ist,  sowie  sein  grosser  Fleiss  und  seine  lang- 
jährige Uebung  erforderlich.  Als  Beweiss  wie  der  Verfasser  zum  Zwecke 
seiner  Studien  selbst  die  minder  gekannten  Gegenden  des  österreichischen 
Hochgebirges  besucht  habe,  führt  Herr  Dr.  A.  v.  Ruthner  an,  dass  von 
den  19  Thälern  des  Herzogthums  Salzburg,  welche  von  der  Grenze  Tirols 
bis  zur  steyrischen  Grenze  alle  unter  sich  parallel  von  dem  von  Westen  nach 
Osten  ziehenden  Hauptrücken  der  Tauernkette  gegen  die  in  derselben  Rich- 
tung fliessende  Salzach  und  Enns  von  Süden  nach  Norden  herabsteigen,  nur 
zwei,  nämlich  das  Taurachthal  und  das  Gasteinerthal,  ersteres  wegen  der 
durch  selbes  führenden  Poststrasse  über  den  Radstädtertauern ,  letzteres 
wegen  des  berühmten  Heilbades  stark,  nur  vier,  nämlich  das  Thal  von  Rau- 
ris  und  Fusch,  und  zwar  hauptsächlich  wegen  des  Tauernüberganges  nach 
Heiligenblut,  Fusch  wohl  auch  noch  wegen  des  Fuscherbades,  dann  das  Vel- 
ber-  und  Krimmler-Achenthal,  weil  durch  sie  Tauernwege  nach  Tirol  ziehen, 
öfter,  die  übrigen  13  dagegen  nur  höchst  selten  von  Fremden  besucht  wer- 
den. In  den  vorliegenden  Studien  finden  sich  aber  Aufnahmen  von  nicht 
weniger  als  acht  von  diesen  Seitenthälern  und  zwar  sei  eines,  das  von  Gastein, 
durch  eilf,  die  übrigen  der  Mehrzahl  nach  je  durch  drei  ja  vier  Darstellun- 
gen vertreten. 

Eingegangene  Druckschriften  : 

Oesterreich.    Botanische    Zeitschrift.     Nr.   7 — 12.     Wien    1858.      Von    der   Redaction 

Nouvelies  Annales    des    Voyages ,     de    la    Geographie,     de    l'histoire    et   de  l'Archeologie 

VI.    Serie.   IV.    annee    Nov.    1858.    Paris.  Von   der   Redaction 

Beiträge    zur    Statistik    der    freien    Stadt   Frankfurt,  herausgegeben    von    der  statistischen 

Abtheilung    des    Frankfurter -Vereins    für    Geographie   und    Statistik.     I.    1.    1858. 

Vom    Vereine. 
Jahresbericht  der  Oberrealschule  in  Ellbogen  für  das  Schuljahr    1850.     Von  der  Direc- 

tion   der    Oberrealschule. 
Abhandlungen    der  philosophisch-philologischen   Classe    der    k.   bayr.  Akademie   der  Wis- 
senschaften  VIII.    3.     München    1858.  Von    der  königl.    Academie. 
Mittheilungen    des    historischen    Vereins     für    Krain    im    Juli,     August.      Laibach    1858. 

Vom   Vereine. 
Esquisse   de   la   geographie  ,   de   l'ethnographie    et  de   l'histoire   naturelle    d'une  partie    de 
l'Afrique  australe   interieure     (du   cours     superieur   du   fleuve   orange    au    cours    du 
Zambeze.)    par   M.   E.    Cortambert.     Paris   1858.  Vom  Verfasser. 

Reisehandbuch  für  Besucher  des  Ötscher  aus  eigener  Beobachtung  und  bisher  unbenutzten 
Quellen  geschöpft  von  mehreren  Freunden  der  Landeskunde  und  herausgegeben  von 
M.    A.    Becker.      (Mit   einer  Karte     und    Rundsicht   vom    Gipfel.)       Wien    1859. 

Vom   Herausgeber. 


36 

Versammlung  am   I.  Jänner  1859. 

Der  Herr  Präsident,  k.  k.  Sectionschef  Dr.  K.  Freiherr  v.  Czoernig, 
führte  den  Vorsitz. 

Der  Herr  Secretär  Foetterle  machte  die  Mittheilung,  dass  die  Gesell- 
schüft abermals  zwei  ihrer  Mitglieder  durch  den  Tod  verloren  habe,  das  ordent- 
liche Mitglied  M.  v.  Bajzäth,  k.  k.  pensionirten  Oberst,  der  durch  besondere 
Theilnahme  an  allen  wissenschaftlichen  Bestrebungen  inOesterreich  und  nament- 
lich an  denen  der  Gesellschaft  von  derem  Beginne  an  sich  auszeichnete,  und 
das  correspondirende  Mitglied,  August  Papen,  k.  Hannover'scher  Major  ausser 
Dienst  in  Gosslar,  rühmlichst  bekannt  durch  seine  früheren  kartographischen 
Arbeiten,  sowie  durch  sein  letztes  grossartiges  Unternehmen  der  Herausgabe 
einer  Schichtenkarte  von  Central-Europa  in  12  Sektionen,  deren  artistische 
Ausführung  Hr.  A.  Ravenstein  in  Frankfurt  übernommen  hatte.  Hr.  A.  Papen 
hatte  diesem  riesigen  Unternehmen  sich  mit  aller  Aufopferung  seiner  Zeit  und 
seiner  materiellen  Mittel  hingegeben,  die  Herausgabe  hatte  bereits  begonnen 
und  die  Vorarbeiten  für  alle  12  Sektionen  waren  bereits  vollendet,  als  ihn  der 
Tod  jeder  weiteren  Mühe  enthob.  Dem  unternehmenden  Geiste  A.  Raven- 
stein's  ist  es  zu  danken,  dass  dieses  schöne  Werk  ununterbrochen  fort- 
gesetzt wird. 

Hr.  Foetterle  legte  eine  grössere  Reihe  werthvoller  Geschenke  an 
Druckschriften  vor,  welche  die  Gesellschaft  letzterer  Zeit  von  wohlwollenden 
Gönnern  erhalten  hatte.  Sr.  Durchlaucht  dem  Fürsten  Lothar  v.  Metternich 
als  Kanzler  des  Maria-Theresia-Ordens,  so  wie  Hrn.  J.  V.  Hirtenfeld  als 
Verfasser,  verdankt  die  Gesellschaft  das  prachtvolle  Werk  „der  Militär  Maria- 
Theresien-Orden  und  seine  Mitglieder"  ,  zu  dessen  Ausführung  die  erste 
Säcularfeier  im  Jahre  1857  die  Veranlassung  war,  und  dessen  thatenreicher 
Inhalt  jedes  wahren  Oesterreichers  Herz  mit  Freude  und  Stolz  erfüllt.  Herrn 
Abbe  J.  Mislin  verdankt  die  Gesellschaft  sein  aus  3  Bänden  bestehendes  Werk 
„Les  saints  lieux,"  Pilgerreise  nach  Jerusalem,  durch  Oesterreich,  Ungarn, 
Slavonien,  die  Donaufürstenthümer  u.  s.  w.  Die  tief  eingehenden  Schilderungen 
der  Zustände  der  verschiedenen  Länder,  durch  welche  den  Herrn  Verfasser  sein 
Weg  im  Jahre  1848,  als  er  die  Reise  unternahm,  führte,  machen  das  Werk 
zu  einem   höchst  schätzbaren. 

Aus  einem  Berichte  über  die  November-Sitzung  der  kaiserlich  Russischen 
geographischen  Gesellschaft  in  St.  Petersburg  theilte  Herr  Foetterle  mit,  dass 
der  der  Sibirischen  Expedition  beigegebene  Astronom,  Hr.  M.  A.  Schwartz, 
nachdem  er  die  ihm  gestellte  Aufgabe  glücklich  zu  Ende  geführt ,  nach 
St.  Petersburg  zurückgekehrt  sei.  Ebenso  sei  die  chronometrische  Expedition, 
welche  im  vergangenen  Frühjahre  von  der  geographischen  Gesellschaft  in  Ver- 
bindung mit  dem  Generalstabe  in  die  Gouvernements  Wologda  und  Wiatka  ent- 
sendet wurde,  um  die  geographische  Lage  der  vorzüglichsten  Puncte  für  die 
Anfertigung  der  Karte  des  Europäischen  Russland  zu  bestimmen,  zurückgekehrt, 
nachdem  die  Lage  von  75  Punkten  genau  bestimmt  wurde.  Auch  habe  sich  in 
der  Gesellschaft  ein  Spezial-Comite'  gebildet  für  Meteorologie,  Klimatologie  und 
für  physikalische  Geographie ;  welches  unter  der  Leitung  des  Professors  in 
Dorpat,  Hrn.  Dr.  Kämtz,  ein  eigenes  Journal  publiziren  wird,  zu  dessen 
Bestreitung  der  Kosten  die  Gesellschaft  einen  Beitrag  von  1000  Rubeln 
bestimmt  hat. 

Herr  k.  k.  Sectionsrath  Haidinger  legt  vor  „Lettres  sur  la  Turquie  par 
M.  P.  de  Tchihatchef"  ein  Heft  von  84  Seiten,  welches  ihm  der  hochverehrte 


W.  Haidinger.  37 

Verfasser,  unser  Ehrenmitglied,  zu  diesem  Zwecke  für  die  k.  k.  geographische 
Gesellschaft  eingesendet  hatte.  Es  trägt  die  lebendige  Form  von  Reiseberichten, 
an  Ort  und  Stelle,  während  seines  letzten,  „des  achten",  Ausfluges  in  die 
Türkei  und  nach  Kleinasien  geschrieben,  zwei  Briefe  von  Kerasun,  einer  von 
Gümüchhane,  zwei  von  Erzindjan,  acht  von  Konstantinopel,  einen  von  Syra, 
aber  mit  der  höheren  Beurtheilung  der  Verhältnisse  jenes  orientalischen  Reiches, 
zu  welcher  ihn  seine  langjährige  Bekanntschaft  mit  den  verschiedenen  Theilen 
desselben,  mit  Sprachen,  Sitten,  Geschichte  und  mit  allen  naturwissenschaft- 
lichen Beziehungen  befähigt.  Zehn  Jahre  sind  es,  seit  er  seine  Forschungs- 
reisen in  Kleinasien  begonnen.  Die  oben  erwähnten  fünfzehn  Briefe  waren 
ursprünglich  an  den  Herausgeber  der  in  Brüssel  herauskommenden  Zeitung  „Le 
Nord"  gerichtet,  und  sind  hier  gesammelt,  unverändert  wieder  abgedruckt. 
Herr  von  Tchihatchef  stellt  in  höchst  anziehender  Weise  die  Theorie  und 
Praxis  in  der  Lage  der  gegenwärtigen  Verhältnisse  der  Türkei  einander  gegen- 
über. Hier  findet  man  nebst  den  eigentlichen  Nachrichten  über  den  Fortschritt 
der  Reise  so  manche  ethnografische  und  politische  Merkwürdigkeiten,  hier  bei 
Gümüchhane  einen  Volksstamm,  nach  Tageszeiten  abwechselnd  christlich  und 
Mohammedanisch  ;  dort  wieder  in  dem  Dorfe  Koutou  bei  Amasia  Vorsorge  für 
Beschaffung  von  Cirkassischen  Individuen  für  den  Sklavenverkauf  in  die  Harems 
nach  Art  gewisser  Unternehmungen  in  den  sklavenhaltenden  südlichen  Ver- 
einigten Staaten  von  Nordamerika;  dann  wieder  die  Gesetze  des  Sultans,  der 
Uat-Humayum,  in  Konstantinopel  ausgesprochen,  und  doch  in  Erzerum  nicht 
befolgt,  ja  nicht  einmal  bekannt  gemacht,  und  so  vieles  Andere.  Herr  von 
Tchihat  chef,  in  seiner  eigenthümlich  unabhängigen  Stellung,  wohlwollend  über- 
all aufgenommen,  ist  doch  auch  sehr  vorbereitet,  die  wahren  Lagen  der  Gesell- 
schaft zu  erkennen,  und  wenn  er  über  viele  derselben  sein  wenig  günstiges 
Urtheil  auszusprechen  nicht  ansteht,  so  hebt  er  wieder  mit  Wohlgefallen  her- 
vor, wie  man  jetzt  noch,  was  durch  die  Verbreitung  der  Civilisation  und  Ver- 
feinerung der  Kultur  immer  mehr  eingeschränkt  wird,  Reste  uralter  hoch- 
poetischer Traditionen  in  jenen  Ländertheilen  antrifft.  Die  Zeit  schreitet  fort, 
aber  doch  dürfte  jene  Veränderung  nicht  so  bald  stattfinden,  und  Herr  von 
Tchihatchef  schliesst  den  letzten  Brief  mit  der  Betrachtung,  dass  ihn  selbst 
so  etwas  wohl  nie  verhindern  wird ,  die  Türkei  als  Mann  der  Wissenschaft 
wieder  zu  bereisen,  sie  als  Philosoph  manchmal  einer  Kritik  zu  unterwerfen  und 
dieselbe  als  Künstler  zu  lieben. 

Herr  Sectionsrath  H ai dinge r  freut  sich,  im  Schoosse  der  hochverehrten 
Gesellschaft  seinen  wärmsten  Dank  einem  unserer  wahrhaft  geographischen 
Fachgenossen  und  Gesellschafts-Mitgliede  darzubringen ,  Herrn  Professor  Dr. 
Franz  Locher  in  Ellwangen,  der  sich  unserer  Gesellschaft  schon  von  allem 
Anfange  an  eifrigst  anschloss,  und  der  ihm  nun  nicht  nur  ein  Exemplar  seiner 
zweiten,  gänzlich  umgearbeiteten  Auflage  des  Werkes  „Allgemeine  Erdkunde 
oder  neuestes  Handbuch  zur  Beförderung  und  Belebung  des  geographischen 
Sinnes  und  Wissens  für  Schule  und  Haus"  freundlichst  zum  Geschenke  gesandt, 
sondern  der  ihm  auch  die  Widmung  dieses  so  anerkannt  werthvollen  Werkes 
eingeschrieben  hatte.  Herr  Sectionsrath  Hai  ding  er  bemerkt,  wie  er  in  Bezie- 
hung auf  Geographie  wohl  nur  den  lebhaftesten  Wunsch  der  Förderung  der- 
selben einigen  Anspruch  auf  diese  Ehre  haben  könnte,  aber  dieses  Uebermass 
von  „Erkenntlichkeit"  wie  es  der  Verfasser  so  freundlich  ausdrückt,  entspringt 
wohl  aus  einem  in  sich  selbst  dankbaren  Gemüthe,  das  sich  so  reich  in  der  Ver- 
bindung darstellt,  mit  welcher  der  Verfasser  sein  Werk  beginnt,  die  Beziehung 
auf  den  Ewigen,  den  Schöpfer  des  All,  dem   wir  die  Erde  selbst  und  Alles  auf 


38  Versammlung  vom  4.  Jänner  1859. 

derselben  verdanken,  und  den  eigentlichen  wahren  Fortschritt  des  Menschen  auf 
Erden  durch  das  Christenthum,  treu  dem  gewählten  Motto:  „die  Erde  ist  das 
grosse  Wohn-  und  Erziehungshaus,  in  dem  der  Mensch  nach  göttlicher  Anwei- 
sung seiner  höheren  Bestimmung  mehr  und  mehr  entgegenreifen  sollte."  Für 
den  so  vielartigen  reichen  Inhalt,  der  bei  den  gegenwärtigen  fortwährenden 
Reisen  und  Studien,  sich  immer  wiederholenden  Erhebungen  neuester  Angaben, 
so  sehr  zahlreichen  Veränderungen  unterliegt,  ist  auch  mit  Sorgfalt  möglichst 
das  Neueste  aufgesammelt  worden. 

Aus  einem  Schreiben  unseres  hochverehrten  Ehrenmitgliedes  Sir  Roderick 
Murchison  an  Herrn  Haidinger  glaubte  Letzterer  mittheilen  zu  sollen,  dass 
Murchison  kürzlich  auf  das  Höchste  durch  ein  eigenhändiges  Schreiben 
Seiner  kaiserlichen  Hoheit  des  durchlauchtigsten  Herrn  Erzherzogs  Fer- 
dinand Maximilian  erfreut  worden  sei,  mit  dem  freundlichsten  Danke  für 
die  wohlwollende  Aufnahme,  welche  Herr  Dr.  Schaub,  Director  der  k.  k. 
Marine-Sternwarte  in  Triest,  bei  seinem  Aufenthalte  in  England  im  vorigen 
Frühjahre  zu  Theil  geworden  war. 

Ueber  die  erste  Englische  Gesandtschaft  nach  China  theilt  Murchison 
mit,  dass  er  beantragt  habe,  einen  wissenschaftlich  tüchtig  vorgebildeten  Arzt 
derselben  beizugeben.  „Ich  wünschte  um  ein  Vierteljahrhundert  jünger  zu  sein, 
um  in  dem  Gefolge  Sr.  Excel  lenz  als  „Haupt-Stein-Zerbrecher"  mich  selbst  der 
Gesandtschaft  anzuschliessen.  Peking  ist  ohne  allen  Zweifel  umgeben  von 
silurischen,  devonischen  und  flötzführenden  Steinkohlenformations-Schichten. 

Murchison  selbst  war  mit  dem  letzten  Druckbogen  der  zweiten  Auflage 
seiner  Siluria  beschäftigt. 

Herr  k.  k.  Hauptmann  M.  Guggenberger  gab  eine  Schilderung  des 
Leopoldsteiner  See's  nördlich  von  Eisenerz,  seiner  Lage  und  Ausdehnung.  Nach 
den  noch  jetzt  sehr  deutlich  bezeichneten  Grenzen  hatte  dieser  See  einst  gegen 
2300  Wr.  Klafter  in  der  Länge  und  an  der  breitesten  Stelle  fast  in  der  Mitte 
eine  Breite  von  etwa  300  Klafter.  Die  Veränderungen  der  Zeit,  die  Anhäufungen 
der  grossen  Schuttmassen  aus  dem  ihn  umgebenden  steilen  Kalk-  und  Dolomit- 
gehängen hatten  jedoch  eine  so  grosse  Veränderung  hervorgebracht,  dass  der 
See  jetzt  bereits  auf  1500  Klafter  in  eine  wagrechte  Thalsohle  verwandelt  ist 
und  nur  800  Klafter  noch  mit  Wasser  bedeckt  sind,  dessen  tiefste  Stelle  bei 
80  Klafter  beträgt.  Diese  Veränderung  konnte  nur  durch  den,  auf  der  rechten 
steileren  Seite  fliessenden  Schuttbach  bewirkt  werden  ;  die  von  demselben 
gebildete  Schuttbank,  die  unter  Wasser  sich  ausbreitet,  wird  nämlich  vom 
Wellenschlage  in  Form  kleiner  Dünen  wieder  am  Ufer  aufgehäuft  und  so  die  nur 
wenige  Zolle  über  dem  Wasserspiegel  erhobene  fast  wagrechte  Thalsohle 
erzeugt.  Der  Seeabfluss  mündet  nicht  weit  von  seinem  Ausfluss  in  den  Erzbach, 
unter  einem  beinahe  stumpfen  Winkel,  wodurch  am  linken  Ufer  des  Erzbaches 
sich  eine  kleine  Schotter-Terrasse  ansetzt,  die  im  Grossen  am  untern  Laufe  des 
Erzbaches  und  an  der  Enns,  dem  Vereinigungspunkte  beider  gegenüber,  als 
eine  der  hier  zu  beobachtenden  Diluvialterrassen  erscheint. 

Herr  Bergrath  F.  Foetterle  zeigte  eine  grosse  Karte  von  Kleinasien  und 
den  angrenzenden  Ländertheilen  aus  dem  Anfange  des  vorigen  Jahrhunderts  vor, 
welche  sich  in  dem  hiesigen  Hofkriegs-Archive  befindet  und  von  dem  Herrn 
Vorstande  desselben  mit  höherer  Bewilligung  zu  dem  Zwecke  der  Vorlage  in 
dieser  Versammlung  gütigst  überlassen  wurde.  Diese  Karte,  1  Klafter  hoch  und 
1  Klafter  17  Zoll  breit,  auf  mit  Gummi  überzogenen  Taffet  gezeichnet,  gehört 
gewiss  zu  den  grössten  kartographischen  Leistungen  der  Türkei  im  vorigen 
Jahrhunderte.    Sie  umfasst   Kleinasien   und  Persien,  einen  Theil  von   Egypten 


I.  Foetterle.  39 

und  von  Arabien,  reicht  östlich  bis  an  den  Indus,  nördlich  bis  an  das  nördliche 
Ende  des  Azow'schen  Meeres  und  westlich  bis  an  die  Donaumündungen.  Die 
Schrift  auf  derselben  ist  nur  Türkisch  ;  sie  enthält  die  politische  Eintheilung 
Kleinasiens  und  ganz  Persiens,  die  Namen  der  Statthalterschaften  sind  überall 
roth  geschrieben;  überdies  enthält  sie  die  meisten  Orte,  so  wie  die  damals 
bestandenen  Karawanenwege.  Die  Gebirgszüge  sind  sehr  oberflächlich  nur 
angedeutet.  Die  Erläuterungen  zu  dieser  Karte  sind  in  einer  Schrift  an  der 
unteren  linken  Ecke  in  43  Zeilen  und  am  unteren  Rande  in  der  Mitte  in 
22  Zeilen  gegeben.  Diese  Schrift  ist  die  Aufzählung  der  verschiedenen  Statt- 
halterschaften mit  ihren  verschiedenen  Sandschaks  sowohl  der  ganzen  Asiatischen 
Türkei,  wie  von  Persien.  Der  Schluss  der  Worte  gibt  Aufschluss  sowohl  über 
die  Zeit  der  Entstehung  der  Karte,  so  wie  über  den  Verfasser  und  lautet  : 
Schrieb's  der  arme  Elhadsch-Abdulah,  berühmt  unter  den  Namen  Hafis-Sade, 
Schreiber  der  grossen  Geographie  im  Jahre  1141  (1728)  aus  der  Beschrei- 
bung des  armen  Ibrahim  eines  der  Muteferika  der  hohen  Pforte."  Ferner  „Die 
Karte  ist  geschrieben  im  Jahre  1139  (1726)  in  der  guten  Stadt  Konstantinopel, 
Gott  wolle  sie  bewahren  vor  Unglück  und  Gefahren."  Ibrahim  war  ein  Unga- 
rischer Renegat  und  führte  die  Druckerei  in  Konstantinopel  ein  ,  deren  erster 
Direktor  er  auch  war.  Diese  Quellen ,  welche  der  Verfasser  dieser  Karte 
benützte,  sind  fast  ausschliesslich  aus  dem  „Dschihanuma"  d.  i.  Weltschau  ent- 
lehnt. Die  Karte  wurde  nach  der  Mittheilung  des  k.  k.  Hofkriegsrathes  bei 
Gelegenheit  der  Uebergabe  derselben  an  das  k.  k.  Kriegsarchiv  von  dem  k.  k. 
Oesterreichischen  Residenten  vonTalmanin  Konstantinopel  im  Jahre  1729 
acquirirt  und  eingesendet.  J.  Freiherr  von  Hamm  er-Pu  rgsta  11  gibt  im 
8.  Bande  seiner  Geschichte  des  Osmanischen  Reiches  eine  ausführliche  Be- 
schreibung dieser  Karte,  welche  vielleicht  das  einzige  bestehende  Exemplar 
sein  dürfte  und  gewiss  um  so  interessanter  ist,  als  die  Türkei  sehr  wenige 
kartographische  und  geographische  Werke,  von  Mahomedanern  ausgeführt  und 
in  ihrer  Sprache  geschrieben  besitzt.  Denn  zu  dem  vorzüglichsten  gehören  nur: 
Dschihanuma,  d.  i.  Weltschau  von  Hadschi  Chalfa,  fortgesetzt  von  Behram  in 
Damaskus,  mit  40  Karten,  gedruckt  in  Konstantiuopel  im  Jahre  1732;  ferner 
Bahrije  d.  i.  See-Atlas  vom  Jahre  1520  mit  133  Karten  von  Piri  Reis,  und 
Tohfelul  kubar  fiesfaril-ebhar  d.  i.  Geschenke  an  die  Grossen,  die  Seekriege 
betreffend  mit  4  Karten  von  Hadschi  Chalfa  im  Jahre  1728,  endlich  ist  auch 
eine  Erdkarte  in  vier  Blättern  in  Holzstich  von  Hadschi  Achmet  aus  Tunis  im 
Jahre  1559  unter  Sultan  Suleiman  verfertigt.  Die  Originalplatten  befinden  sich 
in  der  Marciana  in  Venedig,  während  einen  Abdruck  derselben  Se.  Durchlaucht 
Fürst  Mette  mich  in  seiner  Bibliothek  besitzt. 

Herr  k.  k.  Bath  und  Professor  Thomas  Ender  hatte  abermals  die  Güte, 
einige  seiner  zahlreichen  und  ausgezeichneten  Aufnahmen  Oesterreichischer 
Alpengegenden  in  Aquarell  ausgeführt,  zur  Ansicht  zuzuschicken,  welche  am 
Schlüsse  vorgezeigt  wurden.  Dieselben  bezogen  sich  diesmal  auf  Gegenden  an 
der  Südtirol-Venetianisehen  Grenze  und  das  Etschthal,  und  gaben  ebenso  über- 
raschend getreu  und  herrlich  aufgefasst  den  Charakter  dieser  schönen  Gegen- 
den, wie  die  früheren  vorgelegten  Darstellungen  des  Herrn  k.  k.  Rathes 
Th.  Ender. 

Eingegangene  Druckschriften. 
Landwirtschaftliche  Zeitschrift  von  und  für  Ober-Oesterreich.    Linz  Nr.  1  de  1859.  Von 

der   k.  k.  Landwi  rthschafts  -  Gesellschaft  in  Linz. 
Pesther-Lloyd  Nr.    1—12   de    1859.  Von    der   Redaction. 

Allgemeine   Land-  und  forstwirthschaftliche  Zeitung.     Herausgegeben  von  der  k.  k.  Land- 

wirthschafts-Gesellschaft  in   Wien.     Jahrgang    1889.     Nr.   1 — 3. 

Von    der    Gesellschaft. 


40 

Jahreshefte  des  Württembergischen  Alterthums-Vereins  in  Stuttgart.  VIII.  Heft.  —  Schriften 
des  VI.  Heft  18Ö6.  —  VII.  Rechenschaftsbericht  des  1854/55.  —  Satzungen  des 
1843.  Vom   Vereine. 

Resume  historique  de  l'exploration  faite  dans  l'Afrique  centrale  de  1855  ä  1856  par 
le  Dr.  Ed.  Vogel.  Par  V.  A.  Malte  Brun.  Paris  1858.  —  Itineraire 
historique  et  archeologique  de  Philippeville  a  Constanlinc.  Par  V.  A.  Malte  Brun. 
Paris    1858.  Vom   Verfasser. 

Märkische   Forschungen.     Herausgegeben  von  dem  Verein  für  Geschichte  der  Mark  Bran- 
denburg.   III— V.    Berlin   1845/57.  Vom   Vereine. 
Bulletin    de    la    Societe    Imp.    des   Naturalistes    de   Moscon.     Annee    1858.    Nr.    3.     Von 

der   kais.    Gesellschaft. 

23ter   Jahresbericht    des    historischen   Kreis-Vereins    im   Regierungsbezirke    von    Schwaben 

und   Neuburg  für   das   Jahr    1857.     Augsburg    1858.  Vom    Vereine. 

Mittheilungen    aus    J.   Perthes   geogr.    Anst.   Von  Dr.  A.  Peter  mann.  Nr.  XI.  XII.   1858. 

Von  der  geographischen  Anstalt. 
Jahresbericht  des  Voigtländischen  Alterthumsforschenden  Vereins.  XIII  —  XXX.  Gera 
1833 — 1855.  —  Yolkssagen  aus  dem  Orlagau  nebst  Belehrungen  aus  dem  Sagen- 
reiche. Mitgetheilt  von  W.  Born  er.  Altenburg  1838.  —  Plendistria,  imagines, 
calearia  et  arma  veterum  lapidea  non  ita  pridem  in  pago  H'Orlae  ad  Sorbitzii 
Wirraeque  ripas  deteeta  descripsit  Dr.  G.  G.  Adler.  Gerae.  —  Variseia.  Mit- 
theilungen aus  dem  Archive  des  Voigtl.  Alterth.-V.  Herausgegeben  von  Fr.  Alberfi. 
3   Lief.    1834.    —    Bericht  über   die  Vers,  am  28.  Mai   1858. 

Vom  Voigtl  and.  Alterthums-Ve  reine    in    Hohenlauben. 
Bulletino    dell'   Istmo    di    Suez.     III.    Nr.    24.     Torino    1858.  Von    der    Redaction. 

Austria.     Wochenschrift   für    Volkswirtschaft    und  Statistik.    XI.   Jahrgang.    Heft  1.    1859. 

Von    der  Redac tion. 

Atti   dell'    Academia   fisio  —  medico  statistica    di   Milano.     Anno    Academ.    1857/58.  Vol. 

III.     Anno  XIII.    disp.    14.  Von    der   Academie. 

Memoire  dell'  J.  R.  Istituto  lomb.  di  scienze  leltere  ed  arti.    Vol.   VII.    fasc.  7.    Milano  1858. 

Atti  dell'J.  R.  Istituto  loinb.  etc.  Vol.  I.  Fasc.  11   Milano  1858.  Vom    k.  k.  Institute. 

35.  Jahresbericht  der  schlesischen  Gesellschaft  für   vaterländische  Cultur  vom  Jahre  1857. 

Breslau.  Von  der  Gesellschaft. 

Annales  de  la  propagation  de  la  foi.    Janvier  1859.    Nr.    182.   Paris.    Von    de  r  Bed  actio  n. 

Berichte   der   Rheinischen   Missionsgesellschaft.    Nr.    19 — 24.    Barmen    1858. 

Von    der  Gesellschaft. 
Nouvelles   annales    des   Voyages ,    de    la    geographie,     de    l'histoire    et  de    1' Archeologie. 
VI.   Ser.    IV.  ann.    Decemb.     Paris    1858.  Von  der  Redac  tion. 

Zeitschrift   für    allgemeine   Erdkunde.    N.  Folge.    V.  Band.    4.  Heft.    Berlin   1858. 

Von  der   geographischen    Gesellschaft    in  Berlin, 

2tes  Jahresheft  des  Vereines  des  Krainer-Landes-Museums.    Laibach  1858.    Vom  Vereine. 

Geographie   industrielle    et   commerciale  de    la  Belgique    indiquant  les   produetions    mine- 

rales,  agricoles  et  industrielles  de  chaque  localite    etc.  par    C.   N.    Bari  et.    1858. 

Vom  Verfasser. 
Jahrbuch    der    k.    k.    geologischen   Beichsanstalt.     Wien   IX.    3.    1858. 

Von    der   k.  k.  geologischen   Reichsanstalt. 
Wochenblatt  der  k.  k.    steierm.    Landwirthschafts-Gesellschaft.     Nr.   6    de    1858/59. 

Von  der   Landwirthschafts-Gesellschaft    Gratz. 
Gospodarski  List.  Zagrebu.     Nr.  1  de  1859.     Von  der    k.  k.   Landw.    Ges.  in  Agram. 
Bericht  des   Ap.   E.    Popp    und    Fr.    A.    Vost  über  die  nach  den  Donau-Fürstenthümern 
Wallachei  und  Moldau  und    nach  Bulgarien  etc.    unternommenen   Reise. 

Von    der    Handelskammer    Kronstadt. 
Jahrbuch  u.  Mittheilungen  derk.  k.  Central-Commission  z.  Erforschung  u.   Erhaltung  der  Bau- 
denkmale.    I — III.     Wien     1856 — 1858.     Von   der  k.  k.  Central-Commission. 
Aegypten.     Reisebilder  aus    dem  Oriente.  Von  L.  Libav.  4.  Lief.  Wien  1858. 

Von  Herrn  Aug.  Grafen  v.  Breuner. 
Suevia  universa  IX  tabulis  delineata,  in  quibus  omnium  non  solum  ad  circulum  pertinentium 
Episcopatuum,  ducatuum  etc.,  sed  etiam  omnium  eidem  inter  et  adjacentium  Statuum 
territoria,  urbes,  oppida,  monasteria  etc.  distinete  et  aecuratissime  reperiuntur,  juxta 
recentissimam  observationem  exhibita  a  Jaques  Michal,  Capitaine  et  Ingenieur, 
sculpta  a  Matheo  Struttero,  Chalcogr.  August. 
Atlas  Silesiae  id  est  ducatus  Silesiae  generaliter  quatuor  mappis  nee  non  specialiter 
XVI.  mappis  tot  prineipatus  representantihus  geographice  xhibitus  addita  praefatione. 
qua  de  historia  hujus  atlantis  agitur  auetoritate  publica  in  lucem  emissus  ab  Homan- 
nianis  Heredibus  Norimbergae  1750.    Vom  Herrn  k.  k.  General-Major  L.  Kintzl. 


41 

Versammlung  am  18.  Jänner  1859. 

Der  Herr  Präsident  k.  k.  Sectionschef  Dr.  K.  Frh.  v.  Czoernig  führteden 
Vorsitz.  —  Ueber  Antrag  des  Ausschusses  wurden  die  Herren  Job.  Ptaschnik, 
Professor  am  k.  k.  Theresianum  und  Wenz.  Babänek,  k.  k.  Prof.  in  Pisek  zu 
ordentlichen  Mitgliedern,  und  Hr.  Ed.  R.  Strasznitzky,  Secretär  der  geogra- 
phischen Gesellschaft  in  New- York  zum  correspondirenden  Mitgliede  gewählt. 

Der  Hr.  Secretär  F.  Foetterle  legte  hierauf  eine  grössere  Reihe  einge- 
gangener Druckschriften  zur  Ansicht  vor.  Als  Geschenke  verdankt  namentlich 
die  Gesellschaft  dem  Herrn  Präsidenten  Freiherrn  von  Czoernig  die  bisherigen 
Publicationen  der  k.  k.  Central-Commission  zur  Erforschung  und  Erhaltung  der 
Baudenkmale,  bestehend  in  3  Bänden  Mittheilungen  und  3  Bänden  Jahrbüchern, 
welche  durch  den  reichen  Inhalt  des  werthvollsten  Materials  ein  glänzendes 
Zeugniss  von  der  Nützlichkeit  und  Zweckmässigkeit  des  Inslebenrufens  dieser 
kaiserl.  Institution  geben.  Der  Hr.  Präsident  machte  selbst  auf  die  in  dem 
3.  Bande  des  Jahrbuches  in  der  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei  in  Anwendung 
gebrachte  Photolithographie  aufmerksam,  durch  welche  es  nun  möglich  ist,  selbst 
die  komplizirtesten  und  feinsten  Zeichnungen  auf  Stein  wiederzugeben,  und  von 
hier  aus  zu  vervielfältigen.  —  Ein  anderes  Geschenk  verdankt  die  Gesellschaft 
ihrem  Vize-Präsidenten  Herrn  General-Major  L.  Kintzl,  bestehend  aus 
20  Blättern  der  Homannschen  Karten  von  Schlesien  vom  J.  1736  und  aus  einer 
grossen  Karte  von  Schwaben  von  Jaques  Michal. 

Hr.  k.  k.  Major  K.  von  Sonklar  sandte  einige  Bemerkungen  und  Berich- 
tigungen der  von  den  Gebrüdern  Herren  A.  und  H.  Schlagintweit  in  ihren 
Werken  „Untersuchungen  über  die  physikalische  Geographie  und  Geologie  der 
Alpen"  und  „Neue  Untersuchungen"  etc.  veröffentlichten  Höhenbestimmungen. 
(Siehe  Abhandlungen  dieses  Heft  Nr.  VI.  S.  58.) 

Herr  k.  k.  Sectionsrath  Haidinger  berichtet  über  die  letzten  von  unseren 
Freundenaufderk.k.Fregatte„Novara"erhaltenenNeuigkeiten.  Schon  in  derSitzung 
der  k.  k.  geologischen  Beichsanstalt  am  11.  wurden  über  Briefe  von  Hrn.  Com- 
modore  von  Wüllerstorf  und  Dr.  Scherzer  berichtet,  so  wie  einer  gemein- 
schaftlichen Abhandlung  des  Letztern  mit  Herrn  Dr.  Schwarz  gedacht,  welche 
für  die  k.  k.  geographische  Gesellschaft  bestimmt,  hiermit  vorgelegt  wird. 
(Siehe  Abhandlungen  dieses  Heft  Nr.  II.  Seite  11.  Auch  von  Sr.  Excellenz  dem 
Herrn  General-Gouverneur  von  Australien  Sir  William  H.  Danison  war  ein 
Schreiben  eingelangt.  Später  kamen  Briefe  von  Herrn  Dr.  Hochstetter  und 
Frauenfeld.  Von  Allem  wurde  am  13.  von  Hrn.  Hai  ding  er  in  der  Sitzung 
der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  Bericht  erstattet.  Die  Beise  von 
Shanghai  bis  Sydney,  vorüber  an  den  Mariannen-,  Carolinen-  und  Salomons- 
Inseln,  war  durch  einen  heftigen  Drehwind,  Teifun,  noch  in  dem  chinesischen 
Meere,  und  Stürme,  so  wie  später  durch  Windstillen  so  beeinträchtigt,  dass  nur 
die  Carolinen  Ponynipat,  und  später  die  Insel  Sikeiana  dem  Stewart  Atoll  ange- 
hörig, östlich  von  den  Salomons-Inseln  (Br.  8°  22 l  S.  L.  Greenw.  162°  58°  0) 
auf  wenige  Stunden  besucht  werden  konnte.  Letztere  gab  eine  werthvolle  ethno- 
graphische Ausbeute,  wenn  auch  nur  von  180  bis  200  Menschen,  aber  schönen, 
herkulischen  Gestalten  bewohnt. 

Unsere  „Novara"  wurde  in  Sydney,  wo  sie  am  5.  November  ankam,  mit 
ausgesprochenstem  Wohlwollen  empfangen.  Schon  am  6.  erhielt  die  „Austra- 
lische deutsche  Zeitung"  folgenden  Gruss  (Ausschnitt  den  Haidinger  Herrn 
J.  Gentill i  verdankt,  und  welchen  er  hier  der  k.  k.  geographischen  Gesell- 
schaft als  Erinnerungsblatt  überreichte).  „An  die  Herren  der  Novara-Expedition  : 
„Mit  inniger  Freude  haben  wir  Ihre  glückliche  Ankunft  in  Port  Jackson  vernom- 


42  Versammlung  am  18.  Jänner  1859. 

„inen  und  heissen  Sie,  edle  Männer,  an  den  Gestaden  Australiens  herzlieh  will- 
kommen. Seien  Sie,  hochgeehrte  Herren,  von  der  wärmsten  Theilnahme  der 
„hiesigen  Deutschen  an  dem  grossartigen  Unternehmen  der  Novara-Expedition, 
„so  wie  von  unserer  bewundernden  Anerkennung  Ihrer  edlen,  segensreichen 
„Wirkung  überzeugt. 

„Der  mächtige  Donner  Ihrer  Kanonen  wird  in  manchem  deutschen  Herzen 
„die  schlummernde  Liebe  zum  Vaterlande  wecken,  wie  das  freundliche  Bild 
„Ihres  innig  vereinten  Männerbundes  den  Trieb  zu  einheitlichem  Zusammen- 
halten der  Deutschen  dieser  Stadt  neu  beleben  wird.  Mögen  Sie  sich  während 
„Ihres  Aufenthaltes  an  diesen  Ufern  des  besten  Wohlseins  zu  erfreuen  haben  !" 

Hochachtungsvoll    die  Redaktion  der  „Australischen  Deutschen  Zeitung." 

Es  war  schon  von  früher  her  in  Erwartung  der  Ankunft  der  Novara  eine 
Versammlung  der  Deutschen  in  Sydney  auf  den  8.  bestimmt  gewesen.  Sie  wurde 
aus  Veranlassung  der  Ankunft  rasch  auf  den  6.  November   zurückverlegt. 

In  einem  Schreiben,  von  Herrn  Dr.  Hochstetter  vom  3.  Nov.  in  See 
bis  11.  Nov.  in  Port  Jacson,  das  ich  am  lo.  Jänner  erhielt,  wird  freudig  und 
anschliessend  an  die  früheren  Berichte  hervorgehoben,  wie  sehr  die. deutsche 
wie  die  englische  Bevölkerung  in  Aufmerksamkeiten  und  Wohlwollen,  vom  Gou- 
verneur beginnend,  durch  alle  Klassen  wetteifert.  Herr  Dr.  Ho  chstetter  hatte 
auch  sogleich  nach  seiner  Ankunft  die  Steinkohlenwerke  von  Newcastle  am 
Hunter  river  besucht,  mit  welcher  Gegend  Sydney  durch  tägliche  Dampfschilf- 
Fahrten,  wie  Triest  mit  Venedig  verbunden  ist,  und  war  mit  drei  Kisten  Samm- 
lungsgegenständen,  Kohlenmustern,  fossilen  Pflanzenresten  ,  so  wie  silurischen 
Versteinerungen  aus  dem  Innern,  nach  Port  Jacson  zurückgekehrt,  theils  selbst 
gesammelt,  theils  von  den  frühern  Besitzern  aufs  Freundlichste  überlassen, 
namentlich  den  Herren  K  eene,  dem  Begierungs-Examiner  of  the  Coal  Fields 
of  Neu  South  Wales,  dem  Revd.  Mr.  Canon  Wilton  und  zwei  hochgebildeten 
jungen  Damen  Harriet  und  Helena  Scott,  Töchtern  des  Mr.  A.  W.  Scott, 
Parlaments-Mitgliedes  und  Besitzers  von  Ash-Irland  in  Hunter  Biver.  Diese  bei- 
den Damen  sind  in  Begriff  ein  grösseres  Werk  über  australische  Schmetterlinge 
herauszugeben,  die  sie  selbst  gesammelt  in  allen  Ständen  beobachtet,  und  in 
trefflichster  Weise  in  Mahlerei  und  Lithographie  dargestellt. 

Der  Aufenthalt  im  Hafen  von  Sydney,  wo  die  Novara  vom  Gouverneur 
freundlichst  in  der  Regierungsdocke  aufgenommen  wurde,  dürfte  wohl  länger 
dauern,  als  zuerst  beabsichtigt  war,  da  die  Fregatte  verschiedener  Ausbesserung 
bedarf.  Ein  wahres  Goldfieber  war  wieder  in  Australien  im  Anzüge,  nachdem  noch 
in  der  Nähe  von  Sydney  ein  anderer  Klumpen  von  90  Unzen  Goldgehalt  aufge- 
funden worden  war.  Kürzlich  erst  war  eine  völlige  Völkerwanderung,  von  gan- 
zen 10,000  Menschen  nach  dem  Fitzroy-River  (Port  Curtis,  Nord-Australien) 
durch  einen  wahren  Gold- Wahnsinn  geführt  worden,  von  wo  sie  gröstentheils 
halbverhungert,  in  ihren  Hoffnungen  getäuscht,   wieder  zurückkehrten. 

Herrn  E.  R.  Strasznitzky ,  Secretär  der  geographischen  Gesellschaft 
in  Neu-York,  sandte  an  Herrn  k.  k.  Sectionsrath  Haidinger  mehrere  einzelne 
Zeitungsblätter  mit  geographischen  Nachrichten. 

Die  deutsche  „Neu-Yorker  Staats-Zeitung"  vorn  17.  Dezember  1858 
enthält  einen  Bericht  über  eine  Erforschungs-Expedition  nach  dem  in  dein  Golf 
von  Californien  einmündenden  Bio  Colorado,   unter  Lieutenant  Ives. 

Von  höchstem  Interesse  ist  die  Aussicht  auf  die  neue  Expedition 
nach  dem  Nordpol,  nach  der  offenen  See,  in  der  sich  so  grosse  Erfolge 
für  den  Wallfischfang  voraussehen  lassen.  Herr  Dr.  Hayes,  ein  Begleiter 
Kane's   auf  seiner  früheren  Reise,    hat  sich  bereit  erklärt,  im  Jahre  1860,  mit 


VV.  Haidinger.  43 

einem  Schiffe  von  100  Tonnen  und  zwölf  Matrosen,  dieses  Unternehmen  begin- 
nen zu  wollen.  Mehrere  Gesellschaften  haben  schon  ihren  Beistand  zugesagt. 
Zwei  wichtige  Schreiben  vom  Hrn.  Prof.  Agassiz  an  Dr.  John  d.  L.  Leconte, 
und  von  Dr.  A.  D.  Bache,  Superintendent  of  the  Coast  Surwey  an  Dr.  Hayes 
selbst  sprachen  ihre  Ueberzeugung  von  der  Zweckmässigkeit  und  Nützlichkeit 
und  dem  hohen  Interesse  der  Frage  aus.  Agassiz  sagt:  Die  Wallfische,  als 
warmblutige  Thiere  bedürfen  zum  Athmen  der  Luft,  also  auch  des  offenen  Was- 
sers. Nie  finden  sie  sich  im  Winter  südlich  von  dem  grossen  Eisgürtel.  Daher 
muss  am  Pol  das  Meer  offen  sein,  wohin  sie  sich  zurückziehen.  „Dieses  Argu- 
ment ist  für  den  Physiologen  unwiderstehlich."  Folgendes  ist  der  Beiseplan  : 
Man  schifft  Baffius  Bay  hinauf,  und  längs  Grinnel  Land  so  seenördlich  als  mög- 
lich, um  dort  zu  überwintern,  vorher  aber  noch  nördlicher  auf  dem  Eise  Maga- 
zinen anzulegen.  Ein  Boot  auf  Schlitten  gestellt,  sollte  dann  in  einem  Monate, 
in  der  Breite  von  etwa  81°  die  offene  See  erreichen,  von  wo  bis  zum  Nordpol 
dann  noch  etwa  000  Meilen  übrig  sind.  Die  Anträge,  von  Herrn  Viele  gestellt, 
dass  die  Gesellschaft  sich  der  Unternehmung  nachdrücklichst  annehme  und  ein 
Comite  von  fünf  Mitgliedern  bilde,  die  sich  mit  Herrn  Dr.  Hayes  über  die 
Organisation  derselben  verständigen  und  von  Zeit  zu  Zeit  Nachricht  von  dem 
Slande  geben,  wurde  von  Herrn  Henry  G  rinn  eil  dem  Vicepräsidenten,  unserm 
hochverehrten  Ehrenmitgliede  unterstützt  und  angenommen.  Auch  Herrn  Dr. 
Hayes  wurde  ein  Dankvolum  dargebracht.  Der  schönste  Dank  ,  bemerkte  in 
einer  glänzenden  Bede  der  Präsident,  Dr.  Hawks,  ist  das  höcht  zahlreiche 
Publikum,  welches  sich  /.ur  Anhörung  des  Vortrags  versammelt  hatte  und  mit 
athemloser  Aufmerksamkeit  dem  Vortrage  gefolgt  war.  „Gott  hat  den  Menschen 
den  Enthusiasmus  verliehen,  dasjenige  Werk  zu  unternehmen,  welches  sie  durch- 
zuführen am  geschicktesten  sind."  Diess  sei  seine  Ansicht,  und  wenn  Dr.  Hayes 
diesen  Enthusiasmus  besitze  das  Werk  der  Nordpol-Erforschung  zu  bestätigen 
und  zu  vollenden,  so  wünsche  er  ihm  dazu  Gottes  besten  Segen. 

So  ferne  uns  auch  die  näheren  Beziehungen  der  Ausführung  dieser  Unter- 
nehmung liegen,  so  sehr  ist  aber  doch  auch  unsere  Gesellschaft,  sind  alle 
Geographen  in  der  Lösung  dieser  wichtigen  und  aufregenden  Unternehmung 
betheil  igt,  und  auch  wir  wünschen  dem  unternehmenden  und  erfahreneu  Mann 
auch  von  unserer  Seite  unsern  reichen  Beifall  und  hohe  Anerkennung  zu  geben, 
undden  Wunsch,  dass  wir  von  seinen  Erfolgendie  günstigsten  Nachrichten  erleben 
mögen!  Herr  k.  k.  Oberlieutenant  G.  v.  Boleslawsky  zeigte  eine  Sammlung 
ethnographischer  Gegenstände  aus  Aegypten  ,  Nubien  und  Seidan  vor,  welche 
er  auf  einer  zweijährigen  nach  Chartum  unternommenen  Beise  von  dem  letzt- 
genannten Orte  selbst  mitgebracht  hatte.  Darunter  befanden  sich  vorzüglich 
Waffen,  Musikinstrumente,  Bekleidungs-  und  Schmuckgegenstände,  Bauchrequi- 
siten, Hausgeräthe  u.  s.  w. 

Hr.Dr.G.A.  Kornhub  er  theilte  eine  topographische  Notiz  über  das  Moor 
„Schur"  bei  St.  Georgen  in  Ungarn  mit.  Aelteren  Nachrichten  zufolge  ist  dieses 
Sumpfterrain  der  Best  eines  ehemals  hier  bestandenen  weiter  ausgedehnten 
Sees  ;  welcher  schon  zu  Bömerzeiten  entwässert  wurde.  Die  Versumpfung  des 
Schur  ist  durch  das  ungewöhnlich  geringe  Gefälle  und  den  dadurch  verlang- 
samten Abfluss  des  Wassers  bedingt,  welches  von  den  nahen  Gebirgsbächen 
herabgeführt,  sich  daselbst  anhäuft.  Zu  dieser  fortwährenden  Stauung,  die  selbt 
in  sehr  trockenen  Sommer  stattfindet,  treten  durch  plötzliche  oder  länger  anhal- 
tende atmosphärische  Niederschläge  oder  durch  rasches  Schmelzen  des  Schnees 
veranlasst,  Ueberschwemmungen  hinzu,  wodurch  die  Moorbildung  unterhalten 
und  gefördert  wird.  Der  Abfluss  des  Moorwassers  bildet  den  Ursprung  des  sog. 
Schwarzwassers,   welches  gegen  Lanschütz   der  Donau    zutliesst.     Die   ausser- 


44  Versammlung  am  18.  .Jänner  1859. 

ordentlich  dunkle  Farbe,  welche  dasselbe  von  den  beigemengten  und  aufgelösten 
organischen  Stoffen  erhält,  hat  ihm  mit  Recht  den  Namen  verschafft  Der  gröste 
Theil  des  Schurs  trägt  einen  dichten  Waldbestand  ;  ausserdem  kommen  viele 
Pflanzen  aus  der  Familie  der  Halbgräser  vor,  welche  das  Material  zur  Torf- 
erzeugung  besonders  auf  den  den  Wald  umgebenden  Wiesengründen  darbieten. 
Nach  Hrn.  Dr.  Bauer's  Bestimmung  enthält  dieser  Torf  im  Mittel  aus  zwei 
Analysen  11  Percent  Wasser  und  16  Percent  Asche,  und  an  Heizkraft  entspre- 
chen 22  Zentner  desselben  einer  Klafter  30zölligen  Fichtenholzes.  In  der  Mitte 
einer  unter  dem  Namen  Rustenmoore  bekannten  Erhebung  des  Bodens  war  bei 
6  Fuss  Tiefe  der  Untergrund  noch  nicht  zu  erreichen,  aber  schon  bei  3'  trat 
eine  lebhafte  Entwickelung  von  Schwefelwasserstoff  auf,  worauf  Wasser  empor- 
drang, in  welchem  noch  beständig  Blasen  der  erwähnten  Luftart  aufstiegen, 
Dieser  Hydrothiongehalt  des  Moorwassers  hatte  schon  in  früher  Zeit  Veranlas- 
sung zur  Gründung  des  St.  Georgner  Schwefelbades  gegeben,  welches  seither 
alljährlich  von  Beilbedürftigen  besucht  wird.  Die  Bedeutung  dieses  Wassers 
dürfte  noch  durch  die  Thatsache  gewinnen,  dass  Hr.  Dr.  Bauer  sowohl  in  dem 
aus  den  Badelokalitäten,  als  von  der  Rustenwiese  entnommenen  Wasser  und  in 
der  Asche  von  Torf  an  letzterem  Ort  eine  quantitativ  bestimmbare  Menge  Jod 
nachgewiesen  hat.  Im  Innern  des  Erlenwaldes  findet  sich  nur  torfige  Erde  mit 
einem  Aschengehalt  von  32  Percenten  und  von  geringem  Brennwerth. 

Hr.  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle   begann    eine  Mittheilung   über  die 
von  ihm  im    vergangenen  Frühjahre  unternommene  Reise  nach  Konstantinopel, 
dem  nördlichen  Küstenreich   von  Kleinasien  und  einem  Theil  von   Griechenland. 
Eingegangene  Druckschriften  : 

Lettres  sur  la  Turquie  par  M.  P.  de  Tchiha  tchef.  Bruxelles  1859.  Vom  Verfasser. 
Die    welthistorische    Bedeutung    der    Meere  ,     insbesondere    des    Mittelmeercs ,     von    Carl 

Zathlef.     Dorpat    1858.  Vom    Verfasser. 

Botanische  Ergebnisse    einer   Reise  durch    das   östliche    Trans-Kaukasien    und    den    Ader- 

beidshan,    ausgeführt    in    den   Jahren    1855     und     1656    von    Nicolai   v.    Seidlitz. 

1.   Heft.     Dorpat    1857.  Vom    Verfasser. 

Les    saints    Lieux.   Pelerinage   a  Jerusalem   en  passant   par   PAutriche,  la  Hongrie,    la   Sla- 

vonie,    les    provinces  Danubiennes  etc.    Par  Msgr.    Mislin    Abbe  mitree    etc.  I — III. 

Paris    1858.  Vom    Verfasser. 

Jahresbericht    des    vaterländischen    .Museums    Carolino-Augusteum    der    Landeshauptstadt 

Salzburg  pro   1856 — 1857.  Von  der   Museal -Direction. 

Verhandlungen  und  Mittheilungen  des  ni'ed  österr.  Gewerbe- Vereins.  Jahrgang  1858. 
Heft   9,    10.     Wien.  Vom   Vereine. 

Archiv  za   Povestnicu   Jugoslavensku.     Zagrebu   I — IV.    1851 — 1857.  Vom  Vereine. 

Archiv  für  vaterländische  Geschichte  und  Topographie.  Herausgegeben  von  dem  histo- 
rischen Vereine  für  Kärnten.  I — IV.  Jahrgang  1849 — 1858.  Vom  Vereine. 
Der  Militär  Maria  Theresia  Orden  und  seine  Mitglieder.  Nach  authentischen  Quellen 
bearbeitet  von  Dr.  J.   Hirtenfeld.     Zur  ersten  Säcularfeier  1857.  Wien  1857.  2  Bde. 

Vom    Verfasser. 

CTATMCTH4ECKIfl  TAB.11111,1,1  POCCIIICKOII  IDIIIEPIII  3A   1856. 

u.  s.  w.    (Statistische    Tabellen   u.  s.  w.    aus   dem   Jahre   1856. 

Von   Se.   Excel.  A.  Lewschine  in  St.   Petersburg. 

Jahresbericht  der  Wetterauer  Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde  in  Hanau  über 
die   Gesellschaftsjahre  von  August   1851 — 1855.    1857/58.  Vom    Vereine. 

Landeskunde  des  Herzogthums  Meiningen  von  G.   Brückner.   2  Bände.   Meiningen  1851/53. 

Neue  Beiträge  zur  Geschichte  deutschen  Alterthums.  Herausgegeben  von  dem  Henebur- 
gischen  alterthumsforschenden  Vereine.     Meiningen  1.  Lief.   1858.     Vom   Vereine. 

Topografia  del  Polesine  di  Rovigo.  tratta  in  parte  da  publici  Calastici  dei  recenti  estimi, 
che  esistono  negli  Archivi  di  Rovigo,  Lendonara,  e  Badia  e  il  rimanente  rilevato 
per  commisione  degli  111.  ed  Ecc.  Signori  Proveditori  all'  Adige  e  deputati  alle 
Valli  Veronesi  da  Dom.  Marchetti,  publ.  Perito  all' estimo  della  citta  di  Rovigo  e 
di  detto  Ecc.  Magistrato  cella  direzione  del  Sign.  Alvise  Milanovich,  Ten.  Colo- 
nello  Ingegnere  direttore  l'anno    1786.  Von    0.   Freih.   v.   Hingenau. 


45 
Versammlung  am  1.  Februar  1859. 

Der  Herr  Präsident,  k.  k.  Sectionschef  K.  Freiherr  von  Czoernig, 
führte    den    Vorsitz. 

Den  Statuten  gemäss  wurde  als  ordentliches  Mitglied  gewählt:  Herr 
Gustav    von  Boleslawski,    k.    k.    pensionirter   Oberlieutenant. 

Unter  den  der  Gesellschaft  zugekommenen  Druckschriften  hebt  Herr 
Sekretär  insbesondere  hervor:  „Reisen  in  Central- Afrika"  von  Dr.  H.  Barth, 
welches  nun  vollendete,  aus  5  Bänden  bestehende  Werk,  die  Gesellschaft 
dem    Herrn   Verfasser    selbst    verdankt. 

Herr  k.  k.  Sectionsrath  Haidinger  gibt  Nachricht  über  eine  neue 
in's    Leben    tretende    wissenschaftliche    Zeitschrift: 

„Ein  hochverehrtes  Mitglied  unserer  Gesellschaft,  Herr  Maximilian 
von  Riedwald,  begründet  in  diesem  Augenblicke  ein  Unternehmen,  das 
uns  in  den  vielfachen  Beziehungen  der  Geographie  zu  Allem  was  die 
Wissenschaft  darbietet  auf  das  Anregendste  zu  berühren  geeignet  erscheint. 
Es  ist  diess  die  „Allgemeine  Zeitung  für  Wissenschaft,  Central-Organ 
zur  Verbreitung  der  neuen  Fortschritte  des  Wissens.  Herausgegeben  und 
redigirt  von  M.  v.  Riedwald,  Mitglied  mehrerer  gelehrten  Gesellschaften, 
unter  Mitwirkung  vieler  Gelehrten  und  Fachmänner. u  Die  erste  Nummer 
erscheint  im  April  1859,  wöchentlich  zwei  Druckbogen,  dazu  Monathefte 
von  fünf  Druckbogen,  Subscription  für  erstere  im  Jahre  4  fl.,  für  letz- 
tere 3  fl.  Ö.  W.  Der  Zweck  ist  eine  leitende  Uebersicht,  alles  in  der 
Wissenschaft  als  neu  Erscheinende  fortlaufend  einem  theilnehinenden  ge- 
bildeten Publikum  vorzulegen,  und  so  die  Orientirung  in  der  wissenschaft- 
lichen Bewegung  auf  unserer  Erde  zu  erleichtern  und  nicht  nur  den 
Forschern  in  Einem  Gebiete  die  ihm  etwas  mehr  entfernt  liegenden 
näher  zu  rücken,  sondern  namentlich  dem  Freunde  wissenschaftlicher 
Bildung  überhaupt  die  Ergebnisse  der  gegenwärtigen  und  sich  fortwährend 
steigernden  Erfolge  menschlicher  wissenschaftlicher  Thätigkeit  in  einem 
grossen,  anziehenden  Bilde  vor  Augen  zu  stellen.  Wohl  dürfen  wir  diess 
als  ein  schönes  Band  der  Vereinigung  vielartiger  Beziehungen  in  den  der 
neuesten  Zeit  angehörigen  wissenschaftlichen  Bewegungen  unserer  k.  k. 
Haupt-  und  Besidenzstadt,  unseres  grossen  Vaterlandes  Oesterreich  be- 
trachten. Oft  habe  ich,  nicht  nur  in  sehnlichsten  Wünschen  gefühlt,  sondern 
auch  in  Gesprächen  geäussert,  wie  erfolgreich  die  Benützung  schon  der 
uns  zunächstliegenden  nun  gebildeten  Bibliotheken  Averden  könnte.  Die 
Bibliothek  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  letztere  15.  November  1849 
gegründet,  mit  ihren  2554  Bücher-  und  353  Karten-Nummern  in  5472 
Bänden,  die  unserer  eigenen  k.  k.  geographischen  Gesellschaft,  am  1.  De- 
zember 1855  begonnen,  mit  7T5  Bücher-  und  77  Karten-Nummern  in 
2011  Bänden  und  421  Blättern,  dazu  die  in  ihrer  glanzvollen  Stellung 
sehr  viel  reichere  Bibliothek  der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften, 
ebenfalls  nun  seit  30.  Mai  1846,  die  Bibliothek  der  k.  k.  Gesellschaft 
der  Aerzte,  der  k.  k.  zoologisch-botanischen  Gesellschaft,  des  n.  ö.  Ge- 
werbevereines, des  Alterthumsvereins ,  des  n.  ö.  Ingenieurvereins,  und  so 
vieler  anderer  Neubildungen  der  letzten  Periode ;  alle  diese  Bibliotheken 
nebst  den  berühmten  und  werthvollsten  Schätzen,  die  aus  ältester  Zeit 
bis  in  unsere  Tage  fortgeführt  werden,  sind  zu  ausgiebigster  Benützung 
wohlwollend  geöffnet,  aber  doch  lässt  ihre  Benützung  gar  vieles  zu  wün- 
schen übrig.  Was  unsern  österreichischen  Antheil  an  Literatur  überhaupt 
betrifft,  hatte  uns  der  hochverdiente  Director  der  Bibliothek  des  k.  k. 
Ministeriums    des    Innern,    Herr  Ritter  Constantin    Wurzbach    von  Tannen- 


46  Versammlung  am  I.  Februar  1859. 

berg,  die  wichtigste  Kenntniss,  früher  in  der  Wiener-Zeitung,  und  da- 
mals und  später  in  eigenen  der  gesammten  Literatur  gewidmeten  Werken 
vermittelt.  Herr  von  Riedwald's  Werk  würde  mehr  dem  Gedanken  des 
„Cosmos"  entsprechen,  welchen  mein  hochverehrter  Freund  und  Gönner 
Herr  Abbe  Moigno  in  Paris  nun  schon  seit  1.  Mai  1852,  also  seit  fast 
vollen  sieben  Jahren,  auf  eine  wahrhaft  bewundernswerthe  und  erhebende 
Weise  mit  gediegenster  Kenntniss,  und  wohlwollendster,  innigster  gei- 
stiger Weihe  durchgeführt  hat.  Ich  freue  mich  ihm  hier  für  ein  so 
schönes  Vorbild  heute  meine  Anerkennung  darzubringen ,  wo  uns  demnächst 
selbst  ein  gleichem  Geiste  entspriessendes,  aber  in  vielen  Beziehungen 
näher    liegendes    Blatt    erfreuen    soll. 

Gerne  erkläre  ich  mich  zur  Subscription  bereit,  und  lade  alle 
hochverehrten  Gönner  und  Freunde  und  Mitglieder  unserer  k.  k.  geo- 
graphischen Gesellschaft  zu  gleichen  Zwecken  ein  Nur  wenn  die  Theil- 
nahme  sich  auch  in  materieller  Hilfe  zeigt,  tritt  sie  ins  Leben  ein  und 
bringt  Erfolg  hervor.  Der  hochverehrte  Unternehmer,  von  dem  wir  bereits 
als  werthvolles  Geschenk  seine  „Allgemeine  politische  Geographie  u.  s  w." 
besitzen,  hat  sich  durch  vieljährige  Vorarbeiten  in  den  mannigfaltigen 
wissenschaftlichen  Fächern  orientirt,  und  es  sind  ihm  auch  die  grossen 
Schwierigkeiten  nicht  fremd,  welche  namentlich  sein  erstes  Auftreten  in 
dem  gegenwärtigen  Augenblicke  umgeben.  Aber  es  lässt  sich  ja  doch 
auch  auf  günstigere  Entwicklung  hoffen.  Erlauben  Sie  mir,  meine  hoch- 
verehrten Herren,  als  Aufmunterung  für  das  schöne  zeitgemässe  Unter- 
nehmen des  Herrn  M.  v.  Biedwald  ein  Wort  vom  7.  November  18o5 
zu  wiederholen,  das  auf  der  allerersten  Seite  unserer  eigenen  Verhandlungen 
steht:  „Nur  für  diejenigen  treten  niemals  die  „besseren  Zeiten"  ein, 
welche  nichts  thun,  als  auf  solche  zu  warten,  und  ihre  „Arbeiten  bis 
dahin  verschieben."  Möge  der  hochverehrte  Herausgeber  daher  getrost  allen 
Schwierigkeiten  entgegengehen,  möge  er  aber  auch  jene  Theilnahme  in  einem 
reichen  Maasse  finden,  welche  einer  k.  k.  Reichs-Haupt-  uud  Residenzstadt 
■wie  unser  Wien,  und  einem  grossen  Kaiserstaate  wie  unser  Vaterland  ent- 
spricht,   um  das  schöne  und  gross  gedachte  Unternehmen  würdig  zu  fördern." 

Herr  k.  k.  Schulrath  Dr.  M.  Becker,  zeigte  durch  Vorlage  der 
von  dem  k.  k.  Ministerium  für  Cultns  und  Unterricht  eingeführten  Lehr- 
bücher für  die  vaterländischen  Volksschulen ,  wie  in  denselben  der  Stotl* 
für  gemeinnützige  Kenntnisse  und  namentlich  der  erdkundliche  Unterrichts- 
stoff in  einer  auf  die  Fassungskraft  und  den  zunehmend  erweiterten  Ge- 
sichtskreis der  Schüler  berechneten  Weise  geordnet  sei,  so  dass  diese 
mit  Abschluss  der  Volksschule  alles  noth  wendige  über  die  Erde 
und  das  Vaterland  und  zugleich  eine  genügende  Vorbereitung  für  den 
wissenschaftlichen    Unterricht     in    dieser    Richtung    besitzen    können. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  gab  eine  Schilderung  der  von  ihm 
in  den  Monaten  April,  Mai  und  Juni  des  vorigen  Jahres  ausgeführten  Reise 
nach  den  Küsten  von  Kleinasien  gegen  das  schwarze  Meer,  welche  als 
Zweck  die  Kenntniss  der  geologischen  Beschaffenheit  der  Umgebung  von 
Ismid  in  Nicomedien,  der  Strecke  von  Eregli  bis  Amassera  und  von 
Unje    an    der  Schwarzen   Meeres-Küste   hatte. 

Eingegangene  Druckschriften. 

Untersuchungen  über  den  Druck  der  Luft.  Ein  Beitrag  zur    Climatologie  Oberösterreiclis  von 
P.  Reslhuber.  Linz  1858.  Vom  Verfasser. 

Austria.    Wochenschrift  für  Volkswirthschaft  und  Statistik.  Wien  i8o9.  Nr.  2—4. 

Von  de  r  R  ed  acti  o  n 


F.  Foetterle.  Dr.  Stäche.  47 

Gospodarski  List.  Agram  1859.  Nr.  2 — 4.  Vo  n  der  k.  k.  Ackerbau-Gesellschaft. 

Pester  Lloyd.  Pest  1859  Nr.  13— 24.  Von    der  Redac  tion. 

Landwirtschaftliche  Zeitschrift  von  und  für  Oberösterreich.  Linz  1859  Nr.  2. 

Von  der  k.  k.  L  a  n  d  w  i  r  t  b  s  c  h  a  f ts  -  G  e  s  e  1 1  s  c  h  a  f  t. 
Centralblatt  für  die  gesamnite  Landescultur.  Prag  1859  Nr.  1 — 4. 

Von  der  patr.  ök.  Gesellschaft. 
Mittheilungen  des  histor.  Vereins  für  Krain.  Laibach  1858,  Sept.  October.  Vom  Vereine. 
Jahresbericht  der  Elbogner  Ober-Realschule  I  —  IV  für  1853  —  1857. 

Von  der  Sehul-Direction. 

Jahreshefte  des  Würtembergischen   Alterthinns-Vereins  Stuttgardt  I  — VII.—  Schriften  des 

Württembergischen  Alterthums-Vereins.  Stuttgardt  I.  III.  1850,1854.  —  Satzungen  des 

Württembergischen  Alterthums-Vereins.  Stuttgardt  1843.  Vom    Vereine. 

Allgemeine  Land  und  forstwissenschaftliche  Zeitung.  Wien  1859  Nr.  4,  5. 

Von    der  k.  k.  Landwirth.  Gesellschaft. 
Rechenschaftsbericht  über    die  dritte  Versammlung  des  internationalen  Congresses  für  Sta- 
tistik, abgehalten  zu  Wien  am  31.  August  bis  5.  September  1857  u.  s.  w.  Wien  1858. 

Vom  F  r  e  i  h  e  r  r  n  v.  C  z  ö  r  n  i  g. 

Verhandlungen  und  Mittheilungen  des  siebenbürgischen   Vereins  für  Naturwissenschaften  zu 

Hermanstadt  1858  IX   Nr.  9.  Vom  Vereine. 

Verhandlungen  und  Mittheilungen  des  n.  öst.  Gewerbevereins.  Wien  Jahrgang  1858  Heft  11. 

Vom  Vereine. 
Jahresbericht  des  germanischen  National-Museums  zu  Nürnberg  I — IV.  1853  bis  1857.  — 
Organismus  des  germanischen  National-Museums  in  Nürnberg  1855.  —  Denkschriften 
des  germanischen  National-Museums  1858  1.1,  2.  —  Anzeiger  für  Kunde  der 
deutschen  Vorzeit.  Organ  des  germanischen  Museums.  N.  F.  Jahrgang  V.  1858. 
Nr.  1  —  12.  —  System  der  deutschen  Gesehichts-  und  Alterthumskunde  entworfen 
zum  Zwecke  der  Anordnung  der  Sammlungen  des  germanischen  Museums.  Von  Frh. 
H.  v.  u.  zu  Aufsess.  Nürnberg  1853.  — Das  germanische National-Museum  von  Johannes 
Falke.  Vom  Museum. 

Wochenblatt  der  k.  k.  steierm.  Landwirthschafts-Gesellschaft.  GratzNr.  7.  Jahrg.  1858—1859. 

Von  der  Gesellschaft. 
Köngl.  Svenska    Fregatten  Eugenia  Resa  omkring  Jorden  under   befäl  af  C.    a.  Virgin.  Aren 
1851 — 1853.    Vetenskapiiga    Jakttagelser   Pa  H.  Maj.   Tkonung    Os  car  den  Färstes 
befallining  utgifna  af  k.  Svenska  vitenskabs  Akademien.  Heft  1 — 4. 

Von  der  k.  A  k.  d.  W  i  s  s.  S  t  o  k  h  o  1  m. 
Reisen  und  Entdeckungen   in   Nord-  und  Central-Africa   in   den   Jahren   1849  bis  1855  von 
Dr.  Heinrich  Barth.  Tagebuch  einer  im  Auftrag  der  britischen  Regierung    unternom- 
menen Reise.  Gotha  1857 — 1858  3.  Bde.  Vom  Verfasser. 

Versammlung  am  15.  Februar  1859. 
Der    Herr   Präsident,    k.    k.  Sectionschef  K.  Freiherr    von    Czoernig, 
führte   den  Vorsitz. 

Den  Statuten  gemäss  wurden  zu  ordentlichen  Mitgliedern  gewählt 
die  Herren:  Friedrich  Miller,  Ammanuensis  der  k.  k.  Universitäts- 
Bibliothek,  Nikolaus  Freiherr  von  Mustatza,  Gutsbesitzer  zu  Toporoutz 
in  der  Bukowina,  Edmund  Reitlinger  Philos.  Doctor  und  Joseph  Se.d- 
laczek,    k.    k.  Bezirksvorsteher    zu    Szilagyi  Cseh   in  Siebenbürgen. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  setzte  die  in  der  letzten  Ver- 
sammlung begonnene  Mittheilung  über  seine  im  vorigen  Jahre  ausge- 
führte   Reise    nach    Klein-Asien  fort. 

Herr  Dr.  G.  Stäche  gab  eine  Darstellung  der  geologisch-geogra- 
phischen   Beschaffenheit    der    Tschitscherei  in  Istrien. 

Er  machte  zunächst  darauf  aufmerksam,  dass  mit  der  geologischen 
Dreitheilung  des  Gebietes  zwischen  dem  oberen  Laufe  der  Save  und  dem 
adriatischen  Meere,  zugleich  eine  dreifache  Verschiedenheit  der  geogra- 
phisch-physikalischen, des  eultur- ökonomischen,  wie  zum  Theil  selbst  der 
ethnographischen  Verhältnisse  gegeben  sei.  Von  Nordost  nach  Südwest  folgt 
in  diesem  Gebiete,  wie  geologisch:  Kohlen,  Trias  Formation,  Kreidegebirge 
und  Tertiärland  oder  diesen  entsprechend:  Schiefergruppe,  Kalkgruppe  und 
Sandsteingruppe,     so  auch  Ackerland,    Waldland    und    Weinland    aufeinander. 


48  Versammlung  am  15.  Februar  1859. 

Zwischen  dem  Ackerlande  und  Waldlande  tritt  eine  mittlere  Zone  von  Wie- 
senland, deren  Untergrund  aus  dolomistischen  Schichten  theils  der  obe- 
ren Trias,  theils  der  untern  Kreide,  besteht.  Dieselbe  liegt  zu  beiden 
Seiten  und  innerhalb  der  Gebirgsbruchlinie,  welche  durch  das  Planiner-,  Zirk- 
nitzer-  und  Laaser-Thal  gegeben  ist.  Wie  diese  Zwischenzone  in  den  ma- 
nigfachsten  Beziehungen  den  Uebergang  von  dem  Hauptverbreitungsbezirk  des 
Ackerbaues  zu  dem  der  Waldcultur  bildet,  so  gibt  es  auch  eine  Zone,  welche 
einerseits  die  Grenze  bildet  und  andererseits  den  Uebergang  vermittelt  zwischen 
dem  Waldlande  mit  Kalkboden  der  Kreidezeit  und  zwischen  dem  Weinlande 
mit  Sandstein  und  Mergelboden  der  Tertiärzeit.  Dieses  Mittelglied  zwischen 
dem  W'aldlande,  welches  vorzugsweise  durch  das  Schneeberger  Waldgebirge 
und  seine  Fortsetzungen  repräsentirt  wird  und  dem  Weinlande  der  istrischen 
Küste,  ist  der  abgesonderte  zwischen  dem  Monte  Maggiore,  dem  Lissatz- 
berg  bei  Vlana,  dem  Verzellberg  bei  Cosina  und  der  Kirche  St.  Servolo 
ober  Dollina  bei  Triest  gelegene  Gebirgskörper,  dessen  grösster  Theil  die 
slovenokroatischen  Tschitscher  bewohnen.  Der  Vortragende  ging  nun  näher 
auf  die  geographische  und  cultur-ökonomische  Darstellung  dieses  Landstriches 
ein  und  wies,  von  der  geologischen  Basis  ausgehend  für  die  verschie- 
densten Verhältnisse  die  vermittelnde  Doppelstellung  dieses  eigenthümlichen 
Gebirgslandes  nach ,  welches  wenigstens  der  ganzen  Naturanlage  nach  zur 
Hälfte    Waldland,    zur    Hälfte    Obst-  und    Weinland    ist. 

Eingegangene  Druckschriften. 

Zeitschrift  des  Vereins  zur  Erforschung  der  rheinischen  Geschichte  und  Alterthümer  in 
Mainz.  I.  Mainz  1845  —  1851.  Abbildungen  von  Mainzer  Alterthümern  mit  Erklä- 
rungen, herausgegeben  von  dem  Vereine  zur  Erforschung  u.  s.  w.  II  1850  IV. 
VI.  1852  —  1855.  —  Conrad  Hen  I  i  f  oder  He  nek  i  s,  Buchdrucker  und  Buchhändler 
zu  Mainz,  der  Geschäftsgenosse  Feter  Schöffcr's.  Von  Johann  Wetter.  Mainz  ]85l. 

Vom   Vereine. 

Les  voyages  de  Arneric  Vespuce  au  Compte  de  l'Espagne  et  les  mesures  itiniraires  em- 
ployees  par  les  marins  espagnols  et  portugais  des  XVe  et  XVIe  siecles.  etc.  Par.  M. 
d'Avezac.    Paris   1858.  Vom   Verfasser. 

Journal  of  the  Franklin  Institute  of  the  State  of  Pensylvania  a  for  the  promotion  of  tbe 
mechanic  arts.  Vol.  36.  Nr.   1  —3  In  Philadelphia  1858.    Vom  Franklin  Institute. 

Bulletino  dell'  Istmo  di  Suez.  Torino  1859  IV.  Nr.  12.  VonderBedaction. 

Pester  Lloyd  1859  Nr.  25—34.  V  on  der  Bedacti  on. 

Landwirthschaftliche  Zeitschrift  von  und  für  Oberösterreich,  Linz  1859  Nr.  3. 

Von  derk.  k.  Landw.  Gesellschaft. 

Gospodarski  List.  Zagrebu.  1859  Nr.  5  —  6.  Von  derk.  k.  Acker  b.  Gesellschaf  t. 

Atti  dell'  Accadeniia  fisio  medico-statistica  di  Milano.  Vol.  III  Anno  XIII  disp.   4.   1858. 

Von  der  Akademie. 

Nouvelles  annales  des  voyages  de  la  geographie.  de  l'histoire  et  de  l'archeologie.  VI.  ser.  V. 
an.  1859  Janvier.  VonderBedaction. 

VII.  Jahresbericht  des  Marien-Vereines  zur  Beförderung  der  kathol.  Mission  inCentral-Africa. 
1857/58.  Wien  1858. 

Entstehung  und  Bedeutung  der  normanischen  Seefahrten  im  Mittelalter.  Von  Ed.  Scholz. 
(Im  Programme   des  k.  k.  kathol.  Gymnasiums  in  Hermannstadt  1858.) 

Von  derk.  kgeolog.    Beichs-Anstalt. 

Centralblatt  der  gesammten  Landescultur.  Prag  1859  Nr.  5 — 6. 

Von  der  k.  k.  p.  oek.  Ge  sei  Ischaft. 

Austria.  Wochenschrift  für  Volkswirtschaft  und  Statistik.  Wien  1859.  XI.  Jahrg.  Hft.  V— VI. 

Von  der  Bedaction. 

Zeitschrift  des  historischen  Vereins  für  Niedersachsen.  Jahrg.  1850 — 1850.  Hannover  1854 — 
1858.  11  Bde.  Vom  Vereine. 

Anzeiger  für  Kunde  der  deutschen  Vorzeit.  Organ  des  germanischen  Museums.  Nürnberg. 
1859  VI.  Nr.  1.  Vom  ger man.  Museum. 

Statistischer  Bericht  der  Handels-  und  Gewerbekammer  in  Prag  an  das  hohe  k.  k.  Ministerium 
für  Handel  etc.  II.  Prag  1859.  Von  der  Handelskammer. 


V.  Streffleur.  49 

Mittheilungen  aus  J.  Perthe  s  geographischen  Anstalt  über  wichtige  neue  Erforschungen  auf 
dem   Gesainnitgebiete  der  Geographie  von  Dr.  A.  Peter  mann.  Gotha  1859  Nr.  1 — 2. 

Von  J.  Perthes  geogr.  Anstalt. 

Beitrüge  zur  vaterländischen  Geschichte.    Herausgegeben    von   der  historischen  Gesellschaft 

zu  Basel.  II.  —  VI.  1384/57.  Von  der  Gesellschaft. 

Nieuwe  Recks  van  Werken  van  deMaatschappij  der  nederl.  Letterkunde  te  Leiden.  IX.  X.  Deel. 

Leiden  1857.  —  Handelengen  der  aarlijksche  allgemeene  Vergadering   van  de   Maat- 

schappij    der    nederl.  Letterkunde  te  Leiden  gehonden  den  17.  Mai  1858. 

Von  der  niederl.   Gesellschaft. 
Mittheilungen  über  Gegenstände  der  Landwirthschaft  und  Industrie  Kärnthens.  Klagenfurt  1859. 

Von  d  e  r  k.  k.  La  n d  w.    Gesellschaft. 
Allgemeine  Land-  und  forstwissenschaftliche  Zeitung.  Wien  1859  IX.  Jahrg.  Nr.  6. 

Von  der  k.  k.    Landw.  Gesellschaft. 
Wochenblatt  der  k.k.  steierm.  Landwirthschafts-Gesellschaft.  Graz.  VIII.  Jahrg.  1858  59Nr.  8. 

Von  der  k.  k.  Landw.  Gesellschaft. 

Militär-Zeitung  Wien  1859  Nr.  11  —  12.  Von  der  Reda  ction. 

18.  Bericht  über  das   Museum   Francisco   Carolinum    nebst    der   XIII.  Lief,  der  Beiträge    zur 

Landeskunde  von  Oesterreich  ob  der  Enns.  Linz  1858.  Vom  Museum. 

Versammlung  am  1.  März  1859. 

Der  Herr  Präsident,  k.  k.  Sectionschef  K.  Freiherr  von  Czoer- 
nig,    führte    den    Vorsitz. 

Den  Statuten  gemäss  wurde  als  ordentliches  Mitglied  gewählt :  Herr 
Alois    Rosmanit,  k.  k.    Statthaltern    Präsidial-Secretär. 

Herr  k.k.  Sectionsrath  V.  Streffleur  hielt  einen  Vortrag  über 
die  Configuration  des  Terrains  innerhalb  des  Weichbildes  von  Wien  mit 
Vorzeigung  eines  Niveauplaues  und  eines  Uebersichtsreliefs.  Bei  allen 
Städten  ist  der  Anwachs  stückweise  erfolgt.  Nicht  allgemeine  Pläne  mit 
der  Voraussicht  in  die  Zukunft,  sondern  nur  die  Bedürfnisse  des  Augen- 
bliks  waren  dabei  massgebend.  Bei  Wien  ist  aber  gegenwärtig  ein  anderes 
Verhältuiss  eingetreten.  Die  von  Sr.  k.k. Apostolischen  Majestät  in  Aussicht 
gestellte  Stadterweiterung  hat  die  Anregung  zu  mehrseitigen  gründlichen 
Studien  über  das  Gebiet  von  Wien  gegeben.  Der  k.  k.  Kataster  begann 
eine  neue  Horizontal-Aufnahme  und  führte  auch  das  Nivellement  vollständig 
durch.  Eine  eigene  Commissiou  macht  ausführliche  Erhebungen  über  das 
bis  jetzt  im  Gebrauche  stehende  Trinkwasser  und  über  die  Beschaffen- 
heit der  Unrathskanäle.  Aerzte  beschäftigen  sich  mit  der  Untersuchung 
der  Sanitätsverhältnisse.  Geologen  erforschen  die  geognostischen  Verhält- 
nisse. Die  Handelskammer  arbeitet  an  einen  Bericht  über  den  gegenwär- 
tigen Bestand  und  die  mögliche  Entwicklung  des  Handels  und  der  Industrie. 
Die  Wasserbau-Direction  untersucht  die  Stromverhältnisse  der  Donau,  um 
darnach  Entwürfe  für  Hafenbauten  etc.  auszuarbeiten.  Ueber  die  Anlage  eines 
Central  Eisenbahnnetzes  werden  umfassende  Studien  gemacht.  Der  Magistrat 
lässt  an  einer  Statistik  Wiens  arbeiten.  Historiker  sammeln  Materialien, 
geschichtlich-topographischer  Natur,  um  den  bisherigen  Anwachs  der  Stadt 
nachzuweisen.  Architekten  und  andere  Fachmänner  arbeiten  an  dem  Zukunfts- 
plane u.  s.  w.  Da  nun  das  Weichbild  von  Wien  auch  ein  Stück  der  Mutter  Erde 
bildet,  für  welche  sich  die  k.  k.  geographische  Gesellschaft  interessirt, 
machte  Herr  Sectionsrath  Streffleur  den  Vorschlag,  die  Resultate  aller 
oben  angedeuteten  Bestrebungen  nach  und  nach  auch  im  Schoosse  der 
geographischen    Gesellschaft  zur    Sprache    zu    bringen. 

Von  allen  dem  ist  das  Nivellement  des  Terrains  von  Wien  am 
ersten  zum  Abschlüsse  gelangt.  Bei  demselben  waren  die  ausgezeich- 
neten   Arbeitskräfte    des    k.    k.    Katasters     in    Thätigkeit.    Eine     neue    trigo- 

Mitthcilungen  der  k.  k.  geogr   Gesellschaft.  III.  Bd.  2.  Heft.  4 


50  Versammlung  am  I.  März  1859. 

nometrische  Vermessung  mit  der  Höhenbestimmung  der  wichtigsten  Puncte 
bildete  die  Grundlage.  Darauf  folgte  das  Nivellement  der  Hauptlinien 
radienförmig  vom  Stephansthurme  aus,  und  ringförmig  um  die  innere 
Stadt,  den  Vorstadtrand  am  Linienwalle  und  mitten  durch  die  Vorstädte. 
Erst  nach  der  Prüfung  und  Richtigstellung  des  Hauptnetzes  wurden  die 
Detail-Nivellements  in  den  einzelnen  Abschnitten  vorgenommen.  So  sind 
nun  mehr  als  10,000  Höhepuncte  innerhalb  der  Linienwälle  Wiens  mit 
der  grössten  Schärfe  gemessen.  Ein  Schichtenplan  und  ein  Uebersichts- 
Relief   sind   bereits    fertig.      Ein   Detail-Relief   ist    in    Arbeit. 

Herr  Sectionsrath  Streffleur  gab,  nach  Vorzeigung  dieser  Arbeiten, 
eine  Characteristik  des  Terrains  von  Wien,  welche  von  selbst  auf  die  Art 
der  allinäligen  Entwicklung  Wiens  hindeutet,  und  machte  ferner  auf  einige 
Eigenthümlichkeiten  der  Stadt  aufmerksam,  namentlich  in  Bezug  des  Auf- 
tretens von  Epidemien,  welche  im  Widerspruche  mit  dem  Vorkommen  in 
andern  Städten  stehen;  in  Wien  aber  einen  eigenthümlichen  Zusammenhang 
mit  der  Natur    des    Terrains    zeigen. 

Endlich  berührte  Hr.  Streffl  eur  die  Bevölkerungsverhältnisse  Wiens  und 
verglich  selbe  mit  jenen  des  Gesammtstaates.  Wien  hat  nur  i/3  Ein- 
heimische, 2/3  Fremde,  welche,  wie  im  Staate,  den  verschiedenen  Natio- 
nalitäten angehören.  Eben  so  wenig  als  sich  innerhalb  der  ewigen 
Naturgrenzen  Böhmens  politische  Grenzen  zwischen  den  Deutschen  und 
Czechen,  oder  in  den  Ebenen  Ungarns  zwischen  den  Magyaren  und 
Deutschen,  Ruthenen,  Rumänen  oder  Slaven  ziehen  lassen,  eben  so  wenig 
gibt  es  in  Wien  Nationalitäts-Sonderungen.  Wir  finden  da  deutsche, 
italienische,  czechische,  magyarische  Comödien,  Slavenbälle  u.  s.  w.  ohne 
irgend  eine  Störung  im  Zusammenleben.  Wien  gibt  also  bei  seinem 
Emporblühen  den  Beweis,  dass  auch  das  brüderliche  Zusammenwirken 
verschiedener  Nationalitäten  seinen  Segen  bringt.  «Jedenfalls  wird  dadurch 
den    Forderungen    der    Humanität    mehr    als   durch   Trennungen    entsprochen. 

Herr  Dr.  Jos.  Z  h  i  s  h  m  a  n  besprach  jene  geographischen  Puncte, 
welche  sich  hinsichtlich  des  Zuges  A  1  a  r  i  c  h  s  nach  Griechenland,  in  den 
Peloponnes  und  den  Epirus  ermitteln  lassen.  Da  hierbei  die  historische 
Entwicklung  dieser  Züge  berücksichtigt  werden  musste,  so  setzte  eine 
solche  zunächst  die  Kritik  der  darüber  vorhandenen  Quellen  und  wissen- 
schaftlicher Arbeiten  voraus.  Es  zeigte  sich  rücksichtlich  der  ersteren 
dass  sie  sich  durch  mehrere  bisher  unbeachtete  Angaben  der  bizantini- 
schen  Kirchenhistoriker  ergänzen  lassen,  während  die  in  den  letzteren, 
benützten  Quellenangaben  öfters  zu  einer  anderen  Interpretation  führen. 
Darauf  folgte  eine  Schilderung  der  geographischen  und  politischen  Ver- 
hältnisse jener  Gegenden,  welche  A  1  a  r  i  c  h  schon  im  J.  394  durchzogen 
hatte,  als  er  mit  einer  Abtheilung  römischer  Truppen  dem  Kaiser  Theo- 
d  o  s  i  u  s  bis  Aquileja,  wo  die  Schlacht  mit  E  u  g  e  n  i  u  s  vorfiel,  zur  Hilfe  ge- 
eilt war.  Eigene  Beobachtung  und  die  Mittheilungen  der  allenthalben  zer- 
streuten Gothen  hatten  ihm  bei  dieser  Gelegenheit  die  genaueste  Kunde 
der  Strassen,  Uebergänge  an  den  julisch-karnischen  Alpen  und  der  übrigen 
örtlichen  Verhältnisse  jener  Gebiete  verschafft,  die  er  später  als  Führer 
der  Gothen  durchziehen  sollte.  Nach  der  Schlacht  bei  Aquileja  begab  sich 
Alarich,  wie  sich  aus  den,  freilich  sparsamen,  chronologischen  Andeutungen  er- 
gibt, unmittelbar  vor  Constantinopel,  wo  er  sich  schon  zu  Anfang  des  J.  395  be- 
fand. Seine  allgemeine  Erhebung  zum  Könige  der  Gothen,  welche  man 
in    diese    Zeit     setzt,      muss    bezweifelt    werden.     Die    Erzählung    über    die 


Dr.  Joseph  Zhishman.  5 1 

kurze  Belagerung  von  Constantinopel,  der  Anlass  zu  derselben,  das  Ver- 
hältniss  des  Ministers  Rufinus  zu  Stilichon,  die  Verhandlungen  des 
Rufinus  mit  Alarich  im  gothischen  Lager  sowie  die  Vorbereitungen,  welche 
man  in  Constantinopel  traf,  um  Alarich  den  Weg  nach  Griechenland 
und  in  den  Poloponnes  zu  öffnen,  führten  zu  dem  Schlüsse,  dass  Alarich, 
ohne  je  früher  auf  einen  solchen  Einfall  gedacht  zu  haben,  jetzt  nur 
den  lockenden  Anträgen  folgte,  aber  auch  gleich  Anfangs  entschlossen 
war,  die  immerhin  gefährliche  Unternehmung  in  möglich  kurzer  Zeit  zu  beenden. 

Sein  rascher  Zug  durch  Griechenland  in  den  Peloponnes,  welchen  Herr 
Dr.  Zhishman  zunächst  auf  die  geographischen  Bestimmungen  und  dann  auch 
hinsichtlich  der  mitunter  übertrieben  geschilderten  Verheerungen  auf  das 
richtige  Mass  zurückzuführen  suchte,  erlitt  einen  vorläufigen  Stillstand 
durch  die  vielgenannte  von  Stilichon  ausgeführte  Einschliessung  des  go- 
thischen Heeres  in  dem  waldigen  Hochlande  der  Pholoe.  Die  guten 
geographischen  Hilfsmittel,  welche  man  gegenwärtig  besitzt,  lassen  die 
Lage  AI ari  ch 's  weit  weniger  bedenklich  erscheinen  als  diess  gewöhnlich 
angenommen  wird.  Diese  wurde  aber  noch  mehr  erleichtert,  weil,  wie 
eine  genaue  Vergleichung  der  betreffenden  Quellenschriftsteller  zeigte, 
Stilichon  selber  sich  zu  einem  Vergleiche  mit  Alarich  anbot,  welchen  er 
für  seine  Pläne  in  Illyricum  gewinnen  wollte.  Dass  der  Rückzug  der 
Gothen  durch  den  Isthmus  erfolgt  sei,  ist  gegenwärtig  die  herrschende 
Meinung.  Hr.  Dr.  Zhi  shman  suchte  dagegen  die,  übrigens  schon  von  Gibbon 
angedeutete  Ansicht  bestimmter  zu  entwickeln,  nach  welcher  sich  die 
Gothen  von  Rhion  aus  über  den  korinthischen  Meerbusen  nach  Ätolien  und 
in    den    Epirus    zurückgezogen    hatten. 

Herr  Dionys  Stur  las  einen  Nachtrag  zu  den  Mittheilungen 
und  Untersuchungen  über  das  Erdbeben  zu  Sil  lein  am  15. 
Jänner  1858  von  Herrn  Joseph  Kl e mens,  technischen  Lehrer  an  der  k.  k. 
Unterrealschule  in    Sil  lein: 

Zu  den  vielen  interessanten  Mittheilungen  über  das  Erdbeben  von 
Silleiu,  unter  welchen  jedenfalls  die  wichtigere  von  Herrn  J.  Schmidt 
in  den  Druckschriften  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft  enthalten 
ist,  freue  ich  mich,  einen  nicht  weniger  wichtigen  Nachtrag  vorlegen 
zu  können.  Die  Bemühungen,  in  der  Umgebung  des  Centrums  des  Erdbebens, 
sichtbare  Zeichen  und  Ueberreste  der  Erschütterungen  auf  der  Erdober- 
fläche zu  finden  und  nachzuweisen,  sind,  wenn  man  von  den  vielfachen 
Verwüstungen  an  den  Mauern  der  Gebäude  der  ganzen  Umgebung  ab- 
sieht,   soweit    die    Mittheilungen  vorliegen,    fruchtlos    gewesen. 

Die  Erdoberfläche  stellt  auch  in  der  That  in  dieser  Beziehung  ein 
zu  grobes  Mittel  dar,  welches  nur  in  sehr  geringem  Grade  fähig  ist, 
die  etwa  empfangenen  Eindrücke:  Risse,  Spalten,  geringere  Hebungen 
oder  Senkungen,  zu  erhalten  in  einer  Weise,  die  leicht  der  Beobachtung 
auffällt.  Ob  eine  Felsenspalte  im  Gebirge  um  einige  Linien  oder  Zolle 
breiter  oder  enger  geworden,  —  ob  an  dem  Felstrümmerhaufen  am 
Fusse  steiler  Gebirge  während  dem  Erdbeben  einige  Blöcke  hinzuge- 
fallen sind  oder  nicht,  lässt  sich  in  den  meisten  Fällen  nur  mit  Un- 
sicherheit  nachweisen. 

Unstreitig  ist,  unter  günstigen  Umständen  die,  alle  Terrainsformen 
umhüllende,  an  der  Oberfläche  hart  gefrorne  Schneedecke,  geeigneter 
nicht  nur  Eindrücke,  die  ein  Erdbeben  verursachen  kann,  abzuprägen,  son- 
dern    auch     sichtbar     zu     erhalten,     indem    die    etwa    entstandenen     Risse. 


52  Versammlung  am  1.   März  1859. 

Spalten,  der  älteren  gewöhnlich  schmutzigeren  Schneedecke,  frischer 
weisser  Schnee  ausfüllen,  und  durch  die  verschiedene  Fiirhung,  auflallend  ma- 
chen kann.  —  Diess  ist  in  der  That  auch  bei  Sillein  geschehen.  Die  in  der 
Schneedecke  entstandenen  Risse  und  Spalten  wurden  noch  bis  Mitte 
März  erhalten,  wo  sie  Herr  Klemens  beobachtete,  und  dessen  Güte  ich 
folgende    Mittheilung    hierüber    verdanke. 

„Den  24.  März  1858  ging  ich  mit  meiner  Gemahlin  an  das,  Bu- 
datin  gegenüber  sich  ausbreitende,  eine  Ebene  darstellende  Waag-Ufer. 
Der  schlechte  an  Nässe  aufgeweichte  Weg  nöthigte  uns  über  den  har- 
ten Schnee  der  Felder  auszuhöhlen  und  ein  bequemes  Fortkommen  zu 
suchen.  Doch  kaum  hatten  wir  das  Schneefeld  betreten,  so  bemerkte 
ich  auch  schon  in  der  eisigen  Decke  eine  lange  furtlaufende  Spalte, 
nach  einigen  Schritten  abermals  eine  zweite  mit  der  früheren  parallelle, 
und  diess  noch  eine  lange  Strecke  fort.  Diese  Spalten  konnten  nicht 
zufällig  sein,  auch  nicht  etwa  durch  ein  ungleiches  Abschmelzen  und 
Einsinken  der  Schneedecke  entstanden  sein,  den  sie  hatten  eine  unab- 
änderliche Richtung,  wichen  örtlichen  Hindernissen  nicht  aus,  setzten 
quer  über  Gräben  und  Einsenkungen  und  schnitten  die  Ackerränder  ohne 
auch  im  geringsten  von  ihrer  Regelmässigkeit  abzuweichen,  lieber  das 
ganze  an  diesem  Tage  begangene  Terrain  waren  die  Spalten  und  Risse 
allgemein  verbreitet,  nur  an  steileren  Abhängen  wurden  sie  nicht 
beobachtet." 

Am  nächsten  Tage  besuchte  ich  die  Gegend  von  Zävodja  im  Süden 
von  Sillein.  Am  Wege  staunte  ich  nicht  wenig  auf  der  Schneedecke 
dieselben  Spalten,  wie  im  Norden  von  Sillein,  gefunden  zu  haben. 
Ueberdiess  zeigt  sich  hier  deutlich,  dass  die  vielen  parallel!  fortlaufenden 
Spalten  durch  geringere  und  viel  kürzere  ebenfalls  parallele  Risse,  unter- 
einander verbunden  sind  und  diese  letzteren  senkrecht  auf  die  Richtung 
der  Spalten  stehen.  Von  Zävodja  schlug  ich  die  Richtung  gegen  Nord- 
west nach  Sträzow  ein,  und  nachdem  ich  dessen  Umgebung  begangen 
hatte,  ging  ich  eines  andern  Weges  nach  Hause  und  überall  begleitete 
mich  dieselbe  Erscheinung  unaufhörlich.  Diese  meine  Beobachtungen 
theilte  ich  Herrn  Director  B  e  n  e  s  und  meinem  Collegen  Herrn  Schütz 
mit.  Von  mir  angeführt  überzeugten  sie  sich  im  Felde  draussen,  von  der 
Richtigkeit    der    interessanten    Erscheinung." 

„Alle  die  Spalten  waren  nun  in  der  ältesten  Schichte  des 
Schnees  am  18.  und  19.  Jänner,  in  welchen  Tagen  noch  bedeutende 
Erschütterungen,  dem  Haupterdbeben  am  15.  Jänner  folgten,  enthalten.  In 
dem    später    gefallenen    Schnee    wurde    keine    Spur    davon    entdeckt." 

„Die  Spalten  hatten  eine  verschiedene  R reite,  von  einigen 
Linien  bis  zu  einigen  Zollen.  Ihre  Tiefe  konnte  an  manchen  Stellen  bis 
8  Zoll  verfolgt  werden,  je  nach  der  Mächtigkeit  des  vom  Thauwetter 
übrig    gebliebenen    Schnees." 

„Die  Länge  der  weit  fortlaufenden  Längsspalten  mass  15 — 130  Klaf- 
ter; die  Entfernung  einer  Längsspalte  von  der  nächst  folgenden, 
somit   die    Länge    der   kürzeren   Querrisse,  betrug   14 — 60  Klafter." 

„Die  Richtung  der  weit  fortlaufenden  Längsspalten,  die  als  Haupt- 
spalten bezeichnet  werden  müssen,  ist  beinahe  von  NO.  gegen  SW.,  die  der  Quer- 
spalten, die  sich  von  den  Längsspalten  gewissermassen  abhängig  zeigten,  verquert 
unter  rechtem  Winkel  die  erstere  Richtung  und  läuft  von  Nordwest  nach  Südost." 

..Die    Querrisse    zeigten    mehr  einen    gradlinigen  Fortlauf,    die   Längs- 


Dionys  Stur. 


53 


spalten  wichen  öfters  von  geraden  Linien  ab,  aber  trotzdem,  dass  sogar 
manche  derselben  convergirend  zusammenstossen,  war  ihre  nordost-süd- 
westliche   Richtung  dennoch    deutlich  ausgesprochen.* 

„Herrn  Director  ßenes  gelanges  zu  bestimmen,  dass  die  Schnee- 
spalten   oben    gegen    Süd  und  unten  gegen    Nord    unter    28°   geneigt  seien." 

„Die  Fortsetzung  der  Spalten  aus  der  Schneedecke  in  das  darunter 
liegende  Erdreich  Hess  sich  nirgends  mit  Sicherheit  verfolgen,  indem 
durch  das  Aufthauen  des  Schnees  der  Boden  ganz  aufgeweicht  und  an- 
geschwollen war,  und  auf  diese  Weise  die  ohnehin  kaum  einige  Linien 
breiten    Spalten    in  der   Erde     ganz    verwischt    und     verschwunden    waren." 

„Das  am  26.  und  27.  März  eingetretene  Thauwetter  machte  durch 
das    Verschwinden    des  Schnees   ein    Ende    diesen  Untersuchungen." 

„Nach  dem  Erdbeben  vom  15.  Jänner  waren  innerhalb  der  Stadt 
Sillein,  unter  den  Lauben  im  Waisenhause,  in  dem  harten  Trottoir  bedeu- 
tende Risse  entstanden.  Anfangs  dachte  man,  dass  diese  Risse  der  Berstung  und 
Abstossung  der  unterirdischen  Mauern  desselben  Hauses  zuzuschreiben  wären." 

„Nach  der  Entdeckung  der  Spalten  in  der  Schneedecke  der  Umge- 
bung von  Sillein  trieb  es  mich  unter  die  Lauben  zu  untersuchen  und  zu 
vergleichen.  In  der  That  haben  sich  die  Richtungen  der  Spalten  im 
Trottoir  und  jene  der  Längsspalten  in  der  Schneedecke  als  identisch 
erwiesen,  indem  jene  ebenso  wie  diese  von  Nordosten  nach  Südwesten 
gerichtet  waren.  Fernere  Vergleichungen  und  Nachforschungen  haben 
gezeigt,  dass  selbst  die  Mauerrisse  der  Gebäude  der  ganzen  Stadt  die- 
selbe Richtung  zeigen,  wie  diess  im  untenstehenden  Plane  durch  dickere 
Striche    ersichtlich    gemacht    ist." 


i.    Franciskaner  Kloster.  2.  Realschule.  3.  Pauluskirche.  4.  Waisen  Haus.  S.Quellen.  — Die 
dicken  Linien  Heuten  dieRiehtungen  derLä'ngsspalfpn  im  Gemiiiierder  beschädigten  Gebäude  an. 


J>4  Versammlung  am  1.  März  1859. 

„Somit  stellt  sich  heraus:  dass  ebenso  wie  die  Schneedecke  nur  in 
den  Spalten-  oder  Erschütterungslinien  in  ihrem  Zusammenhange  gestört 
ist,  auch  die  Gebäude  nur  in  diesen  Linien  einer  grösseren  Zerstörung 
preisgegeben  waren  und  dass  die  Mauerspalten  nur  als  die  Fortsetzung 
der   Schneesplatten    aufzufassen    seien." 

Weitere  Erklärung  hierüber  möge  folgende  von  mir  erlebte  Bege- 
benheit   ertheilen: 

Die  Realschule  (Siehe  den  Plan.)  in  Sillein  ist  ein  langer  von 
„West  nach  Ost  gestrecktes  Gebäude  gegenüber  dem  Franciscaner-Kloster : 
Am  19.  Jänner  war  ich  im  westlichen  Theile  des  Gebäudes  in  einem 
Eckzimmer  beschäftigt,  den  versammelten  Schülern  die  Erscheinungen  des 
Erdbebens  zu  erklären.  Plötzlich  kam,  nach  vorhergegangenem  unterir- 
dischen Getöse  ein  Stoss  von  unten  und  der  Hörsaal  sammt  uns  allen 
schwankte  einen  Augenblick.  Gleichzeitig  arbeitete  am  östlichen  Ende 
des  Gebäudes  Herr  Director  Benes  im  Zeichnensaale,  wohin  nebst  den 
gegenwärtigen  Schülern  auch  einige  Damen  geflüchtet  waren,  ohne  dass 
irgend  Jemand  von  den  Anwesenden  auch  nur  die  geringste  Erschütte- 
rung wahrgenommen  hätte.  In  demselben  Augenblicke  wurden  aber  in 
der,  14  Klafter  nordöstlich  an  der  Realschule  gelegenen  Franciscaner- 
Kirehe,  die  beim  Gottesdienst  versammelten  Andächtigen  durch  heftige 
Schwankungen  des  Bodens  aufgeschreckt.  Vom  Altare  stürzte  eine  Statue 
herab.     Alles    eilte    erschrocken    auf  die    Gasse." 

„Verbindet  man  jenes  Eckzimmer  der  Realschule,  wo  ich  die  Schwan- 
kungen fühlte,  mit  derselben  Stelle  in  der  Franciscaner-Kirche  durch  eine 
Linie,  so  zeigt  sich  eben  auch  jene  uordost-südwestliche  Richtung  der 
Schneespalteu  und    die    Thatsache    dass     in    dem     kaum    einige    Klafter 

östlich  von  dieser  Linie  entfernten  Zeichnensaale  keine  Spur  dieser 
Erschütterung  wahrgenommen  wurde,  spricht  deutlich  für  die,  in  nordost- 
südwestlichen Erschütterungslinien  dislocirten    Kundgebungen  des  Erdbebens." 

„Der  am  24.  Jänner  Nachmittags  erfolgte  heftige  Stoss  wurde  in 
den  meist  beschädigten  Gebäuden  verspürt,  in  den  angräuzenden  und 
inzwischen  befindlichen  Gebäuden  hat  man  hievon  gar  nichts  wahrge- 
nommen. Di  e  Ers  chütterungslini  en  scheinen  somit  stabil  zu  sein." 

„Dieses  letztere  wird  ferner  noch  dadurch  in  erhöhtem  Grade 
bestättigt,  dass  die  meisten  der  am  15.  Jänner  1858  beschädigten  Ge- 
bäude, ältere  von  früheren  Erdbeben  sich  datirende  Schäden  zeigen,  die 
mit  Holz,  Ziegeln  und  Mörtel  ausgefüllt  sind.  Im  Waisenhause  hatte 
ich  vielfache  Gelegenheit,  diese  Beobachtungen  anzustellen,  da  unter  meiner 
Leitung    dieses    sehr    beschädigte    Gebäude    mit  Ankern     gebunden     wurde." 

„Die  Erschütterungslinien  und  Richtungen  der  Schnee-  und  Mauer- 
Spalten  sind  aber  manchen  geologischen  Linien,  die  im  Gebiete  von 
Sillein  wahrzunehmen  sind,  parallell.  So  namentlich  kreuzen  sich  im 
Kessel  von  Sillein:  Das  Waagthal,  das  Varin-  und  Rajec-Thal  beinahe 
in  denselben  Richtungen,  welche  man  an  den  Schnee-  und  Mauer-Spalten 
beobachtet  hat.  Ebenso  scheint  die  Grenze  zwischen  den  eocenen  und 
Kreide-Karpathensandsteinen  und  den  älteren  Gebilden  der  Thuroczer-Al- 
pen,  derselben  nordost-südwestlichen  Linie  zu  folgen.  Somit  sind  die 
Erschütterungslinien  des  neuen  Erdbebens  in  Sillein  nichts  als  Wieder- 
hohlungen  älterer  Erdbeben  und  früherer  geologischer  Revolutionen  zu 
betrachten    und    sind    somit   von    höchster    Wichtigkeit." 

„Mögen   jene,    die    Gelegenheit     linden    werden,    von    Erdbeben    heim- 


Dionys  Stur.  Dr.  J.  Lorenz.  55 

gesuchte  Gegenden  zu  begehen  und  zu  untersuchen,  nicht  versäumen  die 
Schneedecke,  wenn  eine  solche  Zeuge  des  Erdbebens  war,  sorgfältiger  Beach- 
tung zu  würdigen  und  den  hier  angedeuteten  Weg  weiter  zu  verfolgen. " 

Ueber  die  Art  und  Dauer  der  Erderschütterungen  nebst  einigen 
andern  Notizen  über  ältere  Erdbeben  schreibt  Herr  Klemens  noch  folgendes: 

„Das  Beben  der  Erde  war  schaukelnd,  wobei  die  eine  Ecke  des 
Zimmers  in  die  Höhe  stieg,  die  zweite  sich  senkte,  mit  der  Schnellig- 
keit von  s/4  Secunden.  Nach  unterirdischem  Rollen,  welches  immer  voranging 
folgte  gewöhnlich  ein  horizontales  von  Norden  gegen  Süden  Hin  und  Her- 
rütteln ,  das  sich  1,2  —  mehrmals  wiederholte.  Oefters  bemerkte 
man  schwache  Vibrationen  der  Erde.  Die  Dauer  der  Erschütterungen 
kann    man    auf    %/2 — 10    Secunden    angeben." 

„Die  Wiederholungen  des  Erdbebens  dauerten  bis  Ende  Februars. 
Im  Verlaufe  des  ganzen  verflossenen  Jänners  1858  war  keine  Spur  von 
Erderschütterungen  wahrgenommen  worden.  Im  Herbste  am  13.  und 
24.  October,  dann  am  16.  November,  ferner  auch  noch  am  3.  und 
10.  December  wurde  abermals  ein  schwaches  Erdbeben  wahrnehmbar. 
Im    Ganzen    erfolgten    mehr    Erschütterungen    bei    Nacht." 

„Im  Jahre  1813  zur  Zeit  der  grossen  Ueberschwemmung  wurde  im 
Budatiner  Schloss,  Puchov  und  bis  nach  Trentschin  herab  ein  Erdbeben 
bemerkt.  Gleichzeitig  mit  dem  Erdbeben  in  Komorn  1783  war  auch  in 
Sillein  ein  leichter  Stoss  verspürt.  —  Secretär  des  Palatinus  Georg 
Grafen  v.  Thurzo,  Zävodsky,  bemerkt  in  seinem  Tagebuche:"  Im  Jahre 
1600  den  21.  September  8  Uhr  Abends,  und  am  22.  um  12  Uhr  bei 
Tag  war  ein  heftiges  Erdbeben  im  Rujecer-Thale  bis  Sillein.  Ferner  im 
Jahre  1613  den  16.  November  hat  ein  nicht  heftiges  Erdbeben  in 
Sillein    stattgefunden." 

„Nach  dein  Chronisten  Sigler  und  „Scriptores  rerum  Boh.  Tom.  111." 
wurden  im  Jahre  1443  den  5.  Juni  feste  auf  Felsen  gebaute  Schlösser 
Bajmoez  und  Lipce,  wie  auch  die  Privitzer  Kirche  im  angränzenden  Neu- 
traer  Comitate  durch  ein  Erdbeben  zum  Schutthaufen  verwandelt.  Diese 
historischen  Daten  sind  mir  durch  die  Güte  des  Herrn  Director  des  hie- 
sigen Waisenhauses,  Hochw.  Herrn  Dra  ho tusky  zugekommen.  Sillein  den 
17.  Jänner    1859." 

Herr  Professor  Dr.  J.  Lorenz  in  Fiume  sandte  folgende  Mittheilung: 
„Herr  k.  k.  Sectionsrath  V.  Streffleur  hatte  die  Güte,  meine 
in  den  Sitzungsberichten  der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften 
(Bd.  XXVI.  Seite  91  u.  s.  w.)  erschienene  Abhandlung  „über  die  Ver- 
sumpfungen in  den  oberen  Flussthälern  der  Salzach,  Enns  und  Mur," 
einer  Besprechung  in  der  Versammlung  der  k.  k.  geographischen  Gesell- 
schaft am  6.  April  1858  (vergl.  Mittheilungen  der  k.  k.  geographischen 
Gesellschaft  II.  Jahrgang,  Heft  2,  Seite  94)  zu  würdigen.  Die  Puncte 
dieser  Beurtheilung,  welche  von  meiner  Auffassung  abweichen,  sind: 
a)  dass  ich  meinte,  zur  Entsumpfung  des  Hauptthaies  in  Pinzgau  wären 
meilenweite  Austiefungen  in  hartem  Gesteine  des  Thalbodens  nöthig,  wäh- 
rend doch  der  Thalboden  aus  Alluvionen  bestehe  und  eine  Durchschnei- 
dung  der  Steinbarre  bei  Brück  genüge,  um  die  erforderliche  Abflussge- 
schwindigkeit herzustellen;  b)  dass  die  Entsumpfung  des  Oberpinzgau's 
nicht  mehr  in  Frage  stehe,  indem  ja  bereits  die  sprechendsten  Erfolge, 
ziffermässig    nachweisbar,    vorliegen."  — 


56  Versammlung  am  1.  März  1859. 

„Hingegen  habe  ich,  —  natürlich  nicht  aus  Rechthaberei,  sundern  der 
nicht  unwichtigen  Sache  wegen,  und  weil  ich  es  dem  sich  dafür  in- 
teressirenden  Publicum  schuldig  zu  sein  glaube,  folgendes  zu  bemerken: 
Die  unter  b  erwähnten  Entsumpfungs-Arbeiten  sammt  ihren  Erfolgen 
waren  mir  zur  Zeit  der  Verfassung  jener  meiner  Abhandlung  im  vollen 
Umfange  bekannt;  und  ich  hätte  es  nicht  gewagt,  eine  Arbeit  über  diesen 
Gegenstand  der  kaiserlichen  Academie  vorzulegen,  wenn  ich  mich  nicht 
durch  wiederholten  Augenschein  und  Verkehr  mit  ortskundigen  Sachver- 
ständigen vom  Sachverhalte  überzeugt  gehabt  hätte.  Ich  erwähnte  auch 
Seite  126  (38  des  Separat-Abdruckes)  jener  Regulirungs-Arbeiten  mit 
Inbegriff  der  Sprengungen  und  Austiefungen  bei  Brück  (Gries)  und  ihrer 
bisherigen  Erfolge,  die  ich  dort  nicht  näher  ausführte,  weil  ich  mich  kurz 
auf  den  im  Jahre  vorher  (1855)  erschienenen  Bericht  der  Salzburger 
Handelskammer  berufen  konnte,  worin  einer  der  dabei  betheiligten 
Herren  Ingenieure  denselben  Gegenstand  besprochen  hatte.  Ich  erwähnte 
überdiess  Seite  128  (40)  der  in  früheren  Jahrhunderten  schon  erziel- 
ten Entsumpfungs-Erfolge,  und  namentlich  dessen,  dass  nach  Beendigung 
der  1574  begonnenen  Regulirungs-Arbeiten  die  Salzach  mehrere  Meilen 
ober-  und  und  unterhalb  Mittersill  zwischen  schön  bebauten  Gründen 
dahinfloss,  —  was  man  gegenwärtig  noch  lange  nicht  sagen  kann.  Allein 
alle  diese  mir  bekannten  Erfolge  konnten  mir  nicht  als  Gründe  für  die 
Sicherheit  der  Entsumpfung  gelten,  nicht  nur  desshalb  weil  sie  schon 
öfter  dagewesen  sind  und  immer  wieder  vernichtet  wurden,  sondern 
hauptsächlich  darum,  weil  alle  diese  Bauten  nur  den  chronischen 
Versumpfungen,  nicht  aber  den  vehementen  Verschattungen  vor- 
beugen können,  denen  das  Pinzgauer-Hauptthal  im  allergrössten  Maasse 
ausgesetzt  ist.  Es  handelt  sich  hier  nicht  um  Zufälle,  welche  zu  den 
ganz  entfernten  Möglichkeiten  gehören  und  die  am  Ende  jedes  mensch- 
liche Werk  gefährden,  wenn  unberechenbare  Naturereignisse  den  Gang 
der  Dinge  plötzlich  umzukehren  scheinen;  sondern  es  handelt  sich  hier 
um  eine  unverrückbar  feststehende  Naturanlage  des  ganzen  Thalsistems, 
aus  welcher  die  Unvermeidlichkeit  gewaltiger  Katastrophen  —  wenngleich 
in  längeren  Zwischenräumen,  die  sich  leider  mit  der  Zeit  verkürzen  dürf- 
ten —  mit  Notwendigkeit  folgt.  Diess  habe  ich  in  der  in  Rede  stehen- 
den Abhandlung,  und  zwar  in  dem  beschreibenden  Theile  derselben,  mit 
welchem  sich  Herr  Ministerialrath  Streffleur  völlig  einverstanden  erklärt, 
auseinandergesetzt,  wesssalb  ich  hier  nicht  nöthig  habe,  ausführlicher 
darauf  zurückzukommen.  Unterscheidet  sich  nun  das  Pinzgauer-Haupt- 
thal vorzüglich  durch  die  stete  Gefahr  vehementer  Verschuttungen, 
welche  nebst  den  ohnediess  immer  fortwährenden  chronischen  Ver- 
sumpfungen drohen  (diese  Unterscheidung  ist  schon  auf  der  ersten 
Seite  der  Abhandlung,  dann  später  Seite  127  (39)  und  141  (53)  fest- 
gehalten), so  können  auch  die  nur  auf  chronische  Versumpfungen  be- 
rechneten Regulirungs-Arbeiten  nicht,  wie  anderwärts  genügen.  Auch 
hierüber  brauche  ich  bloss  auf  pag.  127  (39)  und  folgende  meiner 
Abhandlung    zu    verweisen. u 

„Um  nun  die  Schuttmassen  bei  solchen  habituellen  Pinzgauer  Kata- 
strophen, deren  letzte  grosse  1798  (vergl.  pag.  117  (29)  sich  ereignete, 
durch  das  Hauptthal  anstandslos  zu  führen,  müsste  dieses  selbst  annä- 
hernd die  Gestalt  jener  Nebenthäler  haben,  durch  welche  eben  solche 
Schuttmengen    unaufgehalten    ins    Hauptthal    herausstürzen;   nämlich    die    Ge- 


Dr.  J.  Lorenz.  57 

stalt  einer  steilen  geraden  engen  Rinne  mit  festen,  vom  Wasser  unan- 
greifbaren Wänden.  Nur  dann  müsste  mit  Naturnothwendigkeit  —  wenngleich 
unter  riesigen  Kämpfen  des  Wassers  mit  dem  Schutte  —  die  Masse 
des  letzteren  hindurchgerissen  werden.  Und  desshalb  sagte  ich,  Seite 
128  (40),  dass,  theoretisch  aufgefasst,  im  Hauptthale  durch  das  volubile 
Ausfüllungs-Materiale  hinab,  im  festen  Grundgesteine  ein  stark  geneigtes 
Bett  ausgetieft  werden  müsste,  dass  aber  dieses  practisch  unausführbar 
wäre,  ebenso  wie  die  Anlegung  von  Auffange-Becken  vor  den  Mündun- 
gen der  Nebenthäler;  dass  daher  die  Sicherung  des  Thaies  gegen  die 
Riesengewalten  der  vehementen  Verschuttungen  und  Ueberwässerungen 
nicht  ausführbar  sei,  wie  günstig  auch  die  Entsumpfungs-Arbeiten  gegen 
die  chronischen  Versumpfungen  wirken  mögen.  Es  wäre  nur  noch 
hinzuzufügen,  dass  das  Guggenber  ger 'sehe  Regulirungs-System,  welches 
theilweise  den  Mangel  fester  Ufer  durch  den  Detritus  des  Flusses  selbst 
zu  ersetzen  im  Stande  ist,  hier  in  dieser  Beziehung  nicht  anwendbar 
wäre,  weil  der  hier  zu  Gebothe  stehende  Detritus  fasst  ausschliessend 
Lettenschutt  ist.  Dieser  bildet  aber,  wenn  er  in  grossen  Wasser 
ankommt,  unbewegliche,  dum  Wasser  unangreifbare  Haufen;  in  kleineren 
Mengen  hingegen  bleibt  er  zu  leicht  suspendirt  und  fällt  nicht,  wie 
Gerolle  und  Trümmerschutt,  bei  Geschwindigkeitsverminderung  des  Wassers 
schnell  in  Massen  nieder,  worauf  es  eben  bei  Regulirung  der  Ufer 
durch  den  Fluss  selbst,  hauptsächlich  ankommt;  und  überhaupt  könnten 
Ufer  von  volubilem  Materiale  gegen  die  Gewalten,  welche  hier  bei  vehe- 
menten   Ueberschwemmungen    auftreten,    nicht    genügen. 

„Möge    der    thatsächliche     Beweis    für     die    Richtigkeit    des     Gesagten 
noch  recht  lange  ausbleiben!" 

Eingegangene  Druckschriften* 
Pester  Lloyd.  1859  Nr.  35  —  47  —  60.  Von  der  Redaction. 

Mittheilungen  an  die  Mitglieder  des  Vereins  für  Geschichte  und  Alterthuinskunde  in  Frank- 
furt a.  M.  1858.  —  Neujahrsblatt,  dargebracht  am  1.  Jänner  1859  (Dorf  und 
Schloss  Rödelheim.  Beiträge  zu  der  Geschichte  desselben  von  Dr.  jur.  L.  H.  Eul  er.) 

Vom  Vereine. 
Verhandlungen  und  Mittheilungen  des  n.  ö.  Gewerbe-Vereines.    Wien  1858.  Hft.  12. 

V  o  in  Vereine. 
Zeitschrift  des  Vereines  für  hessische  Geschichte  und  Landeskunde  Cassel  I — VII  1835 — 1858. 
Uebersicht  der  bisher  in  Kurhessen  beobachteten  wildwachsenden  und  eingebürgerten 
Pflanzen.  VonDr.  L.Pfeiffer.  Cassel  1844. — Beiträge  zur  Geschichte  und  Statistik  des 
hessischen  Schulwesens  im  17.  Jahrhundert.  VonDr.  H.  Hep  pe.  Cassel  1850  (4.  Supp.Hft. 
der  Zeitschrift). — Periodische  Blätter  der  Geschichts-  und  Alterthums-Vereine  zu  Cassel, 
Darmstadt,  Frankfurt  a.  M.,  und  Wiesbaden.  Nr.  1—8  1857—  1859.  —  Historisch 
topographische  Beschreibung  der  wüsten  Ortschaften  im  Kurfürstenthum  Hessen  und 
in  der  grossherz.  hessischen  Provinz  Oberhessen. Von  Dr.G.  Landbau.  Cassel  3  Hft. 
1848/51  dann  1858  (7.  suppl.  Hft.  d.  Zeitschr.).  —  Geschichte  der  Stadt  Wolfhagen 
nach  urkundlichen  und  gedruckten  Quellen  bearbeitet  von  Karl  Lyn  k  er.  Cassel  1855. 
(6  Suppl.  Hft.  d.  Zeitschrift.)  Vom  Verein. 

Landwirtschaftliche  Zeitung  von  und  für  Oberösterreich  Linz.  1859.  Nr.  4. 

Von  der  k.  k.  Landw.  Gesellschaft 

Militär-Zeitung.  Wien  1859.  Nr.  13—14.  Vonder  Redaction. 

Gospodarski  List.  Zagrebu.  1859.  Nr.  7—8.  Vonder  k.  k.  Acker  b.  Gesellschaf  t. 

Atti    di    uffizio  ed  annunzi  della  Camera  di  Comercio  e  d'industria  in    Fiume.  Protocollo  dto. 

9.  Febrajo  1859.  Von  der  Handelskammer. 

Die  Ereignisse  in  Ostasien  und  die  Notwendigkeit  deutscher  Handelsverträge  mit  Siam,  China 

und  Japan.  Eine  Denkschrift   von   K.    Fr.  N  eu  m  an  n  1859.  —  Reisen   des  Johannes 

Schild  berge  r  aus  München  in  Europa  Asien  undAfrica  von  1794 — 1427.  Zum  ersten 

Mal  nach  der  gleichzeitigen  Heidelberger  Handschrift  herausgegeben  und  erläutert  von 

Karl   Fr.  Neumann.    Mit  Zusätzen    von   Fallmayer   und      Hammer-Purgstall. 

München  1859.  Vom  Verfasse  r. 


58 

Geographische  Untersuchungen  in  den  mittleren  Gouvernements  Russlamls,  zwischen  der 
Düna  und  Wolga  in  den  Jahren  1850 und  1853  ausgeführt  von  G.  v.  Helmers  en  und 
R.  Pacht.  Herausgesehen  von  G.  v.  He  1  mer  se  n.  St.  Petersburg  1858.  (21.  Band  der 
Beitr.   zur  Kenntniss  des  russ.  Reiches.)  Vom  Herausgeber. 

Wiener  Eisenbahnzeitung.  Führer  für  Reisende  auf  Eisenbahnen  und  Dampfschiffen  in 
Oesterreich  etc.  von  Leopold  Kastner.  Wien  Jänner  und  Februar  1859.  —  Oester- 
reichischer  Eisenbahn-Atlas.  Herausgegeben  von  Leop.  Kastner.  Wien. 

Vom  Herausgeber. 
Austria.  Wochenschrift  für  Volksrrirthschaft  und  Statistik.  Wien  1859.  Nr.  7—8. 

Von  der  Redaction. 
Centralblatt    der  gesammten    Landescultur.  Prag  1859    Nr.    7. 

Von  der  k.  k.  p.   oek.  Gesellschaft. 
Zeitschrift   für    allgemeine  Erdkunde.  Berlin  1859   Bd.    V.    Hft.  5,  6. 

Von  der  Ges.  f.  Erdk.  in  Berlin. 
Relazione  informativa  sui  progetti  intesi  a  derivare  dal  fiume  Ledra  acque  irrigue  e  potabili 
a  beneficio  d'un  vasto  territorio  inacquoso  nella  provincia  del  Friuli,  esposta  dall*  in- 
gegnere  G.  B  u  c  c  h  i  a.  Udinc  1858.  —  Annuario  delf  Associazione  agraria  friulana. 
Anno  I.  II.  Udine  1857,  1858.  — Bulletino  dell'  Associazione  agraria  friulana.  Udine 
1859Nr.l—  3.  Von  der  Gesel  lsch  aft. 

Beitrüge  zur  Statistik  der  inneren  Verwaltung  des  Grossherzogthums  Baden.  Herausgege- 
ben von  dem  Ministerium  des  Innern,  Carlsruhe  1858.  VII.  Hft,  (Geologische  Beschrei- 
bung der  Umgebungen  von  Badenweiler.).  —  IX.  Hft.  (Die  Gemeinden  des  Grossherzog- 
thums Baden,  deren  Vereinigungsverhältnisse,  Einnahmen  und  Ausgaben  I.  Seekreis 
und  Ohcrrheinkreis.)  Vom  g  r  o  ss  herz  ogl.  Ministerium. 

A  Magyar  Termeszettudomanyi  Tarsulat  Evkönyvei  Pesten  1841  — 1857. — Original-Abhand- 
lungen aus  dem  3.  Bande  der  Jahrbücher  des  ungar,  naturwiss.  Vereins  zu  Pest 
in  deutscher    Uebersetzung.    Pest    1858. 

Von  dem  ung.  na  für  wissen  seh.  Verein. 
Allgemeine  Land-  und   forstwissensehaftliche  Zeitung.  Wien   1859  Nr.  7. 

Von  der  k.  k.  Landw.  Gesellschaft. 
Wochenblatt  der  k.  k.   steierm.  Landwirthschafls-Gesellschaft.   Gratz  1859  Nr.  9. 

Von  der  Gesellschaft. 

Jahresbericht    des    historischen    Vereins     in    Mittelfranken.   24.    für    1855;  25.  für   1857; 

26.  für  1858.  Vom  histor.  Verein. 


Versammlung  am   22.   März   1859. 

Der  Herr  Präsident,  k.  k.  Sectionsrath  K.  Freiherr  von  Czoernig, 
führte    den    Vorsitz. 

Herr  Secretär  F.  Foetterle  zeigte  den  Verlust  an,  welchen  die 
Gesellschaft  durch  den  Tod  ihres  ausserordentlichen  Mitgliedes ,  Sr.  Exe. 
des  k.  k.  Feldzeugmeisters,  Vincenz  Freiherrn  von  August  in,  und  ihres 
ordentlichen  Mitgliedes,  des  k.  k.  Majors  im  Ingenieur-Geographen-Corps, 
Mathias  Seydl,  erlitten  hatte.  Als  einer  der  ältesten  und  kräftigsten  För- 
derer der  wissenschaftlichen  Bestrebungen  in  naturwissenschaftlicher  Rich- 
tung in  Wien,  hatte  erster  er  unserer  Gesellschaft  gleich  von  dem 
ersten  Beginne  an  die  grösste  Aufmerksamkeit  und  ein  besonderes  In- 
teresse geschenkt,  während  letzterer  schon  durch  seine  amtliche  Stellung 
und    Beschäftigimg    den    Interessen    der    Gesellschaft    näher    gerückt    war. 

Den  Statuten  entsprechend,  wurden  Se.  Durchlaucht  Johann  Adolf  Fürst 
zu  Schwarz  enb  er g,  und  Dr.  Johann  Caspar  Ritter  von  Seil ler,  Bür- 
germeister der  Reichshaupt-  und  Residenzstadt  Wien,  zu  ausserordentlichen, 
und  die  Herren:  Dr.  Angelo  Messedaglia,  o.  ö.  Professor  der  National- 
Oekonomie  und  Statistik  in  Padua,  Se.  Hochwürden  Stephan  Muzler, 
Director  des  k.  k.  Obergymnasiums  in  Warasdin,  und  Se.  Hochwürden 
Kaspar  Thurin,  Professor  am  k.  k.  Obergymnasium  in  Warasdin,  zu  or- 
dentlichen   Mitgliedern    gewählt. 

Herr    k.    k.    Schulrath,    Dr.    M.   Becker,    sprach    über    die    topogra- 


Dr.  M.  Becker.  Fr.  Foetterle.  59 

phischen  Verbältnisse  im  Umkreise  des  Oetscher,  deren  Darstellung  der 
Gegenstand  des  unter  der  Presse  befindlichen  zweiten  Bandes  der  bereits 
früher  besprochenen  Monographie  bildet.  Er  zeigte  durch  einige  Beispiele, 
wie  zur  Herstellung  einer  historischen  Topographie,  die  von  Alters  her 
unverändert  gebliebenen  Flur-  und  Häusernamen  wichtige  und  bisher  noch 
zu  wenig  beachtete  Fingerzeige  geben,  und  schilderte  zum  Schlüsse  die 
Ueberreste  der  Karthause  zu  Gaming  in  Niederösterreich,  mit  Andeutun- 
gen   über    deren    Gründung,    Schicksale    und    Aufhebung. 

Herr  k.  k.  Bergrath,  F.  Foetterle,  legte  die  sämmtlichen  Ma- 
nuscripte,  meist  in  englischer  Sprache  geschrieben,  vor,  welche  die 
Gesellschaft  der  Güte  ihres  Ehrenmitgliedes,  der  Frau  Gräfin  Pauline  von 
Nostitz,  aus  dem  Nachlasse  ihres  früheren  Gemahls,  Dr.  Johann  Wil- 
helm Helfer,  nebst  der  deutschen  Uebersetzung  derselben  vor;  letztere 
hatte  Herr  A.  F.  Graf  von  Marschall  freundlichst  besorgt.  Ausser  einer 
kurzen  Skizze  des  bewegten  Lebens  Dr.  Helfers  und  seiner  zahlreichen 
Beisen  in  Hinter-Indien,  theilte  Herr  Foetterle  in  der  Kürze  den  In 
halt  der  verschiedenen  Abhandlungen  mit,  von  denen  einige  bereits  in 
dem  „Journal  of  the  Asiat ic  Society  of  Bengal"  veröffentlicht,  andere  blos 
in  Manuscript  gedruckt,  andere  noch  ungedruckt  sind;  sie  gewähren  nicht 
nur  eine  genaue  Einsicht  in  die  verschiedenen  Beiserouten,  sondern  auch 
eine  fast  vollkommene  Uebersicht  der  durch  Dr.  Helfer  bei  diesen  Bei- 
sen erzielten  ausgezeichneten  Erfolge.  (Siehe  das  nächste  Heft  dieses 
Jahrganges    der    Mittheilungen). 

Herr  F.  Foetterle  legte  den  neuesten  über  das  Mittelmeer  und 
dessen  Gestadeländer  erschienenen  Atlas  vor.  Die  „Land-  und  Seekarte 
des  Mittelländischen  Meeres,  nebst  den  angräuzenden  Ländern,  nach  den 
neuesten  Quellen  bearbeitet  und  gezeichnet  von  Dr.  Henry  Lange." 
Das  Bedürfniss  einer  guten  übersichtlichen  und  doch  hinreichend  detail- 
lii-ten  Seekarte,  welche  auch  die  Küstenländer  in  entsprechenden  Detail 
darstellt,  für  die  sich  immer  mehrenden  Beisenden  hatte  die  literarisch- 
artistische Abtheilung  des  österreichischen  Lloyd  in  Triest  veranlasst,  für 
die  Ausführung  einer  solchen  Karte  Sorge  zu  tragen.  Hr.  Dr.  H.  Lange 
hat  sich  dieser  schwierigen  Arbeit  unterzogen ,  und  dieselbe  wahrhaft 
glänzend  gelöst.  Die  vorgelegte  Karte  aus  9  Blättern  bestehend,  ist  in 
dem  Masstabe  von  1  :  295,600  ausgeführt;  alle  bestehenden,  sowohl  See- 
wie  Landkarten  sind  bei  dieser  Ausführung  auf  das  zweckentsprechendste 
benützt.  Das  Blatt  Nr.  9  enthält  die  See-  und  Landkarte  des  schwarzen, 
Azow'schen  und  Marmora  Meeres,  nebst  den  Plänen  der  Häfen  von  Algier 
und  Tunis  nach  W.  S.  Smyth.  Die  Ausführung  in  der  F.  A.  Brock- 
haus' sehen  geographisch-artistischen  Anstalt  in  Leipzig  lässt  nichts  zu 
wünschen    übrig. 

Bei  dieser  Gelegenheit  lenkte  Herr  Foetterle  die  Aufmerksamkeit 
der  Gesellschaft  auf  das  nun  vollendete  Werk  Dr.  Böttger's:  „das 
Mittelmeer,"  das  in  bisher  vollendetster  Weise  uns  das  Mittelmeer  in 
seiner  geographischen,  historischen,  physikalischen,  hydrographischen,  me- 
teorologischen Beziehung  vorführt.  Es  muss  dieses  Werk,  was  sowohl  die 
Auffassung,  wie  die  Durchführung  betrifft,  als  das  Gelungenste  betrachtet 
werden,    was    wir    über    das    Mittelmeer    besitzen. 

Unter  den  eingesendeten  Druckschriften,  welche  vorgelegt  wurden, 
hob  Herr  Foetterle  einige  kleinere  Brochüren  hervor,  welche  Herr  A. 
Senoner    im    Institute     des     Herrn     Don    Nicola     Mazza     in    Verona     für 


60  Versammlung  am  22.  März  Ib59. 

die  Gesellschaft  erhielt.  Es  sind  meist  briefliche  Mittheilungen  der  ehe- 
maligen Zöglinge  des  Institutes,  welche  sich  gegenwärtig  als  Missionäre 
bei  der  katholischen  Mission  in  Chartum  befinden.  Herr  Dr.  Don  Nicola 
Mazza  hatte  vor  etwa  35  Jahren  dieses  Institut,  das  anfangs  blos  der 
Erziehung  von  armen  elternlosen  Kindern  gewidmet  war,  ins  Leben  ge- 
rufen, und  erhält  es  seit  jener  Zeit  mit  bedeutender  Ausdehnung  der 
Zwecke  fast  ganz  aus  eigenen  Mitteln.  Sein  ganzer  Besitz  von  4  bis 
'6  Häusern  und  der  Ertrag  von  Grundstücken  wird  hiezu  verwendet;  erst 
neuerer  Zeit  fliessen  ihm  hin  und  wieder  milde  Beiträge  und  Legate  zu. 
Eine  der  Hauptbestrebungen  Don  Mazza's  war  stets,  afrikanische  Sclaven- 
kinder  auskaufen  und  heranbilden  zu  lassen.  Unter  den  zahlreichen  Zöglingen 
des  Institutes  finden  sich  stets  talentvolle  Jünglinge,  welche  dann  mit 
Unterstützung  Mazza's  auf  einer  Universität  ihre  weitere  Bildung  er- 
halten, theils  im  Institute  selbst  zu  Missionären  für  die  Centralafrikanische 
Mission  in  Chartum  herangebildet  werden.  Alle  Kinder  erhalten  nicht 
blos  den  gewöhnlichen  Schulunterricht,  sondern  werden  auch  zu  verschie- 
denen Handarbeiten  angehalten,  namentlich  werden  die  Mädchen  in  Sticke- 
reien und  Bluinenanfertigen  unterrichtet,  und  ihre  Arbeiten  werden  stets 
sehr  gesucht.  Die  Negerkinder  werden  in  der  italienischen  Sprache  un- 
terrichtet, sie  lernen  lesen,  schreiben,  rechnen  und  verschiedene  Hand- 
werke, die  Mädchen,  14  an  der  Zahl,  müssen  überdies  alle  Hausarbeiten 
verrichten,  und  einige  lernen  auch  sticken.  Von  Negerknaben  befinden 
sich  gegenwärtig  9  in  diesem  ausgezeichneten  Institute,  dem  nicht  nur 
stets  der  beste  Erfolg  und  eine  bleibende  Dauer,  sondern  auch  eine 
grösere  Theilnahme  für  die  Erreichung  seiner  edlen  Zwecke  zu  wün- 
schen   ist. 

Schliesslich  theilte  Herr  Foetterle  mit,  dass  das  hochverehrte  Mit- 
glied, Herr  Dr.  Th.  Kotschy,  mit  Unterstützung  des  k.  k.  Oberstkäm- 
mereramtes eine  längere  wissenschaftliche  Beise  in  den  südlichen  Theil 
von  Klein-Asien  angetreten  habe,  von  der  er  erst  im  Herbste  zurück- 
kehren dürfte.  Herr  Dr.  Kotschy  gedenkt  sich  zuerst  einige  Zeit  auf 
Cypern  aufzuhalten,  und  dann  von  Tarsus  aus  in  östlicher  Bichtung  viel- 
leicht bis  an  dem  Wan-See  vorzudringen,  um  hier  seine  früheren  bo- 
tanischen Studien  fortzusetzen,  und  dann  über  Erzerum  und  Trebisond 
den    Bückweg    einzuschlagen. 

Eingegangene    Druckschriften  : 

Uebersicht  der  Waaren-Ein-  und  Ausfuhr  des  allgemeinen  österr.  Zollverbandes  im 
Verkehr   mit   dem   Auslande    etc.    Im    Sommer-Jahre    1858.    Wien    1859. 

Von    der   Direction    der    administr.    Statistik. 

Memoir  to  accompany  the  Map  of  the  Holy  Land  construeted  by  C.  W.  M.  Van  de 
Velde.    Gotha    1858.    Sammt    Atlas.  Von    J.    Perthes    geogr.    Anstalt. 

Mittheilungen  der  Gesellschaft  für  vaterländische  Alterthümer  in  Basel.  I — III.  1843/45. 
VI.  1855.  —  Kurzer  Bericht  über  die  für  das  Museum  in  Basel  erworbene  Schmid'sche 
Sammlung   von  Alterthümern    aus  Äugst  von  Prof.   Wilh.    V  i  s  e  h  e  r.  Basel    1858. 

Von    der    Gesellschaft. 

Anzeiger  für  Kunde  der  deutschen  Vorzeit.  Organ  des  germanischen  Museums.  II — IV. 
Nürnberg    1855/57.  Vom    german.    Museum. 

Zeitschrift  für  populäre  Mittheilungen  aus  dem  Gebiete  der  Astronomie  und  verwand- 
ten Wissenschaften.  Herausgegeben  von  Dr.  C.  A.  F.  Peters.  Bd.  I.  Hft.  I. 
Altona    1858.  Von    der    Bedaetinn. 

Verhandlungen  des  historischen  Vereines  für  Niederbayern.  Landshut  IV.  V.  1855  58. 
—     Statuten     des     historischen      Vereines.     Landshut     1858.  Vom    Vereine. 

Bulletin  de  la  Societe  de  Geographie  IV.  Serie.  T.  XVI.  Nr.  91 — 96.  August  bis 
December    1858.  Von    Sr.   Hochw.    Domherrn    Salzbacher. 


61 

Atti    dell'    I.   R.    'Istituto    lonibardo    di    scienze,    lettere    ed    arti.     Vol.    I.     f.    12.    Milano 
1859.    —    Memorie    dell'    I.    R.   Istituto    etc.    Vol.   VII.   f.    8.   Milano    1859. 

Vom   k.    k.   lomb.     Inst,    der   Wissenschaften. 
Proceedings    of  the  R.    Geographica!    Society    of  London.     Vol.    III.     N.    I.    1859. 

Von    der   k.    Gesellschaft. 

Austria.    Wochenblatt   für  Volkswirthschaft   und  Statistik.    Wien    1859.    N.    19—21. 

Von  der   Redaction. 
Bullettino     della    Associazione    agraria    friulana.   Udine.    1859.    N.   4. 

Von    der   landwirtschaftlichen  Gesellschaft. 
Allgemeine     Erdkunde,     oder     neuestes    Handbuch    zur    Beförderung    und   Belebung   des 
geographischen  Sinnes    und  Wissens    für  Schule    und  Haus.    Von  Dr.   Fr.  Locher. 
Regensburg   1859.  Vom   Verfasser. 

Atti  dell'  I.  R.  Istituto  veneto  di  scienze,  lettere  ed  arti.  T.  IV.  S.  III.  Disp.  1.  2.  3. 
1858—1859.  —  Memorie  dell'  I.  R.  Istituto  veneto.  Vol.  VII.  P.  II.  Venezia 
1858.  Vom   k.   k.    Inst.    d.   Wissensch.    Venedig. 

Nouvelles  Annales  des  Voyages  de  Ia  Geographie  etc.  Fevrier  1859.    Von  der  Redaction. 
Abhandlungen   der  mathem.   physical.   Classe  der  k.   bayer.  Akademie  der  Wissenschaften. 
VIII.   2.    München    1858.    —   Ueber   Johannes   Müller    und   sein    Verhaltniss     zum 
jetzigen   Standpunct    der   Physiologie.     Festrede    von    Dr.   Th.    L.   W.    Bischoff. 
München    1858.  Von    der   k.    Akademie    der    Wissenschaften. 

Protocoll    der     dritten    ordentlichen    Sitzung    der  Kronstädter    Handels-    und   Gewerbekam- 
mer   im    Jahre    1859   am    8.   März.  Von    der   Handelskammer. 
Ueber     die    Mineralquellen     von    Bartfeld     im    Särosser    Comitat    Ungarns.     Von    C.    Ritter 
von   Hauer.    Wien    1859.  Vom   Verfasser. 
Philologische    und     historische    Abhandlungen     der   k.    Akademie     der    Wissenschaften     in 
Berlin.    Aus    dem   Jahre    1857.    Berlin    1858.                      Von    der    k.    Akademie. 
Rapporto    statistico    per    l'anno    1857   della    Camera    di   Commercio    e   d'industria  in  Lodi. 
1858.                                                                                      Von   der   H and el kämme r. 
Compte-rendu   annuel    adresse    a    S.    E.   M.    de    Brock    Ministre    de  Finances    par   le   Di- 
recteur  de  l'Observatoire  physique  central,   A.  T.  Kupffer.    Annee    1856.    St.   Pe- 
tersburg   1857.                                                                               Von   der   Direction. 
Annales  de  la  propagation    de    la   foi.    Paris.   Mars   1859.   N.   177.    Von    der    Redaction. 
Verhandlungen   des   historischen   Vereines   von    Oberpfalz     und   Regensburg.    N.    F.    I — X. 
1845 — 1858.                                                              Vom   Vereine   in   Regensburg. 
Zeitschrift    des    historischen    Vereines    für    das   würtemberg.    Franken.    1.    Hft.   Trailsheim 
1847.     4.    5.     6.    Hft.    Aalen    und   Oehringen    1850/52.    III.     1.    2.    3.    Aalen    und 
öehringen     1853/55.     IV.     Bd.     1.     2.     Stuttgart     1856/57.   —    Chronik     des     hi- 
storischen  Vereins.    Mergentheim    1852/53.    —    Chronik    der   vormaligen    Deutsch- 
ordens-Stadt  Mergentheim,     aus   urkundlichen  Quellen   herausgegeben  von  0.  F.  H. 
Schönhut h.    Mergentheim  1 857.  —  Wolfram  von   Neuenbürg,    Meister  Deutsch- 
ordens  in    deutschen   und   wälschen   Landen   u.    s.    w.    Von  0.  F.  H.    Schönhuth. 
Mergentheim    1859.                                 Vom   histor.    Verein   in    Mergentheim. 
La    scienza   —    l'Istmo     di    Suez.   —   II    Sommo   Pontifice    Pio     IX.    visitando     nel    1857 
i  suoi  dominii. — II  nuovo  porto  di  Roma.  —  Memorandum    di   E.    F.   Scarpellini. 
Roma  1858.  —  La  Stato  Pontificio  e  l'Istmo  di  Suez,   Parole    di  E.  F.   Scarpellini. 
Roma   1856.  Vom    Verfasser. 
Jahresbericht   des  historischen    Kreis-Vereins    im   Regierungs-Bezirke   von  Schwaben  und 
Neuburg    für    1837—1841  ;     1844—1856.    Augsburg    1838—1856. 

Vom  hist.  Vereine  in  Augsburg. 
Lettera  dei  RR.  sacerdoti  Missionari  nell'  Africa  centrale  dell'  Istituto  di  Don  Nie. 
Mazza,  diretta  ai  giovani  alunni  del  medesimo  Istituto.  Chartum  1858.  —  Re- 
lazione  del  viaggio  dei  Reverendi  Missionari  da  Chartum  a  S.  Croce.  Verona 
1858.  —  L'ultima  lettera  del  Missionario  Franc.  Oliboni  dell'  Istituto.  Mazza  di 
Verona.  Verona  1858.  —  Prospetto  dei  poveri  Istituti  di  Don  Nie.  Mazza  dato 
da  conoscere  dal  medesimo  colla  stampa  nel  niese  di  Novembre  1854.  Verona  1854. 

Von  Hrn.  S e n o n e r. 
Journal  of  the  Franklin  Institute  of  the  State  of  Pensylvania  etc.  Vol.  36.  N.  4—6  .Phi- 
ladelphia 1858.  Vom  Institute. 
Zeitschrift  für  Erdkunde.  Berlin  1859.  I.  1.  Von  der  Gesell  seh.  f.  Erdk.  Berlin. 
Pester-Lloyd  1859.  N.  61—66.  Von  der  Redaction. 
Corrispondenza  scientifica  in  Roma  N.  33.  36.  (Roma  e  il  Bosforo  di  Suez.  Nota  dell'  In- 
gegnero  Vinc.  M  a  n  z  i  n  i.)                                                           Von  der  Redaction. 

'6 


62 

Ueber  das  Eis  im  Sommer  zwischen    den  Basaltstücken    bei  Kameik    nächst  Leitmeritz  in 
Böhmen.  Von  Dr.  Ad.  PI  eis«  hl.    (Beitr.   zur  phys.  Geogr.  Böhmens.)    Prag  1838. 

Vom    Verfasser. 
Statistique  de  France  XII.  Ser.    Statistique   agricole.   I.   6.  Paris  18S8. 

Vom  kais.  franz.  Ministerium. 


Versammlung   am    5.  April   1859. 

Der  Herr  Präsident,  k.  k.  Sectionsrath  K.  Freiherr  von  Czoernig, 
führte    den   Vorsitz. 

Den  Statuten  gemäss  wurden  Se.  Excellenz,  Herr  Johann  Freiherr 
Kempen  von  Fichtenstamm,  k.  k.  Feldmarschalllieutenant,  Chef  der 
Obersten  Polizeibehörde  etc.,  und  Frau  Leopoldine  Kerr  in  London  zu  ausser- 
ordentlichen, Herr  Gustav  Lehne,  Oberlieutenant  der  k.  k.  Gendarmerie- 
General-Inspection,  und  Herr  Adolf  Simiginowicz,  Professor  am  k.  k. 
katholischen  Gymnasium  zu  Kronstadt,  zu  ordentlichen  Mitgliedern  und 
Herr  Dr.  Felix  Flügel,  Consul  der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerica 
in    Leipzig    zum    correspondirenden    Mitgliede    gewählt. 

Herr  Secretär  Foetterle  theilte  den  Inhalt  der  an  Hrn.  k.  k. 
Sectionsrath  W.  Haidinger  eingelangten  Schreiben  von  unseren  Novara- 
Reisenden  mit,  welche  Nachrichten  über  das  Eintreffen  derselben  zu 
Auckland  in  Neu-Seeland  brachten  und  bereits  früher  in  der  lezten  Sit- 
zung der  naturwissenschaftlichen  Classe  der  kaiserlichen  Akademie  der 
Wissenschaften  mitgetheilt  wurden.  Laut  den  letzten  eingelangten  Nach- 
richten, hatte  Herr  Dr.  F.  Hochs  teuer  in  Folge  der  zur  Besichtigung 
von  Kohlenvorkommen  in  der  Gegend  von  Auckland  unternommenen  Excursion, 
von  dem  Gouverneur  in  Auckland  die  Einladung  erhalten,  längere  Zeit 
auf  Neu-Seeland  zu  bleiben  und  eine  detaillirtere  geologische  Untersuchung 
durchzuführen;  mit  Genehmigung  und  im  Einverständnisse  des  Hrn.  Com- 
modore  von  Wüllerstorf,  hatte  Herr  Dr.  Hochstetter  diesen  Antrag 
angenommen  und  sich  von  der  k.  k.  Fregatte  Novara  getrennt,  um  sich 
etwa  6  Monate  in  Neu-Seeland  aufzuhalten,  und  dann  gegen  Ende  des 
Jahres  etwa  gleichzeitig  mit  der  k.  k.  Fregatte   in  Triest  zusammenzutreffen. 

Ueber  die  von  Herrn  Dr.  Hochstetter  in  Begleitung  von  Herrn 
Frauenfeld,  Selleny  und  Jellinek  unternommene  Excursion,  theilt 
vorläußg  die  in  Auckland  erscheinende  „New  Zeeländer"  Zeitung  einen 
Bericht  mit,  aus  den  hier  ein  Auszug  folgt,  dessen  Uebersetzung  wir 
dem    Herrn   A.    Fr.   Grafen   Marschall    verdanken: 

„Besichtigung  der  Districte  Drury  und  Hunua  und  Aus- 
flug an  den  Waikato.  Am  Dienstag,  28.  December  1858  wurde  mit 
der  Ausführung  der  Arbeiten  der  wissenschaftlichen  Commission  in  dieser 
Provinz  der  Anfang  gemacht.  An  der  Begehung  nahmen  Theil:  die  Herren 
Dr.  Hochstetter,  Frauenfeld,  Selleny  und  Jellinek,  von  der 
kais.  österreichischen  Expedition;  der  Provinzial-Landmesser  Mr.  C.  Heaphy, 
Rw.  A.  G.  Purchas  und  Mr.  Ninnis  als  Abgeordnete  der  Provinzial- 
Regierung  und  vom  k.  k.  Marine  Officiers-Corps,  der  Herr  Capitän  Baron 
Po  eck,  Commandant  der  Novara  und  der  Schiffs-Fähnrich,  Hr.  Kro- 
no wette r.  Ferner  schlössen  sich  an:  Mr.  Haast,  eben  in  dieser  Pro- 
vinz anwesend,  um  über  die  Hilfsquellen  und  Vortheile,  welche  Auckland 
deutschen  Einwanderern  zu  bieten  vermag,  Notizen  einzusammeln,  Mr. 
Drummond    Hag    (der    sich    als   „ Cicerone u    höchst   nützlich   machte)    und 


F.  Foetterle.  63 

—  wenn  es  den  Leser  ja  interessiren  sollte  —  wir  selbst,  die  wir 
diese  Zeilen  in  Hast  niederschrieben.  Mr.  Heaphy  hatte  die  Besucher 
mit  der  gewöhnlichen  Karte  der  Provinz,  und  mit  einer  andern,  die  geo- 
logischen Verhältnisse  zwischen  Auckland  und  Maungatawhiri  angebenden, 
versehen,  welche  letztere  er  eigens  zu  diesem  Zweck  entworfen  hatte. 
Das  Wetter  zeigte  sich  besonders  günstig;  die  Fahrt  durch  das  reiche 
vulkanische  Gebiet  zwischen  Auckland  und  Otahuhu,  in  solcher  Gesellschaft 
und  bei  wolkenlos  sonnigen  Himmel,  dessen  Hitze  einer  unserer  schönen 
Sommerwinde  wohlthätig  mässigte,  wird  lang  eine  freundliche  Erinnerung 
bleiben.  Wenn  sich  die  einheimischen  Theilnehmer  sich  an  den  lehrreichen 
Vorträgen  Dr.  Hochstetter's  über  vulkanische  Gebilde  erfreuten,  so 
mochten    sie    sich   wohl   auch    —    vielleicht    nicht    ohne    etwas   Selbstgefühl 

—  an  dem  Wohlgefallen  erfreuen,  welches  dieser  Gelehrte  und  seine 
Gefährten  über  die  Gegenstände  um  sie  und  vor  ihnen  äusserten  und 
den  hohen  Grad  der  Kultur  des  Landes,  die  Güte  der  Strassen,  das 
weite  Feld,  welches  in  jeder  Richtung  dem  fähigen  und  denkenden  Na- 
turforscher offen  steht  und  die  glänzenden  Aussichten  in  die  Zukunft  dieses 
Landes,   mit  Vergnügen  von  Allen  preisen  hören. 

Die  erste  eigentliche  Rast  fand  bei  Mount  Richmond  (bei  den  Ein- 
gebornen  „  Otahuhu, "  welcher  Name  auf  die  Ansiedlung  übertragen  wurde) 
statt.  Dort  fanden  die  Herren  Hochstetter,  Frauenfeld  und  Jellinek 
reichliche  Ausbeute  für  ihre  Sammlungen  und  Herr  Selleny  für  seine 
fertigen  und  treuen  Pinsel,  während  M.  Heaphy  diesen  gründlichen 
Forschern  sehr  viel  an  historischen  und  örtlichen  Auskünften  mitzutheilen 
hatte.  —  Wir  würden  viel  darum  geben,  das  Panorama  vom  Gipfel  aus 
an  einen  solchen  Tag,  wie  es  Herr  Selleny,  einer  der  fertigsten  und 
treuesten  Aufnehmer,  die  wir  je  gekannt,  wiedergegeben  hat.  (Nebenbei 
gesagt,  hat  Hr.  Selleny  während  der  Novara-Expedition  bereits  über 
1000  vortrefflich  ausgeführte  Zeichnungen  aufgenommen  —  jene  von  Java 
und  China  in  sehr  grossem  Masstab  und  bis  in  die  kleinsten  Einzeln- 
heiten —  auch  ist  seine  Behandlung  der  Farben  so  frisch  und  naturge- 
mäss,  dass  ihr  Anschauen  das  Auge  nicht  im  geringsten  ermüdet.)  Ein 
zweites  Panorama,  die  Krater  von  Thoumatou  und  Manganie,  die  Manukau- 
Spitzen  und  das  nördliche  Ufer  des  Hafens  von  Manukau  umfassend,  hat 
Herr  Selleny  vom  vulcanischen  Berg  „Te  Olmopuni."  ganz  nahe  an 
Mr.  R.  Robertsons  Besitzung  aufgenommen.  —  Bei  der  Aussicht  von 
Mount  Richmond  fiel  unseren  österreichischen  Gästen  die  Nähe  der  Ge- 
wässer von  Wachemata  und  Manukau  an  dem  Tragplatz  {„portage")  von 
Otahuhu  auf  und  alle  sprachen  sich  über  die  Verbindung  unserer  beiden 
Haupthäfen  der  Ost-  und  Westküste  mittels  eines  Kanals  für  Seeschiffe, 
als  über  etwas  sehr  Wünschenswerthes  aus.  Ihrer  Ansicht  nach,  fordert 
die  commercielle  Gegenwart  und  Zukunft  von  Auckland  eine  solche  Un- 
ternehmung, deren  Ausführung  nicht  auf  unübersteigbare  Hindernisse  stossen 
würde.  Auf  den  weitern  Weg  über  Otahuhu  hinaus,  bemerkten  unsere 
Gäste  die  stetige  Reihe  grasreicher  und  sorgfältig  eingefriedeter  Weide- 
plätze, das  wohlgenährte  Hörn-  und  Schaf- Vieh  und  die  behaglichen 
Wohnstätten  an  beiden  Seiten,  namentlich  Mr.  Overton's  Wohnhaus, 
welches  (mit  Recht)  als  ein  Muster  echt  englischer  Ordnungsliebe  her- 
vorgehoben wurde.  Nicht  minder  Ehre  machten  unserem  jungen  Staate  die 
neuesten  und  noch  fortdauernden  Verbesserungen  der  Strasse  nach  Papa- 
kura   und    die    zeitweisen    Stösse    auf   den    neu    angelegten    Strecken    wur- 

5* 


64  Versammlung  am  5  April  1859 

den  als  erträglich  in  Vergleich  zu  denen  auf  den  „Corduroy-Strassen"  in 
den  Hinterwäldern  der  Vereinigten  Staaten,  und  als  ein  Beleg,  dass  es 
der  Provinzial-Regierung  mit  dem  Aufschlüsse  des  Landes  Ernst  sei,  ge- 
lassen hingenommen.  —  Wie  viele  geologische,  entomologische,  bota- 
nische, taxidermische  Exemplare  längs  des  Wegs  von  den  Herren  Hoch- 
stetter,  Frauen feld  und  Jellinek  eingesteckt  wurden,  lässt  sich 
ebensowenig  berechnen,  als  wie  viele  kleine  Skizzen  von  Herrn  Selleny 
daguerrotypirt  wurden  und  wie  viele  statistische  Thatsachen  und  Ziffern 
sich  in  Herrn  Haast's  Gedächtniss  anhäuften;  so  viel  ist  gewiss,  dass 
nach  eiliger  Durchforschung  der  Papakura  Bucht  („reek"J  eine  grosse 
Kiste  von  Gegenständen  aller  Art  verpackt  und  nach  Auckland  abgesendet 
wurde,  bevor  die  deutschen  Naturforscher  Mr.  Young's  Haus  erreicht 
hatten,  und  dass  dabei  noch  genug  übrig  blieb,  um  zwei  andere  Kisten 
zu  füllen.  —  Nach  der  Ankunft  in  Mr.  W.  J.  Young's  „Drury  Hotel" 
(nunmehr  ein  grosses  zweistöckiges  Haus,  mit  vortrefflicher  Unterkunft) 
erschienen  die  essbaren  Erzeugnisse  des  Bezirks  von  Drury  vor  einer 
wissenschaftlichen  Ratbsversammlung  und  erhielten  die  günstigste  Anerken- 
nung. Zu  Drury  war  das  „Settiers  Exploration  Comitte'e"  in  voller  Zahl 
versammelt,  und  hier,  wie  längs  des  ganzen  Weges  ertheilten  die  Herren 
Cläre,  Middlunass,  Hay,  Runcoman,  ('nie,  Pollok,  S.  Hall  u.  A. 
eine  Menge  trefflicher  Auskünfte.  —  Vorerst  besah  man  das  Kohlenflötz 
auf  Mr.  Turnbull's  Grundstück,  dann  die  Kohlenschürfungen  der  Herren 
Pollok,  Campbell  und  Folwell's,  und  wir  glauben  aussprechen  zu 
dürfen,  dass  Dr.  Hochstetter  keinen  Grund  habe,  zu  bezweifeln,  dass 
diese  Kohlen  alle  einen  und  denselben  Character  tragen  und  vielleicht 
einem  einzigen,  weit  ausgebreiteten  Flötz  angehören.  Es  genüge  hier  die 
Thatkraft  zu  bezeichnen,  welche  die  Ansiedler  mit  dem  kleinsten  Geld- 
capital,  aber  mit  der  grössten  Beharrlichkeit  entwickeln;  ein  Beispiel 
davon  sind  die  von  den  Herren  Peter  Smith  und  W.  Cooper  eröffneten 
und  nunmehr  ausgebeuteten  Kalkstein-Brüche;  beide  hatten  kein  anderes 
Anfangscapital  als  Arbeitskraft  und  Thätigkeit,  das  Beste  in  einer  dicht- 
bewaldeten Gegend,  wie  die  von  Hunua  (zu  welcher  jetzt  eine  Strasse 
augelegt  wird,  und  welche  hoffentlich  bald  eine  der  ertragreichsten  der 
Provinz  werden  wird).  —  Im  Allgemeinen  hat  Dr.  Hochstetter  in  un- 
seren Kohlen-  und  Kalksgebieten  Meeres-Fossilien  von  viel  höherem  Alter 
gefunden,  als  man  es  bisher  für  die  geologischen  Gebilde  Neu-Seeland's 
angenommen  bat;  Kohle  und  Kalkstein  sind  reichlich  und  von  bester  Be- 
schaffenheit vorhanden;  die  bereits  aus  dem  Kalk  bekannten  organischen 
Reste  werden  ihm  selbst  und  spätem  Forschern  die  Mittel  bieten,  un- 
sere Kohlengebilde  mit  ähnlichen  der  alten  Welt  zu  vergleichen  oder  zu 
identificiren.  Bisher  hat  man  —  unseres  Wissens  —  in  der  Kohle  von 
Opaheke  (Drury)  und  Hunua  keine  Pflanzenreste  entdeckt.  —  Wir  er- 
wähnten bereits,  dass  der  Commandant  und  die  Officiere  der  Novara- 
Expedition  über  die,  unter  so  vielen  Schwierigkeiten  in  so  kurzer  Zeit 
in  Stadt  und  Land  bewirkten  Fortschritte  ihre  Ueberraschung  ausgespro- 
chen haben.  Wir  haben  gesehen,  dass  der  Künstler,  Herr  Selleny, 
reichliche  Beschäftigung  findet.  Wir  mögen  beisetzen,  dass  der  Botaniker, 
Herr  Jellinek,  die  Neu-Seeländer  Wälder  in  Reichthum  des  Laubes, 
Verschiedenheit  der  Färbung  und  allgemeinen  Eindruck  denen  der  Tro- 
penländer gleichstellt,  vor  denen  sie  die  leichtere  Zugänglichkeit  voraus 
haben.  Was    die    befiederten    Bewohner    der    Wälder    und    Farnkraut- 


F.  Foetterle.  65 

Striche  von  Auckland  betrifft,  erachtet  die  Expedition,  nach  ihrer  eigenen 
Erfahrung  an  Ort  und  Stelle,  dass  Neu-Seeland  dem  Ornithologen  ein 
weites  Feld  bietet;  ihnen,  wie  allen  andern  Beobachtern,  ist  die  Ab- 
wesenheit   aller    Vierfüsser    auf  einer    so    grossen   Insel    aufgefallen. 

Ausflug    nach    Mangatawhiri    und    an    den    Waikato. 
Dieselben    Personen,    welche    den    Ausflug    nach    den    Kalk-    und    den   Koh- 
lengebieten    von    Hunua    und    Drury    gemacht     hatten     (mit    Ausnahme    des 
Capitäns,    Baron    Pöck,    und    Herrn    Purchas,    welche    nach   Auckland    zu- 
rück   mussten),     brachen     in    2    Abtheilungen   (die    erste:   Herren    Selleny, 
Kr  onowette  r,    Haast    und    Drummond    Hay,   welchen  letzteren  Se.  Exe. 
der    Herr    Gouverneur    der   Expedition     für    die    Zeit    ihres    Verweilens    in 
Auckland    zugetheilt    hatte,    am    Dinstag    28.    December  Nachmittags    —    die 
zweite:    Herren   Dr.    Hochstetter,    Frauenfeld,     Jellinek,     Ninnis, 
Smallfield    und   Heaphy,    am    Freitag    31.   December    Morgens)    auf,    um 
Mangatawhiri    und    von    dort   den   Waikato   zu   besuchen.    Beide  Abtheilungen 
hatte    Mr.    Young    mit   Pferden    versehen,     welche    an    die    ersten     engen 
Pfade    der     ersten    Ansiedler    und    Beisegesellschaften    gewöhnt   waren,     und 
unsere    Gäste    zeigten    sich    überrascht,     dass    man    bei     so    kurzer   Voran- 
meldung   und     in    solcher    Entfernung     von    der    Hauptstadt     so    vorzügliche 
Pferde   habe    auftreiben    können.    Dieser    Umstand    stellte    die   Thatkraft    der 
vorgeschobenen     Ansiedler      längs     des    Verlaufs     der     grossen    Südstrasse 
in     ihrer    Meinung     noch     viel     höher.      Ueber      R  u  n  c  i  m  a  n's     Pachthof 
(dessen  vorgerückte    Cultur    dem   Eigenthümer    grosse    Ehre    macht),    folgte 
die    Reisegesellschaft    der    grossen    Südstrasse,     häufig    Halt    machend,    um 
ihre     Sammlungen     zu     vermehren     oder     um     die     ausgebreiteten    Aussich- 
ten    zu     bewundern,     die     sich     allmälig  vor   ihr    aufthaten,    je    weiter    sie 
gegen    den   Mittelpunct    des    Waldes    hinaufstiegen,    bis    endlich    ihre  Blicke 
die    ganze  Gegend   im  Süden    dos  Manukau   Hafens  und  dies    schöne  Gestade 
selbst,    mit    allen    seinen    zahlreichen    Meeresarmen    und    Buchten,     umfassen 
konnten.    Chiskolm's    Bush   gefiel    unsern    Gästen    besonders    und    gab    ihnen 
den   besten    Begriff   von    der  Wald-Vegetation  Neu-Seeland's;    Hr.    Selleny 
nahm    dort    zwei    schöne   Ansichten    auf.    Indess    gaben     ihnen    die    Arbeiten 
der   Strassenleute    und    solcher    Ansiedler,   wie  Mr.    Martin,   noch    bessere 
Gelegenheit,    die    geologischen    und    botanischen    Eigenthümlichkeiten    dieses 
Anfangs    der   fruchtbarsten    Striche   im   Süden   dieser  Provinz   wahrzunehmen 
und     zu     prüfen.     Weit    entfernt,     die    nächsten    Einwanderer     darüber     zu 
bedauern,    dass    ihnen    nicht   mehr    Grundstücke    in    der  nächsten   Umgebung 
von    Auckland    und    dessen    Vorstädten    zur    Wahl    vorliegen,     waren    unsere 
Gäste    vielmehr    einstimmig     der   Ansicht,     dass     der     nunmehr     durch    die 
grosse   Südstrasse    über  Drury    hinaus   aufgeschlossene  Landstrich    in    seiner 
Beschaffenheit  die  meisten  Ländereien   des  Bezirks   von  Auckland  übertreffen, 
und    dass,    wenn    mehr    solche    Gründe   zu   haben    wären,    sie  —  ungeachtet 
ihrer   Entfernung    von     der    Hauptstadt   —    den    Vorzug    verdienen    würden. 
Diese   Meinung    theilen    wir    selbst   und   jeder  verständige    Einwanderer,   der 
einige    Tage    auf  persönliche   Besichtigung    dieses    und    des    Waikato-Bezirks 
der    Provinz    verwenden    will,    wird    sich    dazu    bekennen.    Ein    Gleiches    gilt 
zum    grössten  Theil    von    den    Landstrichen    längs    der    grossen    Nordstrasse 
und    von    anderen   nördlichen    Ländereien,    welche,    nach    den    verschiedenen 
gesetzlich   bestimmten    Weisen,    für     die    Auswahl    offen    liegen     oder    doch 
nächstens    offen    liegen    werden.    Dies    liegt   indess    für  jetzt  ausserhalb   un- 
serer Aufgabe;     wir    behalten    uns    vor,     bei    nächster    Gelegenheit    unsere 


66  Versammlung  am  5.  April  1859. 

Bemerkungen  über  den  stetigen  und  richtig  geleitenden  Fortschritt  der 
Ansiedlung  und  der  Urbarmachung  in  diesen  fruchtbaren  Gegenden  mit- 
zutheilen  und  dabei  denen  Ehre  zu  geben,  welchen  Ehre  gebührt.  — 
Nicht  allein  fruchtbares  Erdreich  liegt  längs  der  Strassenlinie,  sondern 
auch  überall  vertheilt,  ergiebige  Vorräthe  von  basaltischem  und  anderem 
Gestein,  als  taugliches  und  leicht  zugängliches  Material  zum  Strassenbau ; 
von  dieser  Seite  waltet  keine  Besorgniss  ob.  Die  Aushauung,  der  Bau 
und  die  Ueberbrückung  der  Strasse  schreitet  jetzt  rasch  und  in  einer, 
die  Unternehmer  sehr  ehrenden  Weise  fort  und  unter  den  Strassenar- 
beitero  finden  sich  verständige  und  gefällige  Leute,  bereit,  alle  ihnen 
zugängliche  Auskunft  zu  geben  und  Besuchern  ein  gastliches  Obdach  zu 
bieten.  Der  Einschnitt  in  Rafor-back  Hill  bietet  eine  gute  Gelegenheit 
zur  Untersuchung  der  tiefern  Schichten  des  ansteigenden  Bodens,  den 
die  Strasse  durchzieht.  Wir  führen  nebenbei  an,  dass  bei  einem  Halt  an 
Mr.  D  a  w  s  o  n's  „Whare,"  an  der  Strasse,  "wo  die  Reisegesellschaft  eine 
Tasse  Thee  nahm,  ihnen  ein  Theil  eines  Süsswasser-Fisches  angeboten 
wurde,  der  an  Grösse  und  feinem  Geschmack  den  besten  Forellen  des 
Mutterlandes  gleichsteht.  Er  war  in  einem  der  schönen,  die  Umgegend 
durchfliessenden  Wässer  gefangen  worden  und  bei  fernerer  Aufschliessung 
des  Binnenlandes  dürfte  es  sich  herausteilen,  dass  unsere  fliessenden  Süs- 
wässer  nicht  so  arm  an  essbaren  Fischen  sind,  als  man  behaupten  wollte. 
—  Vom  gegenwärtigen  Grenzpuncte  der  breiten  Rodung  für  die  Südstrasse 
brachte  ein  von  den  Eingebornen  ausgetretener  Pfad  nach  Mangatawhiri 
auf  einen  Umweg,  der  durch  die  Auffindung  vieler  schöner  Farne  und 
merkwürdiger  Insekten  reichlich  aufgewogen  wurde,  und  beim  Austritt 
aus  dem  Dickicht  brachte  ein  rascher  Quermarsch  über  das  offene  Farn- 
land die  Gesellschaft  nach  Mangatawhiri,  gerade  oberhalb  der  schönen 
Getreidemühle  mit  Wasserkraft,  welche  Mr.  Chandler  eben  für  einge- 
borne  Eigenthümer  aufbaut.  Eine  zahlreiche  Schaar  Maories  (einige  mit 
ungewöhnlicher  Sorgfalt  in  ihrer  eingebornen  oder  doch  am  wenigsten 
europäisirter  Tracht  gekleidet)  sammelte  sich  vor  dem  ansehnlichsten  „Whare" 
des  Dorfes,  welches  Mr.  Drummond  Hag  zur  Aufnahme  der  Gesell- 
schaft in  Beschlag  genommen  hatte  und  hier  arbeitete  eben  Hr.  Selleny 
eifrig  an  seiner  dritten  Skizze,  deren  Naturtreue  ihm  mehr  Vorbilder 
zuführte,  als  er  mit  aller  seiner  künstlerischen  Stenographie  wiedergeben 
konnte.  —  Nach  einer  Rast,  die  ein  förmlicher  Sturm  aus  den  Bergen, 
die  tropische  Hitze  des  Tages  abkühlend,  um  2  Stunden  über  die  fest- 
gesetzte Zeit  verlängert  hatte,  bestieg  die  ganze  Gesellschaft  (mit  Aus- 
nahme der  Herren  Kronowetter  und  Haast,  welche  in  einem  Kanot 
vorangefahren  waren)  zwei  grosse  Boote,  jedes  mit  10  Eingebornen  be- 
mannt, welche  sie  geschickt  über  Mangatawhiri  Creek  hinabführten,  In 
der  ersten  i*/,  Meile  ist  der  Strom  so  eng,  dass  man  nicht  begreift, 
wie  so  grosse  Fahrzeuge  durch  seine  Windungen  gelangen  können,  da 
in  manchen  Fällen  kein  zollfreier  Raum  übrig  bleibt.  Am  Ufer  finden 
sich  Wasservögel  in  Menge,  deren  einen  ein  Eingeborner  sehr  geschickt 
mit  seinem  Ruder  aufspiesste.  Die  Gegend  wurde  hervortretender,  je 
näher  man  dem  Höhenzug  kam,  der  das  Gebiet  des  Waikato  abgränzt ; 
erst  nach  einer  jähen  Wendung  und  einigen  Ruderschlägen  gelangten  die 
Boote  in  diesen  schönen  Fluss,  wo  dann  die  Gesellschaft  erst  einen  Be- 
griff von  der  zu  erwartenden  prächtigen  Gegend  erhielt.  „Dies  ist  ja 
der   Rhein,    wieder    unser   schöner   Rhein   und    seine    Umgebung    mit    ihren 


F.  Foetterle.  67 

dichtbewaldeten  Höhenzügen;"  „dies  kömmt  einigen  der  schönsten  Stri- 
chen unseres  Rheingaues  gleich,"  riefen  die  Deutschen  unter  uns  aus, 
und  ausser  Herrn  Selleny  holten  auf  der  Strecke  bis  Tuakau  mehrere 
Andere  ihre  Zeichenbücher  hervor.  Tuakau  ist  ein  Landungsplatz  nahe 
an  einer  grossen  gleichnamigen  Ansiedlung  der  Eingebornen.  Das  ringsum 
weithin  gerodete  Land  hat  trefflichen  Boden  und  ist  gut  angebaut.  Hier 
fand  sich  unser  Vortrab,  der  stecken  geblieben  war,  da  keiner  von 
ihnen  die  Sprache  und  die  Geberden  der  Maories  verstand,  wieder  beim 
Hauptcorps  ein:  das  neueste  „Whare*  wurde  für  die  Nacht  und  den 
nächsten  Tag  in  Beschlag  genommen;  ein  Backofen  nach  Landesart  wurde 
der  deutschen  Gäste  wegen,  die  nie  dergleichen  gesehen,  aufgeführt 
und  diese  benutzten  die  letzte  Tageshelle,  um  die  eingesammelten  Gegen- 
stände in  Ordnung  zu  bringen  und  die  wunderbaren  Naturreize,  die  sie 
umgaben,  zu  gemessen.  Bald  nach  acht  Uhr  meldete  Hohepa,  einer 
von  Mr.  Heaphys  eingebornen  Dienern,  der  „Soyer"  der  Expedition, 
dass  das  Diner  („spuds"  und  Schweinefleisch)  fertig  und  auf  frisch  ab- 
gepflückten Farnkraut  und  mit  Shawls  bedeckt,  servirt  sei.  Die  Gesell- 
schaft —  um  die  Worte  der  Berichterstatter  über  anspruchsvollere  Ga- 
stereien zu  gebrauchen  —  Hess  dem  reichlichen,  wenn  auch  einfachen 
Mahle  das  Recht  wiederfahren,  welches  echter  Hunger,  durch  starke  und 
andauernde  Bewegung  im  Freien  geschärft,  nie  versagt.  Es  war  der  31. 
December  1858  und  die  Reise-Gesellschaft,  welche  (den  Maori  Diener 
ungerechnet,)  Engländer,  Schotten,  Irländer,  Deutsche  und  Slaven  unter 
ihren  Genossen  zählte,  bereitete  eine  Feier  des  Jahreswechsels  vor,  an- 
gemessen den  Ereignissen,  welche  so  verschiedenartige  Elemente  vereinigt 
hatte  und  geeignet,  eine  angenehme  Erinnerung  für  spätere  Zeiten  zu- 
rückzulassen. Charakteristiche  Studenten-  und  andere  Volks-Lieder,  engliche, 
schottische  und  irische  Gesangsweisen  und  Liebes-Lieder  in  der  Maori- 
Sprache,  vom  Diener  vorgetragen,  bildeten  ein  echt  cosmopolitisches  Vo- 
cal-Concert.  Die  Gesundheit  des  Kaisers  von  Oesterreich  und  der  Königin 
Victoria  wurden  mit  Begeisterung  ausgebracht  und  mit  Absingung  der  be- 
treffenden National-Hymnen  begleitet,  in  einer  Weise,  die,  Dank  der  mu- 
sikalischen Ausbildung  der  deutschen  Sänger,  jedem  Concertsaale  Europa's 
Ehre  gemacht  hätten.  Nachdem  3  bis  4  Stunden  in  solcher  Weise  höchst 
angenehm  vergangen  waren  und  man  das  Neujahr  in  aller  Form  bewill- 
kommt  hatte,  ging  man  neue  Kräfte  für  das  nächste  Tagwerk  zu  sam- 
meln. Dieses  fing  bereits  um  6  Uhr  Morgens  an.  Der  schöne  Strom, 
der  das  Dorf  durchschneidet,  bot  ein  anlockendes  Bad  und  an  seinem 
Ufer  fanden  Geologen,  Botaniker,  Künstler  und  Zoologen  reichlichen 
Stoff  zur  Thätigkeit.  Die  Eingebornen,  gelockt  durch  die  Aussicht  auf 
die  verheissenen  Jieka  pennies"  brachten  verschiedene  merkwürdige  Ge- 
genstände. —  Der  Rückweg  nach  Drury  ging  durch  Tuakou  und  die 
dazwischen  liegenden  Wälder  —  deren  Thäler  mehrere  schöne  Ströme  vortreff- 
lichen Wassers  durchlaufen ,  dann  über  einen  beträchtlichen  Theil  von 
Mr.  Wate  r's  ausgebreiteten  Weidegründen,  welche  sich  eben  jetzt  reich- 
lich mit  europäischen  Grase  und  rothem  Klee  bedecken.  Ein  Theil  der 
Gesellschaft  ging  voran  den  Pferden  entgegen,  welche  man  auf  einem 
andern  Weg  zurückgeschickt  hatte ;  die  Uebrigen  sollen  in  2  bis  3 
Stunden  nachfolgen.  Als  beide  den  Aushau  betraten,  den  Mr.  Waters 
vornehmen  lässt,  um  seinem  Viehe  den  Zugang  zu  den  Weidegründen  zu 
eröffnen,    sollten    sie,    bei    aller    Achtung,     die     dies    Unternehmen    verdient, 


68  Versammlung  am  5.  April  1859. 

aus  eigener  Erfahrung  lernen,  welche  Schwierigkeit  sich  in  diesem  dicht- 
bewaldeten Landstrichen  dein  einzelnen  Ansiedler  entgegenstellen,  welcher 
nicht  die  Mittel  hat,  seine  abwesenden  oder  ungefälligen  Nachbarn  zu 
zwingen,  zu  einem  Unternehmen  beizutragen,  das  an  und  für  sich  ihren 
eigenen  Besitztümern  zu  Guten  kommt,  und  welches  sie  selbst  ohne  Be- 
denken benutzen,  wo  und  wann  es  ihnen  beliebt.  Die  7  bis  acht  Meilen 
lange  Strasse  durch  das  Dickicht,  deren  zunächst  an  Drury  gelegener 
Theil  —  wenn  wir  nicht  irren  —  durch  Mr.  Joseph  New  man  aus- 
gehauen worden,  war  durch  den  versperrten  Zugang  von  Licht  und  Sonne 
für  die,  welche  solcher  Reisen  ungewohnt  sind,  höchst  beschwerlich,  und 
beide  Abtheilungen,  auch  nachdem  sie  ihre  Pferde  wieder  gefunden  hat- 
ten, brauchten  an  4  Stunden,  um  diese  Strecke  zurückzulegen.  Der  schöne 
Strom    am    Fusse    von    Mr.    Burt's    Pachthof   war  Allen    willkommen. 

Bei  der  Abendversammlung  in  Young's  Hotel,  sprachen  die  Mit- 
glieder der  wissenschaftlichen  Commission  und  die  übrigen  deutschen 
Gäste  den  Herren,  welche  im  Auftrag  Sr.  Exe.  des  Herrn  Gouverneurs 
Gore  Brown  und  des  Herrn  Vorstehers  der  Provinz,  sie  begleitet  hatten, 
das  ausnehmende  Vergnügen  aus,  welches  ihnen  bei  dem  Besuch  dieses 
schönen  Bezirks  der  Provinz  zu  Theil  geworden  war  und  ihre  Hoffnung, 
dieser  Besuch  für  Auckland  und  Neu-Seeland  in  mehr  als  einer  Rich- 
tung nicht  ganz  fruchtlos  bleiben,  und  jedenfalls  ganz  gewiss  beitragen 
werde,  die  deutsche  Einwanderung  dorthin  zu  lenken.  Sie  dankten  ihren 
Führern  für  die  ihnen  während  der  Reise  erzeigte  Aufmerksamkeit  und 
für  die  Weise,  in  der  sie  die  gastfreundlichen  Gesinnungen  der  Provinzial- 
Regierung  bethätigt  hatten;  warmer  Dank  ward  auch  Mr.  und  Mrs.  Young 
für  ihre  eifrigen  Bemühungen  in  ihrem  Hotel,  der  sich  bei  so  trefflicher 
Leitung  eines  fortdauernden  Gedeihens  zu  erfreuen  haben  dürfte,  den 
fremden  Gästen,  welche  dort  unter  dem  Schatten  ihrer  eigenen  Landes- 
farben aufgenommen  worden,  einen  behaglichen  Aufenthalt  zu  bereiten. 
Die  Herren  Drummond  Hag  und  Heaphy  erwiderten,  indem  sie  den  wissen- 
schaftlichen Gästen  für  den  unermüdeten  Eifer,  mit  der  sie  ihre  Aufgabe 
zum  Nutzen  der  Provinz  Auckland  durchgeführt  hatten,  und  für  die  werth- 
volle  Belehrung,  welche  die  Sprecher  selbst  und  alle  Ansiedler,  die  mit 
ihnen  in  Berührung  gekommen  waren,  von  ihnen  empfangen  hatten, 
ihren  Dank  aussprachen.  Herrn  H  a  a  s  t  wurde  gleichfalls  der  Dank  ge- 
bracht, für  das,  was  er  zur  Annehmlichkeit  des  Ausflugs  beigetragen 
hatte  und  für  seine  bereitwilligen  und  gewandten  Leistungen  als  Aus- 
leger, wo  immer  auf  einer  oder  der  anderen  Seite  das  Verständniss  über 
einen  einzelnen  Punct  Schwierigkeiten  hatte  oder  genaue  Auskunft  ver- 
langt wurde.  Die  Rückreise  nach  Auckland  ging  ungefähr  eben  so  vor 
sich,  wie  die  von  Auckland  nach  Drury.  Nach  ihrer  Ankunft  gingen 
die  Mitglieder  der  wissenschaftlichen  Commission  an  die  Aufbewahrung 
des    Gesammelten    und    an   die   Aufzeichnung    ihrer    Wahrnehmungen. 

Nunmehr  nehmen  wir  Abschied  von  diesem  Zweige  der  Expedition 
und  führen  nur  noch  an,  dass  die  Herren  Dr.  Scherzer  und  Dr. 
Schwarz  ihre  anthropo-metrischen  Messungen  an  Eingeborenen  fortgesetzt 
haben  und  dass  der  Herr  Commodore  v.  Wüllerstorf  und  der  Com- 
mandant  der  Novara  in  Begleitung  der  Herrn  Dr.  Scherz  er,  Dr. 
Schwarz  und  Fischereinen  Ausflug  in  die  Kauri-Wälder  des  Maaukau 
vorgenommen,     der     ihnen     sehr      wohl     gefiel.      Die     Novara     sollte    am 


Pr,  I.  Zhishman.  ßü 

gestrigen  Abend  (2.  Jänner  1859)  absegeln,  ward  aber  durch  das  Um- 
springen   des    Windes   nach    Nordost    zurückgehalten. 

Herr  Professor  Dr.  Fr.  Müller  gab  eine  Schilderung  seiner  im 
Auftrage  des  hohen  k.  k.  Ministeriums  für  Cultus  und  Unterricht  zu 
Ende  des  Jahres  1851  nach  Grodno  und  in  dem  Bialowescher  Wald  in 
Russland  unternommenen  Reise,  so  wie  der  in  dem  letztgenannten 
Walde    lebenden   Auerochsen.     (Siehe  Abhandlungen  dieses  Heftes    Nr.   XIII.) 

Herr  Doctor  J.  Zhishman  brachte  seinen  in  der  Versammlung  vom 
15.  März  begonnenen  Vortrag  über  die  Züge  Alarich's  zum  Abschlüsse.  Er 
ging  von  der  geographischen  Bestimmung  jener  Gebiete  aus,  welche 
Alarich  seit  dem  Jahre  396  in  Besitz  genommen  hatte  und  verfolgte 
nach  einer  eingehenden  Darstellung  der  Ursachen,  welche  Alarich  zum 
Aufbruche  nach  Italien  veranlassten,  die  Wege,  auf  welchen  er  mit  sei- 
nen Gothen  dahingelangte.  Die  Ansicht,  als  sei  Alarich  durch  Dalma- 
tien  bis  Aquileja  vorgedrungen,  wurde  als  unhaltbar  erklärt,  dagegen 
sprechen  entscheidende  Gründe  dafür,  dass  Alarich  sich  anfangs  auf  der 
via  Egnatia  bewegte,  bei  Heraclea  einbog,  und  durch  das  Thal  des 
Margus  über  Singidunum,  Sirmium  Sisia  und  Emona  nach  Italien  kam. 
Der  Verlauf  des  Vortrages  zeigte  übrigens,  dass  er  weder  im  Jahre  400 
noch  im  Jahre  408  als  Feind  in  Italien  erschien,  sondern  diess  nur  bei 
einem  zweiten  Einfalle  im  Jahre  402  der  Fall  war.  Sonach  war  der 
feindliche  Angriff,  den  er  am  Timarus  erfuhr  ein  unerwarteter  und  der 
schleunige  Rückzug  durch  das  Isonzothal  oder  über  Forum  Julium  in  das 
Drauthal  eine  nothwendige  Folge.  Hier  zog  A  1  a  r  i  c  h  Verstärkungen  an 
sich,  rückte  dann  durch  das  obere  Drauthal  in  Rhätien  ein  und  kam 
Ende  des  Jahres  402  durch  das  Etsohthal  nach  Italien.  Die  darauf  fol- 
genden Bewegungen  sind  leichter  nachzuweisen.  Alarich  kam  bis  zur 
Condinianischen  Brücke,  wo  der  dritte  Moilenzeiger  von  Ravenna  stand. 
Da  ihm  dort  der  Antrag  des  H  o  n  o  rius  zukam,  sich  entweder  in  Spa- 
nien oder  in  Gallien  Wohnsitze  zu  suchet),  entschied  er  sich  für  das 
letztere,  rückte  gegen  Bononia  und  schlug  bei  Placentia,  statt  den  Padus 
zu  übersetzen,  seine  Richtung  gegen  den  Tanarus  ein.  Bei  Polentia  kam 
es  am  29.  März  403  zur  Schlacht,  über  deren  Ausgang  die  Nachrichten 
so  verschieden  lauten.  Es  war  demnach  wichtig,  darauf  hinzuweisen, 
dass  sich  Alarich  in  jedem  Falle  noch  kräftig  genug  fühlte,  um  durch 
Ligurien  wieder  zurückzugehen,  wo  es  zu  neuen  Verhandlungen  kam. 
Sie  hatten  zur  Folge,  dass  sich  Alarich  über  den  Padus  zurückzog  und 
über  Cremona  gegen  Verona  kam.  Dass  es  dort  wieder  zu  einer 
Schlacht  kam,  liess  sich,  wenn  auch  Claudia  nus  der  einzige  Gewährs- 
mann ist,  aus  mehreren  seiner  Angaben  mit  einiger  Bestimmtheit  nach- 
weisen; eben  so  auch,  dass  Alarich  mit  seinem  durch  Gefechte  und 
Krankheiten  geschwächtem  Heere,  nachdem  er  anfangs  nach  Rhätien  zu 
entkommen  gesucht  hatte,  nur  durch  einen  der  ihm  schon  seit  dem 
ersten  Zuge  bekannten  Alpenpässe  in  das  Drauthal  zurückkehren  konnte, 
wo  er  stehenblieb. — Dr.  Zhishman  wies  dann  auf  das  Verhältniss  hin,  welches 
sich  seit  dem  Abzüge  Alarich's  aus  Italien  zwischen  diesem  und  dem  römi- 
schen Hofe  bis  zum  Jahre  408  immer  freundlicher  gestaltete.  Anfangs  han- 
delte es  sich  um  die  schon  längst  beabsichtigte  Eroberung  von  Illyrium,  an 
der  A  I  a  r  i  c  h  mitwirken  sollte.  Politische  Ereignisse  im  Innern,  der  Ein- 
fall der  Soeven  und  Alanen,  der  Tod  des  Kaisers  Arcadius  und  die 
Empörung   des  C  o  n  s  t  a  n  t  i  n  u  s    verzögerten   jedoch   die    Ausführung.     Da 


70  Versammlung  am  5.  April  1859. 

Alan* ch  darüber  unwillig  war,  so  machte  man  ihm  den  Antrag,  ob  er 
sich  mit  einem  aus  Pannonien  verstärkten  Heere  in  den  Arelat  zur  Be- 
kämpfung des  Co  nstantinus  begeben  wolle.  Alarich  nahm  ihn  an,  drang 
aber  vorsichtig  mit  einer  dreifachen  Masse  vor.  Der  erste  Theil  hielt 
aus  dem  Hauptlager  in  Emona  die  julischen  Alpenpässe  besetzt,  mit  dem 
zweiten  zog  er  nach  Noricum,  den  dritten  Hess  er  vorläufig  im  untern 
Drauthale  unter  der  Anführung  seines  Schwagers  A  t  h  o  u  1  f  zurück.  —  Für 
diesen  Zug  war  die  Stelle  bei  Zosimus  lib.  V.  c.  29  massgebend,  wess- 
halb  der  Vortragende  in  eine  nähere  Erörterung  derselben  einging.  Bevor 
A  I  a  r  i  c  h  Noricum  verliess.  um  auf  der  Strasse,  welche  von  Lauriacum 
nach  Aquileja  führte,  vorzurücken,  änderte  sich  jedoch  die  Sachlage, 
insbesondere  wurden  durch  die  Ermordung  Stilieh'on's  alle  früher  mit 
Alarich  verabredeten  Pläne  vereitelt.  Jetzt  forderte  er  wenigstens  den 
Ersatz  für  sein  so  langes  Zuwarten  und  die  Entschädigung  für  seinen 
gegenwärtigen  Zug  nach  Noricum:  rückte  aber  erst  dann,  als  ihm  beides 
verweigert  wurde,  und  mitten  unter  den  elenden  Kriegsrüstungen  des 
Honorius  auch  eine  Verfolgung  gegen  die  in  Italien  lebenden  Gothen 
begann,  zum  dritten  Male  (408)  über  Aquileja,  Concordia,  Altinum  und 
Cremona  in  das  mittlere  Italien  ein.  Da  die  folgenden  Bewegungen 
bei  der  grösseren  Genauigkeit  der  Quellen  keinen  Anlass  zu  einer 
neuen    Erörterung    biethen,    so    schloss   der  Vortrag. 

Eingegangene  Oruekschriften. 

Verhandlungen    und  Mittheilungen   des  niederöst.  Gewerbe  Vereines.    Wien    1859   Nr.  1 — 2. 

V  o  in  Vereine. 
Pester   Lloyd.    1859  Nr.  6?  — 74.  Von    der    Redaction. 

Zeitschrift   des  Vereines    für    hamburgische    Geschichte  n.F  I    1 — 4    Hamburg  i854 — 58. 

Vom   Vereine. 
P.  Herman    Bär,    vormals    des   Klosters  Eberbach  Priester   und  Busirer,    diplomatische  Ge- 
schichte der  Abtei  Eberbach  von  Rheingau.  Von  Dr.   K.  R  os  sc  1.  Wiesbaden  1851 — 58. 
Vom    Vereine   f.  nass.   Alterth.    und    Geschichte     in     Wiesbaden. 
Mitteilungen  von  J.   Perthes    geographische  Anstalt  über  wichtige     Erforschungen     auf 
dem  Gesammtgebiete  der   Geographie.  Von  Dr.    A.  Petermann.  Gotha  1858Nr.   12. 

Von  J.   Perthes    geogr.    Anstalt. 
Atti  dell'    I.    R.  Istituto    veneto    di   scienze,  lettere   ad    arti    Vol.    IV.     Ser.     III.   disp.    4. 
Venezia    1858 — 59.  Vom  k.   k.   Institut  der   Wissensch. 

Ausfria.    Wochenschrift   für    Volkswirtschaft  und   Statistik.    Wien    1859.   Nr.  12. 

Von  der  Redaction. 
Proceedings   of  the  R.   Geographica!   Society  of  ^London.  Vol.    III.   Nr.  2.  1859. 

Von   der   k.  Gesellschaft. 

Personalstand    und     Vorlesordnung   an     den    stand,    technischen     Lehranstalten     in    Gratz, 

vom    Studienjahre  1858 — 59.  Von    der  Direction. 

Bolletino   dell'   Istmo   di   Suez.    Torino  1859  Nr.  6.  Von    der   Redaction. 

Beitrag     zur    geographischen     Verbreitung    der   Tingideen.     Von    Dr.   G.   L.    Mayr.  Wien 

1858.  — Beitrag  zur   Ameisenfaunu    Busslands.  Von  Dr.  G.  L.  Mayr.  Stettin. 

Vom   Verfasser. 
Verzeichniss  der  Landkarten  im   Verlage    von    Artaria  et  C.  Wien  1859. 

Vom   Verleger. 

Die  oesterreichisehen  Höhlen.     Line   geographische  Skizze   von  Professor  Dr.  Ad.  Sc  h  mi  dl. 

Pest   1858.  Vom  Verfasser. 


71 

Versammlung  am  3.  Mai  1859. 

Der  Herr  Präsident  k.  k.  Sectionschef  K.  Freiherr  von  Czoernig 
führte    den    Vorsitz. 

Den  Statuten  entsprechend  wurde  Se.  Durchlaucht  K.  J.  Fürst  von 
Lobkowitz,  k.  k.  Statthalter  von  Nieder-Oesterreich,  zum  ausserordent- 
lichen   Mitgliede    gewählt. 

Der  Secretär  machte  die  Mittheilung  von  dem  Verluste  zweier  cor- 
respondirender  Mitglieder  durch  den  Tod ,  des  k.  württembergischen  Fi- 
nanzrathes  Dr.  Paul  von  Sick,  Ritter  des  kais.  österr.  Franz  Joseph- 
Ordens,  in  Stuttgart,  und  des  k.  bayerischen  Professors  Dr.  Otto  Sendt- 
ner  in  München;  ersterer  wohl  bekannt  durch  seine  statistischen  Arbeiten, 
namentlich  seit  der  Zeit  des  internationalen  statistischen  Congresses  in 
Wien,  letzterer  rühmlichst  bekannt  durch  seine  pflanzen -geographischen 
Werke,  und  als  einer  der  gründlichsten  Forscher  und  Gelehrten  auf  diesem 
Felde    allgemein    geachtet. 

Herr  Secretär  Foetterle  legte  eine  für  die  Mittheilungen  bestimmte 
Abhandlung  „Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn"  vom  Herrn  k.  k. 
Bergrathe  Franz  Ritter  von  Hauer  vor.  Letzterer  hatte  diese  Höhen- 
messungen bei  Gelegenheit  seiner  im  vorigen  Jahre  ausgeführten  geolo- 
gischen Uebersichtsaufnahme  des  nordöstlichen  Theiles  von  Ungarn  in  den 
verschiedensten  Richtungen  der  Comitate  Säros,  Zemplin,  Unghvär,  Beregh- 
Ugöcsa  und  Marmaros  vorgenommen;  und  sich  hiezu  theils  eines  Queck- 
silberbarometers, theils  eines  auf  der  Sternwarte  des  Herrn  Prälaten  E. 
Ritter  v.  Unkh  recht sberg  in  Olmütz  geprüften  B  o  ur  don'sehen  Metallbaro- 
meters bedient.  Mittelst  des  ersteren  wurde  insbesondere  die  Seehöhe  einer  An- 
zahl von  Fixpuncten  bestimmt,  auf  welche  dann  die  bei  kleineren  Aus- 
flügen gemachten  Beobachtungen  auf  dem  Bourdon'schen  Metallbarometer 
berechnet  wurden.  Als  Gegenbeobachtungen  wurden  die  Beobachtungen  der 
meteorologischen  Stationen  in  Ofen,  Kaschau,  Wallendorf  bei  Bistritz  in 
Siebenbürgen  und  Debreczin  benützt.  Auf  diese  Art  wurde  die  Bestimmung 
von  587  Höhenpuncten  in  einer  Gegend,  aus  der  bisher  eine  nur  äusserst 
geringe  Anzahl  von  Höhenbestimmungen  vorliegt.  (Siehe  diesen  Jahrgang 
2.    Heft    Abhandlungen   Seite    71.) 

Herr  Professor  Dr.  J.  R.  Lorenz  in  Fiume  sandte  eine  Mittheilung 
„über  die  Quellen  des  liburnischen  Karstes  und  der  vorliegenden  Inseln," 
welche  Herr  Secretär  Foetterle  vorlegte.  Wie  auf  dem  ganzen  Karst- 
gebirge so  sammeln  sich  auch  hier  die  atmosphärischen  Niederschläge 
nirgends  zu  anhaltenden  Bach-  oder  Fluss-Systemen,  sondern  versinken 
gleich  oder  nach  ganz  kurzem  Laufe  in  die  Spalten  und  Klüfte  des  Karst- 
kalkes. Man  findet  daher  auf  dem  Kalkplateau  gar  keine  Quellen,  und 
nur  die  Schneelöcher,  welche  theilweise  auch  im  Sommer  gefüllt  bleiben, 
biethen  einiges  Trinkwasser,  sowie  in  den  Gesenken  des  Plateaus  einige 
Quellen  zum  Vorschein  kommen,  welche  eine  constante  Temperatur  von 
6  bis  7  Grad  R.  besitzen.  Erst  dort  wo  in  den  tieferen  Theilen  am 
Rande  des  Plateaus  Sandstein  und  Schiefergebilde  auftreten,  treten  auch 
zahlreiche  Quellen  zu  Tage.  So  mit  dem  langen  Sandstein-Streifen  im 
Grunde  der  Thäler  Recina,  Draga,  Vinodol  und  am  unmittelbaren  Meeres- 
rande zwischen  Kantrida  bei  Fiume,  Buccari  und  Povilje  in  der  Militär- 
grenze. Alle  diese  Quellen  sind  Kalkquellen  von  grosser  Reinheit  und 
Frische,     und    haben    eine     constante    Temperatur    von   7    bis    8    Grad    R. 

MiitheiluD^en  der  k    k.  geographischen  Gesellschaft  HI.  Bd.  3.  Heft.  6 


72  Versammlung  am  3.  Mai  1859. 

Auf  den  Inseln  gibt  es  überall  nur  sehr  wenige  und  spärliche  Quellen, 
welche  ebenfalls  nur  an  der  Gränze  zwischen  Kalk  und  Sandstein  entstehen. 
(Siehe    diesen    Jahrgang    2.    Heft    Abhandlungen    Seite    103.) 

Herr  k.  k.  Sectionsrath  W.  Haidinger  legte  eine  eben  erhaltene 
gedruckte  Abhandlung  des  englischen  Capitäns  Spratt  vor,  „das  Delta 
des  Nil.  Eine  Untersuchung  über  die  Wirkung  der  vorwaltenden  Wellen- 
richtung auf  die  Sedimente  des  Nil."  Es  ist  diess  ein  wissenschaftliches 
Bild  der  Ablagerung  jener  gewaltigen  alljährlich  durch  den  Nilstrom  in 
das  mittelländische  Meer  geförderten  Massen  an  Sand  und  Schlamm,  und 
der  scharfen  Begränzung  derselben  in  ihrer  untermeerischen  Ausdehnung. 
Die  Aufnahmen  des  Herrn  Commandeurs  Mansell,  Lieutenants  Brooker 
und  Herrn  Fred.  Skead  gaben  die  Küsten-  und  Tiefenlinien.  Sorgfältig 
wurden  die  Boden-Proben  aufgenommen  und  untersucht,  und  230  an  der 
Zahl  in  dem  „Museum  of  Practical  Geology''  in  London  unter  der  Lei- 
tung von  Sir  B.  I.  Murchison  aufbewahrt.  Es  ist  leicht,  die  Nilfluthen- 
Absätze  von  eigentlichen  Meeres-Absätzen  zu  unterscheiden.  Erstere  sind 
immer  stark  kieselerdehaltig,  wie  diess  schon  Herr  Leonard  Homer  in 
den  Philosophical  Transactions  I.  18öö  nachgewiesen  hat.  Sie  enthalten 
nur  wenig  Kalkerde,  während,  was  vom  Meere  selbst  zugeführt  wird, 
stark  kalkhaltig  ist,  sowie  auch  die  Umgegend  von  Alexandrien.  Bis  zu  dieser 
Stadt,  ja  so  weit  nur  vom  Nil  entfernt  wie  Abukir,  kommt  auch  nicht 
die  Spur  eines  Nil-Absatzes.  Aber  diess  ist  das  characteristische  der 
Erscheinung:  die  Meeres-Strömung  treibt  allen  Absatz  des  Nil,  Sand  und 
Schlamm,  in  östlicher  Bichtung  fort,  vom  Rosette-Arm  wohl  eine  Strecke 
gerade  in  das  Meer  hinein,  dann  aber  östlich  bis  zum  Damiette-Arm  und 
von  dort  weiter  östlich  über  den  Golf  von  Pelusium,  Ghemil,  den  pro- 
jectirten  Kanalhafen  von  Said,  Mahemdie,  Ras  el  Ghels,  so  weit  die  Unter- 
suchung reichte,  und  nach  Capitän  Spratt's  Ansicht  bis  el  Ariseh  und 
an    die    Küste   von    Syrien. 

Der  Gürtel  des  Absatzes  von  kieselerdehältigem  Sand  und  Schlamm 
ist  etwa  12  englische  Meilen  breit.  Bei  13  Meilen  findet  man  auf  der 
Höhe  von  Bosette  in  31  Faden  Tiefe  keine  Spur  von  Nil-Absatz,  sondern 
reine  Meeresproducte,  Korallen,  Korallensand  oder  Muschelschalen-Bruch- 
stücke. So  wie  die  Meeres-Strömungen  wirken  nordwestliche  Stürme  auf 
die  Dünenbildung  und  Wanderung  auf  der  nördlichen  mehr  ausgesetzten 
Gegend  des  eigentlichen  Deltas.  Die  Dünen  sind  daselbst  viel  höher  als 
östlich  von  dem  Damiette-Arm.  Vieler  Sand  wird  von  diesem  aufgenommen 
und  sodann  abgesetzt  und  weiter  östlich  untermeerisch  verbreitet.  Oestlich  und 
in  der  Linie  der  Bohrungen  durch  die  internationale  Commission  kommt 
man  fast  überall  auf  Sandlager,  welche  wahre  Nil-Absätze  sind,  und  die 
durch  Graben  erreicht  eine  unerschöpfliche    Quelle    von    Sandquellen    liefern. 

WTas  einfaches  Ergebniss  unabhängiger  wissenschaftlicher  Forschung 
ist,  bezieht  nun  Capitän  Spratt  auf  das  vielbesprochene  Unternehmen 
der  Durchstechung  des  Isthmus  von  Suez  und  namentlich  die  Aussichten 
der  Anlage  des  beantragten  Hafens  von  Said,  welche  allerdings  wenig 
günstige  Erfolge  versprechen.  Fortwährend  wird  Sand  und  Schlamm  in 
dieser  Bichtung  zugeführt,  so  dass  die  schwierigsten  und  kostspieligsten 
Bagger-Arbeiten  nie  ruhen  würden,  vorausgesetzt  selbst,  dass  es  möglich 
wäre,  einen  einmal  durchgegrabenen  Kanal  offen  zu  erhalten.  Man  hat 
die  Schwierigkeiten  nur  mit  den  Erfordernissen  von  Malamocco  bei  Ve- 
nedig  verglichen,    aber    die    Vergleichung    ist  nicht  ausreichend,  man   müsste 


W.  Haidinuer.  H.  Wolf.  A.  Steinhauser.  7  3 

die  Absätze  des  Po  ins  Auge  fassen,  und  diese  geschehen  mehr  in  süd- 
licher Verbreitung.  Ravenna  ist  es  eher,  als  Malamocco,  das  man  mit 
dem  beantragten  Hafen  von  Said  im  Golf  von  Pelusium  vergleichen  müsste. 
Capitän  Spratt  ruft  die  Aufmerksamkeit  der  internationalen  Commission 
auf  alle  diese  Puncte :  „es  scheint  mir,  es  sind  diess  Lebensfragen  für 
das  Unternehmen,  und  nicht  hinlänglich  erörtert.  In  der  That  konnte  diess 
aber  auch  nicht  geschehen,  ohne  den  hier  erst  eingeschlagenen  Weg  der 
Untersuchung  der  Zustände  des  Mittelmeeres  und  des  Einflusses  der 
Meeresströmungen    auf   die  Absätze  aus  den  Nilfluthen  jenseits  seines  Delta." 

Es  ist  zu  hoffen,  dass  die  klare  Darlegung  der  Thatsachen,  wie  sie 
der  hocherfahrene  Verfasser  hier  gibt,  von  den  Personen  beherziget  werden 
wird,    welche    dieser    grossen    Frage    ihre    Theilnahme    schenken. 

Herr  H.  Wolf  legte  eine  Zusammenstellung  der  Strassen-,  Fluss- 
und  Eisenbahn-Nivellements  im  Honther  und  Neograder  Comitate  in  Un- 
garn   vor. 

Es  sind  12  einzelne  Nivellementszüge  mit  einer  Gesammtlänge  von 
75 y4  Meilen,  welche  auf  verschiedene  Vergleichungsebenen  bezogen  waren 
und  daher  nur  relative  Höhen  gaben,  die  unter  sich  im  keinem  Zusam- 
menhange   standen. 

Durch  zweckmässige  Auswahl  von  Puncten  aus  jedem  einzelnen  Ni- 
vellement gelang  es  dieselben  untereinander  zu  verbinden,  und  auf  die 
Seehöhe  des  Eisenbahn-Stationplatzes  Szobb  zu  beziehen.  Dieser  letztere 
wurde  von  der  des  Nordbahnhufes  abhängig  gemacht,  welche  bereits  bei 
einer  anderen  Gelegenheit  genau  bestimmt  wurde.  Hiedurch  ergab  sich 
die  Seehöhe  von  Szobb  mit  58.139  W.  Klafter,  von  welcher  sodann  die 
Seehöhen    aller    übrigen    Puncte    der    12    Nivellementszüge     abgeleitet    sind. 

Das  vorgelegte  Verzeichniss  weiset  deren  mehr  als  200  nach,  und 
es  gibt  eine  wesentliche  Bereicherung  des  hypsometrischen  Materials  zum 
Studium  der  orographischen  Verhältnisse  des  Honther  und  Neograder 
Comitates,  welches  innerhalb  der  letzten  4  Jahren,  von  den  in  A.  Sen- 
noner's  Verzeichnisse  im  Jahrbuche  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt 
1853  gegebenen  29  Nummern  mit  Zuzählung  der  von  dem  k.  k.  Kataster 
ausgeführten  und  den  in  den  Comitatskarten  und  in  der  neuen  Admiuistrations- 
Karte  Ungarns  angegebenen  trigonometrischen  Höhenbestimmungen,  und 
endlich  den  von  Herrn  Wolf  in  der  jüngsten  Zeit  ausgeführten  baro- 
metrischen Messungen  rasch  auf  nahezu  800  Nummern  gestiegen  ist.  (Siehe 
diesen   Jahrgang    2.    Heft    Abhandlungen    Seite    120.) 

Der  Hr.  k.  k.  Rath  A.  Steinhauser  brachte  die  ältesten  drei  Karten 
von  Bayern  (von  Apian,  Wein  er  und  Finkh)  und  eine  Auswahl  von 
Blättern  des  topographischen  Atlas  von  Bayern  zur  Ansicht,  als 
den  Anfang  der  Ausführung  einer  von  Sr.  Excellenz  dem  Herrn  Feld- 
marschall-Lieutenant und  General- Artillerie -Director  R.  v.  Hauslab  her- 
rührenden Idee,  sämmtliche  grosse  topographische  Arbeiten  Europas  nach 
und  nach  den  Mitgliedern  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft  zur  An- 
schauung zu  bringen  und  nebstbei  historische  Andeutungen  über  die  Be- 
gründung und  Fortbildung  der  betroffenen  topographischen  Arbeiten  zu 
geben.  Herr  A.  Artaria  erbot  sich  freundlichst  dazu  mit  allen  Mitteln 
seines  Bereiches  mitzuwirken.  Der  diessfalls  dem  Ausschuss  gemachte  An- 
trag   wurde    bereitwillig    genehmigt. 

Ausnahmsweise  wurde  bei  Bayern  auch  in  die  alte  Zeit  eingegangen, 
weil    dieses    Land    das    erste    in    Deutschland   war,    das    sich    einer    auf   ma- 

6* 


74  Versammlung  am  3.  Mai  1859. 

thematischen  Grundlagen  ruhenden  Karte  schon  vor  nahe  300  Jahren 
rühmen  konnte.  Apian's  Holzschnitt-Karte  von  22  Blattern  datirt  vom 
Jahre  1566.  Alle  späteren  (Weiner's  Copie  auf  Kupfer  vom  J.  1579, 
und  Finkh's  verkleinerte  und  auf  28  Quartblätter  ausgedehnte  Karte, 
welche  noch  Moreau  im  J.  1800  benützte)  beruhen  auf  ihr.  Hauptmann 
Aulitschek  verdanken  wir  die  ausführlichsten  Nachrichten  über  die  Be- 
gründung und  Fortschritte  der  bayerischen  Topographie.  Er  erzählt  uns, 
dass  Cassinis  Längengradmessung,  die  bis  Passau  reichte,  und  zu  welchem 
Behufe  er  eine  Basis  bei  München  mass,  einen  ersten  Anstoss  gab,  der 
jedoch  keine  thatsächlichen  Folgen  hatte.  Erst  um  die  Zeit  vor  und  nach 
dem  Luneviller  Frieden  vereinigten  sich  französische  und  bayerische  In- 
genieure unter  der  Direction  Abancourt's  (später  Bonn  es),  um  eine 
Militärkarte  des  bayerischen  Kreises  auszuarbeiten,  allein  wegen  zu  grosser 
Eile  wurde  nicht  genau  genug  gearbeitet,  und  als  später  im  J.  1807 
auch  die  Parcellvermessung  behufs  des  Steuerkatasters  eingeführt  wurde, 
war  es  nöthig,  die  von  Bonne  besorgte  zweite  Basismessung  ausge- 
nommen, die  Triangulirung  zu  wiederholen.  Das  von  Utzschneider, 
der  Triebfeder  und  Seele  der  Parzellvermessung,  gegründete  optische 
Institut  entwickelte  die  Talente  eines  Beichenbach,  Frauenhofe r  und 
Lieb  he  er  und  kam  dem  grossartigen  Unternehmen  hilfreichst  entgegen. 
Das  im  J.  1801  gegründete,  im  J.  1808  definitiv  unter  der  Leitung 
des  rühmlich  bekannten  Oberst  von  Riedl  (f  1809)  organisirte  topo- 
graphische Bureau  in  München  und  die  auch  im  Jahre  1808  ent- 
standene Steuer  -  Yermessungs  -  Co  mmissi  on  arbeiteten  bis  1816 
unabhängig  neben  einander,  endlich  wurde  bei  der  zweiten  Organisation 
des  ersteren  (im  Jahre  1816)  der  Operationsplan  ein  gemeinsamer,  und 
die  gegenseitige  Unterstützung  förderte  die  beiderseitigen  Zwecke.  Das 
topographische  Bureau  theilte  sich  in  eine  topographische  und  litte- 
rarische Abtheilung,  und  nahm  im  J.  1817  die  Lehmann'sche  Zeich- 
nungsart der  Unebenheiten  als  Norm  an.  Eine  nochmalige  Organisation 
im  Jahre  1822  minderte  die  Arbeitskräfte  durch  Hinüberziehung  eines 
Theiles    derselben   in    den    neuerrichteten    General-Quartiermeister-Stab. 

Der  aus  den  Vermessungsarbeiten  hervorgegangene  Atlas  hat  drei 
Hauptperioden  durchgegangen.  Eine  ältere  reicht  vom  J.  1812  (wo  die 
ersten  2  Blätter  erschienen ,  ein  paar  Vorläufer  ungerechnet)  bis  etwa 
1819  incl.,  wo  die  Resultate  der  Katasterarbeiten  noch  nicht  benützt 
wurden  und  die  Lehmann'sche  Zeichnung  noch  nicht  eingeführt  war, 
und  wo  die  Folgen  davon  selbstverständlich  noch  in  jenen  nach  1816 
und  1817  erschienenen  Blättern  zu  vermuthen  sind,  deren  Vollendung 
bereits  zu  weit  vorgerückt  war.  Die  spätere,  wo  mit  aller  Kraft  gear- 
beitet wurde,  umfasst  das  Jahrzehend  von  1820  bis  1829  incl.  und  eine 
dritte,  wo  das  langsame  Erscheinen  der  Blätter  offenbar  die  reducirten 
Kräfte    verkündet,    kann    man    vom    Jahre    1830    annehmen. 

Der  Maassstab  der  Karte,  ^  der  Natur  (d.  i.  1  Zoll  =  696*/3  Klft.), 
würde  noch  mehr  Detail  in  Angaben  der  Kultur  u.  a.  erlaubt  haben, 
auch  spricht  sich  bezüglich  der  Terrainzeichnung  eine  competente  Stimme 
in  dem  vom  k.  preussischen  General-Stabe  veröffentlichten  kritischen  Ver- 
zeichnisse der  besten  Karten  von  Mittel-Europa  nicht  ganz  günstig  aus. 
Noch  wurden  2  Uebersichtskarten  in  15  Blättern  vorgewiesen,  eine 
rein  topographische  und  eine  Terrainübersichtskarte,  die  einander  ergänzen, 
deren    Vereinigung    aber    doch  bequemer    sich    erproben    würde. 


7S 


Eingegangene  Druckschriften. 


Austria.    Wochenschrift   für-  Volkswirthschaft   und    Statistik.     Wien    1859.    Nr.    14. 

Von   der   Redaction. 
Nouvelles    annales    des    voyages  de    la    geographie    etc.  Paris    1859.  Mars. 

Von  der   Redaction. 

Rivista    periodica    dei    lavori    della    I.    R.  Accademia  di  scienze,  lettere  ed  arti  in  Padova. 

V.  VI.    Padova    1857,    1858.    —    Nuovi  Saggi  della  I.  R.  Accademia  etc.   Vol.  VII.  1. 

Padova    1857.  Von  der  k.  k.  Akad.  d.  Wissensch.  in  Padua. 

Jahresfeier    der    Eröffnung    des    Landes-Museums.    Laibach    1832.     —    Leitfaden    für   die 

d.  Landes-Museum  in  Laibach  Besuchenden.  Von  Fr.  I  Graf  v.  Hohenwarth.  Laibach 

1836.    —    Landes-Museum    im    Herzogthume    Krain    1836 — 1838      Laibach  1838.  — 

Jahresheft  des  Vereines  des  Krainer  Landes-Museums.  Laibach  1856.    Vom  Vereine. 

Museo    civico    di   Bassano.    Bassano    1857.  Von   H.    Senoner. 

Zeitschrift  für  allgemeine  Erdkunde.  VI. 2.  Berlin  1859.  Von  d.  Ges.  f.  Erdkunde  in  Rer  lin. 

Wiener   Eisenbahnzeitung.    Führer   für    Reisende    auf   Eisenbahnen    und    Dampfschiften  etc. 

Von    Leop.    Kastner.    Wien.     Januar    —   April,    November  und  Dezember    1858; 

März,  April  1859.  —  Telegraphen -Tarif  von  Wien  nach  allen  Stationen  Europas  etc. 

Von  Leop.  Kastner.  Wien.  Nr.  1.  April,  Nr.  3  November  1858.    Vom  Verfasser. 

Landwirthschaftliche    Zeitschrift   von   und   für   Oberösterreich.   Linz    1859,    Nr.   8. 

Von    der  k.  k.    Landw.-Gesel  lschaft    in    Linz. 
Centralblatt  für  die  gesammte  Landeskultur.  Prag.  Jahrg.  1857,  1858,  Nr.  14—16  de  1859. 

Von  d.  k.  k.  p.  ök.  Gesell  seh.  in  Prag. 
Mittheilungen  aus  J.  Perthes  geographischer  Anstalt  über  wichtige  neue  Erforschungen  auf 
dem  Gesammtgebiete  der  Geographie.  Von  Dr.  A.  Petermann.  Gotha  1859.  Nr.  3. 

Von  J.  Perthes  geograph.  Anstalt. 
Landschaftliche  Hand-Zeichnungen  (8  Slück)  verschiedener  Gegenden. 

Von  Freiin  von  Kotz  in  Prag. 
Catalogue  des  livres  de  l'imprimerie  armenienne  de  St.  Lazare.  Venise  1858. 

Von  H.  Senoner. 

Zeitschrift  für  vaterländische    Geschichte   und    Alterthumskunde.     Herausgegeben   von  dem 

Vereine  für  Geschichte  u.  Alterthumskunde  Westphalens.  N.  F.  IX.  Bd.  Münster  1858. 

Vom  Vereine  in  Paderborn. 

Ueber  das  Castell   Aliso.   Von  Dr.   W.   E.   Giefers.    —   Kurze  Geschichte  der  Hinenburg. 

Von   Dr.    \V.   E.  Giefers.    —    Beiträge  zur  Geschichte  und  Geographie  des  alten 

Germaniens.  Von  Dr.  W.   E.   Giefers.  Münster  1852.  Vom  Verfasser. 

Das  Land  Delbrück  und  seine  Bewohner.  Von  W.  Schmidt.  Münster  1857. 

Von  Herrn  Dr.  W.  E.  Giefers  in  Paderborn. 
Jahrbücher  und  Jahresberichte  des  Vereines  für  mecklenburgische  Geschichte  und  Alter- 
thumskunde. XI11 — XXIII.  Schwerin  1848—1858.  —  Register  über  die  1— XX  Jahrg. 
der  ebengenannten  Jahrbücher.  I — III.  Schwerin  1844 — 1856.  —  Statuten  benannten 
Vereines.  Schwerin  1852.  —  Instructionen  für  Aufhebungen  von  christlichen  Grab- 
denkmälern in  Mecklenburg.  Schwerin  1837.  —  Mecklenburgische  Urkunden.  Gesam- 
melt, bearbeitet  nnd  herausgegeben  von  G.  C.  F.  Lisch.  I — III.  Schwerin  1837 — 1841. 
—  Andeutungen  über  die  altgermanischen  und  slavischen  Grabalterthümer  Mecklen- 
burgs u.  s.  w.  Von  G.  C.  F.  Lisch.  Schwerin  1 837.  —  1.  Bericht  über  die  dem  grossh. 
mecklenb.  Antiquarium  zu  Schwerin  in  dem  Zeiträume  von  1834  bis  1844  gewordenen 
Vermehrungen.  Von  G.  C.  F.  Lisch.  Schwerin  1844.  Vom  Vereine  in  Schwerin. 
Bulletino  dell'  Istmo  di  Suez.  Torino  1859.  Nr.  7.  V  on  d  er  R  ed  action. 

Gospodarski  List.  Zagrebu  1859.  Nr.  15 — 17.     Von  der  k.  k.  Ackerb.-Ges.  in  Agram. 
Bulletin  de  la  Societe  imp.  des  Naturalistes  de  Moscou.  Nr.  4  de  1858. 

Von    der  k.    Na t.  -Gesellschaft. 

Bolletino   dell' Associazione  agraria  friulana.  Udine  1859.  Nr.  7.      Von  der  Gesellschaft. 

Allgemeine    Land-    und    Forstwirtschaftliche   Zeitung.    Herausgegeben  von  der  k.  k.  Land- 

wirthschafts-Gesellschaft  in  Wien.  1859.  Nr.  13.  Von  der  k.  k.  Landw.-Ges. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Wien.  IX.  1858.  Nr.  4. 

Von  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 
Verzeichniss  der  Erdbeben  und  vulkanischen  Eruptionen  und  der  dieselben  begleitenden  Er- 
scheinungen in  den  Jahren  1855  und  1856.  Von  Emil  Kluge.  Dresden  1858.  — 
Die  Reactionen  des  Erdinnern  gegen  die  Erdoberfläche  in  den  Jahren  1855  und  1856. 
Von  Emil  Kluge.  Gotha  1858.  —  Dr.  Clement's  Theorie  der  Erdbeben-Bewegung. 
Beleuchtet  von  Emil  Kluge.  Gotha  1858.  Vom  Verfasser. 

Verhandlungen  des  Vereines  für  Naturkunde  zu  Pressburg.  III.  1858.  Nr.  1,  2.  —  Populäre 
naturwissenschaftliche  Vorträge,   gehalten  im  Vereine  für  Naturkunde  von  Prof.  Albin 


76 

Fuchs.  1858.  —  Beitrag  zur  Kenntniss  der  klimatischen  Verhältnisse  Pressburgs.  Von 

Professor  Dr.  G.  A.  Korn  buber.  Pressburg  1858.  Vom  Vereine. 

Notizblatt  des  Vereines  für  Erdkunde  und  verwandte  Wissenschaften  u.  s.  w.  .Darmstadt  1859. 

Nr.  22 — 28.  Janaar,  März.  Vom  Vereine. 

Protokoll  der  4.  Sitzung  der  Kronstädter  Handels-   und  Gewerbekammer  am  17.  März  1859. 

Von  der  Handelskammer. 
Wochenblatt  der  k.  k.    steiermärkischen  Landwirthschafts- Gesellschaft.  Gratz  1859.  Nr.  13. 

Von  der  Gesellschaf t. 
Iicelmungs-Abschluss  der  galizischen  Sparkassa  mit  31.  Dezember  1858.  Lemberg  1858. 

Von  der  Sparkassa. 
Triester-Zeitung.  Nr.  223  de  1859.  (Mit  Nachrichten   von  Sr.  Maj.  Fregatte  „N'ovara") 

Von  der  Redaction. 
Zeitschrift  des  Ferdinandeums  für  Tirol  und  Vorarlberg.  III.  Folge.  8.   Heft.  Innsbruck  1859. 

Von  Ferdinandeum. 
P"L*.S,rf  LL'L.fl  etc.  (Pasmavel  oder  Polvhistore,  Sammlung  von  wissenschaftlichen  Abhand- 
lungen. )  Venedig  1858.  Vom  Mechi  taristen-Co!  legium  in  Venedig. 
Jahresbericht  der  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen  zu  Trier.   Von  1853 — 1857.  Trier 
1854 — 1858.  Von  der  Gesellschaft. 
Berichte  der  Rhein.  Missions-Gesellsehaft  Barmen.  Nr.  13 — 18  de  1858,  Nr.  1 — 6  de  1859. 

Von  der  Missions-Gesellschaft. 

Der  Geschichtsfreund.  Mittheilungen  des  historischen  Vereines  der  5  Orte  Lucern.  Uri,  Schwyz, 

Unterwaiden  und  Zug.   Lucern  XIII.  XIV.   1857,  1858.  Vom  bist.   Vereine. 

Atti  delP  Accademia  fisio-medico-statistica  di  Milano.  Anno  accad.  1858,59.  Vol.  IV.  An.  XIV. 

disp.    1.    1859.  Von  der  f.  in.  stat.  Akademie. 

Atti  dell'  1.  R.  Istituto  Veneto  di  scienze,  lettere  ed  arti.  Venezia.  T.  IV  S.  III.  disp.  5.  1859. 

Vom  k.  k.  Institute. 
Militärzeitung.  Wien  1859.  Nr.  15 — 20.  Von  der  Redaction. 


Versammlung  am  17.  Mai  1859. 

Der  Herr  Präsident  k.  k.  Sectionschef  K.  Freiherr  von  Czoernig 
führte    den    Vorsitz. 

Herr  F.  Freiherr  von  Andrian  legte  mehrere  dem  englischen 
Parlamente  in  der  Parlamentssession  1857  und  1858  vorgelegte  Par- 
liamentary  papers  vor,  welche  wegen  ihres  interessanten  geographi- 
schen Inhaltes  von  dem  hohen  k.  k.  Handelsministerium  der  k.  k.  geo- 
graphischen Gesellschaft  mitgetheilt  wurden  und  zwar  weitere  Papiere 
über  die  Kaffernländer,  Papiere  bezüglich  der  letzten  Expedition  zur 
Untersuchung  des  nördlichen  Theiles  von  Australien  unter  A.  C.  Gre- 
gory; ferner  die  Papiere  in  Betreff  der  Trennung  des  Moreton  ßay- 
Districtes  von  Neu  Süd  Wales;  und  endlich  die  Correspondenz  über 
I.  M.  Schiff  „ Resolute*  und  die  Arktische  Expedition.  Während  die  erst- 
genannten uns  manches  Interessante  über  die  Katfernstämme  und  die  Un- 
terhandlungen mit  ihnen  lehren,  enthalten  die  weiteren  den  ämtlichen 
Bericht  Gregorys  über  die  Resultate  seiner  Expedition  im  nördlichen 
Australien  vom  Juli  1855  bis  April  1858  zur  Aufsuchung  von  Dr.  L  ei- 
ch ar  dt;  und  eine  interessante  Schilderung  des  Moreton  Bay-Districtes 
im  östlichen  Australien;  endlich  gibt  die  letzt  angeführte  Correspondenz 
eine  genaue  Schilderung  der  Auffindung  des  brittischen  Schiffes  „Resolute" 
in  der  Davis-Strasse  durch  den  nordamerikanischen  Wallfischfänger  „George 
Henry"  unter  Capitän  Buddington  nachdem  das  Schiff  unter  Capitän 
Kellett  im  Jahre  1850  zu  einer  arktischen  Expedition  bestimmt,  im 
Wellington  Kanal  unter  dem  76°  N.  Br.  und  94°  Länge  im  Jahre  1853 
im  Eise  festeingefroren  verlassen  werden  musste.  Der  Strömung  folgend, 
wurde  es  zwei  Jahre  später  mit  den  Eismassen  durch  die  Barrow-Strasse, 
die  Baffin's-Bay  bis  in  die  Davis-Strasse  geführt,  hier  im  September 
1855    vom    Capitän    Buddington    aufgefunden,    nach  Neu-London  gebracht, 


F.  Andrian.  F.  Foetterle.  A.  v.  Ruthner.  77 

und  von  den  Vereinigten  Staaten  Ihrer  brittischen  Majestät  feierlich  wieder 
zurückgestellt. 

Herr  k.  k.  Bergrath  F.  Foetterle  hielt  einen  Vortrag  über  die 
Terraingestaltung    des    nordwestlichen    ungarischen    Gebirgslandes. 

Herr  Dr.  A.  von  Ruthner  las  eine  Mittheilung  über  seinen  Ueber- 
gang  aus  dem  Oetzthale  in  das  Pitzthal,  über  den  Hochvernagt  und 
Sechsegertenferner.  (Siehe  diesen  Jahrgang  2.  Heft.  Abhandlungen  Seite 
130.    Nr.    XII.) 

Eingegangene  Druckschriften. 

Annales  de   ia  propagation  de  Ia  foi.  Paris  1859.  Mai.  Nr.  184.  Von  der  Redaction. 

Mittheilungen  der  Gesellschaft  für  vaterländische  Alterthümer    in  Basel.   IV — V.  VII.   Basel 
1852—57.  Von    der    Gesellschaft. 

Austria.    Wochenschrift  für    Volkswirtschaft  und   Statistik.   Wien    1859.   Nr.    17 — 18. 

Von    der   Redaction. 
The    Atlantis:    a    Register    of  literature    and    science    conducted    by   membres    of  the    ca- 
tholic  University  of  Ireland.  London  1859.  January.  Nr.  3.         Von  der  Redaction. 
Verhandlungen    und    Mittheilungen    des   n.    ö.    Gewerbe-Vereines.    Wien    1859.    Nr.   3. 

Vom  Vereine. 
Landwirtschaftliche    Zeitschrift   von    und    für    Oberösterreich,    Linz    1859    Nr.    9. 

Von    der  k.    k.    Landw.    Gesellschaft. 
Centralblatt   für    die    gesammte    Landescultur.   Prag   1859     Nr.    17 — 18. 

Von  der  k.  k.  p.  ök.  Gesellschaft. 
Allgemeine  Land-  und  Forstwirtschaftliche  Zeitung.  Wien  1859.  Nr.    14 — 15. 

Von  der  k.  k.  Landw.  Gesellschaft. 
Jahresheft    des     Württemberg.     Alterthums-Vereins.      Stuttgart     IX.     1859.    —    Schriften 
des    Württemberg.    Alterthums-Vereins.    Stuttgart    1859.    —    VIII.     Rechenschafts- 
Bericht    vom    1.    Jänner    1856   bis    31.    December    1858.  Vom  Vereine. 
Verhandlungen    der   k.    k.    zoolog.    bolan.    Gesellschaft.    Wien.    Jahrgang    1858. 

Von  der  Gesellschaft. 

Mittheilungen    aus   J.   Perthes    geographischer  Anstalt    über  wichtige    Erforschungen   auf 

dem   Gesammtgebiete   der   Geographie.   Von   Dr.   A.  Petermann.  Gotha    1859.  IV. 

Von   J.    Perthes    geograph.   Anstalt. 
Anzeiger   für    Kunde    der    deutschen    Vorzeit.    Organ    des    germanischen   Museums.    Nürn- 
berg   1859.    April    Nr.    4.  Vom    germ an.    Museum. 
Mittheilungen    des    historischen   Vereins    für   Krain.    Laibach.    Janner — Februar    1859. 

Vom   Vereine. 
Mittheilungen    über    Gegenstände   der    Landwirtschaft   und    Industrie   Kärnthens.    Klagen- 
furt  1859.    Nr.    4.  Von    der  k.    k.   Landw.    Gesellschaft. 
Nouvelles    annales   des   voyages   de    la    geographie    etc.   Paris    1859.    Avril. 

Von  der  Redaction. 
Statistique   de    la   France.    IL    Ser.    T.    III.    2.    IV.    1.    Strassbourg    1857. 

Vom    Kais,    franz.   Ministerium. 
Bolletino   dell1    Associazione    agraria  friulana.    Udine    1859.    Nr.   8. 

Von    der  Ackerb.    Gesellschaft. 
Wochenblatt  der  k.  k.  steierm.  Landwirthschafts-Gesellschaft.    Gratz  1859.   Nr.    14. 

Von  der  Gesellschaft. 
Delta    of  the    Nile.    An    investigation    of  the    effect    of  the    prevaling   wave    influence    on 
the    Nile's    Deposits    by    Capitain    Spratt.    R.    N.    London  1859. 

Vom    k.    k.    Sectionsrath    Herrn    Wilh.    Haidinger. 
Gospodarski   List.   Zagrebu.    1859.    Nr.    18. 

Von    der   k.    k.    kroatisch,    slav.    Acker  bau- Gesellschaft. 
Neue    Mittheilungen    aus    dem   Gebiete    historischer    antiquarischer   Forschungen.     Heraus- 
gegeben   von    dem    thüring.-sächs.    Vereine    für    Erforschung    des    vaterländischen 
Alterthums-Vereins.    Halle    I — IX.    1.    1834/57.  Vom  Vereine. 

H3c/rfe^0BaHie  o  ToproBwii  Ha  yKpanHCKHxi,  npMapKa  cö.vpr'b,  1851 — 1857. 

Von    der   Kais.    G  eo  grap  h.- Gesellschaft. 
Statitiske   Tabeller  vedkommende  Under  vicsnings  vas  senets  Tilstand  i  Norge  ved  Udyangen 
af  Aaret   1837—1840.    Christiania  1840—1843. 

Von    der    kön.    Gesellschaft  der   Wissen  seh.    in   Drontheim. 
Militär-Zeitung.   Wien  1859.    Nr.   22.  Von   der    Redaction. 


78 


Versammlung  am  7.  Juni  1859. 


Der  Herr  Präsident  k.  k.  Sectionschef  K.  Freiherr  von  Czoernig 
führte    den    Vorsitz. 

Den  Statuten  entsprechend  wurden  die  Herren,  Se.  Hochwürden 
Johann  Gott  schür,  k.  k.  Schulrath  in  Grosswardein  und  August  Jilek, 
Doktor  der  Medizin,  Linienschiffsarzt  und  Leibarzt  Sr.  kais.  Hoheit  des 
Herrn  Erzherzogs  Ferdinand  Maximilian  in  Triest,  zu  ordentlichen 
Mitgliedern    gewählt. 

Unter  den  eingelangten  Druckschriften  lenkte  der  Secretär  Herr 
Foetterle  die  Aufmerksamkeit  der  Versammlung  auf  die  der  Gesellschaft 
zugekommenen  Publikationen  der  Mechitaristen-Congregation  auf  S.  Laz- 
zaro  bei  Venedig,  welche  fortwährend  bemüht  sind,  durch  Veröffentli- 
chung von  geographischen  Büchern  und  Karten  in  armenischer  Sprache 
zur  Verbreitung  dieses  Zweiges  unter  ihren  Landsleuten  in  Klein-Asien 
ungemein    viel    beizutragen. 

Herr  F.  Foetterle  machte  hierauf  eine  Mittheilung  über  die  hydro- 
graphischen Verhältnisse  des   wasserreichen  Kreises   unter  dem  Wiener  Walde. 

Herr  Dr.  A.  von  Ruthner  las  den  Schluss  seiner  Mittheilung  über 
seinen  Uebergang  aus  dem  üetzthal  in  das  Pitzthal  über  den  Hochver- 
nagt  und  Sechsegertenferner.  (Siehe  diesen  Jahrg.  2.  Heft.  Abhandlungen 
S.    130.    N.    XII.) 

Herr  Foetterle  las  folgende  ihm  von  dem  correspondirenden  Mit- 
gliede  Herrn  J.  M.  Ziegler  zugesendete  Mittheilung  über  den  Fortgang 
der  topographischen  Arbeiten  in  der  Schweiz  und  über  W.  M unzin ger's 
Aufenthalt    in    Abyssinien    vor: 

Indem  ich  die  Ehre  habe  Ihnen  über  den  Fortgang  der  topogra- 
phischen Arbeiten  in  der  Schweiz  zu  berichten,  kann  ich  mich  dieses 
Jahr  kurz  fassen,  dass  Herr  General  Dufour  energisch  die  topographi- 
schen Arbeiten  fortsetzen  lässt,  so  weit  diese  durch  eidgenössische  In- 
genieure durchzuführen  sind  (zu  1  :  50,000  Reduct.)  d.  h.  in  jenen 
Cantonen,  wo  die  Cantonal- Behörden  diess  nicht  selber  angeordnet  haben. 
Aber  auch  wo  cantonale  Vermessung  (1  :  25,000)  stattfindet,  wie  zur 
Zeit  noch  in  den  Cantonen  Bern  und  Luzern,  geht  dieselbe  stetig  vor- 
wärts und  es  wäre  diese  noch  mehr  vorgeschritten,  wenn  nicht  durch 
Eisenbahnbauten    unsere   Ingenieure   zu  sehr   in   Anspruch   genommen   wären. 

Der  Canton  Bern  ist  —  wie  mir  der  Director*)  des  dortigen  topo- 
graphischen Bureau  schreibt  —  so  weit  vorgeschritten,  dass  der  bernische 
Antheil  an  den  Blättern  VIII.  und  XII.  der  eidgenössischen  Karte  ganz 
vermessen  ist,  und  am  Blatte  XIII  7  Quadrat  Stadien  ebenfalls  aufgenommen 
sind.  Es  haben  sich  bei  diesen  Arbeiten,  durch  Triangulation  des  Herrn 
Denzler  wichtige  Rectißcationen  ergeben.  Z.  B.  der  topographisch  und 
geologisch  wichtige  Punkt  Wrimmis  (^südl.  Thurnersee)  liegt  statt,  wie  in 
der  Hypsometrie  der  Schweiz  1199  Metr.,  blos  644  Metr.  über  Meer. 
In  den  Resultaten  der  Eisenbahn-Niveaus  findet  man  auch  ein  wichtiges 
Correctiv  für  Hypsometrie.  Aus  dem  Netze  der  Schweiz.  Bahnen  zwischen 
dem  Jura  und  den  Alpen,  das  von  Genf  bis  an  den  Bodensee  und  bis 
nach    Chur   sich    erstreckt,    gelangt    man   übrigens  auf  manche  Bestätigungen 


*)  Herr  Ober-Ingenieur  I.  J.  Denzler. 


I.  M.  Ziegler.  79 

früherer  geodätischer  Bestimmungen.  Behufs  einer  in  Arbeit  liegenden 
hypsometrischen  Karte  der  Schweiz  habe  ich  viele  neue  und  ältere  Quoten 
zu  vergleichen  und  behalte  mir  vor,  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft 
Näheres  diessfalls  mitzutheilen.  Doch  um  barometrische  Angaben,  welche 
in  die  Hypsometrie  der  Schweiz  übergegangen,  mit  den  neuesten  geodä- 
tischen Bestimmungen  zu  vergleichen,  sei  erlaubt,  Folgendes  hinzuzufügen : 
Schupbach-Brücke  A:  670m;  Guyot  Barom.:  672m 
Röthenbach  A:    820„ ;    Studer       „       :    843„ 

man    darf  also    in    manchen    Fällen    auch    früheren    barometrischen   Angaben 
jetzt    noch    Glauben    schenken. 

In  meinem  vorjährigen  Berichte  erlaubte  ich  mir  Ihre  Aufmerksam- 
keit auf  den  Schweizer-Reisenden  in  den  Abyssinischen  Vorbergen  Wer- 
ner Munzinger's  Aufenthalt  bei  den  Bogos  zu  lenken.  Heute  bin  ich 
im  Stande,  Ihnen  einlässlicher  zu  relationiren.  Dieser  fleissige  junge  Ge- 
lehrte hat  im  abgewichenen  Jahre  zwei  Manuscripte  zu  Ende  gebracht 
und  an  seinen  Bruder,  den  Professor  Juris  Dr.  W.  Munzinger  in 
Bern  eingesendet,  durch  dessen  Freundlichkeit  mir  die  Uebersetzung  über- 
tragen worden.  Das  eine  Manuscript  heisst:  „Essay  de  Grammaire  de 
la  langue  Belen";  mit  Dictionären  von  über  2000  ächten  Belen  Wör- 
tern. Das  andere:  „Versuch  über  das  Recht  der  Bogos."  Der  Verfasser 
hat,  nach  vierjährigem  Aufenthalt  unter  diesem  Stamme  es  dahin  gebracht, 
die  weder  geschriebene  noch  ihrem  Wesen  nach  im  Bewusstsein  dieses 
Volkes  verstandene  Sprache  durch  die  Laute  eines  europäischen  Alpha- 
betes wieder  zu  geben  und  kam  dazu,  durch  Beobachten  und  Vergleichen 
die    eigentliche    Grammatik    der   Belen    zu    construiren. 

Die  Bogos  haben  es  mit  Aufnahme  von  Tigre-Wörtern,  wie  die 
Deutschen,  welche  französische,  oder  wie  die  Perser,  welche  arabische 
Wörter  aufgenommen;  doch  werden  die  so  eingebürgerten  nach  der  Belen- 
Grammatik  abgewandelt.  Auch  unterschied  unser  Reisender  ein  paar 
aus  dem  Portugiesischen  gebliebene  Silben,  wie  das  ng,  *das  h,  das  aq 
(aqua)  und  lange  (langue)  des  letzteren.  Nach  der  Aussprache  lassen  sich 
alle  Buchsstaben  auf  das  Deutsche  zurückführen;  voraus  alle  Vocale; 
dann    unterschied    er    aber    auch    die    Guttural-Laute    der   Bergbewohner   im 

Allgemeinen,   z.   B.    ch    oder   ?»•    der    Araber 
dh       „       * 
gh       „      £•   gi    wie   im    französischen. 

q       „      J>    °der    guttural    k. 

Es  ist  um  so  verdienstlicher,  dass  Herr  Munzinger  mit  Ausdauer 
diesen  Sprachstudien  obgelegen,  als  nur  wenige  Menschen,  circa  20000 
das  fielen  sprachen;  dessen  ungeachtet  ist  es  ein  wissenschaftliches  Ver- 
dienst, ein  neues  Idiom  mit  eigenthüm lieber  Alisbildungsfähigkeit  nachge- 
wiesen   zu    haben. 

Wahrscheinlich  auf  ähnliche  Weise,  wie  die  Grammatik  des  Belen, 
entstand  der  Versuch  des  Rechtes  der  Bogos.  Es  ist  auch  hier  ein 
sorgsames  Vergleichen  und  Nachstudiren  von  geschichtlich  Ueberliefertem, 
von  rechtlichen  Satzungen  und  Gewohnheiten  in  Einen  Zusammenhang  gebracht. 

Nach  einer  Einleitung  theilt  Munzinger  seine  Schrift  in  folgende 
Capitel: 


80  \ersammlung  am  7.  .luni  IHöt>. 

1.  Ursprung  des  Rechtes  und  Staates:  die  Familie;  Garantie  des  Rechtes; 
Regriff   der    Familie;    Gerichtsordnung:    Bürgschaften;    Reweis. 

2.  Die    engere    Familie:    Vater    und    Kinder. 

3.  Herr    und    Leibeigener    {Schmagilli    und    Tigre);    Kontrakte. 

4.  Verhältniss    zwischen    Mann    und    Frau,    Eherecht. 

5.  Eigenthum;    Erbrecht;    Verletzung    des    Eigenthums. 

6.  Verletzung    der    Person;    Rlutrecht. 

Nach  jedem  Capitel  folgen  erläuternde,  meist  historische  Bemerkungen 
als  „Erläuterungen."  Der  Verfasser  setzt  demnach  in  seiner  Behandlung 
das  Gesetz  voran  und  erklärt  es  durch  Hinweisung  auf  Gebräuche  und 
Geschichte,  statt,  aus  der  Sitte  des  Volkes    die  Gesetzes-Artikel  nachzuweisen. 

Zweifelsohne  ist  in  dem  Recht  der  Rogos  sehr  viel  Ueberkom- 
menes  aus  demjenigen  Abyssiniens.  Dennoch  ergibt  sich  aus  der  Stammes- 
Geschichte  und  aus  der  Genealogie,  dass  jenes  Recht  auf  originellem  Roden 
entstanden.  Schon  der  Name  weist  auf  nationalen  Ursprung  hin:  Fetech  (jus) 
mogarech  d.  h.  Gesetz  von  Mogarech:  der  Stelle,  wo  die  aus  den  südlichen 
Bergen    Eingewanderten    sich    zuerst    in    der  Nähe    von   Keren    niederliessen. 

Munzinger  sagt  über  seine  Arbeit  bescheidentlich:  „Der  Gegenstand 
ist  klein  und  gross:  klein,  wenn  man  auf  die  Bedeutungslosigkeit  des 
Volkes,  womit  er  sich  beschäftigt,  Rücksicht  nimmt,  gross,  wenn  man 
bedenkt,  dass  dieses  Recht  einst  ein  starkes  blühendes  Volk  regierte 
und  dass  die  darin  liegenden  Rechtsgrundsätze  zum  grössten  Theil  ganz 
Abyssinien  und  dessen  nördlichen  Grenzvölkern  gemeinschaftlich  sind.  Das 
abyssinische  Recht,  ganz  auf  der  gleichen  Rasis  liegend,  hat  sich  durch 
die  Königsgewalt  umgestaltet,  der  Familienzusammenhang  hat  sich  durch 
die  inneren  Revolutionen  gelockert  und  seine  richtende  und  gesetzge- 
bende Gewalt  an  den  König  abgegeben.  In  den  Ländern,  die  den  Islam 
angenommen,  wurden  die  alten  Rechtsbegriffe  durch  die  neue  Religion 
in  Gährung  gebracht.  Dennoch  lässt  sich  nicht  verkennen,  dass  die  Re- 
wohner  der  Nordgrenzen  Abyssiniens  rechtlich  sich  verstehen,  d.  h.  ihre 
alten  vom  Habesch  mitgebrachten  Rechts-Ideen  noch  immer  geistig  be- 
wahren. So  wird  das  Recht  der  Rogos,  das  bis  auf  die  neuesten  Zeiten 
am  Leben  geblieben  ist,  eine  Urkunde  des  alten  Rechtes  der  Völker 
Gees,    vor    dem    Eindringen    der    Amhara. 

Die  Bogos  nennen  sich  selber  Boas  qor:  „Boas  Söhne."  Ueber 
diesen  Stammvater  weiss  man  nichts  Näheres.  Die  verschiedenen  Zweige 
dieses  Volkes  führen  ihre  Descendenz  auf  den  Gehre  Terke  zurück. 
Ausser  dieser  Stammesverwandtschaft  sind  dieselben  durch  zahlreiche 
Wechselheirathen  noch  enger  verbunden.  Ihr  Recht  ist  daher  ein  patriar- 
chalisches, aristokratisches  und  seine  Garantie  ruht  im  Familienzusammen- 
hange.    Es    erhält    sich    nur    durch    die    Familien-Liebe. 

In  einer  Gegend,  wo  mehr  Hirten  als  Ackerbauer  wohnen  und  wo 
auf  ungeheure  Strecken  hin  brachliegendes  Land  sich  ausdehnt,  konnte  ein 
anderer  gesellschaftlicher  Zustand  sich  nicht  entwickeln.  Zumal  die  Leich- 
tigkeit der  Auswanderung  (manchmal  das  Werk  einer  Nacht)  keine  an- 
dere Anziehungskraft  zulässt  als  das  Familienband,  zugleich  aber  ist  die 
Leichtigkeit,  ungebührlicher  Rehandlung  zu  entfliehen,  eine  Garantie  der 
Rechtspflege,  welche  noch  dadurch  erhöht  wird,  dass  alle  Rogos  grosse 
Furcht   hegen    vor  fremder   Einmischung. 

Die  Revölkerung  theilt  sich  in  die  drei  folgenden  Gruppen,  welche, 
wie    die    zwei    ersteren   in    einzelne   Familien    zerfallen. 


I.  H.  Ziegler.  81 

Die  Tegor  Sogor  leben  in  1150  Häusern  und  besitzen  140  Heerden. 
„     SehdnaU  „        „8ö0        „  „         „  75        „ 

Der  auf  eine  Familie  beschränkte  Stamm  der  Beit  Gabru  wohnt  in 
einem  Mogarech  in  100  Häusern,  so  dass  die  Gesammt-Bevölkerung  zu 
8400  Seelen  mit  2100  erwachsenen  Männern  zu  schätzen  ist.  Die  Heerde 
ohne  Ziegen  und  Pflugstiere,  wird  zu  50  Kühen  angenommen  und  reprä- 
sentirt  nach  dortigem  Werth  ein  Gesammtvermögen  von  33,000  Thalern.*) 
Der    Besitz    an    Kostbarkeiten    und    Silber    kann    nicht    geschätzt    werden. 

In  obiger  Bevölkerungszahl  sind  jedoch  nicht  alle  freie  Leute.  Zu 
diesen  —  den  echten  Bogos  —  oder  Schmagilli  (Nachkommen  Gebre 
Terke's)  zählt  nur  ein  Drittheil,  während  die  anderen  zwei  Drittheile  die 
Unterthanen  (Tigre'}  sind.  Das  Verhältniss  von  diesen  zu  jenen  ist  nicht 
drückend,  die  Tigre  können  eigen  Vermögen  besitzen  und  sind  theils 
durch  das  Gesetz,  theils  durch  die  Leichtigkeit  der  Auswanderung  geschützt. 
Für  gültige  gerichtliche  Urtheile  sind  Zeugen  und  öffentliche  Verhandlungen 
(mohäber)  erforderlich.  Bürgschaft  —  in  dreifacher  Form  —  ist  häufig 
der  Fall,  so  wie  der  Eid,  der  in  vier  Stufen  bis  zum  Kirchenschwur, 
stattfindet.  Eigenthümlich  ist,  dass  der  letztere  umgangen  werden  kann, 
da  der  Angeklagte  das  Becht  hat,  sich  demselben  zu  entziehen,  wenn  er 
den  halben  Werth  der  in  Streit  liegenden  Sache  dem  Kläger  entrichtet, 
worauf   die    Anschuldigung    zu    Boden    fällt. 

Sehr  characteristisch  sind  die  Gebräuche,  welche  die  Bogos  bei  der 
Geburt,  beim  Eintritt  der  Mannbarkeit  und  bei  den  Todten  beobachten. 
Es  lebt  viel  Ideales  in  diesen  Leuten  und  wenn  die  nachfolgenden  Belege 
gerade  nicht  auf  hohen  Schwung  der  Phantasie  Anspruch  machen  können, 
so  zeigen  sie  doch  etwas  sinniges  und  gemüthliches  an: 
Beim    Tode    eines    Kindes    singen    sie: 

Korit   u   Serseru   Abeika   leqabberu. 
„Den    vom    Winde    und    Jugend    noch    nicht    matten 
Mag    dein    Feind    bestatten. u 
Für    einen   jungen    Mann: 

Lila   geletheka,    Abel   retheka? 
„Der   Adler   hat   dich    fortgenommen, 
Wo    hat    er    dich    zu    sehn    bekommen?" 
Für    ein    Mädchen : 

Schuken   tetewauel,    mai   la   Schemmal   tetraue. 
„Die    Gazelle    erfrischt    sich    an    dem    Morgenduft 
Und    trinkt    sich    satt    an   der   Bergesluft. u 
Diese    Bruchstücke    geben    die    gewöhnlichen    Gesänge    bei    Anlass    der 
angegebenen  Todesbestattungen,  sie  sind  im  Tigre-Dialekte  gedichtet,  welcher 
in    solcher    Stimmung    gern    gehört    wird.    Dabei    begnügen    sich    nicht   Alle; 
Munzinger    belauschte    eine  klagende  vater-  und  mutterlose   Waise,   welche 
im    Belen    folgendermassen    sich    äusserte: 

Je    thim  |  min    beki  \  na    esem  \  eclebulu  \  u    bak\jet   gesse, 

Mona\gid   deb\bu    min\hu    min\te   mud\ir    messe. 

„Wenn    eine    Waise    weint:    komm    schweige!    sagt    ihr    Niemand, 

und    lass    das    Weinen, 
Man    schliesst    die   Pforten    vor    ihr    zu,    und    es    nachtet    über    der 

Alleinen. u 


*)  Oesterreichische  Thaler. 


82  Versammlung  am  7.  Juni  1850. 

Bei  Menschen  von  solcher  Gemüthsart  werden  auch  Züge  im  ge- 
wöhnlichen Lehen  zu  finden  sein,  welche  derartiger  elegischer  Stimmung 
conform  sind.  Diese  finden  sich  in  dem  Verhältniss  des  Leibeigenen 
(Tigre)  zum  Herrn  (SchmagilU)  i  B.  der  Leibeigene,  ob  Mann  oder 
Frau,  hat  Freiheit  zu  leben  wo  er  will.  Der  Herr  wird  als  Vater  seines 
Sclaven  betrachtet;  er  hattet  für  sein  Blut  und  hat  das  Recht  der  Blut- 
rache;   er    ist    Schutzherr    und    Bürge    für    denselben. 

Das  Verhältniss  zwischen  SchmagilU  und  Tigre  (als  Gutfare  oder 
Woresa  d.  h.  Dienstmann)  ist  die  erbliche  Pflicht  rechtlichen  Schutzes 
von    der    einen    und    der    Bothmässigkeit    von    der    andern    Seite. 

Die  Bogos  scheinen  sich  auf  friedliche,  gegen  die  Einwohner  scho- 
nende Weise,  des  Landes  bemächtiget  zu  haben,  sie  erlaubten  sich  kei- 
nen Angriff  auf  das  Bodenreeht,  so  dass  die  Nachkommen  der  Urein- 
wohner   noch    immer    im    Besitze    des    meisten    Landes    sich    befinden. 

Hier  erwähne  ich,  was  Herr  Munzinger  über  die  neuesten  Ver- 
hältnisse   der   Sclaverei    erzählt: 

Der  Ferman  für  Abschaffung  des  Sclavenhandels  ist  in  Massua  zwei- 
mal verlassen  worden.  Dessen  ungeachtet  ist  die  Ausfuhr  der  Sclaven 
nach  Arabien  so  gross  wie  früher.  Aegyptische  Häfen  sind  den  Händlern 
verschlossen,  aber  Sclaven,  wenn  in  Kisten  verpackt,  nach  Munzinger 
als  Augenzeuge,  kümmert  als  Ausfuhr-Artikel  die  ägyptische  Polizei  wenig. 
Ein  Kreuzer-Schiff  im  südlichen  rothen  Meere  würde  binnen  Monathsfrist 
dem  ganzen  Sclavenhandel  das  Leben  abschneiden;  da  die  Muhamedaner 
eine  verunglückte  Speculation  ein  zweitesmal  nicht  gern  versuchen.  In 
Chartum  und  dem  Sudan  hat  man  die  Abschaffung  ebenfalls  verkündet 
und  theilweise  durchgeführt;  aber  in  rücksichtsloser  Manier,  die  dem  Be- 
freiten wenig  Nutzen  bringt.  In  Abyssinien  hat  sich  der  Negus  Teo- 
doros  der  Abschaffung  der  Leibeigenschaft  angenommen,  doch  haben 
ihn  die  starken  Kriege  mit  den  Galla's  verhindert,  seine  Edicte  conse- 
quent  durchzuführen.  Das  letzte  Jahr  (1857)  nahm  er  der  grossen  Ka- 
rawane von  Godscham  wohl  3000  Galla-Sclaven  ab,  welche  er  getauft 
in  ihr  Vaterland  zurücksendete.  Ferner,  hat  er  den  alten  Soldaten-Ge- 
brauch, die  Kriegsgefangenen  zu  kastriren,  streng  verpönt  und  es  ist  zu 
hoffen,  dass  diese  Unsitte  fürderhin  von  Abyssinien  verbannt  bleiben  wird. 
So  kann  man  immerhin  auf  Fortschritte  Hoffnungen  setzen;  überdiess  ist 
die  Abschaffung  der  Sclaverei  in  Abyssinien  und  den  nördlichen  Nach- 
barländern keine  schwierige  Sache,  da  der  besitzende  Theil  dabei  wenig 
materiellen    Verlust   haben    wird. 

Das  Eherecht  möchten  wir  bis  auf  einen  gewissen  Grad  ausgebildet 
nennen,  dasselbe  enthält  manche  Stufen  von  Unterscheidung,  schon  von 
der  Heirath  (Häday)  an:  So  ist  die  Ledigungssumme  (Zegad  d.  h.  Va- 
terpreis), welche  der  Bräutigam  an  den  Vater  der  Braut  zu  zahlen  hat 
ein  anderer  bei  Häday  mobel  „  Wittwen-Heirath"  als  bei  „Jungfrau-Hei- 
rath"  Häday  welet.  Diese  schliesst  sich  schon  während  der  Kinderjahre 
der  Verlobten.  Der  Mann  hat  die  Freiheit  zu  heirathen  und  sich  wieder 
zu  scheiden,  wann  und  so  viel  er  will.  Frauen  und  Jungfrauen  sind 
rechtsunfähig,  dazu  noch  die  schlechte  Nachrede  in  folgendem  Sprichwort: 
Ogheina  woqa  gen  „die  Frau  ist  eine  Hyäne."  Durch  dreimaliges  Ent- 
laufen aus  der  Hütte  des  Gatten  in  die  des  Vaters  kann  sich  die  Frau 
scheiden.  Zweimal  wird  sie  dem  Manne  zurückgebracht,  das  drittemal  ist 
sie    von    Rechtswegen    frei.     Die    Kinder    geschiedener    Eltern    gehen    von 


I.  M.  Ziegler.  83 

Rechtswegen    mit    dem   Vater,    ausser    dem    Säugling,    welchen    die   Mutter 
beanspruchen    kann. 

Die  Stellung  der  Frau  bei  den  Bogos  ist  ungünstiger  als  die  der 
Abyssinierin,  wo  die  Scheidung  erschwert  ist.  Das  nahe  Barca  ist  im 
Gegensatze  zum  Land  der  Bogos  ein  Frauenhimmel.  Dort  ist  der  Mann 
durch  die  Sitte  gezwungen,  seiner  Frau  häufige  Geschenke  zu  machen, 
und  von  solchem  Belange,  dass  er  darob  manchmal  in  Armuth  geräth. 
Dort  kann  sie  ihn  verlassen,  wann  sie  will  und  Niemand  kann  ihr  Hei- 
rathsgut    beanspruchen. 

Betreff  der  Eigenthums- Verhältnisse  bestehen  folgende  Uebungen: 
Eine  Person  kann  Eigenthümer  einer  Sache  werden:  Durch  Kauf,  durch 
Erbschaft,  durch  erste  Besitznahme,  durch  Erbeutung  im  Auslande.  Wer 
ein  Grundstück  verkauft  hat,  dem  bleibt  das  Recht,  bei  Lebzeiten  des 
Käufers  dasselbe  um  den  doppelten  Kaufpreis  zurückzuerlangen.  Wer 
eines  Andern  Feld  bebauen  will,  verspricht  diesem  einen  kleinen  Theil 
des  Ertrages  und  erlangt  dadurch  dessen  Segen,  ohne  welchen  Niemand 
wagt,  fremdes  Land  zu  bebauen.  —  Bei  den  Takue  und  Menza  zahlt 
der  Bebauer  dem  Grundeigentümer  einen  Drittheil  der  Erndte;  so  sehr 
ist  dort  der  Ackerbau  ergiebiger  als  bei  den  Bogos,  daher  auch  von 
diesen  die  Mehrzahl  Hirten  sind.  —  Der  Boden  gehört  zum  Erbtheil 
des    Erstgebornen. 

Gäbet  heisst  die  Verpflichtung,  ein  geborgtes  Capital  doppelt  zurück- 
zuerstatten;  also  mit  100  Percent  Zins.  Findet  sich  nach  Ablauf  von  12 
Monaten  der  Schuldner  ausser  Stande  zu  zahlen,  lässt  der  Gläubiger  den 
Zins    von    100    Percent    für  jedes    folgende    Jahr   auflaufen. 

Jeder  freie  Mann  hat  das  Recht,  bei  Lebzeiten  über  sein  Eigen- 
thum  zu  verfügen  durch  Geschenke.  Hat  derselbe  grossjährige  Söhne, 
dürfen  sie  ihn  verhindern,  die  weissen  Kühe  wegzuschenken.  Das  Recht 
des  Testamentes,  über  den  Tod  hinaus  Bestimmungen  zu  treffen,  kennt 
das  dortige  „ Gesetz"  nicht.  Das  Vermögen  geht  bei  Erbschaft  vom  Vater 
auf  die    Söhne    über,     mit   Bevorzugung    des    Bikr  d.    h.    des    erstge- 

bornen  Sohnes  der  erstverlobten  Frau.  —  Zum  erblichen  Vermögen  ge- 
hören: Land  und  Haus,  Geräthe,  eiserne  Werkzeuge,  Getreide  und  Geld, 
Viehstand,    Waffen,    Sclaven    und    die    Frau.    — 

Die  Nachkommen  eines  Vaters,  bis  auf  sieben  Grade,  bilden  die 
Blutsverwandtschaft.  Das  Blutrecht  bildet  und  unterscheidet  ganzes  und 
halbes    Blut. 

In  dieser  Unterscheidung  sind  die  Bogos  sehr  einlässlich  und  er- 
innern an  die  mittelalterlich-europäischen  Abstufungen  des  Blutpreises. 
Auch  hier  wieder  zeigt  sich  die  geringe  Achtung,  in  welcher  die  Frau 
steht;  denn  wer  die  eigene  Frau  oder  die  Verlobte  tödtet,  zahlt  nur 
den    halben    Blutpreis,    weil    „die    andere    Hälfte   ihn    angehe." 

Der  ganze  Blutpreis  eines  Schmagilli  ist  120  Kühe,  der  eines  Tigre 
93.  Dabei  finden  weitläufige  Specificationen  statt,  sowohl  Betreff  der  Thiere 
als    der   Empfänger. 

In  Verhältnissen,  wo  alle  Beweise  durch  Zeugen,  oft  durch  Eide 
und  Gottesurtheile  geleistet  werden  müssen,  kann  die  Justiz  nur  eine 
langsame  sein.  Es  entspricht  aber  ein  solcher  Rechtsgang  den  einfachen 
Sitten  und  den  einfachen  Verhältnissen  dortiger  Stämme.  Nicht  ohne 
Grund  nennt  Munzinger  seine  Schrift:  „eine  These  über  ein  Recht 
ohne    Richter   und    ohne    Regierung." 


84  Versammlung  am  7.  Juni  1859. 

Dass  die  Bogos  früher  zur  Abyssinisehen  Kirche  gehörten,  zeigen 
noch  genug  ärmliche  Ueberbleibsel  von  Kirchen  in  Keren  und  Mogarech. 
Die  Entfernung  von  Abyssinien  machte  nach  und  nach  alle  religiöse  Kennt- 
niss  erlöschen.  Zwar  nennen  sich  die  Bogos  noch  Christen  „Costan." 
Der  Beweis  davon  besteht  aber  nur  darin,  dass  sie,  gleich  den  Abys- 
siniern,  nie  von  Mohamedanern  geschlachtetes  Fleisch  berühren.  Hasen-, 
Elephanten-  und  Straussen-Fleisch  betrachten  sie  als  unerlaubt.  Sie  sehen 
in  diesem  Unterschiede  des  Genusses  die  Differenz  zwischen  Christen  und 
Moslemin.  Den  Sonntag  nennen  sie  den  „grossen  Sabath"  (Senbeth  abbei). 
Die  Sabathruhe  fallt  jedoch  auf  den  Samstag.  In  den  zwei  oben  be- 
nannten Kirchen  administriren  erbliche  Priester,  denen  das  Vaterunser 
aber  unbekannt  ist.  Eigenthümlich,  dass  im  Belen  die  Namen:  Gott, 
Jesus,  Dreieinigkeit  synonime  Wörter  sind.  Von  Unsterblichkeit  der  Seele 
ist  ihr  Begriff  kümmerlich  und  schon  dadurch  angedeutet,  dass  sie  nur 
Ein  Wort  haben  für  Seele  und  Athem,  nur  Eines  für:  Gott,  Himmel, 
Firmament. 

Die  moralische  Situation  jener  Völker  kennzeichnet  sich  noch  nach 
deren  Begriff  von  Tugend;  Achtung  erwirbt  sich:  Der  Unerschrockene, 
der  Bluträcher,  der  Räuber,  der  Herr  (Schmagilli),  der  seinen  Schütz- 
ling nie  im  Stiche  lässt,  der  Unversöhnliche,  der  Schweigsame,  der 
Hötliche,  der  Stolze,  der  Beiehe,  der  Freigebige,  der  Grossmüthige,  der 
Prunkliebende,  der  kluge  Bathgeber.  —  Dagegen  sind  die  Laster  der 
Civilisation  dort  unbekannt.  Obwohl  der  Bäuber  geachtet,  ist  der  Dieb 
selten.  Davon  hat  Munzinger  nie  gehört,  dass  Kinder  die  Eltern,  oder 
Eltern  die  eigenen  Kinder  getödtet  hätten.  Selbstmord  der  Männer  ist 
fast  unbekannt,  dagegen  führt  die  rechtlose  Stellung  der  Frau  nicht 
selten    zu    dieser    Verzweiflung. 

Ueber  Herrn  Munzinger's  Erlebnisse  in  der  jüngsten  Zeit  noch 
folgendes :  Er  schreibt  gewöhnlich  an  seinen  Bruder  Herrn  Dr.  U.  J. 
Walter  Munzinger,  Professor  an  der  Universität  Bern;  so  am  3.  No- 
vember 1858:  dass  er  von  Anfang  desselben  Jahres  bis  6.  Mai  auf  der 
Reise  gewesen  und  dabei  glücklich  um  einige  Tage  dem  Massacre  in 
Djedda  entronnen  sei.  Im  Juni  war  er,  wegen  Abwesenheit  seines  Freun- 
des, des  Missionärs  Herrn  Stella  in  politischen  Dingen  beschäftiget. 
Im  Juli  und  August  schrieb  er  seine  Arbeit  über  das  Belen  nach  letzter 
Correctur.  Im  September  fing  er  an  sein  Manuscript  über  das  Becht 
der  Bogos  ins  Reine  zu  bringen.  Im  October,  durch  Grippe  am  Arbeiten 
gestört,  genas  er  auf  der  Jagd;  darauf  ward  der  November  benützt,  die 
letzte  Hand  an  das  Manuscript  zu  legen,  worüber  oben  berichtet  ward. 
Durch  ökonomische  Verhältnisse  bedingt,  sieht  er  sich  auf  zwei 
Richtungen  für  sein  Wirken  angewiesen :  entweder  wird  ihm  von  Europa 
aus  der  Auftrag  zu  Theil  behufs  Vervollständigung  und  Fortsetzung  seiner 
Beobachtungen,  welche  er  bereits  über  das  ganze  Ländergebiet,  nördlich 
von  Abyssinien,  ausgedehnt  hat,  z.  B.  für  eine  erweiterte  Karte  jener 
Gegenden,  dann  für  die  Sprachen  und  Ethnographie  der  an's  Tigre  gren- 
zenden Völker;  zugleich  hat  Munzinger  die  Uebersetzung  des  abyssi- 
nisehen Bechtes  in  Arbeit  genommen;  als  Erläuterung  derselben,  damit 
Vergleichungen  über  dortige  Special -Bechte  gesammelt;  oder  er  muss 
sich,  in  Mangel  an  einer  Commission  aus  Europa,  fast  ausschliesslich  auf. 
Handelsunternehmungen  werfen,  aus  welchen  er  bis  dato  theilweise  seine 
Existenz    sicherte.     Leider    ist    durch    den    tragischen    Tod    des    englischen 


[.  M.  Ziegler  85 

Consul  in  Djedda,  Herrn  Page,  sein  Handelsplan,  den  er  mit  diesem 
Freunde  entworfen  hatte,  zu  nichte  gegangen;  aber  auch  die  Blicke  nach 
unserem  Welttheile  sind  vor  der  Hand  umdüstert.  Die  Hoffnung  ist  geringe, 
dass  ihm  gelinge,  die  Müsse  zu  finden  für  Fortsetzung  des  Angefangenen, 
welche    für    einen    wissenschaftlichen    Reisenden    erforderlich    ist. 

Die  jüngsten  Nachrichten  aus  Keren  d.  d.  1.  März  v.  J.  kamen 
am  12.  April  nach  Bern.  Nebst  Bestätigung  seines  Wohlbefindens  ist 
darin  folgende  Anmerkung  enthalten,  in  Betreff  der  Kritik  seiner  Karte; 
soweit  selbige  in  der  Petermann'schen  Zeitschrift  erschienen  ist:  „Die 
Vergleichung  zwischen  von  Heuglein  und  mir  hat  mich  befremdet.  Herr 
von  Heuglein  hat  den  ganzen  Strich  Landes  zwischen  Kassala  und 
Massua  nie  gesehen,  seine  Berichte  gründen  sich  auf  eine  ziemlich  flüch- 
tige Karte  Plowden's,  die  er  copirt  hat,  und  auf  einige  von  Herrn 
Stella  ihm  gegebene  Mittheilungen.  Was  den  Zusammenfluss  des  Anseba 
und  des  Barca  betrifft,  hat  er  es  von  mir  erfahren,  da  ich  ihm  voriges 
Jahr  in  Cairo  seine  Karte  corrigirt  habe.  Uebrigens  weiss  ich  nicht, 
warum  Herr  von  Heuglein  diesen  Landstrich  Hahab-Länder  nennt.  Was 
ich  sage,  habe  ich  mit  eigenen  Augen  gesehen,  was  Herr  von  Heuglein 
sagt,  hat  er  von  Andern  in  Massua  gehört.  Der  Zusammenfluss  von  Barca 
und  Anseba  ist  meine  Entdeckung.  Zwar  will  sich  Herr  Stella  davon 
heute    noch    nicht    überzeugen    lassen."    — 

Es  ist  jederzeit  vorgekommen,  dass  die  Beisenden  mit  einer  ge- 
wissen Sorglichkeit  darauf  geachtet  haben,  dass  ihnen  das  Verdienst  eigener 
Entdeckungen  bleibe.  Es  darf  daher  zu  meiner  Aufgabe  gehören,  die  von 
Munzinger    gemachten    Anmerkungen    wörtlich    wiederzugeben. 

Das  „Becht  der  Bogos"  ist  bereits  im  Drucke  begriffen  und  ich 
ersuche,  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft  in  Wien  ein  Exemplar 
sofort    nach    Erscheinen    überreichen    zu    dürfen. 

Eingegangene   Druckschriften  : 

Landwirtschaftliche    Zeitschrift   von    und    für  Ober-Oesterreich.    Linz    1859.    Nr.    10—11. 

Von  der  k.  k.  Landwirth.  Gesellschaft. 
Gospodarski  List.  Zagrebu.  1859  Nr.  19-22.  Von  der  k.  k.  Ackerb.  Gesellschaft. 
Centralblatt   für    die    gesammte    Landeskunde.    Prag    1859.    Nr.    19 — 22. 

Von    der   k.    k.    pat.    ök.    Gesellschaft. 

Führer  für  Reisende   auf  Eisenbahnen  und  Dampfschiffen  in  Oesterreich  u    s.  w.,  bearbeitet 

und    herausgegeben    von    Leop.    Kastner.    Wien    1859.    Mai.        Vom    Verfasser. 

Journal  of  the  Franklin   Institute   of  the   State   of  Pensylvania  for  the  promotion  of  the 

mechanic  arts.  Philadelphia  1859.  Vol.  XXXVII.  Nr.  1—3.  Vom  Institute. 

Officielle   Berichte    über    die    letzten    Reisen    und    den  Tod   von  Adolph    Schi  agi  ntweit 

in    Turkistan.   Von    H.    und    Rob.    S  chl  a  gintweit.  Von    den    Verfassern. 

Allgemeine    Land-    und    Forstwirthschaftliche    Zeitung.    Wien    1859.    Nr.    16 — 17. 

Von    der    k.    k.    Landw.    Gesellschaft. 
Notizblatt   des   Vereines   für   Erdkunde    und   verwandte  Wissenschaften    zu  Darmstadt   und 
des    mittelrhein.    geologischen    Vereines.    Darmstadt    1859.    Nr.   27 — 31. 

Von    der    Gesellschaft. 
Bulletino   delf  Istmo   di  Suez.  Torino  1859  Nr.   8.  Von    der   Redaction. 

Austria.    Wochenschrift   für   Volkswirthschaft   und   Statistik.    Wien    1859.    Nr.    19—22. 

Von    der   Redaction. 
Zeitschrift  für   allgemeine  Erdkunde.    Berlin  1859   VI.   Bd.    3.    Hft. 

Von  der  Gesellsch.  f.  Erdkunde. 
Wochenschrift  der  k.  k.  steierm.  Landvvirthschafts- Gesellschaft.    Gratz   1859.    Nr.  15—16. 

Von    der    Gesellschaft. 

Madagascar   possession    francaise    depuis    1642    par    V.    A.    Barbie     du    Bocage    etc. 

Ouvrage  accompagne  dune  grande  carte  dressee  par  M.  V.   A.  Malte  Brun.   Paris. 

Vom  Verfasser. 


86 

Lehrbuch  der  Oceanographie  zum  Gebrauche  der  k.  k.  Marine-Akademie,  von  Dr.  Aug. 
Jilek.    Wien   1857.  Vom   Verfasser. 

Bollettino     dell'    Associazione    agraria   friulana.   Udine.    1859.    N.   9 — 10. 

Von    der   Ackerbau-Gesellschaft. 

Prospectus  of  Mss.  Schlagintweit's  Collection  of  Ethnographie  Seads  from  India 
and   Higli   Asia.    Leipzig    1859.    Joh.    Ambr.    Barth.  Vom    Verleger. 

Hauptbericht  der  Handels-  und  Gewerbekammer  für  das  Herzogthum  Salzburg  über  den 
Zustand  der  Landescultur,  der  Industrie  etc.  in  den  Jahren  1854  bis  incl.  1858. 
Salzburg    1858,  Von    der    Handelskammer. 

Programm  des  Kronstädter  Bergbau-  und  Hütten-Aetien-Vereins  für  die  Periode  1859 
—1862.  —  Gcschäfts-Berieht  des  Venvaüungsrathes  des  Kronstädter  Bergbau- 
und    Hütten-Actien    Vereines    für   das    Jahr   1858. 

Vom   Verwaltungsrathe   Herrn    Franz   Voss    in    Kronstadt. 

Atti  dell'  I.  R.  Istituto  veneto  di  scienze,  lettere  ed  arti.  Venezia.  1859.  T.  IV.  S.  III. 
Disp.    6.  Vom   k.    k.    Institute. 

Notice  sur  la  Colonie  du  Senegal  et  sur  le  pays  qui  sont  en  relation  avec  eile.  Par 
M.  L.  Faidherbe.  Paris  1859.  —  Rapport  fait  le  3.  Decb.  1858  a  la  2. 
assemblee  generale  annuelle  de  la  societe  de  Geographie  sur  ses  travaux  et 
sur  les  progres  des  sciences  geographiques  pendant  l'annee  1858  par  F.  Alfred 
Maury.   Paris    1859.  Von   Herrn   A.    V.    Malte   Brun. 

Karte  des  Kantons  Tessin.  —  Karte  des  Rheinthaies,  von  der  österr.  Liechtenstein'schen 
Grenze  bis  zum  Bodensee  mit  dem  Nivellement  des  Bheines  von  der  St.  Gal- 
lisch-Bündtnerischen    Grenze    bis    zum   Bodensee    etc.   in    3  Blättern. 

Von    Herrn    Ziegler    in    Winterthur. 

Petri  Schenkii  Atlas  saxonicus.  1764.  —  Atlas  geographica  major  exhibens  tellu- 
rem  seu  globum  terraqueum  in  mappis  generalibus  et  specialibus  per  Joh. 
Bapt.    Homianum    ejusque    heredes    editis    etc.    Norimburge    1759. 

Von   Herrn   Heinrich   Wolf. 

Annales  dAfrique.  Paris  1857.  Nr.  1.  2.  1858.  Nr.  1.  2.  Von   Herrn    Castilli. 

Zemepis  vserbecny  vedecky  svovnävaci.  Sepsal  Dr.  Jan.  Palacky.  Cast  obzolastni  I.  Svet 
Nevzdelany:  Afrika.  Australie  etc.  V.  Praze.  1859.  —  Wissenschaftliche  Geo- 
graphie.   Von    Dr.    Joh.  Palacky.   Besonderer   Theil.    1.    2.    Prag    1858. 

Vom  Verfasser. 

Protocoll  der  sechsten  ordentlichen  Sitzung  der  Kronstädter  Handels-  und  Gewerbekam- 
mer   im    Jahre    1859    am    3.   Mai.  Von  der  Handelskammer. 

Memorie  dell'  Accadeniia  d'agricoltura,  commercio  ed  arti.  Verona  1858.  Vol.  XXXVI. 
XXXVII.  Von    der   Akademie. 

Archiv  für  historische  Geschichte  und  Alterthumskunde.  Herausgegeben  aus  den  Schriften 
des  historischen  Vereines  für  das  Grossherzogthum  Hessen.  Darmstadt  IX  1. 
1859.  Vom    Vereine. 

l^SLliU  u-  s.  W1.  Atlas  geographique  precede  d'une  introduction  a  Ja  Geographie 
mathematique,    physique    et    politique.    En    caracteres    armeniens.    Paris    10   Bl. 

Vom    Mechitaristen-Collegium    in   Venedig. 

Jahrbücher    des  Vereines    von  Alterthumsfreunden  im  Rheinlande.  Mai  1859.  14.   Jahrg.  1. 

Vom    Vereine. 

Oesterreichische    botanische    Zeitschrift.    Wien    1859.    Nr.    1 — 6.     Von   der   Redaction. 

Anzeiger   für   Kunde    der    deutschen    Vorzeit.    VI.    Jahrg.    Nürnberg.    1859.   Mai. 

Vom    germannisch.   Museum. 

Ueber  die  neuesten  Reisen  und  Entdeckungen  in  Inner-Afrika  von  I.  M.  Ziegler. 
Winterthur    1859.  Vom   Verfasser. 

Militär-Zeitung.    Wien    1859.   Nr.    23—24.  Von    der   Redaction. 


Versammlung  am   18.  Oktober  1859. 

Der  Präsident,  Se.  Excellenz  Herr  k.  k.  Sectionschef  Freiherr  von 
Czoernig  führte    den    Vorsitz. 

Ueber  Antrag  des  Ausschusses  genehmigte  die  Gesellschaft  den 
Vorgang  bei  der  Uebergabe  der  Medaille,  die  bei  der  Rückkehr  Ihrer 
k.  k.  Apostolischen  Majestät  Fregatte  „Novara"  an  die  Equipage  derselben  zur 
Erinnerung  der  durch  sie  eben  zu  Ende  geführten  ersten  Oester- 
reichischen    Erdumsegelung    im    Namen    und    von    Seite    der    k.    k. 


F.  Foetterle,  D.  Livingstone.  87 

geographischen  Gesellschaft  erfolgt  ist.  Zugleich  wurde  der  Inhalt  des 
Schreibens  mitgetheilt,  in  welchem  Se.  k.  Hoheit  der  durchlauchtigste 
Herr  Erzherzog  Ferdinand  Maximilian  für  diesen  Act  der  k.  k.  geogra- 
phischen Gesellschaft  seine  vollkommene  Erkenntlichkeit  ausgesprochen  haben. 
Der  Secretär  legte  die  von  dem  Comite  der  A.  von  Humboldt- 
Stiftung  für  Naturforschung  und  Reisen  durch  Herrn  Hofrath  W.  Hai- 
dinger an  die  Gesellschaft  eingesandte  Einladung  zum  Beitritte  zu  dieser 
Stiftung  vor  und  forderte  die  anwesenden  Herren  Mitglieder  zur  Sub- 
scription    von    Beiträgen    auf. 

Zu  ordentlichen  Mitgliedern  wurden  gewählt  die  Herren  Franz 
Loeffler,  Gutspächter  zu  Krzeszow  in  Gallizien;  Anton  Letocha,  k.  k. 
Kriegscommissär;  Anton  von  Etzel,  königl.  preuss.  Officier  a.  D.  in 
Berlin,  und  Alex.  Graham  Dunlop,  Attache  der  k.  Grossbritannischen 
Gesandtschaft   in    Wien. 

Ausser  einer  grossen  Anzahl  von  Druckschriften  und  Karten,  welche 
im  Laufe  des  Sommers  theils  als  Geschenke,  theils  im  Tausche  der 
Gesellschaft  zugekommen  sind,  legte  der  Secretär  Herr  k.  k.  Bergrath 
Foetterle  Wandkarten,  die  beiden  Hemisphären  darstellend  von  Dr.  C. 
Vogel  in  Leipzig  zur  Ansicht  vor.  Diese  Karten  sind  mit  mehreren 
Farbentönen  auf  dem  Wege  des  Wachstuchdruckes  auf  starker  Leinwand 
ausgeführt;  hierdurch  ist  auf  denselben  jede  Art  von  Einzeichnungen 
möglich,  welche  nach  Belieben  wieder  weggewischt  werden  kann,  wo- 
durch   sich    diese    Karten    namentlich    für  den  Unterricht  vortrefflich  eignen. 

Herr  Secretär  Foetterle  las  ein  an  Herrn  Hofrath  W.  Haidinger 
gerichtetes  von  Sr.  Excellenz  dem  k.  Grossbritannischen  ausserordentlichen 
Gesandten  in  Wien,  Lord  Augustus  Loftus  ihm  zugesandtes  Schreiben 
des  bekannten  südafrikanischen  Reisenden  D.  Livingstone  aus  Tette 
am  Zambesiflusse  vom  21.  Februar  d.  J.  vor,  das  einige  interessante  Einzeln- 
heiten sowohl  über  den  Zambesi,  wie  über  die  Nebenflüsse  desselben  enthält: 

„Gestatten  Sie  mir  den  herzlichsten  Dank  für  die  Ehre  darzubringen, 
welche  mir  durch  die  Wahl  zum  correspondirenden  Mitgliede  einer  so 
ausgezeichneten  Körperschaft,  wie  die  k.  k.  geographische  Gesellschaft 
in  Wien  geworden  ist,  und  ich  werde  immer  Ihr  Diplom  als  ein  werth- 
volles    Pfand    Ihres    Beifalls    für   meine    Arbeiten    betrachten. 

Die  beste  Art  zu  zeigen,  dass  ich  wirklich  dankbar  bin,  ist  viel- 
leicht, sogleich  unsere  Correspondenz  zu  beginnen,  indem  ich  Ihnen  sage, 
was  wir  in  diesem  Theile  von  Afrika  machen,  ohne  weiteres  Vorwort, 
als  dass  ich  sage,  dass,  obwohl  Herrn  Foetterle's  Schreiben  von  14. 
October  1857  datirt  ist,  ich  es  erst  im  September  1858  erhielt.  Wir 
besitzen    nur    wenige    Eisenbahnen    in    diesem    Welttheile. 

Wir  sind  nun  mit  dem  unteren  Laufe  des  Flusses  Zambesi  be- 
schäftigt. Dieser  Fluss  ist  nicht  so  gut  bekannt,  als  es  seine  Wichtig- 
keit verdient,  und  diess  beruht  zum  Theil  darauf,  dass  er  sich,  bevor  er 
das  Meer  erreicht,  in  eine  Anzahl  von  Armen  vertheilt,  deren  keiner 
besondere  Reize  dem  vorüberfahrenden  Seemann  zeigt,  zum  Theil  wohl 
auch  einer  Art  von  Armstuhl  —  Geographie,  welche  sich  damit  begnügt, 
Karten  zu  zeichnen,  ohne  sich  ausserhalb  des  Bereiches  guter  Mittags- 
mahle zu  begeben.  Eine  solche  in  London  herausgekommene  Karte  weist 
dem  Zambesi  einen  Lauf  an,  wie  vielleicht  in  den  Tagen  des  Ptolomäus, 
d.    h.    der    Hauptstrom    fliesst    hinab     nach    Quelimane    und    dann    wird    der 

Mitteilungen  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft  III.  Bd.  3.  Heft.  • 


88  Versammlung  am  18.  October  1859. 

Traum    des    unter    der  Erde    fortfliessenden    Niger   wieder    durch    den    unter 
der    Wüste    Kalahari    fliessenden    Zambesi    auf   den    Platz    gebracht. 

Wir  fanden  den  Ausfhiss  des  Zambesi  in  das  Meer  etwa  einen 
Breitengrad  südlicher  als  Quelimane  und  mit  mehreren,  wenn  auch  kleinen, 
noch  guten  Hafenplätzen  für  den  Handel.  Wir  folgten  zuerst  einem  süd- 
lichen Arm  des  Hauptstromes  von  Luabo  und  nachdem  wir  ihn  auf  70 
Meilen  Entfernung  untersucht,  fanden  wir,  dass  er  uns  nicht  gestatten 
würde,  in  den  Hauptstrom  einzutreten.  Sodann  versuchten  wir  den  Luabo 
selbst,  ohne  dass  es  uns  gelang,  obwohl  Ihrer  Majestät  Dampfer  „Lynx" 
seitdem  eine  vortreffliche  Durchfahrt  durch  die  Barre  entdeckte.  Wir  ver- 
folgten einen  der  Arme  an  der  Südseite  des  Hauptstromes  und  fanden 
keine  Schwierigkeit,  hier  in  das  Land  einzudringen.  Wir  segelten  seitdem 
beständig  auf  dem  Zambesi  in  einem  kleinen  Dampfer,  der  nur  2y2  Fuss 
Wasser  zieht.  Das  gegenwärtige  Jahr  war  aussergewöhnlich  durch  den 
niedrigen  Wasserstand  des  Flusses,  aber  selbst  bei  dem  kleinsten  konnten 
wir  mit  einiger  Aufmerksamkeit  bis  Tette  heraufdringen,  und  gegenwärtig 
steht  das  Wasser  um  12  Fuss  höher  als  damals.  Und  nicht  nur  das, 
sondern  auch  der  Shiri  (Sehire  der  Karten),  ein  blosser  Arm  dieses 
edlen  Stromes,  gewährt  eine  schöne  Wasserstrasse  für  Dampfschiffahrt 
für    wenigstens    hundert    Meilen    aufwärts    von    seiner    Vereinigung. 

Wir  verfolgten  ihn  im  verflossenen  Monate  und  wurden  nur  durch  einen 
Wasserfall  aufgehalten;  aber  die  Eingebornen  theilten  mit,  dass  fünf 
Tagereisen  jenseits  des  von  uns  erreichten  Punctes  der  Fluss  wieder 
glatt  ist  und  dass  die  Araber  in  Kähnen  vom  Nyanja-See  herabkommen. 
Unterhalb  des  Wasserfalles  ist  das  Land  gut  bevölkert  und  bear- 
beitet. Aber  wir  wurden  deutlich  für  sehr  verdächtig  gehalten,  denn  wir 
sahen  Haufen  von  Eingebornen  uns  von  den  Ufern  betrachten,  und  wir 
bemerkten  Wachen  gegen  uns  die  ganzen  Nächte  hindurch.  Wahrschein- 
lich hatten  sie  niemals  Besuche  erhalten,  ausser  von  Menschendieben  ihrer 
eigenen  Farbe,  Europäer  hatten  sie  gewiss  vorher  niemals  gesehen.  Es 
würde  nicht  gerathen  gewesen  sein,  das  Schiff  unter  ihren  Augen  zu 
verlassen  und  eine  Reise  zu  Land  zu  unternehmen,  aber  es  war  keine 
Schande  umzukehren,  und  wir  hoffen  im  Laufe  des  nächsten  Monats  wie- 
der aufwärts  zu  schiffen.  Wir  kauften  Lebensmittel  zu  wohlfeilen  Preisen, 
und  zweierlei  Gattungen  Baumwolle  von  sehr  guter  Beschaffenheit.  Sie 
haben  Zuckerrohr,  Bananen,  Mais,  Holcus,  Sorghum,  Manioe,  süsse  Kar- 
toffeln, Bohnen,  Erdnuss  uud  Kürbisse.  Sie  scheinen  den  Ackerbau  zu 
lieben.  Sie  waren  nicht  unartig  gegen  uns  und  fielen  unseren  zum  Holz- 
sammeln ausgesandten  Leuten  nicht  beschwerlich,  aber  sie  schienen  stets 
mit  ihren  Bogen  und  vergifteten  Pfeilen  bereit,  irgend  welche  Angriffe, 
die    auf   sie    gemacht    werden    könnten,    zurückzuweisen. 

Das  einzige,  was  ihren  Anblick  hässlich  machte,  war  der  Lippen- 
schmuck der  Frauen.  Er  besteht  aus  Ringen  oder  Schalen  von  Elfenbein 
oder  Blech,  welche  in  einen  Schlitz  in  die  obere  Lippe  eingeklemmt 
werden.  Die  Lippe  wird  durch  den  Ring  allmälig  horizontal  ausgezogen, 
so  dass  der  Rand  weit  über  die  Senkrechte  von  der  Nase  hinausreicht. 
Den  Kindern  wird  nur  ein  Metallring  auf,  nicht  in  die  Lippen  gehangen, 
diess  macht  nur  einen  kleinen  Eindruck  und  wird  nur  immer  tiefer  nach- 
gedrückt, bis  sich  ein  Loch  gebildet  hat,  welches  sich  sodann  allmälig 
durch  Absorption  vergrössert,  bis  endlich  die  oben  erwähnten  Ringe  Platz 
finden.    Ich    habe    gesucht,    die    genannten    Nachweisungen    zu    geben,    weil 


Dr.  Livingstone  89 

unsere  eigenen  Damen,  welche  eine  solche  beharrliche  Virtuosität  in  Bezug 
auf  ihre  Taille  zeigen,  vielleicht  auch  wünschen  könnten,  einen  Versuch 
mit  Lippenschmuck  zu  machen.  Uebrigens  schienen  die  Leute  ganz  ver- 
ständig und  ich  sah  nichts,  was  die  Herren  unterstützen  könnte,  welche 
zu  beweisen  wünschen,  dass  wir  alle  von  einer  Race  abstammen,  welche 
einst    Schwänze    besass! 

Ein  Theil  des  Shire-Thales  ist  sumpfig  und  zur  Zeit,  wo  wir  den- 
selben durchschifften,  weideten  viele  hundert  Elephanten  in  dem  hohen 
Grase.  Der  Shire  theilt  sich  mehrmals  in  Arme,  welche  ihm  später  wieder 
zufallen  und  so  Inseln  bilden.  Wir  jagten  öfters  Elephanten  mit  dem  Dampfer. 

Es  waren  edle  Thiere  und  die  Männchen  hatten  sehr  schönes  Elfen- 
bein. Um  diese  Zeit  kommen  sie  von  den  Bergen  herab,  um  die  Früchte 
der  wilden  Palmyra  zu  essen.  Wir  sahen  viele  Fallen  aufgestellt  für 
Hippopotamuse,  welche  in  dem  Flusse  ungemein  häufig  sind.  Auch  trafen 
wir  viele  Leute  mit  Aufsammlnng  der  Lotos- Wurzelknollen  beschäftigt. 
Sie  schmecken  den  Kastanien  sehr  ähnlich.  Diese  sind  wohl  gewiss  eben  so 
gute    wahre    Lotophagen    als    die    von    Herodot    erwähnten. 

Wir  bestiegen  den  hohen  Berg  Morambala  genannt,  und  fanden  ihn 
4000  Fuss  hoch.  Er  ist  auf  der  Höhe  gut  cultivirt  und  hat  mehrere 
schöne  kleine  Quellen  von  schwachem  Stahlwasser.  Das  Volk  ist  dort 
unabhängig  und  sehr  gastfrei.  Sie  haben  Citronen-  und  Orangen-Bäume 
beinahe  wild,  auch  Ananas.  Die  Vegetation  ist  verschieden  von  der  in 
der  Ebene  und  das  Klima  herrlich.  Am  Fusse  des  Berges  ist  eine  heisse 
Schwefelquelle  von  170  F.  (612  B.  76-5  C.)  Temperatur.  Dennoch 
sind  alle  diese  natürlichen  Vortheile  zu  einer  Gesundheits-Station  von  den 
Portugiesen  nicht  benützt  worden.  Die  Strömung  des  Shire  ist  zu  mächtig  für 
ihre  Kanoes,  und  da  die  Eingebornen  einen  schlechten  Credit  haben,  so  scheint 
es,   dass   sie   sich   von   der  Untersuchung  des  Shire   abschrecken   Hessen. 

Wir  sind  nun  in  der  ungesundesten  Jahreszeit,  aber  da  wir  an  der 
Grenze  des  gesunden  Hochlandes  uns  befinden,  so  haben  die  Leute  zwar 
Fieber,  aber  nur  wenige  sterben  daran.  Anders  ist  es  nahe  der  Meeres- 
küste. Dort  ist  es  gegenwärtig  tödtlich.  Wir  haben  Chinin  als  Präser- 
vativ versucht,  aber  ich  zweifle  ob  mit  Erfolg.  Das  einzige  Gute,  scheint 
nur  -darin  zu  bestehen,  dass,  wenn  Jemand  es  regelmässig  einnimmt  und 
ihn  sodann  wirklich  das  Fieber  befällt,  er  durch  eine  oder  zwei  Extra- 
dosen in  wenigen  Stunden  den  Cinchonismus  hervorbringen  kann.  Wir 
haben  es  regelmässig  genommen,  aber  keine  der  Wirkungen  gesehen, 
welche  unsere  homäopathischen  Freunde  uns  erwarten  Hessen.  Ich  glaube, 
wir    gewöhnen    uns    an    unsere    zwei    bis    drei  Gran   regelmässig  genommen. 

Es  liegt  hier  ein  Wasserfall  vor,  der  bei  niedrigem  Wasser  schwer 
zu  überwinden  ist.  Aber  wenn  das  Wasser  steigt,  verschwindet  die  Schwie- 
rigkeit mit  Ausnahme  der  Stärke  der  Strömung.  Wahrscheinlich  werden 
wir  von  jetzt  an  in  einem  halben  Jahre  hinaufschiften  können.  Indessen 
haben  wir  erfolgreich  bewiesen,  dass  Europäer  gute  Gesundheit  geniessen 
können,  wenn  sie  nur  einigermassen  Sorge  für  sich  tragen.  Anstatt  dass 
Europäer  in  einem  Tropenklima  nicht  zu  arbeiten  im  Stande  wären,  ist 
es  vielmehr  der  Mangel  an  Arbeit  und  aufregende  Speise  und  Trank, 
welche    sie   tödten." 

Aus  einem  Schreiben  des  Herrn  Dr.  R.  Avd-Lall  emant  von  Ma- 
naor  am  Rio  Negro,  vom  9.  Juli  1859,  an  den  Herrn  k.  k.  Hofrath 
W.    Haidinger    theilte    Herr    Foetterle    Folgendes    mit: 

7* 


90  Versammlung  am  18.  October  1859. 

„Es  ist  etwas  Ungeheures  um  diesen  „Amazonenstrom."  Ich  bin 
jetzt  250  geographische  Meilen  denselben  hinaufgefahren  und  doch  will 
dieses  dahinströmende  Süsswassermeer  nicht  abnehmen.  In  Obidor  brachte 
ich  aus  sehr  sicheren  Elementen  heraus,  dass  in  einer  Minute  2.133,333 
Cubicklafter  Wasser  dort  vorbeifliessen.  Fast  überall  sieht  man  zwischen 
den  beiden  Ufern,  rückwärts  und  vorwärts,  das  Wasser  den  Horizont 
bilden,  ja,  wenn  man  der  Mündung  des  Tapajos  gegenüber  vom  linken 
Amazonenufer  jenem  Strome  zufährt,  erblickt  man  drei  Süsswasser-Hori- 
zonte,  zwei  vom  Amazonenstrom  und  einen  vom  Tapajos.  Sogar  hier  am 
Rio  Negro  sieht  man  eine  solche  Strecke  den  Strom  hinauf,  dass  sein 
Wasser    an    einer    Stelle    den    Horizont    bildet. 

Welche  wundervollen  Reiseeindrücke  habe  ich  nicht  erlebt!  Von 
Parä  machte  ich  einen  Ausflug  nach  Cameto  am  Tocuntin  und  brachte 
dort  die  Pfingsttage  zu.  Nie  habe  ich  die  Tropennatur  so  in  ihrer  tiefen 
Poesie  erlebt,  wie  dort.  Maurita-Palmen  bilden  dort  ein  Meer  von  Pal- 
men mitten  im  Süsswassermeer.  Euterpen,  die  schöne  Oenocarpus  Disticha 
und  scharf  gestachelte  Astrocaryen  helfen  ihnen  dabei.  Unter  mächtigen 
Bartholletien  mitten  im  Gebüsch  dunkler  Cacaobäume,  schlanker  Gummi- 
bäume und  kräftiger  Platanen  leben  harmlose  Tapuär  (Indianerstamm)  ihr 
stilles  Dasein  in  Friede  und  Anspruchlosigkeit.  Der  Wald,  der  Fluss  er- 
nährt sie,  keine  Arbeit  kümmert  sie.  Und  eben  weil  Wald  und  Fluss 
sie  ernährt,  sind  sie  Kinder  beider  und  bringen  eben  so  viel  Zeit  im 
Wasser  wie  auf  dem  Lande  zu.  Alles  badet,  Männer,  Frauen  und  Kinder. 
Oft  sieht  man  das  anmuthigste  braune  Gewimmel  im  Wasser.  Echte  Sy- 
renen,  schwimmen  junge  Mädchen  längs  des  Ufers  dahin,  nach  sich 
schleppend  das  glänzende  schwarze  Haar  und  im  lachenden  Scherz  um 
einander  herumgaukelnd.  Diese  Naivetät  ist  ein  so  reiner  Naturlaut,  zumal 
von  Descendenten  von  Europäern  und  Indianerinnen.  Ich  werde  es  nie 
vergessen,  wie  ich  einmal  ein  liebes,  fröhliches  Kindergesicht  auf  dem 
Körper  eines  blühenden  ausgewachsenen  Mädchens  fragte:  Wie  alt  bist 
Du?  und  nach  einigem  Nachsinnen  die  Antwort  erhielt:  40  Jahre.  Ich 
erfuhr  wohl,  dass  das  grosse  Kind  zwar  15  Jahre  alt  wäre,  aber  noch 
nicht    zählen   könne. 

In  jenen  Winkel  am  Fluss  kommt  kein  Fremder;  dort  bleibt  dieser 
Naturlaut  noch  in  seiner  vollsten  Reinheit  nnd  die  Welt  befindet  sich 
in  den  anmuthigsten  Flegeljahren.  —  In  vieler  Hinsicht  finde  ich  diese 
Naturlaute  hier  in  Manaor  wieder,  aber  schon  in  kräftigerer  Weise. 
Cultur  und  tiefer  Indianismus  haben  sich  hier  die  Hand  zur  Freundschaft 
und  Einigkeit  gegeben  und  letzterer  macht  ersterer  glauben,  dass  er 
ganz  in  sie  aufgeht.  Und  doch  sieht  man  an  allen  Ecken  und  Enden, 
dass  die  Leute  statt  Christen  nur  getaufte  Menschen  sind  und  in  den 
cultivirten  Beinkleidern  und  Unterröcken  immer  noch  Indianer  bleiben. 
Eine  Menge  Bemerkungen  habe  ich  darüber  aufgezeichnet,  ja  ich  schreibe 
mich  ordentlich  blind.  Ich  gehe  von  hier  bis  zur  Fortification  Tabatingo 
in    Peru." 

In  einem  späteren  Brief  von  Pernambuco  11.  September  1859 
schreibt  Dr.  Lallemant:  „Immer  werden  mir  diese  Waldungen  von  Le- 
guminosen, Sterculiaceen,  Ampideen  und  Palmen  unvergesslich  bleiben,  diese 
Waldungen,  wenn  im  Abendsonnenstrahle  mächtige  Aravar  und  Aravamos 
sich  durch  die  reinen  Lüfte  zogen  und  Purpurfunken  zu  sprechen  schie- 
nen.   Und    doch    war    es    vor    Allem    ein    Moment,    was    mir    das    theuerste 


Dr.  R.  Av^-Lallemant.  91 

bleiben  wird.  Ich  fuhr  im  Kahn  einen  kleinen  Fluss  (bei  Cerpa)  hinauf; 
er  endete  in  einen  zauberhaft  schönen  Landsee.  Hier  deckten  die  Riesen- 
blätter von  10  bis  12  Exemplaren  der  Uaupe  apona  (Victoria  regia) 
die  unbewegte  Fluth  und  zwei  Blüthen  lagen  halb  verborgen  zwischen 
ihnen,  von  denen  mir  die  eine  —  noch  eine  Knospe  —  als  ich  sie 
pflückte,  eine  tief  poetische  Geschichte  ihres  Blumenlebens  in  der  Mond- 
scheinnacht  erzählt   hat. 

Gleich  nach  Sonnenuntergang  blühte  die  mächtige  Nymphacee  auf, 
war  um  10  Uhr  in  voller  Pracht  offen,  beinahe  einen  Fuss  im  Durch- 
messer; am  Morgen  war  sie,  nachdem  sie  mit  ihrem  Magnolienduft  die 
ganze  Nacht  mein  Zimmer  erfüllt  hatte  —  schon  welk.  Und  in  der  That 
ist  die  schneeweisse  Blüthe,  in  der  Anfangs  nur  die  16  innersten  Blätter 
geröthet  sind,  zu  zart  für  den  tropischen  Sonnenstrahl.  Auch  wird  sie 
seltsamer  Weise  von  einer  in  ihr  und,  wie  es  scheint,  fast  nur  in  ihr 
parasitirenden  Melolonthenart  heimgesucht.  In  einer  Blume  traf  ich  in 
den  mächtigen,  geharnischten  Fruchtkasten  13  Individuen  von  diesem  son- 
derbaren Maikäfer.  Uaupe  (Vogel)  apona  (Pfanne)  ist  ein  falscher  Name 
für  die  Pflanze,  abgesehen  davon,  dass  er  der  legitime  Urwaldsname  ist, 
denn  die  Blätter  sind  am  Rand  eigentümlich  aufgeschlagen  und  wenn  so 
eine  Pfanne  voll  Wasser  ist,  kann  sich  ein  Vogel  schon  darin  baden !" 
Dr.    Lallemant    ist   am    6.    October   in    Hamburg   angekommen. 

Herr  k.  k.  Hofrath  Haidinger  berichtete  über  die  neuesten  von 
Auckland  und  Nelson  auf  Neuseeland  von  Herrn  Dr.  Hochstetter  erhal- 
tenen Nachrichten.  Zu  umfassend  um  in  der  ganzen  Ausdehnung  mitgetheilt 
zu  werden,  wollte  er  doch  nicht  säumen  in  rascher  Uebersicht  die  Er- 
eignisse, welche  die  Nachrichten  bringen,  vorzuführen.  Unter  dem  28. 
Mai  hatte  unser  hochverehrte  Freund,  eben  von  seiner  grossen  Excursion 
im  Innern  der  Provinz  Auckland  auf  der  nördlichen  Insel  zurückgekehrt, 
einen  Zeitungs-Ausschnitt  geschickt,  erhalten  am  17.  September,  über 
welchen  Herr  Hofrath  Haidinger,  während  die  naturwissenschaftlichen 
Sitzungen  unterbrochen  waren,  unmittelbar  einen  Auszug  in  der  „Wiener- 
Zeitung"  gab.  Es  war  diess  der  übersichtliche  Reisebericht  einer  Expe- 
dition, bestehend  aus  den  Herren  Dr.  Hochstetter,  0.  F.  Haast,  Drum- 
mond  Hay,  Koch  und  Hamel  mit  zahlreichen  Begleitern.  Die  Route 
ging  über  Drury  nach  Whaingaroa  oder  jetzt  Raglan  nach  Autea  und 
Kawhia;  über  das  Pirongia-Gebirge  nach  dem  Waipa,  dann  zu  den  Quel- 
len des  Wanganui  und  zum  See  Taupo  und  dann  an  den  Waikato.  Hier 
Untersuchungen  der  merkwürdigen  trachytischen  und  vulkanischen  Umge- 
gend mit  ihren  berühmten  heissen  intermittirenden  Springquellen  und  Seen 
und  endlich  wieder  den  Waikato  hinab  und  schliesslich  zurück  nach  Auck- 
land. Eine  gestern  mit  dem  Poststempel  von  Auckland  am  20.  Juli,  Schlei- 
fensendung enthielt  das  Blatt  der  „  Auckland  Provinzial  Governement  Ga- 
zette" vom  8.  Juli  mit  einem  Berichte  des  Dr.  Hochstetter,  welchen 
er  in  einer  Versammlung  der  Mitglieder  des  Auckland  Mechanic's  Institute 
am  24  Juni  gehalten  hatte,  und  welcher  nebst  einer  wissenschaftlichen 
geologischen  Einleitung  die  Einreihung  sämmtlicher  Hauptbeobachtungen 
nach    geologischer    Natur    und    geographischer    Nachweisung    enthält. 

Er    ist    nebst    der    Einbegleitung    an    den   Superintendenten  der  Provinz 

Herrn   John    William son,    durch  den  letzteren  offiziell  zum  Druck  gelegt. 

Die    heutige    Post   brachte    ein    Schreiben  mit  dem  Postzeichen  Nelson 

vom    5.     August.     Nicht    ohne    tiefe    Rührung    lesen    wir    die    umfassenden 


92  Versammlung  am  18.  October  1859. 

Berichte,  welche  spätere  Zeitungs-Ausschnitte  enthalten.  Am  Schlüsse  der 
Berichterstattung  ergreift  Herr  Heaphy,  der  Sitzungspräsident,  das  Wort 
und  redet  unseren  hochverehrten  Freund  und  Arbeitsgenossen  früherer 
Zeit    in    folgender    Weise    an : 

„Dr.  Hochstetter!  Ihr  vortrefflicher  Vortrag  —  dessen  wissen- 
schaftlichen Theil  ich  übrigens  nicht  vollständig  zu  schätzen  im  Stande 
bin  —  hat  die  Theilnahme  an  Orten  und  Gegenständen  um  uns  bestätigt, 
welche  uns  gar  geläutig  sind,  aber  deren  längst  verflossene  Geschichte 
von  dem  Griffel  des  Geologen  gezeichnet  werden  musste.  Wo  immer  man 
Ihre  Beschreibungen  liest  —  und  ich  hoffe  Sie  werden  gestatten,  dass 
dies  durch  unser  Institut  geschehe  —  überall  werden  sie  den  tiefsten 
Eindruck  auf  die  Aufmerksamkeit  der  wissenschaftlichen  Welt  machen. 
Humboldt's  Beschreibungen  verliehen  Reiz  dem  Lande  und  den  Bergen 
von  Südamerika,  Ihr  Name,  mein  Herr,  wird  unvergänglich  vereinigt  sein 
mit  den  wunderbaren  vulkanischen  Systemen  von  Neu-Seeland.  Man  hat 
mit  Recht  gesagt:  „Nie  ruht  die  Geologie  als  Wissenschaft."  Was  man 
gestern  noch  nicht  sah,  das  ist  heute  ein  Zielpunct,  und  wird  morgen 
ein  Ausgangspunct  werden,  eine  authentische  Basis,  die  wahre  Grundlage 
für  Alle  sein,  welche  nun  ihre  Arbeiten  anschliessen,  für  Mineralogen 
und  Bergmänner,  welche  sie  benützen  werden.  Im  Namen  des  Institutes 
und  der  Zuhörerschaft  empfangen  Sie  unseren  wärmsten  Dank."  (Enthu- 
siastischer   und    lang    andauernder    Beifall.) 

Es  waren  aber  auch  eine  Anzahl  von  Laiidkolonisten  von  dem  Man- 
gron District,  von  Onchunga,  von  Otahuhu  gegenwärtig.  Unter  dieser  ent- 
spann sich  eine  Besprechung,  ein  provisorisches  Comite  wurde  rasch 
gebildet,  zu  dem  Zwecke,  Herrn  Dr.  Hochstetter  ein  Andenken  von 
den  Vielen  zu  überreichen,  und  statt  eines  öffentlichen  Gastmahles,  das 
doch  nur  auf  die  Männer  beschränkt  ist,  eine  jener  viel  angenehmeren 
Zusammenkünfte,  eine  Soiree,  bei  welcher  Frauen  und  Fräulein  eben  so 
gut  theilnehmen  als  Herren  der  Schöpfung.  Unser  Freund  Hochstetter 
hatte  übrigens  billig  der  wissenschaftlichen  Beihilfe  der  Herren  Heaphy 
und  Pure  ha  s  gedacht  und  den  hohen  Werth  ihrer  eigenen  früheren 
Arbeiten    anerkannt. 

Der  Bericht  über  jene  Abendgesellschaft  zur  Ueberreichung  des  An- 
denkens (TestimonialJ  ist  nun  der  Gegenstand  eines  zweiten  Zeitungs- 
Ausschnittes.  Ueber  70  Damen  und  Herren  waren  am  25.  Juli  versammelt. 
Zahlreiche  Abbildungen  aus  den  bereisten  Gegenden  und  andere  Gegen- 
stände waren  ausgestellt.  Hochstetter  wurde  unter  warmem  Beifall  von 
den  Herren  Hochw.  A.  G.  Purchas  und  Heaphy  eingeführt.  Auf  den 
Antrag  des  Herrn  W.  Buckland  nahm  John  Williams on,  Esq.  Super- 
intendent, den  Vorsitz  ein.  Nun  zuerst  Herrn  Williamson's  anregende 
Ansprache  voll  Anerkennung  für  die  „Novara"  und  für  unseren  Freund. 
Sodann  stand  Oberst  Mo uld  auf  und  las  die  von  Herrn  Leon  De  Laville 
kunstreich  ausgefertigte  Adresse,  in  welcher  Herrn  Dr.  Hochstetter, 
ebenfalls  hoch  anerkannt,  der  WTunsch  zu  erkennen  gegeben  wird,  er 
wolle  eine  ihm  überreichte  Börse  freundlich  aufnehmen  und  sich  ein  Stück 
Silberzeug  anschaffen,  zu  immerwährendem  Andenken  für  seine  Familie 
und  sein  Vaterland,  endlich,  dass  er  darauf  eine  Inschrift  graviren  lassen 
wolle  folgenden  Inhalts:  „Ueberreicht  an  Dr.  Hochstetter,  Geologen 
der  kaiserlich  königlichen  Oesterreichischen  wissenschaftlichen  Expedition 
in    der    Fregatte    „Novara*    von    den     Bewohnern     der    Provinz    Auckland, 


Dr.  Hochstetter.  93 

Neu-Seeland,  als  Anerkennung  der  ausgezeichneten  Dienste,  welche  ihnen 
durch  seine  Untersuchungen  in  den  mineralischen  und  landwirtschaftlichen 
Hilfsquellen    der    Provinz    geleistet    worden    sind." 

Die  Börse  selbst  ist  von  kastanienbraunem  Sammt,  von  Fräulein 
Mould,  der  Geberin,  geschmackvoll  in  Gold  gestickt.  Sie  enthielt  ISO 
Pfd.  St.  (nach  dem  Tagskurse  1800  fl.  Oe.  W.).  Nun  folgt  die  Dank- 
rede unseres  Freundes  Hochstetter,  voll  der  innigsten  Gefühle,  durch- 
drungen von  den  schönen  Erfolgen,  der  wohlwollenden  Aufnahme,  der 
Erinnerung  an  seine  Aufnahme  in  England  vor  dem  Beginn  der  Reise, 
und  wie  ihm  ein  Philosophical-Clubb  Erfolge  zugewünscht,  der  Erinnerung 
an  unsere  „Novara".  Sodann  in  englischer  Uebersetzung  die  Maori-An- 
sprache  des  Häuptlings  aus  dem  Ngatiwhatua-Stamme  Paora  Tuhabre, 
welcher  umgeben  von  mehreren  seiner  Landsleute  vortrat,  und  an  Dr. 
Hochstetter  seine  Rede  hielt.  Hochstetter  seinerseits  beantwortete 
dies«  Ansprache  gleicherweise  in  Maori,  und  zwar  in  so  genauer  Aus- 
sprache und  Deutlichkeit,  dass  sie  den  Eingebornen  vollkommen  verständ- 
lich war.  Sie  schloss  sich  ganz  den  Ideen  der  Eingebornen  aus  diesen 
so  sehr  bildungsfähigen  Stämmen  an  und  führte  ihnen  ihre  Traditionen 
und  ihre  verschiedenen  Häuptlinge  und  Gegenden,  welche  Hochstetter 
besucht,  das  Wohlwollen,  welches  er  in  der  Aufnahme  erfahren,  in  ein- 
dringlichster   characteristischer    Weise   vQr. 

Am  Schlüsse  seiner  Maori -Rede  schüttelten  die  Eingebornen  Dr. 
H  ochste tter's  Hand  und  dankten  ihm  für  diese  freundlichen  Abschiedsworte. 

Der  Abend  schloss  mit  Gespräch,  Musik  und  Betrachtung  von  Zeich- 
nungen und  Karten.  Um  10  Uhr  begann  der  Tanz  und  währte  noch 
einige  Stunden.  So,  sagt  das  Blatt,  vergnüglich  für  alle  Theile,  schloss 
die  letzte  öffentliche  Gelegenheit,  in  welcher  Dr.  Hochstetter  —  wahr- 
scheinlich für  mehrere  Jahre  nicht  mehr  mit  den  Bewohnern  von  Auck- 
land    in    Gesellschaft    sein    kann. 

Hochstetters  Schreiben  selbst  enthält  mehr  den  Eindruck  der 
nun  immer  näher  an  ihn  heranrückenden  Gerüchte  von  kriegerischen 
Ereignissen,  als  Wissenschaftliches.  Es  war  vom  23.  Juli  datirt,  vom 
3.  August  ein  Beiblatt  von  Nelson  auf  der  südlicheren  der  beiden  grös- 
seren Inseln  datirt.  Er  benützte  dazu  den  Dampfer  „Lord  Achlay."  Er 
besuchte  auf  dem  Wege  einen  Tag  New-Plymouth  am  Fuss  des  pracht- 
vollen Vulkankegels  Mount  Egmont  (Taranaki)  und  brachte  eine  von  Hr. 
Heaphy  ausgeführte  vortreffliche  Zeichnung  desselben,  auch  ein  getreues 
photographisches  Bild  mit.  „ Von  da  weg  hatte  ich,"  schreibt  Hochstetter, 
„eine  sehr  stürmische  Passage  durch  die  in  dieser  Beziehung  sehr  berüch- 
tigte Cooks  -  Strasse ,  bis  ich  in  Port  Nicholson  zwischen  hohen  Thon- 
schiefergebirgen  in  der  Stadt  Wellington  zum  zweiten  Mal  an's  Land 
kam.  Von  da  fuhren  wir  gestern  Abend  ab  und  kamen  heute  Früh  wohl- 
behalten   in    Nelson    an,   dem    Garten    Neu-Seelands. 

Ich  hatte  eine  dringende  Einladung  bekommen  für  Nelson  ehe  ich 
Neu-Seeland  verlasse,  um  die  Gold-,  Kupfer-  und  Kohlenfelder  der  Pro- 
vinz zu  sehen  und  ich  glaubte  dieser  Einladung,  die  mir  Gelegenheit 
gibt,  eine  geologisch  gänzlich  verschiedene  Gegend  zu  sehen,  Folge  leisten 
zu  müssen.  Schon  der  erste  Tag  lohnte  sich  durch  merkwürdige  wahr- 
scheinlich devonische  Petrefacten,  welche  ich  nahe  bei  der  Stadt  fand. 
Der    Platz   wird    in    den    nächsten   Tagen    eine    reiche    Fundgrube   für   mich 


94  Versammlung  am  18.  October  1859. 

werden.  Ausserdem  prachtvolle  Gabbros  und  Serpentine  u.  s.  w.  mit  Kupfer- 
erzgängen.   Doch    darüber    später    und    ausführlicher. 

Ich  wurde  hier  förmlich  mit  allen  Ehren  empfangen,  in  einem  beflaggten 
officiellen  Boote  an  Bord  des  Dampfers  abgeholt.  Ich  fand  Alle,  den  Super- 
intendenten und  die  ersten  Männer  von  Nelson  am  Ufer  versammelt,  im 
Hotel  bequemes  Logis  für  mich  bereit  und  wurde  alsbald  durch  die  Nach- 
richt überrascht,  dass  der  Dampfer  die  „Tasmanian  Maid"  im  Hafen  ganz 
zu  meiner  Disposition  sei  für  die  nächste  Woche,  um  alle  die  wichtigen 
Puncte  an  der  Küste  besuchen  zu  können.  So  ist  mir  Alles  leicht  ge- 
macht und  ich  hoffe  in  dem  Monat,  den  ich  in  der  Provinz  Nelson  zuzu- 
bringen gedenke,  Gelegenheit  zu  haben,  viel  zu  sehen  und  somit  mit 
der  nächsten  Post  Ihnen  auch  viel  zu  schreiben.  Ich  fahre  mit  dem  Sep- 
tember-Dampfer   (1.    oder    2.    September)    nach    Sydney." 

Herr    k.    k.    Hofrath    Haidinger    macht    folgende    Mittheilung: 

Durch  das  freundliche  Wohlwollen  des  Herrn  Dr.  Franz  Liharzik 
Verfassers  des  so  wichtigen  Werkes:  „Das  Gesetz  des  menschlichen 
Wachsthums  u.  s.  w.a,  das  wieder  in  so  enger  Beziehung  steht  mit 
dem  von  den  Herren  Dr.  Scherz  er  und  Dr.  Schwarz  während  unserer 
„Novara"  Fahrt  aufgestellten  Systeme  der  Körpermessungen  u.  s.  w.,  ist 
es  mir  vergönnt,  der  hochverehrten  Gesellschaft  aus  den  letzten  Lebens- 
tagen unseres  Humboldt  noch  eine  Mittheilung  über  seine  lebhafte  Theil- 
nahme  an  unserer  so  anregenden  Erdumsegelung  zu  machen,  und  wie  er 
stets  mit  grosser  Aufmerksamkeit  die  Expedition  der  „Novara"  verfolgte 
und  wie  er  gerne  sehr  viel  davon  gesprochen.  So  schreibt  von  Berlin 
am  14.  October  Herr  Johann  Seifert,  der  vielverdiente  Kammerdiener 
Humboldt's,  der  ihn  seit  33  Jahren  umgab.  Er  äussert  noch,  dass  er 
seinem  unvergesslichen  Herrn  bereits  im  Jahre  1858  versprach,  wenn 
die  „Novara"  glücklich  zurückgekommen  sei,  er  dem  Schiffe  das  Bild 
Alexander  v.  Humboldt's  in  seiner  Bibliothek  verehren  werde,  und  dass 
er,  „so  wie  er  mit  der  Bibliothek,  die  ihm  sein  hoher  Herr  schon  im 
Jahre  1858  den  25.  November  in  einer  gerichtlichen  Urkunde  geschenkt 
in  Ordnung  ist,  er  nicht  säumen  werde,  dasselbe  der  „Novara"  zu  über- 
senden." Mit  dankbarer  Bührung  spricht  er  von  dem  grossmüthigen  Ge- 
schenke, das  von  Sr.  k.  k.  Apostolischen  Majestät  ihm  für  ein  Exemplar 
dieses  Bildes  zu  Theil  ward,  welches  er  auf  Allerhöchste  Anordnung 
übersendet    hatte. 

Herr  k.  k.  Custos-Adjunct  G.  Frauen  fei  d,  den  der  Herr  Präsident 
mit  herzlichen  Worten  sowohl  über  seine  glücklich  erfolgte  Bückkehr,  so 
wie  über  die  mit  so  vielem  Erfolge  zurückgelegte  Fahrt  der  k.  k.  Fre- 
gatte „Novara,"  der  er  bei  ihrer  Erdumsegelung  als  Zoologe  angehörte, 
beglückwünschte,  und  wozu  die  ganze  Versammlung  durch  Erheben  von 
den  Sitzen  ihren  Beifall  zu  erkennen  gab,  theilte  einige  Notizen  zur  Kennt- 
niss  über  die  Insel  Neu-Amsterdam  im  Ostindischen  Meere  mit,  die  er 
theils  durch  eigene  Erfahrung  und  Anschauung  sammelte,  theils  aus  einer 
in  dem  „Caleutta  Journal  of  the  Asiatic  Society"  enthaltenen  Erzählung 
zweier  schiffbrüchiger  Matrosen,  die  14  Monate  auf  dieser  Insel  zu- 
brachten,   entlehnte. 

Herr  k.  k.  Hofrath  Haidinger  legte  folgendes  Schreiben,  datirt 
vom    18.    October    1859,    von    Herrn   Dr.    Carl    Scherzer   vor: 

„Im  Begriffe  nach  Triest  abzureisen,  wo  eine  grosse  und  lange 
Arbeit,    die    Herausgabe    des    mitgebrachten    literarischen   Materials,    dringend 


W.  Haidinger.  95 

meiner  harrt,  bin  ich  leider  nicht  in  der  Lage,  der  ersten  Sitzung  der 
k.  k.  geographischen  Gesellschaft  beiwohnen  und  den  hochverehrten  Mit- 
gliedern derselben  persönlich  (wie  ich  es  jetzt  schriftlich  thue)  meinen 
tiefgefühlten  Dank  für  das  ehrenvolle,  ungeschwächt  bewahrte  Interesse 
ausdrücken  zu  können,  welches  diese  hochangesehene  Körperschaft  meinen 
Bestrebungen  während  der  Reise  Sr.  Majestät  Fregatte  „Novara"  um  die 
Erde    schenkte. 

Ich  erlaube  mir  daher  Ihnen  angeschlossen  einige  Mittheilungen  über 
meine  Thätigkeit  im  letzten  „Novara"  -  Jahre  mit  der  höflichen  Bitte  zu 
übersenden,  dieselben  in  der  nächsten  Sitzung  der  k.  k.  geographischen 
Gesellschaft  in  meinem  Namen  gütigst  vorlegen  zu  wollen.  —  Unter  dem 
Schutze  einer  gnadenreichen  Vorsehung  von  einer  ebenso  gefahrvollen 
als  beschwerlichen  Reise  wieder  gesund  und  wohlerhalten  zurückgekehrt, 
und  durch  einen  Act  kaiserlicher  Huld  ausgezeichnet,  der  für  mich  einen 
doppelt  hohen  Werth  durch  die  wahrhaft  rührende  Theilnahme  erhält, 
welche  derselbe  in  dem  Herzen  meiner  Mitbürger  hervorrief,  will  ich  nun 
mit  allem  Aufwände  meiner  Kräfte  mich  beeifern,  die  gesammelten  Erfah- 
rungen zum  Frommen  meines  Vaterlandes  zu  benützen,  um  so  jener  hohen 
Auszeichnung  und  jener  edlen  Sympathien  nicht  ganz  unwürdig  zu  er- 
scheinen,   die    mich    eher   demüthig    als    stolz    machen." 

Herr  Secretär  Foetterle  las  hierauf  die  im  Vorhergehenden  erwähnten 
Mittheilungen  vor,  die  sich  auf  die  Fahrt  Sr.  Majestät  Fregatte  „Novara" 
von  Valparaiso  bis  Triest  und  auf  Herrn  Dr.  K.  Scherzer's  Ueberland- 
reise  von  Valparaiso  über  Lima,  Panama,  London,  Gibraltar  und  Triest 
beziehen. 

Schliesslich  legte  Herr  Secretär  Foetterle  zwei  Mittheilungen  des 
Herrn  Professor  L.  H.  Jeitteles  in  Kaschau  an  die  Gesellschaft  vor. 
Die  eine  enthält  Quellenmessungen  in  den  Sudeten  und  Karpathen,  die 
Herr  Professor  Jeitteles  im  Jahre  1858  ausführte,  die  andere  „das 
Erdbeben  am  15.  Jänner  1858  in  seinen  Beziehungen  zur  Atmosphäre" 
behandelt  die  meteorologischen  Erscheinungen  vor,  während  und  nach  dem 
Erdbeben  vom  15.  Jänner  1858  in  jenen  Gegenden,  welche  von  dem 
Erdbeben    betroffen   wurden. 

Herr  Foetterle  theilte  folgende  ihm  von  dem  Mitgliede  Hrn.  Dr. 
E.    H.    Costa   in    Laibach    zugesendete    Notiz    mit: 

„Aus  einem  mir  zugekommenen  Schreiben  des  früher  in  Adelsberg 
gewesenen,  jetzt  in  Neumarkt  bei  Salzburg  bediensteten  Civil-Ingenieurs 
P.  Eunike  entnehme  ich  Nachstehendes  über  die  bisher  noch  wenig  un- 
tersuchte Planinaer-Grotte:  „Diese  Grotte  hat  mich  nicht  so  sehr 
befriedigt,  wie  ich  es  gewunschen  hätte,  doch  ist  sie  immerhin  interes- 
sant genug,  und  als  eine  Bereicherung  der  Kenntniss  unseres  Grottensystems 
anzusehen.  Eine  genaue  Beschreibung  behalte  ich  mir  vor,  für  jetzt  nur 
Einiges  in  aller  Kürze.  Sie  liegt  10  Minuten  oberhalb  Laase  und  hat  die 
Richtung  NW.  —  Vom  Eingange  angefangen,  der  sehr  eng  ist,  kommt 
man  in  70°  Entfernung  mit  22°  Gefäll  zu  einem  ebenen  Raum,  in  den 
2  Gänge  einmünden,  die  sich  rückwärts  vereinigen,  und  deren  Ende  ein 
furchtbarer  Einsturz  ausmacht.  Der  tiefste  Punct  der  Grotte  liegt  2°  tiefer 
als    das     Flussbett.*)     Es     finden     sich     recht     hübsche   Tropfsteingebilde, 


*)  Des  Unzbaches. 


96  Versammlung  am  18.  üctober  1859. 

namentlich  das  täuschend  ähnliche  des  „ Bischofs. u  Die  ganze  Grotte  mit 
allen  Verzweigungen  hat  eine  Länge  von  160°.  Besonders  schön  ist  der 
Eingang  in  die  Grotte  gelegen  —  auf  einer  Anhöhe,  die  den  schönsten 
L'eberblick  über  das  ganze  Planina-Thal  gewährt;  man  sieht  Planina,  Klein- 
häusel,   Mühlthal    und    Schloss    Haasberg." 

Eine  andere  Notiz  des  Herrn  Dr.  E.  H.  Costa  ist  folgende: 
„In  den  letzten  Jahren  wurde  das  Bedürfniss  eines  genauen  Orts- 
lexicons  über  mehr  gefühlt,  und  es  wurden  auch  einige  meist  ganz  verun- 
glückte Versuche  gemacht,  diesem  Bedürfnisse  abzuhelfen.  (Vgl.  die  Vor- 
träge des  k.  k.  Ministeriais ecretärs  Dr.  Bek  in  der  Versammlung  vom 
17.  Februar  1857  und  des  Herrn  Vizepräsidenten,  Freiherrn  von  H ei- 
fert in  der  Versammlung  vom  23.  October  1858).  Den  neuesten  diess- 
fälligen  Versuch  bildet  das  bei  G.  H.  Fri  edl  ei  n  in  Leipzig  erscheinende, 
vom  Herausgeber  des  Leipziger  Messadressbuchs  und  des  deutschen  Handeis- 
Adressbuches  H.Rudolph  verfasste  „vollständige  geographisch-topograpisch- 
statistische  Ortslexikon  von  Deutschland,"  von  welchem  mir  die 
beiden  ersten  Hefte  vorliegen.  (Spalte  1 — 192  lex.  8°.)  Das  Lexikon 
soll  enthalten  „alle  Städte,  Flecken,  Pfarr-,  Kirch-  und  andere  Dörfer, 
Ort-  und  Bauerschaften,  Kirchspiele,  Schlösser,  Rittergüter,  Vorwerke, 
Weiler,  Hüttenwerke,  Mühlen,  Höfe,  merkwürdige  Ruinen,  Krüge,  Ein- 
schichten, Einöden  (u.  z.  in  alfabetischer  Reihenfolge)  der  gesammten 
deutschen  Bundesstaaten,  so  wie  der  unter  Oesterreichs  und  Preussens 
Botmässigkeit  stehenden  nicht  deutschen  Länder."  Die  ersten  beiden  Hefte 
reichen  bis  Banemin.  Jede  Spalte  enthält  mehr  als  60  Namen  ,  die 
beiden  vorliegenden  Hefte  somit  an  12,000  Ortschaften  etc.  Das  ganze 
Werk  aus  20  Lieferungen  bestehend  soll  im  Zeiträume  von  2  Jahren 
vollendet  sein  und  ISO, 000  Artikel  enthalten.  Jedem  Orte  ist  mit  wenigen 
Schlagworten  beigefügt  1.  Staat,  Provinz,  Kreis-Amt  oder  Gerichtsort, 
wozu  er  gehört;  2.  geograph.  Lage  und  Entfernung  vom  betreffenden 
Kreis-.  Amts-,  oder  Gerichtsorte  gerade  durchgemessen;  3.  Fluss  oder 
See,  an  welchem  der  Ort  rechts  oder  links  liegt;  4.  Einwohnerzahl,  Ge- 
werbthätigkeit,  industrielle  Etablissements;  o.  Postanstalten,  Eisenbahn-, 
Dampfschiff-  und  Telegraphenstationen.  Zum  Schlüsse  ist  für  Kauf-  und 
Gewerbsleute  ein  alphabetisches  Verzeichniss  von  Waaren,  Fabrikaten, 
Producten  u.  s.  w.  mit  Angabe  der  Orte,  an  welchen  dieselben  haupt- 
sächlich ihren  Markt  haben  oder  erzeugt  werden,  zugesagt.  Dass  von  ab- 
soluter Vollständigkeit  keine  Rede  sein  kann,  versteht  sich  von  selbst. 
Ich  habe  das  1.  Heft  in  Bezug  auf  Krain's  Orte  genau  geprüft  und 
namentlich  mit  dem  officiellen  Ortsverzeichniss  verglichen,  und  bin  zu 
folgenden  Resultaten  gekommen.  Unter  fünfzig  krain.  Ortschaften  des 
1.  Heftes  (A — Annamühle)  fehlen  sieben:  Afriach  (slov.  Javorje)  mit 
186  Einw.  25/8  Meilen  von  Lack,  Aichelten  mit  08  Einw.  im  Bezirke 
Kronau;  Alben  23/8  Meilen  von  Laibach;  Altenmarkt  mit  9o  Einw. 
im  Bezirke  Weixelburg;  St.  Ambrosi  mit  58  Einw.  bei  Krainburg; 
St.  Andrä  bei  Lack  und  Andrecji  bei  Laas  mit  18  Einw.  Gefehlt  ist  es 
ferners,  dass  eine  seit  1850  nicht  mehr  bestehende  Kr  eiseint  h  eilung 
angeführt  wird.  Dann  gehört  Aibel  zum  Bezirke  Gotschee  und  nicht 
Neustadl,  Altabor  zu  Neustadt  und  nicht  zu  Gotschee,  Andoll  zu  Gross- 
laschitz  und  nicht  zu  Laibach.  Ein  Dorf  mit  Namen  St.  Agatha  findet 
sich  im  officiellen  Ortsverzeichniss  nicht.  Althammer  ist  im  slovenischen 
stara  fuscina   (anstatt  stare  fuzine)   geschrieben.    Sehr    bedeutend    und 


F.  Foetterle  97 

zahlreich  sind  die  Abweichungen  in  der  Einwohnerzahl,  wobei  ich  jedoch 
bemerken  muss,  dass  auch  das  efficielle  Ortsverzeichniss  nicht  die  letzte 
Zählung  (sondern  die  von  1851)  zu  Grunde  gelegt  hat,  daher  auch  die 
Angaben  dieses  letztern  keinen  Anspruch  auf  unbedingten  Glauben  haben. 
In  nachfolgender  Uebersicht  dieser  Abweichungen  gibt  die  erste 
Zahl  die  des  Rudolph'schen  Ortslexikons,  die  zweite  die  des  officiellen 
Verzeichnisses    an: 

R.         Off.  R.  Off. 

Adleschitz 820  .    .  130  Altlak  .    .    .    1120  .    .  585 

Aich  .    .        760  ..  500  Altlinden  .    .     470      .  158 

Alben 1180  .    .  108  Altoberlaibach  455  .    .  350 

Altdirnbaeh 515  ..  168  Altosslic  .    .    .  630  .    .  530 

Altenlak 1035  .    .  539  Altsaag  .  -.    .   750  .    .  165 

Altenmarkt  bei  Pölland  .  1000  .    .  217  St.  Andrii  .    .   560  .    .    47 

Die  übrigen  Angaben  des  Lexikons  sind  genau.  Nimmt  man  an,  dass 
die  fehlenden  Ortschaften  durchgehends  unbedeutend  sind,  und  mit  Aus- 
nahme einer  (welche  aber  vielleicht  bei  Javorje  nachgetragen  wird)  weniger 
als  100  Einwohner  haben;  dann  dass  genaue  Angaben  in  Betreff  der 
Einwohnerzahl  auch  das  neueste  officielle  Ortsverzeichniss  nicht  biethet,  so 
kann  der  Schluss  gerechtfertigt  erscheinen,  dass  das  vorliegende  Ortsle- 
xikon (trotz  des  Mangels  absoluter,  für  Privatkräfte  aber  eigentlich  ganz 
unerreichbarer  Vollständigkeit)  immerhin  für  practische  Zwecke  brauch- 
bar gelten  kann,  durch  die  grosse  Anzahl  der  Artikel,  und  eine  ziem- 
liche   Verlässlichkeit    in    den    wesentlichsten    Puncten." 


IHngegangene  Druckschriften. 

Nouvelles  annales  des  voyages  de  la  geographie,  de  l'histoire  et  de  l'areheologie. 
Paris.    VI.    Ser.    V.    Ann.    1859,    Mai— August.  Von    der    Redaction. 

Pester-Lloyd   1859.    Nr.  137   bis   zu    Nr.   256.  Von  der  Redaction. 

Wochenblatt   der   k.    k.    steierm.    Landwirthschafts-Gesellschaft.    Gratz.    1859.  Nr.  16 — 26. 

Von    der    Gesellschaft. 

Mittheilungen    aus    dem    Gebiete    der    Statistik.    Wien    VII.    Hft.    2.    3.    1858. 

Von    der   k.    k.    Direction    der   administrativen   Statistik. 

Centralblatt   für   die   gesammte   Landescultur.   Prag    1859   Nr.   23 — 42. 

Von   der   k.    k.   patr.    ök.    Gesellschaft. 

Mittheilungen  über  Gegenstände  der  Landwirthschaft  und  Industrie  Kärnthens.  Klagen- 
furt  1859.   Nr.   5—8.  Von    der   k.    k.   Landw.    Gesellschaft. 

Gospodarski  List.  Zagrebu  1859.  Nr.  23—42.      Von  der  k.  k.  kroat.  slav.  Ackerb.-Ges. 

Austria.    Wochenschrift   für  Volkswirtschaft   und  Statistik.    Wien   1859.    Nr.    23—42. 

Von    der   Redaction. 

Verhandlungen  und  Mittheilungen  des  n.  ö.  Gewerbe -Vereines.  Wien.  Jahrg.  1859. 
Hft.   4—6.  Vom   Vereine. 

Aegypten.  Reisebilder  aus  dein  Orient.  Dem  Hochgebornen  Herrn  Grafen  Jos.  Breuner 
hochachtungsvoll  gewidmet,  nach  der  Natur  gezeichnet  und  herausgegeben  von 
L.   Libay.    Wien    1859.    V.    Lief.  Vom    Herrn    Grafen   Aug.    v.   Breuner. 

Approdi  in  Trieste  secondo  bandiere  durante  i  primi  semestri  degli  anni  solari  1859. 
1858.    c   1857.   —  Navigli   approdati   in  Trieste   nel    solare    1858. 

Von    der  Handelskammer. 

Bericht  II.  III.  über  die  allgemeine  ordentliche  Sitzung  der  Prager  Handels-  und  Ge- 
werbekammer  am   7.   März,    am   8.    April    1859.         Von    der   Handelskammer. 

44.  Jahresbericht  der  Naturforschenden  Gesellschaft  in  Emden.  1858.  —  Hannover'sche 
Zeitung    1859.    Nr.    77,   79,    175,    177,   203,  261.  Von   Herrn   Dr.    Metger. 


98 

Landwirthschaftliche  Zeitschrift  von  und  für  Ober-Oesterreich.  Linz  1859.  Nr.  12—20. 

Von    der    k.    k.    La  nd  wir t lisch. -Gesel  I  schalt. 
Bolletino    dell'   Associazione   agraria    friulana.    Udine.    1859.    Nr.    11  — 15. 

Von  der  Ackerbau-Gesellschaft. 
Bildliche  Darstellung  des  Ganges  der  Witterung  vom  1.  Dez.  1857  bis  30.  Nov.  1858. 
im  Königreich  Hannover.  Nach  den  zu  Clausthal  und  Emden  angestellten  meteoro- 
logischen Beobachtungen.  Von  Dr.  M.  A.  J.  Prestel.  —  Wetter-Beobachtungen, 
aufgezeichnet  in  Emden  von  Dr.  M.  A.  J.  Prestel.  Beobachtungs- Jahr  vom 
1.    Dec.    1857   bis    30.    Nov.    1858.  Vom   Herrn    Verfasser. 

Die  Privilegien  der  k.  k.  landesf.  Stadt  Fürstenfeld  mit  einer  historisch-topograph. 
Skizze  derselben.  Gratz  1857.  —  Hartberg.  Histor.-topograph.  Skizze  der  Haupt- 
pfarre, Stadt  und  Umgebung.  Gratz  1859.  —  Ansichten  aus  der  Steiermark 
u.  s.  w.  IV.  Hft.  —  Die  künftigen  Grenzen  der  Sekauer-  und  Lavanter-Diöcese 
in  Steiermark  (im  kath.  Wahrheitsfreund.  Gratz  1859.  Nr.  14).  —  Die  steier- 
märkischen  Schützon-Freiwilligen-Bataillone  und  ihre  Leistungen  in  den  Jahren 
1848  und  1849.  Gratz  1857.  —  Schriften  des  historischen  Vereins  für  Inner- 
Oesterreich.  1.  Hft.  Gratz  1858.  —  Mittheilungen  des  histor.  Vereines  für  Steier- 
mark.   Gratz    1850—1858.    I— VIII.  Vom    histor.    Vereine. 

Mittheilungen    des   ungar.   Forst-Vereines.    N.    F.    I.    Hft.    1.    2.    Presshurg    1859. 

Vom   Vereine. 

Journal  of  the  American  Geographical  and  Statistical  Society.  New-York.  I.  1 — 6. 
Jan. -Juni    1859.  Von    der    Gesellschaft. 

Verhandlungen  der  gelehrten  Estnischen-Gesellschaft  zu  Dorpat  I.  1 — 4.  II.  1 — 4.  III. 
1.   2.    IV.    1.    2.    1840—1858.  Von    der   Gesellschaft. 

Importance  of  the  Study  of  legal  Medecine:  a  lecture  introductory  to  the  course  on 
medical  Jurisprudence  at  the  medical  College.  By  James  Wynne  M.  D.  New- 
York    1859.  Vom    Verfasser. 

Synopsis  filicum  Africae  Australis  or  an  enumeration  of  the  South  African  ferns  hi- 
therto  Known.  By  L.  Pappe  M.  D.  and  the  Hon.  Bawson  W.  Bawson  Esq. 
Cape  Town.  1858.  —  Synopsis  of  the  edible  Fishes  at  the  Cape  of  Good 
Hope.  By  L.  Pappe  M.  D.  Cape  Town  1853.  —  Flora  capensis  medicae  Prod- 
romus,  or  an  enumeration  of  South  Africa  plants  used  as  remedies  by  the  Colo- 
nists  of  the  Cape  of  Good  Hope.  By  L.  Pappe  M.  D.  2d  edit.  Cape  Town. 
1857.  Vom    Verfasser 

Achter  Jahresbericht  über  die  Wirksamkeit  des  Werner -Vereines  zur  geologischen 
Durchforschung    von    Mähren    und    Schlesien    im  Vereins-Jahre    1858.    Brunn  1859. 

Vom    Vereine. 

Militär-Zeitung.    Wien    1859.    Nr.    25.    56.    58—78.   80—83.  Von  der  Bedaction. 

Auszug  aus  dem  statistischen  Berichte  der  Handels-  und  Gewerbekammer  Ober- 
Oesterreichs   für    das   Jahr    1858.    Linz    1859.  Von    der    Handelskammer. 

Beiträge  zur  Statistik  der  inneren  Verwaltung  des  Grossherzogthums  Baden.  X.  Hft. 
Carlsruhe    1859.  Vom    grossherz.    Ministerium. 

Zeitschrift  für  populäre  Mittheilungen  aus  dem  Gebiete  der  Astronomie  und  verwandter 
Wissenschaften.    Altona    1859.    I.    2.  Von    der   Bedaction. 

Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Beichsanstalt.  Wien  1859.  X.  1.  —  VIII.  Jahresbe- 
richt der  k.  k.  Ober-Bealschule  in  der  Vorstadt  Landstrasse  in  Wien  für  das 
Schuljahr  1858 — 1859.  —  Programm  des  k.  k.  Gymnasiums  zu  Znaim  am  Schlüsse 
des  Schuljahres  1859.  —  Programm  des  k.  k.  Ober-Gymnasiums  zu  Troppau 
für  das  Schuljahr  1859.  —  VIII.  Jahresbericht  für  die  st.  st.  Ober-fiealschule 
in  Gratz  für  das  Studienjahr  1859.  —  Programm  der  st.  st.  vollständigen 
Bealschule  zu  Gratz  und  der  commerciellen  Abtheilung  derselben  für  das  Stu- 
dienjahr 1859 — 1860.  —  Programm  des  k.  k.  Staats-Gymnasiums  in  Pest  für 
das  Schuljahr  1859.  —  IX.  Programm  des  k.  k.  Gymnasiums  in  Triest  zu 
Ende  des  Schuljahres  1859.  —  Jahresbericht  des  k.  k.  Ober-Gymnasiums  zu 
den  Schotten  in  Wien  am  Schlüsse  des  Schuljahres  1859.  —  Jahresbericht 
der  k.  k.  Ober-Bealschule  am  Schottenfeld  in  Wien,  für  das  Studienjahr  1858 
— 1859.  —  VI.  Jahresbericht  des  k.  k.  kathol.  Ober-Gymnasiums  zu  Schem- 
nitz  am  Schlüsse  des  Schuljahres  1859.  —  Personalstand  und  Vorlese-Ordnung 
an  der  ständ.-technischen  Lehranstalt  in  Gratz  am  Studienjahre  1860.  —  VIII. 
Jahresbericht    über    das    k     k      kathol.    Gymnasium    zu    Ofen.     1859.    —    Tudösit- 


99 

vany  a  Szegedi  Kegyes  Tanitorendi  Nagy-Gymnasiumrol.  1858 — 1859  iki  Tanevre. 
—  Uebersicht  von  der  Production  der  Bergwerke,  Hütten  nnd  Salinen  in  den 
preussischen    Staaten   im   Jahre    1854 — 1856.    1858. 

Von    der   k.   k.    geolog.    Reichs-Anstalt. 

Programm  des  k.  k.  Gymnasiums  in  Gratz,  veröffentlicht  am  Schlüsse  des  Studienjahres 
1859.  Von    der  Gymn.   Direction. 

Bulletin  de  la  Societe  Imp.  des  Naturalistes  de  Moscou  1859.  Nr.  1 — 2.  —  Ein  Ge- 
denkblatt  für   Alex,    von   Humboldt.    Von   H.   Trautschold.  Moscau    1859. 

Von    der   kais.    Gesellschaft. 

Programm    des    k.    k.    Gymnasiums   zu   Kremsmünster   für   das   Schuljahr   1859. 

Von    der  Gymn.    Direction. 

Fest-Programm  des  k.  k.  Evangel.  Gymnasiums  zu  Teschen  zur  Erinnerung  an  die 
150jährige  Jubelfeier  dieser  Lehranstalt,  veröffentlicht  von  der  Direction  im 
Jahre    1859.  Von  der    Gymn.   Direction. 

Der  Geschichtsfreund.  Mittheilungen  des  historischen  Vereins  der  fünf  Orte  Lucern, 
Uri    u.    s.    w.    XV.    Einsiedeln.    1859.  Vom   histor.    Vereine  in   Lucern. 

Berichte   der   Rheinischen    Missions-Gesellschaft.   Barmen.   Mai — Sept.    1858. 

Von   der   Gesellschaft. 

Vodnikow  Spomenik.  Vodnik  Album.  Herausgegeben  von  Dr.  E.  H.  v.  Costa.  Laibach 
1859.  Vom   Herausgeber. 

Programm    des    k.    k.    Gymnasiums    zu    Agram    am    Schlüsse   des   Schuljahres  1859. 

Von    der    Gymnasial-Direction. 

Atti  di  uffizio  ed  annunzi  della  Camera  di  Commercio  e  d'industria  in  Fiume.  Agosto, 
Settembre    1859.  Von    der   Handelskammer. 

Verhandlungen  des  historischen  Vereines  für  Niederbaiern  in  Landshut  VI.  1.  2.  1858 
— 1859.  Vom    Vereine. 

C6opHHKi>  cTaTHCTHHCKHxt  cß'feji'bHiH  o  Pocciti  III.,  1858.  (Recueil  des  renseignements 
statistiques  etc.)  —  B'bcTHHKi.  rnwnep.  Pyccuaro  reorpa*.  o6m,ecTBa,  1858.  Nr.  8 
— 12.  1859  Nr.  1—4.  (Bulletin).  —  H3cvfe,40BaHie  o  ToproBJii  Ha  yKpaHHCKHXT» 
apiwapKaxT,  H.  AucaKOüa,  1858.  (Recherches  sur  le  commerce  aux  faires  de 
l'Oucraine  par  M.  Aksakoff.)  —  Proces-verbal  de  l'assemble  generale  du 
1.    Avril   1854.  Von    der   k.    russ.    Geograph. -Gesel  lschaft. 

Viaggio  in  Inghilterra  e  nella  Scozia  passando  per  la  Germania,  il  Belgio  e  la  Francia 
etc.    Del    Dr.   Francesco    Lanza   Nr.    1.    2.    Trieste    1859.  Vom  Verfasser. 

Jahresbericht  der  Ober-Bealschule  in  Ellbogen  f.  d.  Schuljahr  1859.       Von  der  Direction. 

VI.  Programm  des  k.  k.  Staats-Ober-Gymnasiums  zu  Vinkovce  am  Schlüsse  des  Schul- 
jahres   1858—1859.  Von    der    Direction. 

Arkiv  za  Povjestnica  Iugoslavensku.  Knjiga.  V.  Zagrebu  1859.    Von  der  Gesellschaft. 

A  Paper  and  Resolutions  in  advocacy  of  the  establishment  of  a  uniform  System  of 
meteorological  observations,  throughout  the  whole  american  continent  etc.  By 
Major   R.    Lachlan.    Cincinnati    1859.  Vom   Verfasser. 

Astronomical  Observations  made  during  the  years  1847  and  1850  at  the  U.  S.  Naval 
Observatory,    Washington.    By   M.   F.   Maury.   Vol.    V,    Washington    1859. 

Vom   V  e  r  f a  s  s  e  r. 

Tudösitväny  a  Dunantuli  Ag.  Hitv.  Ev.  Egyhazkerület  Soproni  Nyilvdnos  fötanodajäröl  az 
1858—1859   diki   tanevben. 

Von    der   Direction    des   evang.    Gymn.    in    Oedenburg. 

Jahresbericht  über  das  k.  k.  Gymnasium  zu  Czernowitz  während  des  Schuljahres  1858 
— 1859.  Vom   Gymnasium. 

Memoires  de  la  Societe  royale  des  Antiquaires  du  Nord  1845—1849.  Copenhague 
1852.  —  Jahres-Versammlung  den  31.  Januar  1839—1852.  —  Leitfaden  zur 
nordischen  Alterthumskunde.  Kopenhagen  1837.  —  Saga  Jaatvardar  Konüngs  Hins 
Helga.  Kjobenhavn  1852.  —  En  Vandring  gjennem  Jägerspriis's  Haveog  Lund. 
Kjobenhavn  1858.  —  Cabinet  d'antiquites  americaines  a  Copenhague.  Rapport 
ethnographique  par  C.  C.  Rafn.  Copenhague  1858.  —  Antiquites  de  l'Orient. 
monuments  Runographiques  interpretes  par  C.  C.  Rafn.  Copenhague  1856.  — 
Apercu  de  l'ancienne  Geographie  des  regions  arctiques  de  l'Amerique.  Selon 
les  rapports  contennus  dans  les  Sagas  du  Nord  par  C.  C.  Rafn.  Copenhague 
1857.  —  Nordboernes  forbindelser  med  Osten  i  det  niende  og  Närmest  folgende 
Aarhundreder.   Af.   C.   C.   Rafn.   Kjobenhavn   1854.   —  Americas   arctiske  Lande» 


too 

Gamle    geographie    efter    de    Nordiske    Oldskrifter   ved  C.  C.  Rafn.    Kjobenhavn. 
1845.    —    Verkehr   der    Normannen    mit   dem    Osten.    Notiz   von    C.    C.    Rafn. 

Von    der   k.    Gesellsch.    f.    Alterthümer. 
Proceedings  of  the  American  Academy  of  arts  and  sciences.  Boston  1859.  IV.  F.  12 — 31. 

Von    der   Akademie, 
Smithsonian    Oontributions   to    Knowledge.    Vol.    X.    Washington    1858.    —    Annual    Report 
of   the    Board   Regents    of  the   Smithsonian    Institution,    showing  the  Operations 
for   the   year    1857.    Washington    1858.  Von    dem    Schmiths.    Institute. 

Defence    of  Dr.    Gould   by   the    scientific    Council    of  the    Dudley    Observatory.    3    edit. 
Albany    1858.    —   Reply    to    the    statement    of    the   Trustees    of  the   Dudley    Ob- 
servatory.   By    Benj.   Apthorp    Gould    Dr.    Albany    1859.  Vom    Verfasser. 
Reports    of   Explorations    and    Surveys    to    ascertain    the    most  practicable  and  economical 
Route    for    a    Railroad    from    the  Mississippi    River    etc.   Vol.  IX.  Washington  1858. 

Vom    Kriegs-Dep.    Washington. 
Verhandlungen    des    naturhistorischen    Vereines    der   preuss.    Rheinlande   und  Westphalens. 
XIV.    1—3.    XV.    1—4.    XVI.    1—2.    Bonn    1857—1859.  Vom   Vereine. 

Württembergische    naturwissenschaftliche    Jahreshefte    XV.    3.    Stuttgart   1859. 

Vom  Vereine. 
Oberbaierisches  Archiv  für  vaterländische  Geschichte.  Herausgegeben  von  dem  histori- 
schen Vereine  von  und  für  Ober-Baiern  XVIII,  1—3.  XIX,  1.  XX.  1.  XXI.  1. 
München  1857—1858.  —  Jahresbericht  des  historischen  Vereines.  18—20.  für 
1855 — 1857.  München  1856 — 1858.  —  Uebersichtstafel  zur  Begründung  einer  Ge- 
schichte der    christlichen    Kunst     in    Ober-ßaiern    u.    s.    w.    von    B.    v.    Rittberg. 

Vom    histor.    Vereine. 

Das    Astronomische    Diagramm,    ein  Instrument,    mittelst  dessen  der  Stand  und  Gang  einer 

Uhr,    des  Azimut!»  terrestrischer  Gegenstände  u.  s.  w.    Von  Dr.  M.  A.  F.  Prestel. 

Braunschweig    1859.  Vom    Verfasser. 

Verhandlungen    der    kaiserl.    Leopold-Carolin. -Akademie    der   Naturforscher    XXVI.     1.    2. 

Breslau    1857—1858.  Von    der   Akademie. 

Jahresbericht   der    k.   k.    böhm.    Ober-Bealschule    zu    Prag   für   das    Schuljahr    1859. 

Von   der   Direction. 
Proceedings    of   the    Royal    Geographical    Society    of   London    1859.    Vol.     III.    Nr.    3.    4. 

Von    der   Gesellschaft. 
Bulletin    de    la    Societe    de    Geographie.    Paris    IV.    Ser.    T.    XVII.  Nr.  97—102.  Januar- 
Juni   1859.  —  Question  scientifique  et  personelle  soulevee  au  sein   de    l'Institut   au 
sujet   des    dernieres    decouvertes    sur    la    geographie    et    l'histoire    de    l'Inde    avec 
les    explications    de    M.    Beinaud.    Paris    1859. 

Von  Sr.  Hochw.  Domherrn  Dr.  Salzbacher. 
Verhandlungen  der  Handels-  und  Gewerbekammer  in  Prag  von  ihrer  Begründung  am 
18.  Nov.  1850  bis  zum  Schlüsse  des  Jahres  1857.  Prag  1859.  —  Bericht  der 
Handels-  und  Gewerbekammer  in  Prag  über  den  Zustand  der  Gewerbe,  des  Han- 
dels und  der  Verkehrmittel  in  den  Jahren  1854—1858  Prag  1859.  —  Bericht 
über  den  Zustand  der  Baumwoll-,  Schafwoll-  und  Eisen-Industrie  in  den  Jahren 
1850,  1853  und  1858.  Prag  1859.  —  Bericht  über  die  allgemeine  ausseror- 
dentliche Sitzung  der  Prager  Handels-  und  Gewerbekammer  am  25.  Febr.,  28. 
Mai    und    25.    Juli    1859.  Von    der   Handelskammer. 

Das  Beich  des  Priesters  Johannes.  Ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  geographischen 
Entdeckungen.  Von  P.  P.  Matkovich.  (Im  Progr.  des  Warasdiner  k.  k.  Gymn. 
1859.)  Vom   Verfasser. 

Mittheilungen  des  hist.-antiq.  Vereins  für  die  Stadt  Saarbrücken  und  St.  Johann.  Ueber 
die  römischen  Niederlassungen  und  die  Bömerstrassen  in  den  Saargegenden. 
I.  — III.    Abtheilung    1846—1859.  Vom    Vereine. 

The    Atlantis:    a    Begister    of  Literature    and   science.   Conducted  by   members  of  the  C;i- 
tholic   University    of  Ireland.    Nr.    4.    Juli    18.">9.  London.     Von    der   Redaction. 
Annales    de    la    propagation    de   la    foi.    Septembre    1859.  Nr.    186.    Lyon. 

Von    der   Redaction. 
Sulla    vita   e    le    opere   di   Alessandro   Humboldt.     Discorso    di    Caterina   Scarpellini. 
Roma    1859.  Von    der   Verfasserin. 

Bulletino    dell'   Istmo    di   Suez.    Torino    1859.    Nr.    9.    11—15.    17—19. 

Von  der   Redaction. 

Berichte    über    die   Verhandlungen    der    k.    sächs.     Gesellschaft    der    Wissenschaften    zu 

Leipzig.    Philosophisch-historische    Classe    1858.    Nr.    1.    2.   Mathem.-phys.    Gasse 

1858.    Nr.    1—3.  Von   der   Gesellschaft. 


101 

Verhandlungen  des  Vereines  für  Kunst  und  Alterthum  in  Ulm.  Bericht  1.  2.  4.  6.  7. 
9.  10.  11.  1843  —  1857.  —  Illustrationen:  Erzengel  Michael  von  M.  Schön- 
gauer;  Barth.  Zeitblom's  Altargemälde  auf  dem  Heerberge;  Marktbrunnen  in 
Ulm;    Aus    dem    Münster    zu    Ulm;    Holzschnitzwerke    aus   Dürsch's    Sammlung. 

Vom   Vereine. 

Verhandlungen  und  Mittheilungen  des  siebenb.  Vereins  für  Naturwissenschaften  in  Her- 
mannstadt.   18S8.   Nr.    7—12.    1859.   Nr.    1—6.  Vom    Vereine. 

Linnaea.  Ein  Journal  für  die  Botanik  in  ihrem  ganzen  Umfange.  Herausgegeben  von 
Dr.    F.    L.   v.    Schlechtendal.    Halle    XI— XXX.  1.  2.  1837-1859. 

Vom    Herausgeber. 

Eine    Lithographie    (im    Schlossgarten   zu    Vaal).  Von    Baronin    L.    von   Kotz. 

Address  at  the  Anniversary  Meeting  of  the  B.  Geographica!  Society.  23.  Mai  1859. 
Annual  Beport  of  tlie  Director  general  of  the  geological  Survey  of  the  united 
Kingdom,   the   Museum    of   practical    Geology   etc.    London    1858. 

Von    Sir   B.    J.    Murchison. 

Programm  der  öffentlichen  evang.  Schul-Anstalten  zu  Ober-Schützen  für  das  Schul- 
jahr   1858—1859.  Von    Herrn    Sectionsrath    Bitter    v.    Heufler. 

Nachruf   an    Dr     Franz    Leydolt    10.    Juni    1859.  Von    P.    P.    Urlinger. 

Ueber  die  Sitten  und  das  Becht  der  Bogos  von  Werner  Munzinger.  Mit  einer 
Karte  der  nördlichen  Grenzländer  Abyssiniens  und  einem  Vorworte  von  W.  Ziegler. 
Winterthur.    1859.  Von    Herrn    W.    Ziegler. 

Zeitschrift    der   deutschen    geologischen   Gesellschaft.    Berlin   I — XI.    1.   1849 — 1858. 

Von    der   Gesellschaft. 

Erdumsegelung  der  kön.  schwed.  Fregatte  Eugenie.  In  den  Jahren  1851 — 1853.  u.  s.  w. 
Uebersetzt  von  Anton  von  Etzel.  Berlin  1856.  —  Die  Ostsee  und  die  Küsten- 
länder   geschildert   von    Anton    von    Etzel.    Leipzig    1854.  Vom    Verfasser. 

Das  Sanitäts-Jahr  1858  in  der  Stadt  Pest.  Nach  meteorologischen,  sanitätischen  und 
statistischen    Beobachtungen,    zusammengestellt   von    Dr.    Karl    Torrn  ay. 

Vom   Verfasser. 

Sechs  Holzschnitte  zur  Characteristik  der  sechs  Erdtheile.  Illustrationen  zu  Dr.  C. 
Vogel's  Natur-  und  Landschaftsbildern,  so  wie  zu  allen  Lehrbüchern  der 
Geographie.   Leipzig   1859. 

Von    Hrn.    J.    C.    Heinrichs,    Buchhändler    in    Leipzig. 

Statistischer  Ausweis  der  Gratzer  Handels-  und  Gewerbekammer  für  das  Jahr  1857. 
Gratz    1858.  Von    der    Handelskammer. 

Bericht  der  Oberhess.  Gesellschaft  für  Natur  und  Heilkunde.  Giessen  VI.  VII.  1857. 
1859.  Von    der    Gesellschaft. 

Diagrams  showing  the  mean  Direction  of  Winds  from  each  Quarter  in  the  different 
Oceans.    —    Winds    and    Calms    in   the    Pacific    and    Athintic    Ocean. 

Vom    national.    Observatorium    Washington. 

Denkschriften  der  k.  bayer.  botanischen  Gesellschaft  zu  Begensburg  1847.  III.  Bd.  — 
Flora  oder  allgemeine  botanische  Zeitung.  Begensburg.  Jahrg.  1858.  Nr.  1 — 33  etc. 
1859.  Von    der   k.    botan.    Gesellschaft. 

Zeitschrift   für    allgemeine   Erdkunde.    Berlin.    1859.   VI.   4.-7. 

Von    der   Gesellsch.    f.   Erdkunde. 

Mittheilungen  von  J.  Perthes  geographischer  Anstalt  über  wichtige  neue  Erfahrungen 
auf  dem  Gesammtgebiete  der  Geographie  von  Dr.  A.  Petermann.  Gotha  1859. 
Hft.    5—9.  Von    Perthes    geogr.   Anstalt. 

Ueber  die  Fische  und  ihr  Leben  in  den  Waldbächen  des  Centralstockes  des  Böhmer- 
waldes.  Von   J.    N.    Woldfich.    Prag    1858.  Vom   Verfasser. 

Was  ich  erlebte!  Was  mir  auffiel!  Erinnerungen  vermischten  Inhaltes.  Von  Baronin 
Louise   Kotz.   Prag.    1859.    I.  Von    der  Verfasserin. 

Allgemeine    Land-    und    Forstwirthschaflliche    Zeitung.    Wien    1859.   Nr.    18 — 31. 

Vom   k.    k.    Landw.    Gesellsch. 

Memorie  dell'  I.  fi.  lstituto  Veneto  di  scienze,  lettere  cd  arti.  Venezia  1859.  VII.  3. 
VIII.    1.    —   Atti    deir   I.    B.    lstituto   venito   T.    IV.    Ser.    III.    disp.    7—9. 

Vom    k.    k.    Institute. 

Tabellen  zu  dem  Berichte  der  Handels-  und  Gewerbekammer  in  Kronstadt,  über  den 
Zustand  der  Gewerbe  in  den  Jahren  1853  bis  1856.  —  Protokoll  der  ordent- 
lichen Sitzungen  der  Kronstädter  Handels-  und  Gewerbekammer  im  Jahre  1859 
am   7.   Juni   und   6.    September,  Von  der   Handelskammer, 


102 

Mittheilungen   des   historischen   Vereines    für   Krain   von   März   bis    Juli   1859.   Laibach. 

Vom    Vereine. 

Einladung  zur  Besichtigung  des  neu  erfundenen  Verbindungs-Apparates  der  Papierfa- 
brications-Maschine   mit   der   Schnellpresse.    Von   A.   Au  er. 

Vom   Herrn   k.    k.   Hofrath    Hai  dinge  r. 

Monumenta  secularia.  Herausgegeben  von  der  kön.  bayer.  Akademie  der  Wissenschaften 
zur  Feier  ihres  100jährigen  Bestehens  am  28.  März  1859.  —  Almanach  der  k. 
bayer.  Academie  der  Wissenschaften  für  das  Jahr  1859.  I — III.  München  1839. 
—  Erinnerung  an  die  Mitglieder  der  math.-phys.  Classe  der  kön.  bayer.  Akademie 
der  Wissenschaften.  Eine  Bede,  vorgetragen  in  der  öffentlichen  Sitzung  zur  Feier 
des  akad.  Secularfestes  am  29.  März  1859  von  Dr.  Carl.  Fr.  Ph.  von  Martius. 
München  1859.  —  Bede  bei  der  100jährigen  Stiftungsfeier  der  kön.  Akademie 
der  Wissenschaften  am  28.  März  1859.  Gehalten  von  G.  L.  v.  Müller.  Mün- 
chen  1859.  Von    der   k.    bayer.    Akad.    der   Wissenschaften. 


ABHANDLUNGEN 

DER  KAISERLICH-KÖNIGLICHEN 

GEOGRAPHISCHEN  GESELLSCHAFT. 


I. 

Organisation  und  Fortschritt  der  militärisch  kartographischen 
Arbeiten  in  Oesterreich. 

Zusammengestellt  von  Herrn  k.  k.  Rath  A.  Steinhaus  er 
aus  den  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft  übergebenen  Mittheilungen  des  Herrn 

August  von  Fligely 

k.  k.   Generalmajor,  Director  des  k.  k.  militär.  geographischen  Institutes  etc. 
Mitgetheilt  in  der  Versammlung:  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft  am  7.  December  1858. 

Geschichtliche  Notizen. 

Die  ältesten  Versuche  geometrischer  Landesaufnahmen  in  den  öster- 
reichischen Erbstaaten  fallen  in  das  Ende  des  17ten  und  den  Anfang  des 
ISten  Jahrhunderts.  Vischer's  Karten  von  Oesterreich  ob  und  unter  der 
Enns  (1667,  1672)  und  Steiermark  (1678),  Müller's  Karten  von  Böhmen 
(1726)  und  Ungarn  (1718),  Visconti' s  Kriegs-Karte  von  Siebenbürgen 
(1699)  sind  die  bekanntesten  Resultate  der  kartographischen  Arbeiten  die- 
ser ältesten  Periode.  Die  durch  die  Kriegführungen  gewonnene  Einsicht 
der  Unentbehrlichkeit  genauer  Karten  nöthigte  diesem  Zweige  eine  ge- 
steigerte   Obsorge  zuzuwenden. 

In  dem  Zeiträume  vom  Jahre  1764  bis  1787  wurden  nach  und  nach 
alle  Länder,  aus  welchen  damals  die  österreichische  Monarchie  bestand, 
und  später  die  neu  acquirirten  Provinzen,  im  Masse  1  Zoll  =  400°  auf- 
genommen. Diese  sogenannte  Theresianische  und  Jos  ephi  ni sehe 
Aufnahme    befindet    sich   im  k.  k.  Kriegsarchive. 

Nur  wenige  gestochene  Karten  gingen  aus  den  damaligen  Materialien 
hervor,  jedoch  haben  einige  derselben,  z.  ß.  Anich's  Karten  von  Tirol 
(1774),  Liesganig's  Karte  von  Galizien  Lipszky's  Karte  von  Ungarn 
und  seinen  Nebenländern  (1806— 1808),  Zach's  Karte  von  Venedig  (1806) 
u.a.m.,  beinahe  bis  in  die  neueste  Zeit  sehr  gute  Dienste  geleistet. 
Auch  die  Karte  der  Niederlande,  aus  der  Vermessung  von  1771  — 1774 
gezogen,  galt   als    ein    vorzügliches    Product   ihrer    Zeit. 

Der  Mangel  einer  richtigen  und  zusammenhängenden  trigonometrischen 
Grundlage,  die  Unvollkounnenheit  der  älteren  Zeichnungsmethode,  zumeist 
aber  die  wesentlichen  Veränderungen  in  der  Cultur  des  Bodens  seit  einem 
halben  Jahrhunderte  machten  jedoch  eine  neue  berichtigte  Aufnahme  höchst 
wünschenswerth.  Sie  wurde  durch  Weiland  Se.  Majestät  Kaiser  Franz  I.  im 
Jahre  1806  angeordnet,  auf  Antrag  Sr.  k.  k.  Hoheit  des  Generalissimus 
Erzherzog  Karl  und  im  Wege  des  Hofkriegsrathes  dem  General-Quar- 
tiermeisterstabe der  Armee  aufgetragen.  Diese  neuen  Specialaufnahmen, 
welche  nach  einem  allgemeinen,  die  ganze  Monarchie  gemeinschaftlich 
umfassenden  Plane  unternommen  wurden,  fallen  daher  sämmtlich  in  das 
gegenwärtige    Jahrhundert. 

1 


2  August  von  Fligely. 

Die  älteren  Materialien,  von  vergleichsweise  sehr  verschiedenem  und 
im  allgemeinen  untergeordnetem  Werthe,  konnten  bei  der  neuen  Vermes- 
sung nur  in  so  ferne  benützt  werden,  als  sie  den  Triangnlatoren  und 
Mappeurs  die  Recognoscirung  der  bezüglichen  Gegenden  erleichterten;  die 
Aufnahme    selbst    aber    wurde    vollständig    neu    bewirkt. 

Ueber  die  Geschichte  der  Vermessungen  besteht  keine  ausführ- 
liche Darstellung  in  einem  eigenen  Werke;  ein  solches  müsste  erst  aus 
den  Archiven  des  bestandenen  Hofkriegsraths,  des  General-Quartiermeister- 
stabes und  einiger  Hofstellen  zusammengestellt  werden.  Einen  kurzen 
Abriss  über  die  älteren  Arbeiten  enthält  als  Einleitung  J.  Marx  Freiherr 
von  Lichtenstern's  1821  zu  Dresden  erschienene  Schrift:  „Vorschriften  zu 
dem  praktischen  Verfahren  bei  der  trig.  geom.  Aufnahme  eines  grossen 
Landes  etc."  — 

Triangulirung. 

Zur  Grundlegung  des  Dreiecknetzes  wurden  ausser  den  Ortsbestim- 
mungen aller,  theils  auf  Staats-  theils  auf  Privatkosten  in  der  Monarchie 
bestehenden  Sternwarten  von  Offizieren  des  militärisch  geographischen  Insti- 
tutes noch  in  nachstehenden  Orten  Breiten-  und  Azimulh-Beoba  chtu  n- 
gen  gemacht: 

d)  bei    St.    Anna    in    der    Nähe    von    Arad    in    Ungarn, 

b)  auf   dem    Löwenberg    bei    Lemberg    in    Galizien, 

c)  bei    Hermannstadt    in    Siebenbürgen, 

d)  auf  der    Anhöhe    Cworkowobrdo    bei    Esseg    in    Slavonien, 

e)  in    Spalato    in    Dalmatien, 

f)  bei    Fiume  im    Littorale, 

g)  bei   Kloster    Ivanich    in    Kroatien, 

h)  auf   dem  Berge    Dobrozow    n.    ö.    von   Nachod    in    Böhmen, 

i)  zu    Venedig, 

k)  bei    Innsbruck    und 

/)  auf   dem    Hummerberg    in   Vorarlberg. 

Mittelst  Pul  vers  ignalen  wurden  auf  dem  Parallelkreise  unter  dem 
48ten  Breitengrade  die  Längen  unterschiede  zwischen  München,  Wien 
und  Ofen  i),  und  auf  dem  mittleren  Parallelkreise  längs  eines  Bogens, 
welcher  sich  von  Bordeaux  in  Frankreich  nach  Ost  bis  Fiume  ausdehnt, 
die  Längenunterschiede  zwischen  Turin,  Mailand,  Padua  und  Fiume  be- 
stimmt 2~).  Aeltere  Längen-  und  Breitenbestimmungen  von  den  Astronomen 
Peter  Liesgan  ig,  Pasquich,  Canonicus  David,  Bürg  u.  a.  stehen  mit 
den    neueren    Arbeiten    nicht    in    Verbindung. 

Ferner  dienen  zur  Grundlage  der  österreichischen  Vermessungsarbei- 
ten   folgende    Basen: 

a)  die  Basis  bei  Wiener-Neustadt,  6410  Klafter  lang,  gemessen  im 
Jahre    1762  von    Peter    Liesganig; 

6)  die  Basis  auf  der  Haide  von  Gallarate,  nahe  am  Ticino  in  der 
Lombardie,  5272  Klafter  lang,  gemessen  im  Jahre  1788  von  den  Astro- 
nomen   der   Brera    zu    Mailand; 

c)  die  Basis  bei  Radautz  in  der  Bukowina,  5199  Klafter  lang,  ge- 
messen vom    Oberst    Hawliczek    im    Jahre    1818. 


1)  Man  sehe  die  im  Bande  VII  Seite  2ä7  der  monatlichen  Correspondenz  zur  Beförderung 
der  Erd-  und  Himmelskunde  des  Freiherrn  von  Zach  pubiicirte  Relation. 

2)  Man  sehe  die  Anhänge  zu  den  Ephemeriden  von  Mailand  vom  Jahre  1823  bis  1828  und 
„La  Mesure  a"  un  arc  du  Parallel  moyen  par  le$  Colonel  Brousseaud." 


Organisation  und  Fortschritt  der  milit.  kartogr.  Arbeiten  in  Oesterreich,  3 

Von  der  Triangulirungs-Direction  des  milititärisch  geographischen 
Instituts  wurden  dann    folgende    Basen    gemessen : 

d)  die  Basis  von  St.  Anna  bei  Arad,  4623  Klafter  lang,  im  Jahre 
1840    durch    Offiziere    des    Generalstabes    und    der   Armee; 

e)  die  Basis  von  Partyn  bei  Tarnow  in  Galizien  (zur  Verbindung 
mit  der  russischen  Triangulirung),  im  Jahre  1849  gemessen  von  Offizie- 
ren   der   Armee. 

f)  die  Basis  von  Hall  bei  Innsbruck.  2990  Klafter  lang,  im  Jahre 
1851  gemessen  von  Offizieren  des  Ingenieur-Geographen-Corps  (diente  zur 
Verbindung  der  österreichischen  Triangulirung  mit  jener  von  Bayern  und 
der    Schweiz; 

g)  die  Basis  bei  Wiener-Neustadt,  500 1  Klafter  lang,  im  Jahre  1857  von 
Offizieren  des  Ingenieur-Geographen-Corps  zur  Verificirung  der  alten  (sub  a) 
von    Peter    Liesganig    gemessenen    Basis    J)- 

lieber  das  Vorgehen  bei  den  Basismessungen,  bei  der  Bildung  des 
Dreiecks-Systems,  bei  der  Revision,  bei  der  Reduction  der  Puncte  auf 
Meridian  und  Perpendikel ,  beim  Auftragen  der  Puncte  auf  die  Messtische. 
bei  Berechnung  der  geographischen  Längen  und  Breiten,  bei  Gradirung  der 
Sectionen,  bei  Berechnung  der  Höhenunterschiede  und  bei  Bestimmung  des  Flä- 
cheninhalts der  Dreiecke ,  enthält  die  schon  einmal  angeführte  Schrift  des 
Freiherrn  von  Licht enstern  das  Nähere,  denn  sie  besteht  fast  ganz  aus 
der  Instruction,  welche  der  damalige  Major  und  nunmehrige  Feldzeug- 
meister, Freiherr  von  Augustin,  als  Norm  für  die  österreichischen  Trian- 
gulirungsarbeiten  ausarbeitete. 

Diese  Arbeiten,  im  Laufe  der  früheren  Jahre  durch  die  Kriegsereig- 
nisse oft  unterbrochen  und  wieder  aufgenommen,  wurden  vor  dem  Jahre 
1850  durch  Offiziere  aus  dem  Stande  des  General-Quartiermeisterstabes 
oder  anderer  Armeekörper  ausgeführt,  seit  1850  sind  sie  ausschliesslich 
den  Offizieren  des  in  jenem  Jahre  errichteten  Ingenieur-Geographen-Corps 
anvertraut. 

Als  leitende  Behörde  fungirte  anfänglich  der  Chef  des  General- 
stabes, später  als  die  Arbeiten  an  Ausdehnung  zunahmen,  wurde  eine  Trian- 
gulirungs-Direction eingesetzt,  welche  dem  Generalstabe  unterstand, 
seit  1839  aber  einen  integrirenden  Theil  des  militärisch  geographischen  Insti- 
tutes macht.  Zu  Triangulirungs-Directoren  wurden  Generäle  und  Stabsoffiziere 
verwendet. 

Für  die  Feldarbeiten  werden,  je  nach  dem  Erfordernisse  eine 
Anzahl  Triangulirungs-Abtheilungen  gebildet,  deren  jede  aus  einem  leiten- 
den Officier  (Triangulator ,  Instrunientführer  oder  Trigonometer  betitelt) 
und  einem  Gehilfen  (Adjuncten)  besteht.  Ausser  den  chargenmässigen 
Gebühren  erhält  der  Instrunientführer  eine  monatliche  Zulage  von  60  und 
der  Gehilfe  von  40  Gulden  Conv.  Münze.  Der  Bedarf  an  Materiale,  Handlangern, 
Fuhren    und    sonstigen    Leistungen    wird    besonders   verrechnet. 

Der  jährliche  Gesammtkosten-Aufwand  ist  ungleich,  weil  die  Anzahl 
der  Abtheilungen  wechselt.  Jede  einzelne  derselben  kostet  jährlich  mit 
Inbegriff  der  Zulagen  3000  bis  4000  Gulden.  Bis  zur  Vollendung  des  Netzes 
3ter   Ordnung   des   Katasters    entlallt  auf  1  österreichische  Quadrat-Meile  ein 


*)  Die  alte  Basis  vollständig  nachzumessen,  war  nicht  möglich  ,  weil  deren  Endpuncte 
nicht  mit  der  nöthigen  Schärfe  aufgefunden  wurden.  Die  sichere  Auffindung  einiger  identi- 
scher Triangulirungspunete  zunächst  der  Basis  gestattete  jedoch  den  angestrebten  Vergleich 
beider  Messungen 

1* 


4  August  von  Fligely. 

durchschnittlicher  Aufwand  von  170  Gulden  Conv.  Münze,  was  für  die  ganze 
Monarchie    eine    Summe    von    21/6    Millionen    Gulden    gibt. 

Die  Triangulirung  ist  so  weit  gediehen,  dass  nach  dem  bereits  geneh- 
migten Projecte  zu  deren  Vollendung  nur  noch  folgende  Operationen  nöthig  sind: 

a)  die  Messung  von  zwei  Basen,  eine  bei  Pettau  in  Steiermark,  die 
andere    bei    Königgrätz    in    Böhmen. 

6)  Astronomische  Breiten-  und  Azimuthmessungen  bei  Linz  und  Klagen- 
furt    im    Meridian    von    Prag. 

c)  Die  Fortsetzung  der  astronomischen  Messung  der  Bogen  des  mitt- 
leren Parallels  von  Fiuine  bis  Orsova  und  des  Parallelkreises  unter  dem 
48sten  Breitengrade    von    Ofen   bis  Czernowitz    in  der    Bukowina. 

d)  Die  Verbesserung  der  Dreiecksnetze  längs  den  oberwähnten  Parallelen 
und    längs   dem    Meridian   von   Prag. 

e)  Schlüsslich  sind  auch  noch  Längenbestimmungen  durch  elektrische 
Zeitsignale    in  Antrag. 

Es  bestehen  Verbindungen  der  österreichischen  Triangulation  ä) 
mit  Frankreich  '),  b)  mit  der  Schweitz  2),  c)  mit  der  Triangulation  des 
Königreichs  Neapel  und  (res  Grossherzogthums  Toscana  3),  d)  mit  der 
russischen  Triangulation    in    Polen  4),    e)  und  mit   jener   von    Bayern  5). 

In  den  Jahren  18öö  bis  1857  wurde  die  österreichische  Trianguli- 
rung durch  Ofiziere  des  Ingenieur-Geographen-Corps  unter  der  Direction 
des  militärisch  geographischen  Instituts  auch  über  das  Fürstenthum  Walachei 
und  die  Dobrudscha  bis  zum  schwarzen  Meere  ausgedehnt  und  östlich  von 
Bukarest  in  der  Nähe  von  Slobozia  eine  Basis  zur  Controlle  der  Besultate 
gemessen,  so  wie  auch  zur  Vervollständigung  dieser  Arbeit  astronomische 
Breiten-   und    Azimuth-Messungen    vorgenommen. 

Es    wurden    daselbst 

a)  ein  Polygonal-Dreiecksnetz,  von  zwei  Dreiecksseiten  der  Triangu- 
lirung der  Südostgränze  Siebenbürgens  ausgehend,  in  der  Richtung  über 
Buseo  und  Slobodzia  östlich  bis  Braila  an  die  Donau,  ferner  längs  dieser 
aufwärts,  bis  gegen  Silistria  sich  ausdehnend,  von  da  durch  die  Dobrudscha 
bis    Küstendsche    am    schwarzen  Meere    gemessen. 

b)  Anschliessend  an  eine  Dreieckseite  in  der  Nähe  der  Basis  wurde 
eine  Dreieckskette  längs  der  Donau  fortgeführt,  und  an  einer  Seite  der 
österreichischen  Triangulirung  bei  Orsova  (im  Bomanen-Banater  Gränz- 
Begimente)   angebunden; 

c)  wurde,  von  einer  Seite  der  Triangulirung  Siebenbürgens  beim 
Bothenthurm-Passe    ausgehend,   die    österreichische    Triangulirung    durch  eine 


*)  Operations  geodesiques  et  astronomiques  pour  la  mesure  d'  un  arc  du  parallele  moyen 
executees  en  Piemont  et  en  Savoie  par  une  commission  d'offieiers  de  I'  etat   major  General  et 
d'  astronome  piemontais  et  autriehiens.  Milano.  L'imprimerie  royale  1825.  Vol.  II,  pag.    343. 
Nouvelles  deseription  geometrique  de  la  Franee  par  Puissant.  Paris  1833. 

2)  Ergebnisse  der  trigonometrischen  Vermessungen  in  der  Schweiz,  von  Eschmann. 
Zürch  1840. 

3)  Trigonometrische  Vermessungen  im  Kirchenstaate  und  Toscana,  ausgeführt  von  dem 
Ingenieur  Joh.  Mori  eni  unter  der  Direction  des  milit.  geogr.  Instituts.  In  den  Annalen  der 
k.  k.  Sternwarte  in  Wien  1846. 

4)  Sur  la  jonction  des  Operations  geodesiques  russes  et  autrichiennes  executee  par 
Struve.  St.  Petersburg,  Bulletin  Phys.  math.  T.  X.  V.  8.  A.  9.  1853. 

Bericht  über  die  in  den  Jahren  1847  bis  1851  ausgeführte  Verbindung  der  österrei- 
chischen und  russischen  Landesvermessung  aus  dem  V.  Bande  der  Druckschriften  der  math. 
naturwissenschaftlichen  Klasse  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  Wien  1853. 

5)  Die  Ergebnisse  dieser  Verbindung  sind  noch  nicht  publicirt 


Organisation  und  Fortschritt  der  milit.  kartograph.  Arbeiten  in  Oesterreich.  5 

Dreiekskette  längs  desAltfluss  es  mit  der  Donaukette  bei  Nikopoli  verbun- 
den,   und 

d)  eine  gleiche  Verbindungskette  der  Triangulirung  Siebenbürgens  von 
Kronstadt  an  längs  der  Dumbovitza  über  Bukarest  zur  Donaukette  bei 
Giurgevo    gezogen. 

6')  Die  5505  Klafter  lange  Basis  wurde  zweimal  gemessen,  und  die 
astronomischen  Beobachtungen  zur  Bestimmung  der  Breite  und  des  Azimuths 
auf  Movila  David  mit  aller  Sorgfalt  vorgenommen.  Die  Breite  von  Movila 
David,  welcher  Punct  eine  halbe  Stunde  westlich  von  Slobozia  an  der 
Jalomitza   liegt,    ergab    sich    mit   44°  32"  201/3\ 

Im  Ganzen  wurden  in  der  Walachei  124  Puncte  erster  Ordnung  und 
250  Nebenpuncte  trigonometrisch  bestimmt.  Die  Höhenunterschiede 
aller  Puncte  erster  Ordnung  wurden  durch  gegenseitige  Zenith-Distanzmes- 
sung  sorgfältig  bestimmt,  und  überdiess  längs  einer  Linie  von  Dreiecks- 
seiten, von  der  ungarisch -siebenbürgischen  Grenze  angefangen,  durch  Sie- 
benbürgen bis  gegen  Kronstadt  und  dann  durch  die  Walachei  und  die 
Dobrudscha  bis  zum  schwarzen  Meere  gleichzeitig  gegenseitige  Zenith- 
Distanz-Messungen  und  Barometer-Beobachtungen,  so  wie  bei  Küstendsche 
und  Liema-Burun  Pegel-Beobachtungen  vorgenommen.  Bei  den  meisten  der 
Nebenpuncte    wurde    auch    die    Höhe    bestimmt. 

Ueberhaupt  werden  bei  den  österreichischen  Vermessungen  die  abso- 
luten Höhen  der  trigonometrischen  Puncte  zum  allergrössten  Theile  aus 
gegenseitig  gemessenen  Zenith-Distanzen  abgeleitet,  in  Wiener-Klaftern  und 
deren  Decimalen  ausgedrückt,  und  auf  den  Spiegel  des  adriatischen  Meeres 
'bezogen.  Die  Durchschnitts-Zahl  der  auf  eine  österreichische  Quadrat-Meile 
fallenden,  trigonometrisch  gemessenen  Höhen  ist  verhältnissmässig  ungleich, 
je  nachdem  eine  Provinz  bloss  militärisch,  d.  i.  im  Masse  von  1  Zoll  =400°, 
oder  katastermässig  im  Masse  von  1  Zoll  =  40°  aufgenommen  werden  soll. 
Im  ersten  Falle  werden  auf  einer  Militär-Section  (von  9600°  Breite  und 
6400°  Höhe  =  3.48  österreichische  Quadrat-Meilen)  im  letzteren  Falle  für 
jede  graphische  Triangulirungs-Section  (von  4000°  Breite  und 
Höhe  =  1  österreichische  Quadrat-Meile  durchschnittlich  2%  Puncte  trigono- 
metrisch bestimmt.  Das  weitere  Detailverfahren  ist  in  beiden  Fällen  graphisch. 

Nur  selten  werden  neben  der  trigonometrischen  Messung  auch  baro- 
metrische Bestimmungen  desselben  Punctes  durch  Militärs  gemacht.  Die 
k.  k.  geologische  Beichsaustalt  macht  jedoch  letztere  in  sehr  ausgedehntem 
Masse    und  veröfl'entlicht  die  Besultate    in   ihren   Jahrbüchern. 

Die  Berechnungen  der  trigonometrisch  bestimmten  Höhen  aller  Haupt- 
und  vieler  Nebenpuncte  sind  in  den  Protokollen  der  Militär-Triangulirung  und 
der  Katastral-Archive  enthalten.  Eine  vollständige  Veröffentlichung  derselben 
hat  noch  nicht  statt  gefunden.  Theilweise  wurden  die  Besultate  in  nachste- 
henden  Werken  publicirt: 

a)  L.  A.  Fallon's  Höhenmessungen  in  Oesterreich  aus  trigonometrischen 
Nivellirungen.  Wien   1851. 

b)  Zeitschrift  für  Physik  und  Mathematik  von  Baumgar  tu  er  und 
Ettingshausen,   1.  und  10.   Band.  Wien  1832. 

c)  Jahrbücher  der  k.   k.  geologischen  Beichsaustalt,  vom  Jahre  1850  an. 
Theilweise    Angaben    und    Verzeichnisse    der    durch    die    Triangulirung 

erhaltenen  Ortspositionen  finden  sich  in  verschiedenen  Werken  zerstreut, 
z.  B.  in  dem  18.  Bande  der  monatlichen  Korrespondenz  zur  Beförderung  der 
Erd-  und  Himmelskunde  von  Freiherrn  von  Zach  über  die  im  Jahre  1806 
ausgeführten  trigonometrischen  Messungen.    In  dem   Verzeichnisse   geographi- 


(5  \iiiiiist  von  Fligely. 

scher  Ortsbestimmungen  nach  den  neuesten  Quellen  von  C.  B.  von  Littrow 
Leipzig  1844,  sind  viele  geographische  Positionen  von  trigonometrischen 
Puncten  der  österreichischen  Monarchie  enthalten,  welche  aus  einem  vor- 
läufigen Calcul  resultirt  sind.  In  dem  Portolano  del  innre  adriatico,  pub- 
licirt  vom  militärisch  geographischen  Institute  in  Mailand  1830,  sind  die  geogra- 
phischen Positionen  jener  Puncte  angeführt,  welche  längs  der  Küste  des  adriati- 
schen  Meeres  bestimmt  worden  sind.  Auch  in  den  Werken  über  die  Messung 
der  Parallelkreisbogen  und  Triangulirungsverbindungen  findet  man  eben- 
falls viele  geographische  Ortsbestimmungen  von  trigonometrischen  Puncten, 
die  der  österreichischen  Monarchie  angehören.  Eine  vollständige  Veröffent- 
lichung der  Resultate  der  astronomisch-trigonometrischen  Arbeiten  kann  erst 
dann  erfolgen,  wenn  Zeit  und  Mittel  es  erlauben,  die  gemachten  Beobach- 
tungen einem    definitiven   Calcul  zu  unterziehen. 

Mappirung. 
Die  Def  ail-Aufnahme,  auf  Grund  der  neuen  Triangulirung,  begann  im 
Jahre  1806,  wurde  jedoch  vom  Jahre  1809   bis   1811,  von  1820  bis   1826, 
von  1830  bis  1836  und  vorn  Jahre  1848  bis   1850  unterbrochen.  Sie  dehnte 
sich  aus  auf 

„.    .    f  .  .  (  1801  bis    1805,  dann 

lirol    (ohne  Kataster)       von    j  jojg  jg^o 

Salzburg  „  von  1807  und  1808, 

Oesterreich  „  „    1807   bis  1819, 

Lombardie  und  Venedig  (mit  Kataster)  abgesehen  von  den  Vorarbeiten 

von  1814   bis  1827, 
Neapel  (während  der  Occupation,  ohne  Kataster) 

von  1822  bis  1826, 
Illyrien  (auf  Grund  des  Katast.),,  1825  „  1835, 
Steyermark     „  „      „    1826     „    1836, 

Bukowina        „  „      „    1828     „    1831  (unvollendet), 

Mähren  u.  Schlesien  „      „     1838    „    1842, 

Böhmen  „      „1842     „    1853, 

Dalmatien  „      „    1851     „    1853, 

1810    „    1812  \ 
Ungarn  (ohne  Kataster)      von  }  1819     „    1831  f.         ..      ,  .,. 

1837     „    1847    ("»vollendet), 

1850    „    1858) 
Siebenbürgen  „  von    1853    „    1857  (unvollendet), 

Wallachei  „  „  „    1857, 

Römischen  Staat  und  Toscana  „  )        ,  . 

(auf  Grundlage  des  Katasters)  j   1841  und  lb_u" 

Ungarn  wird  jetzt  allein  bis  zur  Vollendung,  welche  in  drei  Jahren  zu 
erwarten  ist,  fortgesetzt.  Der  jetzt  fertige  Theil  beträgt  ungefähr  zwei  Drit- 
tel. Die  Aufnahme  von  Siebenbürgen  und  der  Bukowina  erstrecket  sich  noch 
auf  einen  kleinen  Theil  dieser  Länder.  Nach  der  Vollendung  von  Ungarn, 
wird  die  Woywodina,  dann  Kroatien,  Slavonien  und  die  Militär-Gränze,  sodann 
Galizien  an  die  Reihe  kommen  und  mit  dem  Reste  von  der  Bukowina  und 
und  von  Siebenbürgen  geschlossen  werden.  Die  Aufnahme  der  ganzen 
Monarchie  kann  daher  mit  Wahrscheinlichkeit  (unter  Voraussetzung  der  gegen- 
wärtigen Verhältnisse)  im  Jahre  1875  angenommen  werden. 

Die  Mappirung  ist  auch  auf  fremde  Staaten  ausgedehnt  worden.  Auf 
den  Wunsch  der  Regierungen  von  Parma  und  von  Mo  de  na  wurden  diese 
Länder  vom  Jahre  1820    bis  1821    durch   die    k.  k.  Offiiziere  unter  Leitung 


Organisation  und  Fori  schritt  dermilit.  kartograph.  Arbeiten  in  Oesterreich.  7 

des  österreichischen  Generalstabes  im  Militärmasse  1  Zoll  =  400°  aufgenommen, 
und  es  befindet  sich  diese  Arbeit  im  hierortigen  Besitze.  Ein  gleiches  geschah 
mit  Toscana  und  dem  Kirchenstaat e  (1841  und  1842  im  Masse  1  Zoll  = 
1200°).  Zufolge  einer  Convention  wurde  das  Fürstenthum  Walachei  unter 
Leitung  des  Directors  des  militärisch  geographischen  Institutes  General-Major 
von  Fl igel y  in  den  Jahren  1856  und  1857  durch  österreichische  Offiziere 
im  halben  Militärmasse  (1  Zoll  —  800°)  aufgenommen.  Die  Uebereinkünfte 
mit  den  Regierungen  vorbenannter  Länder  beschränken  sich  wie  bei  Toscana 
und  Rom  nur  auf  die  Anordnungen  ihrer  unterstehenden  Organe  zur  willfäh- 
rigen Unterstützung  der  Aufnahmsarbeiten  während  ihrer  Dauer.  Ausserdem 
hat  die  Regierung  der  Wallachei  den  Betrag  von  25000  St.  Dukaten  zu  den 
Kosten  der  Aufnahme  beigetragen  und  erhält  dafür  die  Mittheilung  aller  tri- 
gonometrisch gewonnenen  Resultate  und  eine  Kopie  der  Aufnahme. 

Die  Mappirung  wird  von  Offizieren  des  Generalstabes,  des  Ingenieur- 
Geographen- Corps  und  Zugetheilten  von  allen  Truppen  und  Branchen  der 
Armee  ausgeführt.  Die  Leitung  derselben  hat  der  Director  des  militärisch 
geographischen  Instituts,  dem  eine  Anzahl  Mappirungs  -  Unter-Directio- 
nen  in  den  verschiedenen  Ländern  unterstehen,  jede  mit  einem  Stabsoffizier 
oder  Hauptmann  des  Generalstabes  oder  Ingenieur  -  Geographen  -  Corps  als 
Unter-Director  und  8  bis  9  Mappeurs.  Dem  Unter-Director  obliegt  die  Kon- 
trolle der  Detail-Arbeiten,  die  er  allmonatlich  in  seinem  Amtsbezirke  vor- 
zunehmen hat;  dem  Director  des  militärisch  geographischen  Instituts  hingegen 
die  Revision  der  Gesammtarbeiten,  die  er  jährlich  in  einigen  dieser  Bezirke 
vorzunehmen  hat. 

Die  Mappirungs-Unter-Directoren  beziehen  60  Gulden  Zulage  und  53 
Gulden  Pauschale,  die  Mappeure  40  Gulden  Zulage  und  42  Gulden  Pauschale 
monatlich.  Von  dem  Pauschale  sind  die  Auslagen  auf  Errichtung  der  Zeichen, 
auf  Vorspann  bei  Uebersiedlungen,  Botenlöhne  u.  s.   w.  zu  bestreiten. 

Gewöhnlich  werden  acht  Mappirungs-Abtheilungen  mit  72  bis  80  Offi- 
zieren aufgestellt,  und  diese  letztere  Zahl  dürfte  von  nun  an,  bis  zur  Been- 
digung der  Vermessung  der  Monarchie  alljährlich  verwendet  werden.  Nur  in 
den  letzten  Jahren  waren  wegen  der  bewirkten  Aufnahme  der  Wallachei  120 
bis   130  Offiziere  in  Thätigkeit. 

Eine  Mappirungs-Abtheilung  kostet  durchschnittlich  mit  Inbegriff  der  Zu- 
lagen für  die  sie  formirenden  Individuen  jährlich  9000  Gulden,  wornach  sich 
der  Kostenaufwand  in  einem  Jahre  ungefähr  auf  72000  Gulden  herausstellt. 
Die  Militär-Aufnahme  einer  Quadrat-Meile  auf  Grundlage  der  Kataster-Aufnahme 
(diese  selbst  nicht  eingerechnet)  lässt  sich  durchschnittlich  auf  120  Gulden 
C.  M.  veranschlagen,  die  ohne  Kataster  auf  250  Gulden  C.  M.  Da  beiläufig 
zwei  Drittel  des  Kaiserstaates  auf  die  erste  und  ein  Drittel  auf  die  letzte  Art 
theils  bereits  aufgenommen,  theils  noch  aufzunehmen  sind,  so  ergibt  sich  für 
eine  Quadrat-Meile  ungefähr  163  Guldon  C.  M.  im  Durchschnitt,  so  dass  die 
ganze  Monarchie  bis  zu  ihrer  Vollendung  auf  1.887,540  Gulden  C.  M.  zu 
stehen  käme,  ohne    die  Besoldungen  der   verwendeten  Offiziere    einzurechnen. 

Die  bei  der  Detail-Aufnahme  beschäftigten  Mappeurs  erhalten  alle  für 
den  technischen  Dienst  erforderlichen  Instrumente,  und  zwar  jeder  einengrossen 
Messtisch  und  einen  kleinen  Detaillirtisch  auf  ärarische  Kosten,  zudem  Averden 
jedem  Mappeur  drei  Militär-Handlanger  beigegeben,  wovon  jeder  eine  tägliche 
Zulage  von  7  Kreuzern  erhält.  In  den  Ländern,  wo  der  Kataster  besteht,  und  der 
Mappeur  demnach  das  nach  der  Katastral-Aufnahme  reducirte  Gerippe  sammt 
Culturen  vollständig  erhält,  wird  jeder  Offizier  nur  mit  einem  kleinen  Detail- 
lirtisch ausgerüstet  und  ihm  nur  ein  Militär-Handlanger  beigegeben. 


8  August  von  Fligely. 

Wenn  ohne  Kataster -Reduction  gearbeitet  wird,  der  Mappeur  also  nur 
von  drei  trigonometrisch  bestimmten  Punkten  ausgehend  alles  neu  aufneh  inen 
rnuss ,  sind  für  den  Anfänger  4,  für  geübte  Mappeurs  (5  Quadrat-Meilen 
jähr  liehe  Leistung  vorgeschrieben;  wo  bereits  die  Geripp-Reduction  aus 
dem  Kataster  vorhanden  ist  und  nur  diese  reambulirt  und  das  Terrain 
eingetragen  wird,  gelten  3  Sectionen  ä  4  Quadrat-Meilen,  also  12  Quadrat- 
Meilen  jährlich  für  eine  ausgiebige  Leistung.  Eine  Eintheilung  des  Terrains 
in  Klassen  mit  Bezug  auf  die  Schwierigkeit  der  Aufnahme  findet  strenge  ge- 
nommen nicht  statt,  doch  ist  es  selbstverständlich,  dass  bei  aulfallender  Leich- 
tigkeit mehr,  bei  offenbarer  Schwierigkeit  verhältnissmässig  weniger  gefordert 
wird,   worüber  die  Unter-Directionen  zu  urtheilen  haben. 

Die  Sommerfeldarbeit  dauert  in  der  Regel  vom  ersten  Mai  bis  Ende 
October,  in  südlichen  Gegenden  wird  wohl  auch  April  und  November  verwen- 
det, im  Hochgebirge  jene  Zeit,  wo  die  Witterungsverhältnisse  die  Arbeit 
überhaupt  zulassen.  In  den  Wintermonaten  haben  die  Mappeure  keinen 
Truppendienst  zu  leisten.  Sie  zeichnen  (in  den  Ländern,  wo  ohne  Kataster- 
Grundlage  gearbeitet  wird)  erstens  die  Brouillons  -  Viertel  aus,  welche  dann 
zu  einer  ganzen  Section  vereint  auf  Leinwand  aufgespannt  und  beschrieben 
werden,  dann  kopiren  sie  diese  Brouillons-Viertel  auf  das  grosse  Original- 
blatt, auf  welchem  sie  die  Triangulirung  der  Section  bewirkt  haben,  so  dass 
von  derlei  Sectionen  zwei  Exemplare  in's  Kriegsarchiv  gelangen.  Wo  mit  vor- 
ausgegangenem Kataster  jährlich  12  Quadrat-Meilen  von  jedem  Mappeur 
aufgenommen  werden,  wäre  die  doppelte  Auszeichnung  eine  zu  grosse  Auf- 
gabe. Es  besteht  daher  an  diesen  Sectionen  nur  eine  Original-Zeichnung, 
doch  werden  dieselben  im  Bedarfsfalle  im  militärisch  geographischen  Institute 
photographisch  kopirt.  Alle  Original-Aufnahms-Sectionen  werden,  sobald  sie 
das  militärisch  geographische  Institut  nicht  mehr  zur  Kartenreduction  bedarf, 
im  k.  k.  Kriegsarchiv  deponirt. 

Auch  die  bei  Gelegenheit  der  Landes-Aufnahme  von  den  Mappeurs  vor- 
geschriebenermassen  verfassten,  sowohl  topographischen  als  militärischen  Lan- 
desbeschreibungen seines  Arbeits-Rayons  werden  (ohne  Bestimmung  zur 
Publication)  mit  den  Original-Aufnahms-Sectionen  an  das  k.  k.  Kriegsarchiv 
zur  Sammlung  und  Aufbewahrung  abgeben. 

Die  Original-Aufnahme  im  Inlande  hat  in  der  Regel  den  Massstab  von  1 
Zoll =400°  oder  tttöt  der  natürlichen  Grösse,  nur  in  den  römischen  und 
toscanischen  Staaten  wurde  dieselbe  im  Masse  von  1  Zoll  =  1200°  oder 
rehrö  der  Natur,  in  der  Walachei  im  Masse  von  1  Zoll  =  800°  oder  S7*M 
der  natürlichen  Grösse  bewirkt.  Von  den  Umgebungen  grösserer  Städte  und 
von  Lager-  und  Manöver-Gegenden  bestehen  auch  Aufnahmen  im  Masse  von 
1  Zoll  =  200°  oder  tt|ot  der  Natur.  Nur  diese  werden  durch  Lithographie 
vervielfältigt  und  herausgegeben,  alle  übrigen  Sectionen  werden  vermöge  aller- 
höchster Anordnung  nicht  veröffentlicht;  jedoch  erhalten  mit  besonderer  Bewil- 
ligung des  hohen  Armee-Ober-Commando's  k.  k.  Anstalten  zu  gemeinnützigen 
und  Diensteszwecken,  dann  auch  Eisenbahngesellschaften  photographische 
Kopien  bestimmter  Zugstrecken,  behufs  der  vorzunehmenden  Studien,  gegen 
entsprechende  Vergütung. 

Die  förmliche  Aufnahme  und  Legung  äquidistanter  Höhen- 
curven  ist  als  viel  zu  zeitraubend  und  über  das  militärische  Bedürfniss  hin- 
ausreichend nicht  vorgeschrieben.  Nachdem  bei  Gelegenheit  der  geometri- 
schen Detail-Triangulirung  der  Section,  behufs  der  Bestimmung  des  Horizontal- 
netzes, gleichzeitig  auch  mittels  des  eigens  dazu  eingerichteten  Diopters  (der 
Kippregel)  mindestens  80  bis  100  Puncte  rücksichtlich  ihrer  verticalen  Höhen- 


Organisation  und  Fortschritt  der  milit.  kartograph.  Arbeiten  in  Oesterreich.  9 

läge  bestimmt  wurden,  liegt  es  dem  Mappeur  ob,  bei  Eintragung  des  Terrains 
die  Curven  gl  ei  c  her  Höhe  zwischen  jenen  Fixpuncten  mit  freiem  Auge 
zu  beurtheilen  und  einzutragen,  um  darnach  die  Bergstriche  senkrecht  auf 
diese  Curven,  und  in  der  dem  Neigungswinkel  der  Böschung  entsprechenden 
Starke  gleich  auf  dem  Felde  zu  schraffiren.  Der  grösseren  Sicherheit  wegen 
werden  auch  die  Böschungswinkel  häufig  gemessen  und  die  Ziffer  au  der 
betreffenden  Stelle  eingetragen.  Solcher  Messungen  sind  gleichfalls  80  bis 
100  in  einer  Section  vergeschrieben. 

Als  Zeichnungsscala  für  die  Schraffirung  gilt  das  Gesetz,  dass 
bei  50  °  Neigung  voll  schwarz,  bei  4o°  schwarz  zu  weiss  wie  9:1,  bei  40 
wie  8:1   u.  s.  f.  angenommen  wird. 

Eine  Behörde,  deren  Aufgabe  und  Pflicht  es  wäre,  alle,  von  den  ver- 
schiedensten Gesichtspunkten  aus  auf  die  specielle  Landeskunde  be- 
züglichen Materialien  zu  sammeln  und  zu  concentriren,  existirt  in  Oester- 
reich nicht.  Das  k.  k.  Kriegsarchiv  und  das  militärisch  geographische  Institut 
sind  in  dieser  Beziehung  nur  die  Vertreter  des  Militär-Gesichtspunktes.  Letzteres 
steht  bezüglich  des  Empfanges  oder  der  Mittheilung  von  Materialien  in  ver- 
schiedenartigen Beziehungen  zu  andern  Anstalten.  Es  erhält  von  Seite  des 
k.  k.  Marine-  Ob  erkomm  ando's  die  nothwendigen  Behelfe,  Sordirungen 
etc.  zur  Berichtigung  der  Seekarte  des  adriatischen  Meeres  und  des  Pontolano; 
von  der  Generaldirection  des  Grundsteuer  -  Katasters  empfängt  es  die 
Reductionen  der  Kataster-Aufnahme.  Die  Directionen  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt,  so  wie  des  statistischen  Bureaus  im  Handelsministe- 
rium und  die  Eisenbahnd  irectionen  stehen  behufs  der  Mittheilung  von 
Behelfen  in  gegenseitiger  Beziehung  zur  Direction  des  militärisch  geographi- 
schen Instituts. 

Im  Uebrigen  haben  nur  die  Landes-Baudirectionen  über  die  in 
ihrem  Bereiche  stattgehabten  Veränderungen  vierteljährige  Rapporte  einzusen- 
den, welche  aber  bloss  für  die  Evidenzhaltung  der  schon  bewirkten  Aufnahme 
(und  der  schon  bestehenden  Karten)  benützt  werden.  Zu  dieser  Evidenz- 
hai t  u  n  g  d  e  r  0  r  i  g  i  n  a  1  -  A  u  fn  a  h  m  e  besteht  im  militärisch  geographischen  In- 
stitute eine  eigene  Evidenzhaltungs-Abtheilung,  deren  Obliegenheit  es  ist,  alle  ihr 
pflichtgemäss  durch  die  verschiedenen  Landesbaudirectionen  vierteljährig  durch 
Oleaten  und  genaue  Beschreibung  bekannt  gegebenen  neu  gebauten  und  umge- 
legten Strassen,  Eisenbahnen,  Flussregulirungen  und  sonstig  vorkommenden 
grösseren  Veränderungen  in  die  betreffenden  Original- Aufnahms-Sectionen 
(dann  in  die  verschiedenen  Karten  einzutragen,  so  wie  auch  die  Nachtragung 
in  die  Kupferplatten,  oder  auf  den  Steinen  anzuordnen  und  zu  überwachen. 

Wiewohl  die  Leistungen  seit  den  letzten  drei  Decennien  für  militärische 
Zwecke  befriedigend  zu  erachten  sind,  so  müssen  doch  die  früheren  Aufnahmen 
nach  Vollendung  des  noch  unbearbeiteten  Theiles  der  Monarchie  einer  neuen 
Aufnahme  oder  mindestens  einer  Reamhulirung  um  so  mehr  unterzogen  wer- 
den ,  als  der  Kataster  seither  in  allen  jenen  Provinzen  bereits  durchgeführt  ist. 
Bereits  wurde  im  Jahre  1842  eine  Reambulirung  des  Erzherzogthums 
Oesterreich  ob  und  unter  der  Euns  angeordnet,  weil  sich  in  dem  langen  Zeit- 
räume seit  der  Aufnahme  (1810—12  und  1816—18)  bedeutende  Aenderungen 
in  den  Culturen,  Strassen  etc.  ergeben  hatten.  Aus  gleicher  Ursache  ist  eine 
Reamhulirung  von  Salzburg  und  Tirol  nöthig  geworden  und  wird  zeitgemäss  an 
die  Reihe  kommen. 

Rcdudion  and  Publication  der  Karten. 
Die   Original-Seetionen    der    Aufnahme    werden   behufs    des   Stiches    der 
Special-Karten  aus  dem  Aufnahmsmasse  in  das  Kartenmass  reducirt,  und  zwar 


10       A.  v.  Fligely.  Organisation  und  Fortschritt  der  milit.  kartogaph.  Arbeiten  in  Oesterreich. 

linear  auf  j,  so  dass  auf  1  Zoll  =2000°  (rr5Vinr)  entfallen.  Nur  die  Special-Karten 
der  italienischen  Lander  haben  das  Mass  von  i  Zoll  =  1200°  (Virfs-ö).  Sie  um- 
fassen auch  eine  grössere  Fläche,  indem  sie  25  Zoll  Breite  und  IG  Zoll  Höhe, 
also  400  Quadrat-Zoll  messen,  während  die  Blätter  der  übrigen  Special-Karten 
nur  14.4  Zoll  Breite  und  9.6  Zoll  Höhe,  somit  138.24  Quadrat-Zoll  messen. 
Die  Reductionen  geschehen  in  der  topographischen  Zeichnungskanzlei  des 
militärisch  geographischen  Instituts  unter  der  Leitung  eines  Stabsoffiziers  als 
Bureau -Chef  und  werden  von  der  Iustituts-Direction  überwacht.  Es  ist  ein- 
geführt, dass  jedes  Kronland  in  ein  Ganzes  zusammengestellt  wird.  —  Dasselbe 
gilt  von  den  General  -  Karten,  zu  welchen  die  Special-Karten  linear  auf  die 
Hälfte  reducirt  werden. 

Die  Gradnetze  der  Karten  werden  nach  der  von  Bonne  modifizirten 
Flamstead'schen  Projection  berechnet  und  verzeichnet ,  wobei  die  Erd- 
abplattung zu  yfö»  der  Halbmesser  des  Aequators  zu  3,36oo35  Wiener-Klafter 
angenommen  ist. 

Bezüglich  der  Höhenangaben  auf  den  Reductionen,  rücksichtlich  Karten- 
blättern muss  bemerkt  werden,  dass  bisher  auf  Karten  von  Ländern,  die  ohne 
Kataster  aufgenommen  wurden,  wie  z.  B.  das  nichtösterrcichische  Italien,  Tirol, 
Oesterreich,  Salzburg,  Ungarn,  selten  mehr  als  die  Höhen  der  trigonometrischen 
Hauptpunkte  bestimmt  sind,  daher  auch  nur  diese  in  den  Karten  angegeben 
wurden,  so  dass  man  davon  kaum  mehr  als  einen  auf  10  Quadrat-Meilen  rech- 
nen kann.  Allein  in  Ländern,  wo  der  Kataster  vorausging,  kommen  bis  3  H  ö- 
hencoten  auf  eine  Quadratmeile,  und  da  sie  sich  nicht,  wie  die  vorgenannten, 
ausschliesslich  auf  ausgezeichnete  Hervorragungen ,  sondern  mitunter  auch  auf 
Joche  und  Thalpunkte  beziehen ,  und  können  in  derlei  (mit  der  Contour  zuvor 
versehenen)  Karten  bei  sorgfältiger  Würdigung  der  Lage  und  Stärke  der 
BergschratTen  die  Curven  gleicher  Höhe  bei  Schichten  von  200  bis  300  Fuss 
Höhe  mit  Annäherung  an  die  Wahrheit  gezogen  werden,  für  geringere  Höhen 
schichten  wären  die  Anhaltspunkte  ungenügend. 

Die  Ausführung  der  Karten  auf  Kupfer  oder  Stein  geschieht  durch 
die  im  militärisch  geographischen  Institute  bestehenden  Kupferstecher-  und 
Lithographen-Abtheilungen.  Die  Leitung  und  Ueberwachung  dieser  Arbeit  be- 
sorgt der  bei  jeder  dieser  Abtheilungen  angestellte  Vorstand.  Die  Kontrolle 
wird  von  dem  eigens  dafür  angestellten  Revisor  und  endlich  vom  Director  des 
Institutes  versehen. 

Die  Kosten  dieser  Ausführung  werden  zum  grossen  Theile  durch  den 
Verkauf  der  Landkarten  hereingebracht.  Jede  Vorauslage  und  der  etwa  nö- 
thige  Mehraufwand  wird  vom  Militär-Aerar  getragen. 

Die  Veröffentlichung  der  Landkarten  geschieht  durch  Verkauf  im 
eigenen  Verschleissamte  und  im  Wege  des  Kunsthandels  durch  Hrn.  Artaria  et 
Compagnie,  erleidet  demnach  keine  Einschränkung.  Veröffentlicht  sind  die  Spe- 
cial- und  General-Karten  von  Oesterreich  ob  und  unter  der  Enns,  von  Salzburg, 
Tirol,  vom  Lombardisch-venezianischen  Königreiche,  von  Steiermark,  Kärnthen, 
Krain  und  dem  Küstenlande,  dann  von  Mähren  und  Schlesien.  Von  der  aus 
38  Blättern  bestehenden  Special-Karte  von  Böhmen  sind  bis  nun  29  Blätter 
erschienen,  der  Rest  von  10  Blättern  wird  längstens  binnen  2  Jahren  nachfolgen. 
Die  Aufnahme  von  Dalmatien  befindet  sich  eben  in  der  Reduction  und  Zu- 
sammenstellung. Ungarns  Comitatskarten  ohne  Terrain  sind  vollendet;  von 
der  Administrativ-  und  General-Karte  sind  8  Blätter  bereits  herausgegeben  und 
2  zur  Publication  bereit. 

Von  der  Evidenzhaltung  der  publicirten    Karten  gilt  dasselbe,    was  von 
der  Evidenzhaltung  der  Mappen  oben  bereits  erwähnt  wurde. 


IL 

Ueber  Körpermessungen, 

als  Behelf  zur  Diagnostik  der  Menschenracen. 
Von    Dr.    Karl    S  c  h  e  r  z  e  r   und   Dr.    Eduard  S  c  h  w  a  r  z. 

Entwurf  eines   Systems,    welches   die  Verfasser,   den  von  ihnen,    während  der 

Reise  der  k.   k.    österreichischen  Fregatte  Novara  um  die  Erde,    an  Individuen 

verschiedener  Racen  angestellten  Messungen  zu  Grunde  gelegt  haben. 

Erste     österreichische    Erdumsegelungs-Expedition    unter     den  Befehlen    des     Conimodore 
B.  v.  Wüllerstorf-Urbair,    in     See    am   Bord  Sr.  Majestät  Fregatte    Novara,  7. 

October  1858. 

Mitgetheilt  in  der  Versammlung  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft  am  18.  Jänner  1859. 

Die  vage,  unausreichende  Eintheilung  des  Menschengeschlechtes  in 
bald  vier,  bald  fünf,  bald  sieben  und  bald  eilf  in  Bezug  auf  Form  und 
Structur  verschiedene  Racen,  zeigt  wohl  am  deutlichsten  wie  mangelhaft 
noch  unsere  Kenntniss  von  deren  abweichenden  Eigenthümlichkeiten  ist. 
So  theilen  L  e  i  b  n  i  t  z  und  Lacepede  das  Menschengeschlecht  in  : 
Europäer,  Lappländer,  Mongolen  und  Neger;  —  L  i  n  n  e:  in  weisse,  kupfer- 
farb'ne ,  schwarze  und  olivenfarbige;  Blumenbach  in:  Kaukasier, 
Aethiopier,  Mongolen,  Amerikaner  und  Malayen:  ■ —  B  u  f  f  o  n  in:  nördliche  (das 
sind  Lappländer),  tartarische,  südasiatische,  schwarze,  europäische  und 
amerikanische;  —  Hunter  in:  schwarze,  schwärzliche,  rothe,  kupferbraune 
schwarzbraune,  braune  und  weisse;  —  Prichard  in:  Iranische  (auch 
indo-atlantische  oder  kaukasische)  Völker,  turanische  (mongolische)  Völker, 
Amerikaner,  Hottentoten  und  Buschmänner,  Neger,  Papuas  (oder  wollhaarige 
Völkerstämme  Polynesiens),  und  Alfurus  (oder  Australische  Bace);  —  Picke- 
ring in:  Weisse,  Mongolen,  Malayen,  Indier,  Neger,  Aethiopier,  Abyssinier, 
Papuas,  Negritos,  Australier  und  Hottentoten.  *)  Gleichzeitig  mit  dem 
Erkennen  dieser  Mangelhaftigkeit  muss  in  jedem  Forscher  der  Wunsch 
rege  werden,  bei  anthropologischen  Untersuchungen  sich  über  ein  Mitte 
zu  verständigen,  wodurch  die  Beurtheilung  des  Menschen  als  Racen-Reprä- 
sentanten  weniger  wie  bisher  der  individuellen  Auffassung  oder  der  oft 
durch  die  verschiedenartigsten  Vorurtheile  getrübten  Anschauung  überlassen 
bleibt,  sondern    eine   bestimmtere    Basis    gewinnt. 

Anatomen,  Anthropologen  und  naturwissenschaftliche  Reisende  haben 
in   neuerer    Zeit    Messungen    der    verschiedenen    Dimensionen    des    menschli- 


*)  Diese  Eintheilung  nach  zumeist  unwesentlichen,  äussern  Unterschieden  wie  Farbe 
der  Haut,  Farbe  und  Form  der  Haare  u.  s.  w.  oder  nach  ihrem  muthmasslichen  geographischen 
Ursitze,  wie  Iranier  (von  Iran,  einem  südlich  und  südöstlich  vom  kaspischen  Meere  gelegenen 
Landstriche  den  Prichard  für  den  Ursitz  dieser  Völker  hält),  oder  Turanier  (von  Turan, 
der  Name  des  nördlich  und  nordöstlich  an  Iran  gränzenden  Landes,  in  dem  schon  seit  der  älte- 
sten Zeit  der  Geschichte  ein  Tlieil  jener  Menschenrace  wohnt)  u.  s.  w.  ist  ausserordentlich 
unbestimmt  und  unsicher,  weil  aus  einem  Schwarzen,  selbst  wenn  man  seine  Hautfarbe  und 
seinWollhaar  künstlich  änderte,  dennoch  kein  Europäer,  kein  Indianer,  kein  Malaye  u.  s.  w. 
werden  würde,  und  weil  ebenso  ein  auf  den  Inseln  des  Malayischen  Archipels,  oder  in  Aethi- 
opien  von  europäischen  Eltern  erzeugtes  Kind  doch  kein  Malaye  oder  Aethiopier  ist,  sondern 
der  Race  nach  Europäer  bleibt ,  wenn  schon  sich  dessen  Hautfarbe  durch  klimatische  lokale 
Verhältnisse  jener  der  Eingebornen  nähern  sollte.  (Vergl.  Humboldt's  Kosmos,  vol.  I.  pag- 
382-383). 


1 2  Dr.  K.  Scherzer,  Dr.  E.  Schwarz. 

chen  Körpers  als  ein  Hauptmittel  erkannt,  *)  um  endlich  dahin  zu  gelan- 
gen, den  normalen  Kaukasier,  mit  dem  normalen  Malayen,  Mongolen,  Papua, 
Neuseeländer,  Indianer  u.  s.  w.  vergleichen  zu  können.  So  sehr  aber 
auch  die  auf  diesem  Gebiete  von  verschiedeneu  Gelehrten  vorliegenden 
Arbeiten  das  schöne  Verdienst  der  Anregung  in  Anspruch  nehmen,  so 
haben  doch  dieselben  ihre  Messungen  weder  hinreichend  auf  alle  Theile 
des  menschlichen  Körpers  ausgedehnt,  noch  an  Individuen  verschiedener 
Menschenracen  angestellt,  um  als  mehr  denn  fragmentarische  Untersuchun- 
gen angesehen  werden  zu  können,  und  nicht  vielfache  Verbesserungen 
zuzulassen,   ja    sogar    wünschenswerth   zu    machen. 

Solche  Messungen  nach  einem  festgestellten  Systeme,  in  einem  gross- 
artigeren Maasstabe,  wie  jemals  früher  vorzunehmen,  schien  uns  die  Erd- 
umsegelung der  österreichischen  Fregatte  Novara,  an  welcher  Theil  nehmen 
zu  dürfen,  wir  die  Ehre  gemessen,  eine  ganz  ungewöhnlich  günstige 
Gelegenheit  zu  bieten.  Wir  entwarfen  und  beriethen  daher  einen  Plan, 
nach  welchem  im  Laufe  unserer  Reise,  an  jedem  Punkte,  wo  die  kai- 
serliche Fregatte  lange  genug  verweilt,  eine  gewisse  Zahl  von  Messun- 
gen an  so  vielen  Individuen  beiderlei  Geschlechtes,  von  mittlerem  Alter 
und  Körperbau  als  nur  immer  thunlich,  vorgenommen  werden  sollten,  um 
untrüglichere  Anhaltspunkte  als  die  bisherigen  zur  genaueren  Unterschei- 
dung  und    Charakterisirung    der    verschiedenen    Menschentypen    zu    erlangen. 

Das  Interesse,  welches  die  blosse  Mittheilung  unserer  Absicht,  derlei 
Messungen  vornehmen  zu  wollen,  in  wissenschaftlichen  Kreisen  erregte, 
die  Aufmunterung,  welche  unserem  Streben  von  Seite  der  angesehensten 
Fachautoritäten  Deutschlands,  Frankreichs  und  Englands  zu  Theil  wurde, 
bestärkte  uns  nur  noch  mehr  in  der  Ausführung  unseres  Vorhabens,  und 
so  entstand  allmählig,  nach  mehrfachen  Abänderungen  und  Zusätzen  ein 
System,  dessen  Darlegung  sowohl,  wie  die  Rechtfertigung  von  Körpermes- 
sungen überhaupt  als  Rehelf  zur  Diagnostik  der  Menschenracen,  die  fol- 
genden   Rlätter   zum    Gegenstande    haben. 

Positive  Wissenschaft  und  Forschung  im  Allgemeinen  haben  die 
Gränze  zwischen  Mensch  und  Thier  gezogen,  —  sie  haben  für  die  Dif- 
ferential-Diagnostik der  Racen  manchen  schönen  Fund  gethan,  manchen 
frappanten  Schluss  gezogen:  aber  gereichen  diese  iusgesammt,  nicht  weit 
mehr  dem  menschlichen  Geiste  und  seinem  nimmer  müden  Streben  nach 
Erkenntuiss  zur  Ehre,  als  dass  sie  dem  gewöhnlichen  Reobachter  bestimm- 
tere   Anhaltspunkte    für    diagnostische    Zwecke    an    die    Hand    geben  würden? 

Es  unterliegt  z.  R.  keinem  Zweifel,  dass,  nachdem  die  Stellung  des 
grossen  Hinterhauptloches  das  Zusammentreffen  des  Kopfschwerpunktes  mit 
der  Körperachse  und  ihrer  Unterstützungsebene  (nebst  Mithilfe  der  Nacken- 
musculatur)  bedingt,  eine  Abweichung  der  Stellung  desselben,  durch  andere 
Umstände    compensirt    werden  muss,    wenn    der  Kopf  nicht  aus  seiner  Gleich- 


l)  Wenn  gleich  nicht  in  direktem  Bezug  auf  den  menschlichen  Körper,  sondern  auf  die 
Bedeutung  von  Messungen  naturwissenschaftlicher  Objecte  im  Allgemeinen  sagt  der  grösste 
Naturforscher  unserer  Zeit:  „Bei  allem  Beweglichen  und  Veränderlichen  im  Räume  sind 
„mittlere  Zahlenwerthe  der  letzte  Zweck,  ja  der  Ausdruck  physischer  Ge- 
„setze;  sie  zeigen  uns  das  Stetige  in  dem  Wechsel  und  in  der  Flucht  der  Erscheinungen ; 
„so  ist  z.  B.  der  Fortschritt  der  neueren  messenden  oder  wägenden  Physik  vorzugsweise 
„durch  Erlangung  und  Berichtigung  der  mittlem  Werthe  gewisser  Grössen  bezeichnet,  so 
„treten  wiederum,  wie  einst  in  der  italienischen  Schule,  doch  im  erweiterten  Sinne,  die  ein- 
zigen, in  unserer  Schrift  übrig  gebliebenen  und  weit  verbreiteten  hieroglyphischen  Zeichen 
„die  Zahlen,  als  Mächte  des  Kosmos  auf."'  — 


Ueber  Körpermessungen.  13 

gewichtslage  nach  vorne  oder  hinten  weichen  soll.  —  Während  der  erste 
Umstand  niemals  stattfindet,  hat  die  vergleichende  Anatomie  andererseits 
nachgewiesen,  dass  mit  dem  Absteigen  von  den  höheren  zu  den  niederen 
Wirbelthieren  das  grosse  Hinterhauptsloch  (welches  bei  der  sogenannten 
kaukasischen  Race  beinahe  die  Mitte  der  Schädelbasis  einnimmt),  von 
vorn  nach  hinten  rückt,  und  dass  das  auf  solche  Weise  gestörte  Gleich- 
gewicht, nur  durch  mächtigere  Nackenmusculatur  wieder  hergestellt  wird.  *) 
Nach  dieser  Erfahrung  erscheint  die  Folgerung  wohl  gerechtfertiget,  dass 
Völkerstämme  mit  übermächtiger  Nackenmuskulatur,  welche  nebenbei  mit 
dem  übrigen  Muskelbau  nicht  im  Einklänge  steht,  ein  mehr  nach  hinten 
gerücktes  Hinterhauptsloch  besitzen,  und  dadurch  eine  Analogie  mit  obiger 
Wahrnehmung  zeigen.  —  Demungeachtet  würden  wir  nicht  wagen,  dieses 
einzelne  Merkmal  als  sicher  leitende  Differential-Diagnostik  für  Racenun- 
terschiede    aufzustellen. 

Noch  erweckt  in  anderweitiger  Beziehung  die  Musculatur  die  Auf- 
merksamkeit des  Forschers.  Kein  Thier,  selbst  das  allergrösste  nicht, 
besitzt  verhältnissmässig  so  mächtige  Gefässmuskeln  als  der  Mensch,  weil 
sie  seinen  Stamm  auf  den  Extremitäten  balanciren  müssen,  und  seinen 
aufrechten  Gang  ermöglichen ;  —  ein  altbekanntes  populäres  Unterschei- 
dungszeichen, das  unser  hochverehrter  Lehrer  und  Freund,  Professor 
H  y  r  1 1  so  geistreich  auf  die  Anordnung  der  Musculatur  zurückführt,  und 
welches  eine  der  zahllosen  genialen  Bemerkungen  ist,  die  seine  Vorträge 
so    belehrend    und    genussreich    machen. 

Ferner  ist  es  dem  vergleichenden  Anatomen  gelungen ,  sowohl  am 
Skelete  wie  an  anderen  innern  Organen  charakterisirende  Unterscheidungs- 
zeichen der  verschiedenen  Racen  zu  finden;  er  hat  weiters  dargethan 
dass  die  vorherrschende  Entwickelung  der  Kauwerkzeuge ,  das  Verhältnis» 
des  Antlitzes  zum  Schädel,  die  Ausprägung  der  Jochbrücken,  die  Mäch- 
tigkeit ihrer  Bogensehwingung  u.  s.  w.  gleichfalls  maassgebende  Zeichen 
für  die  nähere  oder  entferntere  Stellung  des  Menschen  zum  Thiere  sind. 
Ja  ihm  dienen  innere  Organe  zur  Feststellung  der  Gränze  zwischen 
Familien,  Gattungen,  sogar  zwischen  Gruppen  und  Varietäten  von  Thieren, 
welche  letztere  äussere  Kennzeichen,  wie  Gestalt,  Farbe,  Bedeckung  u.  s.  w. 
völlig  neben  einander  stellen,  sogar  identificiren,  und  die  sich  dennoch 
schon  durch  ihre  Lebensweise  und  Bestimmung  wesentlich  von  einander 
unterscheiden  und  desshalb  von  der  Natur  in  ihrer  weisen  Anordnung  mit 
andern,  zweckentsprechenden  Organen  oder  Organsveränderungen  ausge- 
stattet wurden.  —  Ebenso  hat  die  Forschung  die  Stellung  der  Augen  nach 
vorne  in  der  Gesichtsebene,  deren  Abstände  von  einander,  ihr  Zurück- 
weichen nach  der  Seite,  ihre  Schlitzung,  die  Höhe  des  Nasenrückens, 
die  Länge  der  Extremitäten,  die  Vermehrung  der  Musculatur  an  denselben 
u.  s.  w.  als  berücksichtigungswerthe  äussere  anthropognostische  Zeichen 
erkannt.  — 

So  schätzenswerth  aber  auch  diese  und  viele  andere  beinahe  jede 
Region  des  menschlichen  Leibes  umfassenden  diagnostische  Beiträge  sind, 
welche    die    comparative   Anatomie    in    jüngster   Zeit    geliefert ,     so     fehlen 


')  Eine  nothwendige  Folgeerscheinung  hiervon  ist,  dass  solche  Menschen,  fast  immer 
mit  überwiegenden  Kauapparaten  versehen,  ihren  Kopf  mehr  nach  hinten  geworfen  tragen, 
und  indem  sie  einen  Theil  des  Gewichtes  desselben  auf  diese  Weise  hinter  die  Körperachse 
verlegen,  haben  sie  gleichzeitig  ihr  Gesicht,  dergestalt,  dass  der  untere  Stand  des  Unterkie- 
ferkörpers horizontal  getragen  wird. 


14  Dr.  K.  Scherzer,  Dr.  E.  Schwarz. 

nichts  desto  weniger,  wie  schon  bemerkt,  noch  gänzlich  bestimmtere, 
untrüglichere  Unterscheidungsmale  für  das  Erkennen  der  Verschiedenheiten 
des   Menschengeschlechtes. 

Dort,  wo  der  Mensch  nur  mit  einer  und  derselben  Race  oder 
Racenvarietät  in  Berührung  kommt,  ist  ihm  der  Mensch  in  Rezug  auf 
seine  Körperbeschaffenheit  das  gewöhnlichste  Übject  der  Betrachtung,  und 
ohne  jemals  über  die  eine  oder  die  andere  Unterscheidung  nachgedacht 
zu  haben,  erkennt  er  in  ihm  gewissermaassen  instin ctmässig  seines  Gleichen. 
Diess  scheint  auch  Ursache  zu  sein,  warum  er  bis  jetzt  verabsäumt,  ja, 
wir  möchten  fast  sagen  ,  vernachlässigt  hat ,  für  einen  ihm  instinctiv  geläufigen 
Gegenstand,  wie  die  Diagnose  des  Menschen ,  absolute,  wissenschaftliche 
Formeln  zu  suchen  und  aufzustellen.  —  Der  reisende  Forscher  fühlt  dage- 
gen schon  weit  mehr  dieses  Bedürfniss,  indem  er  oft  Geschöpfen  gegen- 
über steht,  bei  denen  es  ihm  schwer  fällt  nach  allgemeinen  populären 
Symptomen,  wie:  aufrechter  Gang,  stolze  Haltung,  offener  Blick,  ausdrucks- 
volles Gesicht,  freier  Wille  u.  s.  w.  zu  unterscheiden,  mit  wem  er  es 
zu    thun    habe.  — 

Aber  selbst  wenn  wir  die  obenerwähnten  differential-diagnostischen 
Merkmale  als  täglich  sich  vermehrend  und  klarer  herausstellend  voraus- 
setzen, und  nur  die  Unterschiede  zwischen  Menschen  und  Menschen  auf- 
finden wollten,  so  würde  sich  ein  solcher  Ermittlungsversuch  bald  als  noch 
schwieriger  erweisen  und  durch  die  Fortschritte  der  Differential-Diagno- 
stik nur  wenig  Unterstützung  finden.  —  Man  glaube  ja  nicht  durch  die 
Untersuchung  von  einer  geringen  Anzahl  von  Individuen,  z.  B.  10,  20,  30. 
mit  Sicherheit  irgend  einen  Anhaltspunkt  feststellen  zu  können.  Nur  zu 
häufig  wird  sich  der  Fall  ereignen ,  dass  der  Beobachter  durch  den 
Anblick  allein  nicht  im  Stande  ist,  zu  bestimmen,  ob  und  wodurch  dieses 
oder  jenes  Individuum  sich  von  demjenigen  unterscheidet,  welches  er  zur 
Basis  seiner  Yergleichung  (d.  h.  zu  seinem  Normal-Typus)  genommen. 
Abgesehen  davon  z.  B.  dass  es  selbst  in  Europa  nicht  unschwer  wäre, 
aus  der  grossen  Masse  Einzelne  herauszufinden,  welche,  wenn  man  nicht 
unwesentliche  Merkmale,  wie  Farbe  der  Haut  9»  Gattung  der  Haare  u.  s.  w. 
s  c  r  u  p  u  1  ö  s  mit  in  Betracht  zieht,  genau  mit  der  einen  oder  andern 
Persönlichkeit,  ja  sogar  mit  einer  Mehrzahl  von  Individuen  nicht  europäi- 
scher Racen  Aehnlichkeit  haben,  begegnet  der  reisende  Forscher  zuweilen 
ganzen  Völkerstämmen,  welche  einen  bereits  bekannten  Eindruck  in  seinem 
Innern  wiederholen.  Die  Singalesen,  die  hinduischen  Peons,  die  indischen 
Sepoys  a),  sehen  genau  so  aus,  wie  die  meisten  unserer  Rumänen,  derart 
dass  sich  dem  Beschauer  diese  Aehnlichkeit  trotz  der  Trachtverschieden- 
heit    unwillkührlich     aufdrängt  3).    In     den   holländischen  Kolonien     auf  Java 


*)  Dieses  Merkmal ,  welches  älteren  Forschern  bei  ihrer  Eintheilung  des  Menschen- 
geschlechtes zur  Rasis  zu  dienen  pflegte,  nniss  schon  aus  dem  Grunde  als  unwesentlich 
betrachtet  werden,  weil  seine  Veränderung  nicht  einmal  eine  vorübergehende  Täuschung 
herbeizuführen  im  Stande  ist,  (ein  weissgeschminkter  Neger  und  ein  schwarzgefärbter  Euro- 
päer werden  gewiss  nicht  verwechselt  werden).  Uebrigens  kommt  die  natürliche  Hautfarbe, 
namentlich  bei  wilden  und  halbwilden  Völkern  dem  Beschauer  selten  zu  Gesicht,  indem  sich 
dieselben  unaufhörlich  öhlen,  färben,  schminken,  tättowiren  u.  s.  w.  und  man  doch  nicht  eine 
curcumafarbige,  oder  eine  blau  und  schwarz-tättowirte  Race  wird  annehmen  wollen? 

2)  Wir  heben  hauptsächlich  diese  beiden  Stämme  hervor,  weil  dieselben  aus  dem 
urwüchsigsten  Theil  des  Volkes  genommen,  meist  aus  schönen  gufgeformten  typischen 
Individuen  bestehen. 

3)  Eigentümliche  Trachten,  Schmuckgegenstände,  Waffen  u.  s.  w. ,  welche  uns  in 
den,  in  ethnographischen  Werken  so  stereotyp  immer  wieder  vom  Neuen  abgedruckten   bild- 


Ueuer  Körpermessungen.  ig 

haben  wir  unter  anderm  Gelegenheit  gehabt,  schöne  stämmige  Buggis, 
Makassaren,  Amboinesen,  Sumatraner,  Sundanesen  zu  sehen  und  zu  mes- 
sen, welche,  wenn  sie  uns  anstatt  in  holländischer  Uniform  in  ßatavia,  in 
österreichischem  Soldatenrock  auf  dem  Wiener  Exerzierplatz  begegnet  wären, 

wir    ohne    Weiters    für   Kroaten    oder    Gränzer   gehalten   haben    würden,    

gleichwie  gar  mancher  Chinese,  mit  seinen  schonen  feinen  Zügen  und 
seinem  elegischen  Gesichtsausdruck  in  den  Salons  unserer  Weltstädte 
anstandslos    für    einen    europäischen    Elegant    genommen    werden    dürfte.   •) 

Als  wir  in  den  Gefängnissen  von  Hongkong  die,  der  Zöpfe  beraub- 
ten Chinesen,  namentlich  vom  Stamme  der  Hakka  s,  mit  ihrem  gedrungenen 
kräftigen  Körperbau,  den  schön  geformten,  gebogenen,  (langen,  geraden) 
Nasen,  und  einer  fast  gar  nicht  specitisch  chinesischen  Augenstellung 
betrachteten,  mussten  wir  uns  selbst  das  Geständniss  machen,  "dass  diese 
Hakka's  dermaassen  gewissen  plebejischen  Figuren  aus  unsern  untern  Ständen 
gleichen,  dass  sie,  europäisch  gekleidet,  sich  mit  den  meisten  Menschen 
in  Berührung  setzen  könnten,  ohne  jemals  für  Chinesen  erkannt  zu  wer- 
den, auch  wenn  der  Beobachter  das  typische  Bild  eines  Chinesen  mit 
Haarzopf,  Opiumpfeife,  Pfauenfedern,  Palmenfächer,  Theekiste  und  Pagode, 
wie  es  unserer  Vorstellung  von  Jugend  auf  durch  die  erwähnten  stereo- 
typen   Abbildungen    to  tief  eingeprägt    wird,    vor   Augen    hätte. 

Noch  mehr  fühlten  wir  das  Trügerische  der  meisten  äusseren  Merk- 
male beim  Anblick  der  katholischen  und  protestantischen  Missionäre  in 
Hongkong  und  Shanghai,  welche  auch  hier,  wie  im  weiten  Westen  als 
die  edlen,  aufopfernden  Träger  und  Verbreiter  christlicher  Civilisation  und 
Wissenschaft  unter  dem  Volke  leben,  und  durch  Wort,  That  und  Beispiel 
wohlthätig  auf  dasselbe  wirken.  Von  der  Ueberzeugung  durchdrungen,  wie 
sehr  des  Menschen  Auge  an  Aeusserlichkeiten  haftet,  haben  sich  jene 
verehrungswürdigen  Männer  dazu  bequemt,  zur  sicherern  Erreichung  ihres 
frommen  Zweckes  gewisse  Sitten  und  Gebräuche  des  chinesischen  Volkes 
anzunehmen,  und  namentlich  das  Kopfhaar  in  der  allgemein  üblichen  Form, 
vorne    geschoren,    hinten    als    langen    Zopf  zu   tragen. 

Durch  diese  Zugeständnisse  im  Anzüge  und  in  der  Toilette  des 
Kopfes  kommt  nun  eine  dermaassen  vollständige  Täuschung  zu  Stande,  dass 
dieselbe    nicht   nur     die    Vorstellung     der    Chinesen     vollständig     beherrscht, 


liehen  Darstellungen  der  Racentypen,  so  eonsequent  vor  Augen  geführt  und  eingeprägt 
werden,  haben  uns  daran  gewöhnt,  dieses  oder  jenes  Individiuum  unverweilt  in  die  Abthei- 
lung einzureihen,  wohin  es  als  Racentypus  gehört,  sobald  dasselbe  mit  gewissen  Toiletten 
stücken,  Ornamenten,  Waffen,  Instrumenten  und  andern  Abzeichen  erscheint,  wie  z.  B. 
der  Eskimo  in  Seehundsfell,  einen  Fisch  in  der  Hand;  —  der  Indier  auf  einem  Elephanten 
reitend,  der  Araber  ein  Kameel  an  der  Hand  führend;  —  die  tropischen  Völker,  mit  der  ewi- 
gen Palme  im  Hintergründe,  oder  der  Malaye  mit  Kris  und  Betelbüchse;  —  der  gewisse 
Eingeborne  von  Nukahiwa  mit  Keule  und  Schildkröte  u.  s.  w.  Bildet  man  dagegen  z.  B.  einen 
Chinesen  ohne  Haarzopf,  Opiumpfeife,  Palmenfiicher,  Pfauenfedern,  lakirte  Sonnenschirme, 
oder  ohne  eine  Pagode  im  Hintergrund  ab,  so  wird  man  für  die  richtige  Beurtheilung  des 
dargestellten  Racentypus  ebenso  grosse  Schwierigkeiten  finden,  wie  unter  ähnlichen  Verhält- 
nissen in  der  Wirklichkeit.  Allerdings  besitzen  Fachmänner  andere  wissenschaftliche  Be- 
helfe zur  Erkennung  und  Unterscheidung  der  verschiedenen  Racentypen,  aber  diese  sind 
weder  für  alle  Fälle  ausreichend,  noch  allgemein  genug  verbreitete,  um  als  wissenschaftli- 
ches Gemeingut  gelten  zu  können.  — 

*)  Bei  den  weit  schöner  geformten  Tataren  ist  diese  Täuschung  noch  frappanter. 
Leider  haben  wir  von  denselben  keine  hinreichende  Anzahl  gesehen,  um  sie  zum  Gegen- 
stand einer  weitläufigeren  Erörterung  machen  zu  können.  Allein  beim  Anblick  der  fünf  oder 
sechs  Tataren  beiderlei  Geschlechtes  ,  welche  wir  zu  Gesichte  bekommen,  kostete  es  uns 
weit  mehr  Anstrengung  sie  von  mongolischer,  als  von  europäischer  Abstammung  zu  halten. 


16  Dr.  K.  Scherzer,  Dr.  E.  Schwarz. 

sondern  sogar  eine  gleiche  Wirkling  auf  das  Auge  des  Europäers  übt. 
Wir  befanden  uns  im  Jesuiten-Collegium  zu  Sikkawei  bei  Shanghai  unter 
einer  Anzahl  katholischer  Missionäre  in  chinesischer  Tracht,  und  mochten 
uns  eben  so  gut  in  einen  Kreis  von  Gelehrten  des  Reiches  der  Mitte 
versetzt  glauben.  Der  hochverdiente  englische  Missionär  Rev.  Dr.  Medhurst 
sen.  reiste  im  Innern  China's  in  der  Tracht  der  Eingebornen  viele  Monate 
lang  zu  einer  Zeit,  wo  ihm  eine  Entdeckung  seiner  wirklichen  Nationa- 
lität den  grössten  Gefahren  ausgesetzt  haben  würde ,  ohne  gleichwohl 
trotz  der  Schlauheit  der  Chinesen  und  ihrem  Hange  zum  Verdachte  erkannt 
zu    werden. 

Noch  bei  Weitem  schwieriger  hält  es  Unterracen  zu  scheiden,  wenn 
auch  für  diese  gewisse  prägnante  Kennzeichen  bestehen  müssen.  So  z.  B. 
wird  der  auf  Java,  dem  Centralpunkte  der  Sundainseln  lebende  Anthro- 
polog  auf  den  ersten  Blick  die  meisten  der  auf  grösseren  und  klei- 
neren Inseln  dieses  herrlichen  Archipels  lebenden  Malayenstämme  zu  son- 
dern vermögen,  selbst  wo  äussere  Momente,  wie  Tracht,  Kopfputz,  Kriegs- 
werkzeuge, Arbeitsgeräthe  u.  s.  w.  keinerlei  Anhaltspunkt  geben.  —  Fragt 
man  aber,  welche  Merkmale  es  sind,  die  seinem  Auge  z.  B.  einen  Suma- 
tranen  oder  Javanesen  von  den  Eingebornen  von  Celebes,  Amboina  u.  s.  w. 
unterscheiden  lassen,  so  muss  man  mit  der  Auskunft  vorlieb  nehmen,  dass 
er  zwar,  ohne  jemals  sich  zu  trügen,  die  Diagnose  zu  stellen  im  Stande 
sei,  über  die  eigentlichen  Erkennungszeichen  jedoch ,  sich  selbst  nicht 
genau  Rechenschaft  zu  geben  vermöge.  Wir  haben  es  persönlich  und 
wiederholt  erlebt,  dass  selbst  Männer  der  Wissenschaft  von  hohem  Anse- 
hen   und    Ruf  uns    eine    ähnliche    Antwort  zu  geben,    sich  gezwungen  sahen. 

Sollte  aber  das  höchstorganisirte  Wesen  dieser  Schöpfung,  der  Mensch, 
plan-  und  systemlos  entstanden  sein  und  entstehen,  er,  der  die  Systeme 
nachgewiesen,  nach  welchen  die  Sterne  kreisen,  und  der  Weltkörper  seine 
Bahn  geht;  —  der  auch  für  die  geringste  Erscheinung  im  Haushalte  der 
Natur  Gesetze  aufgefunden  und  festgestellt,  und  selbst  jenem  Plane  nach- 
zuspüren sich  erkühnt  hat,  welcher  dieser  hochherrlichen  Schöpfung  zu 
Grunde    liegt?  — 

Sollte  gerade  für  den  Menschen  keine  bestimmte  Regel  existiren, 
nach  welcher  sicli  die  verschiedenen  Varietäten  seines  Geschlechtes  gestalten 
und  erkennen  lassen,  während  es  doch  seinem  rastlos  forschenden  Geiste 
gelungen  die  Pflanzenwelt  nach  einem  gewissen  Systeme  in  hunderte  von 
Familien,  tausende  von  Geschlechtern  und  hundertmal  tausende  von  Spezies 
einzutheilen,  und  jeder  einzelnen  ihren  bestimmten  Platz  darin  anzuwei- 
sen; während  er  auf  gleichem  Wege  dahin  gelangt,  die  fast  zahllosen 
Spezies  des  Thierreiches,  an  dessen  Spitze  er  sich  selbst  gleichsam  als 
hors  de  classe  stellte,  von  der  an  18  Fuss  hohen  Giraffe  bis  zum  mikro- 
skopischen Infusionsthierchen  einem  einigen,  gleichen  Gesetze  zu  unterwer- 
fen, nach  welchem  der  Fachkundige  aus  den  Millionen  Geschöpfen  der 
Thierwelt  jedes  einzelne  Individuum  nach  gewissen  Unterscheidungen  zu 
classifiziren    vermag? 

Das  kleinste,  unscheinbarste  Blümchen,  das  niemals  zuvor  eines  Men- 
schen Auge  gesehen,  versteht  der  wissenschaftliche  Blick  des  Botanikers  nach 
gewissen  systematischen  Kennzeichen  ohne  Schwierigkeit  neben  jene  Pflanze 
einzureihen,  zu  welcher  es  in  nächster  morphologischer  Verwandtschaft  steht, 
ihm  eben  so  gut  Platz  und  Namen  im  grossen  Systeme  nachzuweisen,  als 
ob  es  beim  Aufbau  desselben  zugegen  gewesen,  und  schon  damals  beide 
Prärogative    für    sich   in  Anspruch  genommen  hätte.  —  Lud,    wir  wiederholen 


Heber  Körpermessungen.  17 

es,  gerade  der  Mensch  sollte  von  diesen  ehernen,  ewigen  Naturgesetzen 
eine  Ausnahme  machen,  für  ihn  allein  sollte  keine  Regel  bestehen  und  auf- 
zufinden sein,  nach  welcher  sich  seine  verschiedenen  Typen  gestalten  und 
erkennen    lassen?   — 

Obschon  nun  Jedermann  im  Vorhinein  von  dem  Bestehen  eines  solchen 
Planes  überzeugt  sein  dürfte,  so  müsste  es  selbst  dann,  wenn  noch  irgend 
ein  Zweifel  darüber  walten  sollte,  jedenfalls  als  eine  würdige  Aufgabe  des 
Menschen  angesehen  werden,  das  gleiche  Maass  von  Studium  und  Forschung, 
der  Systematisirung  seines  eigenen  Geschlechtes  zuzuwenden,  das  er  tau- 
senden  von  Pflanzen  und  Thiergeschlechtern  so  lange  vorher  gewidmet  hat! 
Und  sehen  wir,  wie  zahlreiche,  ähnliche  wissenschaftliche  Strebungen,  welche 
gleichfalls  seitab  vom  Wege  der  Befriedigung  materieller  Interessen  liegen, 
wie  z.  B.  mikroskopische  Untersuchungen  der  kleinsten  Organismen  der 
thierischen  Schöpfung  im  Meere  und  Land  und  der  zartesten  Pflanzenkeime, 
sich  einer  so  ermunternden  Theilname  erfreuen,  so  wagen  wir  getrost  ein 
gleiches  Wohlwollen  des  Mannes  der  Wissenschaft  wie  des  gebildeten  Laien 
auch  für  unsere,  gewiss  nicht  weniger  wichtige  und  nützliche  Aufgabe  zu 
hoffen,  welche,  indem  sie  die  Kenntniss  des  Menschengeschlechtes  zu  för- 
dern sich  bemüht,  in  ihren  endlichen  Resultaten  so  mannigfaltige  und  frap- 
pante Schlüsse  in    Aussicht   stellt!    — 

Da  es  sich  beim  Menschengeschlechte  (dessen  generische  Charaktere  wir 
dermalen  nicht  in  das  Bereich  unserer  Betrachtung  ziehen),  bloss  um  die 
Diagnostica  der  Racen,  Unterracen  und  Raeen-Varietäten  handelt,  so  muss- 
ten  wir  gleich  von  vornherein  einen  mehr  ins  Detail  führenden  Weg  ein- 
sehlagen. Wir  haben  indess  nicht  vernachlässigt,  die  meisten  jener  Merk- 
male theils  als  Rubriken,  theils  als  Anmerkungen  in  unsern  Entwurf  mit  auf- 
zunehmen, welche  frühern  Forschern  das  alleinige  Material  für  die  Description 
des    Menschen    abgegeben    haben. 

Unsere,  für  die  Varietäten -Diagnostik  mehr  spezialisirende  Untersu- 
chungsweise führte  uns  auf  die,  in  andern  Zweigen  der  Naturwissenschaften 
bereits  ungemein  weit  verfolgte  Methode  der  Messungen.  Lehrt  uns  die 
Erfahrung,  welche  erstaunlichen  Resultate  Messungen  der  Körperlänge,  der 
Flügelspannung,  des  Umfanges  von  Kopf,  Brust  u.  s.  w.  so  wie  der  auf- 
fallendsten Dimensionen  einzelner  Organe  und  Gebilde  in  der  Ornithologie 
zur  Folge  hatten,  wo  das  Maass  und  Gewicht  eines  ausgewachsenen  Indi- 
viduums in  vielen  Fällen  als  ausschlaggebende  Diagnostica  sogar  für  die 
Bestimmung  der  Species  gelten.  Ebenso  finden  Masse  und  Gewicht,  auch 
in    der   Diagnose    der    übrigen    Thierwelt  Beachtung.  — 

Der  abweichenden  Einzelnheiten  in  unserm  Verfahren  so  wie  seiner 
umfassenderen  Ausdehnung  haben  wir  bereits  Erwähnung  gethan.  —  Die 
Hauptursache  wesshalb  einzelne  unserer  Messungen  von  frühern  ähnlichen 
Schematen  abweichen,  mag  in  dem  Umstände  gesucht  werden,  dass  Punkte 
mit  Linien  verbunden,  weit  leichter  durch  Zahlen  zu  bezeichnen,  festzu- 
stellen, und  der  Controlle  zu  unterwerfen  sind ,  als  gewisse  von  andern 
Forschern  gewählte  Flächen  und  Gegenden,  welche,  wie  Fussohle,  "Weiche, 
Backen,  Unterleib  u.  s.  w.,  theils  als  zu  vage  Angaben  erscheinen,  theils 
aber  durch  Weichtheile  gebildet,  vielfältigen  Veränderungen  in  Folge 
momentaner    Stellung    ausgesetzt    sind. 

Ja  die  jüngste  Erfahrung  hat  uns  gelehrt,  dass  sogar  Sitten  und 
Gebräuche    nicht    nur    an    Weichtheilen    (wie    Ohrläppchen,    Brüsten,  Genita- 

Mittheilungen  der  k,  k.  geographischen  Gesellschaft.  III.  Bd.   1.  Heft. 


\  8  Dr.  K.  Scherzer,  Dr.  E.  Schwarz. 

lien  u.  s.  w.),  sondern  selbst  an  starren  Körpertheilen  willkührliche  Alte- 
rationen   gegen   den   Plan    der   Natur    hervorzubringen    vermögen.  *) 

Auf  diese  Weise  würden  z.  B.  diejenigen  Forscher,  welche  die 
Stellung  der  Zähne,  und  zwar  mit  Recht,  als  Differential -Diagnosticum 
annehmen,  den  urwüchsigen  Eingebornen  der  Nikobarischen  Inseln  gegen- 
über dieses  Merkmal  nicht  benützen  können,  indem  jener  Volksstamm  an 
seinen  Zahnen  sowohl,  wie  an  den  Zahnfortsätzen  der  Kiefer  in  Folge 
continuirlicher  Anwendung  scharfer  Kausubstanzeu  eine  pathologische  Ver- 
änderung und  consecutiv  eine  ganz  widernatürliche  Stellung  derselben  zu 
Stande  bringt,  so  dass  die  obere  und  untere  Zahnreihe,  wenn  geschlos- 
sen, in    einem    spitzigen    Winkel    aufeinander    greifen. 

Dagegen  wurde  bei  der  Bestimmung  der  Messpunkte,  dem  Knochen- 
systeme und  seiner  praktischen  Wichtigkeit  jene  Aufmerksamkeit  zuge- 
wendet, welche  dasselbe,  wie  Professor  Hyrtl  bemerkt,  „durch  seine 
bedingenden  Verhältnisse  zu  den  Weichtheilen"  gehörig  verdient;  u.  z.  sind 
die  meisten  Ausgangs-  und  Endpunkte  unserer  Messungen  natürliche  Pro- 
tuberanzen von  Skeletparthien,  die  von  den  Weichtheilen  nicht  maskirt 
werden. 

Wenngleich  einzelne  dieser  Messpunkte  bereits  von  andern  Forschern 
auf  diesem  Gebiete  die  verdiente  Berücksichtigung  erfuhren ,  und  sogar 
schon  Anlass  zu  verschiedenen  schönen  Detailarbeiten  gegeben  haben ,  2) 
so  erschienen  doch  die  vorhandenen  Messungsschemate  für  unsere  anthro- 
pologischen Zwecke  nicht  umfassend  genug,  3)  und  wir  haben  daher 
unsern  Arbeiten  ein  neues,  vielfach  erweitertes  Schema  zu  Grunde 
gelegt,  —  und  die  anzustellenden  Untersuchungen  und  Messungen  in  vier 
verschiedene  Abtheilungen    gebracht    u.    z. 

1.  In   allgemeine    Beobachtungen. 

2.  In    Messungen   für    den    Kopf  en   face   und    en   profil, 

3.  In    Messungen    am    Stamme. 

4.  In    Messungen    der    obern    und    untern    Extremitäten. 

Von  den  78,  an  jedem  einzelnen  Individuum  mittelst  Bandmaass,  Taster- 
zirkel und  mehreren  andern  höchst  einfachen  Instrumenten  vorgenommenen 
Messungen,  welche  sich  am  Schlüsse  dieser  Denkschrift  systematisch  ver- 
zeichnet  finden,  beziehen  sich  30  auf  den  Kopf,  19  auf  den  Stamm, 
21  auf  die  obern  und  untern  Extremitäten,  und  es  ist  bei  denselben 
auf   einige    Maasse    Rücksicht  genommen    worden,    welche  weniger    für    den 


1)  So  z.  B.  scheint  das  Antlitz  aller  Betel-kauenden  Völker,  durch  das  sehr  frühzeitig 
begonnene  und  das  ganze  Leben  hindurch  unaufhörlich  fortgesetzte  Kauen  der  Arecanuss, 
Betelblätter  mit  Kalk  und  Tabak,  nebst  der  dadurch  verursachten  Deformität  der  Zähne  und 
ihrer  nächsten  Umgebung,   gleichzeitig  auch  in  seiner  knöchernen  Grundlage  alterirt  zu  sein. 

2)  A.  Quelet  et,  sur  Vhoinme  et  le  developpement  de  ses  faculte's,  ou  Essai  de  phy- 
sique  sociale.  Paris  1835.  2  vol.  —  Geologische  Bilder  zur  Geschichte  der  Erde  und 
ihrer  Bewohner,  von  Dr.  H.  Burmeister.  Leipzig  1835.  Der  schwarze  Mensch  pag.  95 
u.  s.  w.  Das  umfassendste  Werk  über  Messungen,  wenngleich  in  anderer  Bichtung  hat  Dr. 
Zeising  in  neuester  Zeit  in  seiner  Proportionslehre  des  menschlichen  Körpers,  Leipzig  1854, 
geliefert. 

3)  Wir  führen  hier  beispielweise  einige  Messschemate  aus  den  neuesten  und  berühm- 
tetsen  Beisewerken  vor: 

„Narative  of  the  United  States  Exploring  Expedition  during  the  years  1838-1842. 
Vol.  V.  pag.  539.  Appendix:  Table  of  the  measurements  of  the  natives  of  several  groups 
of  Polynesia:  1.  Height;  2.  Farial  angle;  3.  front  line ;  4.  upper  line;  o.  lower  line; 
6.  length  of  arm;  7.  length  of  collar  hone;  8.  number  of  teeth;  9.  length  of  hand;  10 
length   of  foot;     11,   circumference    of  head;    12.    number  of  beais   of  pulse    in  a    minute," 


Leber  Körpermessungen.  19 

Anatomen  und  Physiologen,  als  für  den  Künstler  und  die  graphische  Dar- 
stellung Werth  besitzen,  indem  uns  die  Möglichkeit,  auf  Grund  unseres 
Schemas  gleichfalls  den  Schädel  und  Kopf,  sowie  den  ganzen  Körper 
graphisch  darstellen  zu  können,  als  ein  nicht  unwichtiger  Nebenvortheil 
desselben    erschien. 

I.  Allgemeines. 

Die  in  dieser  Abtheilung  zusammengefassten  Beobachtungen  beziehen 
sich  nebst  der  Angabe  des  Namens,  Geschlechtes,  Geburtslandes,  der 
Beschäftigung,  sowie  Art  und  Stärke  des  Bartes  des  gemessenen  Indivi- 
duums,  noch    auf   die    folgenden    Bubriken: 

1.  Alter,  2.  Farbe  der  Haare,  3.  Farbe  der  Augen,  4.  Pulsschläge 
in  der  Minute,  5.  Gewicht,  6.  Dynamometer,  Druckkraft  (force  manuelle) 
7.    Dynamometer,    Hebekraft    (force   renale)  8.    Complette  Höhe. 

Die  Bedeutung  der  meisten  dieser  allgemeinen  Beobachtungen  ist 
genug  einleuchtend,  um  in  diesem  Entwürfe  keiner  ausführlicheren 
Erläuterung  zu  bedürfen.  Nur  in  Bezug  auf  die  Anwendung  der  Wage 
und  des  Begnier'schen  Kraftmessers  zur  Bestimmung  der  Druck-  und 
Hebekraft  erlauben  wir  uns  noch  einige  Bemerkungen  beizufügen.  —  Die 
Ermittlung  des  Gewichtes  ist  nicht  nur  für  das  Knochensystem  und  die 
Gesammt-Musculatur  von  Wichtigkeit,  in  so  ferne  eine  Kenntniss  dessel- 
ben zugleich  die  proportionalen  Annäherungszahlen  für  diese  Systeme 
sowohl  als  auch  für  einige  andere  Organe  ergibt,  sondern  es  lässt  sich 
auch  als  interessantes  Nebenresultat,  (wie  schon  Qu etelet  lehrt),  auf  Grund 
des  bekannten  Gewichtes  und  der  Höhe  eines  Individuums  sowohl  dessen 
eigenes  Alter  als  auch  beziehungsweise  das  Durchschnittsalter  ganzer 
Bevölkerungen  bestimmen.  Dieser  Umstand  hat  für  uns  desswegen  einen 
gewissen  Werth,  weil  wir  dadurch  die,  auf  blosse  Schätzung  basirte 
Annahme  des  Alters  bei  jenen  Völkerschaften  zu  controlliren  vermögen, 
welche  in  ihrem  primitiven  Zustande  entweder  noch  gar  keinen  Begriff 
von  Zeit  besitzen,  oder  in  Folge  irriger  Vorstellung  zuweilen  Angaben 
der    widersinnigsten  Art   machen. 

Was  ferner  die  Anwendung  des  Dynanometers  betrifft,  so  wollen 
wir  hier  bloss  auf  die  Wichtigkeit'  hindeuten,  welche  die  Kenntniss  der 
Muskel-  und  Lendenkraft  *)  eines  Individuums  für  die  richtige  Beurtheilung 
der  Arbeitskraft    ganzer    Völkerstämme    besitzt. 


„Narrative  of  the  surveying  voyages  of  H.  M.  Ships  „Adventure  and  Beagle," 
between  the  years  1826  und  1836.  —  Appendix  to  volume  II.  pag.  142.  Bemarks  by 
Mr.  Wilson  Surgeon ,  On  the  structure  of  the  Fuegians.  Measurements;  1  Thorax;  2 
Abdomen;  3.  Pelvis;  4.  Thigh;  5.  Ca?/  of  the  leg;  6.  arm;  7.  fore  arm;  8.  length  of  the  head 
from  the  chin  tipwar ds;  9.  length  of  the  bodyfrom  the  Symphysis  pubis  to  the  top  of  the  sternum; 
10.  length  of  the  thigh;  1 1.  length  of  leg;  12.  length  of  arm,  13.  length  of  fore-arm  and  hand; 
14.  length  from  spina  to  sternum  extemally;  15.  same,  internally ;  16.  breadth  of  the  thorax; 
17.  breadth  of  hypochondrial  regions;  18.  breadth  of  pelvis  between  superior  and  spinous  pro- 
cesses."  — 

*)  Wir  können  uns  durchaus  nicht  mit  Dr.  Prichard  einverstanden  erklären,  denDy- 
namometer  durch  Gewichte  ersetzlich  zu  halten:  allerdings  würde  man  ein  gutes  Resultat  für 
den  Ausdruck  der  Hebekraft  eines  Individuums  erhalten,  wenn  es  das  grösste  seinen  Kräften 
entsprechende  Gewicht  auf  eine  gewisse  Höhe  emporheben  möchte;  allein,  obschon  ein  intel- 
ligenter Mensch  nach  gewissen  Erfahrungen  ungefähr  schätzen  kann,  ein  wie  schweres  Ge- 
wicht er  zu  heben  im  Stande  ist,  so  wie  er  beiläufig  ermisst,  wie  weit  er  springen  und  lau- 

b* 


20  Dr.  K.  Scherzer,  Dr.  E.  Schwarz. 

Der  Dynanometer  als  Messungsapparat  der  Druckkraft  scheint  indess 
bei  Urvölkern  mehr  als  Maass  einer  negativen  Grösse  zu  dienen,  nämlich 
jenes  Resultates,  welches  bei  einer  gegebenen  Muskelmasse  durch  Mangel 
an  Hebung  und  Ausbildung,  die  Früchte  der  Zivilisation,  (vielleicht  auch 
an  Nerven-Erregbarkeit  und  Willenseinfluss),  unter  einer  gewissen  Norm 
bleibt.  Und  ziehen  wir  diejenigen  unserer  Messungen  in  Betracht,  welche 
die  theoretische  Ermittlung  »)  der  Kraftäusserungen  jeder  Muskelgruppen 
erlauben,  die  bei  Anwendung  des  Dynanometers  ins  Spiel  kommen,  sollte 
sich  da  nicht  —  wir  wagen  die  Frage  —  bei  Vergleichung  dieser  mit 
dem  praktisch  gewonnenen  Resultate  in  dem  Plus  zugleich  ein  Maass  erge- 
ben für  jene  geheimnissvollen  Motoren  der  Muskelkraft:  den  Nervenein- 
fluss    und    den    Willen?  — 

Von  diesen  allgemeinen  Betrachtungen  und  Bemerkungen,  erlauben 
wir    uns    zu    den    Messungen    selbst    überzugehen. 

II.    Kopf.    —    a)    en  profil. 

„Der  Kopf  Ist,  physisch  und  ideal  betrachtet,  der  erhabenste  Theil 
des  menschlichen  Leibes  und  als  ausschliesslicher  Sitz  des  denkenden  und 
empfindenden  Princips  sein  wichtigster  Abschnitt,"  sagt  einer  der  geist- 
reichsten Anatomen  unserer  Zeit:  und  in  diesem  Sinne  bestrebten  wir  uns 
möglichst  zahlreiche,  theils  bereits  als  wichtig  anerkannte,  theils  viel  ver- 
heissende  Messungen  an  demselben  vorzunehmen,  daraus  ein  zusammenhän- 
gendes Ganze  zu  bilden,  und  dieses,  gleichsam  ein  trigonometrisches  Netz 
über    den    ganzen    Kopf  zu    spannen. 

Vor  allem  erschien  es  uns  von  grosser  Bedeutung  das  vielwichtige 
Gesichtsprofil  genau  zu  fixiren  ,  um  mit  den  gewonnenen  Zahlen  eine 
getreue  Figur  darstellen  zu  können,  und  wir  hielten  in  dieser  Beziehung 
die  folgenden  vier  Punkte,  so  wie  ihre  Stellung  in  der  Profdslinie  für 
besonders  beachtenswerth:  1.  Den  Haarwuchsbeginn  an  der  Stirne,  2.  Die 
Nasenwurzel,    3.  Die    Nasenbasis,    4.  Den    Kinnstachel.  z) 

Diese  vier  Punkte  wurden  gewonnen,  indem  wir  vorher  die  absolu- 
ten Längen:  Vom  Haarwuchsbeginn  an  der  Stirne  bis  zur  Nasenwurzel, 
Vom  Haarwuchsbeginn  an  der  Stirne  bis  zur  Nasenbasis.  Vom  Haar- 
wuchsbeginn    an      der      Stirne      bis     zum      Kinnstachel     massen      3)      und 


fen  kann,  —  so  ist  dennoch  beim  angestellten  Experimente  ein  einmaliges  Irren  und  die  ver- 
gebliche Anwendung  der  Kräfte  auf  ein  zu  kleines  oder  zu  grosses  Gewicht,  genügend,  um 
das  Resultat  zu  klein  zu  gestalten;  —  bei  der  Anwendung  des  Dynamometers  hingegen, 
muss  jeder  Versuch,  sobald  der  Hebende  versteht,  warum  es  sich  handelt,  bestens  gelingen.  — 
Nun  versuche  man  erst  durch  Gewichte  die  Hebekraft  uneivilisirter  Völkerstämme  bestimmen 
zu  wollen,  von  welchen  man  nur  sehr  schwer  erfahren  kann,  ob  es  in  ihrem  Willen  und  Kraft 
liegt,  mehr  zu  heben,  und  bei  welchen  man  sehr  häufig  versuchen  müsste,  um  das  für  jedes 
Individuum  passende  Gewicht  herauszufinden,  das  wieder  zu  einer  Zeit  controllirt  werden 
soll,  wo  die  Kräfte  nicht  nur  durch  frühere  Experimente  angegriffen  sind.  —  Die  Erfahrung 
zeigte  uns,  dass  wir  mittelst  des  Dynamometers  das  beste  Resultat  bei  den  wildesten  Stäm- 
men auf  einmal  erzielten,  sobald  wir  ihnen  die  Manipulation  des  Kraftmessers  zeigten,  und 
sie  bei  der  Ausführung  derselben  animirten  ihr  Bestes  zu  thun. 

*)  Vergleiche  die  wundervollen  Arbeiten  von  Weber,  Dubois-Rey  mo  nd,  Ludwig 
u.  A    über  die  Hebekraft  vivifizirter  Muskeln  von  gemessenen  Volumen.  — 

2)  Die  detaillirte  Angabe  dieser  4  Punkte  findet  sich  in  den  Nr.  15,  16,  17,  des  bei- 
gefügten systematischen  Schemas.  —  Dass  alle  diese  Messungen  in  der  Medianlinie  zu  ge- 
schehen haben,  ist  wohl  selbstverständlich.  — 

3)  Wodurch  sich  ganz  natürlich  jede  Zwischendistanz  von  seihst  ergiebt.  wie  z.  B. 
Nasenbasis  bis  zur  Nasenwurzel  u.  s.  w. 


lieber  Körpermessungen. 


21 


sodann  einen  oder  zwei  beliebige  Punkte  des  Profils  ,  (Nasenspitze, 
hervorragende  Ober-  oder  Unterlippe,  oder  beide  zugleich  *)  mit  einer 
durch  den  Senkel  hergestellte  Senkrechten  in  Berührung  brachten.  Hierauf 
massen  wir  die  horizontale  Entfernung  der  erwähnten  vier  Profils-Punkte  vom 
Lothe,  welche  dadurch  vollkommen  genau  bestimmt  und  in  nachfolgender 
Weise    dargestellt    werden    können: 

Aus    dem   Punkte    a    der   Horizontalen    ac   (siehe    nebenstehende  Figur 
I.)  zieht  man  die  senkrechte  ab,  verzeichnet  sodann  aus  a  auf  die  Horizontale : 
fj%  ^  Die  bei    der  Messung   Nr.  9  (Abstand 

"e  des  Haarwuchsbeginnes  von  der  Senkrechten) 
und  die  bei  der  Messung  Nr.  10  (Abstand  der 
Nasenwurzel  von  der  Senkrechten)  gefundenen 
Distanzen:  aaund  aß,  —  zieht  dann  durch 
ß  eine  Parallele  zu  ab,  welche  man  mit  der 
Fig.    I.  durch  die  Messung  Nr.  15.  (Haarwuchsbeginn 

an  der  Stirne  bis  zur  Nasenwurzel)  erzielte 
Entfernung  von  u  aus  schneidet,  und  hat 
dadurch  den  Standpunkt  der  Nasenwurzel  in 
der  Profillslinie  bestimmt 

Die  Stellung  der  Nasenbasis  wird  erhal- 
f!  ten,  indem  man  den  Abstand  derselben  von 

der  Senkrechten,    in   der  Horizontalen  auf- 
trägt,  y,  und  die  aus  diesem  Punkte  gefällte 
Senkrechte    durch    die    Distanz    schneidet, 
welche  man  bei  der  Messung   Nr.    16  (Haarwuchsbeginn   bis    zur  Nasenbasis) 
gefunden  hat. 

Genau  auf  dieselbe  Weise  verfährt  man,  um  den  Punkt  für  den  Kinnstachel 
in  der  Profilslinie  zu  gewinnen 

Sind  diese  vier  Punkte  verzeichnet,  so 

ff.-.      —sf—  c        lassen     sich     durch    Verbindung    von    a,  x 

und  y  mit  z  zwei  Winkel  construiren.  Fig.  II, 
welche  wir  Profilswinkel  nennen  wollen,  (und 
zwar  xyx  den  vordem,  cczx  den  hintern) 
über  deren  Bedeutung  indess  jetzt  zu  spre- 
chen, wir  schon  aus  dem  Grunde  unterlas- 
sen, weil  diess  einerseits  aus  einem  uns  noch 
zu  gering  scheinenden  Material  vorzeitig 
Schlüsse  zu  ziehen,  und  andererseits  unsern 
spätem  Arbeiten  auf  diesem  Gebiete  vorgrei- 
fen hiesse. 

Die  Messungen  Nr.  13,  14  (Von  der 
Nasenwurzel  bis  zur  Nasenspitze,  —  von  der 
Nasenspitze  bis  zur  Nasenbasis)  ergeben 
zwei  Linien,  deren  längere  dem  Nasenrücken 
entspricht,  und  aus  welchen  man  mit  der  aus 


Fiff.  II. 


*)  Es  ist  übrigens  durchaus  nicht  nöthig,  irgend  welchen  Punkt  mit  der  Senkrech- 
ten in  Berührung  zubringen.  Die  Nützlichkeit  eines  solchen  Verfahrens  ergiebt  sich  jedoch 
mit  der  Zeichnung;  nur  müssen  die  gewählten  Punkte  in  der  Anmerkung  notirt  werden. 


22 


Dr.  K.Scherzer,  Dr.  E.  Schwarz. 


a- « c  Messung  Nr.    10  (Haarwuchsbeginn  bis   zur 

Nasenbasis)  gefundenen,  ein  Dreieck  zu  con- 
struiren  vermag,  das  Nasendreieck,  dessen 
Platz  schon  dadurch  genau  bestimmt  ist,  dass 
die  Linie:  Nasenwurzel  bis  Nasenbasis  bereits 
in  der  Profilscurve  fixirt  sich  findet,  und  der 
Winkel,  welchen  13  und  14  ergeben,  an  das 
Loth  zu  stehen  kommt.  Dieser  Winkel(o  Fig.  III) 
fällt  ausserhalb  desLothes,  im  Falle  man  das- 
selbe, (wie  wir  gethan)  an  der  Nasenspitze 
angelegt  hat.  Der  Zeichner  findet  dadurch 
einen  Anhaltspunkt  für  die  Formirung  der 
Nasenspitze. 

Um  von  derProfilslinie  die  Profilsansicht 
des  ganzen  Kopfes  zu  erlangen,  wählten  wir 
die,  zwischen  den  Punkten  Nasenwurzel  und 
Kinnstachel  gezogene  gerade  Linie  —  von 
uns  Gesichtslinie  genannt,  —  zur  Basis,  und 
errichteten  auf  dieselbe  eine  Anzahl  von 
Dreiecken,  deren  sämmtliche  Winkel  in  der 
Kopfbegränzungslinie  liegen,  *)  und  daher 
eben  so  viele  Anhaltspunkte  für  diese  geben. 
Fig.  IV.  Durch  die  Messungen  :  vom  Kinnstachel 
bis  zur  Scheitelhöhe;  —  von  der  Nasenwur- 
zel bis  zur  Scheitelhöhe:  —  vom  Kinnstachel 
bis  zur  äussern  Hinterhauptsprotuberanz,  — 
von  der  Nasenwurzel  bis  zur  äussern  Hinter- 
hauptsprotuberanz, u.  s.  w.  (Messung  Nr. 
18 — 21),  als  Messungen,  von  den  Endpunk- 
ten der  Gesichtslinie  nach  einem  dritten 
Punkte,  haben  wir  je  drei  Linien  zur  Con- 
struirung  von  Dreiecken  erlangt,    welche  je 

zahlreicher  man  sie  in  den  Kopfdurchschnitt  legt,    um  so  mehr  zur  Bestimmung 
desselben  beitragen  werden. 

Die  gezeichnete  Figur  wird  zu  einem  Ganzen  geschlossen,  wenn 
man    nun    mit    Hilfe    der    Messungen : 

Nr.   18  Haarwuchsbeginn    bis    zur    Incisura  jugularis    sterni. 
„     40   Vom    7.     Halswirbel    bis     zu    demselben    Punkte    des    Profils 
„     56  Von   der    äussern  Hinterhauptsprotuberanz    bis    zum    7.  Halswir- 
bel, —  an    den    Kopf   die    Halssäule    zeichnet,    und   mit  dem  geraden  Durch- 
messer   der    obern    Brustapertur    abschliesst.  — 

Abgesehen  davon,  dass  viele  unserer  gemesseneu  Distanzen  bereits 
als  werth volle  Durchmesser  des  Kopfes  anerkannt  sind,  erlaubt  ferner  die 
Verzeichnung  derselben  in  der  angegebenen  Weise  zugleich  das  Verbinden 
zweier  Punkte  zu  einer  neuen,  nicht  gemessenen,  oder  am  lebenden  Men- 
schen nicht  zu  messenden  Linie,  deren  Werth  sich  aus  der  Zeichnung 
berechnen  Iasst,  —  So  z.B.  ergeben  die  durch  Messung  erhaltene  Linie: 
von    der    Nasenwurzel    bis    zur   Nasenbasis,     und    die    durch    Zeichnung    zu 


1)  Am  fünffach  verkleinerten  Schädel   mag   man    diese   Punkte  durch  gerade   Linien 
verbinden,   und  verliert  nicht  viel   von  der  wahren  Ivopfperipherie. 


Ueber  Korpermessungen.  23 

findende:  yon  der  Nasenbasis  bis  zum  äussern  Gehörsorgane,  gewisser- 
massen  eine  Modifikation  des  Camp  er'schen  Gesichtswinkels,  deren  Annahme 
in  Betracht  seiner  doch  nur  in  der  Vergleichung  liegenden  Bedeutung, 
vielleicht    nicht    ganz    unzulässig    sein    dürfte. 

b)   Kopf,    {en  face.) 

Die  grössere  Hälfte  des  Kopfes  en  face  bildet  das  Gesicht,  der 
Sitz  der  Sinne,  überragt  und  bewahrt  durch  die  Stirne,  beim  Menschen 
das  Symbol  des  Geistes,  das  Bollwerk,  an  welchem  die  durch  die  Sinne 
wahrgenommenen  Gefahren  abprallen,  die  stärkste  Waffe,  welche  ihm  die 
Natur  verliehen;  —  beim  Thiere  der  Sitz  wirklicher  Angriffs-  und  Ver- 
theidigungswerkzeuge. 

Wären  die  Sinne  bloss  die  theilnahmslosen  Vermittler  empfangener 
Eindrücke,  und  der,  durch  diese  bewirkten  Begungen,  —  blieben  sie  unbe- 
rührt von  dem  Beflex  des  Geistes,  so  würde  ihr  Sitz  mit  seiner  Staffage  — 
dem  Antlitz  —  einzig  und  allein  einer  animalischen  Entwicklung  fähig 
sein,  und  in  demselben  nur  solche  Verschiebungen  vorkommen,  welche 
die  animalischen  Verrichtungen  erheischen.  Es  würde  sich  sodann  im 
menschlichen  Gesichte  eine  gewisse  Stabilität  herstellen,  welche  fixe  Punkte 
gewinnen  Hesse.  Allein  diess  ist  durchaus  nicht  der  Fall  ').  Vielmehr 
besitzt  gerade  der  edelste  Sinn  des  Menschen,  die  nächste  Verwandte 
der  Psyche,  der  Beherrscher  des  Ausdrucks  im  Antlitz,  das  Auge,  die 
meiste  Labilität,  während  die  Mittel,  welche  seinen  Ausdruck  markiren,  das 
Licht    und    dessen    Modifikationen,  am    schwierigsten  mess-  und  wägbar  sind. 

So  vielsagend  und  inhaltsschwer  ein  Glänzen,  ein  Schimmern,  ein 
Strahlen  und  Blitzen  des  Auges  für  das  Individuum  auch  sein  mag,  so 
getreu  auch  gewisse  momentane  Stellungen  des  Auges  und  seiner  Neben- 
apparate die  Begungen  des  Geistes  abspiegeln  und  wiederholen  mögen, 
—  dennoch  bietet  dasselbe  für  allgemeine  Zwecke  der  Charakteristik 
nur    höchst    unwesentliche    Anhaltspunkte    dar. 

Wohl  verdient  hier  die  Wahrnehmung  eine  Stelle,  dass,  während 
der  edelste  Sinn  des  geistigen  Menschen,  der  allein  genügt  um  das  Antlitz 
zu  bezeichnen,  das  Auge,  den  kleinsten  Baum  in  demselben  einnimmt, 
andererseits  der  höchste  Sinn  des  animalischen  Organismus,  der  Geschmack- 
sinn mit  seinen  Nebenwerkzeugen,  den  ausgebreitetsten  Theil  darin  behaup- 
tet. —  Und  heben  wir  von  diesem  wunderbar  construirten  Apparat,  der 
das  Material  für  spätere  Functionen  vorbereitet ,  und  diese  gleichzeitig 
anregt,  einen  Theil  desselben,  den  Mund  hervor,  welcher  durch  seine  kleine 
Form,  wie  durch  die  grosse  Anzahl  von  Bewegungswerkzeugen,  die  theils 
unwillkührlich  gewissen  Seelenregungen  folgen,  theils  willkührlich  andere 
wiedergeben,  ein  sicheres  Unterscheidungszeichen  von  Thieren  ist  2),  so 
sehen  wir  wie  derselbe  dermaassen  den  vorherrschenden  Ausdruck  dem 
Gesichte    verleihen  kann,  dass    schon   die    Alten   zuweilen    in   bildlicher  Bede 


*)  Je  häufiger  und  verschiedenartiger  Sinneseindrücke  und  Regungen  geschehen, 
desto  mehr  steigert  sich  die  Labilität,  je  einförmiger  diese  sind,  desto  ruhiger  bleibt  das 
Antlitz.  Desshalb  ist  eine  grosse  Ruhe  in  den  Gesichtszügen  uncivilisirter  Völker  zu  erken- 
nen, welche  einfachere  Bedürfnisse  und  Neigungen  haben,  als  Culturvölker,  die  im  schwie- 
rigen Kampfe  mit  den  socialen  Verhältnissen  leben. 

2)  Idealisch  sollten  Breite  des  Mundes,  Breite  der  Nase  und  Abstand  der  innern 
Augenwinkel  die  gleiche  Zahl  ergeben 


24  Dr.  K.  Scherzer,  Dr.  E.  Schwarz. 

anstatt  Antlitz  die  Bezeichnung  „Mund"  gebrauchten.  Wir  haben  indess 
den  Mund  mit  ebenso  als  Merkmal  für  unsere  Zwecke  benutzt,  wie  die 
unveränderlichen  Punkte  anderer  Sinnesorgane,  und  ihrer  Hilfsapparate, 
welche  mit  Hinzuziehung  der  Stirne    zusammen  den  Kopf  en  face  ausmachen. 

III.  u.   IV.   Rumpf  und  Extremitäten. 

Von  den  Messungen  am  Kopf  gingen  wir  zu  jenen  am  Rumpfe  über, 
und  zwar  wurde  von  uns  zuerst  die  Umfangslinie  des  Halses  in  der  Nähe 
des    Adamsapfel    gemessen.  l) 

Sodann  unternahmen  wir  am  Thorax  diejenigen  Messungen,  welche 
eine  Vorstellung  von  dessen  Dimensionen  erlauben,  und  reiheten  an  diese 
verschiedene  Messungen  am  Unterleib  und  am  Becken  an,  von  denen 
einige  gleichzeitig  mit  Bandmaass  und  Tasterzirkel  gemacht  wurden,  um 
dadurch  gewissermaassen  Bogen  und  Sehne  zu  gewinnen,  und  auf  diese 
Weise  Hervorragungen  und  Wölbungen  berechnen  zu  können.  An  den 
Extremitäten  maassen  wir  Umfang  und  Längendimensionen,  welche  zwar  in 
anthropognostischer  Beziehung  vor  der  Hand  nur  bezwecken  sollen,  auffal- 
lende Unterschiede  vor  Augen  zu  führen,  um  an  solchen  Parthien  zu 
Detailarbeiten  (ähnlich  wie  z.  B.  Burmeister's  interessante  Untersuchun- 
gen des  Negerfusses)  einzuladen;  —  die  jedoch  auch  in  andern  Richtungen 
den  Anforderungen  wissenschaftlicher    Forschung    genügen    dürften. 

Indem  es  einer  spätem  Zeit  vorbehalten  bleiben  inuss,  auf  jeden 
einzelnen  der  Messpunkte  speciell  zurückzukommen ,  betrachten  wir  mit 
diesen  flüchtigen  Umrissen  die  Darlegung  unseres  Entwurfes  von  Körper- 
messungen für  beendet,  deren  systematisch  geordnetes  Schema  wir  hier 
folgen    lassen: 

Systematisches  Schema  für  Körpermessungen. 

I.   Allgemeines. 

1.  Alter  des  gemessenen  Individuums. 

2.  Farbe  der  Haare. 

3.  Farbe  der  Augen. 

4.  Pulsschläge  in  der  Minute. 

5.  Gewicht. 

6.  Druckkraft  (force  manuelle))  mittelst  des  Regnier'schen 

7.  Hebekraft,    {force  renale)     )  Dynamometers 

8.  Complete  Höhe. 

II.  Kopf,    a)    en  profil. 

9.  Abstand  des  Haarwuchses  von  der  Senkrechten.  3) 
10.  Abstand  der  Nasenwurzel  von  der  Senkrechten. 


*)  Wir  können  uns  nicht  erwehren  hier  die  Bemerkung  einzusehalten,  dass  der  Hals 
der  indischen  Frauen  (auf  Ceylon,  in  Madras,  Singapore,  auf  Java,  in  Manila,  Hongkong  und 
Shanghai)  ungemein  zart  und  dünne  ist;  ein  um  so  auffallenderes  Factum,  als  dieselben 
durchaus  nicht  der  bekannten,  bedingenden  Ursache  der  Anschwellung  der  Verbindungssäule 
zwischen  Kopf  und  Brustkorb  bei  herannahender  Pubertätsperiode  entgegentreten,  vielmehr 
derselben  in  den  meisten  Fällen  schon  früher  zu  wirken  Anlass  gegeben  haben.  —  Oder  sollte 
vielleicht  gerade  dieser  Umstand  wieder  zum  Hinderniss  der  Entfaltung  werden?  Wir  konnten 
diess  an  anderen,  unter  denselben  Einflüssen  stehenden  Organen  nicht  wahrnehmen. 

2)  Die  Messungen  Nr.  9,  10,  11,  12  werden  mit  dem  Senkel-  und  dem  Mctrestab 
gemacht,  Nr.  13  und  14  dagegen  mit  Anwendung  des  Metrestabes  allein. 


Ueber  Körpermessungen.  9g 

11.  Abstand  der  Basis  der  Nasenscheidewand  von  der  Senkrechten.1) 
\t.  Abstand  des  Kinnstachels    von    der   Senkrechten. 

13.  Von  der  Nasenwurzel  bis  zur  Nasenspitze. 

14.  Von  der  Nasenspitze  bis  zur  Basis  der  Nasenscheidewand. 

15.  Vom  Haarwuchsbeginn  bis  zur  Nasenwurzel. 

16.  Vom  Haarwuchsbeginn  bis  zur  Nasenscheidewand. 

17.  Vom  Haarvvuchsbeginn  bis  zum  Kinnstachel. 

18.  Vom  Haarwuchsbeginn  bis  zur  incisura  jugularis  sterni.  2) 

19.  Vom  Kinnstachel  bis  zur  Scheitelhöhe.  )  3-, 

20.  Von  der  Nasenwurzel  bis  zur  Scheitelhöhe.  |   -' 

21.  Vom  Kinnstachel  bis  zum  Haarwirbel.  )  4. 

22.  Von  der  Nasenwurzel  bis  zum   Haarwirbel.)     * 

23.  Vom  Kinnstachel  bis  zur  äussern  Hinterhaupts-Protuberanz. 

24.  Von  der  Nasenwurzel  bis  zur  äusseren  Hinterhaupts-Protuberanz. 

25.  Vom  Kinnstachel  bis  zum  äussern  Gehörgang. 

2b'.  Von  der  Nasenwurzel  bis  zum  äussern  Gehörgang. 

27.  Vom  Kinnstachel  bis  zum  Unterkiefer-Winkel. 

28.  Von  der  Nasenwurzel  bis  zum  Unterkiefer-Winkel. 

b)   en   face.  5) 

29.  Umfang  des  Kopfes.  «) 

30.  Von  Einem  äussern  Gehörgang  zum  Andern. 

31.  Distanz    der    Ansätze    der  Ohrmuscheln    am    höchsten    Punkte,    ungefähr 

im  Niveau  der  Augenbrauen. 

32.  Grösste  Distanz  der  Jochbeine  oder  der  Jochbrücken.7) 

33.  Distanz  der  äussern  Augenwinkel. 

34.  Distanz  der  innern  Augenwinkel. 

35.  Distanz  der  Ohrläppchen-Ansätze. 

36.  Breite  der  Nase. 

37.  Breite  des  Mundes. 

38.  Distanz  der  Unterkiefer- Winkel. 

39.  Dicke  des  Halses. 

III.  Stamm. 

40.  Vom  7ten  Halswirbel  zur  incisura  jugularis  sterni. 

41.  Vom  Tuberculum  majus  des  Einen  Oberarmes,  horizontal    über   den 

Brustkorb  zum  andern. 

42.  Von  einer  Mittellinie  der  regio  axillaris,  oberhalb  der  Brustwarzen, 

zur  andern. 

43.  Querer  Durchmesser  von  denselben  Punkten.  (S.  Prakt.  Schema.) 

1)  Das  ist  jener  Punkt,  wo  das  Integument,  das  den  freien  Stand  der  knorpeligen 
Nasen-Scheidewand  bekleidet,  den  Winkel  mit  der  Oberlippe  bildet;  entspricht  ungefähr 
der  vordem  Masenstachel 

2)  Deren  tiefster  Punkt  in  der  Medianlinie  bei  der  Messung  Nr.  56  (Hinter- 
haupts-Protuberanz bis  zum  7.  Halswirbel)  bleibe  der  Kopf  streng  in  derselben  Stellung  wie 
bei  Nr.  18,  es  ist  daher  gut;  diese  beiden  Messungen  unmittelbar  nacheinander  vorzunehmen. 

3)  Ungefähr  in  der  Senkrechten  mit  dem  äussern  Gehörgange. 

4)  Ungefähr  jener  Punkt,  wo  die  hinteren  obern  Winkel  der  Seitenwandbeine  mit 
der  Hinterhaupts-Schuppe  zusammentreffen. 

5)  Hieher  gehören  natürlicherweise  auch  die  Messungen  Nr.  15,  16,  17,  welche 
bereits  beim  Kopf  en  profil  vorgenommen  wurden. 

6)  Das  Bandmaass  wird  um  die  äussere  Hinterhaupts-Protuberanz  und  über  die  Augen- 
brauen-Bogen  gelegt. 

7)  Je  nachdem  die  einen  oder  die  andern  mehr  prominiren,  was  in  der  Rubrik: 
Anmerkung  zu  verzeichnen  ist. 


26  Dr.  K.  Scherzer,  Dr.  E.  Schwarz. 

44.  Vom    Brustbeine    zur    Wirbelsäule    im    nämlichen    Horizonte.    (Gerader 

Durchmesser). 

45.  Gesammt-Umfang  des  Thorax  an  derselben  Stelle. 

46.  Von  Einer  Brustwarze  zur  andern. 

47.  Um  die  Taille. 

48.  Von  Einer  gpina  ilei  ant.  sup.  zur  andern  (Bandmaass). 

49.  Von  Einer  gpina  ilei  ant.  sup.  zur  andern  (Tasterzirkel). 

50.  Von  Einem  T roch  ant  er  majus  zum  andern. 

51.  Vom  hervorragendsten  Punkt  der  Art iculatio  sternoclavicularisbis  zur  spina 

ilei  ant.  sup. 

52.  Von  demselben  Punkte  bis  zum  Nabel. 

53.  Vom  Nabel  bis  zum  obern  Band  der  Schambeinsfuge,  in  der  Medianlinie. 

54.  Von  der  Kreuzbeuge,    entlang  der  Darmbeinskämme,   des  Leistenkanales, 

bis  zur  Schambeinsfuge. 

55.  Von  Einem  Summum  humeri  über  den  Bücken  zum  andern. 

56.  Von  der  äusseren   Hinterhaupts-Protuberanz  bis  zum  siebenten  Halswirbel. 

57.  Vom  siebenten  Halswirbel  bis   zur  Steissbeinsjtitze. 

IV.  Extremitäten. 

58.  Vom  Summum  humeri  bis  zum  Condylus  e.vternus  des  Oberarmbeines. 

59.  Vom  Condylus  externa»  des  Oberarmbeines   bis   zum   Processus  stiloideus 

radii  über  die  Streckseite. 

60.  Vom  Processus  styloidcus  radii   über  den  Bücken  der  Hand  zur  Articulatio 

metacarpo-diyitalis  des  Mittelfingers. 

61.  Von  diesem  Gelenke  bis  zur  Spitze  des  Mittelfingers. 

62.  Breite  der  Hand») 

63.  Stärkste  Stelle  um  den  Biceps. 

64.  Stärkste  Stelle  des  Vorderarmes. 

65.  Schwächste  Stelle  desselben. 

üß.  Vom  Trochanter  majus  bis  zur  spina  ilei  ant.  sup. 

67.  Vom  Trochanter  majus  bis  zum  Condylus  externus  femoris. 

68.  Vom  Co?idylus  externus  femoris  bis  zum  malleolus  externus. 

69.  Vom  untern  Band   der  Sehambeinsfuge  bis  zum  Condylus  externus  femoris. 

70.  Vom  Condylus  internus  femoris  zum  Malleolus  internus. 

71.  Stärkste  Stelle  des  Oberschenkels. 

72.  Schwächste  Stelle  des  Oberschenkels. 

73.  Um  das  Kniegelenk. 

74.  Um  die  stärkste  Slelle  der  Wade. 

75.  Schwächste  Stelle  des  Unterschenkels  ober  den  Malleolen. 

76.  Länge  des  Fusses.2) 

77.  Umfang  des  Fusses  über  den  Bist. 

78.  Zehenansatz-Breite. 

In  den  vorhergegangenen  Blättern  glauben  wir  dargethan  zu  haben,  dass, 
gleichwie  der  Anatom  die  Notwendigkeit  einer  Abgränzung  der  verschie- 
denen Menschenracen  durch  wesentliche  Unterscheidungen  der  innern  Or- 
gane nachweist,  auch  der  Anthropolog  an  den  äusseren,  der  Messung  und 
Beschreibung  zugänglichen  Theilen  des  menschlichen  Körpers  Merkmale  zu 
tinden    im  Stande    ist,    deren   gründlichere  Erforschung    einen  gewissen  Nor- 

J)  Man  legt  das  Bandmaass  um  die  metacarpo-digital  Gelenke  des  kleinen  Fingers 
und  des  angezogenen  Daumens. 

*)  Von  der  Mitte  der  Ferse,  dem  Innern  Fussrande  entlang,  bis  zu  der  Spitze  der 
grossen  Zehe. 


lieber  Körpermessungen.  27 

mal-Typus ,  welcher  einer  grossen  Anzahl  von  Individuen  der  nämlichen 
Race  zukommt,    erkennen    lassen    dürfte. 

Von  dieser  Ueberzeugung  durchdrungen  und  geleitet,  haben  wir  durch 
die  vorliegenden  Messungen   die  folgenden  Zwecke  zu  erstreben  beabsichtigt: 

Erstens:  Eine  auf  Zahlen-  und  Maass-Verhältnisse  beruhende  Abgrän- 
zung  und  Classification  der  verschiedenen  Menschengruppen,  ohne  schon 
im  Voraus  so  und  so  viele  Racen  aufzustellen,  und  die  bestehenden  Men- 
schenstämme in  diese  einzuteilen;  —  wohl  aber  durch  Fixirung  des  jetzigen 
(wahrscheinlich  vom  Urtypus  schon  vielfach  veränderten)  Bildes  der  verschie- 
denen Menschentypen  und  durch  Vergleichung  desselben  eine  natürliche 
Eintheilung  zu  erzielen.  —  War  aber  jemals  ein  Zeitpunkt  dringend,  so 
ist  es  sicher  der  jetzige,  wo  durch  grossartige  Verkehrsmittel  der  man- 
nigfachsten Art  die  sogenannte  weisse  Race,  von  den  verschiedensten  Inte- 
ressen getrieben,  sich  nach  allen  Theilen  der  Erde  verbreitet,  und  als 
Ansiedler  unter  den  verschiedenen  Völkerstämmen  sich  festsetzend,  die  eige- 
nen Sitten,  Gebräuche  und  Gewohnheiten  beibehaltend,  durch  den  mäch- 
tigen Hebel  ihrer  Geisteskräfte  auf  die  gesammte  neue  Umgebung  jenen 
Einfluss  übt,  welcher  der  unzertrennliche  Begleiter  geistiger  Prävalenz  zu 
sein  scheint.  —  Wie  kräftig  wirksam  dieser  ist,  sehen  wir  z.  B.  bei  den 
Hausthieren,  welche  schon  durch  die  blossen  häuslichen  Verhältnisse  sich 
auch  körperlich  bedeutend  verändern,  und  an  denen  der  Mensch  überdiess 
Varietäten  hervorbringt,  welche  sich  von  der  Urgestalt  wesentlich  entfer- 
nen. —  Auch  beim  Menschen  wird  das  geistige  Moment  allein  gewisse 
Veränderungen  verursachen,  welche  gewaltige  aber  erst  der  Umstand,  dass 
nach  körperlicher  Vermischung  die  Prävalenz  der  weissen  Race,  in  Ver- 
gleich zu  fast  allen  andern  der  nächsten  Generation  den  Stempel  auf- 
prägt. —  Gelingt  es  uns  demgemäss  nicht  bald ,  das  Bild  der  jetzigen 
Racentypen  genau  festzuhalten,  und  werden  dieselben  den  erwähnten  Ver- 
änderungen unterworfen,  dann  dürften  selbst  die  wenigen  Anhaltspunkte, 
welche  vielleicht  gegenwärtig  noch  die  Brücke  bilden  können,  zur  Auffin- 
dung der  Racenverwandtschaft  im  Menschengeschlechte,  jene  Original- 
Schriftzüge  der  Natur,  noch  mehr  verwischt  und  bedeckt,  dem  Forscher 
völlig  unleserlich  und  unentzifferbar  werden.  —  Und  es  wird  uns  dann 
mit  dem  Menschengeschlechte  in  der  weiten  Welt  so  ergehen,  wie  mit 
einzelnen  Stämmen  in  Europa,  welche  durch  »Sprache  und  Gebräuche,  nicht 
aber  durch  organische  Bildung  mit  einem  fernen  Volksstamm  verwandt,  viel- 
mehr durch  die  Bande  des  Blutes  mit  einem  dritten  Stamme  zusammen- 
zuhängen scheinen,  dessen  culturhistorische  Quellen  das  Feld  für  die  Er- 
forschung   des    ursprünglichen   Zusammenhanges    unfruchtbar   lassen. 

Zweitens :  Der  comparativen  Anatomie  ein  reicheres  Material  für  ihre 
schönen,  werthvollen  Untersuchungen  und  Vergleiche  zu  bieten,  indem 
wir  die  verschiedensten  Menschenracen  in  das  Bereich  ihrer  Betrachtung 
bringen. 

Drittens:  Dem  Künstler  solche  Zahlen  und  Maasse  an  die  Hand  zu 
geben,  nach  welchen  derselbe  den  idealen  Menschen  eines  jeden  Racen- 
typus  darzustellen  vermag.  —  Man  glaube  nicht ,  dass  naturgetreue  Abbildun- 
gen, am  allerwenigsten  aber  Portraits  stets  eine  gute,  richtige  Vorstellung 
von  einer  Race  gestatten.  Individuen ,  deren  Aeusseres  jenem  Eindrucke 
gleichkommt,  welcher  sich  im  menschlichen  Geiste  allmählig  über  einen 
Volksstamm  bildet,  und  welcher  ohne  Einem  einzigen  Individuum  speziell 
zu   gleichen,    dennoch    allen    von   derselben  Race    ähnelt,    —    sind    ungemein 


28  Dr.  K.  Scherzer,.  Dr.  E.  Schwarz. 

selten  in  der  Wirklichkeit,  noch  viel  seltener  aber  von  darstellenden  Künst- 
lern des  Typus  herausgefunden  worden.  Man  muss  ebenso  aus  den  ver- 
schiedenen Eindrücken  einzelner  Theile  zahlreicher  Individuen  und  aus  dein 
Gesammt-Ein druck  vieler  Individuen  ein  Mittel  ziehen,  wie  diess  der  Me- 
teorolog  aus  den  verschiedenen  Temperaturen  des  Tages,  Monates  und  Jahres 
zu  gewinnen  sich  bemüht ,  um  eine  für  den  grössten  Zeitraum  passende 
Temperatur  zu  linden.  So  glauben  wir,  dass  der  Durchschnitt  von  z.  B. 
an  100  Individuen  genommenen  Messungen,  weit  mehr  eine,  für  die  Mei- 
sten passende  Zahl  ergeben  dürfte,  als  wenn  man  ein  Einziges  Individuum 
mit  der  grössten  Genauigkeit  und  gleichsam  portraitähnlich  darstellt.  Wir 
finden  auf  solche  Weise  ein  Ideal,  welches  sich  vielleicht  in  der  Wirk- 
lichkeit kein  einziges  Mal  wiederholt,  dem  dagegen  mit  geringen 
Veränderungen    die    Meisten    nahe    kommen. 

Viertens:  Dem  National -Oeconomen  Angaben  über  Körperstärke  und 
Muskelkraft  der  verschiedenen  Volksstämme  zu  verschallen,  welche  ihn  in 
die  Lage  bringen,  sich  ein  muthmaassliches  Urtheil  über  deren  Arbeitskraft 
bilden    zu    können.  — 

So  weit  es  die  Umstände  zuliessen,  haben  wir  ferner  versucht,  Notizen 
über  Geschichte,  Sitten,  Gebräuche,  sociale  und  geschlechtliche  Verhält- 
nisse der  Völkerstämme,  mit  denen  wir  in  Berührung  kamen,  aufzuzeichnen, 
Vocabularien  der  von  ihnen  gesprochenen  Idiome  zu  verfassen,  sowie  die 
wichtigsten  ihrer  Nahrungs-  und  Heilmittel,  Käue-  und  Färbestoffe  zu  sammeln. 
Während  wir  ausserdem  von  den  meisten  der  gemessenen  Individuen  eine 
Collection  ihres  Kopfhaares  anlegten,  trachteten  wir  gleichfalls  möglichst 
viele  Schädel  für  unsere  anthropologischen  Zwecke  zu  erwerben,  und  durch 
die  ehrende  Theilnahme  von  Männern  der  Wissenschaft  in  den  verschie- 
denen von  uns  besuchten  Ländern,  sehen  wir  unsere  craniologische  Samm- 
lung bereits  durch  mehr  als  hundert,  den  verschiedensten  Racentypen  angehö- 
renden   Schädel    bereichert.1) 

Noch  möge  uns  gestattet  sein,  eines  Einwandes  zu  gedenken,  den 
wir  zuweilen  gegen  die  practische  Bedeutung  unserer  Messungen  erhoben 
hören,  und  welcher  hauptsächlich  darin  besteht,  dass  eine  verhältnissmässig 
zu  geringe  Zahl  von  gemessenen  Individuen  der  einzelnen  Bacen  uns  nicht 
erlauben    werde,    ein    richtiges    Mittel    erlangen    zu    können. 

Dermalen,  wo  unser  Verfahren  kaum  zu  wirken  anfängt,  besteht  dieser 
Uebelstand  allerdings:  aber  in  dem  Maasse,  als  dasselbe  an  Interesse  und 
Verbreitung  gewinnt,  wird  auch  dieses  Missverhältniss  wieder  augenfällig 
und  endlich  völlig  beseitigt  werden.  Wir  befinden  uns  in  dieser  Hinsicht 
in  einer  ähnlichen  Lage  wie  Lieutn.  Maur\  zur  Zeit,  als  derselbe  den  Plan 
zu  seinen  grossen  Wind-  und  Strömungskarten  entwarf.  Auch  hier  könnte 
nur  durch  ein  wohlwollendes  Zusammenwirken  dem  Mangel  an  hinreichen- 
den Daten  zum  Vergleiche  abgeholfen  ,  auch  hier  vermögen  gewisse 
Lücken  erst  nach  Jahren  unermüdlichen  Fleisses  und  Sammeins  ausgefüllt 
werden. 

Wir  haben  indess  darauf  Bedacht  genommen,  diesem  Uebelstande  nach 
Thunlichkeit  zu  begegnen.    Die  zahlreichen,   werthvollen  Beziehungen ,   welche 


')  Für  den  Sehadel  sind  begreiflicher  Weise  andere  Messungen  anzustellen, 
als  jene,  welche  wir  am  lobenden  Kopfe  vorgenommen,  für  welchen  allein  unser  Verfah- 
ren berechnet  ist. 


lieber  Körpermessungen.  29 

wir  in  den  von  uns  berührten  Orten  mit  Männern  der  Wissenschaft  anknüpf- 
ten, bieten  uns  hierzu  die  schönsten  ausreichendsten  Mittel.  Ueberall,  wo 
wir  Messungen  vornahmen,  haben  wir  zugleich  Aerzte,  Naturforscher  und 
Freunde  der  Wissenschaft  für  unser  Messsystem  zu  interessiren  und  zu  veran- 
lassen gesucht,  in  der  Folge  auf  den  von  ihnen  bewohnten  Punkten  nach 
unserem  Schema  au  möglichst  vielen  Aboriginern  beiderlei  Geschlechtes 
Messungen   anzustellen   und    uns   die   Resultate    davon    einsenden    zu    wollen. 

Ueberzeugt,  wie  es  scheint,  von  der  wissenschaftlichen  Tragweite  und 
der  Uneigennützigkeit  eines  Unternehmens,  dem  selbst  jener  Egoismus  fremd, 
der  wissenschaftliche  Arbeiten  erregt,  welche  die  Untersuchungen  gewisser, 
dem  Menschen  nützlicher  oder  schädlicher  Pflanzen  und  Thiere  zum  Zwecke 
haben,  oder  durch  pathische  Erscheinungen  im  Egoismus  veranlasst  werden, 
haben  die  meisten  der  neuerworbenen,  geschätzten  Freunde  uns  die  wohl- 
wollendsten, theilnehmendsten  Zusicherungen  gegeben.  —  Und  so  wagen 
wir  schliesslich  die  Hoffnung  auszusprechen,  dass  in  dem  Augenblicke,  wo 
wir  dieses  Memoir,  seiner  Mängel  nicht  unbewusst,  der  Oeffentlichkeit  zu 
überreichen  die  Ehre  haben,  an  den  verschiedensten  Theilen  der  Erde,  in 
Brasilien,  am  Cap  der  guten  Hoffnung,  in  Ceylon,  in  Madras,  auf  Java, 
auf  den  Philippinen,  in  China  u.  s.  w.  gleichgesinnte  Forscher  bereits  thä- 
tig   sind,    unser  bescheidenes  Material    durch   neue  Beiträge  zu  bereichern.  — 

Diese  kräftige  Unterstützung  wird  am  sichersten  dazu  fuhren,  dem 
gerügten  Uebelstande  zu  begegnen,  und  das  Gedeihen  einer  wissenschaft- 
lichen Unternehmung  zu  fördern,  welche,  was  immer  auch  ihr  Endresultat 
sein  wird,  jedenfalls  als  der  Ausdruck  des  innigsten  Verlangens  betrachtet 
werden  möge,  zur  Erreichung  der  herrlichen  Zwecke,  welche  die  kaiser- 
liche Expedition  unler  der  Aegide  eines  illustren  Mäcen  nachstrebt  auch 
von    diesem    Standpunkte    aus    ein    Schärflein    beigetragen  zu    haben! 

Anhang*. 

Praktisches    Schema    für    die    Körpermessungen. 

Das  nachfolgende  Schema  entstand  aus  den  Erfahrungen,  welche  wir 
bei  der  mechanischen  Arbeit  des  Messens  machten,  und  unterscheidet  sich 
nur  insoferne  vom  systematischen  Schema  als  die  Reihenfolge  der  Rubri- 
ken hier  nicht  nach  der  gewöhnlichen  Ordnung  der  Körpertheile,  sondern 
zur  grösseren  Bequemlichkeit  und  Zeitersparniss  derart  eingerichtet  wurde, 
dass  alle  mit  einem  und  demselben  Instrumente  zu  bewerkstelligenden  Mes- 
sungen auf  Einmal  beendet  werden,  und  sodann  erst  zu  denen  mit  andern 
Instrumenten    übergegangen    wird. 

Es  bedarf  wohl  nicht  erst  besonders  darauf  aufmerksam  gemacht  zu 
werden,  dass  sämmtliche  Messungen  in  aufrechter  Stellung  (des  zu  Messenden) 
auszuführen  sind.  Ebenso  einleuchtend  dürfte  es  sein,  dass,  bei  allen  unpaa- 
rigen aber  symetrischen  Organen  streng  in  der  Medianlinie  gemessen,  und 
zwischen  andern  Punkten  das  Bandmaass  stets  stramm  angezogen  werden  muss, 
um  dadurch  gerade  Distanzlinien  und  nicht  Curven  zu  erhalten.  Die  Einheit 
der  Messungen  ist  der  französische  Metre,  als  jenes  Maass ,  welches  in 
Avissenschaftlichen  Arbeiten  die  meiste  Verbreitung  findet  und  verdient.  Die 
Einheit    des   Gewichtes:    das  Kilogramm. 

An    Instrumenten    sind    nöthig : 

1.)  Eine  W'age.  2.)  Regnier'sche  Dynamometer.  3.)  Steifes  Metre- 
maass  für  die    Körperhöhe.    4.)    Senkloth    an    seidener   Schnur    und    kleinerer 


30  !'r-  K.  Scheraer,  Dr.  E.  Schwarz. 

Metrestah  (1  Centimetre)  zur  Messung  der  Abstände  von  der  Senkrechten 
und    den    Nasenlinien.    5.)    Tasterzirkel.    6.)    Bandmaass. 

Auffallende    Dimensionen,    auch    wenn    sie    nicht    im    folgenden   Schema 

vorkommen,  sind  zu  messen  und  in  der  Rubrik  Anmerkung  besonders  zu 
verzeichnen. 

Um  aus  dem  praktischen  Schema,  die  im  systematischen  erwünschte 
Reihenfolge  der  Messungen  zu  erhalten,  benütze  man  die  in  der  Columne, 
rechts    des    nachfolgenden  Schema  angeführten  Nummern.  — 

a)  Allgemeines. 
Name,  Geschlecht,  Geburtsland,  Beschäftigung,  Art  und  Stellung  des  Bartes. 

1.  Alter  des  gemessenen  Individuums.  1 

2.  Farbe  der  Haare.  2 

3.  Farbe  der  Augen.  3 

4.  Anzahl  der  Pulsschläge  in  der  Minute.  4 

5.  Gewicht.  5 

6.  Druckkraft    (force  manuelle)  )  mittelst  des  Regni  er s'chen  6 

7.  Hebekraft    (force  renale)        j            Dynamometers  7 

8.  Complete  Höhe.  8 

b)    Messungen    mit    dem    Senkel    und    dem    Metrestah. 

9.  Abstand  des  Haarwuchses  an  der  Stirne  von  der  Senkrechten.  9 

10.  Abstand  der  Nasenwurzel  von  der  Senkrechten.  10 

11.  Abstand  des  vordem  Kinnstachels  von    der  Senkrechten.  11 

12.  Abstand  des  Kinnstachels  von  der  Senkrechten.  12 

13.  Distanz  von  der  Nasenwurzel  bis  zur  Nasenspitze.  13 

14.  Distanz  von  der  Nasenspitze  bis  zum  vordem  Nasenstachel.  14 

c)  Messungen    mit    dem    Taster  zi  rkel. 

15.  Distanz  von  Kinnstachel  bis  zum  Haarwuchsbeginn.  17 

16.  Distanz  vom  Kinnstachel  bis   zur  Nasenwurzel.  15 

17.  Distanz  vom  Kinnstachel  bis  zum  vorderen  Nasenstachel.  16 

18.  Distanz  vom  Kinnstachel  bis  zur  Scheitelhöhe.  19 

19.  Distanz  vom  Kinnstachel  bis  zum  Haarwirbel.  21 

20.  Distanz  vom  Kinnstachel  bis  zur  äussern  Hinterhaupts-Protuberanz.  23 

21.  Distanz  vom  Kinnstachel  bis  zum  äussern  Gehörgang.  2g 

22.  Distanz  vom  Kinnstachel  bis  zum  Unterkieferwinkel.  27 

23.  Von  der  Nasenwurzel  bis  zur  Scheitelhöhe.  20 

24.  Von  der  Nasenwurzel  bis  zum  Haarwirbel.  22 

25.  Von  der  Nasenwurzel  bis  zur  äusseren  Hinterhaups-Protutberanz.  24 

26.  Von  der  Nasenwurzel  bis  zum  äusseren  Gehörgang.  26 

27.  Von  der  Nasenwurzel  bis  zum  Unterkieferwinkel.  28 

28.  Vom  Haarwuchsbeginn  bis  zur  incisura  jugularis  sterni.  18 

29.  Von  der  äusseren  Hinterhaupts-Protuberanz  bis  zum  siebenten  Hals-  . 

wirbel  —  28   und   29  in   natürlicher  und   unveränderter  Kopfstel-  (  56 

lung  auszuführen.  ) 

30.  Von  einem  äussern  Gehörgang  zum  andern.  39 

31.  Zwischen  den  obern  Ansätzen  der  Ohrmuscheln.  31 

32.  Grösste  Distanz  zwischen  den  Jochbeinen  oder  den  Jochbrücken.  32 

33.  Distanz  der  äussern  Augenwinkel.  33 

34.  Distanz  der  innern  Augenwinkel.  34 

35.  Distanz  der  Ohrläppchen-Ansätze.  35 

36.  Breite  der  Nase,  36 


Ueber  Körpermessungen.  31 

37.  Breite  des  Mundes.  37 

38.  Distanz  der  Unterkieferwinkel.  38 

39.  Vom  siebenten  Halswirbel  bis  zur  incisura  jugularis  sterni.  40 

40.  Querdurchmesser    von    einer  Medianlinie   der  regio  axillaris,  oberhalb 

der  Brustwarzen  zur  andern.  43 

41.  Vom  Brustbein  bis  zur  Wirbelsäule.  44 

42.  Von  einer  spina  ilei  ant.  sup.  zur  andern.  49 

43.  Von  einem  Trochanter  majus  zum  andern.  50 

d)   Messungen    mit    dem    Bandmaasse. 

44.  Umfang  des    Kopfes   um    die    äussere    Hinterhaupts-Protuberanz.  29 

45.  Dicke  des  Halses.  39 

46.  Vom  Tuberculum  majus  des  einen  Oberarmes  horizontal  über  den  Brust- 

korb zum  andern.  41 

47.  Von  einer  Mittellinie  der  re#i0ß.r«7/tf?7s,  oberhalb  der  Brustwarzen  zur  andern.  42 

48.  Gesammt-Umfang  des  Thorax  an  derselben  Stelle.  45 

49.  Von  einer  Brustwarze  zur  andern.  46 

50.  Um  die  Taille.  47 

51.  Von  Einer  spina  ilei  ant.  sup.  zur  andern.  48 

52.  Vom  Trochanter  majus  zur  spina  ilei  ant.  sup.  (derselben  Seite)  66 

53.  Vom    hervorragendsten  Punkte  der  articulatio  sternoclavicidaris  bis  zur 

spina  ilei  ant.  sup.  51 

54.  Vom  hervoragendsten  Punkte  desselben  Gelenkes  zum  Nabel.  52 
55     Vom  Nabel  bis  zum  obern  Rand  der  Schambeinsfuge  in  der  Medianlinie.    53 

56.  Von  der    Kreuzbeuge    entlang    der   Darmbeinskämme  und  des    Leisten- 

kanals bis  zur  Schambeinsfuge.  54 

57.  Vom  siebenten  Halswirbel  bis  zur  Steissbcinsjtitze.  57 

58.  Von  einem  Summum  humeri  über  den  Rücken  zum  Andern.  55 

59.  Vom  Summum  humeri  bis  zum  Condylus  externus  des  Oberarmbeins.       58 

60.  Vom    Condylus  externus   des   Oberarmbeines    zum  processus  styloideus 

radii  über  die  Streckseite.  59 

61.  Vom  processus    styloideus  radii    über    den  Rücken    der   Hand  bis    zur 

articulatio  metacarpo-digitalis  des  Mittelfingers.  60 

62.  Von  der  articulatio  metacarpo-digitalis  des  Mittelfingers  bis  zur  Spitze 

desselben.  61 

63.  Breite  der  Hand.  62 

64.  Stärkste  Stelle  um  den  Biceps.  63 

65.  Stärkste  Stelle  des  Vorderarmes.  64 

66.  Schwächste  Stelle  desselben.  65 

67.  Vom  Trochanter  majus  zum  Condylus  externus  femoris.  67 

68.  Vom  Condylus  externus  femoris  zum  Malleolus  externus.  68 

69.  Vom  untern  Rand  der  Symphises  zum  Condylus  internus  femoris.  69 

70.  Vom  Condylus  internus  femoris  zum  Malleolus  internus.  70 

71.  Stärkste  Stelle  des  Oberschenkels.  71 

72.  Schwächste  Stelle  des  Oberschenkels.  72 

73.  Um  das  Kniegelenk.  73 

74.  Um  die  Stärke  der  Wade.  74 

75.  Schwächste  Stelle  ober  den  Malleolen.  75 

76.  Länge  des  Fusses.  76 

77.  Umfang  des  Fusses  über  den  Rist.  77 

78.  Zehenansatz-Breite.  78 


III. 

Topographische  Karte  des  Gebietes  St.  Michel  di  Lemmo  in  Istrien. 

Gezeichnet  von 
Fra  Mauro,  dem  berühmtesten  Cosmographen  des  XV.  Jahrhunderts. 

Von  P.  Matkovich, 

k.  k.  Professor. 

(Mit      einer     Karte     Tafel       I.) 

Mitjetheilt  in  der  Versammlung  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft  am  9.  November  1858. 

Während  unseres  Aufenthaltes  in  Venedig  in  den  Ferienmonaten  dieses 
Jahres  behufs  der  geographisch -historischen  Studien  im  Central- Archive 
säumten  wir  nicht  in  den  freien  Stunden  auch  die  Marciana,  Museo  Correr 
und  die  Klosterbibliotheken  zu  besuchen,  um  die  Landkarten  des  Mittel- 
alters und  andere  Manuscripte,  die  als  gelehrte  Kunstwerke  daselbst  aufbe- 
wahrt werden ,  für  unsere  geographischen  Studien  auszubeuten.  Auf  der 
St.  Markus-Bibliothek  werden  über  zwanzig  Codices,  die  theils  Weltkarten 
(mappa  mondo)  theils  Hafenkarten  {Portulani)  aus  dem  XIV.  bis  zum  Ausgange 
des  XVII.  Jahrhunderts  enthalten,  aufbewahrt.  Viele  dergleichen  werden  auch 
im  Museo  Correr  aufbewahrt,  unter  denen  sich  ein  der  ältesten  Portulanen 
vom  Jahre  1318  vorfindet  {Petrus  Vesconte  de  Janua  fecit  istam  tabulam 
in  Venecia  anno  domini  MCCCXVIU).  Der  Vorstand  des  Museums  der  gelehrte 
Hr.  H.  V.  Lazari  gestattete  uns  von  demselben  Portulan  ein  Facsimile  zu 
nehmen,  um  es  mit  dem  gleichen  Portulan,  der  auf  der  kaiserlichen  Hofbibliothek 
in  Wien  aufbewahrt  wird,  zu  vergleichen  und  die  vorkommenden  geogra- 
phischen Namen  aus  den  gleichzeitigen  Urkunden  zu  commentiren.  Die 
dazwischen  eingetretenen  Umstände  nöthigten  uns  die  begonnene  Arbeit 
für  dieses  Jahr  aufzugeben,  um  dieselbe  vielleicht  im  nächsten  Jahre  zu 
vollenden. 

Auf  dem  Museo  Correr  fanden  wir  unter  anderen  kartographischen 
Kunstwerken  des  Mittelalters,  die  wir  hier  für  diesmal  übergehen,  die 
topographische  Karte  eines  Theiles  der  Halbinsel  Istrien ,  wovon  unsere 
Karte   eine   genaue    Copie    darstellt. 

Die  Karte  stellt  dar  einen  kleinen  Theil  von  der  Halbinsel  Istrien, 
namentlich  die  (hegend  an  der  Westküste  der  Halbinsel  „von  Parenzo  bis 
Orsero,  die  nördliche  Küste  des  Meerbusens  von  Lemmo,  und  landeinwärts 
die  Landschaft  bis  St.  Lorenzo".  Es  ist  die  topographische  Karte  des 
Gebietes ,  das  einst  zum  Kloster  St.  Michel  di  Lemmo  gehörte  und  nachher 
dem  Kloster  von  St.  Michel  di  Murano  bei  Venedig  einverleibt  war.  Der 
Verfasser  der  Karte  ist  der  berühmte  Camaldulenser- Mönch  Fra  Mauro 
v.  St.  Michel  di  Murano,  einer  der  gelehrtesten  Geographen  des  Mittel- 
alters, von  seinen  Zeitgenossen  Cosmographus  ine om  par  ab i  li  s  genannt. 
Die  Karte  ist  kein  Original,  sondern  eine  Copie,  stammend  aus  der  Mitte 
des  vorigen  Jahrhunderts;  der  Abt  Maurus  Ortes  Hess  die  Karte  in  Kupfer 
stechen,  denn  das  Original  war  sehr  abgenützt  und  die  Schrift  stellenweise 
unlesbar,  wie  dies  die  auf  unserer  Karte  vorkommenden  Lücken  bezeugen. 
Das  Original  wird  noch  in  Mi  ttarel  li's  Cataloge  (vom  Jahre  1717)  Bibliotheca 
Codicum  manuscriptorum  monasterii  S.  Michaelis  Venetiarum  prope  Murianum 
p.  780  der  Handschriften,  die  auf  der  Bibliothek   des  Klosters  von  St.  Michel 


- 


|     TABVLAM   HANC-T0POGRAPH1C 
-     COM1XATVS   DIV1    MICHAELIS  LEMMI 

IS     HISTRH 

SB   (AMALDVLENSI  ABBAT1AED1VI  MATHIAE 

&S     PRoPE  MVRIANVMVENETlARATIIEfTI 

A  HAVRO  MOJiACHO  ET  COSMOGRAPHO 

IXLVSTRI 

MEDIO    RECVRR    SÜCVLO    XV 

KLABORATAM 

\l  \  LTER1VS  TEMPORIS'lJUVRlAVlTl.iRETVR 

AF.RE     IM  IUI      CVRAV11 

MAVRVS  ORTES  ARBAS 


Topographische  Karte  des  Gebietes  S.  Michel    di  Lemmo  in  Istrien  33 

di  Murano  vorkommen,  erwähnt;  Pag.  780  heisst  es:  „S.  Michaelis  di 
Lemmo  Abbatiae  Camaldulensis  in  Histria  Provinciae  Chartae  veteres  notitiae 
et  monumenta  cum  topographia  locorum  et  bonorum.  (In  Codice  1080). 
Es  gelang  uns  nicht  das  Original  in  Venedig  ausfindig  zu  machen,  es 
muss  bei  der  Aufhebung  des  Klosters  S.  Michel  di  Murano  im  Jahre  1810 
sammt  andern  geo-  und  kartographischen  Kunstwerken,  welche  das  Kloster 
besass ,  verschleppt  —  vielleicht  vom  gelehrten  Cardinal  Placido  Zurla 
mit    nach    Rom   genommen    oder  leider    verloren   gegangen    sein. 

Wir  haben  die  Karte  mit  der  Fra  Mauro'schen  Weltkarte,  die  zu 
Venedig  im  Doggenpahiste,  in  der  Sala  dello  scudo  e  delle  mappe aufbewahrt 
wird,  hinsichtlich  der  Schrift,  Sprache  und  Zeichnung  genau  verglichen, 
und  sie  vollkommen  übereinstimmend  gefunden  (daher  können  wir  nicht 
umhin  die  topographische  Karte  von  Istrien  für  eine  Fra  Mau- 
ro'sche  Arbeit  zu  erklären).  Auf  der  Karte  von  Istrien  sind  die 
Städte  Parenzo  und  Orsera  durch  grössere  Häuser  bezeichnet;  ferner  kommen 
Brunnen,  Mühlen,  Fischereien  und  Salinen  vor.  Die  Strassen  von  Parenzo 
und  Orsera  nach  S.  Michel  und  S.  Lorenzo  sind  genau  bezeichnet,  ebenso 
die  Grenze  zwischen  einzelnen  Gebieten  durch  einfache  Linien.  Es  kom- 
men Kirchen  mit  Grabstätten  (Santo  Andra  dele  Calexele,  S.  Michel),  Berge 
mit  Local nahmen  (monte  de  Mariana,  delo  coltermine  Saxo,  monte  Sabionero 
cum  eltermino  saxo,  monte  Calus  etc.),  ganze  Reihen  von  Bäumen,  welche 
hier  wie  auf  der  Weltkarte  die  Grenze  zwischen  Land  und  Meer  wie 
auch  die  Grenze  zwischen  einzelnen  Gebieten  zu  bezeichnen  scheinen;  es 
werden  überall  wie  auf  der  Weltkarte  geographische  Namen  und  Anmer- 
kungen im   venetianischen    Dialecte    beigefügt. 

Die  Landkarte  hat  einen  doppelten  Werth,  einmal  ist  sie  eine  der 
ältesten  Specialkarten  von  Istrien,  ferner  die  Arbeit  des  gelehrtesten  Geo- 
graphen des  Mittelalters  Fra  Mauro,  der  ausser  der  Weltkarte  noch 
andere  kartographische  Arbeiten  geliefert  haben  muss;  denn  er  sagt  in 
einer  Anmerkung  auf  seiner  Weltkarte  „Jo  ho  lassato  amplissimi  desegni  di 
tutte  queste  parte,  zoe  Armenia,  Mesopotamia.  Stria,  Cappadocia,  Cilicia, 
Pamphilia,  Licia,  Asia  propria  menor,  Bitinia,  Galacia  c  tutte  altre,  che  si  sono 
mezo  distinte  et  ordinale."  Von  allen  den  Arbeiten  ausser  der  Weltkarte 
ist  nichts  bekannt.  Wir  wollen  nun  die  Gelegenheit  benützen  mittelst  der 
Bekanntmachung  der  Karte  von  Istrien  die  Herausgabe  der  Fra  Mauro'schen 
Weltkarte    in   Anregung    zu    bringen. 

Einen  ganz  entstellten  Abriss  der  Fra  Mauro'schen  Karte  sammt 
einem  nur  zum  Theil  vollständigen  Commentar  hat  der  gelehrte  Cardinal 
P.  Zurla  zu  Venedig  im  Jahre  1806  herausgegeben  (Mappa  mondo  di 
Fra  Mauro  Camaldolese  descritto  ed  illustrato  a  D.  Placido  Zurla  monaco 
Camaldolese  Venezia  1806).  Sir  William  Fräser  hat  im  Jahre  1804  die 
Weltkarte  für  die  englische  Regierung  copirt  und  Viseomte  de  Santarem 
publicirte  sie  im  Jahre  18o0  in  der  Grösse  des  Originals  nach  der  eng- 
lischen Copie.  Einer  genauen  Copie  sammt  einem  kritischen  Commentare 
dieses  sehr  schätzbaren  geographischen  Denkmals  nach  dem  gegenwärtigen 
Standpunkte  der  Kunst  und  geographischer  Wissenschaft  entbehren  wir 
noch  immer;  es  ist  dies  eine  Aufgabe,  deren  Lösung  sich  unsere  k.  k. 
geographische    Gesellschaft   annehmen    möge. 

Fra  Mauro  der  gelehrteste  Geograph  seiner  Zeit  lebte  um  die 
Mitte  des  XV.  Jahrhunderts  im  Kloster  San  Michel  die  Murano  bei  Venedig 
als    Camaldulenser-Mönch.     Die  Berichte    über    sein  Leben  sind  sehr  dürftig; 

Mitteilungen  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft.   III.  Bd.  1.  Hel't.  C 


34  P.  Matkovich. 

in  den  Klosterbüchern  wird  dessen  nur  vorübergehend  in  den  Jahren 
1434  und  1449  erwähnt.  Er  widmete  sich  spät  dem  Klosterleben;  sein 
Geburtsjahr  wie  dessen  Lebensumstände  sind  gar  nicht  bekannt.  In  den 
Klosterbüchern  aus  den  Jahren  1457,  1458,  1459  findet  man  etwas  mehr, 
das  weniger  sein  Leben  betrifft,  als  vielmehr  die  Weltkarte.  Was  wir  von 
dessen  Lebensgeschichte  und  geographisch-kartographischen  Arbeiten  bei 
gleichzeitigen  und  späteren  Autoren  nur  haben  auffinden  können,  haben 
wir  gesammelt.  Wir  bekennen  es  offen,  dass  wir  von  Fra  Mauro  leider 
nichts  mehr  ausfindig  machen  konnten,  als  was  in  Werken  von  Mittarelli 
Collina,  M.  Foscarini,  Ramusio,  Vit.  T e r r a r o s  s a ,  Petrus  Delphi- 
nus,  Eus.  Renadot,  Tiraboschi  und  P.  Zurla  enthalten  ist.  Die  bei 
Mittarelli  (1.  c.  p.  756)  angeführten  Codices  sub  num.  607,  626  und  1112, 
wie  der  von  Gherardus  Maphaeus,  dem  damaligen  Abte  von  St.  Michel 
di  Murano,  sind  mit  unzähligen  andern  Manuscripten  bei  der  Aufhebung 
des  Klosters  entweder  verschleppt  oder  verloren  gegangen,  in  Venedig 
sind  sie  nicht  ausfindig  zu  machen.  Gegenwärtig  dient  die  Insel  S.  Michel 
zum  öffentlichen  Begräbnissplatze;  das  Kloster  existirt  nur  theilweise,  es 
ist  ganz  baufällig,  und  wird  seit  dem  Jahre  1829  von  den  Franziskanern  bewohnt. 

Fra  Mauro  war  ein  ausgezeichneter  Kartenzeichner,  wie  seine  Kloster- 
brüder treffliche  Codicesschreiber  und  Mahler,  sie  verstanden  die  Perga- 
mente  mit    Miniaturbildern    meisterhaft  zu   schmücken. 

Venedig  war  damals  der  Mittelpunkt  des  Welthandels,  bedeutender 
Reisenden  und  Schiffernachrichten.  Von  hier  aus  gingen  die  berühmten 
Reisenden  des  Mittelalters  Marco  Polo,  Nicolo  und  Antonio  Zeni, 
Marin  Sanudo  Torsello,  Nicolo  Conti  etc.,  welche  durch  ihre  Reise- 
Berichte  Vieles  beigetragen  haben  zur  Erweiterung  des  geographischen 
Ideenkreises.  Nach  dem  adriatischen  Cartago  flössen  geographische  Nach- 
richten aus    den    entfernten    Ländern   Ostens,    Südens    und    Nordens. 

Venedig  war  ferner  die  Schule  der  Bildhauerei  und  Mahlerei,  wo 
Holzschnitt  und  Kupferstich  neben  anderen  Wissenschaften  blüheten.  Die 
Venetianer  besassen  Land-  und  Hafenkarten  der  ihnen  durch  den  Handel 
bekannten  Länder  von  Ostindien,  Persien  und  Arabien,  von  den  Gestade- 
Ländern  des  schwarzen  und  des  Mittelmeeres.  Desshalb  zogen  Fremde 
aller  europäischen  Länder  nach  Venedig,  um  dort  Astronomie,  Mathematik, 
Physik    und    Nautik    zu    studieren. 

Die  Venetianer  standen  damals  als  gelehrte  Geo-  und  Kartographen 
im  grossen  Ansehen.  So  gab  König  Alfons  IV.  von  Portugal  durch  Stefan 
Trevisan  einem  ihrer  Landsleute  dem  Camaldulenser-Mönche  Fra  Mauro 
den  Auftrag  eine  Weltkarte  für  Portugal  zu  zeichnen.  Fra  Mauro  hat 
zwei  Mappa  mondo  gezeichnet;  eine  soll  schon  fertig  gewesen  sein  als 
er  für  die  andern  den  Auftrag  erhielt;  portugiesische  Handelsleute  haben 
wahrscheinlich  von  jener  Karte  Nachrichten  nach  Portugal  gebracht.  An  der 
Karte  hat  Frater  Maurus  in  seinen  zwei  letzten  Lebensjahren  (1457 — 1459) 
gearbeitet.  In  den  Jahrbüchern  des  Camaldulenser-Ordens  sind  Schreiber 
und  Zeichner,  die  an  der  Karte  zu  arbeiten  geholfen  haben,  genannt, 
ferner  sind  die  Arbeitsdauer  und  ihr  Lohn  genau  angegeben;  es  sind  Aus- 
lagen für  ifDinten)  Farben,  Lazur  und  Goldblättchen  verzeichnet,  dies 
alles  auf  Rechnung  des  Königs  von  Portugal.  In  dem  Jahrbuche,  das 
damals  von  dem  Abte  des  Klosters  Gherardi  Maphaeus,  dem  nachherigen 
(vom  Jahre  1448)  Patriarchen  von  Venedig,  im  vulgär  venetianischen  Dialekte 
geführt    wurde,    heisst    es:    „14S7  ,    8.  Fevrier:   Per  che   io  avi  contad  da 


Topographische  Karle  des  Gebietes  St.  Michel  di  Leramo  in  Istrien.  35 

Don  Benedetto  Miani  per  nome  del  Segnor  re  de  Portugal  in  summa 
ducati  28.  —  Adi  8.  Ferrer:  La  majestad  del  Segnor  re  de  Portugal 
die  dar  a  di  sopradicto,  per  che  io  ho  dado  a  Sier  Lio  Roso  cotadi  in 
horo  per  suo  nome  per  pagar  pentori  per  lavorar  il  suo  mappa  mundi 
et  per  altre  spexe  in  summa  ducati  11.  —  Adi  21.  Octobris:  che  io 
ho  dado  contadi  a  Frar  Mauro  per  pagar  un  scriptor  a  lavorado  over 
scripto,  zorni  17  a  raxon  de  soldi  12  a  zorno,  monta  lire  17  soldi  4 
rala  soldi  124  per  ducato.  Adi  7.  Octobris  1458,  contadi  a  don  Fran- 
cisco de  Cherso  per  pagar  un  scriptor,  et  quäl  scripse  al  dicto  mappa, 
mundi  zorni  4  a  soldi  14  al  zorno.  Adi  11.  Fevrier  1459;  A  don  Francesco 
de  Cherso  per  far  comprar  azuru  per  la  dicta  opera  etc.  1459,  17,  Marzo 
a  la  majestad  del  Segnor  re  de  Portugal  die  dar  a  sopradicto  per  chassa, 
che  io  ho  dado  a  don  Francesco  de  Cherso,  che  Fra  Mauro  mando  a 
dimandar  per  certe  opere,  lui  äice  aver  fatte  per  il  mappa  mondo  ducati 
due.  1459,  24.  Avril:  Don  Nicolo  nostro  mi  ha  dicto,  che  essendo  io 
a  capitolo  a  camalduli,  e  sta  salda  la  razon  a  messer  Stephano  Trevixan 
per  il  dicto  Segnor,  quando  per  il  dicto  Messer  Stephano  li  fo  mandado 
il  suo  mappa  mundi."-  Die  Karte  ward  auf  Verlangen  des  Königs  nach 
Portugal  geschafft  und  diente  den  Portugiesen  als  Wegweiser  auf  ihren  wei- 
teren Entdeckungsfahrten  um  Afrika  nach  Ostindien.  Dieselbe  soll  noch 
im  Jahre  1528  vorhanden  gewesen  sein  im  Benedictiner-Kloster  vonAlcobaza; 
Franz  da  Sousa  Tauvarez  habe  sie  nach  der  Mittheilung  von  A.  Galvani 
dort  gesehen.  Franz  Alvarez  erzählt,  dass  man  den  Seekapitänen,  welche 
mit  zwei  Karavellen  im  Jahre  1487  auf  Entdeckungen  ausgegangen,  eine 
Karte    gegeben    habe,    welche    von    einer    mappa    mondo    copirt    war. 

Die  andere  (zweite)  Karte  blieb  im  Kloster  San  Michel  di  Murano, 
sie  war  zur  allgemeinen  Betrachtung  ausgestellt.  Von  dieser  Karte  wird 
behauptet,  Fra  Mauro  habe  sie  zur  Ehre  der  Republik  unternommen, 
weil  er  in  einer  Anmerkung  sagt:  per  contemplacion  di  questa  illustrissima 
Signoria,  non  ha  in  se  qael  compimento  che  la  doveria  perche  certo  non 
e  possibile  al  inteleto  human  verificar  in  tutto  senza  qualche  superna  demon- 
stracion  questa  cosmographia  ove  mappa  mundi,  de  la  quäl  se  puo  aver 
qualche  notitia  pice  a  degustacion  che  a  suplimento  del  desiderio."  Uns 
aber  scheint  die  Behauptung  unwahrscheinlich  zu  sein,  denn  hätte  Fra 
Mauro  die  Karte  zur  Ehre  der  Republik  unternommen,  so  hätte  er  sich 
gewiss  des  Ausdruckes  serenissima  statt  illustrissima  bedient;  so  weit  uns 
bekannt  ist,  kommt  der  Ausdruck  illustrissima  Signoria  in  den  gleichzeitigen 
öffentlichen  auf  den  Staat  sich  beziehenden  Urkunden  nirgends  vor.  Ferner 
wäre  jenes  der  Fall,  so  hätte  man  die  Karte  im  Doggenpalaste  oder 
einem  andern  öffentlichen  Gebäude  zur  allgemeinen  Betrachtung  ausgelegt; 
die  Karte  hingegen  war  im  Kloster  S.  Michel  di  Murano  anfänglich  in 
der  Kirche  bis  zum  Jahre  1655,  dann  in  einem  Bibliothekzimmer  aufbe- 
wahrt, nach  der  Aufhebung  des  Klosters  S.  Michel  war  die  Karte  im 
Jahre  1811  nach  dem  Doggenpalast  gebracht,  wo  sie  in  Sala  delo  scudo 
im  vergoldeten  Rahmen  eingefasst  als  ein  geographisches  Meisterwerk  des 
XV.    Jahrhunderts    gezeigt   wird. 

Die  Karte  hat  bei  sechs  Fuss  Höhe,  hat  die  elyptische  Form  (von 
West  nach  Ost  länger  gestreckt,  als  von  Nord  nach  Süd),  und  ist  auf 
Pergament  gezeichnet.  Bei  Gebirgen,  Ländern,  Strömen,  Ortschaften  kommen 
theils  weitläufigere,  theils  kürzere  Anmerkungen  vor,  geschrieben  vorherrschend 
mit  hellrother  Dinte,  im  venetianischen  vulgär  Dialekte.    Die  Karte  ist  in  schönsten 

c» 


36  P.  Matkovich. 

und  feinsten  Farben  und  mit  niedlichen  Miniaturbildern  ausgestattet,  im 
vergoldeten  Rahmen  eingefasst,  in  dessen  Ecken  die  Weltsysteme  abge- 
bildet sind.  Die  Mappa  mondo  enthält  drei  Erdtheile  der  alten  Welt,  ferner 
eine  Menge  kleiner  und  grösserer  Inseln,  die  wegen  Mangels  an  Raum 
am  Rande  zusammengedrängt  sind.  „In  questo  oceano  so?io  motte  insulae 
te  quäl  non  ho  notado  per  non  haver  loco.i(  Die  Grenzen  sind  im  Osten 
Java  major,  im  Südosten  Cataj,  im  Nord  endet  sie  mit  Permia  (Samojeden); 
im  Nord- West  erstreckt  sie  sich  bis  Skandinavien  und  Island;  im  West:  an  die 
Westküste  von  Spanien;  im  Südwest  bis  Cap  Verde  und  Senegal;  die  Entdeckun- 
gen von  Alvise  da  Cadamosto  (1454 — 56)  sind  hier  genau  bezeichnet,  im  Süd 
bis  Afrika  und  den  Südcap.  Die  Mitte  der  Erdkarte  ist  bezeichnet  durch  eine 
metallene  Platte  —  gleich  einem  flachen  Knopfe  —  gestellt  zwischen 
Chaldea,  Assirien,  Mesopotamien,  in  Armenien  am  Ararat,  von  wo  nach  der 
Sündfluth  die  neue  Bevölkerung  ausging.  Das  Ost-Meer  (grosser  Ocean) 
ist  mit  dem  Atlantischen  verbunden;  die  Nilquellen  sind  wunderbar  gezeich- 
net, entspringend  aus  dem  Inneren  Afrikas.  Die  damals  bekannten  Länder 
dreier  Erdtheile,  welche  bei  andern  Cosmographen  zum  Theil  fehlen,  sind 
alle    aufgenommen. 

Die  Karte  stellt  die  geographischen  Kenntnisse  des  XV.  Jahrhun- 
derts dar;  der  Cosmograph  hat  die  Entdeckungen  der  berühmten  Reisen- 
den des  Mittelalters  trefflich  benützt;  er  bemerkt  in  einer  Note:  „per- 
tando  dico  nel  tempo  mio  ho  solicitado  verificar  cum  la  experientia,  investi- 
gando  per  molti  anni,  e  practicando  co?i  persone  degne  dl  fede,  te  quäl  hano 
veduto  ad  occhio  quelo,  che  qul  suso  fedelmente  demostri.  Er  beruft  sich  bei 
Norwegen  auf  Petrus  Quirinus;  für  den  Osten  benützte  er  Reisebe- 
richte von  Marco  Polo,  Sanudo  Torsello,  Conti  und  Barbaro,  für  den 
Norden  Nicolo  und  Antonio  Zeni  für  den  Süden  die  Entdeckungen  der 
Portugiesen,    zumal    die    von    Alvise  da    Cadamosto. 

Fra  Mauro  soll  nach  der  Angabe  von  Gherard.  Maphaeus  vordem 
20.  October  1459  mit  dem  Tode  abgegangen  sein,  denn  in  dem  Codei 
von  G.  Maphaeus  heisst  es:  „Memoria  faco,  chome  che  copie  di  mappa 
mondi  e  de  desegnl  e  scripture  de  /rar  Mauro  ho  depositade  al  moni- 
stier  de  misser  san  Zuane  de  la  Zudecha  in  man  del  prior  del  dicto 
Monastier,  zoe  don  Andrea  te  quäl  scripture  e  desegni  tutti  sono  posti 
in  una  chassa  over  bancho  e  serradi  con  un  luchetto,  la  chiave  del 
quäl  le  qui  apresso  de  mi.  Ho  auto  tuto  indrieto  questo  deposito  adi  25. 
Oktubrio  1464.  Es  ward  dem  berühmten  Kartographen  von  seinen  Zeitge- 
nossen eine  Denkmünze  geschlagen  wie  sie  auf  der  nächstfolgenden  Seite  darge- 
stelt  ist,  mit  der  Umschrift:  Frater  Maurus  S.  Michaelis  Moranensis  de 
Yenetiis,    ordinis    Camaldulensis    Cosmographus     incomparabilis. 

Zum  Schlüsse  fügen  wir  noch  einige  Worte  über  die  Veranlassung  der 
Anfertigung  der  Fra  Mauro'schen  Karte  von  Istrien  bei. 

An  die  Karte  knüpft  sich  ein  mehrmaliger  Streit,  der  ausgebrochen 
war  zwischen  dem  Bischöfe  von  Parenzo  und  dem  Abie  des  Klosters  von 
Si.  Michel  di  Lemmo.  Die  Prozessacten  sind  enthalten  im  VI.  und  VII.  Bande 
der  Camaldulenser  Annalen,  welche  meist  nach  den  Urkunden,  die  im  Archive 
von  S.  Michael  di  Murano  bei  Venedig  sich  vorfanden,  ausgearbeitet  sind. 

Das  Kloster  S.  Michel  di  Lemmo  am  Gestade  des  gleichnamigen 
Busens  auf  der  Westseite  der  Halbinsel  Istrien  gelegen,  ward  um  das  Jahr 
1003  durch  Romuald  gegründet  und  die  istrianische  Gräfin  Wilpurga 
beschenkte  es  im  Jahre  1040  mit  reichen  Gütern.  Die  Schenkung  der  Gräfin 


Topographische  Karte  des  Gebietes  St,  Michel  di  Lemmo  in  Istrien. 


37 


Wilpurga  an  das  Kloster  von  Lemmo  bestätigte  nachher  in  einer  andern 
Urkunde  ihre  Tochter,  die  Gräfin  Azcika.  Man  liest  noch  auf  der  topogra- 
phischen Karte  des  Gebietes  von  Lemmo:  „sepultura  per  madona  Vilpurga." 
Ferner  heisst  es  in  einer  Anmerkung  an  der  Grenze  von  Parenzo  und  S. 
Michel  di  Lemmo  :  area  rata  e  sepultura  per  madona  azcicha  contre  croxe ; 
dann  auf  einer  andern  Stelle  unweit  der  Strasse  die  von  der  Ortschaft 
Orsera  (an  der  Westküste  der  Halbinsel)  nach  St.  Lorenzo  (landeinwärts) 
führt,  steht  geschrieben:  „Monte  Passini,  da  qesto  monte  comenza  la  terra 
S.  Michel  che  fode  Madona  Azcika  come  se  contien  nel  istrumento  de  lodata 
zon  ....  (Lücke)  la  quäl  madona.  .  .  .  (zweite  Lücke)  monestier  ditto.  Diese 
Stelle  bezieht  sich,  da  unweit  des  Berges  die  Kirche  S.  Michel  steht,  wahr- 
scheinlich auf  die  Güter,  welche  die  Gräfin  Azcika  der  in  der  Gegend  erbau- 
ten Kirche  geschenkt  hatte. 

In  der  ersten  Hälfte  des  elften  Jahrhunderte«  brach  der  Streit  zwi- 
schen dem  Bischöfe  von  Parenzo  und  dem  Abte  von  S.  Michel  di  Lemmo 
aus  wegen  des  Zehentes,  den  der  Bischof  von  den  Leuten  des  Klosters  for- 
derte. Der  Abt  protestirte  und  berief  sich  an  die  noch  damals  lebende 
Gräfin  Azcika;  diese  aber  trug  den  Streit  vor  den  Kaiser  Heinrich  III. 
mit  dem  Bemerken,  sie  habe  den  Klosterbrüdern  die  Umgegend  von  Lemmo 
geschenkt,  damit  diese  leben  und  Arme  aufzunehmen  vermögen.  Der  Kaiser 
entschied  den  Streit  zu  Gunsten  des  Abten  und  der  Bischof  musste  auf 
den  Zehent  im  klösterlichen  Gebiete    verzichten.    Der  Bischof  schloss  darauf 


38  P.  Matkovich. 

den  Frieden  mit  der  Gräfin  und  sie  schenkte  ihm  die  Gegend  um  das  Sab- 
Ioner  (?)  Gebirge. 

Im  vierzehnten  Jahrhunderte  brach  abermals  der  Streit  zwischen  den 
Herren  beider  Gebiete,  dem  Bischof  von  Parenzo  und  den  Klosterbrüdern 
von  Lemmo  aus,  denn  jener  nahm  den  Camaldulenser  Mönchen,  denen  das 
klösterliche  Gebiet  gehört  hatte,  bedeutende  Besitzungen  weg  und  vergab 
sie  an  die  Tempelherren.  Paulus  Venerius  zur  selben  Zeit  Vorstand  des 
Klosters  von  S.  Michel  di  Murano,  auf  dessen  Zuthun  das  Kloster  von  S. 
Michel  di  Lemmo  dem  von  Murano  einverleibt  ward,  führte  Klage  bei  der 
Begierung  in  Venedig  als  die  Leute  des  Kastells  von  S.  Lorenzo  die  Abtre- 
tung der  Landgüter  verweigerten.  Der  Doge  Antonio  Venerio  schrieb  in 
der  Angelegenheit  an  den  Vorsteher  der  Gemeinde  von  S.  Lorenzo,  er  solle 
beide  Partheien  oder  deren  Stellvertreter  hören,  die  Schenkungsurkunde 
genau  untersuchen,  das  Land  besehen  und  darnach  das  Becht  sprechen.  Als 
Vertreter  und  Anwalt  des  Klosters  erschien  der  Mönch  Lazar,  es  mangelte 
ferner  nicht  an  den  Vertretern  der  Bepublik  und  der  Gemeinde  von  St. 
Lorenzo. 

Das  Urtheil  war  im  December  des  Jahres  1394  gefällt,  und  der  Pro- 
zess  endete  zu  Gunsten  des  Klosters,  alle  usurpirten  Besitzungen  trat  die 
Gemeinde  von  S.  Lorenzo  an  das  Kloster  von  Lemmo  ab;  sodann  ward  die 
Grenzregulirung  zwischen  den  Gebieten  von  Parenzo  und  S.  Lorenzo  Orsera 
und  S.  Michel  di  Lemmo  auf  Grund  der  Schenkungsurkunde  vom  Jahre 
1040  und  den  darin  bezeichneten  Landgütern,  Weiden  und  anderen  Besitzun- 
gen vorgenommen.    Die  Grenze  begann  mit  dem  Berge  Paxinus. 

Nachher  brach  der  Streit  noch  ein  paarmal  zwischen  dem  Bischöfe 
und  dem  Abte  wegen  der  Besitzungen  aus,  bis  im  Jahre  1456  von  dem 
Bathe  zu  Venedig  der  Prozess  zum  Vortheile  des  Klosters  entschieden,  und 
somit  dem  Streite  auf  immer  ein  Ende  gemacht  wurde.  Der  Doge  Foscari 
bestimmte  die  Grenze  zwischen  den  einzelnen  Gebieten  wie  unsere  Karte  sie 
darstellt.  Gleich  darauf  ist  die  Karte  von  Fra  Mauro  gezeichnet  worden, 
um  alle  Streitigkeiten  fernerhin  zu  vermeiden  und  die  Bechte  des  Klosters 
auf  den  Besitz  des  Gebietes  von  Lemmo  zu  wahren. 


IV. 

Über  den  Reichenauer-Berg  in  Mähren. 

Von 

J.  F.  Julius  Schmidt. 

In  dem  Abschnitte  „pseudo-vulkanische  Erscheinungen"  beschreibt  Land- 
grebe  in  seiner  Naturgeschichte  der  Vulkane,  Bd.  II.  p.  128 — 130  den 
Berg  bei  Beichenau  im  westlichen  Mähren ,  und  folgt  dabei  der  Schilde- 
rung des  Professors  Glocker,  welche  man  in  P o gg endo rf's  Annalen  B.  54. 
p.  157  ff.  findet.  Glocker's  Ansicht,  nach  welcher  die  Phänomene  dieses 
aus  Quadersandstein  bestehenden  Berges  an  ähnliche  bei  den  Schlamm- 
vulkanen   von    Modena   erinnern,    hatte  mich  schon   im  Jahre  1855  angeregt, 


Ueber  den  Reichenauer-Berg  in  Mähren.  39 

den  von  Olmütz  aus  so  leicht  erreichbaren  Berg  zu  besuchen;  doch  kam 
ich  nicht  eher  dazu,  als  am  22.  August  1858.  Auf  dieser  kurzen  Fahrt 
nahm  ich  Herrn  Tschermack  mit,  damit,  falls  sich  etwas  Remerkenswer- 
thes  am  Gesteine  des  Berges  finden  sollte,  dies  sicher  beschrieben  werden 
könnte.  Um  einigermassen  nützlich  die  Zeit  anzuwenden,  nahm  ich  den 
gewöhnlichen  Reisebarometer,  und  den  bei  anderer  Gelegenheit  schon  mehr- 
fach erwähnten  Metallbarometer  A'  mit,  um  einige  Höhenmessungen  aus- 
zuführen. Dieser  diente  als  Basis  die  früher  von  mir  bestimmte  Seehöhe 
der  Sternwarte  zu  Olmütz,  woselbst  ich  am  22.  August  sehr  genaue  eorres- 
pondirende  Beobachtungen  am  Normalbarometer  anstellen  Hess.  Die  Resultate 
setze  ich  zuerst  übersichtlich  her.  Obgleich  die  Entfernung  des  Reichenauer- 
Berges  von  Olmütz  nur  7  bis  8  Meilen  beträgt,  habe  ich  die  berechneten 
Höhenunterschiede  doch  nicht  unmittelbar  mit  der  Seehöhe  der  Sternwarte 
verbunden,  sondern  durch  mehrfache  Combinationen  lieber  an  den  Bahnhof 
von  Landskron  angeschlossen,  welcher  dem  Reichenauer-Berge  nördlich  sehr 
nahe  liegt.  Durch  oftmalige  Fahrten  auf  der  Rahnstrecke  zwischen  Olmütz 
und  Prag  war  ich  im  Stande,  die  Höhenunterschiede  der  einzelnen  Stationen 
recht  genau  zu  ermitteln,  wozu  seit  dem  Sommer  1856  ausser  dem  gewöhn- 
lichen Quecksilberbarometer  noch  3  Metallbarometer  gedient  haben.  Da 
indessen  noch  nicht  alle  Reobachtungen  reducirt  werden  konnten,  so  beschränke 
ich  mich  darauf,  für  diesmal  nur  die  Reobachtungen  von  1855,  Juni  25., 
Juli  3.,  August  4.,  August  14.  und  August  22.  zu  benützen,  an  welchen 
Tagen  stets  der  Normalbarometer  in  Olmütz  abgelesen  ward.  Für  August 
14.  habe  ich  meine  Reisebeobachtungen  auch  aus  Wien  und  Prag  verbunden, 
indem  ich  die  autographischen  Curven  benützte,  die  ich  Seitens  Wien  der 
Mittheilung  des  Herrn  Dr. Lukas  an  der  k.  k.  meteorologischen  Central-Anstalt, 
Seitens  Prag  der  Mittheilung  des  Herrn  Professors  Kofistka  und  des  Herrn 
Astronomen  Karlinsky  verdanke.  Ich  fand  sonach,  indem  ich  durch 
-j-  eine  Steigung  der  Rahn  bezeichne,  und  mich  für  die  Höhenangaben 
stets  der  Toise  bediene  (1  Wien.  Klft.  =  0,97312  Toise): 
Höhenunterschiede  der  Bahnhöfe 


Olmütz 

t 
—   Stephanau     =   -f     2,465  beob.  an  6 

Tagen 

.     9  Combinat. 

Stephanau 

—   Littau            =   +     8,493     „        „6 

» 

.    9 

3» 

Littau 

—    Müglitz         =    -f     9,088     „        „  6 

a 

.  10 

91 

Müglitz 

—    Lukawetz       =   +     4,073     „        „   6 

n 

.    9 

9 

Lukawetz 

—    Hohenstadt    =   -j-     7.986     „        „  6 

» 

.    9 

M 

Hohenstadt 

—   Budigsdorf    =   -f  28,601     „        „  3 

9t 

.    7 

9 

Budigsdorf 

—    Landskron     =   +     4,921      „        „3 

n 

.    7 

99 

Wird 

die  Seehöhe  des  Olmützer-Bahnhofes    = 

109,75  Toisen 

gesetzt, 

so    hat  man 

für   die    andern    Stationen: 
t 
Stephanau     =   112,21   =     673  Par. 
Littau            =   120,71   =     724    „ 
Müglitz          =   129,80  =     779     , 
Lukawetz      =  133,87   =     803     „ 
Hohenstadt    =   141,85   =     851     „ 
Budigsdorf   =   170,46  =   1023    „ 
Landskron    =   175,38  =   1052    „ 

Fuss. 

» 
» 

X 

9 

9 
» 

An  dem  Reichenauer-Rerge  wurden  die  Höhen  mit  beiden  Instrumenten 
meist  gleichzeitig  gemessen,  wobei  ich  in  Retreff  der  Sicherheit  der  Resultate 


40 


J.  F.  Julius  Schmidi 


des  Metallbarometers  auf  meine  frühern  Untersuchungen  verweise.    Die  Resul- 
tate  sind    die  folgenden: 

Dorf  Reichenau,   Quellbrunnen  h  =   175,05  1050    per.  Fues. 

„  „         Wirthshaus    b.  d.   Kirche  =  179,23 

Hügel  N.  0.  v.  d.  Kirche  =  205,55 

Fuss  der  westlichen  steilen  Bergwand  (a)  =  228,68 

Gipfel  des   Reichenauer-Berges  (b)  Fig.  1.  =  273,60 


Der  mittlere  Teich  II. 
Der  westliche  Teich  I. 
Wall  zwischen  Beiden  (g)  Fig.  2. 
Wall  von  II.  südlich  (i)  Fig.  2. 
Wall  von  II.  südwestlich  (k)  Fig.  2. 
Tunnel  westlich  von  b  (d)  Fig.  1. 
Steinbruch  im  N.  W.  (B)  Fig.  1. 
Reichenau,    nördlichstes  Haus 

Um  die  Localität  etwas  näher  zu 
flüchtige  Skizze  des  Berges  beifügen , 
von    Landskron   gezeichnet    habe : 


=  267,74 
=  266,08 
=  268,62 
=  268,79 
=  270,42 
=  250,33 
=  199,82 
=  174,90 
beschreiben, 
wie    ich    sie 


=  1050 

=  1076 

=  1233 

=  1372 

=  1642 

=  1606 

=  1596 

=  1612 

=  1613 

=  1622 

=  1502 

=  1199 

=  1094 
werde  ich 
auf    dem 


eine    nur 
Bahnhofe 


Fig.  1. 


I  f1 


Auf  dem  Bahnhofe  zu  Landskron  sieht  man  den  östlichen  und  nörd- 
lichen Abhang  des  langgestreckten,  von  mittelhoher  Waldung  zum  grossen 
Theile  bedeckten  Berges.  Man  bemerkt  sogleich  den  freistehenden  hohen 
Baum  A,  in  der  Nähe  der  Kuppe,  und,  an  der  Seite,  wo  das  Dorf 
Reichenau  beginnt,  den  Steinbruch  B.  Jeder  Fremde  kann,  wenn  er  gleich 
bei  B  hinaufsteigt,  und  auf  dem  Rücken  den  Pfad  im  Walde  verfolgt, 
leicht  ohne  Führer  zu  den  Teichen  in  der  Nähe  des  Gipfels  gelangen. 
Etwa  bei  d  zeigt  sich  eine  Lichtung,  und  es  führt  dort  bei  Holzhütten 
ein  Pfad  rechts ,  oder  südlich  an  der  steilen  Wand  abwärts  gegen  den 
südlichen  Theil  von  Reichenau,  wo  die  Kirche  steht.  Folgt  man  aber  von 
d  aus  der  ursprünglichen  Richtung,  indem  man  auf  den  leicht  erkennbaren 
Baum  A  zugeht,  so  trifft  man  bald  in  b  den  höchsten  Punkt  des  Pfades, 
der  wahrscheinlich  mit  dem  Gipfel  des  Berges  identisch  ist.  Von  b  an 
senkt  sich  der  Weg  abwärts,  und  nach  einigen  Minuten  gewahrt  man  rechts 
oder  südlich  durch  Lichtungen  in  dem  dichten  Gebüsche  die  grüne  Wiesen- 
fläche  des  ersten  und  grössten  oder  westlichen  Teiches  I,  von  wo  aus 
man    eben    so    leicht    auch   die    beiden    andern    findet. 

Die  zweite  Figur  soll  nur  ganz  beiläufig  die  Lage  der  drei  Wiesen- 
teiche veranschaulichen.  I  ist  der  westliche,  gegenwärtig  leicht  zugäng- 
lich, wenn  man  den  Pfad  g  h  trifft,  nicht  so  verwachsen  wie  zur  Zeit 
Glockers,  und  in  allen  Theil en  zu  betreten,  weil  das  Wasser  verschwun- 
den ist,  und  der  mit  Gras  und  vielen  Blumen  bewachsene  Moosboden 
hinlängliche  Tragkraft  besitzt.  Man  bemerkt,  dass  man  hier  Wiesenland 
hat    gewinnen    wollen,    und    findet    auch    einige    schmale   Gruben,    um    den 


Ueber  den  Reichenauer-Berg  in  Mähren.  41 


West. 


Pfad  im  Walde. 
Ost. 


steile  südliche  Wand. 
Abzug  der  Wasser  zu  reguliren.  Der  Umfang  beträgt  circa  106  Toisen, 
die  grosse  Axe  etwa  40,  die  kleine  dagegen  13  bis  15  Toisen.  Die 
Fläche  liegt  l3/4  Toisen  tiefer  als  die  mittlere  II,  und  diese  scheint  bis 
auf  ein  Geringes,  mit  III  dieselbe  Höhe  zu  haben.  Die  trennenden  Wälle 
g  und  m  sind  ganz  unbedeutend.  Den  Umfang  des  Waldsaumes  in  II 
fand  ich  zwischen  40  und  50  Toisen,  die  grosse  Axe  des  feuchten  Theiles 
gegen  12,  die  kleine  =  4  bis  5  Toisen;  ebenso  für  III  den  Umfang 
des  innern  Waldsaums  =  37  Toisen,  die  grosse  Axe  etwa  20,  die  kleine 
7  Toisen  lang.  Während  am  22.  August  die  westliche  Wiesenfläche  I 
trocken  war,  fanden  wir  in  II  und  III  den  mittleren  Theil  mit  Wasser 
bedeckt,  aus  welchem  fast  überall  die  Grashalme  aufragten.  Mit  Ausnahme 
der  Mitte  III,  wo  die  Tiefe  des  Wasserlochs  etwa  3  Fuss  betrug,  hatte 
das  Wasser  sonst  nur  2  bis  15  Zoll  Tiefe,  und  zeigte  nirgends  die 
Spur  von  Blasen,  oder  sonst  eine  ungewöhnliche  Erscheinung.  Die  hohen 
Temperaturen  des  Wassers  könnten  auffallend  erscheinen,  wenn  man  nicht 
in  Betracht  zöge,  dass  die  lange  Einwirkung  der  Sonne  in  regenlosen 
Tagen  wohl  im  Stande  sei,  diese  durch  den  Wald  ringsum  sehr  geschütz- 
ten Stellen,  bei  so  geringer  Wassertiefe,  in  beträchtlicher  Weise  zu 
erwärmen.  Ich  fand: 
Flächel.  WasserimMoosboden,  aufgegrab. Stelle  =  16,6°  Cels.  Luft  =20,<>5CeIs. 

Freisteh.  Wasser  in  einem  kl.  Graben  =19,1      „ 

Flächeil.  Wasser  am  südlichen  Rande,  zwischen     24,°6  und  19,°1   Cels. 

„       am  nördlichen  Rande,     „  26,  5     „    21,  6     „ 

Bodentemperatur  im  Wala^,  4  Zoll  tief  =  13,°4     „ 

Fläch. III.  Wasser  in  der  Mitte,  wo  es  3  Fuss  tief  =  19,«1      „ 

„      an  einer  flachen  Stelle  =24,  4     „ 

Diese  Temperaturen  in  1600  par.  Fuss  Meereshöhe  sind  vielleicht 
einigermassen  befremdend,  und  lassen  es  wünschenswerth  erscheinen,  dass 
sie  gelegentlich  zu  verschiedenen  Zeiten  wieder  untersucht  werden;  doch 
bin   ich  jetzt    der   Meinung,    dass    sie  nur  von  der  Sonnenwärme  herrühren. 

Stellt  man  sich  ungefähr  in  die  Mitte  jeder  dieser  drei  Wiesen, 
so  mahnt  der  Anblick  wohl  an  ähnliches  in  andern  Ländern,  und  wenn 
man  Kleines  mit  Grossem  vergleichen  dürfte,  an  einige,  mit  Moosboden 
ausgefüllte  Moore  der  Eifel,  sowie  an  den  flachen,  theilweise  mit  Cultur- 
land  und  Wald  bedeckten  Crater  des  Monte  Cigliano  bei  Pozzuoli;  aber 
man  darf  über  solche  beiläufige  Analogie  im  Ernste  nicht  hinausgehen. 
Wir  haben  es  hier  keineswegs  mit  Cratern  zu  thun,  sondern  mit  einer, 
auf  dem  Süden   des  Berges  von  0. — W.  ziehenden,    flach  gebauten  Furche, 


42  J-  F.Julius  Schmidt. 

in  deren  Grund  an  tiefen  Stellen  sich  diese  drei  Wasserlacken  gebildet 
haben.  Die  scheinbare  Craterform  wird  nur  zu  sehr  durch  die  Lage  der 
Waldung,  durch  die  Abdachung  der  Baumgipfel  begünstigt,  und  nicht  weniger 
durch  die  innere  runde  Begrenzung  des  Waldsaumes.  Viele  holsteinische  Seen 
in  der  Gegend  von  Eutin  und  Ploen  gewähren,  wenn  auch  in  grossem 
Maassstabe,  einen  ähnlichen  Anblick,  und  zeigen  keine  Erscheinungen,  welche 
an  sogenannte  pseutlo-vulkanische  Bildungen,  oder  gar  an  normale  Vulkane 
auch    nur    entfernt    erinnern. 

Was  aber  dem  Beichenauer-Berge  durch  Glocker  den  Namen  eines 
pseudo-vulkanischeu  Berges  verschafft  hat,  ist  das,  allen  dortigen  Bewohnern 
sehr  bekannte  Getöse,  und  diese  Erscheinung  verdient  ohne  Zweifel  alle 
Aufmerksamkeit,  und  eine  strenge  und  gründliche  Untersuchung.  Landgrebe 
erzählt  darüber  (nach  Glocker)  Folgendes:  „Das  Wasser  im  ersten  Bassin 
„(nach  meiner  Bezeichnung  Nr.  III)  befindet  sich  meist  in  einem  ruhigen  Zu- 
stande, allein  im  Sommer,  hesonders  bei  trockener  Witterung,  steigen  Luft- 
blasen aus  demselben  und  bedecken  seine  ganze  Oberfläche.  Ist  dieses 
„Letztere  der  Fall,  so  entsteht  oft  zugleich  im  Innern  des  Berges  ein  dum- 
„pfes,  aber  weithin  hörbares  Geräusch,  einem  fernen  Kanonendonner  ähnlich, 
„das  oft  meilenweit  gehört  wird.  Besonders  zeigt  sich  dasselbe  vor  einem 
„herannahenden  Gewitter,  und  diese  Erscheinung  gilt  bei  den  Bewohnern 
„der  Umgegend  als  eine  ausgemachte  Thatsache.  Unwillkührlich  wird  man 
„hier  an  ähnliche  Phänomene  bei  den  modena'scheu  Schlamm-Vulkane  erin- 
nert;    auch    dort   glaubt   man     —    wie    wir    gesehen    —    an    eine    grössere 

„Thätigheit  dieser  Salsen,   wenn  ein  Gewitter  bevorsteht Glocker 

„hält  es  für  bemerkenswerth,  und  vielleicht  für  das  bis  jetzt  einzige  Bei- 
spiel dass  die  Gebirgsart,  auf  welcher  die  Erscheinung  stattfindet,  Quar- 
„dersaudstein,  also  ein  neptunisches  Gebilde  ist;  allein  wir  haben  schon 
„früher  gesehen,  dass  auch  die  modena'schen  Gasvulkane  aus  einem  Sand- 
„steingebirge,    und    zwar  aus  Macigno  Sandstein    hervorbrechen." 

Während  unserer  Anwesenheit  in  Beichenau  fanden  wir  diese  Aus- 
sage vollkommen  bestätigt;  jeder  kannte  das  Getöse,  und  es  scheint  von 
alter  Zeit  her  bekannt  zu  sein.  Die  deutsche  Bevölkerung  hat  daher  den  Aus- 
druck „der  See  rumpelt",  und  nimmt  an,  dass  auf  dem  Berge  ein  grosser 
und  unergründlicher  See  vorhanden  sei,  wozu  indessen  viel  fehlt,  denn 
wie  wir  gesehen  haben,  gibt  es  nur  3  kleine,  theilweis  schwach  mit 
Wasser  bedeckte  Flächen,  und  was  die  Unergründlickeit  anbelangt,  so 
will  dies  hier,  wie  in  vielen  andern  Fällen,  einfach  nur  sagen,  dass 
man  entweder  niemals  gemessen  habe,  oder  dass  im  Falle  einer  Messung 
die  2  oder  3  Klafter  lange  Sonde  zu  kurz  war.  Auf  genaues  Befragen 
erhielten  wir  auch  die  Bestätigung  des  Umstandes,  dass  nicht  auf  meilen- 
weite das  Getöse  gehört  werden  könne,  sondern  dass  es  meistens  in 
grösserer  Entfernung  besser  vernommen  werde,  als  in  Beichenau  und  am 
Berge  selbst.  Dies  wäre  nicht  ohne  Beispiel,  wenn  man  sich  dessen 
erinnert,  dass  das  Getöse  des  Vesuvs  zuweilen  in  sehr  grossen  Entfer- 
nungen vernommen  ward,  während  man  es  in  Neapel  als  das  gewöhn- 
liche bezeichnete;  dass  man  (nach  v.  Humboldt)  dieBramidos  des  Cotopaxi 
in  40  bis  50  Meilen  Entfernung  wahrnahm,  ohne  dass  es  in  der  Nähe 
als  unmessbar,  als  unangebbar  mächtig  beschrieben  wurde.  Allein  es  lässt 
sich  wenig  daraus  schliessen,  und  es  fehlt  uns  ein  gemeinsames  Maass, 
um  Schallphänomene  an  verschiedenen  Orten  miteinander  vergleichen  zu 
können. 

Seit  dem  Jahre  1856  wollte  man  das  Getöse  des  Berges  (welches 
niemals  mit  einer  Erschütterung  verbunden  ist)  nicht  vernommen  haben;  aber 


Ueber  den  Reichenauer-Berg  in  Mähren.  43 

mehrfache  Aussagen  geben  an,  dass  es  stark  am  1.  oder  2.  August  1858 
gehört  wurde,  gerade  während  der  aussergewöhnüchen  Regenperiode,  welche 
damals  in  Sachsen  und  Böhmen  durch  Ueberschwemmungen  so  viel  Un- 
glück angerichtet  hat.  Als  wir  am  22.  August  den  Berg  besuchten,  war 
es  still.  Nachmittags  zog  von  S.  0.  ein  Gewitter  herauf,  und  wir  ver- 
nahmen den  fernen  Donner,  als  wir  oben  mit  den  Messungen  beschäftigt 
waren.  Ein  uns  begleitender  alter  Mann  unterschied  aber  den  Ton  des 
Donners  leicht  von  dem  Getöse  des  Berges,  welches  er  vor  Zeiten  oft 
gehört  hatte.  Bestimmte  Nachrichten,  namentlich  Zeitangaben  in  schrift- 
lichen Notizen  konnten  wir  nicht  auftreiben;  ich  erfuhr  nur,  dass  Niemand 
sich  an  ein  Erdbeben  in  dieser  Gegend  erinnert,  und  dass  das  beträcht- 
liche Erdbeben  in  Ungarn  (1858  Jan.  15.  Abends),  welches  seine  Schwin- 
gungen über  Olmütz  hinaus  bis  Mährisch-Tribau  ausdehnte,  in  Reichenau  an- 
geblich nicht  mehr  verspürt  wurde. 

Ueber  die  geognostische  Beschaffenheit  des  Reichenauer-Berges  ver- 
danke   ich    Herrn    Gustav    Ts  chermack  folgende  Aufschreibung: 

„Den  vom  Professor  Glocker  hierüber  gemachten  Mittheilungen  kann 
nur  noch  Weniges  hinzugefügt  werden ,  da  der  Bau  und  Bestand  des 
Gebirges    bei  geringer   Ausdehnung    ein   sehr    einfacher   ist. 

Das  Gestein  ist  ein  feinkörniger  Kalk-  und  eisenreicher  Plänersand- 
stein,  welcher  hie  und  da  kleine  Mergelparthien  einschliesst.  Die  grün- 
graue Farbe  desselben  geht  an  den,  der  Atmosphäre  ausgesetzten  Flächen 
in  Folge  eintretender  Oxydation  sehr  bald  in  eine  braune  oder  gelbliche 
über,  so  dass  der  Sandstein  an  der  Bergoberfläche  überall  mit  diesen 
Farben   auftritt. 

Die  im  Allgemeinen  NNW. — SSO.  streichenden  Schichten  stehen  mit 
steiler  gegen  Ost  gerichteter  Neigung  auf  den  Sandsteinen  und  Conglo- 
meraten,  die  von  Glocker  als  dem  Rothliegenden  zugehörig  erkannt, 
namentlich    am    nordwestlichen    Fusse    des   Berges    zu    Tage    treten. 

In  dem  Steinbruche,  der  an  dem  nördlichen  Ausläufer  des  Berges 
seit  nicht  langer  Zeit  eröffnet  ist,  konnte  das  Streichen  N.  20°  0  mit 
einer  Neigung  der  Schichte  von  70  —  80°  beobachtet  werden.  Die  Schich- 
tenköpfe stehen  sonach  an  dem  ganzen  Berge  gegen  West  hinaus,  daher 
der  Berg  bei  grösserer  Steilheit  und  einer  mehr  steinigen  Oberfläche  auf 
dieser  Seite  eine  dünnere  Bewaldung  zeigt  und  der  Kamm  von  West 
gesehen  sich   wie    eine   Mauer   hinzieht. 

In  der  Umgebung  der  Sümpfe  auf  dem  Bergrücken  tritt  stets  das- 
selbe Gestein  mit  demselben  Schichtenbaue  auf,  so  dass  es  mir  merk- 
würdig erscheint,  dass  unter  diesen  Umständen  auf  dem  Kamme  eine  Stag- 
nation der  Regenwasser  eintreten  konnte,  wenn  gleich  der  beckenförmige 
Bau  des  Rückens  an  der  Stelle  der  zwei  südlichen  und  am  nördlichen 
Sumpfe  hiefür  günstig  ist  (die  westliche  Vertiefung  wurde  in  neuerer  Zeit 
künstlich  zum  Theile  entwässert).  Man  wollte  nämlich  vermuthen,  dass  bei 
so  steiler  Schichtenlage  und  häufiger  Klüftung,  das  Wasser  wenigstens  den 
Schichtungsflächen    nach    leicht    durchsickern    könne. 

Vielleicht  steht  diese  Art  des  Schichtenbaues  und  das  Vorhandensein 
der  Sümpfe  mit  dem  bereits  von  Glocker  und  Schmidt  besprochenen 
Schallphänomene  in  einem  Zusammenhange,  worüber  freilich  nur  genauere 
Beobachtungen  während  des  Auftretens  jenes  Phänomens,  namentlich  über 
das    Verhalten    der    oben    stagnirenden    Wässer,    Aufschluss  geben    könnten. 


44  Dr.  Wilhelm  Barth. 

Ob  jener  Zusammenhang  besteht,  wird  sich  auch  nach  gänzlicher  Trocken- 
legung jener    Sümpfe   zeigen. 

An  dem  ganzen  Berge  ist  von  organischen  Resten  im  Sandsteine 
wenig  zu  sehen.  Bios  einige  Pflanzenspuren  konnte  ich  in  dem  erwähn- 
ten   Steinbruche    bemerken. 

Die  Flora  der  zwei  westlichen  Sümpfe  hat  nichts  charakteristisches. 
Sparsames  Schilfrohr,  xanec  caespitosa,  stricta,  vulgaris,  am  Rande  die 
gewöhnlichen  Arten  der  Eestuca  und  Poa.  Die  Blüthen  von  Ranuticulas 
Flammida,  bringen  einige  Abwechslung  hervor,  hie  und  da  umsäumt  ein 
Rasen    von   Nardus  stricta   die  Sümpfe. 

Das  grösstenteils  ausgetrocknete  westliche  Becken  hat  ganz  den  Cha- 
racter  einer  nassen  Wiese,  auf  der  bei  unserem  Besuche  zwischen  den 
Halmen  der  Seggen  der  weissen  Blüthen  der  Evphrasia  officinalis  durch- 
leuchtete. 


V. 

Versuch  einer  Erklärung  der  verhältnissmässig  höheren 

Temperatur  an  den  Polen  der  Erde  aus  dem  Verhältnisse 

zwischen  Sonne  und  Erde. 

Nach    Angaben    von    Jakob    Barth    bearbeitet 

von 

Dr.  Med.  Wilhelm  Barth. 

Mitgflheilt  in  der  Versammlung;  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft  am  4.  Jänner  1859. 

Die  Ansicht,  dass  die  Pole  der  Erde  zugleich  auch  die  Kältepole 
seien,  d.  h.  dass  an  diesen  Punkten  der  Erde  die  niedrigste  Jahrestem- 
peratur herrsche,  war  bis  zum  Beginne  unseres  Jahrhunderts  die  allgemein 
geltende.  Die  Beobachtung,  dass  man,  je  weiter  man  von  dem  Aequator 
gegen  die  beiden  Pole  vordrang,  eine  um  so  niedere  Temperatur  fand 
und  der  Umstand,  dass  die  Pole  die  am  weitesten  vom  Aequator  ent- 
fernten Puncte  der  Erde  seien,  verliehen  dieser  Ansicht  bei  der  Unmög- 
lichkeit einer  Untersuchung  an  Ort  und  Stelle  einen  solchen  Grad  von 
Wahrscheinlichkeit ,  dass  man  ihre  Richtigkeit  bezweifeln  zu  dürfen  gar 
keine  Ursache  zu  haben  schien.  Aber  die  Schwierigkeiten,  welche  sich 
der  Auffindung  der  nordwestlichen  Durchfahrt  im  nördlichen  Eismeere 
entgegenstellten,  veranlassten  bald  sehr  verschiedene  Meinungen  über  die 
Möglichkeit  der  Lösung  dieses  Problems;  während  die  Einen  dieselbe 
geradezu  für  unmöglich  erklärten,  behaupteten  andere  und  zwar  gewich- 
tige Autoritäten  auf  das  Bestimmteste  das  Gegentheil.  Diese  Controver- 
sen  waren  die  natürliche  Veranlassung  zur  genaueren  Erwägung  der 
in  jenen  Gegenden  herrschenden  Verhältnisse;  auch  die  Ansicht  über 
die  Temperatur  an  den  Polen  der  Erde  unterzog  man  einer  genauen 
Prüfung,  welche  anfangs  Zweifel  gegen  die  Richtigkeit  derselben  ,  in 
der   Folge     aber  Hipothesen     und   Theorien     erzeugte ,     welche     eine     der 


Versuch  einer  Erklärung  der  veihältnissmässig  höheren  Temperatur  an  den  Polen  etc.        45 

vorigen  ganz  entgegengesetzte  Ansicht  über  die  Temperatur  dieser  Puncte 
begründen  sollten,  und  deren  thatsächliche  Bestätigung  man  in  einigen 
Beobachtungen    der   Nordpolarfahrer    gefunden    zu    haben   glaubte. 

Auf  Grundlage  theoretischer  Schlüsse  und  Combinationen  meinte  man 
nämlich  annehmen  zu  dürfen,  dass  jenseits  des  80°  n.  B.  eine  verhältniss- 
mässig  höhere  Temperatur  herrsche,  als  in  den  anliegenden  südlicher 
gelegenen  Zonen,  dass  somit  der  Nordpol  nicht  von  ewigem  Schnee  und 
undurchdringlichem  granitfesten  Stockeise  starre,  sondern  dass  jenseits  die- 
ser unwirthbaren  und  trostlosen  Breitegrade  ein  höheres  animalisches 
und  vegetabilisches  Leben  angetroffen  werde  und  daselbst  eine  offene  See 
ihre  eisfreien  Fluthen  treibe,  welche  den  Schiffen  jeden  Curs  ungehin- 
dert   zu    steuern    gestatte. 

Dieses  Paradoxon  stützte  man  auch  auf  eine  Beobachtung  des  Capitän 
Parry;  dieser  hatte  auf  seiner  so  ruhmreichen  Expedition  im  Jahre 
1819 — 20,  auf  welcher  er  durch  den  Lancastersund  und  die  Barrow- 
strasse  bis  zur  Banksstrasse  vordrang,  zwischen  den  Gebieten  von  North- 
Devon  und  North -Cornwallis  gegen  Norden  hin  einen  offenen  Meeresarm 
gesehen,  den  er  Wellingtoncanal  nannte.  Man  vermuthete  nun,  dieser 
offene  Meeresarm  führe  in  das  eisfreie  Polarbassin,  so  dass  man  auf  die- 
sem   Wege    den    Meridian    der   Barringsstrasse    leichter    erreichen    dürfte. 

Einen  weiteren  thatsächlichen  Beleg  für  die  Richtigkeit  ihrer  Ansicht 
sahen  die  Vertreter  eines  eisfreien  Pularbassin  in  der  Lage  des  magne- 
tischen Poles,  der  während  der  von  Capitän  John  Ross  in  den  Jahren 
1829  bis  1835  angeführten  Expedition  von  dessen  Neffen  James  Ross 
im  73°35'  n.  B.  ausgemittelt  worden  war,  indem  man  die  Vermuthung 
aussprach,  es  sei  nicht  wahrscheinlich,  dass  der  magnetische  Pol  und  der 
Pol  des  Frostes  bei  ihrer  wenn  auch  noch  nicht  bewiesenen  aber  doch 
mutmasslichen  verwandtschaftlichen  Beziehung  zu  einander  in  so  grosser 
Entfernung    von    einander   gelegen    sein   könnten. 

Obschon  nun  diese  Ansicht,  schon  wegen  des  scheinbaren  Wider- 
spruches mit  den  natürlichen  Verhältnissen  der  Dinge,  Anfangs  nur  wenige 
Anhänger  zählte,  so  gewann  sie  doch  bald  einen  ausgebreiteten  Kreis 
von  Verehrern,  indem  man  keine  Gelegenheit,  die  sich  darbot,  unbenutzt 
vorüber  gehen  Uess,  um  die  neue  Theorie  durch  scheinbar  unwiderleg- 
liche   Thatsachen   zu   befestigen. 

Besonders  verbreitet  wurde  aber  dieselbe  zur  Zeit,  als  die  engli- 
sche Regierung,  abgeschreckt  durch  die  ungünstigen  Erfolge  in  dem 
Bemühen  die  Nordwest-Passage  aufzufinden,  nach  der  Rückkehr  des  Capi- 
tän John  Ross,  welcher  nach  fast  vierjährigem  Aufenthalte  im  nördlichen 
Archipelagus  keine  glücklicheren  Resultate  als  seine  Vorfahrer  erlangt 
hatte,  sich  von  den  so  kostspieligen  Unternehmungen  im  Norden  gänzlich 
abzuwenden  und  für  die  am  nördlichen  Eismeere  gebrachten  Opfer  Ersatz 
in  der  südlichen  Polarsee  zu  suchen  schien.  Da  verbreitete  sich  das 
Gerücht,  als  wollten  die  Russen  und  Amerikaner  die  von  den  Engländern 
scheinbar  aufgegebenen  Entdeckungen  im  nördlichen  Eismeere  weiter  ver- 
folgen. Da  regte  sich  der  Nationalstolz;  man  war  gewohnt,  die  Aufsu- 
chung der  Nordwest-Passage  als  ein  Erbgut  der  englischen  Nation  und  die 
Lösung  dieses  Problems  als  mit  der  Ehre  der  englischen  Flotte  unzer- 
trennbarverbunden zu  betrachten.  Das  Bewusstsein  von  der  Grösse  derThat  und 
von  der  Wichtigkeit  der  Lösung  der  Frage  für  die  Wissenschaft  war  in 
die    weitesten    Kreise   gedrungen  und   man    war    daher    auf  allen  Seiten    auf 


46  Dr.  Wilhelm  Barth. 

das  eifrigste  bemüht,  um  so  schnell  als  möglich  eine  Expedition  auszu- 
rüsten und  vor  den  Amerikanern  an  Ort  und  Stelle  zu  sein.  Als  einen 
der  mächtigsten  Hebel  zur  Förderung  des  nationalen  Unternehmens  benützte 
man  die  wo  möglich  allgemeinste  Verbreitung  der  Idee  eines  eisfreien 
Polarbassin. 

Die  Folge  dieser  allseitigen  Bemühungen  war  die  Ausrüstung  einer 
Nordpolexpedition  im  Jahre  1845  unter  Sir  John  Franklin.  Das  geheim- 
nissvolle Schicksal  Franklins  und  seiner  tapferen  Gefährten  erregte  die 
lebhafteste  Theilnahme  und  so  tief  wir  auch  das  beklagenswerte  Loos 
dieser  Helden  betrauern  müssen,  so  müssen  wir  hinwieder  gestehen,  dass 
gerade  dieses  räthselhafte  Ende  der  Expedition  die  günstigsten  Folgen 
für  die  Wissenschaft  und  die  Schiffahrt  nach  sich  zog.  Gegen  Norden 
richteten  sich  die  Augen  und  die  Herzen  Aller;  es  wurde  Ehrensache,  die 
Verschollenen    aufzufinden    und    ihnen   Rettung    zu    bringen. 

Aber  auch  für  die  Vertheidiger  der  Ansicht  einer  eisfreien  Polarsee 
war  das  räthselhafte  Ende  dieser  Expedition  nicht  nur  kein  Gegenbeweis, 
sondern  sie  fanden  gerade  hierin  einen  Beweis  für  die  Richtigkeit  ihrer 
Ansicht;  sie  sagten  nämlich:  Franklin  habe  —  gemäss  seinen  Instructionen, 
welche  ihn  anwiesen,  durch  die  Barowstrasse  gegen  Westen  vorzudrin- 
gen, und  wenn  die  südlich  und  südwestlich  führenden  Meeresarme  unfahr- 
bar befunden  würden,  den  Wellingtoncanal  zu  versuchen,  Franklin  habe 
diesen  Weg  eingeschlagen,  habe  so  das  eisfreie  Polarmeer  erreicht,  daselbst 
eine  relativ  höhere  Temperatur,  ein  höheres  Thier-  und  Pflanzenleben, 
somit  alle  Mittel  zu  seiner  Erhaltung  angetroffen  —  nur  sei  ihm  die  Rück- 
kehr durch    die    Eiswüste   versperrt. 

Zu  solchen  fast  an  das  Märchenhafte  gränzenden  Vorstellungen  liess 
man    sich    hinreissen. 

Hervorgerufen  und  unterstützt  wurde  diese  Ansicht  durch  den  Wall- 
fischcapitän  Penny,  welcher  der  zweiten  Expedition  zur  Rettung  Franklin's 
im  Jahre  1851  unter  Capitän  Austir  beigegeben  war  mit  der  Weisung, 
im  Wellingtoncanal  zu  kundschaften  Er  kam  mit  der  überraschenden 
Nachricht  zurück,  dass  er  im  oberen  Wellingtoncanal  ein  milderes  Klima 
und  Spuren  eines  höheren  Thier-  und  Pflanzenlebens  und  einer  offenen 
See  zu  einer  Zeit  angetroffen  habe,  zu  welcher  die  Barowstrasse  für  die 
Schiffahrt  noch  in  tiefem  Winter  lag. 

So  war  Penny  der  erste,  welcher  die  Theorie  eines  eisfreien  Polar- 
meeres durch  die  That  zur  Wahrheit  zu  machen  schien.  Allein  die  Freude 
sollte  nicht  lange  dauern.  Schon  im  folgenden  Jahre  1852  gelang  es 
Capitän  Bei  eher  im  Wellingtoncanal  weiter  nach  Norden  vorzudringen, 
als  Penny  je  gekommen  war.  Er  hatte  jenseits  des  76°  n.  B.  die  Mün- 
dung des  Canals  und  die  offene  See  gefunden.  Aber  wie  gross  war 
seine  Enttäuschung!  Statt  der  milderen  Temperatur  heftige,  orkanähnliche 
Stürme;  statt  der  ruhigen  See  ein  von  furchtbaren  Eismassen  durchwog- 
tes  tosendes  Meer,  das  jedem  Schiffe  unabweislichen  Untergang  drohte ! 
Ueberdiess  war  der  Zugang  zur  Mündung  des  Canals  durch  undurchdring- 
liche   Eismassen    versperrt. 

Dieser  Bericht  des  Capitän  B  eich  er  war  nicht  sehr  erfreulich  für 
die  Anhänger  der  neuen  Theorie:  aber  ungeachtet  dieser  so  ungünstig 
lautenden  Nachrichten  liess  man  den  Muth  nicht  sinken,  ja  mit  den  stei- 
genden Hindernissen  steigerten  sich  sogar  die  Vorstellungen  zu  den  san- 
guinischesten   Träumereien    und    es    hätte    nicht    viel    gefehlt,    so    hätte  man 


Versuch  einer  Erklärung  der  verhältnissmässig  höheren  Temperatur  an  den  Polen  etc.       47 

das  Arcadien  der  Dichter  an  den  Nordpol  verlegt.  Das  Glück  war  ihnen 
auch  günstig;  sie  fanden  auch  einen  zweiten  Verfechter  an  Capitän  Ing- 
lefield,  welcher  ebenfalls  im  Jahre  1852  im  Smithsunde  bis  zu  78°  42" 
21"  vordrang  und  von  da  nordwärts,  so  weit  das  Auge  reichte,  eine 
eisfreie  See  erblickt  haben  will.  Dadurch  wurde  Belcher's  Bericht  neu- 
tralisirt.  Inglefield  sagt,  dass  nur  die  vorgerückte  Jahreszeit  und  der 
Mangel  an  Lebensmitteln  ihn  abgehalten  hätten,  der  so  lockenden  Einla- 
dung diese  See  weiter  zu  befahren  nachzukommen.  Aber  auch  diese 
Entdeckung  wurde  von  dem  letzten  der  nordischen  Helden  —  dem  ver- 
ewigten Dr.  Kane  —  in  das  Bereich  der  visionären  Entdeckungen  ver- 
wiesen, während  Kane  seinerseits  berichtet,  dass  durch  seine  Expedition 
das  eisfreie  Polarbassin  entdeckt  worden  sei.  So  wurde  diese  Frage  von 
den  Seefahrern  abwechselnd  behauptet  und  widerlegt,  und  man  konnte  es 
als  ein  gutes  Omen  bezeichnen,  dass  sie.  obwohl  widerlegt  —  schliesslich 
dennoch    wieder   behauptet    wurde. 

Dr.  Kane's  Entdeckung  ist  bis  jetzt  weder  bestätiget  noch  wider- 
legt worden ,  und  wir  haben  —  im  Hinblick  auf  die  vorausgegangenen 
Täuschungnn  auf  diesem  Gebiete  wohl  das  Recht,  den  Bericht  Kane's 
näher    zu    prüfen,    bevor    wir    uns    seinem    Spruche    unbedingt    unterwerfen. 

Kane  berichtet  nur,  dass  sein  Matrose  Mort  on,  begleitet  von  dem 
Esquimo  Hanns  Christia  n,  den  Humboldtgletscher  umging,  dass  er,  nach- 
dem er  sich  auch  von  dem  Esquimo  getrennt  hatte,  am  westlichen  Aus- 
laufe des  Gletschers  einen  offenen  Canal  fand  —  den  Kennedycanal  — 
dessen  Breite  er  auf  32  Meilen  schätzt.  Je  weiter  nordwärts  er  kam, 
um  so  eisfreier  wurde  das  Wasser,  an  dessen  Rande  Seehunde  und 
Seevögel  immer  zahlreicher  erschienen:  auch  grüne  Gräser  und  einzelne 
Arten  der  arctischen  Flora  fanden  sich  vor.  Morton  verfolgte  die 
Küsten  immer  weiter  nordwärts ,  die  Höhe  des  Washingtonlandes  zur 
Rechten,  den  Canal  zur  Linken.  Am  24.  Juni  1854  erreichte  er  den 
äussersten  Punct.  Er  erklimmt  jenseits  des  81°  n.  B.  das  Cap  Consti- 
tution bis  zu  einer  Höhe  von  480  Fuss ,  und  pflanzt  hier ,  Angesichts 
einer  nach  Norden  hin  unübersehbaren  in  offenen,  eisfreien  Fluthen  wo- 
genden See,  welche  gegen  Westen  hin  die  kühn  emporsteigenden  Höhen- 
bildungen des  Grinellandes  bis  über  den  82°  n.  B.  sichtbar  bespült,  in 
begeisterter  Stimmung  die  amerikanische  Flagge  auf.  Morton  führte  Kom- 
pass,    Sextanten    und    einen    künstlichen    Horizont    mit    sich. 

Kane  war  durch  Krankheit  gezwungen  zurückgeblieben,  und  er  ver- 
fasste  diesen  Bericht  auf  die  Erzählung  seines  Matrosen,  welcher  allein 
—  denn  selbst  von  dem  Esquimo  hatte  er  sich  getrennt  —  diese  Ent- 
deckung machte,  preisgegeben  allen  Eindrücken  der  erhabenen  und  gross- 
artigen Natur,  in  einer  durch  fabelhafte  Luftspiegelungen  und  andere  oft 
stundenlang  andauernde  Sinnestäuschungen  die  unbefangene  Beobachtung 
gefangen  nehmenden  Gegend,  nach  einer  die  Nerven  aufregenden  und 
höchst  anstrengenden  Reise ,  und  nach  vierwochentlicher  Trennung  von 
seinem  Herrn  und  Meister,  den  er  krank  und  unbefriediget  von  seinen 
bisherigen  Resultaten  zurückgelassen  hatte.  Eine  unter  solchen  ausseror- 
dentlichen Umständen  gemachte  Entdeckung  kann  bei  aller  Ehrfurcht  vor 
Kane,  bei  aller  Ehrenhaftigkeit  M  orton's  doch  von  der  Wissenschaft  nicht 
als  unbedingte  Wahrheit  angenommen  werden,  und  diess  um  so  weniger, 
je  wichtiger  und  folgenreicher  eben  diese  Entdeckung  für  die  Wissen- 
schaft  ist. 

Drei  Mal  innerhalb  eines  Jahrzehends  sollte  die  offene  See  im  Nor- 
den  gesehen   worden   sein!  Zwei    Mal    war   die   Entdeckung    gemacht   wor- 


48  Dr.  Wilhelm  Barth. 

den  von  erfahrenen  und  gebildeten  Seefahrern,  umgeben  von  ihren  Mann- 
schaften und  Offizieren  —  und  beide  Entdeckungen  wurden  in  der  Folge 
als  irrthümlich  zurückgewiesen.  Das  dritte  Mal  wurde  sie  gemacht  von 
einem  —  wenn  auch  ehrenhaften  —  doch  weniger  gebildeten  Manne, 
welcher    ohne    alle    Begleitung    war. 

Wenn  man  diesen  Verlauf  der  Geschichte  dieser  Entdeckung  berück- 
sichtiget, so  könnte  man  schliesslich  fragen:  ob  denn  nicht  Penny  sowohl 
als  auch  Inglefiel  d  Recht  hatten  mit  ihrer  Behauptung  und  ihre  Censoren 
Unrecht?  Penny  soll  die  offene  See  im  oberen  Wellingtoncanal  gesehen 
haben.  Ein  Jahr  darauf  findet  Belcher,  welcher  bis  zum  76°  vordrang, 
wohl  die  Mündung  des  Canals  und  eine  offene  See,  aber  von  Treibeis 
und  Eisbergen  durchbraust.  Im  Jahre  1852  soll  Inglefield  die  offene  See 
im  78°  im  Smithsunde  gesehen  haben.  Zwei  Jahre  später  ist  Kane  nicht 
im  Stande,  daselbst  eine  See  zu  entdecken;  sein  Matrose  musste  bis  zum 
81°  vordringen,  und  entdeckt  sie  daselbst.  Wir  sehen ,  dass  die  Ent- 
deckungen der  Vorfahrer  von  ihrem  Nachfolger  nur  in  höheren  Breiten 
bestätiget  wurden.  Ist  da  der  Gedanke  nicht  nahe  liegend,  dass  bei  der 
Aehnlichkeit  der  Polarwelt  mit  der  Natur  der  Hochgebirge  dort  solche 
Vorgänge  statt  finden,  wie  hier,  dass  so  wie  hier  die  Gletscher  wach- 
sen, auch  dort  die  Region  des  ewigen  Eises  immer  weiter  um  sich 
greife?  Freilich  wird  man  sagen  ist  der  Zeitraum  von  ein  oder  zwei 
Jahren  viel  zu  kurz  bemessen ,  um  solche  ausgedehnte  Veränderungen 
hervorzubringen;  aber  finden  wir  nicht  auf  der  südlichen  Seite  der  Polar- 
zone die  Thatsache  festgestellt,  dass  auf  Puncten,  welche  gegenwärtig  von 
allen  menschlichen  Ansiedlungen  verlassen  sind,  die  Ueberreste  von  mensch- 
lichen Wohnstätten  und  die  Spuren  einer  untergegangenen  Thier-  und 
Pflanzenwelt  vorhanden  sind,  und  ist  es  nicht  möglich,  dass  bei  dem  vor- 
handenen Wasserreichthume  die  Eisbildung  unter  günstigen  Umständen 
rasch  und  im  ausgedehntesten  Maasse  stattfinde?  dass  also  jenseits  des 
80°  n.  B.  wirklich  die  offene  See  einstens  gewesen,  welche  aber  durch 
den  stettigen  Eisbildungsprocess  immer  weiter  gegen  den  Nordpol 
zurückgedrängt    werde. 

Unter  den  Theoretikern,  welche  die  Ansicht  einer  eisfreien  Polarsee 
auf  das  lebhafteste  befürworteten,  ragen  Dr.  August  Petermann  in 
Europa  und    der  Astronom  und  Geograph  Maury   in  Amerika  besonders  hervor. 

Petermann  hatte  schon  vorder  Entdeckung  Inglefield 's  in  verschie- 
denen Blättern  Ansichten  und  Hypothesen  über  das  Thier-  und  Pflanzen- 
leben in  der  hohen  Polarzone  und  über  eine  offene  See  in  den  noch 
nicht  erreichten  hohen  Breitengraden  ausgesprochen.  Der  Bericht  Ingle- 
field's  bestärkte  ihn  in  seinen  Ansichten  auf  das  Lebhafteste.  Allein  Peter- 
mann war  nicht  im  Stande,  die  arctischen  Autoritäten  von  der  Richtigkeit 
seiner  Theorien  zu  überzeugen;  man  hielt  ihm  die  Gesammtheit  aller  bishe- 
rigen Entdeckungen  entgegen;  man  wies  daraufhin,  dass  Capitän  Phipps 
im  Jahre  1773  bis  zum  81»,  Capitän  Parryim  Jahre  1827  bis  zum  82° 40" 
23"  vorgedrungen  waren,  ohne  die  offene  See  zu  finden.  Petermanns  Ansich- 
ten wurden  von  Scoresby  und  Beechey  im  Jahre  1853  in  den  Times  so  ent- 
schieden widerlegt,  dass  sie  allen  Halt  verloren  zu  haben  schienen,  und  es 
den  Anschein  hatte,  als  wäre  diese  Frage  für  immer  abgethan.  Petermann 
selbst  zog  sich  zurück. 

Mit  ungleich  günstigerem  Erfolge  schien  Maury  in  Amerika  für  die 
Sache  aufzutreten.  Er  war  auf  Grund  theoretischer  Combinationen  zu  dem 
Schlüsse  gekommen,  dass  jenseits  des  80°  n.  B.  eine  eisfreie  See  und  ein 
höheres  Thier-  und  Pflanzenleben  herrsche,  und  wusste  seine  Theorie,  welche 


Versuch  einer  Erklärung  der  verhältnissmässig  höheren  Temperatur  an  den  Polen  etc.        49 

ein  neues  System  der  phisikalischen  Geographie  zu  gründen  geeignet  schien, 
auf  scheinbar  unwiderlegbare  Thathsachen  und  Grundsätze  zu  stützen ,  dass 
sie  den  Anforderungen  der  Wissenschaft  vollkommen  gerecht  wurde,  und  als 
Kan  e's  Bericht  bekannt  wurde,  nahm  er  keinen  Anstand,  diese  seine  mit  so 
grosser  Zuversichtlichkeit  gefasste  Voraussetzung  als  eine  vollendete  Thatsache 
hinzustellen.  Maury  sucht  die  Gründe  für  seine  Behauptung  in  den  Meeresströ- 
mungen und  erklärt  die  verhältnissmässig  höhere  Temperatur  am  Nordpol  für 
eine  Wirkung  des  submarin  in  das  Polarbassin  eintretenden  warmen  Golfstromes. 

Dr.  Brandes,  Mitglied  der  geographischen  Gesellschaft  zu  Berlin, 
hat  in  einem  im  zwanzigsten  Hefte  des  Jahrbuches  zum  Konversationsle- 
xikon abgedruckten  Aufsatze,  welchen  ich  zum  Entwurf  dieser  Skizze 
benützte,  die  Aussprüche  Maury's  einer  eingehenden  Kritik  unterzogen  und 
ist  zu  dem  Schlüsse  gekommen,  J;dass  von  dem  Richterstuhle  der  Wis- 
senschaft die  ganze,  so  anziehend  ausgemalte  Maury'sche  Vorstellung  von 
dem  in  der  Tiefe  des  Meeresgrundes  zu  dem  Punkte  des  Nordpols  hin- 
aufgetriebenen Golfstrom,  von  der  Bedeutung  desselben  im  Haushalte  der 
Natur,  von  den  eigenthümlichen  Umständen,  welche  seine  warme  Tempe- 
ratur, durch  eine  Zone  furchtbaren  Frostes  hindurch  bis  zum  Nordpol 
hinauftreten  für  nicht  viel  mehr  als  ein  geistreiches,  lebensvolles  Traum- 
bild   erklärt   werden    müsse. K 

Dr.  Kane,  welchem  Maury  seine  Theorie  einer  submarinen  Einströ- 
mung des  Golfstromes  gerne  unterlegen  möchte,  gibt  eine  den  Verhält- 
nissen bei  weitem  natürlichere  Ursache  der  beobachteten  Meeresströmun- 
gen an.  Er  sagt  nämlich,  dass  dem  Polarmeere  die  Gewässer  dreier 
Continente  zugewandt  seien,  ein  Zufluss,  welcher  noch  vermehret  werde 
durch  die  in  den  hohen  Breiten  gesteigerte  Präcipitation.  Im  Gegensatze 
solcher  Zuflüsse  könne  in  dem  überfüllten  arctischen  Bassin  auch  ein 
Ausgang  nicht  fehlen,  durch  welchen  sein  Inhalt  unter  einer  von  den 
Gesetzen  der  Strömung  unabhängigen  Operation  gegen  den  Aequator  zu 
hinweggeräumt  werde.  Diess  führt  ihn  dann  sistematisch  weiter  zur  Auf- 
zählung   der    drei    Eismeerstrassen    des    Polarbassins. 

Es  scheint  somit  den  Theoretikern  nicht  besser  zu  ergehen ,  als 
den  praktischen  Seeleuten  —  auch  sie  fanden  mit  ihren  Ansichten  nicht 
unbedingten    Glauben. 

In  neuester  Zeit  hat  Dr.  Robert  Froriep  in  seiner  Schrift:  „das 
Klima  am  Nordpol"  die  Aufmerksamkeit  auf  den  Einfluss  der  Luftströmun- 
gen gelenkt,  der  sich  in  der  Gegend  des  Poles  in  hohem  Grade  gel- 
tend machen  müsste ,  wo  die  sämmtlichen  Aequatorialströmungen  der 
Theorie  nach  zusammentreffen.  Diese  müssten  nicht  nur  eine  Erhöhung 
der  Temperatur  bedingen,  sondern  auch  durch  ihre  Abkühlung  am  Pol 
mächtige  Niederschläge  bilden ,  woraus  sich  die  aus  dem  Polar-Meer 
beständig  hervorkommenden  Meeresströmungen  erklären  und  zwar  führen 
sie  diesem  Meere  meteorologisches,  d.  h.  salzfreies  Wasser  zu,  was  wie- 
derum mit  der  Beobachtung  übereinstimmt,  dass  der  Salzgehalt  des  Meeres 
gegen  die  Pole  zu  abnehme.  Vielleicht  Hesse  sich,  meint  der  Verfasser 
hiemit  auch  das  Phänomen  des  Nordlichts  in  Zusammenhang  bringen; 
denn  es  sei  wahrscheinlich,  dass  durch  das  Zusammentreffen  vieler  Aequa- 
torialströme  in  der  kalten  Polargegend  furchtbare  Gewitter  entständen, 
deren    Widerschein    eben   das    Nordlicht   sein    dürfte. 

So  lautet  die  Inhaltsanzeige  dieser  Schrift  im  VI.  Hefte  des  Jahr- 
ganges 1857  von  Petermann's  Mittheilungendes    geographischen  Institutes 

Mittheilungen    der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft  III.  Bd.  1.  Heft.  '' 


50  Med.  Dr.  Wilhelm  Barth. 

zu  Gotha.  Ich  war  nicht  im  Stande,  diese  Schrift  selbst  zu  Gesichte  zu 
bekommen  und  die  ausführliche  Deduction  Froriep's  kennen  zu  lernen,  bin 
daher  auch  nicht  im  Stande  dieselbe  zu  prüfen;  nur  so  viel  sei  mir 
gestattet,  darüber  zu  bemerken,  dass  es  mir  gewagt  erscheine,  die  Luft- 
strömungen, deren  Einfluss  auf  die  Temperatur  einer  Gegend  wohl  ohne 
Zweifel  ist,  als  die  letzte  Ursache  dieser  Temperatur  hinzustellen,  indem 
ich  glaube,  dass  die  Luftströmungen  eher  durch  die  Temperatur,  als  diese 
durch  jene  hervorgebracht  werden  dürften,  so  dass  also  Ursache  und  Wir- 
kung im  umgekehrten  Verhältnisse  aufgefasst  seien ,  abgesehen  von  der 
Schwierigkeit  der  Erklärung,  wie  die  Luftströmungen,  die  am  Aequator  auf- 
steigen und  in  Folge  ihres  geringeren  Gewichtes  und  des  Bestrebens  sich 
auszudehnen  doch  immer  nur  in  einer  beträchtlichen  Höhe  der  Atmosphäre 
gegen  die  Pole  abfliesen  werden,  ihre  warme  Temperatur  durch  alle  Brei- 
tengrade   hinauf  bis  zum  Nordpol  erhalten? 

Soviel  über  die  Geschichte  dieser  gewiss  nicht  uninteressanten  und 
unwichtigen  Frage. 

Wir  wollen  nun  untersuchen  in  wie  weit  es  denn  überhaupt  gerecht- 
fertiget sei,  an  den  Polen  eine  verhältnissmässig  höhere  Temperatur  anzu- 
nehmen; wir  wollen  bei  dieser  Untersuchung  absehen  von  allen  Hypothesen 
und  Ueberlieferungen,  und  nur  dasjenige  Verhältniss  ins  Auge  fassen,  wel- 
ches die  wirkliche  Ursache  der  Erwärmung  unserer  Erde  ist ,  nämlich  das 
Verhältniss  derselben  zur  Sonne,  als  seiner  Licht-  und  Wärmequelle. 

Es  ist  bekannt,  dass  die  Centralwärme  der  Erde  aufgehört  hat,  Ein- 
fluss auszuüben  auf  die  Temperatur  der  Oberfläche  derselben,  und  dass  diese 
allein  abhängt  von  der  Wärme,  welche  sie  von  der  Sonne  erhält.  Allein 
es  wird  nicht  die  ganze  Erde  auf  einmal  von  der  Sonne  erleuchtet  und 
erwärmt,  sondern  nur  ein  Theil  derselben  und  zwar  jener,  welcher  der 
Sonne  zugekehrt  ist. 

Der  andere  Theil  der  Erde,  welcher  der  Sonne  nicht  zugekehrt  ist, 
wird  auch  von  den  Strahlen  der  Sonne  nicht  getroffen ,  somit  auch  nicht 
erwärmt,  und  es  wird  daher  seine  Temperatur  um  so  viel  niedriger  sein,  als  die 
Sonnenwärme  beträgt,  welche  die  der  Sonne  zugekehrte  Seite  der  Erde 
empfängt.  Dadurch  entstehen  zwei,  jeder  eine  Hälfte  des  Erdsphäroids  um- 
schliessende  Räume  von  ungleicher  Temperatur,  indem  der  zwischen  der 
Erde  und  Sonne  gelegene  Raum  eine  höhere ,  hingegen  der  die  von  der 
Sonne  abgewendete  Seite  der  Erde  umhüllende  Raum  eine  niedrigere  Tempe- 
ratur hat. 

Während  der  täglichen  Umdrehung  der  Erde  um  ihre  Axe  bewegen 
sich  alle  Theile  derselben  abwechselnd  in  diesen  beiden  Räumen  und  werden 
daher  vermöge  des  Bestrebens  der  Wärme,  in  den  Körpern  und  ihrer 
Umgebung  sich  in's  Gleichgewicht  zu  setzen,  während  sie  sich  in  dem 
zwischen  der  Erde  und  der  Sonne  gelegenen,  als  der  mit  höherer  Tem- 
peratur erfüllten  oder  dem  Tagraume  bewegen,  Wärme  aufnehmen,  hin- 
gegen in  dem,  die  von  der  Sonne  abgewendete  Seite  der  Erde  um- 
schliessenden  von  niedriger  Temperatur  erfüllten  oder  dem  Nacht-  oder 
Schattenraume,  Wärme  abgeben  oder  ausstrahlen.  Auf  diese  Weise  findet 
die  Ausgleichung  zwischen  der  Temperatur  eines  Punctes  bei  Tage  und 
der  bei  der  Nacht  statt  und  es  wird  somit  die  mittlere  Temperatur 
eines  Erdstriches  abhängig  sein  von  dem  Verhältnisse  zwischen  der  Wärme- 
aufnahme   und    der    Wärmeabgabe     oder    der    Ausstrahlung.      Alles     daher, 


Versuch  einer  Erklärung  der  verhältnissmässig  höheren  Temperatur  an  den  Polen  etc.         51 

was  die  Ausstrahlung  während  der  Nacht  vermehrt  oder  vermindert,  wird 
eben  so  wie  alles,  wodurch  die  während  des  Tages  der  Erde  zugesendete 
Wärme  mehr  oder  weniger  wirksam  gemacht  wird ,  eine  entsprechende 
Veränderung    in    der   mittleren    Temperatur  hervorbringen. 

Abgesehen  von  den  Modißcationen,  welche  durch  die  grössere  und 
geringere  Leitungsfälligkeit  eines  Körpers  hervorgebracht  werden  können, 
ist  die  Abgabe  der  Wärme  vorzüglich  abhängig:  1.  von  dem  Unter- 
schiede zwischen  der  Temperatur  des  erwärmten  Körpers  und  der  des 
Raumes,  in  dem  er  sich  befindet;  2.  von  der  Zeit,  durch  welche  er  in 
diesem  Räume  verweilt  und  3.  von  der  Grösse  des  Raumes,  in  welchem 
die   Ausstrahlung   statt   findet. 

Dieses  Verhältniss  gilt  auch  von  der  Wärmeaufnahme,  wenn  ein 
Körper  in  einem  Räume  von  gleichmässiger  Temperatur  sich  befindet. 
Aber  das  Verhältniss  ändert  sich  sogleich  ,  wenn  ein  Körper ,  so  wie 
unsere  Erde,  in  eine  Wärmeströmung  zu  liegen  kommt.  Hier  ist  die 
Richtung,  in  welcher  die  einzelnen  Theile  von  den  Wärmestrahlen  ge- 
troffen werden,  von  grossem  Einfluss,  und  je  mehr  abweichend  von  der 
Senkrechten,  je  schiefer  die  Theile  getroffen  werden,  um  so  geringer  ist 
—  bei    übrigens    gleicher  Dauer  der  Einwirkung  —  ihre    Erwärmung. 

Während  der  Umdrehung  der  Erde  um  die  Sonne,  d.  h.  während 
der  Dauer  eines  Jahres  haben  alle  Theile  der  Erde  gleich  lange  Zeit 
Tag    und   eben   so    lange    Zeit   Nacht. 

Obwohl  nun  während  dieser  Zeit  alle  Theile  der  Erde  gleich  lange 
Zeit  Tag  haben,  d.  h.  Wärme  aufnehmen,  so  ist  doch  ihre  Erwärmung 
nicht  gleich  gross,  indem  bei  der  sphäroidalen  Gestalt  der  Erde  die 
Strahlen  der  Sonne  nur  an  einer  Stelle,  nämlich  am  Aequator  senkrecht 
auffallen  können,  und  daher  nur  an  dieser  Stelle  am  wirksamsten  sein 
werden;  je  weiter  hingegen  ein  Ort  von  dieser  Stelle  gegen  die  Pole  zu 
entfernt  liegt,  desto  schiefer  wird  derselbe  von  den  Strahlen  der  Sonne  ge- 
troffen, desto  weniger  wirksam  und  desto  geringer  wird  die  Erwärmung 
desselben    sein. 

Aber  eben  so,  wie  alle  Theile  der  Erde  während  der  Dauer  eines 
Jahres  gleich  lange  Zeit  Tag  haben,  eben  so  haben  sie  während  dieses 
Zeitraumes  gleich  lange  Zeit  Nacht,  während  welcher  sie  die  bei  Tage 
aufgenommene  Wärme  theilweise  wieder  abgeben  oder  ausstrahlen.  Die 
Ausstrahlung  findet  statt  gegen  den  Planetenraum,  dessen  Temperatur  Fou- 
rier  auf —  SO0  berechnet  hat.  Hier  findet  die  Ausstrahlung  ihre  Grenzen. 
Im  Vergleiche  zu  dieser  niederen  Temperatur  wird  selbst  das  zu  Eis 
erstarrte  Wasser  noch  immer  eine  höhere  Temperatur  besitzen  und  Wär- 
mestrahlen abgeben.  Es  werden  daher  die  in  der  Nähe  der  Pole  gele- 
genen Orte  trotz  ihrer  geringeren  Erwärmung  ebenso  wie  die  südlich 
gelegenen  Breiten  so  lange  Wärme  abgeben,  bis  das  Gleichgewicht  in 
der  Temperatur    hergestellt    ist. 

Die  Beobachtung  Capitän  Parry's,  welcher  auf  Melville-Island  eine  Tem- 
peratur von —  48°  und  des  Capitän  Ross,  welcher  später  die  Temperatur 
von  — •  öl0,  die  niedrigste  natürliche,  bis  jetzt  beobachtete  Temperatur, 
beobachteten,    scheint    für    diesen    Vorgang   zu    sprechen. 

Da  wir  nun  in  der  südlichen  Zone  niemals  eine  so  niedrige  Tem- 
peratur beobachten ,  so  können  wir  annehmen ,  dass  die  Abgabe  der 
Wärme  während  einer  Umdrehung  der  Erde  um  die  Sonne  auf  allen 
Punkten    derselben    gleich    gross    sei    —    oder    wenn    ich    mich    eines    bild- 

d* 


52  Med.  Dr.  Wilhelm  Barth. 

liehen  Ausdrucks  bedienen  darf —  ein  Thermometer  würde,  wenn  dieser 
Vorgang  durch  dasselbe  messbar  wäre  ,  an  allen  Punkten  um  eine  gleiche 
Anzahl  Grade  sinken,  nur  würde  in  den  südlichen  Breiten  die  Scala  bei 
einem  höheren,  in  den  nördlichen  bei  einem  tieferen  Gradpuncte  ihren 
Ausgang    nehmen. 

Wenn  nun  während  der  Dauer  eines  Jahres  oder  eines  Umganges 
der  Erde  um  die  Sonne  die  Abgabe  der  Wärme  an  allen  Puncten  der 
Erde  als  gleich  gross  angenommen  werden  kann,  während  die  Aufnahme 
der  Wärme  um  so  geringer  ist,  je  entfernter  ein  Ort  vom  Aequator  liegt 
und  da  die  Pole  die  am  weitesten  vom  Aequator  gelegenen  Orte  sind, 
so  würde  daselbst  auch  die  niedrigste  mittlere  Temperatur  sein ,  wenn 
nicht  daselbst  eigentümliche  Verhältnisse  obwalten  würden ,  bei  de- 
ren Prüfung  sich  die  Gründe  einer  entgegengesetzten  Ansicht  heraus- 
stellen. 

In  der  Bahn,  welche  die  Erde  um  die  Sonne  beschreibt,  sind  be- 
kanntlich die  wichtigsten  Puncte  jene,  an  welcher  das  Aequinoctium  und 
das    Solstitium    eintritt. 

Wie  verhält  sich  nun  die  Erde  bezüglich  der  Wärmeaufnahme  und 
Abgabe    dieser   Zeit? 

Zur  Zeit  der  Aequinoctien  werden  nicht  bloss  am  Aequator,  sondern  auch 
an  allen  übrigen  Puncten  der  Erde  Tag  und  Nacht  gleich  lang  sein,  und  dieser 
Zeitpunct  ist  es,  an  dem  die  eigenthümlichen  Verhältnisse  an  den 
Polen  zur  Beurtheilung  der  vorliegenden  Frage  besonders  ersichtlich 
werden. 

Da  zu  dieser  Zeit  die  Verhältnisse  bezüglich  der  Aufnahme  so  wie 
der  Abgabe  von  Wärme  während  einer  Umdrehung  der  Erde  um  ihre 
Axe  d.  i.  während  eines  Tages  denselben  Verhältnissen  während  einer 
Umdrehung  der  Erde  um  die  Sonne,  d.  i.  während  eines  Jahres  in  so- 
fern annalog  sind ,  als  während  des  Zeitraumes  dieses  Tages  ebenso, 
wie  in  dem  Zeiträume  eines  Jahres  alle  Theile  der  Erde  gleich  lange 
Zeit  Tag  und  gleich  lange  Zeit  Nacht  haben,  d.  h.  gleich  lange  Zeit 
Wärme  aufnehmen  und  eben  so  lange  Wärme  abgeben,  so  wird  die  mitt- 
lere Tagestemperatur  zur  Zeit  der  Tag-  und  Nachtgleichen  der  mittleren 
Jahrestemperatur  der  verschiedenen  Zonen  entsprechen  und  es  dürfte  daher 
nicht  unstatthaft  sein,  die  Stellung  der  Erde  zur  Zeit  der  Aequinoctien 
als  Mittel  zur  annäherungsweisen  Bestimmung  der  mittleren  Temperatur 
an    den    Polen    zu    benützen. 

Zur  Zeit  der  Tag  und  Nachtgleichen  bewegen  sich  alle  Theile  der 
Erde  während  einer  Umdrehung  derselben  um  ihre  Axe  12  Stunden  in 
dem  Tagraum  und  eben  so  lange  in  dem  Nachtraum;  sie  nehmen  daher 
durch  12  Stunden  Wärme  auf  und  geben  während  den  andern  12  Stun- 
den von  der  aufgenommenen  Wärme  an  den  von  den  Sonnenraum  ent- 
blössten  Schattenraum  so  viel  ab,  als  nöthig  ist,  um  die  bestehende 
Temperatur    zu    erhalten. 

Während  nun  alle  Theile  der  Erde  12  Stunden  Nacht  haben  und 
Wärme  abgeben,  fallen  an  den  Polen  die  Sonnenstrahlen  während  des 
ganzen  Umschwunges  der  Erde,  also  während  der  vollen  24  Stunden  des 
Tages  ununterbrochen  in  die  oberhalb  den  Polen  befindliche  Atmosphäre, 
Figur  1.  und  indem  sie  hiedurch  um  so  mehr  in  einer  gleichmässi- 
gen  Temperatur  erhalten  werden  wird,  als  auch  der  oberhalb  befind- 
liche   Baum    ganz    von    Sonnenstrahlen    erfüllt    ist,     und    daher  kaum  eine 


Versuche  einer  Erklärung  der  verhiiltnissmässig  höheren  Temperatur  an  den  Polen  etc.       53 


Ausstrahlung  nach  oben  hin  statt- 
finden wird,  bildet  diese  Atmos- 
phäre, wie  aus  der  nebenstehenden 
Figur  ersichtlich  ist,  für  die  Pole 
und  deren  nächste  Umgebung  eine 
Decke,wodurch  die  Ausstrahlung  der 
bei  Tage  aufgenommenen  Wärme 
wärend  der  Nacht  wenn  auch  nicht 
ganz  aufgehoben,  so  doch  in  un- 
gleich geringerem  Masse  stattfinden 
wird ,  als  an  allen  von  den  Polen 
weiter  entfernten  Breitegraden,  und 
es  wird  daher  in  eben  demMaasse, 
als  die  Ausstrahlung  vermindert  ist, 
die  mittlere  Tagestemperatur  zur 
Zeit  der  Tag  und  Nachtgleiche  an 
den  Polen  beziehungsweise  hö- 
her   sein. 

Dieses      Verhältniss     be- 
schränkt   sich    aber   nicht     bloss 
auf    die    Pole  und  deren  nächste 
Umgebung  ,      sondern      erstreckt 
sich      noch      über      einige      anstossende 
Breitegrade     hinaus.     Denn   wir  finden  , 
dass    diejenigen    Sonnenstrahlen,  welche, 
wenn  sie    ungebrochen    durch     die     At- 


Fig.  1 


Stellung  der  Erde  zur  Zeit  der  Aequinoctien 
E  die  Erde.  A  die  Atmosphäre.  S  Son- 
nenstrahlen. N  Nachtraum,  a  der  von 
Sonnenstrahlen  erfüllte  Theil  der  Atmo- 
sphäre ober  den  Polen  a'  der  von  Son- 
nenstrahlen erfüllte  Planetenraum. 


Erde 
in  die 


mosphäre  gehen  würden  ,  die 
tangiren,  beiläufig  im  82°  d.  B. 
Atmosphäre    eintreten. 

Es  sei  Fig.  2.  E  die  Erde,  A  die 
Atmosphäre  ,  b  d  die  Polarachse  der 
Erde  =  1715.8  geographische  Meilen. 
Da  die  Atmosphäre  wegen  der  leichten 
Verschiebbarkeit  ihrer  Theilchen  dem  Ge- 
setze der  Centrifugalkraft  in  hohem 
Grade  folgen  und  so  wie  die  Erde  einen  elliptischen  Körper  bilden 
wird  ,  dessen  Höhe  zwischen  9  und  24  variiren  soll,  so  werden  wir  die 
niedrigste  Höhe  derselben  mit  9  Meilen  an    den    Polen    ansetzen. 

Es  ist  somit  ab  (Fig.  2)  =  9  Meilen;  die  Polarachse  des  Sphäroides  A. 
ist   gleich    der    Polarachse    der  Erde    bd  mehr    der    doppelten   Polhöhe    der 
Atmosphäre.     Ziehen    wir   nun  eine    Senkrechte    zur    a  e    auf   den    Punkt   b, 
so   wird   hb    eine    Tangente    zur    Ellipse    E    sein    und    demnach    diejenigen 
Sonnenstrahlen  repräsentiren,  welche  den  Nordpol  tangiren,   wenn  sie  unge- 
brochen   durch    die    Atmosphäre    gehen    würden.     Aber    die    Linie    hb    wird 
in    der   Ellipse  A    zugleich    eine    Halbordinate    zu    der    Polarachse    a  e    sein, 
deren    gegenseitige    Abscissen    ab    und    be    sind.    Nun    ist    das  Quadrat    der 
Halbordinaten    in    der    Ellipse    gleich    dem    Producte    aus    den   gegenseitigen 
Abscissen;    es    wird   somit 
hba  =  ab  .  be 
ab   =9;  be    =  bd     +     de  =   1715.8   -f-  9  =   1724.e 
hb-  =   1724.«  x  9   =   15523.2 


54 


Med.  Dr.  Wilhelm  Barth. 


Nun  sind   aber   hb   und    ab    die    Katheten   des    rechtwinkeligen  Drei- 
eckes   ahb,    folglich    ah2  =  ab2  -f  hb2 

ab2    =         81 
hb2  —   15523.. 


15604.2.  d.  i.  der  Werth  für  ah2 

Zieht     man     aus    beiden     Theilen     die    Quadratwurzel     aus,      so    ist 
y'ah*  =  /l,56,04.s  =   124,9 

ah   ist   also   gleich    124. 9    geographische  Meilen;    und    dies    in  Breitengrade, 
den    Grad    zu    15    Meilen   umgewandelt   gibt    8.3    Grade. 

Es  wird  somit  der  Punct  h  annäherungsweise  im  81  °7  d.  B.  liegen; 
nun  werden  aber  die  Sonnenstrahlen  bei  ihrem  Durchgange  durch  die 
Atmosphäre  gebrochen  und  gegen  die  Erde  gelenkt  und  werden  daher  die 
Atmosphäre  noch  unterhalb  des  angegebenen  Breitengrades  je  nach  der 
Dichtigkeit  derselben  mehr  weniger  erfüllen.  Es  wird  also  vom  81°  d.  B. 
nordwärts  eine  verminderte  Wärmeausstrahlung,  d.  i.  eine  relativ  höhere 
Temperatur   herrschen   zur    Zeit   der  Aequinoctien. 

Da  nun  in  allen  bekannten  Breitengraden  die  mittlere  Temperatur 
zur  Zeit  der  Tag-  und  Nachtgleichen  mit  den  mittleren  Jahrestempera- 
turen in  soweit  übereinstimmend  ist,  um  von  der  einen  auf  die  andere 
annäherungsweise  schliessen  zu  können,  so  wird  eine  auf  die  höhere 
Temperatur  zur  Zeit  der  Tag-  und  Nachtgleiche  gestützte  Annahme  einer 
beziehungsweise  höheren  Jahrestemperatur  an  den  Polen  nicht  ganz  unge- 
rechtfertigt   erscheinen. 

Der  Zeit  der  Aequinoctien  entgegengesetzt  ist  die  Zeit  der  Solstitien, 
und  wenn  es  möglich  ist,  die  beziehungsweise  höhere  Temperatur  an 
den  Polen  zur  Zeit  der  Aequinoctien  mit  einer  an  Gewissheit  grenzenden 
Wahrscheinlichkeit  auf  eine  einfache  W^eise  darzuthun,  so  ist  dies  zur 
Zeit  der  Solstitien  als  der  grössten  Abweichung  in  der  Stellung  der  Erde 
gegen  die  Sonne  zur  Zeit  der  Aequinoctien  wohl  nicht  eben  so  der  Fall; 
wir  müssen  uns  hier  begnügen,  die  Thatsachen  insoweit  festzustellen  als 
nothwendig  ist,  die  Möglichkeit  einer  relativ  höheren  Temperatur  auch  zu 
dieser   Zeit   ersichtlich    zu    machen. 

Zur  Zeit  des  Wintersolstitiums  tangieren  die  Sonnenstrahlen  die 
Erde  zwischen  dem  56°  und  67°  der  Breite  und  es  werden  die,  die 
Atmosphäre  nun  berührenden  Strahlen  etwa  90  Meilen  ober  den  Polen 
vorbei   gehen.     Fig.  3.    Es    sei   E  Fig.  3. 

die    Erde,    A  die  Atmosphäre,    ac  s_  de  S 

die  halbe  Polarachse  des  at- 
mosphärischen Sphäroids  ;  zieht 
man  zur  ac  aus  dem  Puncte  c 
unter  einem  Winkel  von  23°5  zur 
Periferie  die  Linie  cd,  so  wird, 
wenn  gc  die  halbe  Polarachse 
der  Erde  ist,  sowohl  der  Punct  f, 
als  auch  der  Punct  d  23°5  vom 
Pole  entfernt  sein,  d.  h.  zwischen 
dem    66°  und  67°   liegen    und  eine 


Versuch  einer  Erklärung  der  verhiiltnissmiissig  höheren  Temperatur  an  den  Polen  etc.         55 

auf  den  Punct  d  der  cd  gefällte  Senkrechte  SS  wird  diejenigen  Sonnen- 
strahlen vorstellen,  welche  zur  Zeit  der  Solstitien  die  Atmosphäre  tangiren. 
Es    soll    nun    der  Punct   e    beiläufig    90    Meilen  ober  dem  Pole  gelegen  sein. 

Da  es  sich  nicht  um  einen  mathematisch  genau  zu  bestimmenden 
Punct,  sondern  nur  um  eine  annäherungsweise  Berechnung  handelt,  so 
können  wir  bei  der  geringen  Entfernung  des  Punctes  d  vom  Puncto  a  und  bei 
der  geringen  Abplattung  der  Erde  absehen  hievon  und  cd  gleich  setzen   ac. 

Der  Bogen  ad  verhält  sich  nun  zum  Bogen  fg,  sowie  ac  zu  gc; 
oder  Bogen  ad  =  og"  fx  ac,  Bogen  fg  ist  gleich  35°5  X  15  =  352,5 
geogr.  Meilen  ac  =  866.9  und  bc  =  857. 9  geogr.  Meilen;  wobei  bc 
die  halbe  Polarachse  der  Erde  und  ac  die  halbe  Polarachse  der  Erde 
mehr  der  Polhöhe  der  Atmosphäre  repräsentirt.  Es  ist  somit  Bogen  a  d 
=  352-ä8^ä866'9   =    356.,    geogr.    Meilen. 

Es  sind  somit  in  dem  Dreiecke  a  c  d  alle  3  Seiten  bekannt.  Die  Linie 
db  senkrecht  zur  ac  wird  die  Höhe  des  Dreieckes  sein  =  h;  setzen  wir 
ac  =  a,  de  =  b,  ad  =  c  und  ab  —  x,  so  wird  gc  =  a  —  x. 

In  dem  A  adb  wird  ha  =  c2  —  x2 
und    in    dem  A  dbc      „     h2  =  b2  —  (a  —  x)3 


C2- 

-X2 

=3 

b2 

— 

Ca 

— 

x)8 

= 

b2 

— 

a2 

+ 

2ax — x» 

— 

+ 

+ 

C2 — b2  -f  a2  =  2ax 

x  =  c2  —  b8  4-  a2         , 

— ! oder 

2a 

x  =  356.,*  —  866.99   +  866-22 


1733,8 
Dieses    gibt   x  =   73.,  geogr.  Meilen. 

Hieraus    können    wir    nun    den    Punct    e    berechnen.     Zieht   man    die 
Linie    ea,     so    wird   eb    die    Subtangente    zur    Tangente   de    oder    ss    sein. 
eb   besteht   aus    ea    und    ab    =  x.     Nun  ist  nach   der  Formel 
PT   =    2ax    —   xx 
a  —  x, 
wobei    PT    die  Subtangente,    a    die    halbe    Achse    und   x    die   Abscisse   ist, 
In   dem   vorliegenden  Falle   ist   ab  die  Abscisse  =  73.,  geogr.  Meilen 
die    halbe    Achse   a    =    866. 9  geogr.  Meilen,  es    somit 

eb_1733.8  x  73t  —  73.2t  =152     geogr<  Meilen. 
866.9  —  73., 
Da   aber   eb  =  ea  -f-    ab,     und   ab   oder    x    =   ag    -f    gb  und  ag 
=  9    Meilen,    so    wird    eg  =  152.9  —  73.9    -f   9    =   88.8   geogr,  Meilen; 
das    ist    die    ungefähre    Lage    des    Punctes    e    oder    die    Höhe    des   Raumes 
zwischen    den  ungebrochenen   Sonnenstrahlen  und   der   Erde. 

Aber  diejenigen  Sonnenstrahlen,  welche  durch  die  Atmosphäre  hin- 
durch gehen,  werden  bei  ihrem  Uebergange  aus  dem  dünneren  in  das 
immer  dichter  werdende  und  sodann  aus  dem  dichteren  in  das  dünner  werdende 
Medium  diesem  Verhältniss  entsprechend  gegen  die  Pole  zu  gebrochen  und 
werden  somit  nach  der  jeweiligen  Dichtigkeit  der  Atmosphäre  den  Raum 
zwischen  den  ungebrochenen  Strahlen  und  der  Erde  mehr  weniger  gegen 
die  Pole   zu    erfüllen. 


üfi 


.Med.  Dr.  Wilhelm  Barth. 


Betrachten  wir  aber  den  Durchschnitt  des  Schattenraumes,  wie  er 
sich  zu  dieser  Zeit  an  den  Polen  darstellt  in  Figur  4,  dessen  Höhe  aus 
der  obigen  Berechnung  ersichtlich  gemacht  ist ,  so  sehen  wir ,  dass 
die  Höhe  des  ganz  von  Sonnenwärme  entblössten  Baumes  gegen  den  über 
32000  Meilen  tiefen  Schattenraum  der  weiter  von  den  Polen  entfernten 
Breitegrade  so  unverhältnissmässig  klein  ist,  dass  auch  zur  Zeit  der  Winter- 
solstitien  ein  beziehungsweise  ungünstigeres  Verhältnis  rücksichtlich  der 
Wärmeausstrahlung  unzweifelhaft  stattfindet,  was  noch  dadurch  unterstützt 
wird,  dass  die  Sonnenstrahlen  oberhalb  den  Polen  eine  mit  ihrem  Ende 
auf  der  Erde  ruhende  muldenförmige  Decke  bilden,  welche  eine  Aus- 
strahlung, wie  sie  zur  Nachtzeit  an  den  dem  Aequator  näher  liegenden 
Breiten  statt  findet  durch  einen  verhältnissmässig  sehr  kleinen  Durchschnitt 
nur   gegen    das  Innere    des    Schattenraumes    gestattet. 


SS 

r/3 

cr 

GG 

53 

A. 

n 

CD 

c 

= 

5 

crq 

uq 

CD 

— 

r- 

cd 

c 

CA 


cd     2      = 

c-  —     s 


5    g3 

3      2 


CD 


M 


©  «-+-      CD 

cd  2-    c= 

3  CD        "S 

3         N 

3-  CD 


- 

CD 

3 

! — 

o- 

C= 

CD 

as 

a 

ö 

* 

CS 

CD 

CD 

CD 

CD 

cc 

■^ 

© 

— 

CD 

2.   CO 


CD       ü      2 

3      3.        r«         3- 


3*    2      c"      ° 
'       =3       3" 


►3 


Versuch  einer  Erklärung  der  verhältnissmässig  höheren  Temperatur  an  den  Polen  etc.         J>7 

Weiters  dürfte  hiebei  in  Betracht  kommen,  dass  bei  der  fast  mehr 
als  sechs  Monate  ununterbrochen  andauernden  Erwärmung  der  Atmosphäre 
an  den  Polen  diese  bei  dem  vorhandenen  Wasserreichthum  mehr  mit 
Wasserdämpfen  geschwängert  und  daher  auch  mehr  Wärme  zu  binden 
und  in  den  Nachtraum  hinüberzuführen  befähiget  sein  wird,  als  an  jenen 
Orten,  wo  Tag  und  Nacht  in  kürzeren  Zwischenräumen  auf  einander  fol- 
gen und  somit  in  der  bei  Condensirung  dieser  Dämpfe  frei  werdenden 
Wärme  den  Ersatz  für  die  an  den  Nachtraum  abgegebene  Wärme  in  sich 
selber  um  so  längere  Zeit  finden  dürfte,  als  der  ihr  gleichsam  zur  Er- 
wärmung  zugewiesene    Raum    verhältnissmässig    klein  ist. 

Wir  finden  somit,  ausgehend  von  dem  Satze,  dass  die  mittlere  Ta- 
gestemperatur zur  Zeit  der  Tag-  und  Nachtgleichen  annäherungsweise  gleich 
sei  der  mittleren  Jahrestemperatur,  mit  einer  an  Gewissheit  grenzenden  Wahr- 
scheinlichkeit, dass  zur  Zeit  der  Aequinoctien  an  den  Polen  in  Folge  der  ver- 
minderten Wärmeausstrahlung  eine  verhältnissmässig  höhere  Temperatur 
herrsche,  als  in  den  angrenzenden  südlicher  gelegenen  Zonen;  wir  finden 
dasselbe  Verhältniss  auch,  aber  nur  mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  zur  Zeit 
des  Wintersolstitiums  eines  Poles  und  können  somit  schliessen,  dass  es  nicht 
nur  wahrscheinlich,  sondern  auch  möglich  sei,  dass  an  den  Polen  eine  ver- 
hältnissmässig höhere  Temperatur  herrsche,  als  in  den  südlicher  gelegenen 
angrenzenden  Zonen,  und  nach  der  oben  angeführten  Berechnung  zur  Zeit 
der  Aequinoctien  würde  sich  diese  Erscheinung  bis  beiläufig  zum  82°  d.  B. 
erstrecken. 

Dieses  fände  auch  seine  Bestätigung  in  der  Lage  des  Kältepoles,  wel- 
chen Alexander  von  Humboldt  in  seinen  Isotherm-Curven  auf  der  asiatischen 
Seite  unter  dem  79°  auf  der  amerikanischen  Seite  unter  dem  78°  d.  B.  be- 
stimmt und  wir  könnten  somit  auch  annehmen,  dass  die  Entdeckung  Mortons, 
wenn  sie  gleich  unter  Umständen  gemacht  wurde,  die  bei  der  Annahme 
derselben  zur  grösten  Vorsicht  mahnen,  kein  leeres  Trugbild  der  Phan- 
tasie, vielleicht  gemacht  zum  Tröste  und  zur  Aufmunterung  seines  kranken 
und  unbefriedigten  Herrn,  sondern  dass  sie  eine  wirkliche  Thatsache  sei, 
während  die  angeblichen  Entdeckungen  Penny's  und  Inglefield's  nach  dem 
eben  auseinander  gesetzten  Verhältniss  mit  Bestimmtheit  als  unwillkürliche 
oder   absichtliche    Täuschungen    erklärt   werden  müssen. 

In  wie  fern  nun  diese  verhältnissmässig  höhere  Temperatur  an  den 
Polen  geeignet  sei,  jene  glücklichen  Verhältnisse  im  Thier-  und  Pflanzen- 
leben und  den  —  von  den  Schiffern  so  sehnlichst  gesuchten  —  eisfreien 
„Wasserhimmel"  hervorzubringen,  diess  zu  bestimmen,  halte  ich  gegenwär- 
tig für  noch  nicht  möglich.  Es  müssen  da  noch  viele  andere  Fragen  de- 
ren   Lösung  wir   noch    entgegen   sehen,  berücksichtiget   werden. 

Schliesslich  sei  es  mir  noch  gestattet,  aus  der  eben  entwickelten 
Theorie  eine  Ansicht  über  die  mögliche  Entstehung  des  Nordlichtes  ablei- 
ten  zu  dürfen. 

Die  Fähigkeit  der  Atmosphäre  unter  günstigen  Umständen  Wasser- 
dämpfe in  hohem  Grade  aufzunehmen  und  dieselben  sainmt  der  hieran  ge- 
bundenen Wärme  in  den  Nachtraum  hinüber  zu  führen,  dürfte  zur  nähe- 
ren Erklärung  des  Nordlichtes  einige  Beachtung  verdienen,  indem  es  mög- 
lich wäre,  dass  die  durch  anfängliche  Wärmeentziehung  eingeleitete  Con- 
densirung dieser  Dämpfe  so  rasch  und  allgemein  fortgesetzt  würde,  dass 
der  Abfluss  der  dadurch  frei  gewordenen  Wärme,  welcher  an  den  Polen 
nur  nach  innen  zu  statt  finden  könnte,  unter  Lichterscheinungen  erfolgen  würde. 


58  Karl  Sonklar  von  Innstätten. 


VI. 

Über  einige  Ilöhenmessungen  der  Gebrüder  A.  und  II.  Schlagintweit. 

Von 

Karl  Sonklar  von  Innstätten, 

k.   k.  Major. 
Mitgetheilt    in  der  Versammlung:  der   k.  k.  geographischen  Gesellschaft    am   18.   Jänner  1859. 

Im  zweiten  Hefte,  zweiten  Jahrgangs  der  Mittheilungen  der  k.  k.  geo- 
graphischen Gesellschaft,  deren  Mitglied  zu  sein  auch  ich  die  Ehre  habe, 
findet  sich,  gleich  auf  der  ersten  Seite  beginnend,  eine  Besprechung  der 
von  den  Gebrüdern  Schlagintweit  im  Jahre  1848  ausgeführten  barometri- 
schen Höhenbestimmung  des  Grossglockners,  welche  bekanntlich  die  Zahl 
von  12158  P.  F.  =  12494  W.  F.  lieferte.  Wäre  diese  Angabe  richtig, 
so  würde  dieser  allerdings  sehr  schöne  Alpengipfel  den  Ortles  um  nicht 
weniger  als  140  Fuss  Höhe  übertreffen,  und  demnach  der  höchste  Punct  der 
österreichischen  Monarchie  und  Deutschlands  sein.  Jene  Besprechung  rührt 
von  dem  Herrn  P.  Urlinger,  Benefiziat  zu  Gresten  her,  und  tadelt 
zuerst  mit  Grund  das  übermässige  Vertrauen,  welches  die  Gebrüder  Schlag- 
intweit in  ihre  barometrisch  gewonnenen  Höhenzahlen  ,  gegenüber  denjeni- 
gen setzen,  welche  auf  trigonometrischem  Wege  zu  Stande  gebracht  wur- 
den, und  weist  im  Verfolg  die  mögliche  Grösse  des  Fehlers,  und  daher 
die  Unzuverlässigkeit  des  erstgenannten  hypsometrischen  Verfahrens  über- 
haupt und  besonders  für  den  Fall  nach,  wenn  die  correspondirende  un- 
tere   Station   allzuweit    von    dem    zu    messenden    Höhenpuncte    entfernt    liegt. 

Hiedurch  angeregt  erlaube  ich  mir  die  Aufmerksamkeit  der  löblichen 
Gesellschaft  auf  einige  andere  Höhenbestimmungen  zu  lenken,  welche  von 
den  Gebrüdern  Schlagintweit  in  den  Werken:  „Untersuchungen  über  die 
physikalische  Geographie  und  Geologie  der  östlichen  Alpen"  und  „Neue 
Untersuchungen  über  die  physikalische  Geographie  und  Geologie  der  Alpen" 
veröffentlicht  wurden,  und  die  theils  dasselbe  Uebermass  von  Vertrauen 
in  ihre  mit  dem  Barometer  erzielten  Resultate,  gegenüber  den  trigono- 
metrischen Ergebnissen,  und  theils  die  Anwendung  eines  hypsometrischen 
Verfahrens  zeigen,  welches  wenig  geeignet  ist,  jenes  grosse  Selbstver- 
trauen zu  rechtfertigen.  Man  hört  zwar  von  manchen  Seiten,  und  beson- 
ders von  Denjenigen,  welche  unsere  Alpen  und  ihre  natürlichen  Verhält- 
nisse genauer  kennen,  über  die  nicht  immer  zulängliche  Begründung  der 
von  den  Gebrüdern  Schlagintweit  ausgesprochenen  Sätze  und  Ansichten 
klagen,  dennoch  aber  sind  bisher  diese  Klagen  nur  selten  offen  ausgespro- 
chen worden,  und  auser  Herrn  Urlinger  in  Gresten,  hat  es  meines  Wis- 
sens nur  noch  Otto  Sendtner  in  München  unternommen,  einzelne  Ergebnisse 
S  c  h  1  a  g  i  n  t  w  e  i  t'scher  Naturforschung    zu    kontestiren  *) .      Wenn   ich    nun 


*)  Siehe  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reiehsanstalt,  1850  Nr.  2  pag.  301  „Berichti- 
gungeiniger Angaben  Schlagintweit's  in  Betreff  der  Isogeothermen  der  Alpen;  von  Otto 
Sendtner."  Abgedruckt  aus  der  Zeitschrift  „Flora*  Nr.  7,  1850.  Dieser  Aufsatz  bezieht 
sichauf  die  von  den  Gebrüdern  Schi  agintweit.  aus  38  Quellenbeobachtungen  versuchte 
Construction  der  Isogeothermen  für  jeden  einzelnen  Temperaturgrad,  sowohl  für  die  Cen- 
tralalpen  vom  Ankogel  bis  Nauders,  als  auch  für  die  nördlichen  Kalkalpen  und  für  die 
südlichen  Abfälle."  Untersuchungen  etc.  S.  248. 


t'eber  einige  Höhenmessungen  der  Gebrüder  Schlagintweit.  59 

im  Folgenden  diese  und  jene  Höhenbestimmung  der  Gebrüder  Schlagint- 
weit einer  etwas  strengeren  Kritik  unterziehe,  so  will  ich  damit  meine  Ach- 
tung vor  den  Talenten  und  den  wissenschaftichen  Verdiensten  dieser  Herren 
nicht  verläugnen;  ich  möchte  damit  nur  der  Wahrheit  gerecht  werden,  und 
es  nebenher  beklagen,  dass  hie  und  da  Früchte  des  Denkens  und  mühevoller 
Arbeit  früher  vom  Baume  der  Erkenntniss  gepflückt  wurden,  als  sie  ihre 
volle  Reife  erlangten. 

Wie  es  nun  die  Gebrüder  Schlagintweit  mit  ihrer  Höhenbestimmung 
des  Grossglockners  gethan,  so  thaten  sie  es  auch  mit  der  des  Sinnlaun  in 
Tirol  und  des  Monte  Rosa  in  den  penninischen  Alpen.  Auch  hier  stellten  sie 
die  von  ihnen  barometrisch  gefundenen  Höhenzahlen  entweder  über  dieje- 
nigen, die  sich  aus  verlässlichen  trigonometrischen  Operationen  ergaben,  oder 
sie  vermengten  beide  Ergebnisse  miteinander,  und  zogen,  ohne  Rücksicht  auf 
den  ungleich  höheren  Verlässlichkeitsgrad  des  trigonometrischen  Verfahrens, 
das  arithmetische  Mittel  aus  beiden.  Ja  in  der  auf  Seite  196  der  „Untersu- 
chungen über  die  physikalische  Geographie  und  Geologie  der  östlichen  Alpen" 
wird,  in  einer  Zusammenstellung  der  wichtigsten  Erhebungen  der  Alpen,  bei 
dem  Grossglockner  des  Ergebnisses  der  trigonometrischen  Messung  nicht  ein- 
mal gedacht.  *)  Nun,  es  ist  freilich  nicht  Jedermanns  Sache  genau  zu  wissen, 
in  welcher  Art  die  grossen  geodätischen  Operationen,  wie  z.  B.  die  Triangu- 
lirung  eines  Landes,  ausgeführt  werden;  mit  welcher  extremen  Genauigkeit, 
Umständlichkeit  und  Gewissenhaftigkeit  dabei  zu  Werke  gegangen  wird,  und 
wie  verlässlich  ihre  Resultate  sind.  Werden  bei  solchen  Gelegenheiten  doch 
einzelne  Winkel,  namentlich  wenn  sie  dem  Hauptdreiecknetze  angehören, 
60 — 100  Mal,  und  selbst  noch  öfter,  beobachtet,  u.  z.  mit  Instrumenten,  die 
an  Güte  und  Schärfe  nichts  zu  wünschen  übrig  lassen.  Auch  hat  es  hier  die 
Höhenrechnung  nicht  mit  so  unsicheren  Elementen  zu  thun,  als  es  einige  der- 
jenigen sind,  deren  Anwendung  die  Barometerformel  erheischt.  Nur  bei  die- 
ser grossen  relativen  Sicherheit  von  umsichtig  ausgeführten  trigonometrischen 
Höhenmessungen  konnte  es  z.  B.  kommen,  dass  bei  der  vor  einigen  Jahren, 
gelegenheitlich  der  Triangulirung  von  Tirol  durch  das  k.  k.  Milit.  Ingenieur-Geo- 
graphenkorps, geschehenen  Höhenbestimmung  des  Ortlesgipfels,  der  Unter- 
schied zwischen  dem  Maximum  und  Minimum  der,  durch  Kollenation  aus 
zwölf  verschiedenen  Standpunkten  hervorgegangenen  Höhenwerthe,  nur  etwas 
über  3  W.  Fuss  beträgt.  Für  den  Grossglockner  ergab  sich  dieser  Unterschied, 
nach  den  Rechnungsergebnissen  aus  7  verschiedenen  Zenitdistanzen  mit 
6  W.  Fuss**)  —  Wer  nun  dies  Alles  kennt  und  erwogen  hat,  der  wird  dort, 
wo  eine  nach  ihrer  Quelle  verlässliche  trigonometrische  Höhenbestimmung 
vorhanden  ist,  eine  barometrische  nur  allenfalls  desshalb  anstellen,  um  an 
jener  den  Grad  ihrer  Verlässlichkeit  zu  erproben,  nie  aber    wird    er  sie  bei 


*)  An  einem  anderen  Orte  aber  (S.  167)  wird  das  trigonometrische  Resultat  ver- 
dächtigt und  die  Möglichkeit  ausgesprochen,  dass  die  Toisenzahl  der  vom  Professor 
Schi  egg  barometrisch  aufgefundenen  Höhe  des  Grossglockners,  auf  eine  nicht  näher  er- 
läuterte Weise,  für  Wiener  Klafter  genommen  und  als  Ergebniss  der  trigonometrischen 
Vermessung  ausgegeben  wurde ;  —  alles  dies  bloss  auf  die  Annäherung  (nicht  Gleich- 
heit)   beider   Zahlen  geschlossen;  ihr   Unterschied   beträgt  noch   immer   1,  42. 

**)  Einen  nicht  minderen  oder  vielmehr  noch  glänzenderen  Beweis  über  die  Schärfe 
der  trigonometrischen  Operationen  liefern  die  von  Weiden  in  dem  Werke  „der  Monte 
Rosa"  S.  25 — 26  mitgetheilten  Ergebnisse  der  durch  Carl  ini,  dann  durch  die  französischen 
und  österreichischen  Triangulatoren  ausgeführten  Höhenbestimmungen  des  Montblanc,  de- 
ren Mittel  nur  um  1,  3  Fuss  von  einander  abweichen.  Die  respektiven  Höhenzahlen  sind  näm- 
lich 2460,0,  2460,1  und  2461,3  Toisen. 


60  Karl   Sonklar    von   Innstätten. 

Mittelziehungen    mit    der    trigonometrischen    vermengen    oder    sie    gar    üher 
diese  stellen. 

Ein  solches  willkührliches  und  unkritisches  Vermengen  trigonometrisch 
und  barometrisch  gewonnener  Höhenzahlen  haben  die  Gebrüder  Schlag- 
intweit  bei  der  Höhenbestimmung  des  Monte  Rosa,  Seite  65 — 69  der 
„Neuen  Untersuchungen"  für  zulässig  erachtet.  Ihre  eigene  Höhenberech- 
nung bezieht  sich  auf  die  Ablesung  von  nur  zwei  Barometerstanden, 
welche  mit  den  korrespondirenden  Barometerständen  von  Bern,  Genf,  dem 
St.  Bernhard,  Aosta,  Mailand  und  Turin  verglichen  wurden,  und  zur  Auf- 
findung von  12  Höhenwerthen  führten,  von  denen  der  grösste  und  kleinste 
eine  Differenz  von  184  P.  Fuss  zeigen.  Dieser  grosse  Unterschied  kann 
niemand  Wunder  nehmen,  wenn  man  bedenkt,  dass  die  geradlinige  Ent- 
fernung des  Monte  Rosagipfels  von  Aosta  6*/lP  vom  gr.  St.  Bernhard 
81/,,  von  Turin  131/,,  von  Mailand  15%,  von  Genf  18*/«  und  von  Bern 
192/3  geographische  Meilen  beträgt.  Die  meisten  dieser  Stationen  sind  für 
einen  Vergleich  der  Barometerstände  viel  zu  weit  von  dem  Monte  Rosa 
entfernt  und  stehen  ausserdem,  da  sie  theils  auf  der  nördlichen,  theils 
auf  der  südlichen  Seite  der  centralen  Alpen-Kette  liegen,  unter  verschie- 
denen klimatischen  Bedingungen.  Die  Vervielfältigung  eines  unrichtigen 
Verfahrens  bringt  jedoch  offenbar  das  Ergebniss  der  Wahrheit  nicht  näher, 
und  so  war  es  auch  hier  unnütz,  die  Höhenrechnung  unter  dem  gewiss 
nur  schädlichen  Einftuss  so  vieler  weit  entfernter  Stationen  zu  stellen, 
da  doch  der  Vergleich  des  Barometers  mit  Aosta  und  dem  gr.  St.  Bern- 
hard einen  ohne  Zweifel  verlässlicheren  Höhenwerth  zum  Vorschein  ge- 
bracht   hätte. 

Nichts  destoweniger  stellen  die  Gebrüder  Schlagintweit  ihre  auf  diese 
Weise,  und  aus  nur  zwei  Ablesungen  des  Barometers  erhaltene  Höhen- 
zahl für  den  höchsten  Gipfel  des  Monte  Rosa,  denjenigen  ebenbürtig 
zur  Seite,  welche  sich  aus  trigonometrischen  Messungen  ergeben  haben. 
Ja  noch  mehr,  sie  betrachten  ihre  Zahl  als  das  wahre  Mittel  aus  den 
vorhandenen  trigonometrisch  erhaltenen  Werthen,  und  erklären  sie  dem- 
nach als  allein  richtiges  Ergebniss.  An  trigonometrischen  Höhenbestimmun- 
gen dieses  Berggipfels  sind  aber  nicht  weniger  als  13  vorhanden,  deren 
Resultate  aber  freilich  etwas  weit  von  einander  abweichen.  Sie  sind  je- 
doch unter  sich  offenbar  von  sehr  ungleichem  Werthe,  und  wurden  grös- 
tentheils  aus  Zenitdistanzen  berechnet,  welche  im  lombardischen  Tieflande 
also  aus  grosser  Entfernung  und  unter  starker  Lichtrefraktion  gemessen 
wurden.  Aus  diesem  Grunde  können  auch  diejenigen  absoluten  Höhen  des 
Monte  Rosa,  die  aus  den,  auf  den  Observatorien  zu  Mailand  und  Turin, 
zu  Novara,  Vigevano,  Madonna  di  Crea,  Mondovi  S.  Colombano  und  auf 
der  Superga  bei  Turin,  beobachteten  Zenitdistanzen  abgeleitet  worden 
sind,  weder  als  gleichwerthig  unter  sich  und  noch  weniger  als  gleich- 
wertig mit  jenen  betrachtet  werden,  welche  von  Weiden  und  Berchtold 
durch  Winkelmessungen  aus  grosser  Nähe  erhalten  wurden.  Der  damalige 
Oberst  im  k.  k.  Generalstabe  Freiherr  von  Weiden  machte  seine  Beob- 
achtungen auf  dem  Monte  Camera,  etwa  anderthalb  geographische  Meilen 
östlich  des  Monte  Rosa,  mit  der  Verlässlichkeit  eines  gewandten  Triangu- 
lators  und  gestützt  auf  die  Kenntniss  einiger,  durch  die  grosse  Triangu- 
lirung  der  Sesia  in  den  Jahren  1803 — 6  genau  bekannt  gewordener 
Puncte.  Canonikus  Berthold  von  Sitten  in  Wallis  aber  operirte  auf  der 
nördlichen    Seite  des   Gebirges. 


l'eber  einige  Höhenmcssungen  der  Gebrüder  Schlagintweit. 


61 


Wenn  wir  es  nun  versuchen,  die  wahrscheinliche  Höhe  der  höch- 
sten Spitze  des  Monte  Rosa  aus  den  vorhandenen  trigonometrischen  Er- 
gebnissen abzuleiten,  so  werden  wir  hiebei  die  von  Oriani  gefundenen 
drei  Höhenzahlen  aus  dem  Grunde  nicht  berücksichtigen,  weil  er  bei 
ihrer  Berechnung  den  Refraktionscoeffizienten  =  y4,  also  viel  zu  hoch 
annahm,  und  desshalb  auch  allzu  grosse  Zahlen  erhalten  musste.  Die  Ver- 
besserung seiner  Rechnung  aber  ist  unthunlich,  weil  die  von  ihm  beobach- 
teten Zenitabstände  unbekannt  sind.  Ich  glaube  nun  nicht  zu  fehlen,  wenn 
ich  bei  den  übrigen  10  trigonometrischen  Höhenbestimmungen  den  rela- 
tiven Werth  jeder  einzelnen,  dadurch  bestimme,  dass  ich  die  gefundenen 
Höhen  zur  relativen  Entfernung  der  Puncte,  auf  welchen  die  Zenitdistan- 
zen beobachtet  wurden,  von  dem  Monte  Rosa  —  in  verkehrter  Ord- 
nung proportional  setze.  Hiedurch  wird  bei  der  Mittelziehung  aus  der 
Summe  der  auf  diese  Weise  erhaltenen  Höhenwerthe,  das  einem  nähe- 
ren Standpuncte  entsprechende  Resultat  die  ihm  gebührende  höhere  Gel- 
tung erhalten.  Die  nachfolgende  Tabelle  zeigt  Detail  und  Ergebniss  dieser 
Rechnung. 


Nr. 

Beobachter 

Beoabchtungsstation 



Relative  Entfer- 
nungen d.  Beob- 
achtung-sstatio- 
nen  v.  Sit.  Rosa 

Diese  Entfer- 
nungen  um- 
gekehrt 

Gefundene 
absolute  Hö- 
hen des  Mt. 
Rosa (höch- 
ster Gipfel) 

Relative 
Werthe  die- 
ser Höhen- 
zahlen 

1 
2 

3 
4 
5 
6 
7 
8 
9 
10 

Freih.  v.  Weiden 

Monte  Carnero 

1 

1,000 

2370t 

2370t 

Carliniu.  Plana*) 

Observatorium  zu  Mai- 
land 

9 

0,111 

2374t 

263t,8 

Neues  Observatorium 
zu  Turin 

8 

0,125 

2343t 

292% 

Kuppel  der  Superga 
bei  Turin 

8 

0,125 

2357t 

294t,6 

Thurm  zu  Mondovi 

13% 

0,074 

2319t 

*71t,6 

Oberst 
Corabocuf 

Mad.    di  Crea 

6 

0,166 

2378»,7 

306t.4 

Novara 

6 

0,166 

2376t,7 

396t,  i 

Vigevano 

8 
12 

0,125 

2383t,9S 

298% 

S.    Colombano 

0.083 

2383t,95 

187t,9 

Berchtold 

»             » 

1 

i 

1,000 

2377t,95 

2377t,95 

Sn  im 

ne    .    . 

2,957    | 

»         » 

7049%5 

Durch    Mittelziehung    ergibt   sich    somit   die    wahrscheinliche  Höhe  des 
höchsten    Monte-Rosa-Gipfels    mit 

2a69,5    Toisen  =   14217,«,    P.  Fuss 

Ich  habe  es    nicht  für  nöthig  erachtet,  die   von    Weiden  und  Carlini 
erhaltenen    Höhenzahlen,    nach    Delcros'    Vorschlag    um    -f-    8  M.    zu   korri- 


*)   Die  Gebrüder  Schlagintweit  setzen  das  Mittel  aus  den  Messungen  von  C  arl  ini 
und    Plana   mit  4619.6M.  =  2370,8t  an;    dasselbe  beträgt  jedoch  nur  4576,3M,  =  2348,8t 


62  Karl    Sonklar    von    Innstütten. 

giren,  da  es  bekannt  ist,  dass  bei  der  Verbindung  der  österreichischen 
Triangulirung  mit  der  französischen  durch  die  Schweiz,  dann  mit  der 
gleichfalls  von  österreichischen  Offizieren  im  Kirchenstaate  und  in  Toskana 
ausgeführten  sich  in  den  vom  adriatischen,  mittelländischen  und  atlantischen 
Meere  abgeleiteten  Höhenmassen  eine  so  kleine  Differenz  ergab,  dass  sie 
Bruchtheile    eines    Meters    nicht    überstieg.  *) 

Zum  Grossglockner  zurückkehrend  will  ich  nur  noch  erwähnen,  dass 
bei  der  Triangulirung  Tirols  in  den  Jahren  1851  — 1852  seine  absolute 
Höhe  mit  12011,3i  W.  Fuss  aufgefunden  worden  ist;  hält  man  dieser  Zahl 
das  Ergebniss  der  früheren  Triangulirung  mit  11991j06  W.  F.  entgegen 
so  ergibt  sich  ein  Unterschied  von  20,28  W.  F.  und  ein  Mittel  von 
12001,o  W.  F.  Die  von  den  Gebrüdern  Schlagintweit  barometrisch  ge- 
fundene Höhe  ist  sonach  um  nicht  weniger  als  493  W.  F.  zu  gross. 
Der  Grossglockner  ist  daher  nicht  nur  nicht  der  höchste,  sondern 
sogar  erst  der  dritte  Gipfelpunct  Oesterreichs  und  Deutschlands,  denn 
es    beträgt    die    Seehöhe 

1.  des  Ortles      j™*   d"   »T  ^^fSf  lää'  '{»litt.  12354,9  WF. 

Inachder  Triangulirung  v.  J.  1852  12358,  ,) 

2.  der    Königs-jnaeh    der    älteren  Triangulirung  12198,38] 

wand  oderdes  nach     der     Triangulirung     vom  Mitt.  12189,8  WF. 

M.  Zebrü  /Jahre    1852 1218i,17] 

3.  des  Grossglockners,    siehe    oben 12001« WF, 

Eine  andere  absonderliche  Höhenbestimmuug  ist  durch  die  Gebrüder 
Schlagintweit  an  dem  östlichen  Gipfel  der  Wild  spitze  im  Oetzthale 
im  September  1847  ausgeführt  worden.  Sie  bedienten  sich  hiezu  nicht 
einmal  eines  Barometers,  sondern  des  Hypsometers,  und  beobachteten  ver- 
mittelst desselben  den  Siedepunct  des  Wassers  nicht  auf  dem  erwähnten 
Gipfel  selbst,  sondern  an  einem  windstillen,  um  etliche  Hundert  Fuss  tie- 
fer liegenden  Orte,  wobei  sie  sofort  den  horizontalen  Abstand  und  die 
relative  Höhe  des  eigentlichen  Gipfels  über  ihrem  Standpuncte  mit  Hilfe 
des    Porrhometers    trigonometrisch    ausmittelten.**) 

Nun,  wer  immer  mit  physikalischen  Dingen  nur  etwas  inniger  ver- 
traut ist,  der  kennt  auch  gewiss  die  theoretische  Trefflichkeit  und  prak- 
tische Unverlässigkeit  des  Hypsometers.  Diess  ist  die  Ursache,  welche  die 
häufigere  Anwendung  dieses  sonst  leicht  handlichen,  compendiösen  und 
gut  transportablen  Instrumentes  bisher  verhindert  hat.  Man  weiss,  welche 
unüberwindlichen  Schwierigkeiten  die  correkte  und  zweifelfreie  Ausmitt- 
lung  des  Siedepunctes  für  den  normalen  Barometerstand  darbietet,  wel- 
chen beträchtlichen  und  jedem  Kalkül  sich  entziehenden  Kapazitätsverände- 
rungen das  Thermometergefäss  unterworfen  ist,  wie  leicht  sich  desshalb 
von  einem  Tag  zum  anderen  der  Siedepunct  bei  demselben  Luftdruck 
verschiebt,  und  wie  es  desshalb  unmöglich  ist,  eine  Kongruenz  des  fak- 
tischen Siedepunctes,  mit  demjenigen,  den  bei  einem  bestimmten  Barome- 
terstande die  Bechnung  ergibt  zu  erzielen.  Dass  dadurch  die  richtige 
Auffindung    des    Luftdruckes    aus   dem    beobachteten    Siedepuncte    des    Was- 


*)  Siehe  den  „Bericht  über  die  in  den  Jahren  1847 — 18ol  ausgeführte  Verbin- 
dung der  österreichischen  und  russischen  Landesvermessung-' von  Karl  von  Littrow,  im 
o.  Bande  der  Denkschriften,   math.  naturw.  Klasse,  der  k.  k.  Akademie  der  Wissenschaften. 

**)  Siehe  „Untersuchungen  über  die  physikalische  Geographie  und  Geologie  der 
östlichen  Alpen"  S.  187. 


l'eber  einige  Höhenmessungen  der  Gebrüder  Schlagintweit.  63 

sers  höchst  problematisch  sein  muss,  versteht  sich  wohl  von  selbst.  Und 
dennoch  berufen  sich  die  Gebrüder  £chlagintweit,  um  ihre  Verwendung 
des  Hypsometers  zu  rechtfertigen,  auf  die  Autorität  des  englischen  Phy- 
sikers Chri  stie,*)  Hören  wir  jedoch  welches  Urtheil  dieser  über  das  Hyp- 
someter  fällt.  Chri  stie  unternahm  eigens  eine  Reise  in  die  Alpen,  u.  z. 
in  die  Umgebungen  des  Montblanc,  um  die  Anwendbarkeit  des  erwähnten 
Instrumentes  zu  erproben.  Vorher  aber  trug  er  Sorge,  die  Richtigkeit  des 
Siedepunctes  seines  Instrumentes  in  Genf  nach  einem  Normalbarometer  zu 
prüfen,  wodurch  er  die  Correction  gewann,  die  die  Angaben  des  Hypso- 
meters zu  jener  Zeit  erheischten.  Er  mass  nun  eine  Anzahl  Höhen,  und 
fand  manche  um  400 — 500  Fuss  höher  als  sie  andere  auf  anderem  Wege 
gefunden  hatten.  Bei  seiner  Heimkehr  untersuchte  er  abermals  den  Siede- 
punkt seines  Instrumentes,  und  war  nun  erstaunt,  als  sich  jetzt  die  Cor- 
rection ganz  anders  herausstellte  als  zu  Genf  vor  dem  Antritte  seiner 
Reise,  ohne  dass  er  sich  jedoch  eine  genaue  Rechenschaft  über  die  Ur- 
sache dieser  Veränderung  zu  geben  wusste.  Alle  diese  Umstände  nöthig- 
ten  Christi  e  endlich  zu  folgendem  Ausspruche  über  das  Hypsometer: 
„Since  however  perfect  it  may  be  theoretically,  when  stationary,  it  can 
never  be  of  practica!,  benefit,  unless  it  be  of  such  a  construction  as  to 
bear  the  concussions  and  shaking,  it  must  be  necessarily  exposed  to, 
when  conveyed  in  the  manner  in  which  it  can  alone  arrive  at  the 
point ,  where  its  agency  is  reqnired."  **)  Wie  kommt  es  nun,  dass  die 
Gebrüder  Schlagi  ntweit  die  Anwendung  des  Hypsometers  auf  diesen  Auf- 
satz von  Christie  stützen,  der  vollkommen  geeignet  ist,  von  dem  Gebrauche 
jenes    Instrumentes    abzuschrecken? 

Sei  dem  jedoch  wie  ihm  wolle;  die  Gebrüder  Schlagi  ntweit  massen 
mittelst  des  Hypsometers  die  Höhe  ihres  Standortes  auf  dem  Abhänge  des 
östlichen  Gipfels  der  Wildspitze  zu  11057,!  P.  F.  —  Wie  aber  waren 
sie  sofort  im  Stande  die  Ueberhöhung  des  Gipfels  um  432  Fuss  mit  Hilfe  des 
Porrhometers  trigonometrisch  auszumitteln.  Das  Porrhometer  ist  ein 
kleines,  in  seiner  Leistungsfähigkeit  sehr  beschränktes  Winkelmass-Instru- 
mentchen ,  das  nicht  einmal  genau  nivellirt  werden  kann,  und  das,  wenn 
es  viel  leistet,  etwa  noch  '/l0  Grade  angibt.  Wird  nun  auch  angenommen, 
dass  es  möglich  war,  den  Vertikahvinkel  zum  Gipfel  bis  auf  1  Minute 
genau  anzugeben,  wie  aber  fanden  die  Messenden  den  horizontalen  Abstand 
des  Gipfelpunctes,  ohne  dessen  Kenntniss  die  Höhenrechnung  trigonome- 
trisch   gar    nicht   geführt    werden    kann? 

Welchen  Zweck  hat  es  wohl  mit  Höhenbestimmungen,  die  auf  die 
eben    beschriebene    Weise    erlangt    werden? 

Ohne  Zweifel  war  es  dasselbe  oder  ein  an  Verlässlichkeit  ähnliches 
Verfahren,  durch  welches  die  Gebrüder  Schlagintweit  theils  auf  der  Vin- 
centpyramide theils  auf  den  Firnmeeren  des  Gorner-  und  des  Lysglet- 
schers,  einige  Winkel  massen,  und  sich  dadurch  berechtigt  glaubten,  die 
von  Weiden,  mit  der  Gediegenheit  und  Schärfe  der  trigonometrischen 
Methode,  für  die  verschiedenen  Gipfel  des  Monte  Rosa-Stockes  aufgefun- 
denen Höhenzahlen  zu  corrigiren.  So  lesen  wir  z.  B.  Seite  73  der 
„Neuen   Untersuchungen"    in    dem    mit     „4.     Signalkuppe"     überschriebenen 


*)  „Untersuchungen  etc."  S.  38ö. 

**)   J.  Christie:    vOn   the  use   of  the  barometric   thermometer  for   the   determination 
of  relative  heights"   in   den    Philosophical   Transactions,    1846,    II,   S.   132. 


64  Karl  Sonklar  von  Innstätten. 

Absätze:  „v.  Weiden  gibt  als  Resultat  seiner  trigonometrischen  Bestim- 
mungen 2336.J  T.  =  14016':  allein  er  hebt  zugleich  (S.  37)  den  ge- 
ringen Höhenunterschied  hervor,  welcher  zwischen  der  Zumsteinspitze  und 
der  Signalkuppe  besteht.  Er  fand  ihn  nur  1,75  Toisen.  Einige  Winkel, 
die  wir  bestimmten,  zeigten  uns,  dass  diese  Differenz  wohl  etwas  grösser 
angenommen  werden  müsste,  nämlich  zu  6,5  M.  oder  20  Fuss  etc."  Ange- 
sichts der  verhältnissmässigen  Schärfe  der  trigonometrischen  Höhenbestimmung 
wäre  es  wohl  am  Platze  gewesen,  die  Correction  der  Welden'schen  Höhen- 
zahl etwas  strenger  zu  motiviren,  wenn  sie  —  die  Correction  nämlich  — 
als  wirklich  statthaft  erachtet  werden  soll.  Im  übrigen  findet  sich  bei  der 
Besprechung  der  Höhen  der  9  Gipfel  des  Monte  Rosa  in  dem  genannten 
Werke  mehrfach  eine  Mittelziehung  aus  trigonometrischen  Ergebnissen  mit 
anderen,  die  theils  mit  dem  Barometer,  theils  auf  noch  weniger  verlässliche 
Weise  erzielt    wurden. 

Zum  Schlüsse  will  ich  nebenher  nur  noch  der  von  den  Gebrüdern 
Schlagint  weit  um  circa  1000'  zu  tief  gefundenen  Ausgangshöhe  des  Roth- 
moosgletschers im  Gurglerthale  *)  der  aus  einer  einzigen  Bestimmung  ab- 
geleiteten mittleren  Höhe  der  unteren  Schneegrenze  für  die  westtirolischen 
Centralalpen  per  8300 Fuss**), und  endlich  der  ganz  willkührlichen  Annahme  der 
Ausgangshöhe  des  Langtauferer-,  Petzthaler(?)-  und  Gepaatschgletschers  ***) 
Erwähnung  thun. 


*)  „Untersuchungen"  S.  188. 

**)  Ibidem.  S.  187  und  Tabelle  S.  498  und  Neue  Untersuchungen  S.  306.  —    Dies 
lehrt  nicht  bloss  die  wirkliche  Messung,  sondern  auch  der  Augenschein. 
***)  Neue  Untersuchungen  etc.  S.  504. 


VII. 

Die  geographische  Breite  von  Innsbruck. 

Von 
Eduard  Pechmann, 

Major  im  k.  k.  Militär-Ingenieur-Geographen-Corps. 
Mitgetheilt  in  der  Versammlung  der  k.  k.    geographischen  Gesellschaft  am   1.  Februar  1859. 

Bekanntlich  wird  bei  einer  geodätischen  Vermessung  zur  Orientirung 
des  trigonometrischen  Netzes  auch  die  geographische  Breite  und  das  Azimuth 
auf  einer  Station  astronomisch  bestimmt,  und  durch  Rechnung  mittelst 
sehr    genauer    Formeln    auf   die    anderen    Puncte  übertragen. 

Bei  einer  grossen  Ausdehnung  des  trigonometrischen  Netzes  werden 
diese  astronomischen  Beobachtungen  gewöhnlich  an  mehreren  Puncten  eini- 
ger Meridiane  und  Parallele  gemacht,  um  ihre  Uebereinstimmung  mit  den 
durch  die  Rechnung  auf  geodätischem  Wege  erhaltenen  Resultaten  zu 
prüfen. 

So  wie  nun  eine  Uebereinstimmung  dieser  auf  zweifachem  Wege 
erlangten  Resultate  in  den  allgemein  geduldeten  engen  Fehlergrenzen  auf 
die  Güte  und  Gelungenheit  beider,  nämlich  der  astronomischen  und  terres- 
trischen Operationen  schliessen  lässt;  ebenso  gut  muss  eine  Abweichung 
in  den  beiden  Resultaten  zur  Erkenntniss  führen,  dass  bei  einer  oder 
der  andern  dieser  Operationen  Fehler  oder  Störungen  zu  Grunde  liegen, 
welche  diese  Abweichung  verursachen,  und  man  wird  durch  die  Anwen- 
dung der  geeigneten  Prüfungsmittel  bald  zur  richtigen  Beurtheilung  kom- 
men,   worin    diese    Fehler    oder    Störungen    bestehen. 

Im  Allgemeinen  zeigte  sich  bei  den  bisher  bekannten  Vermessungen 
der  verschiedenen  Länder  in  den  meisten  Fällen  eine  erfreuliche  Ueber- 
einstimmung in  diesen  Resultaten;  jedoch  gibt  es  auch  Unterschiede,  unter 
denen    sogar    bedeutende    aufgezählt    werden    können. 

Wir  wollen  hier  einige  nennen.  So  ist  z.  B.  die  Breite  des  Obser- 
vatoriums von  Calton  Hill  in  Schottland  durch  astronomische  Beobachtungen 
bestimmt  55.°  57.'  23, "20,  hingegen  von  den  bestbestimmten  Puncten 
Grossbrittaniens  auf  geodätischem  Wege  abgeleitet  nur  55.°  57.'  17,"57, 
daher  erstere  um  5, "63  zu  gross.  In  Indien  ergaben  die  astronomischen 
Beobachtungen  zwischen  den  äussersten  Stationen  des  nördlichen  Bogen- 
theiles,  südlich  vom  Himalaya-Gebirge,  nämlich  zwischen  Kalianpur  und 
Kaliana  einen  Bogen  von  5.°  23.'  37,"058;  dagegen  die  Triangulirung 
o.o    23.'    42,"294,    daher  um  5,"236  mehr    als    die    erstere. 

So  besteht  der  Unterschied  zwischen  der  beobachteten  und  berech- 
neten Breite  zwischen  Born  und  Bologna  in  6, "84;  zwischen  Rom  und 
Florenz  in  14, "04;  zwischen  Venedig  und  Florenz  in  20, "22  Sekun- 
den   u.    s.    w. 

Natürlich  fehlt  es  dann  auch  in  der  Uebereinstimmung  der  Azimuthe 
und  zwar  immer  noch  bedeutender,  weil  die  vielen  zwischen  solchen  Ver- 
gleichsstationen gemessenen  Winkel  in  der  Summe  ihrer  wenn  noch  so 
geringen  Fehler  im  geodätischen  Resultate  weit  mehr  auf  das  Azimuth, 
als    auf   die    berechnete    Breite    einfliessen. 

Mittheilungen  der  k.  k.  geogr.  Gesellschaft.  III.  Bd.  II.  Heft.  e 


66  Eduard  Pechmann. 

Bei  der  grossen  Verlässlichkeit,  womit  die  meisten  der  neueren 
geodätischen  Vermessungen  ausgeführt  sind  und  ihre  Controllen  in  der 
Uebereinstimmung  zwischen  den  gemessenen  Basen  erhalten,  sind  die  Stö- 
rungen, welche  diese  Abweichungen  in  den  Resultaten  verursachen,  nur 
in  den  astronomischen  Beobachtungsstationen  vorhanden,  und  in  einer  von 
Gebirgsmassen,  oder  überhaupt  von  Unregelmässigkeiten  in  der  Gestalt 
und  Dichtigkeit  der  Erdoberfläche  verursachten  Lokal-Attraction,  oder  An- 
ziehung begründet,  die  eine  Abweichung  der  Lothlinie,  daher  unrichtige 
oder   von    der    Attraction    beeinflusste    Beobachtungsresultate    kundgeben. 

Die  erste  Constatirung  der  Anziehung  von  Gebirgsmassen  bei  astro- 
nomischen Beobachtungen  machte  Dr.  Maskelyne  im  Jahre  1774  bei 
dem  Berge  Schehallien  in  Schottland;  wenigstens  war  sie  bis  dahin  die 
einzige  mit  Erfolg  ausgeführte.  Er  beobachtete  mit  einem  Sector  die 
Zenithdistanzen  einer  bedeutenden  Anzahl  Sterne  am  Fusse  des  Berges, 
und  zwar  im  Süd  und  Nord  desselben,  und  fand  daraus  den  astronomi- 
schen Meridianbogen  zwischen  seiner  südlichen  und  nördlichen  Beobach- 
tungsstation mit  54,60  Sekunden.  Auf  geodätischem  Wege  wurden  für 
denselben  Bogen  nur  42,94  Sekunden  gefunden.  Es  betrug  also  die 
Summe  der  beiden  Attractionen  des  Berges  im  entgegengesetzten  Sinne 
11, "66,  daher  der  Einfluss  auf  die  Lothlinie  des  Sectors  5,83  Sekunden, 
wenn    die    Wirkung   beiderseits    eine    gleiche    war. 

Baron  Zach")  constatirt  die  Abweichung  der  astronomischen  und 
geodätischen  Beobachtungen  bei  Marseille  auf  folgende  Art:  Er  benützte 
die  trigonometrische  Messung  zur  Berechnung  des  Meridianbogens  zwi- 
schen Tour  de  l'Isle  de  Planier  und  Clocher  de  X.  D.  des  Anges  nord- 
östlich von  Marseille,  und  fand  den  durch  astronomische  Breitenbestim- 
mung auf  beiden  Puncten,  erhaltenen  Bogen  um  2  Sekunden  kleiner.  Cm 
nun  zu  beweisen,  dass  diess  vom  Einflüsse  des  nördlich  N.  D.  des  Anges 
gelegenen  Berges  Mimet  herrühre,  beobachtete  er  astronomisch  die  Breite 
an  3  Puncten,  nämlich  auf  dem  Observatorium  zu  Marseille,  dann  östlich 
von  Marseille  auf  den  Puncten  S.  Peyre  und  ä  la  Capelette,  übertrug 
die  auf  Tour  de  Planier  gemessene  Breite  durch  den  Breitenunterschied 
auf  diese  3  Puncto,  und  fand  überall  nahezu  dasselbe  Besultat.  das  er 
auf  astronomischem  Wege  erhalten  hatte,  schloss  also  daraus,  dass  kei- 
ner dieser  4  Puncte  einer  Anziehung  unterworfen  war.  Dann  übertrug 
er  die  astronomisch  bestimmte  Breite  von  N.  D.  des  Anges  auf  diese 
Puncte,  und  fand  durchgehends  nahe  2  Sekunden  Unterschied,  mithin  er 
diese  Abweichung  bloss  dem  Einflüsse  des  Berges  Mimet  nördlich  von 
N.    D.    des    Anges    zuschreiben    musste. 

Für  die  früher  angegebene  Abweichung  in  Indien  suchte  Herr 
J.  H.  Pratt  die  Anziehung  der  Gebirgsmasse  des  Himalaya  durch  ein 
eigenes  neues  Verfahren  zu  berechnen,**)  welches  näher  anzugeben,  hier 
viel  zu  weit  führen  würde;  jedoch  erhält  er  nach  seiner  Berechnung 
einen  bedeutend  grösseren  Unterschied,  als  den  zwischen  den  astronomi- 
schen und  trigonometrischen  Operationen  abgeleiteten.  Er  bespricht  daher 
auch  die  verschiedenen  Hypothesen,  mit  deren  Hilfe  man  sie  reduziren 
könnte,    nämlich    Höhen,    Dichtigkeit,    u.    s.    w.,  gelaugt  aber  zu  dem  Schlüsse 


*)    Siehe    dessen    Werk    „L'attraction    des    montagnes"   etc.    2    Bände.    Paris    1814. 
**)  Siehe     „U Institut   anne'e    23*  Nr.  117.  Sitzung    der  königl.    Akademie    der   Wis- 
senschaften  in  London    im    Deeember    1854. 


Die  geographisch«  Breite  von  Innsbruck.  07 

dass  er  dadurch  die  berechnete  Abweichung  durchaus  nicht  auf  das  Re- 
sultat zurückführen  könne,  welches  durch  den  Vergleich  der  astronomi- 
schen   und   geodätischen    Operationen    erzielt    wurde. 

Es  kann  dies  zugleich  als  Beweis  dienen,  wie  schwierig  derlei  Be- 
rechnungen bei  ausgedehnten  zusammengesetzten  Gebirgsmassen  mit  eini- 
ger Wahrscheinlichkeit  durchzuführen  sind,  und  der  hier  eingetretene  Fall, 
dass  die  berechnete  Attraction  grösser,  als  die  wirklich  erwiesene  ist, 
kommt  bei  ähnlichen  Berechnungen  fast  allgemein  vor,  so  dass  man  sich 
zur  Annahme  neigt,  die  Erdkruste  habe  in  Folge  der  Schwere  der  Ge- 
birgsmasse  auf  ihrer  Überfläche,  innerhalb  an  solchen  Stellen  Einbüge 
oder  Senkungen  in  das  heissflüssige  Innere,  welche  dadurch  die  Attrac- 
tion der  Masse  auf  ihrer  Oberfläche  vermindern,  und  kleiner  als  die  be- 
rechnete ergeben,  wo  diese  Einwirkung  bisher  wenigstens  nicht  berück- 
sichtiget  wurde. 

Unter  allen  bis  nun  bekannten  Attractions-Berechnungen  sind  die 
vom  Hügel  Arthurs-Seat  in  Schottland^)  für  die  nördlich,  südlich  und 
auf  dem  Gipfel  desselben  vorgenommenen  astronomischen  Beobachtungen 
die  gelungensten,  wozu  auch  der  weitere  Versuch  zur  Erklärung  der  all- 
gemein beobachteten  Abweichung  von  nahe  .f>  Sekunden,  wegen  Mangel 
an    Materie    nördlich,    und    ihrer  Anhäufung    im  Süden    von   Edinburg,    gehört. 

Immer  werden  sich  aber  derlei  Abweichungen  nur  bei  einzeln  ste- 
henden Bergen  mit  hinlänglicher  Genauigkeit  berechnen  lassen,  während 
diese  Berechnung  um  so  schwieriger  und  unsicherer  wird,  je  ausgebrei- 
teter und  verschiedenartiger  die  Gebirgsmassen  sind,  wobei  die  Höhe, 
Dichtigkeit  u.  s.  w.  dieser  zusammenhängenden  Massen  einen  so  grossen 
aber  ebenso  schwer  zu  ermittelnden  Einfluss  auf  das  zu  berechnende  Re- 
sultat   der    Anziehung    in    ihrer    Gesammtwirkung  nehmen. 

Das  bisher  Erwähnte  gleichsam  als  Einleitung  betrachtend,  überge- 
hen wir  nun  zu  dem  eigentlichen  Gegenstande  dieser  Besprechung,  näm- 
lich   zur   Bestimmung    der  geographischen    Breite    von    Innsbruck. 

Bei  der  neuen  trigonometrischen  Vermessung  Tirols  im  Jahre  18UI 
wurde  der  Punct  Lanserkopf,  südlich  von  Innsbruck  zur  astronomischen 
ßeobachtungsstation  gewählt,  und  die  daselbst  mit  aller  Sorgfalt  und 
Schärfe  mit  verschiedenen  Instrumenten  bestimmte  Breite  ergab  auf  die 
Kuppel  der  Jesuitenkirche  zu  Innsbruck  mittelst  des  berechneten  Breiten- 
nnterschiedes    übertragen    für    letztere   47.°    16.'    20, "85. 

Baron  Zach  macht  in  den  astronomischen  Nachrichten**)  die  brief- 
lich erhaltene  Mittheilung  des  Herrn  Generalen  Fallon  bekannt,  wornach 
die  Beobachtungen  des  Peter  Zellinger  mit  einem  Zenith-Sector,  für 
die  Breite  der  Jesuitenkuppel  47.°  IG.'  12, '60,  und  Fallon's  eigene 
Beobachtungen  vom  Jahre  1805  auf  die  Jesuitenkuppel  reducirt  47.°  16.' 
7,"77  ergeben;  so  dass  also  Fallon  im  Mittel  47.°  16.'  10,"20  für 
die  Breite  angenommen  hat.  Nach  der  älteren  trigonometrischen  Vermes- 
sung Tirols  wurde  die  Breite  der  Jesuitenkuppel  mit  47.°  16.'  11, "Ol 
von    Wien    abgeleitet. 

Bei  der  Vergleichung  der  österreichisch-bayerischen  Verbindungsresul- 
tate   an    der    Nordgrenze    Tirols,    zeigte    sich  in   der    einerseits    vom  Lanser- 


*)    Siehe  „Philosophieal    Transactions    of    (he    Society   of    London."   Für    das    Jahr 
1856,  2.    Theil,    Seite    140. 
**)    Band  5,    pag.    39. 


gg  Eduard  Pechmann. 

köpfe  und  anderseits  von  München  abgeleiteten  Breite  dei  gemeinschaft- 
lichen Verbindungspuncte  durchschnittlich  ein  Unterschied  von  14,"25  Se- 
kunden, um  welche  alle  österreichischen  Breiten  grösser  waren,  woraus 
folgt,  dass  die  früher  erwähnte  Breite  der  Jesuitenkuppe]  zu  Innsbruck 
nach  der  Ableitung  derselben  von  München  bloss  47.°  16.'  6, "60  betra- 
gen   würde. 

Berechnete  •  man  endlich  diese  Breite  durch  Hilfe  der  österreichisch- 
schweizerischen Verbindungsdreiecke  vom  Jahre  1852  in  Vorarlberg  mit 
der  für  Bern  im  Einklänge  mit  den  französischen  Dreiecken  angenomme- 
nen Breite*)  ,  so  erhielt  man  für  die  Jesuitenkuppe]  zu  Innsbruck 
47.°    16.'    8,"50. 

Die  auf  dem  Lanserkopfe  gemessene  Breite  war  also  offenbar  zu 
gross,  und  konnte  nur  dem  Einflüsse  der  näheren  südlichen  Gebirgsmas- 
sen  auf  die  Abweichung  der  Lothlinie  an  dieser  Beobachtungsstation  zu- 
geschrieben   werden. 

Auf  den  Antrag  des  Herrn  Obersten  Marieni  fand  sich  daher  die 
Direction  des  militärisch-geographischen  Institutes  bewogen,  eine  neue  Brei- 
tenbestimmung in  der  Ebene  von  Innsbruck  zur  Constatirung  dieser  That- 
sache  hohen  Ortes  zu  erwirken.,  mit  deren  Ausführung  ich  im  Sommer 
1857    beauftragt    wurde. 

Ich  wählte  zur  astronomischen  Beobachtungsstation  einen  Punct  öst- 
lich von  Innsbruck  und  dem  Dorfe  Pradl,  fast  mitten  in  der  ziemlich  si- 
metrisch  vom  Gebirgsrande  umgrenzten  Thalebene,  und  in  nahezu  gleicher 
Breite    mit    der    Jesuitenkuppel    in    Innsbruck. 

Im  Umkreise  von  ungefähr  6000  Wiener  Klafter  liegen  südlich  der 
Lanserkopf  mit  490,  der  Glungezer  mit  1411,  der  Patscherkofel  mit  1184 
und  der  Säuleberg  mit  1267  Klafter  Höhe  über  dem  Meere;  dann  nörd- 
lich der  Solstein  mit  1339,  das  Rumerjoch  mit  1190,  der  Zunderkopf 
mit  1031  und  der  Gleiersch  mit  1312  Klafter,  während  die  absolute 
Höhe  des  Punctes  bei  Pradl  303  Klafter  beträgt.  Im  Meridian  dieses 
Punctes  bei  Pradl  gerechnet,  ist  die  Entfernung  des  nächsten  Hochgebirgs- 
rückens südlich  ungefähr  3600,  und  nördlich  2000  Klafter,  und  die  Thal- 
ebene hat  in  dieser  Richtung  eine  Ausdehnung  von  ungefähr  1460  Klaf- 
ter, wovon  790  südlich  und  670  nördlich,  die  gewählte  Beobachtungssta- 
tion   vom    Gebirgsrande    trennen. 

Die  Beobachtungen  wurden  mit  denselben  Instrumenten  und  nach 
denselben  Methoden  gemacht,  wie  auf  dem  Lanserkopfe  im  Jahre  1851, 
auch  wurden  fast  alle  dieselben  Sterne  benützt,  und  die  beobachtete 
Breite  mit  dem  geodätischen  Breitenunterschiede  auf  die  Jesuitenkuppel 
von  Innsbruck  übertragen,  ergab  für  diese  47.°  16.'  10, "95  also  um 
9,90  Sekunden  weniger,  als  die  im  Jahre  1851  vom  Lanserkopfe  dahin 
reducirte,  und  es  war  dadurch  offenbar  der  Einfluss  der  Attraction  auf 
dem    Lanserkopfe    constatirt. 

Um  aber  noch  mit  weit  grösserer  Sicherheit  zu  erfahren,  welchen  Ein- 
fluss die  einmal  erkannte  Attraction  ausübe,  wenn  man  sich  von  der  fast 
mitten  im  Thale  gewählten  Station  Pradl  dem  Gebirge  zu  beiden  Seiten 
nähert,  so  wurde  im  Meridian  von  Pradl  nördlich  auf  530  und  südlich 
auf     625     Klafter     Entfernung     je    ein     Beobachtungsstand    errichtet.     Diese 


*)    Siehe     Eschraann     ..Ergebnisse    der    trigonometrischen    Vermessungen     in  der 

Schweiz,"    pag.    205. 


Die  geographische  Breite  von  Innsbruck.  <>9 

Stande  waren  mit  dein  trigonometrischen  Netze  verbunden,  und  es  wur- 
den auf  beiden  direkte  astronomische  Beobachtungen  für  die  Breite  der- 
selben   vorgenommen. 

Das  hiezu  benutzte  Instrument  war  ein  vorzüglicher  Multiplications- 
kreis  Beichenbach's  von  16  Zoll  Durchmesser,  mit  dem  auch  auf  der 
Station  Pradl  gemessen  wurde,  und  die  hier  in  Vergleich  gezogenen  Be- 
sultate  der  3  Stationen  basiren  nur  auf  den  mit  diesem  Instrumente 
und  nach  demselben  Systeme  gemachten  Beobachtungen  des  Polarsternes 
und   anderer    ebenso    weit    südlich    vom    Zenith    entfernter  Sterne,    und  zwar: 

Stand  Beobachtungen  Breite  Mittlere  Fehler 

N.  Nördlicher     .    .    .    ,  170    .    .    .    .  47.«  16.' 35,"99  .    .    .    .  ±  0,"16 

P.  Pradl 320    ...    .  47.°  16.'    9,"24  .....  +  0,"10 

S.  Südlicher 180    ....  47.°  15.'  36,"60  .-.-..  +  0,"03 

Daraus    folgen    die    astronomischen    Breitenunterschiede: 

N— P  =  26,"75;     P— S  =  32,"64;     N— S  =  59,"39. 

Die    berechneten    geodätischen   Breitenunterschiede    aber    geben: 
N— P  =  32, '55;     P—S  =  38,  "41;     N— S  =  70,"96. 

Werden  also  die  geodätischen  Breitenunterschiede  mit  den  astrono- 
mischen verglichen,  so  zeigen  sich  nachstehende  Abweichungen  der  Loth- 
linie  in  Bezug  auf  Pradl,  und  zwar:  auf  dem  nördlichen  Stande  5, "80 
nach  Nord  auf  530  Klafter;  auf  dem  südlichen  Stande  5,"77  nach  Süd 
auf  625  Klafter,  und  in  Summa  11, "57  nach  Nord  und  Süd  oder  zwi- 
schen dem  nördlichen  und  südlichen  Standpuncte  auf  1155  Klafter  Ent- 
fernung. 

Es  ist  dies  eine  überraschend  merkwürdige  Erscheinung  bei  so 
kurzen  Entfernungen,  welche  mehr  als  zur  Genüge  darthut,  wie  schwierig 
es  sei,  bei  solchen  Terrainverhältnissen  eine  sichere  astronomische  Brei- 
tenbestimmung   vorzunehmen. 

Nehmen  wir  hier  noch  das  Eine  im  Jahre  1851  mit  demselben  In- 
strumente auf  dem  Lanserkopfe  gewonnene  Resultat  in  Betrachtung  mit 
47.°  14.'  56,"90;  so  zeigen  die  geodätischen  und  astronomischen  Un- 
terschiede auf  dem  Lanserkopfe  in  Bezug  auf  Pradl  eine  Abweichung  der 
Lothlinie  von  9,58  Sekunden  nach  Süd  auf  1333  Klafter  Entfernung,  daher 
zwischen  dem  südlichen  Standpuncte  in  der  Thalebene  und  dem  Lanser- 
kopfe bloss  3,"81  auf  708  Klafter  Entfernung.  Da  aber  durch  diese 
Vorrückung  des  Standes  gegen  Süden  bis  auf  den  Lanserkopf,  der  ver- 
minderte Attractions-Eintluss  der  nördlichen  Gebirgsmassen  durch  das  um 
543  Klafter  in  dieser  Nordrichtung  zurückbleibende  Lanserkopf-Gebirge 
selbst,  nicht  nur  ausgeglichen,  sondern  übertroffen  werden  muss,  so  ist 
diese  geringere  Abweichung  zwischen  dem  südlichen  Stande  im  Thale  und 
dem    Lanserkopfe    leicht    erklärlich. 

Um  aber  auf  die  Attractionsresultate  im  Thale  zurückzukommen,  so 
kennen  wir  zwar  die  Abweichungen  der  Lothlinie  auf  dem  Nord-  und 
Südstande  in  Bezug  auf  Pradl,  aber  nicht  ihren  absoluten  Werth.  Nennen 
wir  diesen  nördlich  x  und  südlich  y,  so  wären  nach  den  Beobachtungen 
auf  der  Nordstation  mit  Zuzählung  des  geodätischen  Breitenunterschiedes 
die    Breite    von    Pradl    47.°    16.'    3,"44    -f    x  und  nach    den  Beobachtungen 

auf  der  Südstation  47.»  16.'  15,"10  —  y,  oder  im  Mittel  47.«  16.'  9,"23+  ^~ 

das     heisst:     die    Breite     von     Pradl      wäre      nur     dann    47.°     16.'    9,"23, 


70  Eduard  Pechmann. 

wenn  die  beiden  Attractionen  x  und  y  auf  den  Aussenstationen,  von  welchen 
die  Breite  auf  Pradl  übertragen  wurde,  wirklich  einander  gleich  sind,  und 
sich  dadurch  heben. 

Unsere  directe  Messung  ergab  zwar  genau  für  Pradl  als  Resultat 
47.°  16.'  9,' '24;  allein  wir  dürfen  desshalb  nicht  zurückschliessen,  dass  die 
beiden  Attractionen  x  und  y  einander  gleich  waren;  sondern  können  aus  den 
zu  beiden  Seiten  und  in  Bezug  Pradl's  constatirten  entgegengesetzten  Abwei- 
chungen nur  den  sicheren  Schluss  ziehen,  dass  die  Attraction  an  irgend 
einem  Puncte  zwischen  dem  nördlichen  und  südlichen  Stande  Null  werden 
müsse,  und  dass  dieser  Punct,  wenn  die  ermittelten  entgegengesetzten  Attrac- 
tionen in  Summa  11,57  Sekunden,  von  beiden  Ständen  gegen  Pradl  hin, 
nach  irgend  einem  aber  jedenfalls  zu  ihrer  Entfernung  im  Verhältnisse  ste- 
henden Local-Gesetze  abnehmen,  nicht  weit  von  Pradl   fallen  dürfte. 

Eine  Untertheilung  dieser  Strecke  mit  noch  einigen  Ständen,  auf  wel- 
chen gleichfalls  astronomische  Beobachtungen  gemacht  worden  wären,  hätte 
uns  hierüber  natürlich  weit  mehr  aufgeklärt,  und  den  Nullpunct  für  die  At- 
traction in  weit  engeren  Grenzen  zu  bestimmen  möglich  gemacht;  allein  hiezu 
mangelte  es  leider  an  Zeit,  da  die  Witterungsverhältnisse  dieses  Sommers 
äusserst  ungünstig  waren. 

Wir  haben  bereits  angedeutet,  dass  die  Attractionsberechnungen  bei 
ausgedehnten  zusammenhängenden  Gebirgsmassen  immer  nur  Resultate  liefern, 
deren  Uebereinstimmung  mit  den  aus  directen  Messungen  hervorgehenden, 
noch  bei  Weitem  nicht  in  den  erforderlichen  Grenzen  stattfindet,  und  so 
würde  uns  auch  in  diesem  Falle,  wo  es  zudem  äusserst  schwierig,  ja  fast 
unmöglich  ist,  die  Ausdehnung  der  anziehenden  Massen  im  Norden  und  Sü 
den  mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  zu  bestimmen),  eine  Attractionsberechnung 
für  die  verschiedenen  Stände  im  Thale  keine  Bürgschaft  für  das  Bestehen 
oder  Nichtbestehen  irgend  eines  Attractions  Einflusses  bei  der  beobachteten 
Breite  von    Pradl  leisten. 

Vergleicht  man  aber  die  von  Pradl  abgeleitete  Breite  der  Jesuitenkuppel 
zu  Innsbruck  47.°  16.'  10,^95  mit  der  vom  Herrn  Generalen  Fallon  fest- 
gestellten 47.°  16.'  10, "20  und  mit  der  aus  der  älteren  trigonometrischen 
Vermessung  Tirols  hergeleiteten  mit  47."  16.'  11, "Ol;  so  stimmt  sie  mit 
diesen  Resultaten  sehr  nahe  zusammen.  —  Nimmt  man  hingegen  die  von 
München  und  von  Bern  abgeleiteten  Resultate  von  47.°  16.'  6, "60  und 
47.°  16.'  8,"50,  so  weicht  sie  von  ersterer  noch  um  4,"35  und  von  letz- 
terer um    2, "45    ab,    oder    sie    ist  um    so  viel  grösser. 

Ist  einmal  die  neue  trigonometrische  Vermessung  zwischen  der  neu 
gemessenen  Basis  von  Wiener  Neustadt  und  jener  bei  Innsbruck  definitiv  be- 
rechnet, und  andererseits  der  ebenfalls  demnächst  zu  erwartende  Vergleich  der 
zur  Basismessung  am  Ticino  verwendeten  Toise  mit  der  Wiener  Klafter  her- 
gestellt, wodurch  auch  die  definitive  Verbindung  der  neuen  Vermessung  Ti- 
rols mit  jener  des  loinbardisch-venetianischen  Königreiches  geordnet  werden 
kann ;  so  ergeben  sich  durch  die  Uebertragung  des  Breitenunterschiedes  von 
Wien  und  Padua  für  Innsbruck  wieder  zwei  Werthe,  welche  uns  dann  ver- 
eint mit  den  übrigen  beurtheilen  lassen,  ob  das  letzterhaltene  astronomische 
Resultat  noch  irgend  einem  Einflüsse  der  Attraction  unterworfen  war.  Natür- 
lich aber  ist  diese  Beurtheilung  immer  Mieder  von  den  mehr  oder  weniger 
fehlerfreien  Resultaten  bezüglich  der  Attraction  auf  den  Ausgangspuncten 
selbst  abhängig,  und  es  würde  sich  zur  Erzielung  einiger  Sicherheit  darum 
handeln,   diese  Ausgangspuncte  wieder  einer  näheren  Prüfung  zu  unterziehen. 


Die  geographische  Breite  von  Innsbruck-  71 

Uebrigens  dürfte  es  in  dieser  Hinsieht  von  grossem  Interesse  sein,  an 
irgend  einem  zweckentsprechend  gelegenen  Puncte  der  Monarchie  (etwa  in 
der  Ebene  Ungarns)  und  in  dessen  Meridiane  und  Parallele  so  viele  astrono- 
mische Beobachtungsstationen  zu  beiden  Seiten  dieser  Linien  zu  machen,  bis 
sich  bei  der  Näherung  an  das  Gebirge  irgend  ein  Attractions-Einfluss  äussert, 
um  durch  die  Uebertragung  aller  von  der  Attraction  noch  nicht  beeinflussten 
Breiten-  und  Azimuthresultate  desselben  Beobachters,  Instrumentes  und  der- 
selben benützten  Sterne,  auf  den  Mittelpunct  oder  die  Ilauptstation,  bei  dem 
Zusammentrerten  aller  Besultate  in  äusserst  engen  Grenzen,  gleichsam  einen 
Fundamentalpunct  für  alle  auf  geodätischem  Wege  abzuleitenden  Breiten  fest- 
zustellen, und  sich  desselben  bei  Vergleichen  mit  astronomischen  Beobach- 
tungen an  andern  Puncten   mit  Sicherheit  bedienen   zu  können. 


VIII. 

Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn. 

\  (Hl 

Franz  Ritter  von  Hauer , 

k    k.   Bergrath. 

Im  Auftrage  der  k.  k.  geologischen  Beichsaustalt  hatte  ich  im  Sommer 
des  verflossenen  Jahres  die  geologische  Uebersichtsaufnahme  im  nordöstlichen 
Ungarn  zu  leiten.  Meine  Beiseu,  bei  welchen  ich  mich  der  steten  Begleitung 
des  k.  k.  Bergratb.es  Herrn  Otto  Freiherrn  von  Hingenau  zu  erfreuen 
hatte,  führten  mich  von  Pest  über  Miskolcz  nach  Kaschau,  dann  in  den  ver- 
schiedensten Bichtungen  durch  die  Comitate  Saros,  Zemplin,  Unghvar,  Be- 
regh-Ugocsa,  und   Marmaros  und   von  Szigeth  über  Debreczin    wieder  zurück. 

Die  geringe  Anzahl  von  Höhenmessungen,  welche  aus  allen  von  uns 
durchstreiften  Gegenden  bisher  vorliegen,  machte  es  wünschenswerth,  mög- 
lichst viele  neue  Höhenbestimmungen  vorzunehmen.  Sehr  willkommen  war 
mir  daher  der  freundliche  Antrag  des  Prälaten  in  Olmütz  Herrn  E.  Bitter 
v.  Unkhrechtsberg  mir  das  von  ihm  selbst  auf  seiner  Sternwarte  so  wie  bei  einer 
Beise  auf  den  Schneeberg  in  Nieder-Oesterreich  mit  grosser  Umsicht  geprüfte 
Bourdon'sche  Metallbarometer  (A3)  für  die  Dauer  meiner  Beise  zu  leihen.*) 
Dieses  Instrument,  von  dessen  Empfindlichkeit  und  Genauigkeit  ich  nun 
selbst  vielfältig  mich  zu  überzeugen  Gelegenheit  fand,  zeigte  nach  den 
neuen  sorgfältigen  Untersuchungen,  die  Herr  Dr.  Julius  Schmidt  mit 
demselben  vornahm,  vor  und  nach  der  ungarischen  Beise  keine  wesent- 
liche Aenderung;  derselbe  entwarf  aber  für  dasselbe  nach  zahlreichen  verglei- 
chenden Ablesungen  im  Zimmer  sowohl  als  bei  einer  zweiten  Beise  auf 
den  Schneeberg,  die  er  im  October  1858  in  Gesellschaft  des  Herrn 
G.  Tschermak  ausführte,  die  dieser  Abhandlung  angeschlossene  neue 
Correctionstabelle,    nach   welcher    meine    Ablesungen     corrigirt     wurden,    um 


*)    Vergleiche    J.    F.    Julius    Schmidt,    Untersuchungen    über    die    Leistungen    der 
Bourdon*schen  Metallbaromeler,    Wien    u.    Olmütz    18a8.   p.    20. 


72  I |i,||Z  Ritter  ron  Hauer. 

sie  auf  wahre  Barometerstände  zu  reduziren.  Zur  Correctiou  wegen  der 
Wärme  wurde  die  schon  in  dem  oben  citirten  Werke  mitgetheilte  Ta- 
belle   benutzt,    die    ich    ebenfalls    am    Schlüsse    beigefügt    habe. 

Herr  Dr.  J.  Schmidt  hatte  sich  freundlichst  angeboten,  die  Be- 
rechnung meiner  sämmtlichen  Aufzeichnungen  vorzunehmen,  und  führte 
dieselbe  auch,  ungeachtet  seiner  inzwischen  erfolgten  Berufung  zum  l)i- 
rector  der  k.  Sternwarte  zu  Athen,  so  weit  durch,  dass  er  für  jede 
einzelne  meiner  Ablesungen  die  Differenz  gegen  einen  oder  den  andern 
Fixpunct  bestimmte  und  es  nur  mir  überliess,  die  wirkliche  Seehöhe  die- 
ser Fixpuncte  mit  Zuhilfenahme  aller  Anhaltspuncte,  die  sich  auffinden 
Hessen,    zu    bestimmen. 

Um  solche  Fixpuncte  zu  gewinnen,  hatte  ich  auch  ein  Kap e  11  er'sches 
Quecksilber-Barometer  mitgenommen,  und  gewiss  sind  alle  während  der 
Zeit,  als  dieses  Instrument  noch  im  guten  Stande  war,  vorgenommenen 
Messungen  weit  genauer.  Leider  wurde  es  am  6.  Juli  auf  der  furchtbar 
schlechten  Strasse  vor  Homonna  gebrochen,  und  die  späteren  Ablesungen 
mussten  meisst  direct  auf  solche  der  weit  entfernten  meteorologischen 
Stationen   berechnet    werden. 

Herr  Dr.  Schmidt  hatte  zur  Vergleichung  nur  die  Beobachtungen 
der  meteorologischen  Station  in  Kaschau  für  die  Monate  Juni,  Juli  und 
August,  die  ich  von  dem  Beobachter,  Herrn  Dr.  Widermann  selbst  er- 
halten hatte,  nach  Athen  mitgenommen ;  Später  erhielt  ich  durch  die  Güte 
des  Directors  der  k.  k.  meteorologischen  Central-Anstalt  Herr  K.  Kr  eil 
auch  die  Beobachtungen  der  Stationen  Ofen  (Beobachter  Herr  Dr.  Frenreiss) 
Wallendorf  bei  Bisztricz  in  Siebenbürgen  (Herr  Pfarrer  Klopp  s)  und 
Debrezin  (Herr  Tamässy),  nach  welchen  ich  einige  meiner  Ablesungen 
die  gegen  diese  Orte  günstiger  gelegen  sind,  als  Kaschau,  neu  berech- 
nete. Ich  bediente  mich  hierzu  der  so  bequemen  von  Herrn  Professor 
K.  Kofistka  veröffentlichten  Tafeln*),  wesshalb  auch  bei  den  von  Hin- 
ausgeführten Hechnungen  die  Differenzen  in  Wiener  Klafter  angegeben 
sind;    während   jene    des  Herrn  Dr.    Schmidt    nach  Toisen  berechnet  sind. 

Sämmtliche  meteorologische  Beobachtungen,  welche  zu  Vergleichungen 
benutzt  wurden,  sind  unter  Nr.  11  nach  den  Höhen-Tabellen  abgedruckt, 
und  eben  so  sind  auch  meine  Ablesungen  selbst,  dann  die  Höhen-Diffe- 
renzen, als  unmittelbares  Besultat  der  Bechnungen,  den  gefundenen  See- 
höhen   beigefügt. 

Die  Anordnung  habe  ich  so  getroffen,  dass  in  besonderen  Abschnitten 
meist  die  an  einer  bestimmten  Strasse,  oder  in  einem  Thal  gelegenen 
einzelnen  Puncte  der  Beihe  nach  aufgezählt  sind,  so  dass  ihre  Aufsuchung 
auf  den  vom  k.  k.  Generalquartiermeisterstabe  herausgegebenen  Comitats- 
Karten,  deren  Orthographie  ich  auch  durchaus  beibehalten  habe,  keiner 
Schwierigkeit    unterliegen    kann. 

Zur  Erläuterung  und  Begründung  der  Angaben  in  der  Tabelle  Nr.  I. 
füge    ich    noch    folgende    Bemerkungen    hinzu: 

In  der  Rubrik  Barometer  ist  stets  der  auf  die  Temperatur  von  0° 
reduzirte  Stand  des  Instrumentes  in  Millimetern  angegeben.  Ein  der  Ziffer 
vorgesetztes  B.  bezeichnet  eine  Ablesung  des  Quecksilber-Barometers;  alle 
übrigen  Zahlen  sind  Ablesungen  des  Metallbarometers.  Die  Temperatur  der  Luft 
ist  mit    Thermometern    mit  Beaumur'scher    Scala    bestimmt. 


")  Jahrbuch   der  k    k.     geologischen  Reichsnnstait  18öö.  S.    840. 


Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn.  73 

Zu  Nr.  1).  Für  die  Seehöhe  meines  Stationsplatzes  in  Pest 
liegen  drei  Messungen  mit  dein  Quecksilber-Barometer  vor,  welche  mit  den 
Beobachtungen  des  meteorologischen  Observatoriums  in  Ofen  verglichen 
die  mittlere  Differenz  von  -J-  1'9  Klafter  ergeben.  Die  Höhe  des  genannten 
Observatoriums  wird  in  den  Sitzungsberichten  der  kaiserlichen  Akademie 
Bd.  XXXIII.  Nr.  29  mit  54  Toisen  angegeben,  so  dass  die  Höhe  meines 
Stationsplatzes  55*9  Toisen  =  574  Wiener  Klafter  beträgt.  Gegen  die 
Ablesung  in  Pest  vom  2.  Morgens,  sind  dann  die  anderen  Ablesungen  von 
Nr.  1   berechnet. 

Zu  Nr.  2  und  3).  Seehöhe  von  Mezö-Kövezd.  Die  Messungei. 
mit  dem  Quecksilber-Barometer  wurden  sowohl  gegen  die  Beobachtungen 
der  meteorologischen  Station  in  Ofen,  als  gegen  jene  in  Kaschau  berech- 
net und  aus  den  vier  auf  diese  Weise  erhaltenen  Höhen  das  Mittel  ge- 
nommen, welches  die  Seehöhe  mit  6045  Toisen  oder  62-12  Wiener 
Klafter   ergibt. 

Für  die  Beobachtungen  am  3.  Juni  habe  ich  die  Differenzen  gegen 
Pest  und  Mezö-Kövezd  berechnet,  mit  Bücksieht  darauf,  dass  der  Baro- 
meterstand in  Ofen  an  diesem  Tage  von  6  Uhr  Morgens  bis  2  Uhr  Mit- 
tags um  044  und  von  2  Uhr  bis  10  Uhr  Abends  um  weitere  018  Pa- 
riser Linien  stieg.  Die  Berechnung,  die  Herr  Dr.  Schmidt  mit  Zu- 
grundelegung des  Barometerganges  zu  Kaschau  ausgeführt  hatte,  gab  we- 
niger gut    stimmende    Besultate. 

Zu  Nr.  4  und  5).  Seehöhe  von  Kaschau.  Zur  Ermittlung  der 
Höhe  des  Standbarometers  der  meteorologischen  Station  in  Kaschau  be- 
nutzte ich  die  in  den  Sitzungsberichten  der  kaiserlichen  Akademie  der 
Wissenschaften  mitgetheilten  Monatsmittel  der  Beobachtungen  für  April  bis 
Dezember  1857  und  Jänner  und  Februar  1855.  Diese  gegen  die  Beobach- 
tungen an  der  meteorologischen  Central-Anstalt  in  Wien  und  gegen  jene 
in  Krakau  berechnet,  ergeben  die  Seehöhe  von  11102  Toisen  =  114*09 
Wiener  Klafter.  —  In  dem  Verzeichniss  der  meteorologischen  Stationen, 
welches  in  den  gedachten  Sitzungsberichten  Bd.  XXXIII  Nr.  29  mitgetheilt 
ist,  findet  sich  für  die  Station  in  Kaschau  die  Seehöhe  von  109  Toisen 
angegeben,  welche  aber  nach  freundlicher  Mittheilung  des  Herrn  Director 
Kr  eil  nur  einen  genäherten  Werth  ausdrückte,  dem  die  durch  die  Be- 
rechnung der    Monatsmittel    gefundene  Grösse    vorzuziehen  ist. 

In  meiner  Wohnung  in  Kaschau  wurden  nur  wenige  Beobachtungen 
mit  dem  Quecksilber-Barometer  angestellt,  da  das  Instrument  während  mei- 
nes Aufenthaltes  mit  dem  Standbarometer  der  meteorologischen  Station  ver- 
glichen werden  musste.  Die  Seehöhe  dieser  Wohnung,  die  als  Ausgangs- 
punct  für  mehrere  Beihen  von  Messungen  dient,  ergibt  sich  aber  doch 
wohl  mit  hinreichender  Sicherheit  zu  100  6  Toisen  oder  103 '4  Wiener  Klafter. 
Die  Seehöhe  der  in  der  Umgebung  von  Kaschau,  bei  den  Excursionen 
nach  Galsecs  und  Bank  berührten  Orte  konnte  auf  wiederholte  Messungen 
an  verschiedenen  Tagen  basirt  werden  und  wurde  noch  durch  Conibination 
aller  dieser  Messungen    unter  einander    corrigirt. 

Zu  Nr.  6).  Die  Seehöhe  von  Eperies  ergibt  sich  als  unmittel- 
bares Besultat  von  12  verschiedenen  Barometer-Ablesungen,  welche  auf 
das  Standbarometer  in  Kaschau  berechnet  wurden  mit  12498  Toisen  oder 
128-42    Wiener    Klaftern. 

Zu  Nr.  8).  Seehöhe  von  Hertnek.  Der  Anschluss  an  Eperies 
durch    die    Ablesung    am    15.    Juni    gibt    die   Seehöhe    mit    23318    Toisen; 


74 


Iran/.  Ritter  von  Hauer. 


die  Berechnung  der  Ablesung  vom  16.  Juni  auf  das  Stationsbarometer  in 
Kaschau  gibt  die  Seehöhe  220-12  Toisen.  Das  Mittel  aus  beiden  226  6 
Toisen  =  2329  Wiener  Klafter  nähert  sich  schon  gut  der  Wahrheit,  da 
sie  der  Berechnung  zu  Grunde  gelegt  für  die  Höhen  des  am  16.  Juni 
gemessenen  Csergö-  und  Mincsol-Berges  für  den  esteren  550  7  und  für 
den  letzteren  6087  Wiener  Klafter  ergeben,  während  die  trigonometrische 
Messung  auf  der  Comitatskarte  verzeichnet  für  ersteren  550*51,  für  Letz- 
teren 60455  Wiener  Klafter  ergab.  Diese  trigonometrischen  Messungen 
selbst  aber  Hessen  sich  mit  Vortheil  anwenden,  um  für  Hertnek  einen  noch 
mehr  genäherten  Mittehverth  zu  erhalten.  Die  Lesungen  am  16ten  geben 
für  Hertnek  Differenz  gegen  Csergö  -  -  3093  Toisen  =  317.84  W.  K. 
für  Hertnek  Differenz  gegen  Miucsol  —  365-7  Toisen  =  375.80  W.  K. 
Also  erstere  die  Seehöhe  für  Hertnek  23267  und  letztere  mit  228-75 
Wiener  Klafter.  Aus  diesen  beiden  Grössen  das  Mittel  ist  2307  Wiener 
Klafter,  und  das  Mittel  aus  diesem  und  dem  obigen  gibt  die  angenom- 
mene Seehöhe    für    Hertnek    =    231-8    Wiener    Klafter    oder    225*6  Toisen. 

Zu  Nr.  10).  Seehöhe  von  Csircs,  Bad  Lublau  und  Tarcza. 
Für  Csircs  liegt  nur  eine  Ablesung  vom  17.  Juni  vor,  welche  auf  das 
Standbarometer  in  Kaschau  berechnet  247.6  Toisen  =  254  Klafter  ergibt. 
Für  Bad  Lublau  haben  wir  zwei  Ablesungen  vom  17ten  und  18ten  Beide 
auf  Kaschau  berechnet  ergeben  als  mittlere  Seehöhe  281*8  Toisen 
=  289-6  Klafter  und  eben  so  die  beiden  Ablesungen  für  Tarcza  am  18ten 
und     19ten     für    diesen     Ort     203-1     Toisen    =   208"7   Klafter. 

Diese  Orte  lassen  sich  aber  überdiess  auch  durch  Ablesungen,  welche 
an  ein  und  demselben  Tage  an  je  zwreien  derselben  vorgenommen  wurden, 
in  Verbindung  bringen,  und  ebenso  Tarcza  mit  der  Ebene  von  Gross-Saros. 
welche  ihrerseits  wieder  durch  die  Ablesung  am  22ten  mit  Ejteries  ver- 
bunden ist.  Die  oben  angeführten  Werthe  als  erste  Näherungen  zu  Grunde 
gelegt,    erhält    man    auf   diese  Weise  die  folgenden    Seehöhen : 

Berechnet    nach 


Kaschau 

Bad  Lublau  1 

Tarcza 

Gr.-Saros 

Mittel 

Toisen 

W.  Klft. 

Csircs     . 

247-0 

2290 

— 

— 

238-3 

244-8 

Bad     Lublau 

2818 

1        — 

282-4 

— 

282- 1 

289-9 

Tarcza    . 

203  1 

202-4 

— 

1988 

201-4 

206-9 

Die  grosse  Differenz  dir  Höhe  von  Csircs  ist  der  schönen  Ueberein- 
stimmung  der  übrigen  Puncte  gegenüber  sehr  auffallend ;  sie  ist  übrigens 
von  geringerer  Bedeutung,  da  nur  1  Punct  auf  diesen  Ort  berechnet 
werden  musste. 

Zu  Nr.  11).  See  höhe  von  Also-Sebes.  Die  Ablesung  vom  15.  Juni 
auf  Eperies  berechnet  gibt  122-2  Toisen,  jene  vom  25ten  auf  das  Stand- 
barometer in  Kaschau  berechnet  122  5  das  Mittel  davon  ist  122-4  Toisen 
=  125-8    Wiener   Klafter. 

Zu  Nr.  24).  Seehöhe  von  Szigeth.  Um  dieselbe  nach  Möglichkeit 
genau  zu  ermitteln,  habe  ich  die  fünf  vorliegenden  Ablesungen,  von  denen  Herr 
Schmidt    nur    die    ersten  drei    auf  Kaschau    hatte     berechnen    können,    da 


Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn.  70 

er  die  meteorologischen  Aufzeichnungen  von  dort  nur  bis  Ende  August 
zur  Verfügung  hatte,  auf  Debrezin  und  Wallendorf  in  Siebenbürgen  be- 
rechnet,   und    aus    allen    so   erhaltenen    Differenzen    das    Mittel  gezogen. 

Die  Seehöhe  der  meteorologischen  Station  in  Debrezin  ist  in  dem 
Verzeichnisse  der  Stationen  für  1858*)  zu  65-2  Toisen,  jene  von  Wallen- 
dorf zu  188-6  Toisen  angegeben.  Die  Differenzen  gegen  den  einen  wie 
gegen  den  anderen  der  genannten  Orte  stimmen  unter  sich,  wie  meine  Ta- 
belle zeigt,  gut  überein.  Dagegen  erscheint  eine  grosse  Differenz  in  dem 
Gesammtergebnisse,  wenn  man  obige  Höhenangaben  zu  Grunde  legt.  Auf  De- 
brezin berechnet,  ergibt  sich  nämlich  für  Szigeth  die  Seehöhe  mit  1 1 32 
auf  Wallendorf  aber  mit  1257  Toisen;  die  letztere  stimmt  nähe  mit  der, 
welche  durch  die  Reduction  auf  Kaschau  gefunden  wird,  indem  diese  1240 
Toisen  beträgt. 

Zu  Nr.  28)  Höhe  von  Körösmezö.  Die  vier  Ablesungen  von  Hrn. 
Schmidt  auf  Kaschau  berechnet  geben  die  Seehöhe  im  Mittel  mit  301-2 
Toisen,  auf  Wallendorf  berechnet  sich  dieselbe  zu  304*6  Toisen,  das  Mittel 
aus  beiden    wurde    angenommen. 

Zu  Nr.  30).  Eine  Flossfahrt  auf  der  in  ihrem  oberen  Laufe  sehr 
wilden  und  reissenden  Theiss,  bot  mir  Gelegenheit,  ein  genaueres  barome- 
trisches Nivellement  derselben  mit  dem  Metallbarometer  vorzunehmen.  Das 
Instrument  wurde  frei  aufgehängt,  und  zeigte  während  der  ganzen  Fahrt 
von  Körösmezö  bis  etwas  unterhalb  der  Mündung  des  Vissöbaches  einen 
überaus  regelmässigen  Gang,  so  dass  man  von  Minute  zu  Minute  die  Aen- 
derungen  des  Zeigers  ganz  gut  beobachten  konnte.  An  letzterer  Stelle 
wurde  die  Fahrt  leider  durch  Schiffbruch  unterbrochen,  indem  wir  mit 
einer    Anzahl  anderer  Flösse  zusammenfuhren. 

Die  während  der  Fahrt  notirteu  Puncte  habe  ich  gegen  die  Ablesung 
desselben  Tages  in  Körösmezö  berechnet,  mit  Zugrundelegung  des  Baro- 
meterganges von  Wallendorf.  Die  so  erhaltenen  Höhen  sollten  immer  um 
2—5  Klafter  tiefer  sein,  als  die  durch  die  Ablesungen  am  18.  und  19.  August 
an  der  Strasse  erhaltenen  Höhen,  die  ich  gegen  das  Standbarometer  in 
Wallendorf  erhalten  habe;  doch  differiren  die  meisten  um  eine  etwas  grös- 
sere   Zahl. 

Zu  Nr.  32).  Seehöhe  von  Huszth.  Vier  Ablesungen  an  verschie- 
denen Tagen  liegen  von  diesem  Orte  vor.  Die  zwei  ersteren  berechnete 
Herr  Schmidt  auf  das  Stationsbarometer  in  Kaschau  und  fand  die  Diffe- 
renzen —  307  und  —  37*8  Toisen,  also  im  Mittel  —  34-2;  gegen 
Wallendorf  berechnet  fand  ich  die  Differenzen  —  121  1;  —  119-7;  — 
120-5    und    —    125-5    Klaftern,    oder    im    Mittel  121  7  Klaftern;    gegen 

Debrezin  die  Differenzen  -f  9-2;  —  14  0;  —  63  und  —  114  oder 
im  Mittel  —  5  8  Klafter.  Endlich  berechnete  Herr  Schmidt  auch  für 
die  Ablesung  am  3.  September  die  Differenz  gegen  Szigeth  mit  —  57-9 
Toisen.  Es  Mürde  sich  demnach  ergeben  die  Seehöhe  durch  die  Ver- 
gleichung    mit 


Toisen 

Klaftern 

Kaschau       (2)  = 

76-8 

789 

Wallendorf  (4)  = 

70-2 

72  1 

Debreczin    (4)  = 

59-5 

61-2 

Szigeth        (1)  = 

626 

64- 1 

*)    Sitzungsbericht    der    k.    Akademie  der  Wissenschaften.   Bd.   XXXIII.    Nr.    29. 


76 


Franz   Ritter  von  Hauer. 


und  unter  Berücksichtigung  der  Zahl  der  Vergleiehungen  im  Mittel  mit 
66-8    Toisen    oder    68-6    Klaftern. 

Für  die  Ablesungen  am  5.  September  wurden  die  Differenzen  gegen 
die  Ablesung  dieses  Abends  in  Debrezin  berechnet,  für  die  Seehöhe  aber 
die  der  meteorologischen  Station  in  Debreczin  mit  jener  meines  Beobach- 
tungsortes in  Debreczin  gleichgestellt.  Diese  Abend-Ablesung  auf  die  der 
meteorologischen  Station  in  Debreczin  berechnet  führt  zu  einem  unmögli- 
chem Resultat,  vielleicht  die  Folge  einer  zeitweiligen  Störung  meines  In- 
strumentes.   Die  Angaben    für  diesen  Tag    sind    daher  jedenfalls  sehr  unsicher. 

Im  Ganzen  sind  durch  meine  Ablesung  588  Puncte  bestimmt,  von 
denen    ich    mir    erlaube,    noch    einige    speziell    hervorzuheben. 

1.  Frühere  Messungen.  Trigonometrische  Messungen,  die  vorzüg- 
lich sichere  Anbaltspuncte  zur  Controlle  geben,  liegen  nur  für  sehr  we- 
nige der  von  mir  gemessenen  Puncte  vor.  Es  gehören  dahin  der  Csergö 
und  der  Mincsol-Berg  im  Saroser-Comitat,  für  welche  meine  Messung  mit 
der  trigonometrischen,  wie  schon  früher  bemerkt  beinahe  vollständig  über- 
einstimmt; ferner  der  Magura-Berg  bei  Bad  Bantfeld,  Nr.  211  meiner 
Tabelle,  für  welchen  ich  die  Höhe  von  461  Klaftern  fand,  während  die 
trigonometrische  Messung  471  Klafter  ergab.  Noch  grösser  ist  die  Diffe- 
renz für  den  Sarosvar-Berg  bei  Gross-Saros  Nr.  163,  für  welchen  ich 
nur  2889  Klafter  fand,  während  er  trigonometrisch  zu  303.5  Klft.  bestimmt  ist. 

Von  früheren  barometrischen  Messungen  stelle  ich  im  Folgenden  die 
von  Kreil,  Alth  u.  s.  w.  ausgeführten,  die  sich  in  Herrn  Senoner's  Ver- 
zeichniss*)  befinden,  mit  den  meinigen  in  Paralleln,  bei  den  meisten  ist  die 
Uebereinstimmung  ziemlich  befriedigend  zu  nennen,  und  wo  diess  nicht 
der  Fall  ist,  gibt  wohl  die  Verschiedenheit  des  Slandpunctes  eine  genü- 
gende Erklärung  der  Differenz,  so  namentlich  bei  Cnghvar  wo  Herrn 
Director  Kreil  in  dem  höher  gelegenen  Seminar-Garten,  ich  aber  in  dem 
nahe  an  dem  Unghflusse  gelegenen  Gasthause  die  Messung  vornahm.  Ein 
Gleiches  kann  bei  den  zwei  aufgeführten  von  Herrn  Alth  gemessenen 
Puncten  der  Fall  sein,  an  welchen  ich  übrigens  auch  meine  Ablesungen 
bei    sehr    ungünstigem    unbeständigem    Wetter    vornahm. 


Nr. 

Ort 

Frühere  Messung. 

.Heine  Messung 

von 

Seehülie  Klt'tr. 

Klftr. 

12 

Kerepes 

Kreil 

11 61 

98-3 

17 

Kis   Bagh 

detto 

55.5 

62  5 

51 

Miskolcz 

detto 

65  9 

62.8 

67 

Hernad  bei  Kaschau 

Wahlenberg 

943 

96.8 

92 

Eperies 

Kreil 

1346 

128-4 

306 

Nagy    Mihaly 

detto 

570 

52-2 

318 

Unghvar 

detto 

70-1 

51  0 

365 

Munkacs 

detto 

601 

54.4 

371 

Bereghszasz 

detto 

58-3 

48-0 

387 

Holubina 

detto 

111  4 

102.3 

396 

A.    Vereczke 

detto 

235  7 

2244 

399 

Galiz.  Grenze 

detto 

421-6 

4228 

532 

Borsabanya 

Alth 

389-8 

362  4 

543 

Sattel  am    Kornedij 

detto 

936  6 

902  9 

*)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reiebsanstalf  IV    S.  534. 


Höhenmt'ssungen  im  nordöstlichen  Ungarn. 


77 


2.  Gipfel  und  Sattel  puncte  der  Wasserscheide  der  Kar- 
pathen.  Es  ist  wohl  von  einigem  Interesse,  dieselben  hier  abgesondert  in 
der    Ordnung   von    West   nach    Ost    zusammenzustellen. 

Die    Gipfelpuncte     sind     den     trigonometrischen    Messungen,     wie     sie 
auf  den    neuen    Comitatskarten    für    Ungarn    verzeichnet   sind,  entnommen. 
Nr.    meiner  n  Seehöhe 

Tabelle  Urt  Klftr. 

145  N.    W.    v.    Hethars 3028 

A  Mincsol 604-5 

134  Bei    Obrucsno .  3408 

A  Wisoki    Berest 4690 

A  Latskowa 523-0 

A  Wysowa 41024 

A  Jaworina    (bei  Begeto) 46015 

A  Dubci 3450 

A  Studeny 366-7 

236 1/8  Bei    Komarnik 247-2 

A  Paszik  B.  (Zempl.  Com.)  .  .  441-0 
A  Halicz    B.    (Galizien) 700  0 

341  Pass    bei    Uszok 4236 

A  Buszky-Put 6870 

399  Pass    bei    Verbias 422-8 

A  Javornik 4910 

A  Corna  Beppa  (Marmaros)  .  .  .  6730 
A  Popadie  detto  .  .  .915-0 
A  Welika  Keputa  detto  .  .  .  8480 
A  Bisztraberg  detto  .  .  9550 
A  Ploszka-Berg  detto  .  .  .  71 10 
A  Kukul  detto  .  .  .810-0 
A  Rusky  detto  .<  .  1082-0 
A  Czerna  Hora  detto  .  .  10580 
A  Stoy 868-0 

543  Kornedij    Pass 902-9 

537  Sattel    N.   v.    Stiol 811.4 

Der  tiefste    aller  Uebergangspuncte   würde    demnach    weitaus  jener  von 
Komarnik    sein. 

3.  Gefälle    der    Flüsse.     Auch    dieses    glaube    ich    für  einige  der 
wichtigeren    abgesondert    zusammenstellen    zu    sollen. 

Tarcza-Fluss.  W7.    Klafter. 

Von    Tarcza    bis    Eperies 785 

Von    Eperies   bis    Olczvar    (Kaschau    0.) 36-1 

Zusammen  1146 

S  z  i  k  c  s  o  -  F I  u  s  s. 

Von  Bartosfalu    bis    zur    Mündung    bei    Eperies 118-8 

Topla-Fluss. 

Von    Kruslyo    bis    Giralt 88"0 

Von    Giralt    bis    Bisztra    bei    Hanusfalva      18-9 

Zusammen  106  9 
On  d  a  va-Fl  uss. 

Von    Unter-Mirosso    bis  Tavarna 90-0 


78 


Franz  Ritter  von  Hauer. 


Labor  ecz-FI  uss.  W.    Klafter 

Von    Habura    bis    Homonna 123*8 

Von    Homonna    bis    Nagy-Mihaly 188 

Zusammen  142  6 

Ungh-FIuss. 

Von    Volozanka    bis    Unghvar 69-1 

Lyutta. 

Von    der    Säge    südlich    bei    Lyutta   bis    zur    Mündung 

bei    Dubrinics      * 2027 

Theiss-Fluss. 

Von    Körösmezö    bis    Szigeth 17(5*9 

Von    Szigeth   bis    Huszth 61-2 

Von    Huszth    bis    Tisza-Ujlak 238 

Zusammen  261-9 

Nagyag-Fluss. 

Von    Ökörmezö    bis    Huszth 137*6 

Talabor. 

Von    Szinever    bis  zur    Mündung    bei   ßeneczö 131*0 

Taraczko. 

Von  Kiraly-mezö  bis  zur  Mündung  bei  Remete  ....  149*0 
Bor  sa. 

Von    Sztrimtura    bis    Felsö-Vissö 1400 

Vissö-Fluss. 

Von  Felsö-Visso  bis  zur  Mündung  i  d.  Theiss  ....  8o*2 
Iza-Fluss. 

Von    Szaesal    bis    zur    Mündung    unterhalb   Szigeth  .    .     .    .  13v4 


1.  Gemessene  Höhen. 

I  )    l'  in  geh  ii  n  g    v  o  n    Pes  t. 
Differenz  Nr.  1  gegen  Ofen,  die  Uebrigen  gegen  Pest. 


Ort 


5  £ 


Pesl,  Gasth.  z.  König,  v.  England  3.  Stck, 

detto 

detto 

detto 
Sachsenfeld  (Strasse) 

detto 
Teteny  Schloss  (i.  Stock)  

detto 
Brunnen  im  Nussgraben  N.  bei  Teteny  . 

Plateau  N.  von  Teteny 

Mühle  an  der  Strasse  n.  Puszta  Bata  .    . 
Puszla  Bata 

detto 


1.  Juni 

2.  Juni 
detto 

3.  Juni 
2.  Juni 

detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 


440  A 

6h15  F. 
detto 

51  F. 

9h  F. 

7h30  A. 
iO1'  F. 
1210M. 
lihF. 
II1 15  F. 

3hA. 

3h22  A. 

5' 15  A. 


754-9 
755  7 
76224 
752  98 
764-57 
758-71 
763  37 
762.7  ' 
75734 
755-30 
76141 
757-20 


2-4 
2 


18.6 
12.0 
do. 

12-4+  13 
16  5—14  2 
i60-r  0-2 
15-4—10-8 
173—  1 11 

16-0-7-23-2 
19  0—  9-3 
17-2+  9  9 


756-37  16-5;+125[ 


Mittel 
55-9  574 

Mitte] 
491   50-4 

Mittel 
45  2'  46  5 
70-2  72  2 
78-4  80-6 
46-8|  48-i 

Mittel 
66  8  68 6 


Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Pngarn. 


79 


2)    Strasse    von    Pest    nach    Mezö-Kövesd. 
Differenz  gegen  Pest  und  gegen  Mezö-Kövesd. 


Ort 


33 


c   «  £ 

o  Oh  '— 


60:5  23 

c     i      . 

:_   :©  ä 

Q  g 


'S  H 


1  Pest  wie  oben     

8  Rakos      

9  Höhe  hinter  Rakos     .... 

10  Thal  bei  Czinkota 

U  Höhe   nach  demselben    .    .    . 

12  Thal  bei  Kerepes 

13  Höhe  zw.  Kerepes  und  Gödöllö 

14  «lödöllö  (Platz) 

13  Thal  bei  Besnyö 

16  Thal  hinter  Besnyö  (am  Bach) 

17  Kis  Bagh 

18  Höhe  vor  Aszöd 

19  Aszöd  Gasthaus 

r  detto 

20  Höhe  zw.  Aszöd  und  Kartal 

21  Kartal 

22  Hatvan 

23  Höhe  zw.  Hatvan  und  Hort 

24  Hort 

23  Höhe  hinter  Hort 

26  Thal 

27  Höhe  vor  Gyöngyös    .... 

28  Gyöngyös  (Gasthaus,  eb.  Erde 
„  detto 

29;Höhe  zw.  Gyöng    und   Haimai 

30 

31 

32 

33 

» 

34 
35 
36 
37 

38 


Thal  bei  Halmaj 

Thal  von  Pal  Püspöky     .    .    . 

Höhe  darnach 

Kapolna 

detto 
Höhe  zw.  Kapolna  u.  Kereesem 

Kerecsend  

Szikszö    

Szihalom  (Erlaufluss)      .    .    . 
Mezö-Kövesd 


3.  Juni 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 


5h  F. 

6hF. 

6'7  F. 

6h15  F. 

6'35  F. 

6K55  F. 

7h17  F. 

7h48  F. 

8"  5  F. 

8"37  F. 

9h  F. 

9h13  F. 

9h45  F. 
detto 
lO'lO  F. 
10'20  F. 
tlh13  F. 
llh45  F. 
12h  M. 
12h25  A 
12b45  A 
12\50  A. 

lh15  A. 
detto 

2h15  A. 

2h45  A 

3h13  A. 

3b20  A. 

4h  A. 

detto 

4'45  A. 

4l'50A. 

5h15  A. 

5'35  A 

6h33  A. 


B. 


757-38 

75761 

75514 

75652 

74799 

75083 

73563 

749  11 

751-26 

754-61 

757-22 

75560 

758-47 

75175 

75323 

755-40 

759-40 

75641 

758-31 

751  92 

75943 

75593 

753-22 

748-97 

843-62 

757-40 

756-69 

75219 

755-80 

751  58 

751  9t 

755-70 

7574 

7572 

758-35 


12.4 
13-2 
13  2 
13-5 
13  8 
130 
13  0 
13-3 
13.5 
140 
14-5 
14-5 
142 
do. 
142 
170 
18-5 
18-5 
18-3 
18-7 
18-8 
18-8 
17-5 
do. 
19  3 
19  8 
197 
197 
18-8 
18.8 
20-5 
195 
185 
180 
16  2 


. 

—    11 

59-4 

61  0 

—  13 

-  27 

563 

57-8 

+  14-9 

f-12.0 

71  3 

732 

-f-   5-4 

r  4  1 

62-8 

64-5 

4-570 

h55-6 

112  9 

1160 

t-40-0 

+  38-8 

95-6 

983 

r  132-9 

^131-7 

187  0 

1921 

r51-2 

+  499 

107-4 

110-3 

r37-9 

r36-6 

94-4 

970 

4-179 

+  16-6 

750 

770 

4-  3  9 

4-  16 

60-8 

62-5 

T12-4 

+  112 

706    71-5 

—  1-6 

—  2-9 

560    57  5 

ull  9*) 

— 

656 

67-4 

r27-7 

+  26-6 

84-6 

86-9 

4  14  7 

i  13-4 

71-8 

73-8 

—  9-3 

—10-6 

48-5 

49-8 

4-  93 

4-  7-7 

664 

68-2 

—  16 

3  1 

35-8 

574 

33  1 

33-2 

91  3 

93-8 

-  78 

—  9-4 

48-8 

51-2 

13-4 

rll-8 

70-4 

723 

r301 

r28  6 

86  6 

890 

+  45-7*| 

— 

95-9    98-5 

4-907 

r89-3 

145-7 

149  7 

+   5-7 

4-  4-3 

630 

64-7 

^-10  5 

|     9  0 

677 

69-5 

^37  9 

,36-4 

94-3 

969 

t  160 

1-1 4-6 

730 

750 

r  19  3*) 

— 

72-8 

74-8 

r39  6 

4-38-4 

95-7 

98-7 

|  10  6 

4-15-6 

73  8 

758 

+  6-4 

4-  4  6 

624 

641 

+  7-8 

4-   6-5 

65-1 

669 

4-    11 

— 

570 

58.5 

3)    Strasse    von    Mezö-Kövesd    nach    Ka schau. 
Differenz    gegen  Mezö-Kövesd. 


,_ 

u 

49 

a 

s 

<x> 

•—  t. 

Ort 

SS 

99 

g 

O 

0)     CS 

:0   — . 

6  -~ 

H 

33 

o 

s- 
« 

33 

CO 

i* 

38 

Mezö-Kövesd  (Gasthaus  1 

.   Stock 

3.  Juni 

6'33  A. 

B  733  32 

162 

4-  6  6*) 
—5115  *) 

« 

detto 

4.  Juni 

5'i0  F. 

B.  754  44 

107 

r    9  8  *) 
-52-6  2) 

60.45j62T2 

» 

detto 

detto 

detto 

75968 

10-7 

— 

— 

— 

*)  Differenz  gegen  das  Standbarometer  in  Ofen. 
3)  Differenz  gegen  das  Standbarometer  in  Kaschau. 


80 


Franz  Ritter  von  Hauer. 


Ort 


—       CA 

P 


■o  :r 


39 

40 
41 
42 
43 
44 
4;. 
46 
¥1 
48 
49 
50 

:;i 


Mezö-Nyarad 

Abrany  (Ort) 

Thal  von  Abrany 

Höhe  hinter  Abrany 

Thal  nach  demselben 

Höhe  vor  dem  Thal  von  Vatha     . 

Thal  von  Vatha 

Harsany 

Höhe  hinter  Harsäny    .... 

Thal  nach  derselben 

Höhe  vor  Csaba    

Csaba    

Miskolcz  (Gasth.  eb.  Erde)     .    . 

detto 

detto 
Sajo  Brücke  bei  Miskolcz   .    .    . 

Zsoleza      

Höhe  zwischen  Zsoleza  u.  Szikszo 

Szikszo 

Csobad  

Forro   (Gasth.  eb.  Erde)     .    .    . 

detto 

detto 

Novaj 

Hidas  Nemethi       


detto 


Kenyhecz 
Enviezke 


4.  Juni 
detto 

detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 

detto 
detto 


6'  10  F. 

625  F. 

6h30  F. 

6h40  F. 

6h45  F. 

6b48  F. 

TB    F. 

745  F. 

7''30  F. 

7h38  F. 

8L8    F. 

8'30  F. 

9'5    F. 

detto 

detto 
10h15  F. 
10i25  F. 
1 1  20  F. 
11L55  F. 

lh15  A 

2b10  A. 

detto 

detto 

47   A. 

5h15A. 

detto 

645  A. 

TA. 


76041 
758*91 

75961 
758-51 
759-71 

758  01 
75877 
758-19 
75316 
758-56 
746-97 
760-70 

759  19 
B.  753.67 
B.    detto 

76022 
76067 
75492 
759-53 
75791 
75603 
B.  751*76 
B.  detto 
75503 
753-92 

B.  74979 

75112 

74934 


13-2 
13.4 
13-5 
136 
13  7 
137 

13  9 
14-0 
14-4 

14  6 
14  8 
155 
164 
do. 
do. 
17-6 
17-8 
190 
193 
19  0 
184 

do. 
do. 
196 
175 

do. 

17  8 

17  0 


17 
39 
10 
59 

07 
84 
11 


+-29 -5 
-r  56 
r572 

-  3  5 
+-  31 

r  9-7  *) 
—52  1  2) 

-  1-7 

-  3  1 
^21-0 
+  0-2 
+  6  5 
-14-3 

f  151  *) 
—41-6  2) 
^14  5 
J-19-8 
+  26-8*j 
-25  0  a) 
+  29-3 
-390 


58-8 

644 

61-5 

66-4 

61-2 

68  9 

61  5 

65-7 

900 

661 

117-7 

570 

63-6 


604 
662 
63-2 
68-2 
62-9 
70-8 
63-2 
67-5 
92-5 
68-0 
120-9 
58-6 
654 


Mittel 


611 
58-8 
57  4 
81-5 
60  7 
67-0 
74-8 


62-8 
60-4 
590 
83-8 
624 
68-9 
76-9 


Mittel 
69-3  I    71  2 
75-0       77-1 
80-3  I    825 

Mittel 
83-4 


89-8 
99-5 


92-3 
102-2 


4)  Kaschau. 


r   =   ■ 

c 

_ 

-s        c 

o 

u 

o 

<s 

=  Cr* 

c   c 

r  E 

Ort 

iJD 

15 

=        g 

c 

aj  «3  _ 

—      SC 

—  ■*• 

c- 

,£ 

■Zz        P 

— 

—■    ~ 

- 

«3 

eo            S 

-  [H 

9  > 

rl  M 

J5  05  i3 

an 

X 

62 

Löderer  Gasth.  i.  1.  Stock  i.    Kaschau 

5.  Juni 

2h   A. 

B. 

747-48 

16-8 

—  9  7 

„ 

detto 

6.  Juni 

7' 30  F 

B. 

747-31 

14-6 

—  110 

„ 

detto 

do. 

do. 

A. 

7500 

do. 

55 

detto 

7.  Juni  7  45  F. 

A. 

74523 

140 

—  84 

„ 

detto 

9.  Juni  5'45  F. 

A. 

745-57 

15  3 

—10-5 

Mittel 

5) 

detto 

ll.Jun. 

i'37  A. 

A. 

749-46 

18-6 

—125 

1006 

1034 

*)    Differenz  gegen    das    Standbarometer    in    Ofen. 
2)   Differenz  gegen  das    Standbarometer  in   Kaschau. 


Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn. 


81 


5.)    Umgebung     von     Käse  hau    mit     Excursionen     nach     Galsecs 

und   Rank. 

Differenz   wo    es    nicht    besonders    bemerkt    ist   gegen   Kasehau. 


Ort 


«2 


63 
64 
65 

66 
67 


68 
69 
70 
71 

72 

73 

74 
741 

75 
76 

77 

78 
79 
80 
81 

82 


Victoria-Berg.  Kasehau  S.  W.   .    ■    . 

Apäthi  Szilvas  (Opaczka) 

Rücken  zwischen  d.  HtM-nad  u.  Tarcza 

nördlich  bei  Szcpla'k  .    .         .    . 
Wehre  üb.  d.  Hernad    oberh.  Szepläk 
Hernad-Brücke  bei  Kasehau       .    .    . 

detto 

detto 
Höchster  Punct  d.  Strasse  N.  b.  Ujfalu 

detto 

detto 

detto 
Brücke  über  d.  Tarcza  bei  Olcsvar  . 

detto 

detto 

detto 
Hchst.Pct.  d.  Strasse  zw.OIcsva'ru.Böod 

detto 

detto 

detto 
Osva-Thal  bei  Böod 

detto 

detto 

detto 

Kirche  in  Böod 

Höhe  W.  v.  Also  Kemencze  .... 
Letzte  Höhe  vor  Bad  Rank  .... 
Bad  Rank  (Herlein) 

detto 
Fuss  der  Trachytfelsen  NNO.  v.  Rank 
TrachyttuffNNO.  v.  Rank  .... 
F.  Szinye  (a.  d.  Strasse  v  Gälsecs)  . 

detto 
Kelecseny 

detto 
Dargö-Bg.  (höchst.  Punct  d.  Strasse) 

detto 
Dargö  Ort 

detto 
Gälsecs  (Scbloss  des  Bar.  Fischer)  . 

detto 

detto 
Thal  bei  Tarnoka 


6.  Juni 

detto 

detto 
detto 

8.  Jim 

9.  Jim 
10.Jun 

7.  Jim 
S.  .lun 
9.  Jun 
lO.Jun 

7.  Jim 

8.  Jun 

9.  Jun 

10.  Jun 

7.  Jun 

8.  Jun 

9.  Jun 

10.  Jun 

7.  Jun 

8.  Jun 

9.  Jun 
lO.Jun 
8.  Jun 
7.  Jun 
7.  Jim 

7.  Jun 

8.  Jun 
7.  Jun 
7.  Jun 

9.  Jim 
lO.Jun 
9.  Jun 
lO.Jun 
9.  Jun 
lO.Jun 
9.  Jun 
lO.Jun 
9.  Jim 

detto 
lO.Jun 
9.  Jim 


6'   5  A. 
2'55  A. 

3'  37  A. 

4-30  A. 
10hF. 

6h22  F. 

0''20 

342 

9'50 

6'45 
10hF 

3'37 

9'20 

7' 12  F. 

9h35  F. 

4h  A. 

9hF. 

7h45  F. 

942  F. 

41 15  A 

8''37  F. 

Sh  8  F. 

8>'45  F. 

8h30  F. 

4h45  A 

545  A. 

5'30  A. 

7hF. 

7''22  A. 

7h45  A. 

8h30  F. 

8'23  F. 
10hF. 

8hF. 
10'30  F. 

7h40  F. 
11"  7  F. 

6b45  F. 
12h30M. 

3h35  A 

6h  F. 

5h  A. 


741-57 

748-28 


17-8 
191 


737-49  19-8 
747-60  19-2 


748-59 

74719 

747-49 

733-28 

734-89 

734-01 

734  09 

74786 

750-10 

74838 

748-70 

73326 

736  15 

734-27 

734-20 

743.8 

74631 

744-55 

74422 

744  66 

73347 

725  18 

728-23 

729-38 

708-56 

714-41 

741.3 

741-35 

734-20 

734.4 

719-59 

719-54 

719-59 

74121 

75293 

75219 

754-42 

74832 


163 
160 
200 
15-9 
15-8 
17-3 
194 
170 
15-4 
17  6 
19-8 
17  4 
150 
178 
194 
17-6 
14  6 
190 
198 
14-5 
16-5 
16  2 
160 
140 
14-5 
140 
191 
19-7 
20  0 
19-5 
196 
16-9 
20-2 
18-9 
21'5 
19-9 
170 
2 10 


t-20-4 

1220 

—  5-8 

94-8 

+  43-3 

143-9 

—  5.7 

94  2 

-942") 

—  7  1 

+  32-22) 

94-2 

j-58  5 

-28-1  *) 

+  55 -5 

r93-7^) 

158-9 

—10-2 

—99-8*) 

—  12.3 

^26.72) 

89-8 

1  58  9 

—33-4*) 

,55  2 

+  95.1  2) 

156-9 

+  9.0 

— 81 T*) 

+   6-7 

+  47.82) 

108-8 

—68.7*) 

120-8 

+  68-3 

165-9 

T  109-4 

2090 

t93.7 

190-8 

r  195-9 

295-5 

-161-1 

260-5 

T22-4 

t-60.92) 

123-4 

-56  5 

r9472) 

157-4 

t  132-4 

r  170-72) 

2333 

+  24-2 

-r60-42) 

123.7 

—339 

-354 

65-3 

—19.7 

83-5 

1253 
974 

146-9 
976 


96- 


163-3 


923 


161  2 


111-8 
1251 
170-5 
214.8 

196-1 

3037 
267-7 

126-9 

161-8 

239-8 

1272 


671 
85-9 


*)  Gegen  Bad  Rank. 
3)  Gegen  Galsecs. 

Mittheilungen  der  k.  k.  geogr.  Gesellschaft.  III.  Bd.  II.  Heft. 


82 


Franz  Ritter  von  Hauer. 


6.)    Strasse    von    Kaschau    nach    Eperies. 
Differenz  gegen    Kasehau. 


Ort 

g 

n 

a 

3 

Ca 

0) 

4> 
© 

CS 

CO 

5 

1 

E- 

Seehöhe  in 
Toisen 

Seehöhe  in 
Klftr. 

83 

Höchster  Punct  der  Strasse  zwischen 

1  l.Juni 

2''40  A. 

73519 

20-2 

67  5 

1681 

172-8 

84 

Tarcza-Thal  bei  Vajköcz      .... 

detto 

3bA. 

749-59 

20-5 

—  2  3 

98-3 

100  8 

S'i 

detto 
detto 
detto 

3'14  A. 
3h45  A. 
4*' 10  A. 

748  66 

749  55 
74916 

20-6 
208 
210 

r   2  5 

—  1-9 

00 

1031 

987 

1006 

106  0 

8fi 

101-5 

87 

103-4 

SS 

detto 
detto 
detto 

4'30  A. 
5h  SA. 
5'23  A 

748-07 
747  07 
74357 

20  5 
190 
189 

+   50 
^10-2 

-r27-2 

1056 
110-8 
127-8 

1085 

S'I 

Sz   Peter 

113  9 

«III 

Höhe  an  der  Strasse  N.  von  Sz.  Peter 

131-4 

1)1 

Brücke  über  d.  Szikcso  vor  Eperies 

detto 

5h45  A. 

748-48 

185 

+  4-8 

1054 

108-3 

92 

Eperies  (Gasth.  z.  Krone,  1.  Stock) 

12.1  uni 

7''45  F. 

\i. 

74455 

18-2 

-r-14-i\ 

U        1 

c 

detto 

detto 

3h30  A. 

745  07 

222 

-15-3) 

6 

o 

detto 

13. Juni 

6bF. 

B. 

744  19 

135 

+  60 

C     T2 

2. 

detto 

14.Juni 

7hF. 

15. 

741-31 

15-4 

+  12  6/ 

tc  a 

C«      3 

detto 

detto 

7h  A. 

ti. 

74031 

171 

+  113 

So   &c 

&     — 

detto 

15. Juni 

7h30  F. 

B. 

740  89 

17-0 

+  ll-7\ 

—      3 

cj     2 

detto 

20.Juni 

8*30  F. 

73691 

15-8 

4-14-5/ 

detto 

21.Juni 

9h15  F. 

73771 

18-2 

+  16-2 

2  -° 

"c 

detto 

detto 

12*30  M. 

737  57 

19  9 

rl63\ 

u     c 

Ol      QJ 

c 

detto 

22  Juni 

6h  F. 

738-24 

140 

+  15-0 

co  m 

+• 

detto 

23Juni 

12''30M. 

i; 

73954 

180 

+  23-2  ' 

Mittel 

n 

detto 

24..1uni 

7hF. 

B 

73976 

15-6 

+  11-2/ 

124.98 

128  42 

93 

Kalvarienberg  SW.  von  Eperies  .    . 

li.Juni 

81'  5  A. 

741  35 

16-2 

+  40-3 

140-9 

144-8 

7.)    Umgegend    von   Eperies. 
Differenz  gegen  Eperies. 


Ort 


5* 


4)  C_ 


114 
95 
96 


Soovar  Ferdinandi  Sudhütte   .... 
detto  Schachtkranz  d.  Leop. -Schachtes 
Steinbruch  hinter  dem  Kalvarienberge 


97  Bad  Villetz 

98Borkut  (Kapel) 

99  Kleiner  Borkut 

100  Höhe  zwischen  Borkut  und  Badacs 

101  Dorf Badacs     

102  Szvinka-Fluss  bei  Berzenke     .    .    . 

103  Bad  Czemete  (Gasthaus)  .... 
104|  detto  Brunnenspiegel  .  . 
105iHöchster  Punct  der  Strasse  zwischen 

Czemete  und  Eperies 


12.Juni 
detto 

13. Juni 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 


7h  A. 

7' 10  A. 

8'30  F. 

9'55  F. 
10'  30  F. 
llbF. 
1  P30  F. 
12'30M. 

3'45  A. 

5"  5  A. 

7' 10  A. 

8>'50  A. 


74510 
743  10 
740-76 
74248 
746- 11 
744-39 
731  79 
740-70 
739-25 
732-17 
732-80 

728-17 


19-8 
19-8 
18-2 
20-3 
18-3 
20- 1 
18-9 
20-4 
17-9 
172 
15-8 

150 


—  0  2 
-rll-9 
t-33-3 
T241 
+  5-7 
-r  130 

r72-7 
+  27  3 

r26-3 
T59-0 
+  53-2 

+  73-8 


124-8 
136-9 
158-3 
148-1 
130-7 
1380 
197-7 
152-3 
151-3 
184-0 
178-2 

198-8 


126-3 
140-8 
162-6 
152-2 
134-3 
141-8 
203-2 
1565 
1555 
187-1 
183-2 

204-3 


Hüheniiiessungen  im  nordöstlichen  Ungarn. 


83 


.)    Strasse    von    Eperies    nach    Hertnek. 
Differenz  gegen  Eperies. 


Ort 


5H 


-r  « 


106 

107 
108 
109 

HO 
111 
112 

!I3 
114 
115 

116 


Also  Sebes    

detto 

Isehl  N.  von  Sebes    

Szikcso  bei  Pinta  (Sebes  N.)    .    . 
Kapi  (Alluvial-Ebene) 

detto 
Töltsek  (Brücke  bei  der  Kirche)  . 

Demethe  (Brücke) 

Slov.  Raszlavitz 

Berczallya  (Janöcz) 

Bartosfalu 

Hertnek  Schloss  1.  Stock     .    .    . 

detto 
Schwefelquelle  NO.  von  Hertnek 


15.  Juni 
25.  Juni 

15. Juni 
detto 
detto 
25.  Juni 
15.  Juni 
detto 
detto 
detto 

15.  Juni 
detto 

16.  Juni 
15.  Juni 


8' 15  F. 

6h50  F. 

8' 30  F. 

8h50  F. 

10' 45  F. 

8*30  F. 

II !  1 5  F. 

U'35  F. 

12  15  M 

12  45  M 

5ll50  A. 

3' 45  A. 

430  F. 

440  A.i 

I 

743-26 
734  51 
742  38 
743-68 
743-09 
73181 
741  29 
73989 
737-79 
731  4!) 
723  20 
721-45 
722  82 
728-85 


18-2 

13  8 

16-6 

170- 

18-4  — 

17-2  + 

ls  0  - 

19  2 

195 

195 

160 

ISS 

14-3 

170 


2-8 

11-5' 

14 

15 

09 

5-6" 

7-7 

142 

238 

55-3 

96-3 

+  108-2 

+  1091' 

+   66-9 


Mittel 


+ 


))  122  4 
1126  4 
|l23  5 

125-9 


131  7 

139-2 
148-8 


125-8 
1299 
126  9 

129-4 

135-4 
143  1 
152  9 
179-3J184-3 
221  0  227  1 

225  6  231-8 
191-61 196  9 


9.)    Csergo -Mincsol-Gebi  rge 

Differenz  gegen  Hertnek. 


Ort 


P 

16.  Jun 

7''30  F. 

detto 

8*'30  F. 

detto 

9h  F. 

detto 

9'15F. 

detto 

9h45  F. 

detto 

10"  0  F. 

detto 

1 1'  0  F 

detto 

11*20  F. 

detto 

T50A. 

detto 

2M5  A. 

detto 

2b30A. 

detto 

3hA. 

detto 

3h35  A. 

detto 

4h  A. 

detto 

4"45  A. 

detto 

5h  0A. 

detto 

5h15  A. 

detto 

740  A. 

detto 

8h15  A. 

5c  '3 


S  £ 


117 
118 
119 
120 
121 
122 
123 
124 
125 
126 
127 
128 
129 
130 
131 
132 
133 
134 

135 


Prehiba  (SW.  v.  Hertnek)      ... 

Csergo-Spitze 

Sattel  zwischen  Csergo  u.  Szoliszko    . 
Szoliszko  Berg  (20  Fuss  unt.  d.  Spitze 
Sattel  zwischen  Szoliszko    u.    Javorina 
Javorina  Berg   (40  F.  unt.  d.  Spitze) 
Sattel  bei  der  Kapelle  (S.  v.  Livö)  .    . 

Quelle  w.  v.  diesem  Sattel 

Nächster  Sattel  westl.  davon    .... 

Nächste  Spitze  West 

Sattel  S.  von  Livö  Hutta 

Letzter  Sattel   SO.  v.  d.  Mincsol  .    .    . 

Mincsol  Westl.  Spitze 

Mincsol  Oestl.  Spitze 

Sattel  W.  v.  Livö  Hutta 

Höhe  nördlich  davon  

Letzte  Spitze  N.  am  Mincsol-Geb.  .    . 
Tiefst.  Punct  der  Wasserscheide  zw.  der 

Topla  und  Poprad  bei  Obrucsno 
Volya  Orosz 


682-79  14  7 
672-31  15  5 
673  17  15  0 
668-2S  I4S 
676  86  13-7 
672-45  13  0 
692  53  160 
687-55  14  -8 
680-9(1  150 
675-20146 
678  59  146 
673  78  14-5 
6641 9  140 
661 -SO  14  0 
678-92  13  8 
671-22  14  O 
671T7  14-3 


703-75 
717-55 


14-8 
140 


1 244 
-  309 
+  304' 
+  333 
+  281 
+  307 
r180 
+  216 
+  255 
+  289 
+  268 
+296 
+  352 
+  365 
+  260 
+  306 
+  307 


4  470 
3  534 
530 
561 
506 
539 
412 
441 
481 
515 
494 
9.9, 


+  1061 
+  22-3 


02 

578 
591 
485 
532 
532 


331-7 
247-9 


482-9 
549-6 
544-7 
577-4 
520-7 
554-2 
4235 
4541 
494-4 
5295 
5079 
5365 
5942 
607  6 
499-3 
546-8 
547-4 

340-8 
2547 


*)  Differenz  gegen  Kaschau. 
**)  Differenz  gegen  Sebes. 


84 


Kranz  Ritter  von  Hauer. 


10.)    Umgebung    von    Palocsa,   Hethars    und     Zeben    bis 

E  p  e  r  i  e  s. 

Differenz   am    I7ten  gegen    Csircs,    am    18ten    gegen   Bad   Lublau,  am  19ten  gegen  Tarcza 

am  22ten  gegen  Eperies, 


Ort 


5^ 


r. 


u      — 


136  Csircs  (Haus  des  Popen) 
137Lubotin  a.  Bach 

detto 

138  Palocsa  Gasthans 
detto 

139  Plavnicza 
detto 

140  Höh.  a.  d.  Strs.  zw.  Plavnicza  u.  Lublau 

141  Bad  Lublau 

detto 

142  Höhe  zw.  Bad  Lublau  und  Feketeküt 

143  Feketeküt  (Schönbrunn)  Mitted.  Ort. 

144  Thal  v.  Kijo  (an  der  Strasse)  .  . 
14ö]Wasscrsch.  zw.  Poprad  u.  Tarcza  . 
146  Hethars  (Siebenlinden) 

detto 
|47Kriväny 

detto 
148  Tarcza 

detto 

149JDarocz 

130 
151 
152 


153 

154 

155 
156 

157 
158 
159 
160 
161 
162 

163 


Vörös-alma 

Pechujfalu 

Zeben  Com. -Haus  (2l/2  T.  ii.d.Bod.) 

detto  am  Boden 

Orkutu  ......... 

detto 
St.  Mihälv 

detto 

Gergellaka  (Kirche) 

Ternye  

Adamfölde  (Schloss) 

Balpataka  

Bodonlaka  (Oberes  Ende  des  Ortes) 

P.  Tölcsemes 

Jakabfalu 

Ebene  von  Gross-Saros       .... 

detto 
Sarosvar-Bg.  Sptz.  d.mittl.  Thurmes 


17.  Juni 
detto 

18.  Juni 

17.  Juni 

18.  Juni 

17.  Juni 

18.  Juni 
17.  Juni 

17.  Juni 

18.  Juni 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

19.  Juni 

18.  Juni 

19.  Juni 

18.  Juni 

19.  Juni 
19.  Juni 
19. Juni 

detto 

detto 

22.  Juni 

19.  Juni 

22.  Juni 

19.  Juni 

22.  Juni 

22.  Juni 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

19.  Juni 

22.  Juni 

detto 


6''30  F. 
10' 30  F. 

1'45A. 
1 1'30  F. 
II1' F. 

5' 45  A. 

9'30  F. 

6'10  A. 

7h  A. 

6h15F. 

7L35  F. 

8'30  F. 

441  A. 

44  7  A. 

6"  A. 

4'50A. 

6"30  A. 

4\30  A. 

6hS0A. 

44  5  A. 

845  F. 

525  A. 

5'50  A. 

6'A. 

6''  6A. 

6h30  A. 

6"55  A. 

6h45  A. 

740  A. 

8hF, 
10h  5  F. 
10' 45  F. 

245  A. 

415  A. 

4h45  A. 

540  A. 

745  A. 

7'30  F. 

8' 25  A. 


716-46 
717-30 
720-79 
717-92 
720-72 
714-29 
717-44 
707-09 
708-70 
71193 
703  13 
705-63 
712-20 
710-72 
728-8* 
725-60 
726-46 
722-56 
726  60 
722-86 
72014 
728-30 
729-09 
731-39 
733-23 
732-09 
733-78 
733-40 
73617 
73170 
72671 
724-91 
722.66 
719-20 
722-74 
724-62 
736-31 
73828 
709-74 


140-3  * 

-  44 

—  43-3 

—  8-4 

—  43-3 
+  14-6 

—  26  7 
,     601 

+  52-8 
+  169-8° 
4-  54  4 
4-  410 
+  3-9 
-f  126 

-  90-9) 

-  16-Oj 

-  78-6( 

r  1-M 
_  79-4 
+  93-8 
+  294 
_  31-8 
_  354 
_  471) 
-f  25-5f 
_  51  0 
+  243 
_  576 
13-3 
33-9 
j-  59-2 
r  690 
-j- 180-6 
+  03  1 
r  75-8 
+  68-5 
198  —  71-6 
14-6-  15 
—  1  +  1562 


11  6 
19-4 
165 
19-4 
15-6 
200 
130 
200 
170 

9-9 
11  0 
11-2 
15-5 
15-4 
16-8 
208 
16-5 
200 
161 
19-5 
129 
199 
19  4 
190 

?  2) 
19-2 

194 

14-8 


238-3 

238-8 

238-8 

255-4 
261-5 


282-1  289-9 
336-5  345-8 


323  1 
2860 
294-7 


) 


r 


244  8 

2454 

2454 

262- 4o 
268-7 


3321 

293  6 
3028 


Mittel 
1910  L963 

Mittel 
20311208-7 

201-4,206  9 
230-8  2371 

169-6  174:; 
i  66  0|  170-7 

Mittel 
152  4  156-7 

Mittel 
14981539 

Mittel 


1410 
158  9 
184-2 
1940 
205-6 
228- 1 
200-8 
193-5 


1448 

163-3 
189-3 
199-4 
211-3 

2344 
206-4 
198-9 


Mittel 


1281 
281-2 


131  7 
2889 


*)  Differenz  gegen  Kaschau. 
8)  Luftthermometer  gebrochen. 


Höhcnmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn 


85 


11.)    Strasse     von     K  u  p  i     11  a  c  h     H  a  n  u  s  f'a  1  v  a    und    Umgebung    des 

letzteren    Ortes 

Differenz  gegen  Also  Sebes  (Nr.  106). 


164 
165 
166 
i67 
168 
169 
170 
171 
172 
173 


Ort 


Lada 25.  Jun 

Palvagas  Kapi  (S.  v.  d.  Strasse)     ...      detto 

Yagas-Lipnik detto 

Höhe  zw.  Vagas-Lipnik  und  Pod-Lipnikj  detto 

detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 


Pod-Lipnik 

Kalksteinfelsen  S.  v.  Palvugas-Keczer 

Hanusfalva  (Sehloss) 

Bisztra 

Sauerqnelle  an  der  Topla  bei  Bisztra 
Mogyoröska    


91'  F. 

9'  15 

10'  15 

tO'25 

11"  F. 

12' 30 

2' 15 

4' 15 

4'25 

5''40 


— 


732 
725 

730 
726 
735 
70s 
738 
743 
744 
743 


17-5 
17-8 
185 
19-0 
200 
22  0 
21-5 
215 
21*5 
214 


c    = 
Ol    v 

&4         <*> 


+  2' 
+  36 
+  12' 
+  29 

—  17 
+  135 

—  36 
-  58 

-  63 

-  55 


125 

158' 

135 

152 

104 

257 

85' 

64 

58 

tili 


5J   jz 

s  = 

SO 


2128-7 
7J1631 
0|1837 
0  156-3 
7107-6 
8  2649 
7   880 

4  662 

5  601 

6  68-4 


12.)     Umgebung     von     G  i  r  a  1 1  ,     dann     Strasse     von 
S chavnyik    u n d     nach    B a  r t f e  1  d. 

Differenz  sresren  Girult. 


dort     nach 


Ort 


174  Giralt.  Wohn.  d.  Stuhlrieht.  e.Erd. 
detto 
detto 
detto 

175  Ebene  bei  Giralt 

176  Szobos    

177  Kerekret  (Sehloss) 

178  Radoma  (Wirthshaus)       .... 

179Sehavnyik  (Badhaus) 

180  Brücke  über   die  Topla  bei  Giralt' 

2-/2  Toisen  üb.  d.  Wasserspiegel 


181  Kardesony-mezö 

182  Kükemezö  .    .    . 

183Nyirjes 

184Laszcz6 

185  Margonya  (Sehloss)      .... 

186  Herhej 

187jKohany  (westl.  von  der  Strasse)  . 
188IPorubka     ....        

Nemetfalu 

Spiegel  der  Topla  in  Nemetfalu  . 

Kurima 

Dubine 


189 
190 
191 
192 

193|Polvak6ez 


194 
195 
196 


Hraböcz      

Komaröcz  (Spiegel  der  Topla) 
Bärtfaujfalu 


26.  Juni 
detto 

27.  Juni 
detto 

26.  Juni 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 
detto 
detto 

27.  Juni 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 


7h20  F. 
detto 
9*10  F. 
detto 
9''  6  F. 

10'tO  F. 

1  lh  5  F. 

I2h  5M. 

12''45  A. 

6*15  A. 

6'45  A. 

730  A. 

11'  15  F- 

1T'30  F- 
12"  M. 

4'  25  A 

4'45  A. 

645  A. 

6'  25  A. 

6h30  A. 

6''40  A. 

6'53  A. 

7M5A. 

7h30  A. 

7'  50  A. 

8*'15A. 


744  57 
742-90 
744  38 
742-61 
747-34 
74583 
743  67 
743  88 
742-74 

74770 
74693 
744-70 
747-33 
746  36 
74494 
74269 
739  50 

742  49 

743  09 
743.39 
742-70 
742.10 
741-69 
74060 
739-42 
732  96 


5H 


12-6        — 
do.  -170* 
17-0       — 
do.  —16  0' 
150—  91 
16  2—  0  7 
15-8  i-r- 10-3 
16-9  -r  15  1 
17-8   r  15  0 

162'—i5.2 
160  12-4 
15  8  —  2-3 
17-6—177 


17-8 
180 
196 
200 
18-8 
18-6 
18-4 
18  2 
18-0 
16-0 
15-5 
150 
13-9 


-13-7 

-  8.5 

-  4-8 
-f  98 

-  3-3 

-  5-9 

-  70 

-  3  6 

-  0-2 
+  2-2 
+  7-4 
■f  13-4 
+  44-4 


-H 


■5W 


Mittel 


94-5 

971 

854 

87-7 

938 

964 

104-8 

107-7 

109-6 

1126 

109-5 

112-5 

79  3 

821 

92-2 

76  8 

808 

8fi-0 

89-7 

104-3 

91  2 

887 

875 

90-9 

94-3 

96-7 

1019 

107-9 

138-9 


815 

84-3 

94-7 

789 

83-0 

88-4 

92-2 

107-2 

937 

91-2 

89  9 

93-4 

899 

994 

104-7 

110-9 

142-7 


')  Differenz  gegen  Kaschau,  Standbarometer. 


86 


Franz  Ritter  von  Hauer. 


13.)  Bartfeld  und  Umgebung  dieses  Ortes. 
Für  Bartfeld  die  Differenz  gegen  das  Standbarometer  in  Kaschau. 


Ort 

g 

s 

a 

Zeit 

S 

3) 

O 

= 

o 

E 
c 

9 
s:   "T 

z  % 

'r  >> 

—        tf. 

Differenz 

gegen  Bartfeld 

5  5 

~  '- 
VI 

8.2 

19?  Bad  Bartfeld      .... 

28.  Juni 

745  F. 

B.730-66 

13-5 

4S-? 

detto 

detto 

detto 

731-00 

do. 

— 

— 

detto 

detto 

4''  A. 

B.  73090 

17.1 

+  50-3 



detto 

detto 

detto 

730-40 

do. 

— 

— 

detto 

detto 

7b50  A. 

B.7330 

14  2 

+   42-0 

— 

detto 

detto 

detto 

73244 

do. 

— 



detto 

29.  Juni 

7"30  F. 

B.  733-84 

111 

f-  45  1 



detto 

detto 

detto 

733-68 

do. 

— 

— 

detto 

detto 

llh  F. 

B.  73412 

107 

+  45-2 



detto 

detto 

detto 

734-19 

du. 

— 

detto 

detto 

4h  A. 

B.  734-58 

125 

|  43-7 

— 

detto 

detto 

detto 

733-56 

do. 

— 

— 

detto 

30.  Juni 

6b15  F. 

B. 73391 

88 

-f  462 



detto 

detto 

detto 

732-88 

do. 

— 

detto 

detto 

715  A. 

B.  733-60 

12-8 

+  48-5 

detto 

detto 

detto 

732-40 

do. 

. — 

detto 

1.  Juli 

645  F. 

B. 733  92 

100 

+  47-1 

detto 

detto 

detto 

73308 

do. 

— 

detto 

3.  Juli 

7'25  F. 

B. 733-88 

14  2 

+  47-7 

detto 

detto 

detto 

732-81 

— 

— 

detto 

detto 

10*30  F. 

73371 

18-4 

+   48-6 

detto 

detto 

detto 

732-88 

do. 

— 

detto 

4.  Juli 

745  F. 

735-36 

143 

+  52-7 

Mittel 

detto 

5.  Juli 

6'30  F. 

733-69 

12-5 

-f  49-3 

158-3 

162-7 

198 

Stadt  Bartfeld   (Stuhlr.- 

Amt  1.  Stock     .    .    - 

28.  Juni 

4b45  A. 

73443 

179 

— 

—  28-0 

1303 

1339 

199 

29.  Juni 

4b45  A. 

738-  IS    130 

— 

—  21-8 

JJ 

detto 

5.  Juli 

8b15  F. 

73864    L5-3 

25a 

— 

136-5 

140-3 

200 

Ruine  Makovicz     .    .    . 

1.  Juli 

6'30  A. 

717-29    160 

125-4 

— 

2364 

242-9 

201 

540  A. 
7h30  A. 

734-71    12-7 
733  39    Uli 

— 

—     50 
+     21 

)! 

detto 

detto 

» 

detto 

2.  Juli 

5h  A. 

732  36    11-3 

+  400 

M 

ttel 

» 

detto 

5.  Juli 

8h40  F. 

733-91    13-4 

-f  48-1 

155-7 

1600 

202 

Höhe  zwischen  Hoszuret 

und  Andrejowa  .    .    . 

2.  Juli 

8h  5  F. 

724-74 

138 

+  77-8 

— 

1888 

1940 

203 

2.  Juli 

8b40  F. 

73404    130 

+   32-6 

— 

143-6 

1476 

204 

Meierhof  N.  v.  Andrejova 

detto 

9b30  F. 

72612    130 

-H  70-7 

— 

1817 

186-7 

205 

Höhe  W.  v.  Czigla     .    . 

detto 

1045  F. 

715-70    13-2 

i  129-8 

— 

140  8 

144-7 

206 

detto 

ilh30F. 

73170    12  8 

■f  44-1 

— 

1551 

159-4 

207 

detto 

1245  M. 

732  96    11-5 

+   376 

— 

1486 

152-7 

208 

Höhe    zwischen    Dubova 

und  Niklova  .... 

detto 

3b55  A. 

725  61     114 

f   75.8 

— 

1868 

1919 

209 

detto 

440  A. 

730-38    11-5 

+   520 

— 

1630 

1675 

210 

Räuberbrunnen  (NW.  v. 

Bad  Bartfeld  .... 

30.  Juni 

9bF. 

700- 15    10  8 

— 

T  189-5 

347  8 

3574 

211 

Magura  (Kamenahora)  . 

detto 

9'45  F. 

683  15    10  6 

— 

r290  3 

448-6 

461-0*) 

212 

Aranypataka      .... 

detto 

1240  M. 

72641     ITii 

— 

+  30.9 

1892 

194-4 

213 

Höhe    zw.    Aranypataka 

und  Bad  Bartfeld  .    . 

detto 

2h45  A. 

715'54 

13-2 

— 

+  86-8 

243-1 

251  9 

*)  Nach  trigonometrischer  Messung  471  08. 


Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn. 


87 


Ort 


te   e 
Q   S, 


4)   fH 


2  Uä 


»2-< 


214  Brücke  zw.  Stadt  ßartf. 

und  Särpataka  .    .    . 

215  Sarpataka 

216Bokitö 

217Tarn6 

218  Kruslyo  (Marienthal)     . 
219Szverzsö 

220  Unter-Tvaroscza    .    .    . 

221  Sattel  zw.  U.  Tvaroscza 

und  Stebnik  .... 
222Stebnik      


1.  Juli 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 
detto 


8''  F. 
8'20  F, 
8>'35  F, 
8'45  F. 
9'40  F. 

10'15  F. 

11*  0F 

12''45M 
4'50  A 


739-31 
735-48 
734-78 
733-62 
732.29 
731-26 
723-91 

700-39 

72648 


12  9 

132 

13  4 
13  5 

142 
152 
165 

150 

180 


17-7 
37-0 
40-0 
45-7 
51-5 
57-0 
94-8 


+  233  6 
+    711 


128-7 
148-0 
1510 
156-7 
1625 
168-0 
205-8 

344.6 
182-1 


132-3 
1521 
155-2 
1610 
1670 
172  6 
211-5 

3541 
187-1 


14.)  Strasse  von  Zboro  nach  Szvidnik  und  Komarnik  an  der 
gali  zischen  G  ranze. 

Differenz  gegen  das  Kaschauer  Stand baroineter. 


Ort 


pq 


CG 


223 

224 
225 
226 
227 

228 
229 
230 
231 


232 
233 
234 
235 
236 
236VS 


Smilno 

detto 

Thal  bei  Jedlinka 

Unt.  Polyanka 

Hutka  (Brücke)    

Ob.  Miroso 

Unt.  Miroso 

Ob.  Orlich 

Unt.  Orlich 

Szvidnik  (Schloss) 

detto 

detto 
Thal  von  Kapisov    ...... 

Ladomir 

Hunköcz  

Polana-Krajna 

Unt.  Komarnik  (Posthaus)  .    .    . 
Sattel    zwischen    Komarnik    und 
Barwinek     


29.Juni 

5.  Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

6.  Juli 
5  Juli 
detto 
detto 
d  etto 
detto 

detto 


6h30  A 

9b10  F. 

9*25  F. 

9'40  F. 

9h55  F. 

1045  F. 

10''35  F. 

llh  0F. 

1T15  F. 

12h30  M. 

detto 
7h  F 

3b55  A. 
4h10  A. 
4h45  A. 
5h15  A. 
6h  8  A 

7h  5  A. 


72222 

722-38 
727-67 
728-36 
72635 
73025 
73575 
739-33 
740-78 
741  05 
B. 740  33 
742-06 
739  41 
73731 
733  85 
731-77 
72677 

715-76 


11-0 

14  6 

14-7 

148 

149 

150 

152 

154 

15-5 

160 

do. 

11-3 

14-8 

14-8 

146 

14  4 

120 

95 


+  58-0*) 
+  105-7 

+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 
+ 


76-7 
72  0 
81-2 
631 
328 
13-2 
70 

2-4 
28 
6-9 
166 
337 
441 
690 


Mi 
216-5 
187-7 
1830 
192-2 
1741 
1438 
124-2 
1180 


ttel 
222-5 
192-9 
188-1 
1971 
178-9 
147-8 
127-6 
121-4 


Mittel 


+  129-6 


113-6 
1179 
127-6 
144-7 
1551 
1800 

2406 


1167 
121-2 
131-3 

148.7 
159-4 
1850 

247-2 


*)  Differenz  gegen  Bad  Bartfeld. 


88 


Franz  Ritter  von  Hauer. 


15.)   Strasse  von  Szvidnik  über  Sztropko  nach  Homouna. 
Differenz  gegen  Kaschau. 


Ort 

ez 

ts: 

3 
o 

© 

=5 

43 

O 

3 

.0) 

er 

s 

OB    = 

—  3 

-  = 

?,37 

6.  Juli 

S  Y.i  F. 

945  F. 

9'30  F. 
10' 40  F. 

detto 
12*05  A. 

rio  a. 

I'40  A. 
21'  0  A. 
2  23  A. 
3'   5  A. 

detto 
4  30  A. 
5'25  A. 

t;  :;  \. 

6' 15  A. 
6'25  A. 
6'45  A. 

?   :;  \. 

7b45  A- 

745-86 
747-21 
747-59 
746-59 

V,  744 -75 
748-68 
74S-?) 
7411-38 
751  1  5 
75113 
750-83 

B.  747-67 
752-05 
75205 
744.2 
753-0 
751-9 
751-7 
751-2 
750.4 

141 
148 

15-2 

170 

do. 

193 

19-4 

19-6 

200 

20-2 

21.6 

do. 

20-5 

19-5 

190 

18  8 

18-5 

180 

175 

170 

— 155 
—21-9 

—241 

—20-5 
—32-3 
—327 
—362 
—44  9 
—452 

—44-2 
—410 
—507 
—13.3 

—548 
—50-0 

95  5 

89-1 
86-9 

90-5 

78-7 
7S-3 
74-8 
661 
658 

66-8 
700 
60-3 
977 
56-2 
61  0 

98-1 

238 

detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 

detto 

91-6 

*>39 

89-3 

240 
240 
?,41 

Jetto 

930 

809 

242 

80-5 

*>43 

76-9 

?,44 

679 

245 
246 
24? 
248 
249 

detto 

676 

68-6 
719 
620 

250 
251 

Ruine  Csicsva-Alja 

Bett  der  Ondava  bei  Tavarua    .    .    . 

100-4 
57-8 
627 

?53 

—49  3  61-7 

634 

254 

255 

Zavadka      

—46-7 
—44-6 

64-3 
66-4 

65  1 
682 

16.)  Homo n na,  Szinna  und  Umgebung. 

Differenz  gegen  Kasehau. 


Ort 

_3 

'3 

o 

0) 

o 

J5 

s 

3 
5 

B 

3  3 

—     v> 

"3  r* 

S 

«3 

e 
o   C 

JE  ^> 

»   c 
c»  •- 

256 

Homonna  (Haus  d.  Graf  Vetter)     .    .    . 

7- Juli 

5'30  A. 

741-61 

220 

—  38-7 

detto 

8.  Juli 

710  F. 

747-91 

17-0 

—  45-3 

detto 

14.  Juli 

1T45F. 

748-3? 

14-7 

—  42-5 

Mittel 

detto 

17.  Juli 

12''50A. 

747-18 

19-5 

—  40-6 

69-4|  71-3 

257 

Hazsina 

8.  Juli 
17.  Juli 

3'  A. 

9h45  F. 

74871 
74676 

220 
171 

—  40-2 

—  40-4 

.Mittel 

detto 

707    72-7 

?58 

8.  Juli 
17.  Juli 

3l15A. 
9'25  F. 

74670 
744-38 

221 
16-8 

—  31-2 

—  29-2 

Mittel 

detto 

80-8,  830 

259 

8.  Juli 

3  15  A. 

747  19 

220 

—  32  1 

Mittel 

detto 

17.  Juli 

8'40  F. 

743-71 

16-2 

—  27-8 

811    83-3 

960 

8.  Juli 
17.  Juli 

V  1 5  A. 
8L25  F. 

743-59 
74073 

21-8 

160 

—  125 

—  12  9 

Mittel 

detto 

98-31010 

261 

9.  Juli 

5h  F. 

743-0? 

136 

—     66 

detto 

15.  Juli 

8'  F- 

73961 

130 

—    8-1 

Mittel 

detto 

17.  Juli 

?'F. 

739-64 

14-8 

—     89 

1031  105-9 

262  Hochofen  im  Josephsthal  S.  v.  Szinna   . 

9.  Juli 

7*40  F.  729-16 

160 

-j-  60  1 

171  1  175-8 

263  Eisensteingrube  unter  dem  Szinnastein 

detto 

8>45  F. 

70617 

216 

-1941 

'205- 1  210-8 

264 

Szinnastein  Felsplatte  2  Klft.  unt.  d.  Spitze 

detto 

1140  F. 

674-54 

180 

r  387-6 

498-6 
1 

512-4 

Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn. 


89 


17.)    Gegend   nördlich     von  Szinna,    dann     Lab  orecz  -  Thal     von 

H a b u r a    bis    Homonna. 

Differenz  gegen  Kaschau. 


* 

Ort 

=■ 

"3 

3 

3 

© 

£ 

3 

N 

S 
O 

sc 
Q 

#c 

Xi      © 
<Z3 

= 
7|  3 

i  ^ 

OD    ^ 

265 

Pesolina 

9.  Juli 
10.  Juli 

710  A. 

1040  F. 

734-51 
72893 

173 

18  4 

H-  25-0 
t  43-7 

136  0 
154-7 

139-7 

266 

Sauerbrunnen  bei  Pesolina    . 

159  0 

267 

Höhe    zwischen  Pesolina    und 

detto 

1148  F. 

704-91 

18-6 

r  183-3 

2943 

302-4 

268 

Höhe    zwischen   Pesolina    und 

9.  Juli 

8'IOA. 

721-21 

16-5 

+  123  3 

2343 

240-8 

269 

10.  Juli 

8'45  F. 

725- 11 

17  2 

+  622 

»> 

detto 

detto 

7'4S  A. 

724  63 

15  8 

-f-  652 

Mittel 

n 

detto 

11.  Juli 

9'  15  F. 

725  03 

16  9 

+   654 

1751 

179-9 

270 

10.  Juli 

12'50  A. 

722  10 

195 

f  87-7 

198-7 

204-2 

271 

Sattel  zwischen  Osztroznyicza 

detto 

lb20  A. 

711  66 

199 

T  140.4 

251  4 

258-3 

272 

detto 

lh45A. 

718-35 

20-2 

+  99-9 

210-9 

216.7 

273 

Sattel  zwischen  Parihuzocz  u. 

detto 

155  A. 

71236 

20  1 

T  136-1 

247  1 

253-9 

274 

Mühle  WNW.  von  Hosztovicza 

11.  Juli 

9''50  F. 

728-50 

171 

4-  42-7 

1537 

1579 

273 

Unt.  Jablonka 

detto 

104S  F. 

73061 

17  4 

■f  33-2 

1442 

1482 

276 

Sattel    zw.  Jablonka   u.    Viläg 

detto 

10hS0  F. 

719-21 

172 

+   923 

203-3 

2089 

277 

Vilag  (Thal  bei  der  Kirche)  . 

detto 

U4S  F 

72820 

17-4 

+  41-8 

152-8 

1570 

278 

Virava  (Haus  des  Notars)  .    . 

detto 

12h  SM. 

724-60 

17-5 

+  57-7 

168-7 

1734 

279 

Höhe     zwischen     Virava     und 

detto 

3h35  A. 

71484 

170 

r  119-2 

1302 

133-8 

280 

Szterkocz    

detto 

3'50  A. 

719-37 

17-2 

+   92  9 

203-9 

209-5 

281 

detto 

41'  0A. 

721  07 

17-4 

4-  829 

1939 

1992 

282 

11.  Juli 

detto 

4''45  A. 
7hA. 

72629 
72119 

17-6 
162 

+  54  2 
+  835 

1652 

169  8 

283 

Mittel 

r> 

detto 

12.  Juli 

8' 15  F. 

720-61 

14-8 

l  74-3 

189-9|  195  1 

284 

Borro .    .    .    . 

11.  Juli 

12.  Juli 

645  A. 
930  F. 

724  69 
72461 

17'0 
14-9 

+   63-7 
+  52-2 

Mittel 

» 

detto 

1689 

1736 

288 

Kamiana,    Berg,    westlich  von 

Borro , 

12.  Juli 

7h30  F. 

69531 

136 

-224-9 

335-9 

345  2 

286 

11.  Juli 

5'30  A. 

726-49 

17-8 

+  53-7 

Mittel 

» 

detto 

12.  Juli 

101'  5  F. 

727  23 

151 

■f  375 

156-6 

160-9 

287 

Krasznibrod    ...... 

detto 

10'  48  F. 

730  71 

149 

+  201 

131  0 

134-6 

288 

detto 

lih  0F. 

732-99 

150 

-f     8-7 

119  7 

1230 

289 

Ob.  Csebinye       

detto 

11' 20  F. 

733  60 

14-9 

4-     5-5 

1165 

119-7 

290 

detto 

U'45  F. 

734-28 

14-8 

4-     21 

113  1 

116-2 

291 

Horbok  Hadväny     

detto 

12'30M. 

736-18 

170 

-     7-2 

1038 

1067 

292 

detto 

448  A. 

73582 

16-8 

—     51 

105  9 

108-8 

293 

detto 

4'40  A. 

737  14 

16-7 

—   125 

98-5 

101-2 

294 

Mündung     des     Baches     von 

detto 

4'50  A. 

738-23 

166 

—  17  7 

933 

95-9 

295 

detto 
detto 
detto 

540  A. 
5'30  A. 
5'45  A. 

739-43 
738-93 
74115 

16-5 
15-8 
157 

—  22-7 

—  21  8 

—  30-1 

88-3 
89-5 
80  9 

90-7 

296 

920 

297 

831 

298 

detto 

7''A. 

744-76 

15<5 

—  45-6 

65-4 

672 

90 


Franz  Ritter  von  Hauer. 


18.)    Strasse    von    Homonna    nach    Unghvar, 
Differenz  gegen  Kaschau. 


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«SM 


299 

300 

301 
3U2 
303 
304 
305 
306 
30? 
308 
309 
310 
311 

312 
313 
314 
315 
316 
317 
318 


Barkö     

detto 

Altes  Schloss  bei  Barko 

Wirthshau*  S.  von  Barko 

Oermezö 

Volya  Laborcz    

Natafalva 

Topolyan .    . 

Nagy-Mihäly 

Ivis  Zalaeska 

Lueska  (Kirche) 

Zaradka      

P.  Bibniez 

Bad  Szobrancz   

detto 

Ort  Szobrancz 

Tiba . 

Orechova    

Karcava  

Feisö-Nemeti 

Höhe  zw.  F.  Nemeti  und  Unghvar    .    . 
Unghvar  (Gasth.  zur  Krone  1.  Stock)  . 


8.  Juli 

17.  Juli 

8  Juli 

detto 

17.  Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

18.  Juli 
detto 
detto 
detto 
delto 
detto 
detto 
detto 

19.  Juli 


7'45  F 
3  A. 
8'35  F. 
9' 20  F. 
3"15A. 
3'40  A. 
3''50  A. 
4'30  A. 
6U  OA 
7h  7A. 
71 35  A. 
7"45  A. 
8b45  A. 
7hF. 
10h45  F. 
3L15  A. 
3b30  A. 
3h50  A. 
4H5A. 
4fc30  A. 
4h37  A. 
?h50F 


750  77 
75015 
735-30 
74980 
75110 
751-27 
74976 
751-87 
75259 
752-51 

751  24 
53.45 

75322 
753-47 
75501 
758-34 
75708 
75762 
75769 
757-68 
75338 
75859 


17-3 
20  0 
181 
184 
20-2 
20-4 
20-5 
20-3 
19  2 
180 
17-8 
17? 
170 
160 
168 
183 
18-4 
182 
186 
18-5 
182 
17-3 


-58  I       Mittel 


53  2|  554 
16  9  127-9 
60  2 


-51  8 

-577 
-580 
-507 
-59-9 
-599 
-59-9 
-54-1 
-634 
-61-2 
-46-5 
-44-6 
-62-6 
-570 
-593 
-593 
-591 
-400 
-613 


53-3 
53  0 
60  3 
511 
51-1 
5M 
56-9 
47-6 
49-8 
64-5 
66-4 
48-4 
54-0 
51'7 
517 
519 
71  0 
49-7 


569 
131-4 
61  9 
54-8 
54  5 
620 

52  5 
52-5 
525 
58-5 
48  9 
51  2 
66-3 
682 
497 
555 

53  1 
531 
533 
730 
51  2 


19.)     Strasse     am     Ungh-Flusse     von     Unghvar     bis     zur     galizi- 

schen  Grenz  e. 

Differenz  gegen  Kaschau. 


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H 

o    e 
W  — 


319 
320 
321 
322 
323 
324 
325 

326 


327 


AI.  Donionya • 

F.  Domonva 

Xevicke 

0  Kemencze 

Voroco  (Wirthshaus  a.  d.  Strasse; 

Perecen    

Zarisko  (Häuser  a.  rechten  Ufer)  . 

detto 
Dubrinic 

detto 

detto 
Uj  Kemencze  (W.  von  Dubrinicz) 

detto 


19.  Juli 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

22.  Juli 

19.  Juli 

22.  Juli 

detto 

detto 

detto 


U30  A 
U40  A 
2h  8A. 
2'20  A. 
3f40  A. 
445  A. 
615  A. 
5fc45  A 
6hS0  A. 
9b15  F. 
5hA. 
12H5M 
3h45  A 


758-54180 
758  22  17-9 
757-69  17  2 
75627170 
754-75  180 
75361  190 
753  111171 
746  96121-4 


I 
64-01  470  48-3 
63  0  480  49-3 
60  8  50-21  51  6 
58-l|  59-7 
63-U  64-8 
67  7|  69-6 

Mittel 
73  7!  75-7 


75282 
748-58 
74555 
724-94 
724  26 


166 
184 
220 
2301 
213 


—  529 

—  47-9 

—  43  3 

—  40  4 

—  342 
391 
359 
269 
962 


Mittel 
79-4    81-6 
Mittel 
100-9|209  5  215-3 


Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn. 


91 


Ort 


328 
329 
330 

99 

331 
332 
333 
334 
333 

336 
337 
338 

339 

340 
341 


Miree 

Kis-Berezna 

Nagy-Berezna     

detto 

Zabrugy  (Höhe)      

Brücke  üb.  d.  Ulicska-Bach    .... 

Solja 

Kostrina      

Brücke,    eine    Stunde    nordöstlich    \ 

Kostrina 

Sztavna    

Luch 

Voloszanka      

detto 
Uzsok  (Ehemaliges  Dreissigst  Haus) 

detto 

Uzsok  Mineralquelle 

Pass  nach  Galizien,  NO.  von  Uzsok    . 


19.  Juli 
detto 
detto 

20.  Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 
detto 
detto 

21.  Juli 

20.  Juli 
detto 

21.  Juli 
20.  Juli 

detto 


7''20  A. 
7h50  A. 
9'15  A. 
6h  F. 
8"45  F. 
8*'52  F. 
9'40  F. 
10' 31  F. 

ll''35  F. 
1250  A. 

2'55  A. 

735  F. 

335  A. 

4'  50  A. 

635  F 

6b30  A. 


75133 
75036 
748-50 
747-46 
745  61 
747-16 
74189 
73816 

734  16 
727  15 

72260 
71948 
719  19 
709  11 
709-46 
709  93 
688-87 


16  2 

157 
14-8 
12-7 
17-6 
17-7 
18  5 
20-5 

206 

208 
20'0 
162 
195 
18-3 
14(1 
18  3 
160 


-  32  6 

-  27-9 

-  18-6 

-  17  6 

-  105 

-  17  7 

6-S 
23  0 

55-8 

76-2 
108-6 
1156 
118-5 
1771 
174  7 
173-C 
3012 


78-4 
831 
92-4 
93-4 
100  5 
933 


80-6 
85-4 
94-9 
960 
103-3 
95-9 


117-3  120  6 
1340  137-7 

166-8  171-4 

1872  192-4 
119  6  122-9 

Mittel 
117  1)  120-3 

Mittel 
287  3,295  2 
2840-291-8 
412-2423  6 


20.)    Von    Uzsok    in   das   Lyutta-Thal    und  dieses    entlang 

abwärts. 

Differenz  gegen  Kascbau. 


Ort 


342  Tieha  (Thalboden  beim  Pfarrhaus)    .    . 

343  Pass  zwischen  Tieha  und  Lyutta    .    .    . 

344  Sagemühle  >^0   von  Lyutta 

345  Lyutta  (Haus  des  Waldbereiters)   .    .    . 
„   I  detto 

346  Brücke  in  der  südlichen  Thalecke  nörd- 

lich vom  Bohatec-Gebirge 

347Staniska 

348  Csornoholov  a  (Förster  Haus)      .    .    .    . 
„  |  detto 

349  Csornoholova  (Thalebene) 


5 

N 

Ol 

g 

C 

s- 

C5 

PQ 

21.  Juli 

9''25  F. 

712-37 

detto 

10'15  F. 

698-16 

detto 

12b30  A. 

710-68 

detto 

12hM 

714  60 

detto 

41'  5A. 

71405 

detto 

3'43  A. 

72117 

detto 

7h15A. 

73042 

detto 

9'A. 

73804 

22.  Juli 

6'30  F. 

73811 

detto 

7b15  F. 

740-20 

H 


18-5 
17-6 
19-8 
196 
220 

18  5 

160 
15  1 
145 
15-8 


156-9 
244  0 
165  7 
141  8 
143  1 

98-5 

47  9 

05 

10-5 


_2   c 


2679 
3550 
276  7 


~  •— 

2=5 

«:  — 


27532 
3639 
2843 


Mittel 
2535,2605 

2095  215-3 
158  9|l63-3 

Mittel 


116  5 


0  81111-8 


119-7 
114-9 


92 


Franz  Ritter  von  Hauer. 


21.)    V  o  n    P  e  r  e  c  e  ii     i\  h  er    Turia-Remete     n  a  c  h     IVI  u  n  k  a  c  s. 

Differenz  gegen  Kasehau. 


Ort 


s-  -r 


Z    o 
Ö.2 


■o  z: 


350 
351 


352 
353 
354 
355 
356 

357 

358 
359 
36Ü 
361 
362 
363 


364 

365 


Ö  Szemere 

Turia  Remete 

detto 

detto 
Rakö  (Wirthsh.  3  Tois.  üb.  d.  Thalsohle 

Pasika  (Pfarrhaus) 

Pass  zwischen  Pasika   u.  Trosztyanicza 

Trosztyanicza      

Pusznyakfalva      

detto 
Einmündung  der  Strasse  i.  d.  Thal  \V. 

von  Szidorfalva 

Mühle  und  Pottaschen-Hütte      .... 

Strasse  bei  Liszarnya 

Thal  bei  Also-Viznicze 

Uj  Klenocz  

Friedrishsd'irf         ,    . 

Hochofen . 

detto 

detto 

detto 
Brücke  hei  Podherring 

detto 

Munkacs  (Gasth,  z.  Stern  1.  Stock)  .    . 
detto  (Strasse) 

detto 


22.  Juli 
detto 

23.  Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

24.  Juli 

detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
dett  > 
detto 

25.  Juli 

26.  Juli 
29.  Juli 
24.  Juli 
29.  Juli 
24.  Juli 

26.  Juli 

27.  Juli 


6h43 
9'30 
7'35 

4'' A. 
5  \ 
5h30 

?':;o 

8L40 

\)"M) 
5' 10 


8''  5  F. 
8''35  F. 
9"20  F. 

10h45  F. 
II' 10  F. 
11' 30  F. 
I22HA. 

9'40  F. 

6h15  F. 

6'F. 

41'  5  A. 

7'20  F. 

5'30  A. 

4h  5  A. 

7'40  A. 


747-55 
74595 
748- 11 
746  24 
744- 16 
742- 16 
710  69 
71590 
712-35 
711-64 

728-22 
731-41 
73806 
746-74 
748-63 
749-53 
751-55 
74925 
75038 

742  43 
750-73 

743  10 
750-88 
755-50 
75517 


19-6 
14-2 
16  0 
205 
20-3 
202 
15  2 
14-4 
13  9 
12-7 

205 
206 
208 
214 
220 
21  7 
21  S 
19-8 
150 
169 
220 
17-5 
22-5 

9 


-  370 

-  29-5 

—  32  6 

-  18-5 

—  7-6 

+  21 
j  170  7 
i  139  2 
+  1614 
!  1617 


740 


760 


Mittel 


+ 


680 
51  6 
171 

-  24-8 

-  344 

-  38-7 

-  48-7 

-  50  5 

-  50-5 

-  49  4 

-  47-4 

-  53  0 

-  48-8 
-57-3 
-58-8 


84-2 
103-4 
1131 
281-7 
250-2 


80-5 
1 06.3 
116  2 
289-5 
257- 1 


Mittel 
272-5 1280-0 

1790  183-9 
162-6  167  I 


1281 
86-2 
76  6 
72  3 


131  6 

88-6 
78-7 
743 


Mittel 
61-21  629 

Mittel 
6091  62-6 

Mittel 
53  Ol  54-5 


22).     Gegend     südlich     von     Munkacs     bis     B  e  r  e  g  h  s  z  a  s  x. 

Differenz  gegen  Kasehau. 


Ort 


B    - 
«    c 

—     05 

'■-  "Z 


■•o  z: 

CTj  — 


366 
367 
36S 
369 
370 
371 
372 
373 
374 


P.  Kerepecz  

Vörös  W.  H 

Gath 

Janosi 

Bereghszasz-Veg-Ardö 

Bereghsza'sz 

Muzsaly    (Haus    d.  H.  v.  Dercsenyi  1.  Stocl 

Alaunbruch  (Derekaszeg)     

Kigyös  


26.  Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

27.  Juli 
detto 
detto 


5'  A. 
5'15A. 
5'  30  A. 
6l  5A. 
6'30  A. 
7h30  A. 
5'45  F. 
9'20  F. 
12'40A. 


756-49 

B 

756-70 

« 

756-90 

C 

757-11 

a 

756-92 

75711 

E 

757-65 

5 

739-60 

Z 

757-36 

h 

—62-4 
—63-0 
—63-6 
—63-9 
—62-5 
—64-3 
—50-4 
+  24-7 
—61-2 


48-6 
48-0 
47-4 
471 
48-5 
46-7 
606 
135-7 
49-8 


49-9 
49-3 
48-7 
48-4 
49-8 
48-0 
62-3 
139-5 
51-2 


Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn. 


93 


O 

3 

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c  c 

0J    •- 

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Ort 

CS 

Q 

O 

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u. 

j- 

i 

^2 
S  a 

pq 

— 

Q 

CG  "" 

375 

27.  Juli 

lh  5A. 

757-76 

■£  c 

—631 

47-9 

49-2 

376 

Bereg-Ujfalu     . 

detto 

lh45  A. 

75546 

—53-3 

57-7 

59-3 

377 

Sägemühle  NO. 

von  Bereg-Ujfalu       .    . 

detto 

4h  6A. 

757-20 

S  P 

—635 

475 

48-8 

378 

detto 
detto 

6hA. 
6b10A. 

755  16 
75615 

-    a> 

—567 
—61-4 

54-3 
496 

55-8 

370 

51  0 

23.)   Von  Munkacs   über  Szolyva   und  A.   Vereczke   an   die 

galizische    Grenze. 

Differenz  gegen  Kaschau. 


Ort 


2  o 


!§5 


380 
381 
382 
383 

384 
385 

386 

387 

388 

389 

390 

39 

392 

393 

394 

39 

396 

397 

398 

399 


St  Miklös  .    .     •   

Unt.  Hrabonicza 

Brücke  W.  v.  Pasika 

Kalksteinbruch  zwischen  Pasika  u. 

Bisztra 

N.    Bisztra 

Szolyva  (Forst-Haus)   .        ... 

detto 
Plateau  ob.  d.  Bad  Szolyva     .    . 

Holubina  (Kirche) 

Polena  (Posthaus) 

Uklina  (Wirthshaus) 

Voloszata  (detto) 

Sattel  genannt  Rosgylla  .... 
Felsö-Hrabonicza  (Meierhof)  .  . 
Pudpolocz- (Strassenkreuz)    .    . 

detto 
Wirthshaus    beim    Ausgange    des 

Jalovathales 

Vereinigung     des    Latorcza     und 

Slavka  Baches   

Also  Vereczke  

detto 
Zavadka  (Kirche)     

detto 
Hlubokpatak      

detto 
Pass  an  die  galizische  Gränze    . 


29.  Juli 
detto 
detto 

detto 
detto 
detto 

3.  Aug. 

29.  Juli 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

i  Aug. 

detto 

detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 


7''50  F. 
81,  5  F. 
8'40  F. 


101'  0  F. 
1 130  F. 
1 2'  M. 

6'40  F. 

3''55  A. 

4h  5A. 

4h45  A. 

5h35A. 

6h15A. 

6l45A. 

7hA. 

7*30  A. 

9h30  F. 

10H5  F. 

10' 45  F. 
llh10  F. 

5'55  A. 
11 ''40  F. 

3'   6A. 
II1 40  F. 

3hA. 
12h50  M. 


742.17 
739.21 

738.92 

719.21 
727.51 
734.49 
742.74 
731.42 
732.20 
727.67 
719.68 
707.71 
700.82 
711.54 
716.45 
722.53 

719.27 

717.80 
715.20 
715.87 
712.08 
712  68 
710.87 
710.00 
682.85 


17.7 
17.8 
18.2 

19.0 
19.2 
19.0 
12.6 
19.4 
19.5 
16.8 
17.6 
16.4 
15.0 
14.9 
14.7 
13.0 

13.2 

13.2 
13.7 
14.2 
13.6 
14.2 
13.8 
14.2 
10.7 


—  49  3 

—  37.3 

-  36.2 

+  63.7 
|     16.5 

-  185 

—  19.4 

—  7.5 

—  11.2 
i  16.9 
|     54.0 

+  1246 
+  1661 
+  100-6 
f  71-4 
4    651 

+  83-6 

+  916 
+  107-1 
+  107-7 
+  1259 
+  1231 
+  133-2 
+  139-2 
^301-4 


61-7  63-4 
73-7  757 
748    76-9 

174  7  179  5 

127-5  130  9 

Mittel 


92  1 
103-5 

99-8 
127-9 
1650 
2356 
277-1 
2116 


94-6 
106-4 
1026 
131-4 
1696 
242-1 
284-7 
217-4 


Mittel 
179-2  1841 


194-6 


200-0 


2026208-2 

Mittel 
218-4J2244 

Mittel 
2355^420 

Mittel 
247-2  253-7 
41 1-41422-8 


94 


Franz  Ritter  von  Hauer. 


24.)    Umgegend  von  Zsdenyova. 
Differenz  gegen  Kaschau. 


Ort 


PQ 


400 

401 
402 
403 
404 
405 
406 
407 
408 
409 

410 


Zsdenyova  (Forsthaus  1.  Stock)  .    .    30.  Juli 
detto  31.  Jnli 

Zbun 30.  Juli 

Riesige  Tanne  genannt  Königinn  .    .      detto 
«  — '    £  Sattel  S.  d.  Ostra-Hura  .    .      detto 

"    t}.  ö  Zweiter  Satte] detto 

%    Sc  7  Gipfel  W.  von  Zbun    .    .    .      detto 

=    S  J  Zweiter  Gipfel |   detto 

=  -.i    goCaviaHura |  detto 

■2  5  ö  Jägerhäuschen  (Cavna)      .  |  detto 

Grunze   der   Buchen  und  Tannen  am 

Gehänge  gegen  Zbun j   detto 

Klause  SW.  von  Zbun '   detto 


8hF. 

8k30  F. 
10' 15  F 
i  135  F. 

T30  A. 

2h30  A. 

2J30  A. 

3*  5  V. 

3' 17  A. 

3+0  A. 

+15  A. 
+35  A. 


711-59 
71058 
711-68 

685-82 
67401 


1^ 


_g  j- 


5  Z 

«3:  = 


682 
670 
663 
658 
665 


15  0 
115 
143 
132 
120 
12  0 
11  7 
115 
113 
110 


690-88 
70310 


-  95  4 
-r  86-7 
■+■  94-8 
+  251-4 
+  3222 
-r274-0 
-^3412 
+  386-4 
+416  6 
+  3741 


Mittel 
202  0|  226-1 
205  8  211-5 
362  4j  373  4 
433-2'  445  2 


3850 

4522 
407  4 
527-6 
485-1 


do.     +2200  331-0 
11-8  +146  3,  257-3 


3956 
464-7 
511-3 
542-2 
498.5 

340  1 
264  4 


25.)  Von  Also-Vereczke    in    das    Vitsa-Thal    und    dieses    abwärts 

nach  Szolyva. 
Differenz  eesjen  Kaschau. 


Ort 


I  I 


411 
412 
413 
414 

r> 

415 
416 
417 
418 
419 
420 
421 


Felsö  Vereczke 1.  Aug. 

Drahusöcz detto 

Höhe  Mencsel  zw.  Drahusöcz  und  Volocz  detto 

Volocz  (Meierhof) detto 

detto  2.  Aug. 

Almamezö detto 

Zanyka detto 

Mineralquelle  bei  Zanyka detto 

Osza  (Sagemühle)   .    '. detto 

Votsi detto 

Szaszoka       detto 

Harsfalva  (Mineralquelle) detto 


635  A. 

6h52  A. 

7'25  A. 

81'  A. 

615  F. 

7+5  F. 

8l35  F. 

9"  F. 
10h  F. 
1130  F. 
1245  Bi 
12+0  A. 


71531 
71271 

702-45 
712  58 
712-48 
716-67 
71947 
716  31 
723-85 
731  94 
73611 
739-41 


138 
13  6 
133 
130 

12  3 

13  2 
13  6 
13-8 
120 
135 
14-8 
150 


J- 107-8 
+  124-1 
f  184-8 
+  1240 
+  129  9 
+  105T 
+  89-2 
-t  107  4 
+  669 
+  24  0 

-r  4-4 

-  11-7 


218-8J224-8 
235  I  241  6 
205  8  3040 

Mittel 
237-91244-5 
216-1  2221 
20022057 
2184224-4 
177-9  1828 
135;!  138  7 
115  4  1186 
99  3  102-0 


Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn. 


95 


26.)  Strasse  von  Szolyva  nach  Dolha  und  Huszth  i.  d.  Marmaros. 

Differenz  gegen  Kaschau. 


Ort 


■— 

<o 

a> 

s 

a> 

£ 

s 

o 

o 
£ 

i. 

CS 

o 

PQ 

p£j 

r-1 

Ol  •- 

V3  ^ 


422 
423 

424 
425 

426 
427 

428 


429 
430 
431 

432 

433 
434 
435 

436 
437 

438 
439 
440 


Strojna  (Kirche) 

Kalkbrueh  S.  von  Strojna  .    .    . 

Duszina 

Roszos     

Pass  0.  von  Roszos         

Kereczke     

P.  Csonok  (Diluv.  Plateau)    .    .    . 

detto 

detto 

Ebene  bei  Czonok  

Bereznik 

Zusammenfluss    d.   Risztra  und   d. 

ehowi  Zwor  SW.  von  Kereczke 

Eisenstein    Schürf   Rosusnuj   SW. 

Kereczke     

Kusnyicza "... 

Szuha  Rronka     

Dolha 

detto 
Borsova-Thal  bei  Zädnya  .... 
Höhe  zwischen  Dolha  und  Lipcse  Polyana 

Lipcse  Polyana 

Lipcze     

Iza 


Lu- 


3.  Aug 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

detto 

4   Aug 

3.  Aug 

3.  Aug 


4.  Aug. 

detto 

4.  Aug. 
detto 
detto 

5.  Aug. 
detto 

6.  Aug, 
detto 
detto 

9.  Aug. 


8hF. 

9''30  F. 
tl'3()  F 
12h  M. 
12'35  A. 

lh4S  A. 

3>'35  A 

6'35  A. 

6h45  F. 

6h40  F. 

4'45  A 

12h20  A. 


lb25 
5h15 
545 

7h  A. 
8h25 
12h45 
5'35 
5h45 
7l45 
7h20 


741-68 

7210 

7365 

732-30 

726-30 

736-89 

731-81 

73240 

73510 

734  10 

731  48 

73053 


711 
743 
746 
749 
752 
753 
733 
737 
744 
751 


12-8 
130 
150 
155 
160 
16  8 
172 
15-3 
123 
15  3 
172 

160 

152 
17-2 
16-3 
150 
170 
22  5 
17-8 
17-6 
170 
160 


+ 


162 

88-7 
11-8 
32-8 
63  2 
124 
38-7 
37  1 
32-8 
290 
40  1 

562 


94-8 
199  7 
122  8 
143-8 
174  2 
123-4 


97-4 
205-2 
126-2 

147-8 
1790 
126  8 


Mittel 


147-2 
1400 
151  1 

1672 


1813 

2923 

36 

107-4 

176 

934 

30-6 

80-4 

31  6 

79-4 

384 

726 

37-8 

148-8 

191 

1301 

152 

958 

31-0 

800 

151-3 
143-9 
1553 

171-8 

3004 

110  4 

960 

82-6 

81-6 

746 

152-9 

1337 

98-4 

82-2 


Strasse    von    Huszth    nach    ÖkörmezÖ. 


Ort 


d    aj 


M 


441 
442 
443 
444 
445 
446 
447 


Herincse 

Bisztra 

Anfang  des  Hotters  von  Vucskomezö  . 

Vucskomezö 

Ditkovecz 

Höhe  N.  von  Ditkovecz     

Okörmezö  (Wohnung  d.  Stuhl richters) 

detto 

detto 


9.  Aug. 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

10.  Aug. 
detto 

11.  Aug. 


8'45  F. 
12h  M. 
F50  A 
5"  A. 
6h35  A 
7' 15  A. 
845  F. 
8hA. 
5h30  F 


746-75 

73996 

735-28 

73094 

73003 

7130 

7240 

724-6 

727-57 


171 
220 
21  2 
181  j 
•3-0' 
12-2, 
12  0 
138 
9-2! 


-  85102-5 
4-  23-7  134  7 
+  46  6  1576 
4-  67  3  178-3 
-j-  708  181-8 
+  1635  274-5 

+  964 

|     82-7,      Mittel 
+   91-4201  11206-7 


105-3 

1384 
1620 
183-2 
186-8 
281-1 


9ß 


Franz  Ritter  von  Hauer, 


27.)    Von    Ökörmezö     in     das    Talaborthai,    dann    in    das 

Taraczkothal    und    dieses    abwärts. 

Differenz  gegen  Kaschau. 


Ort 

Q 

N 

s 
0 

es 

3 
es 

E 

c 

2  Z 

Vj 

448 
449 

Höhe  zwischen 

Prislop  und  Szinever  . 

11.  Aug. 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

12.  Aug. 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

13.  Aug. 

12.  Aug. 
detto 
detto 

13.  \ug. 

9h45  F. 
1045  F. 
llh  0  F. 
11' 15  F. 

lhÄ. 

2"20  A. 

3'50  A. 

4' 30  A. 

5'45  A. 

6''30  A. 

8h45  A. 

5' 45  F. 

9h25  F. 
II)1  IS  F. 
LI'  l)  F. 

694-30 
709-33 
713-52 
71511 
716-56 
71539 
704  40 
686-70 
710-94 
716-34 
721  01 
721-94 
72971 
73326 
734  43 

170 
17-6 
18-4 

iso 

21-11 
20-6 
18-3 
150 
14-6 
13  4 
11-6 
90 
164 
19-2 
22-8 

|  2913 
,1997 
f  175  6 
165-4 
157-9 
r  165-4 

302-3 
210-7 
286-6 
2764 
268-9 
276-4 

310-7 
216-5 

450 
451 

Kalocsa  Imsad 

294  5 

2840 

452 

Horb  Kalocsa 

276  3 

453 

284-0 

454 

Gebirgs-See 
Pass  am  Topas- 
Deutsch-Mokra 

231  61342-6 
r  340-1  451-1 
t  1911  2021 
■r  158-4  269  4 

3521 

455 
456 
457 

Berg 

4636 
207-7 
270  8 

458 

-f- 1313       Mittel 

459 

460 
461 
462 

Brücke  bei  Don 

detto 

-t-  136-1  244-7 
;    95  1  1061 
r   77-5  188-5 
;     69-3  180-3 

251-4 
109  0 
193-7 
185-3 

463 

Kälinfalu 

12'   0  M.  736-97  22-9 
12''50  A.  73814  22-6 

:     59-2j  170-2 

174-9 

464 

,-   5261636 

42-3       Mil 

+  43-3  153-8 

i-   76  7  187  7 

-1-100-2  201-2 

j-   43  9  154-9 

16-2  L27-2 

r     7-3  118  3 

—     2-2!l08-8 

65404-5 

1681 

465 

466 
467 
468 
469 

Also  Nerecznicze(Försterh.  a.  d.  Strasse) 
detto 

Königsthal  (Pinge) 

Sattel  zwischen  Königsthal  u.  Pudplesa 

3' 45  A.  1740- 16 
6h  5  F.  74013 

T  A.      732 '60 
7' 15  A.  727-84 
7'40  A.  1739-38 
71'  F.     1745  54 

21-0 
120 
15-2 
151 
14-8 
14-2 

tel 

1580 
1 92  9 
200  7 
159-2 
130  7 

470 
471 
472 

N.  Kirva  (Diluv.  Plateau) 

detto 
detto 
detto 

8' 20  F.  747  22  15-4 
8'30  F.  74920  15  5 
8' 50  F.  750  09  15* 

121-6 

111-8 

1(17-4 

28.)   S  z  i  ge  t  ii 

U  D  (1 

einig 

e    V  n 

!l    C 

t  e    de 

r    U  m 

geh  11  n  g. 

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Datum 

0 
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C 
C 
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H 

Differenz  gegen 

ö    sd 

ffl  — 

—  ~~ 

Cm    ._ 

2  Z 
X 

""  Z 

■■o  — 

~Z  ~~ 
-  ■  • 
«3  ^ 

473 

Sziffeth   (Gasthaus  am  15.  Aug. 
Platz  1.  Stock)  .    . 

84  5  F. 

746  66 

14-2 

r    16  3 

+  50-4 

—64-2 

» 

detto 

16.  Aug. 

645  F. 

746-27 

11.6 

f    13-3 

-f-50-7 

—63-2 

detto 

24.  Aug. 

6hF. 

743  11 

ii-:; 

90 

^45-3 

—66-0 

?) 

detto 

2.  Sept. 

640  F. 

73956 

9 

— 

-51  2 

—68-5 

Mitte] 

W 

detto 

3. Sept. 

8L50  F. 

744-29 

13-8 

— 

^49-2 

—654 

120-5 

123  8 

474 

Szlatina  (Ort)         .    . 

16.  Aug. 

745  F. 

745-96 

14-6 

— 

—  0-2*) 

— 

1203 

475 

detto  (Scbachtkranz, 

detto 

8'30  F.  744-20 

160 

— 

-f  6-4*) 

— 

126-9 

476 

Kobolopolvana  Hütt.A. 

17.  Aug. 

1045  F. 

728-49 

17-1 

+   87-6 

— 

+   5-2  196.1 

477 

detto       (Badhaus) 

detto 

2hA. 

725-20 

18-8 

+  102  2 

— 

+ 17-7  209.5 

478 

Rönaszek  (Amtshaus) 

2.  Sept. 

1045  F. 

726-94 

? 

—  4-3 

184-4 

*)  Differenz  gegen  Szigeth  in  Toisen. 


Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn.  97 

29.)    Strasse    von    Szigeth    nach    Körösmezö. 


Ort 

d 

'S 

0 

3 
•- 

CS 

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H 

Differenz  gegen 

0  e 

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l   Z 

<f>  0 

Ä  — 

0  J 

CS 

T5  .' 
'S  2 

H 

479 

Salzkammer 

17.  Au°\ 

6'30  F. 
6'45  F. 

744-77 
73977 

13-0 

-f-  12-4 

—  64  2 

1 
Mitfo' 

» 

detto 

2.  Sept. 

124-7 

128-2 

480 

Yeresmarth 

17.  Aug. 

655  F. 

741  81 

13-6 

h  25-6 

— 

136  6|  140-4 

4SI 

detto 

71'  1 0  F. 

740  47 

1  i-0 

4-  31-6 

142  6  146  5 
Mittel 

482 

Deutsch  Bocsko  (Theissbrücke) 

detto 

7' 25  F. 

740  39 

14-2 

+-  31-8 

—  49-2 

,, 

detto 

18.  Aug. 

8h30  F. 

737-24 

t :; :; 

t-  33-5 

—  498 

142  0 

1 45-9 

483 

detto 

11»  F. 

735  80 

23-2 



-  45  2 

144-6 

148  6 

484 

Trebusa 

detto 

133A. 

729-22 

19-3 

— 

—  13-0 

175-9 

180-8 

485 

detto 

6h  A. 

726-44 

15-2 

— 

4-     10 

189-6 

194-8 

486 

detto 

6bS0A. 

724-34 

14-4 

— 

12-4 

200-7 

2062 

487 

Raho   .    .    . 

detto 

S!    SA. 

723-34 

13-6 

-j-  92.7 

r    17-2 

Mittel 

M 

detto 

19.  Aug. 

5I,55  F. 

723-33 

10-9 

+  88-6 

\-    17-8 

2037 

2093 

488 

Vereinigung 

der  schwarzen  und 

detto 

6b35  F. 

72203 

11-6 

— 

34-5 

222- 1 

228-3 

489 

P.  Volesi     . 

detto 

7'30  F. 

717-14  12-5 

— 

-r   54-6  241-7 

248.4 

490 

detto 

81'  F. 

714-83  12  9 

— 

t   6522520 

259  0 

491 

Eingang  in  ( 

as  Radonlirthal 

detto 

8'50  F. 

7U7-45  14.5 

— 

J-109-9  29S5 

303-7 

492 

Bilin    .    .    . 

detto 

4' 30  A. 

717-20 

16-2 



-r-  45-3  232  7 
f  60-2  247  2 

2391 

493 

Borkut    .    . 

detto 

5^20  A. 

714-61 

15-3 

— 

254.0 

494 

detto  (Mineralquelle)  .    . 

detto 

5  45  A 

712-23 

150 

— 

1-   74-32609 

268. 1 

49  5 

Mündung  des 

Kebele-Baches    . 

detto 

6h30  A. 

709-27  14.0 

f  92-6278  7 

286-4 

496 

Szvidovecz 

detto 

7'IOA 

706-23  1  V3 

— 

r  109-3 

294  9 

303- 1 

497 

Körösmezö 

(Haus     des    Wald- 

meisters  1 

Stock)     .... 

detto 

91'  A. 

704-27 

13-3 

+  186-3 

4- 1210 

W 

detto 

20.  Aus. 

7h  F. 

7(12-57  10-8 

4-184-2 

r  119-2 

» 

detto 

detto 

l"2S  A 

701.18  14-0 

r  192-0 

r1192 

Mi 

tel 

w 

detto 

21.  Au</. 

6''40  F. 

698-67 

11.8 

r  198-2 

h  117-5 

302-9 

311-3 

30.)    Spiegel    der    Theiss    (Nr.  498  b  i  s  51 2    durch  Ablesung 
bei    der    Fahrt    im    F  1  0  s  s. 


Differenz  gegen 

l 

s- 

■*^ 

.Sä 

Ort 

3 

"S 

0 
g 

0 

0 

3  _ 
«3  ^ 

ST 

2  5 
g.S 

— 

SB 

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05     0 

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0  s 

ca 

-G 

W1^ 

:0    0 

«5.2 

H 

M£ 

£ 

498 

Körösmezö 

21.  Aug. 

7b50  F. 

69923 

132 

—     4-1 

298-9 

3072 

499 

detto 

8h40  F. 

700-81 

15  6 

—  16  1 

287-3 

2952 

500 

Mündung  d.  Thaies  Kossoucze 

detto 

9'45  F. 

701-87 

16-8 

—  22  5 

2790 

288-8 

501 

detto         detto     Kebele 

detto 

10''  F. 

703-88 

169 

—  350 

268-9  276  3 

502 

detto        detto    Vaszkul    . 

detto 

10b20  F. 

707-21 

16-8 

—  564 

248-1 

234-9 

Mittheilungen  der  k.  k-  geogr.  Gesellschaft.  III.  Bd.  II.  Heft. 


98 


Franz  Ritter  von  Hauer. 


Ort 


Differenz  gegen 


:©  O 


:-   I 


503 
504 
508 

:;<><; 

507 
508 
509 
510 
511 
512 
513 
514 
515 
516 


ßorkut    

.Mündung  des  Szitnibachcs    . 

Bilin 

Mündung  dos  Terentenbaches 

detto     der  weissen  Tlieiss 

Raho 

Vercho\ati      

Berlebas 

Trebusa      ....         ... 

Mündung  des  Vissö    .... 

Zwiscben  Szigeth  u.  S/.hitina 
detto  Taraczközu.Szaploncza 

bei  Tecsö 

Einmündung  il.  Nagv.i^flusscs 

12  Fuss  über  dem  Spiegel 
Tisza  Ijlak 


21.  Aug. 
detto 

detto 
detto 
detto 
detto 

detto 

detto 
detto 
detto 

16.  Aug. 

13.  Aug. 
3.  Sept. 

■t.Sept 
detto 


10*30  F. 

Ki  :;u  F. 
iri5  p. 

12"  M. 

12' 30  A. 
12''50A. 

2h15A. 

3'  A. 

4' 10  A. 

5'   5  A. 

7'35  F. 

9"  5  F. 

1L  5A. 

6'30  F. 
11 ''  F. 


708-28 
708-97 

710-20 
710-59 
712-30 
713-39 
714-89 
718-01 
721  -84 
724-07 
747-35 
751  08 
75110 

759-80 
765-21 


16-9 
170 
17-6 

170 
180 
17-4 
17-4 
15-8 
15-1 
14-4 
14-4 
16-3 
14-0 

7-0 
ISO 


—  63- 1 

-  68-0 

-  75  9 

-  78-6 

—  89  8 
970 

—  106-5 

—  122-6 

—  146-5 
-153-8 
+     6-5 ' 


241' 
236 
229 
226 
215 
208 
199 
183 
160 
153 
126 
99 
-  30-9 »)  90 


IM 


+ 


0-5*) 
22-7*) 


24S- 

243 

235 
232- 

5  22 1  • 
3  2 14' 

3  204' 

6  1 88 

4  1 64 
3  157 

8  130 

9  102 
92 


67-3 
441 


69! 
45-3 


31.)    Von    S  z  i  g  e  t  h   durch    das   Iza-Thal    nach   B  o  r  s  a  b  a  n  y  a 
nach    K  i  r  1  i  b  a  I»  a    und    z  u  rück    d  u  r  eh    da  s    Vissö-  T  h  a  1. 

Differenz  den  24.  gegen  Szisretb,  die  folgenden  Tage  "egen  Wallendorf. 


Ort 


•5  «3  L 

'=  =  2 


03   i, 
X     - 


^3  r 


518 
519 
520 
521 
522 
523 
524 
525 
526 


Brücke  über  d.  Ronisora  . 
Farkasrev      ...... 

Väncsfalva 

Nanfalva 

Barczanfalva      

Szurdok     

Bozavlia  (Spiegel  der  Iza) 
Mündung  des  Sajo  .  .  . 
Konyha  


24.  Aug. 
detto' 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 


6h15 

635 

7' 30 

7'55 

8' 25 

9h40 
10' 30  F. 
10h45  F. 
11' 15  F. 


742-03 
741-86 
740-86 
737-84 
738-34 
735-68 
73311 
732-21 
729-11 


1 1-8 

121 
13-2 
13-8 
14-4 
15-8 
16-7 
16-9 
17-4 


-f  4 
4 
-  8 
r-21 
^19 
+  31 
43 
^-47 
r63 


124.8 
125.2 
128-8 
9,141-6 
9,139-8 
3150-9 
5162-8; 
2I166-4J 
11181-9: 


128-3 
128-6 
1324 
145-5 

143  7 
1551 
167-3 

I7F0 
186-9 


:|:)  Differenz  gegen  Huszt  in  Toisen. 

')  Differenz  gegen  Szigcth  in  Wiener-Klafter, 


Ilühenmessunüen  im  nordiisllk'hen  Ungarn. 


99 


Ort 


Dragomer 

Szclistye      

Szacsal .    . 

Wasserscheide  zwichen  Sz;\cs:il 

und  Mojszin 

Mojszin 

detto 

Borsabänya . 

detto 
Sattel  westlich    vom  Megura- 

Berg 

Mündung       des       Nyegusza- 

Thales     ........ 

Strimtura 

Sägemühle    im    Thal    südlich 

von  Strimtura 

Sattel   nördlich  vom  Stiol  .    . 
Thal  il.  gold.  Biszhicz  bei  der 

Einmünd.  d.  Weges  v.Prislop 
Ausmündung      des      Szeszul- 

Thales 

detto 
Ausmündung    des    Boszavlia- 

Baches      

Ausmündung  des  Zibo-Baches 
detto 

Kirlibaba 

detto 
Kornidic-Pass   am  Wege    von 

der   gold.    Bisztricz   in    den 

Hintergrund  des  Cislathales 

Borsa 

Felsö  Visso 

Közep-Visso 

Alsö-Visso 

Brücke  vor  Leordina  .... 

Leordina      

Petrova     

Höhe    zwischen    Petrova    und 

F.  Bona 

Felsö  Bona      

Also  Bona 

Höhe  zwischen  Also  Bona  und 

Karacsonfalu 


24.  Aug. 
di  tto 
detto 

detto 
detto 

28.  Aug. 

23.  Aug. 

26.  Äug. 

detto 

di  il  i 
detto 

detto 
detto 

detto 

detto 

27.  Aug. 

26.  Aug. 

1 1  e  1 1  >  i 

27.  Aug. 

26.  Aliw. 

27.  Aus-. 


27.  Aug. 

28.  Aug. 

29.  Aug. 
detto 
detto 
detto 
detto 
detto 

detto 
detto 

detto 

detto 


1 2'  M. 
4*20  A. 
5*  OA. 

6*25  A. 
7''  A. 
5*30  A. 
8h40  F. 
6*30  F. 

7' 35  F. 

8*48  F. 
9h15F. 

9*40  r. 

12  M 

1*18  A. 

2*48  A. 
11*18  F. 

4*15  A. 
4*80  A. 
9*10  F. 

6  50  A. 

7  28  F. 


4*  SA. 
4*18  A. 
7'  V. 
7*33  F. 
7*30  F. 
9*10  F. 
9' 30  F. 
10*  F. 

1*A. 
3*  A. 
3*25  A. 

4*35  A. 


-1t 


724-81 

18-6 

721-14 

17-2 

717-22 

17-0 

703-52 

18-2 

712-78 

15-3 

704-16 

9 

696-83 

II  -i 

687-58 

!  0-3 

688-11 

12-4 

688-44 

14-7 

684-25 

15-8 

680-33 

[7-2 

621-31 

1 6-6 

64734 

160 

657-84 

15-3 

(552-8 ! 

? 

664-94 

14-5 

66681 

14-4 

662-65 

122 

667-28 

1 3-3 

664-71 

111 

606-85 

•> 

698-01 

•> 

713  27 

9 

715-10 

9 

716-53 

9 

720-41 

9 

72187 

r 

723  03 

c 

700-80 

•% 

729-76 

fcc 

730-88 

i 

0) 

72607 

f"1 

'-    a 

~     - 


-   a 

33     sj 

X.  ;- 


85  3*)  2038 
104-1*)  221-8 
128-7*)  242-8 


209-1 
227-9 

249-5 


i  209-8*)  324-3  333-3 
f-181-5*)       Mittel 
88-0      27181278-3 
Mittel 
352-7  362-4 


h  166-8 

-j- 170-4 

■|  348-9 

f  162-8 
j- 188-9 

,212-7 
617-6 

-j- 428-6 

r  341-0 

i- 347-8 

i  293-9 
283-1 

-288-3 
f  274-9 
+  274-7 


-t  709  1 

124-4 

r-   489 

392 

31-3 

HO 

3-8 

5-2 


+ 


t- 


r  1 32-  i 

—  300 

—  39-2 

—  140 


528- 1 

347-0 
372-4 


542-7 

3866 

382-7 


395-6  406-3 
789.6  8114 


605-7 


022- 4 


Mittel 
523.7538-2 

474-5 1 487-7 

Mittel 
466-6  479-5 

Mittel 
435-9  468-6 


878-6 
309-6 

2361 
226-7 

218-9 
199-4 
192-3 
183 

315-2 

158 

150-4 

174-4 


902  9 
318-2 

242  7 
233-0 
2251 

204-8 
197-6 

188-6 

323-9 
163  8 
154-6 

1 79.2 


*)  Differenz  gegen  Szigeth. 


100 


Franz  Ritter  von  Hauer, 


32.)  Strasse    von    S  z  i  g  e  t  h    über    H  u  s  z  t  h    nach  Delireczin. 


Ort 

Q 

s 

o 

s 

o 
c 

Ol 

Diflf.  g. 

;gen 

2  § 

75    = 

'S 
s: 

o 

g 

23 

—   ii 

M     SC 

«   .— 

s  o 
SC  Eh 

ei 

u    = 

—   i 

®  r 

555 

Brücke     über     die     Iza  bei    P. 

3.  Sept- 

10'15  F. 

745.34 

14.5 

4-6*) 

1159 

1191 

556 

detto 
detto 

10' 40  F. 
1145  F. 

745  90 
747.36 

15.5 
15-5 

-  6-7*) 
-13-6*) 

113-8 
106-9 

1169 

557 

109-8 

558 

detto 

11' 45  F- 

745.30 

15.0 

—  3-8*) 

1  1 67 

119  9 

550 

detto 
detto 
detto 

12"30A. 
l"30A. 

4"  A. 

746.99 
749.81 
752.5 1 

14.5 
14.3 
14.0 

-12-4*) 

—255  *) 

-37-3*) 

1081 
950 
83-2 

Uli 

560 

97  6 

561 

Benecsö  (Talabor  Mündung)     . 

85  5 

562 

detto 

4' 15  A. 

752  50 

140 

375*) 

830 

85-3 

563 

detto 

4  :;o  \ 

754.30 

139 

—45-2*) 

75'3 

77  4 

564 

detto 

51    6A. 

754.91 

13-7 

-47-8*) 

72  7 

74-7 

565 

Huszth  (Gasth.  des  Maszlv)  .    . 

7.  Aug. 

1 ' 50  A . 

745.71 

215 

— 

detto 

9.  Aug. 

6'30  F. 

75320 

150 

— . 

detto 

3.  Sept. 

035  A. 

757.3ü 

135 

— 

Mittel 

detto 

4.  Sept. 

6hF. 

759.71 

161 

— 

668 

68-6 

566 

Altes  Sebloss  Husztb      .... 

7.  Aug. 

7"  A. 

728. 1 1 

it;  ii 

r  78.5 

1453 

149-3 

567 

Velika  koprina  (Veresmarth) 

4  Sept. 

7'45  F. 

757.68 

95 

r  6-8 

73'6 

756 

568 

Nagy  Szöllös  .    .    ■            ... 

detto 

9" 15. F. 

762.70 

I2il 

-136 

532 

54-7 

560 

detto 
detto 

950  F. 
10'25  F. 

763.74 
765  27 

130 
14-0 

-19-2 
-240 

47  6 
42-8 

48-9 

570 

44-0 

571 

detto 

3'iOA. 

763.40 

195 

-15-6 

51  2 

526 

57*> 

detto 
detto 

detto 

3' 25  A. 

3  55  A. 
4' 40  A. 

763.29 
762.89 
763.70 

19  5 

18-8 
186 

—  169 

—  131 

—172 

49-9 
53-7 
496 

51-3 

573 

55-2 

574 

510 

575 

detto 

S1  10  A. 

763.42 

18-0 

—158 

510 

52'4 

576 

Feher  Gyarmath 

detto 

6"A. 

763,13 

17  2 

—14-6 

52  2 

53-7 

577 

Spiegel  des  Szamos  hei  Matolcs 

detto 

7"  A. 

763.45 

16  5 

-18-7 

481 

494 

H78 

detto 
5.  Sept. 

7h  5  A. 
5h45  F. 

762.76 
761.79 

165 
115 

—16-3 

—  5  3 

505 
599 

51-9 

579 

Kocsord  

61-6 

580 

detto 

7fc25  F. 

758.66 

13-2 

95 

74-7 

76-8 

581 

detto 
detto 

8fc4ü  F. 
945  F. 

758.24 
757.94 

14  6 
15-0 

-106 
4-11-6 

758 

76-8 

779 

582 

78  9 

:;s:: 

Bogath 

detto 
detto 
detto 
detto 

10''50  F. 
12*30  A. 

2b20  A. 

3' 25  A. 

756.39 
756.32 
755.20 
755.11 

17-2 
20-0 
18-2 
178 

+  124 
-rl3-6 
4  18  1 
4-185 

776 

78-8 
83-3 
83-7 

797 

584 

81-0 

Mihiilvdi 

85-6 

5S6 

860 

587 

detto 
detto 

6'  A. 

8'1  A. 

756.73 
758.33 

162 
15  9 

-rlO-6 

75-8 

77-9 

588 

*)  DitVerenz  gegen  Szigeth  in  Toisen 


Höhenmessungen  im  nordöstlichen  Ungarn. 


ioi 


II.  Meteorologische   Beobachtungen    au   den    als    Yergleichspuncte 

benutzten   Stationen. 


Luftdruck    bei   0° 
Pariser-Linien 


tu1 


Temperatur 

Reaumur 
6"   !  21'   ;  101' 


Datum 


Juli 


Luftdruck    hei   0°    in 
Pariser-Linien 


Temperatur 
Reaumur 


6' 


10'' 


6h  i  2h  :  10h 


Ofe  n. 


335-52 

35  18 
33-92 
35-13 


33337 

333-34 

140 

15-8 

34-34 

33-69 

12'6 

18  5 

34  36 

34-54 

13-0 

200 

34  39 

3430 

150 

17-5 

K  a  s  c  h  a  u. 


30-99 

330-99 

330  49 

112 

13  5 

| 

30-36 

30- 14 

28-43 

10  1 

152 

28-49 

29-62 

30  26 

98 

15  4 

1 

3022 

30  15 

2i)-54 

1  1  0 

15  7 

30-28 

30.78 

3116 

13.2 

17  5 

30-63 

29-64 

28-70 

13.3 

18-2 

] 

28-87 

2923 

2959 

140 

168 

29-86 

29-34 

29  02 

17-3 

200 

2903 

28-90 

28  65 

169 

201 

29  18 

29  30 

29-61 

13  2 

17  5 

3017 

30'29 

30-66 

174 

22  2 

31-32 

31  Ol 

30-73 

171 

230 

30-98 

30-27 

29  81 

16-5 

22  6 

29  61 

29-50 

29  52 

161 

173 

29  00 

29-67 

29-74 

175 

21-4 

1 

29-87 

29-68 

29-23 

166 

211 

29-26 

28-67 

27-84 

263 

22-3 

2970 

30  15 

3012 

139 

17-3 

29-98 

28-70 

28  32 

12-9 

20  6 

27-84 

27-99 

28-57 

14-6 

165 

28-45 

28-22 

28  22 

130 

18-8 

28-44 

28-35 

2905 

14.5 

18-2 

2005 

29-63 

29  15 

13.2 

18-8 

20-00 

28  33 

27-86 

15-2 

19-8 

26-88 

26  42 

27  04 

14-2 

173 

27-84 

28-67 

2819 

13-0 

16-8 

28-28 

27-52 

27-74 

15  7 

20  b 

27-64 

2736 

28-63 

156 

21  7 

28-68 

28-88 

29-06 

10.5 

12  3 

28-88 

28-86 

28-80 

12.5 

14.6 

2894 

28-81 

2813 

144 

20  5 

28-16 

28-24 

28-70 

133 

18-3 

28-89 

28-80 

28  99 

13  8 

194 

2995 

29-58 

29-49 

138 

196 

2934 

28-24 

28  52 

15  5 

19  1 

28-78 

28-46 

28-  2 

134 

192 

1 

28-11 

25-61 

23-88 

139 

22  1 

| 

27  13 

2798 

28-29 

168 

20  7 

28-46 

28-08 

2761 

15-9 

226 

27-36 

2691 

27-25 

168 

22 '4 

27-38 

26-24 

2633 

16-4 

214 

26- 15 

25-93 

26-42 

138 

19-7 

130 
145 
15  5 
168 


iOl 
II 

[0-2 
27 

[53 

161 

2 

[8-2 
7-0 
5-2 
[68 
[7-2 
•4 
155 
[6  0 
.5 

5 
5-2 
7(i 
[3-7 
[2-8 
[36 
L4-" 
[4.7 
12 
L2-< 
66 
4-9 
1-5 
3-2 

3-9 
[3-8 
[4-8 

4-9 
15 

167 
16 

5-9 

7-4 

161 

1 

4  3 


13. 
14. 
13. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
39. 
31. 
Aug 

I. 

2. 

3' 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 

10. 

11 
12. 

13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
23. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 


26  92 
27-71 
2716 
2720 

27  05 
2897 
29  60 
2916 

28  76 
28-03 
28-48 
28-80 
2783 
27  71 
29-81 
27-58 
25  04 
2392 
25  28 

2614 

2587 
2710 
28-63 
29-80 
29-71 
281 8 
28-20 
2964 

29  39 
3034 
31-44 
3104 
30-85 
31-38 
31  07 
30-48 
29  53 
28-88 
27-08 
26-45 
27  89 
29-20 
29-87 
28-29 
2539 
2301 
25  57 
26-72 
27-84 
27  31 


27- i!» 
27-59 
27-61 
27-02 
27-45 
29-44 
29-37 
28-74 
28-23 
27-97 
28-63 
28-24 
26-80 

28  64 
29-26 
26- 13 
24-44 
24-81 
2573 

26-41 
26-89 
27-72 
28-72 
29-61 
28-54 
27-01 
28-33 
29-36 
29-32 
3039 
31-70 
30-69 
30-68 
31  00 
30-90 
2999 

29  23 
2820 
26-87 
26-36 
27-83 
29  21 
294i 
2735 
23-48 
23-66 
25-49 
26-66 
27-80 
26-84 


27-57 
27-43 
27-23 
20-94 
27-90 
29-83 
29  54 
28-65 
27-85 
27-75 
29-02 
2816 
26  69 
28-42 
26-34 
24-20 
2488 
2612 
26.52 

27-05 
27- 10 

29  23 
29-23 
29-80 
28-18 
2808 
2904 
29-66 
29-54 
30-71 
30-92 

30  51 
30-76 
30-92 
3081 
29-47 
29-19 
27-75 
26  33 
26-81 
28-34 

29  30 

30  10 
2621 
2304 
24-81 
23-95 
27-32 
27-73 
27-08 


8  18-0 
18-4 
19-4 
20.2 
19-1 
20-2 
17-4 
20-2 
13-3 
24-2 
23-7 
21-5 
22-0 
212 
22-4 
20-0 
18-0 
18-3 
19-4 


I 

7 
0 
2 
ll 
II 

6-4 

1i.11 

5 

ti 

0 

0 

:; 
0 
0 

6 

7 

6 

0 

6 

5 

7 

ti 

X 

X 

3 

4 

3 

0 

92 

9-5 


13  7 

14-8 
loa 
15*5 
14-9 
159 
16-4 
181 
18-8 
18-8 
18.6 
18-4 
171 
170 
17-2 
170 
151 
14-8 
15-7 


141 
14-9 

12  6 

13  6 

136 
0  14(5 
7  147 

0  149 

0,146 

7  14  8 

9  14  6 

9  17  6 

S  17-8 

0J17-0 

0  165 

117-5 

5160 

9  16-7 

5180 

160 

16-6 

161 

14-8 

t  14-7 

7J143 

15  6 

14-5 

122 

11-3 

10-8 

HS 


102 


Franz  Ritter  von  Hauer. 


Luftdruck    be 

0°    in 

Temperatur    J 

Luftdruek    be 

0°    in 

Temperatur 

Datum 

Pariser-Linien 

Reaumur 

Da  (um 

Pai 

iser-Linien 

Reaumur 

6" 

2L 

Kl'1      |    6'    |  2''  |  101'  | 

6"     i 

.> 

10"     |    01'      2"      KT 

Wa 

1  e  n  (1  o  r  f. 

J)  e  I>  r 

e  c  z  i  n. 

Aug. 

Aug. 

7. 

321-96 

321-41 

11-50 

L3-5 

167 

13  8  1 

7' 

331  54 

330  52 

329-97 

13-8 

19-8 

!  5  8 

9. 

23-35 

2336 

23-55 

L5-6 

191 

12-8 

9. 

31-32 

3197 

31-83 

15-6 

1 8-8 

1 6-8 

LS. 

25-57 

2513 

25-29 

12-9 

206 

12  9 

15. 

33-82 

3380 

33-75 

15-2 

24-6 

IS-2 

1(5. 

25-45 

24- TT 

24  65 

13  0 

21  0 

132; 

1 6- 

33-82 

3380 

33-43 

14-S 

23 -S 

18-4 

17. 

'24-00 

23-80 

23-77 

12-6 

21 '2 

1  40 

17. 

33  08 

32-88 

3'202 

15.6 

22-0 

18-0 

IS. 

23-46 

23-16 

2307 

13-8 

18-7 

88-4 

iS. 

3214 

3157 

31-5^- 

14-4 

22-4 

17-0 

19. 

2311 

22-54 

22-42 

130 

20-7 

12  7 

19. 

3141 

30-94 

30-33 

15-4 

20  0 

17-4 

20. 

2164 

20-81 

20-64 

11-9 

20  1 

1 33 

20. 

29-73 

29-91 

29  52 

14-6 

17-8 

10-S 

21. 

19-60 

19-26 

20-27 

141 

14.6 

12-71 

21. 

28-78 

28-33 

28-04 

14-2 

17-4 

160 

22 

21-36 

21-80 

22-92 

14-0 

18-6 

14-0 

22. 

29  91 

3052 

31-08 

150 

19  0 

16-4 

23. 

23-49 

23-38 

23-92 

12  6 

1 90 

1 2-8 

23. 

31-65 

31  87 

32- 14 

14.4 

19-0 

15-2 

24. 

24- 13 

23-51 

23-41 

11-5 

18  4 

127 

24. 

32-31 

3218 

3214 

13-6 

18-8 

16-0 

23. 

22-82 

2141 

2013 

13-1 

1 96 

12  S 

25. 

31-65 

30-74 

30-33 

14-8 

18-6 

15  2 

26. 

18-65 

17-41 

16-80 

130 

IS -2 

12-5 

'26 

28-21 

2699 

26-70 

120 

17-0 

15-4 

27. 

1616 

15-84 

17-21 

11-5 

173 

10-7 

27. 

26-20 

20  61 

27-48 

14-2 

16-8 

14-0 

28. 

18-61 

19-60 

20-39 

10-5 

14  2 

108 

28 

28-21 

28-65 

29-52 

12-4 

1 6-2 

10  0 

29. 

81-16 

21-76 

22-16 

9-4 

105 

07 

29. 

30  03 

3013 

30-33 

10-6 

15-4 

12-2 

30. 

22-51 

22-07 

22-07 

8-1 

160 

7-2 

30. 

3095 

30-04 

30-68 

13-4 

17-6 

12-6 

31. 

22-18 

21-55 

21-36 

7-7 

155 

8-8 

31. 

30-40 

30-14 

30-24 

40-2 

19-0 

12-4 

Sept. 

T 

2" 

91' 

71' 

21' 

9" 

Sept. 

1. 

2154 

21-77 

22-05 

8-6 

14  6 

92 

1. 

3003 

3013 

30-95 

10-6 

18-6 

12-8 

2. 

22  70 

23-08 

23-72 

93 

164 

9  3 

2. 

31-65 

32-03 

32-38 

'ILO 

17-8 

13-4 

3. 

24-57 

24-53 

24-89 

95 

14-4 

7-1 

3^ 

3305 

33-29 

33-46 

10-4 

19-0 

13-6 

4. 

25-30 

24-87 

24-75 

7-3 

14-S 

8-2 

4. 

33-46 

33-29 

33-27 

9-8 

18-4 

14-8 

5. 

24-62 

24-03 

23-76 

85 

1 6-8 

1 0-0 

5. 

32-7 

32-62 

32-31 

1 4-2 

17-6 

14-0 

III.   Corrections-Tafelo  für  das  ßourdoii  sehe  Metallbaronieter. 

1 .)    W  ärme-Correctio  n. 


Temp. 

Correctur    I 

Temp. 

Correctur 

Temp. 

Correctur 

Temp. 

Correctur 

Cels. 

Millimet. 

Cels. 

Millimet. 

Cels. 

Millimet. 

Cels. 

Millimet. 

—9° 

-6-20 

+-4° 

+  2-80 

+  170 

+  0-60 

1-30° 

Ol  3 

—8° 

+  5-85 

4-5° 

+  2-60 

+  18o 

+  0-48 

+  310 

— 0T4 

+  5-57 

f6° 

+2-40 

+  19o 

+  0-37 

r32o 

—015 

—6" 

+  5-27 

4-7° 

+  2-20 

l-20o 

-j  0-28 

330 

—016 

—5° 

|  4-97 

+  8° 

+  2-00 

+  2lo 

+  0-20 

-340 

—0-16 

—4° 

r4-71 

f  9° 

4-1-81 

+  220 

+  0-14 

r35o 

—0-17 

—3° 

-    ^4-45 

+  10" 

+  1-63 

r-23o 

+  0-08 

|-36o 

—0-17 

—2° 

+  4-20 

+  11° 

+  146 

+  240 

+  003 

r37o 

—018 

—1° 

+  3-95 

+  12° 

+  1-30 

+  25o 

—0-02 

r38o 

—0-18 

0° 

-j-3-70 

+  13° 

+  1-15 

+  26o 

—0-06 

i-39o 

—0-19 

+  1° 

r3-45 

+  140 

+  100 

+27o 

—009 

>-bQ» 

—019 

+2° 

+  3-22 

+  15" 

+  0-86 

+  28o 

—0-10 

|-4lo 

—0-20 

+  3° 

+  300 

+  16° 

+  0-73 

+  29o 

—0-11 

r41o 

—0-20 

Iloheniiiessungen  im  nordöstlichen  Ungarn. 


103 


2.)    Correctionstafel   für    den  Barometerstand.    Mit  dem 
Zeichen    der    Ablesung    hinzuzufügen. 


Barometerstand 

Correctur 

Barometerstand 

Correctur 

Barometerstand 

Correctur 

Pariser-Maass 

Par.-Lin. 

Pariser  Maass 

Par.-Lin. 

Pariser 

-Maass     | 

Par.-Lin. 

Zoll     ,    Linien 

Zoll         Linien 

Zoll 

Linien 

28 

0 

—2-03 

25 

11 

^1-61 

23 

10 

4  3-39 

27 

11 

-1-79 

10 

+  163 

9 

-t-3-44 

10 

—1-50 

9 

+ 1-65 

8 

4-348 

9 

—1-22 

8 

+  1-68 

7 

+  3-51 

8 

—  1-00 

7 

4-1-72 

6 

4-3  52 

7 

—0-80 

6 

+  1-76 

5 

4-3-53 

6 

—0-60 

5 

+  1-80 

4 

+  3  53 

5 

—0-38 

4 

hl  85 

3 

4-3  52 

4 

—0-14 

3 

~rl  91 

2 

+  349 

3 

+  0-10 

2 

+  1-96 

1 

+  3  47 

2 

+  0-26 

1 

4-2-02 

23 

0 

4-  3-42 

1 

j-0-43 

25 

0 

4-2-10 

22 

11 

+  335 

27 

0 

+  0-71 

24 

11 

4-2-17 

10 

4-3-25 

26 

11 

+  0-85 

10 

4-2-25 

9 

4-309 

10 

+  1-02 

9 

4-2-34 

8 

4-2-93 

9 

-r-113 

8 

4-243 

7 

4-2-70 

8 

+  1-24 

7 

4-2-52 

6 

4-2-36 

7 

+1-32 

6 

4-2-62 

5 

+  214 

6 

+  1-38 

5 

4-2-73 

4 

4-1-94 

5 

+  1-44 

4 

f-2-84 

3 

+  181 

4 

+  1-48 

3 

4-2-95 

2 

+  1-68 

3 

+  1-50 

2 

4-306 

1 

+  1-58 

2 

^1  53 

1 

t-3-16 

22 

0 

+  1-46 

1 

+  1-56 

24 

0 

4-3-26 

21 

11 

+  1-30 

26 

0 

+  l-58 

23 

11 

+  3-33 

| 

IX. 

Die  Quellen  des  liburnischen  Karstes  und  der  vorliegenden  Inseln. 

Von 

Dr.  Josef  Rom.  Lorenz, 

k.  k.  Professor  in  Fiume. 
Milgetheilt  in  der  Versammlung:  der  k.  k.  geographischen  Gesellschaft  am  3.  Mai  1859. 

Von  den  hydrographischen  Verhältnissen  der  Karstgebirge  ist  im 
Allgemeinen  hinlänglich  bekannt,  dass  dort  die  atmosphärischen  Nieder- 
schläge sich  nirgends  zu  aushaltenden  Bach-  oder  Fluss-Systemen  sam- 
meln können,  sondern  theils  sogleich,  theils  nach  kurzem  oberirdischen 
Laufe  in  die  Spalten  und  Klüfte  des  Karstkalkes  versinken,  sich  unter- 
irdisch in  Höhlen  ansammeln,  deren  viele  untereinander  zusammenhängen; 
dass  sie  durch  das  Ueberfliessen  der  höher  gelegenen  Höhlenbecken  in 
tiefer  gelegene  abrinnen;  dass  sie  in  der  Regel  nur  dort  als  Quellen 
austreten,  wo  unter  den  Kalkschichten  der  undurchlassende  pelogene 
Sandstein    oder   schieferige    Thon    ausbeisst,  welcher    dem  Weitersinken  des 


104  Dr.  .!.  P.  Lorenz. 

Wassers  wehrt  und  es  zugleich  an  seiner  eigenen  Oberfläche  zu  Tage 
hinaus    leitet. 

Das  Riesenwerk  der  Wasserleitung  von  Nabresina  bei  Triest  ist  eine 
grossartige  practische  Anwendung  dieser  Verhältnisse  im  Triester-Karste. 
Die  gleichen  Verhältnisse  finden  auch  im  liburnischen  Karste  statt;  es 
treten  aber  dabei  einige  nicht  uninteressante  Details  auf,  welche  der  nä- 
heren   Betrachtung  werth    sind. 

Von  der  orographischen  Gliederung  des  liburnischen  Karstes  deute 
ich  hier  nur  ganz  kurz  Dasjenige  an,  was  zur  Anknüpfung  der  folgen- 
den   hydrographischen    Skizze    unerlässlich    ist. 

Der  vom  Snjsnik  an  nach  OSO.  streichende  Karstzug  bildet  zuoberst 
ein  etwas  gewölbtes  Plateau  in  durchschnittlicher  Höhe  von  2000  —  3000 
Fuss,  über  welches  sich  zahlreiche  ßergreihen  und  Berggruppen  bis  nahe 
an  4000  Fuss   erheben. 

Die  Senkungen  des  Terrains  sind  auch  hier  nirgends  aushaltende 
Längsthäler,  sondern  nur  Mulden  oder  Kessel,  lassen  daher  keine  ober- 
irdischen Bach-  oder  Flusssysteme  zu.  Vom  südlichen  Rande  dieses  Pla- 
teaus (von  welchem  meine  Begehungen  nach  abwärts  fortgesetzt  wurden, 
ohne  die  Mitte  und  den  nördlichen  Rand  des  Plateau  mit  einzubeziehen) 
steigt  das  Karstgehänge  in  drei  Stufen  zum  Meere  hinab.  Die  oberste 
und  steilste  Stufe  besteht,  so  wie  der  Rand  des  Plateaus,  aus  älterem 
Karstkalke  (wahrscheinlich  Trias);  die  beiden  unteren  Absätze  hingegen 
gehören  fast  ganz  dem  Nummulitenkalke  an,  welchem  in  der  Tiefe  von  einigen 
hundert  Fuss  ein  ziemlich  mächtiger  aushaltender  Schichtencomplex  von 
Nummulitensandstein   (Tassello)    eingelagert    ist. 

Dieser  tritt  daher  am  Grunde  der  tieferen  Spalten  und  Einrisse  des 
Kalkes  zu  Tage.  Am  Festlande  ist  diess  nur  in  der  6  Meilen  langen 
Thalspalte  der  Fall,  welche  nach  der  ganzen  Länge  unseres  Karstes  und 
mit  dessen  Streichen  parallel,  die  zweite  Gehänge-Stufe  von  der  dritten 
(untersten)  trennt,  und  durch  Querriegel  in  die  langen  Mulden  Becina, 
Draga,  Vinodol,  abgetheilt  wird.  Auf  den  Inseln  biethet  nur  Veglia  im 
Thale  von  Besca  und  bei  Dobrigno  ähnliche  Verhältnisse,  —  während 
sonst  überall  der  blosse  Nummuliteukalk  herrscht.  Diesem  sind  übrigens 
sowohl  auf  dem  Festlande  als  auf  den  Inseln  ausser  der  erwähnten 
mächtigeren  Sandsteinlage  noch  mehrere  zerstreute  Blätter  und  Schmitzen 
von  Sandstein  in  höheren  Horizonten  eingefügt.  Erst  die  drei  südlichsten 
Inseln  Unie,  Canidole  und  Sansego  bieten  andere  Verhältnisse  dar,  indem 
auf  Sansego  ganz,  auf  Unie  und  Canidole  zum  Theile,  Hippuritenkalk  die 
Grundlage  bildet,  worauf  dann  tertiärer  Sand  liegt.  Diluvium  ist  überall 
nur  sehr  vereinzeint  und  ganz  lokal  abgegrenzt  in  Mulden  eingelagert. 
—  Diess  ist  das  Skelett  des  Terrains,  dessen  Quellenverhältnisse  nun  zu 
schildern    sind. 

Auf  dem  Plateau  (wir  sprechen  immer  nur  von  der  südlichen 
Längs-Hälfte  desselben)  gibt  es  in  den  beiden  Flanken  gar  keine  Quellen 
und  Bäche;  Berg  und  Thal  schlucken  die  beträchtlichen  Niederschläge, 
zu  denen  die  mächtige  Schneedecke  eines  siebenmonatlichen  subalpinen 
Winters  einen  reichlichen  Beitrag  liefert,  ganz  und  gar  ein.  Im  Bittoraj 
(östliche  Flanke)  ist  auf  9000  Joch  kein  lebendes  Wässerlein  zu  finden; 
Schneelöcher,      welche     auch     im     Sommer     gefüllt     bleiben,      bieten     die 


Die  Uuellen  des  liburnischen  Karstes  und  der  vorliegenden  Inseln.  JOS 

einzigen  Vorräthe  von  Trinkwasser.  Die  Gesenke  im  Centrum  des  Pla- 
teau liefern  einige  wenige  Quellen,  mit  einer  Temperatur,  welche  der 
hohen  Lage  ihres  Sammelgebietes  entspricht  —  nämlich  nur  -j-  6°  bis 
7°  R.  konstant.*)  Solche  Homothermen  sind  jene  von  Mrzla  vodica 
(-}■  6°  R.)  nahe  an  der  Louisenstrasse,  —  dann  der  Ursprung  des 
Brelo-ßaches  (-j-  6'4°),  welcher  die  Diluvial -Ebene  von  Fuzine  und 
Lic  durchfliesst,  sich  unterwegs  im  Sommer  bis  auf  -j-  16°  R.  erwärmt 
und  bei  Lic  in  den  Felsenboden  versinkt;  endlich  die  Quelle  im  Revier 
Spicunak  (4  7°  R.)  nordwestlich  von  Fuzine.  Durch  oberflächliche  Lage 
der  Ausfluss-Region  erhalten  einige  andere  Quellen  dieser  Gegend  eine 
variable     Temperatur     zwischen  13"    R.    und    0°    R.   je    nach    den    Jah- 

reszeiten. —  Die  Trinkquelle  vor  dem  Försterhause  in  Fuzine  hatte  im 
September  -j~  8°  R.  Keine  der  in  konstanter  Bodentemperatur  liegenden 
Höhlenquellen  aber  überschreitet  in  ihrem  geschützten  natürlichen  Reser- 
voir   die    Temperatur    von    -|~    6*5°   R. 

Das  ganze  ausgedehnte  Karstgehänge  bis  zur  langen  Thalspalte  her- 
unter entsendet  gar  keine  beständige  Quelle;  Regenpfützen  und  Cisternen 
decken  sehr  kärglich  den  Wasserbedarf  der  Bewohner.  Nur  an  jenen 
wenigen  Stellen,  wo  irgend  eines  der  im  Kalk  zerstreuten  Sandstein- 
Blätter  zu  Tage  ausgeht,  fliessen  —  aber  dann  auch  unfehlbar  — 
spärliche  intermittirende  Quellen  hervor,  welche  offenbar  ihr  Sammelgebiet 
nur  in  der  unmittelbarsten  Nähe  haben,  und  sämmtlich  Heterothermen 
sind.  Einige  Wichtigkeit  hat  jene  von  Kamenjak  (im  Juni  -j~  9*o0  R.) 
an  der  Louisenstrasse,  weil  sie  in  ein  Reservoir  (mit  -f-  12°  R.)  ge- 
sammelt wird,  wodurch  allein  die  Tränkung  des  Zugviehes  auf  der  lan- 
gen beschwerlichen  Strecke  zwischen  Fiume  und  Poststation  Jelenje  mög- 
lich   wird. 

Mit  dem  langen  Sandstein-Streifen  im  Grunde  der  Thäler  Recina, 
Draga,  Vinodol  tritt  plötzlich  ein  äusserst  quellenreiches  Gebiet  auf.  Dort 
entspringt  zunächst  in  der  westlichsten  Ecke,  in  absoluter  Höhe  von  bei- 
läufig 900  Fuss,  als  Ueberwasser  eines  grossen  unterirdischen  Höhlen- 
beckens des  Fluss  Recina  mit  einer  konstanten  Temperatur  von  -J-  6-1  °  R. 
Diese  Ziffer  genügt  zu  dem  Schlüsse,  dass  das  Sammelgebiet  dieser 
Quelle  im  Plateau  oben  liege,  und  dass  sie  ungemein  rasch,  und  nirgends 
der  Erdoberfläche  nahe,  durch  ein  steiles  Spaltensystem  in  das  Höhlen- 
becken herabstürze;  denn  die  mittlere  Lufttemperatur  der  Ausfluss-Gegeml 
beträgt    mindestens    -(-    95°    R. 

Unter  der  Menge  der  nun  nach  Osten  sich  aneinander  reihenden 
Quellen  im  Sandsteingebiete  der  Thalspalte  muss  man  einen  Unterschied 
machen  zwischen  jenen,  welche  so  wie  die  Reeina-Quelle  ihr  Sammel- 
gebiet in  den  oberen  Kalkgehängen  haben  und  dem  Sandsteine  nur 
ihren  Austritt  verdanken  (Kalkquellen),  —  und  zwischen  jenen, 
welche  nur  den  Niederschlag  des  Sandsteingebietes  selbst  abführen  (S  a  n  d- 
steinqu eilen).  Die  ersteren  zeichnen  sich  durch  ihr  helles,  aber  Moose 
inkrustirendes  (kalkhaltiges)  Wasser  mit  stetem  Flusse  und  nur  wenig  ver- 
änderlicher Temperatur,    zwischen    -f  8°  R.    und  -|-    11°  R.,    aus.    Die  letz- 


*)  Alle  hier  vorkommenden  Temperatur-Messungen  sind  von  mir  selbst  mit  vergliche- 
nen und  korrigirten  Instrumenten  wiederholt  ausgeführt  worden,  anderwärts  finden  sich  bisher 
keine  Angaben  darüber. 


-)  06  Df  J«  K-  Lorenz. 

teren  führen  trübliches,  oft  von  Infusorien  bläulich  oder  gelblich  gefärb- 
tes Wasser  von  sehr  variabler  Temperatur,  -j-  U«  bis  -f-  16°  R.  je 
nach    den    Jahreszeiten. 

Zu  den  ersteren  gehören  die  Quellen,  welche  die  Ortschaften  Kri- 
sisce,  Grizanj  und  Bribir  im  Vinodol  mit  gesundem  Wasser  versorgen  und 
dadurch  den  Segen  dieses  köstlichen  Thaies  inmitten  der  dürren  Karst- 
wüste bedeutend  vergrössern.  Sandsteinquellen  in  grösserer  Zahl  und 
mit  beständigem  Flusse  kommen  nur  im  Recina-Thale  vor,  indem  nur 
dort  der  Sandstein  eine  bedeutendere  Fläche  in  mehreren  Abstufungen 
und  Hügelreihen  einnimmt;  in  beiden  anderen  Thälern  sind  dergleichen 
Quellen    spärlich    und    versiegen    oft    ganz. 

Die  unterste  Gehänge-Stufe  des  liburnischen  Karstes  entbehrt  gänz- 
lich der  Quellen,  bis  unmittelbar  zum  Meeres-Saume.  Gerade  hier  aber 
tritt,  durch  ein  seltsames  Zusammentreffen,  wieder  Sandstein  unter  dem 
Kalke  hervor,  und  obgleich  nur  in  schmalen  Ausbissen  und  fast  überall 
von  Kalkgetrümmer  maskirt,  genügt  diess  dennoch,  um  auf  eine  Länge 
von  über  sechs  Meilen  am  Meeresufer  hin  zahlreiche  Quellen  herauszu- 
leiten. Die  reichsten  derselben  —  ohne  Zweifel  nur  desshalb,  weil  ihnen 
der    Ausfluss    künstlich    erleichtert    wurde  sind    in    den    Städten    Fiume 

und  Buccari.  Es  sind  sämmtlich  Kalkquellen  von  grosseF  Reinheit  und 
überraschender  Frische;  man  staunt  mit  Recht,  in  den  schwülsten  August- 
tagen bei  28  --  30°  R.  Hitze,  in  einer  Gegend,  deren  mittlere  Jahres- 
temperatur mindestens  -j-  12-2°  R.  beträgt,  aus  jeder  der  zahlreichen 
mächtigen  Trinkquellen  Wasser  mit  circa  -\-  7'2°  R.  zu  erhalten.  Diess 
ist  die  durchschnittliche  constante  Temperatur  aller  der  vielen  Uferquellen 
zwischen  Kautrida  an  der  Grenze  gegen  Istrien  und  Povilje  in  der  Mili- 
tärgrenze. Es  erhellt  daraus  ohne  Weiteres,  dass  auch  diese  Gewässer 
ihr  Sammelgebieth  schon  auf  dem  Plateau  in  3000  —  4000  Fuss  abso- 
luter Höhe  haben,  da  sie  mit  einem  Unterschiede  von  nur  wenigen  Zehn- 
teln noch  die  gleiche  Temperatur  besitzen,  welche  ihnen  auf  dem  Plateau  eigen 
ist.  Dafür  spricht  auch  die  von  mir  oft  gemachte  Beobachtung,  dass  diese 
Quellen  nur  dann  anschwellen,  wenn  länger  dauernde  Regengüsse  sich 
über  dem  Karstplateau  entleeren,  während  die  längs  des  Ufers  hin- 
ziehenden Sommerregen,  wenn  sie  auch  noch  so  ausgiebig  sind,  gar  keinen 
Einfluss  auf  die  Anreicherung  der  Quellen  äussern.  Eine  solche  tritt  aber,  in 
Verbindung  mit  leichter  weisser  Trübung  des  Quellwassers  stets  erst  2 — 3 
Tage  nach  dem  Beginne  der  auf  dem  Plateau  herrschenden  heftigen  Nie- 
derschläge ein,  was  darauf  hindeutet,  dass  unsere  Quellen  ebenfalls  nur 
die  Ueberwässer  eines  Systems  von  unter  einander  gelegenen  Höhlen- 
beckeu  sind.  Es  folgen  in  Kürze  einige  Details  über  diese  in  ihrer  Art 
einzige  Kette  von  eiskalten  Uferquellen  an  den  glühenden  Gestaden  der 
Adria.  Beginnen  wir  von  Westen,  so  treten  zuerst  in  der  Gegend  von 
Kantrida.  zwischen  Fiume  und  Volosca,  und  so  fort  nach  Osten  bis  Fiume 
unzählige,  kleine  Strandquellen  auf,  welche  zwischen  den  Klippen  und  dem 
Roll  kiese,  bisweilen  schon  unter  der  Fluthgrenze,  hervorrieseln.  Sie  ver- 
siegen nie,  haben  alle  constante  Temperatur,  und  keine  überschreitet 
-f-  7'8°  R.  Ausser  diesen  wenig  beachteten  Wässerlein  entspringen  inner- 
halb der  genannten  Strecke  einige  hundert  Schritte  landeinwärts  mehrere 
wasserreiche  Bächlein,  welche  raschen  Gefälles  dein  Meere  zueilen  (bei 
der  chemischen  Fabrik;  „sotto  pioppi;"  bei  „Pignol;"  im  Thälchen  von 
Skurinje,    mündend    am    porto    del   Lazzaretto    in    Fiume);     ihre    Temperatur 


Die  Quellen  des  liburnisehen  Karstes  und  der  vorliegenden  Inseln.  107 

varirt  nur  zwischen  -f  7"50  R.  und  -f~  8-o°  R.,  da  sie  während  ihres 
schnellen  kurzen  Laufes  nur  sehr  unbedeutend  von  der  äussern  Tempe- 
ratur affizirt  werden.  Fiume  selbst  besitzt  nebst  vielen  nicht  allgemein 
bekannten  Quellen  in  Gärten  und  Kellern  auch  vier  öffentliche  ge'fasste ; 
die  westlichste  (in  Braida)  tritt  mit  +  7-5°  R.,  die  mittlere  (am  Corso) 
n,it  _|_  72°  R.,  die  beiden  östlichsten  (im  Gymnasium  und  am  porto  di 
caboiaggio)    mit    -f    7-1°    R.    aus.0) 

Etwa  400  Klafter  landeinwärts  von  Fiume  im  Recina-Thale,  und 
beiläufig  00  —  70  Fuss  über  dem  Meere  entspringt  ein  stetiger  Zufluss 
der  Recina,  welche  von  dort  an  „Fiumera"  heisst,  in  solcher  Mächtigkeit, 
dass  er  sogleich  eine  Mühle  treibt;  seine  Temperatur  varirt  zwischen 
-f   7-5°  R.  und  -f   8°  R. 

Im  Hafen  von  Martiuseica  kann  man  nach  Belieben  mit  der  Hand  kalte 
Quellen  hervorrufen,  indem  man  den  Kalkgrus  des  Strandes  ein  wenig  aufwühlt ; 
sie  zeigen  constant  -f-  7"2°  R.  Die  Stadt  Buccari  hat  drei  bedeutende  öffentliche 
Quellen,  von  -f-  7o°R.,  -J-  7,7ö°  R.  und  -j-  8°  R.  constant.  Die  ganze  grosse 
Bucht  von  Buccari  ist  an  ihrem  nordöstlichen  Ufer  bis  Buccarizza  reich  an  Quel- 
len yon  -|-  7'2°  R.  bis  -j-  7*5°  R.  Die  Gestade  des  Canale  di  Maltempo  liefern 
ebenfalls  einige  solche,  und  die  letzte  Quelle  mit  so  geringer  Temperatur  strömt 
vor  Povilje  unmittelbar  aus  einer  Felsenspalte  ins  Meer. 

Alle  Quellen,  welche  weiter  westlich  gegen  Istrien,  oder  weiter  östlich 
gegen  die  Militärgrenze  am  Meeres-Ufer  austreten,  haben  die  weit  höheren  und 
variablen  Temperaturen  von  -(-  9°  bis  -f-  13°  R.  je  nach  den  Jahreszeiten.  Unsere 
Reihe  von  kalten  Quellen  muss  also  von  den  Ueberwässern  eines  zusammen- 
hängenden Systems  von  Spalten  und  Becken  herrühren,  welches  sich  durch  seine 
tiefe,  vor  dem  Einflüsse  der  Lufttemperaturen  abgeschlossene  Lage  und  seinen 
steilen  Fall  vor  allen  andern  im  Karstgebirge  vorkommenden  auszeichnet  und 
seine  Gewässer  direct  vom  hohen  Plateau  empfängt,  ohne  dass  sie  mit  den 
auf  die   tieferen    Gehänge   fallenden   Niederschlägen    gemischt    werden. 

Diese  kalten  Süsswässer  sprudeln  übrigens  auch  noch  entfernt  vom 
Lande  am  Grunde  des  Golfes  von  Fiume  hervor  und  modifiziren  die  Tem- 
peratur und  den  Salzgehalt  des  Meerwassers,  -  wovon  an  einem  andern 
Orte    ausführlicher    gehandelt    werden    soll. 

Auf  den  Inseln  gibt  es  überall  nur  sehr  wenige  und  spärliche 
Quellen,  deren  jede  ihr  Sammelgebiet  in  der  nächsten  Nähe  des  Aus- 
flusses hat  und  ziemlich  grossen  Temperatur -Schwankungen  unterliegt. 
Nie  habe  ich  sie  aber  anderswo  gefunden,  als  an  der  Grenze  zwischen 
Kalk  und  den  ihm  eingeschalteten  Sandstein-Lagen  oder  Schmitzen  — 
ganz  so  wie  die  Quellen  der  liburnisehen  Karst  Gehänge  (z.  ß.  die 
erwähnte  bei  Pamenjak);  Sandstein  und  Quellen  verrathen  unfehlbar  eins 
das  andere.  Die  beiden  flachen  Seen  auf  Veglia  (Jesero  gagen  Norden 
und  Panighe  ziemlich  in  der  Mitte  der  Insel)  entstehen  aus  dem  sehr 
unstäten  Zusammenflüsse  solcher  Quellen  und  überdies  einiger  convergi- 
render  Regenbäche  auf  Sandsteiubodeu.  Beide  See  n  liegen  in  flachen 
rings  geschlossenen  Becken,  haben  keinen  Abfluss,  verlieren  ihr  Wasser 
nur  durch  Verdampfung,  erleiden  daher  bedeutende  Veränderungen  ihres 
Niveaus.     Diese    und    mehrere    andere    Quellen    auf    Veglia    (hei    Dobrigno 


*)  Diese  Zahlen  sind  aus  sehr  vielen  durch  drei  Jahre  fortgesetzten  Beobachtungen 
gewonnen,  bei  denen  sich  herausstellte,  dass  jede  Quelle  im  Verlaufe  eines  ganzen  Jahres 
höchstens   um     0-2°   R.  varirt. 


(08  Anton  Steinhäuser. 

dann    im    Thale    von    Besca)   zeigten   an   ihren    Ursprungs-Stellen   im    Monate 
October    zwischen    +  J  I °    und    -f-  12"    R. 

Auf  Cherso  sind  Quellen  noch  weit  seltener  als  auf  Veglia.  Im 
Hintergründe  von  Valle  Pischio  (Hafen  von  Cherso),  —  dann  in  Pistiak, 
westlich  von  der  nach  Osero  und  Lussin  führenden  grossen  Strasse  (strada 
regia),  —  und  an  der  Punta  Pernafa  habe  ich  die  Temperaturen  der 
Quellen    im    April  106«  R. ,    +    10'3°  R..     und     4-    10'2°    R.    gefunden. 

Ueber  den  kalten  Wana-See  (im  April  nur  -  7"  R. )  mit  unsichtbarem 
Zu-  und  Abflüsse  habe  ich  in  Perthes  geographischen  Mitteilungen, 
1859,  berichtet.  Auf  den  andern  Inseln  sind  die  Qiiellenverhältnisse  stets 
ganz  analog  den  schon  geschilderten;  Temperaturmessungen  habe  ich  ander- 
wärts nicht  angestellt.  Nur  Sansego  macht  auch  hierin  eine  Ausnahme; 
—  das  ganze  Sammelgebiet  besteht  aus  den  bekannten  bis  '200  Fuss 
mächtigen  Sandmassen,  durch  welche  die  Niederschläge  bis  zum  darunter 
liegenden  Hippuritenkalke  liltriren;  dieser  ist  aber  nicht  so  zerklüftet  wie 
der  Numulitenkalk  und  besitzt  wahrscheinlich  an  seiner  oberen,  dein  Sande 
zugekehrten  Fläche  mehrere  flache  Vertiefungen,  in  denen  das  Wasser 
stehen  bleibt.  So  wenigstens  fand  ich  es  bei  den  zwei  Quellen  der  Ort- 
schaft   Sansego,    welche    Anfangs    September  14°   R.    hatten. 


X. 

Die  älteste  und  neueste  topographische  Karte   von  Bayern. 

V  o  n 

Anton  Steinhäuser, 

k.  k.  Rath, 

Mitgetheilt    in  der  Versammlung  der    k.   k.   geographischen   Gesellschaft    am   3.   Mai   1859. 

Als  im  verflossenen  Jahre  in  den  geographischen  Mittheilungen  von 
A.  Petermann  die  interessanten  Aufsätze  von  Emil  von  Sydow  über 
den  kartographischen  Standpunct  Europas  erschienen  waren,  sprach  unser 
verehrtes  Ehrenmitglied  Se.  Excelienz  der  Herr  Feldmarschall-Lieutenant 
und  General- Artillerie -Director  Ritter  von  Hauslab  die  Idee  aus,  die 
k.  k.  geographische  Gesellschaft  würde  zur  Verbreitung  geographischer 
Kenntnisse  wesentlich  beitragen,  wenn  nach  und  nach  die  besten  topo- 
graphischen Arbeiten  Europas  in  den  Versammlungen  zur  Anschauung  und 
Kenntnissnahme  gelangen  würden  und  nebstbei  über  ihre  Entstehung,  An- 
ordnung und  successive  Vervollkommnung  die  nöthigen  Notizen  beigefügt 
werden  könnten;  zugleich  bot  Se.  Excellenz  bereitwilligst  dazu  die  thä- 
tigste  Mitwirkung  an.  Herr  Artaria  erklärte  sieh  ebenfalls  gerne  bereit 
zur  Herbeischaffung  aller  in  seinem  Bereiche  gelegenen  Materialien  und 
überreichte  in  Gemeinschaft  mit  mir  dem  Ausschusse  einen  schriftlichen 
Vorschlag  über  die  Tendenz  und  Ausführung,  der  auch  anstandslos  geneh- 
migt  wurde. 

Allein  manche  Hindernisse,  zumeist  in  dem  nothgedrungenen  Ab- 
warten der  langsam  und  stückweise  zugehenden  Quellenwerke.  Erläute- 
rungen und  Notizen  gelegen,  verursachten,  dass  ich  erst  heute  mich  im 
Stande  sehe,  mit  der  ersten  derartigen  Vorlage  zu  beginnen  und  Ihnen 
über  die  1812  begonnene  und  noch  nicht  ganz  vollendete  topographische 
Karte    von    Bayern    in    112    Blättern    das    Notlüge    mitzutheilen. 


Die  älteste  und  neueste  topographische  Karte  von  Bayern,  1 09 

Es  wurde  diese  zuerst  gewählt,  weil  sie  zu  deu  österreichischen 
Arbeiten  in  vielen  Hinsichten  eine  Parallele  bildet  und  nahe  dieselben 
Perioden    stutenweiser    Ausbildung    ziemlich    gleichzeitig    durchgemacht   hat. 

Wenn  ich  dabei  ausnahmsweise  weiter  aushole,  als  zur  Erfüllung 
der  Aufgabe  unmittelbar  erforderlich  wäre,  und  für  diessmal  in  die  älteste 
Zeit  der  Kartographie  zurückgreife,  so  geschieht  es  aus  dem  Grunde, 
weil  von  allen  deutschen  Ländern  Bayern  das  erste  war,  welches  sich 
schon  vor  nahe  300  Jahren  einer  auf  mathematischen  Grundlagen  ent- 
worfenen Karte  erfreuen  konnte,  die  bis  zum  Anfange  dieses  Jahrhun- 
derts   allen    späteren    Karten    zur   Grundlage    diente. 

Eine  solche  Erscheinung  mag  nicht  wohl  übergangen  worden,  gestat- 
ten Sie  mir  daher,  zu  den  heute  nebstbei  zur  Schau  gebrachten  alten 
Karten    von   Bayern    einige    historische    Notizen    als    Commentar    anzufügen.*) 

Die  älteste,  auf  astronomischen  Beobachtungen  und  zeitgemässer  geo- 
metrischer Grundlage  beruhende  Karte  von  Ober-  und  Nieder-Bayern**) 
ist  die  von  Philipp  Apian,  Professor  der  Mathematik  und  Physik  zu 
Ingolstadt,  welcher  in  der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  auf  Befehl  des 
Herzogs  Alb  recht  in  wenigen  Jahren  eine  Mappirung  des  Landes  unter- 
nahm, so  dass  schon  im  Jahre  1566  die  aus  deu  Originalaufnahmsblättern 
gezogene,  in  Holzschnitt  von  Amman  ausgeführte,  Karte  von  „Ober-  und 
Niedern-Bayern"    zu    München    erscheinen    konnte. 

Philipp  Apian  war  der  Sohn  des  seiner  Zeit  berühmten  Peter  Apian 
oder  Apianus  (eigentlich  Bienewitz),  welcher  I495  zu  Leistnik  in 
Meissen  geboren,  Professor  der  Mathematik  an  der  Universität  zu  Ingol- 
stadt wurde,  nachdem  er  den  Ruf  nach  Padua,  Ferrara,  Leipzig,  Tübin- 
gen und  Wien  ausgeschlagen  hatte.  Er  war  Lehrer  der  Mathematik  Kaiser 
Karl  V.,  dem  er  auch  sein  Astronomicum  Caesareum  widmete,  wofür  er 
mit  3000  Goldgulden  beschenkt  wurde.  Von  ihm  existirt  auch  eine  Welt- 
karte vom  Jahre  1520.***)  Folium  populi  1533.  Er  starb  im  Jahre  1552****). 
Eines  so  verdienten  Gelehrten  Sohn  war  Philipp  Apian,  geboren  zu 
Ingolstadt  am  14.  September  1531.  Er  war  schon  1551  zum  Lehrer 
an  der  Universität  seiner  Vaterstadt  ernannt,  trat  aber  sein  Amt  erst  im 
folgenden  Jahre  an,  nachdem  er  von  Reisen  zurückgekehrt  war.  Für  seine 
Karte  von  Bayern  erhielt  er  vom  Herzog  Alb  recht  2500  Dukaten  und 
eine  lebenslängliche  Zulage  von  jährlichen  150  Gulden.  Wegen  Uebertritt 
zum  Lutherthum  musste  er  Ingolstadt  verlassen  und  begab  sich  nach  Wien 
zum  Kaiser  Maximilian  II.,  der  ihm  100  Joachimsthaler  behändigte  und 
wo    er    drei    Monate    blieb.     Im    Jahre    1569    erhielt    er    die    Professur    der 


*)  Ausführliche,  aus  rlen  Quellen  des  Staatsarchives  und  der  Münchener  Hofbibliothek 
gezogene  Nachrichten  über  Entstehung  und  Beschaffenheit  der  älteren  Landkarten  von  Bayern 
bis  zum  Jahre  1810,  nebst  kritischen  Vergleichen  ihres  Inhalts,  findet  man  in  der  Einleitung 
zu  den  Geschichtsquellen  der  bayerischen  Topographie,  im  I.  Theile  des  literarischen  Hand- 
buches von  Freihern  von  A retin,  königl.  bayer.  Hofbibliothekar. 

**)  Der  bayerische  Historiker  Aventin  (Johann  Thurmaier  von  Abensburg)  lieferte 
zwar  43  Jahre  vor  Apian  (im  Jahre  1523)  eine  Karte  von  Bayern,  in  Holzschnitt  und  einem 
Blatte  (g-0o'ooo)'  da  s'e  a'jer  mehr  zu  historischen  Zwecken  gemacht  wurde  {Vindelicia)  und 
sehr  wenig  topographisches  Detail  enthält,  so  kann  sie  füglich  übergangen  werden. 

***)  Tipus  orbis  universalis juxta  Ptolomaei  cosmographi  traditionem  et  Americi  Yespucn 
aliorumque  lustrationes  a  Petro  Apiano  Leysnico  elucubratus.  An.  dorn.  MDXX. 

****)  Näheres  über  diesen  ausgezeichneten  Mann  und  seinen  Sohn  findet  man  in  1) 
A.M.  K  o  b  o  1 1  bayrisches  Gelehrtenlexikon,  Landshut  1795  2)  L  i  p  o  w  s  k  y  bayrisches  Künstler- 
lexikon München  1810  3)  Melch.  Adam  Vit.  Philos.  Germ.  u.  a.  Seine  und  seines  Sohnes 
sonstige  Werke  sind  verzeichnet  in  Graesse,  Tresor  des  livres  rares  et precieux.  Dresden  1858 
pag.   159   und    160. 


110 


Anion  Steinhäuser. 


der   Mathematik    in    Tübingen,    wo    er    am    14.    November    1 589   am   Schlag- 
flusse    starb. 

Die  Originalzeichnung,  ans  40  oblongen  Blättern  im  Maasse  von  5-^j- 
ausgefuhrf,  ist  auf  dem  topographischen  Bureau  in  München  noch  vorhanden 
und  schriftliche  Andeutungen  und  Spuren  auf  derselben  lassen  errathen,  dass  die 
Mappirung,  über  deren  Ausfuhrungsweise  und  Hilfsmittel  nichts  auf  die  Nach- 
welt gekommen  ist,  nach  einem  das  Ganze  umfassenden  Plane  eingeleitet 
wurde,  dass  astronomische  Meridian-  und  Orts-Bestimmungen,  selbst  Basen- 
messungen in  verschiedenen  Gegenden  des  Landes  vorgenommen  wurden 
und  weitere  geometrische  Ortsbestimmungen  darauf  gegründet  worden  sind. 
Es  scheint,  sagt  J.  N.  Anlitschek  in  seinen  „geschichtlichen  Nachrichten 
über  die  ältere  Topographie  und  die  neueren  Institute  für  Landesvermessung 
in  Bayern"*)  dass  Api an  von  den  Flüssen  ausgegangen  ist,  weil  im  Gerippe 
der  Gewässer  die  meiste  Bichtigkeit  zu  finden  ist.  Die  Handzeichnung  zeigt 
vielen  Kunstaufwand  in  der  Zeichnung  der  Berge  (nach  horizontaler  Ansicht), 
Wälder,  Ortschaften,  Schlösser  und  Klöster  etc.,  die  durch  irgend  ausgezeich- 
nete Merkmale  kenntlich  gemacht  sind.  Schlachtfelder,  römische  Ueberreste, 
Bäder,  Bergwerke,  Brücken,  kurz  alles,  was  wissenswerth  erschien,  ist 
berücksichtigt,  nur  das  nicht,  worauf  wir  heut  zu  Tage  besondern  Werth 
legen  —  Strassen  und  Grenzen.**)  Die  Beduction  im  Holzstiche  ist  auf 
verkleinert    und    fasst    22    Blätter    nebst    Frontispice    und   Uebersicht. 


14  4  0  0  0 


Die  Karte  ist  nach  Nord  orientirt,  die  Abweichung  der  Magnetnadel  ist  mit 
12°  östlich  angegeben  und  die  Längengrade  sind  um  3  Grade  zu  weit  gegen 
Ost  geschoben.***) 


A         la 

lb 

2a       Lat. 

2b       n 

Nürnberg 

Pfreimbt 

Schönsee         • 

Praefatio 

0         3 

4 

5 

6        D 

Grading 

Regcnsb  ii  iu 

Cham 

Dein 
Titel 
Regen  F. 

7 

8 

9 

10        E 

|        Ingolstadt 

Neustadt 

Straubing 

Granenau 

F        11 

12 

i3 

14 

\Gr     Augsburg 

Freysing                Egsrenfeldf-n 

Passau 

15 

16                      17 

18 

Landsberg 

Mönchen         !       Burshansen 

Hausruek 

19 

20           |           21 

22 

1-EtH.  Schwangan 

Tegernsee       /    Ä"Beiche;ihall 

Salzburg     L\ 

Sk< 

?lett  der  Api 

an'schen   Kai 

te. 

A  Deilication  und  Jalirzalil. 

7?  Apiani  praefatio. 

0  I > a s  bayerische  Wappen. 

DDer  deutsche  Titel. 

Z?Observationes  rerum  Bavarife 
insignium. 

F  Grad-Meilenmaass. 

G  Zeichenerklärung. 

//Privilegium. 

/  Maasstäbe. 

/^Anleitung   zur    Orientirnng. 

L Wappen   Apian's    und  Apo- 

logie  von  Hver.    Wolf. 


*)  Der  bezogene  Aufsatz,  eine  Hauptfundgrube  zum  Bilde  der  chronologischen  Ent- 
wicklung, ist  in  der  Zeitschrift  „Militärische  .Mittheilungen"  enthalten,  welche  die  damaligen 
Haüptfeute  J.  von  Xvlander  und  L.  Kretschmer  im  Jahre  1829  zu  München  herausgaben, 
und  findet  sich   im    II.    Band,    3.    Heft.  Seite  260—295. 

**)  Nur  die  eine  Grenze  zwischen  Ober-  und  Nieder-Bayern  ist  durch  Schraffirung 
kenntlich  gemacht. 

***)  Der  Auflage  von  lo66  (München)  folgten  die"  späteren  von  den  Jahren  1568  (Ingol- 
stadt), 1651  (München)  und  1802.  Letztere  ist  ein  Wiederabdruck  von  den  ausgebesserten 
Originalholzplatten. 


Die  älteste  und  neueste  topographische  Karte  von  Bayern.  111 

Die  Apian'sche  Karte  diente  als  Grundlage  für  alle  späteren  Ar- 
beiten, die  nur  wenig  bedeutende  Veränderungen  aufweisen.  Eine  getreue 
Copie  ist  die  Karte  von  Peter  Weiner*)  vom  Jahre  1579,  auf  Befehl 
desselben  Herzogs  veranstaltet,  deren  Vorzug  nur  darin  besteht,  dass  sie 
in  Kupfer  gestochen  ist.**)  Eine  Verkleinerung  auf  j^öVöü  zugleich  mit 
Erweiterung  im  Norden  unternahm  der  fürstlich  Freysing'sche  Rath  Gg. 
Phil.  Fink  h  im  Jahre  1635.  Die  Karte  (1663  vollendet  und  von  Fi  nkh  Sohn  1674 
revidirt)  besteht  aus  28  kleinen  (4°)  Kupferblättchen.  Diese  soll  noch 
der  französische  General  Moreau  bei  seinem  Feldzuge  in  Süddeutschland 
im  Jahre  1800  benützt  haben.***)  Ich  übergehe  noch  spätere  Arbeiten,****) 
um  mich  zu  den  Arbeiten  der  Neuzeit  zu  wenden,  deren  Wurzeln  jedoch 
noch  im  vorigen  Jahrhundert  aufgesucht  werden  müssen. 

Im  Jahre  1762  wurde  von  dem  berühmten  Geometer  Cassini  de 
Thury  auf  Veranlassung  der  Pariser  Akademie  eine  Längengradmessung 
veranstaltet,  welche  sich  über  Frankreich  hinaus  nach  Schwaben  und 
Bayern  erstrecken  sollte.  Die  Münchener  Akademie  schloss  sich  unter- 
stützend an.  Cassini  mass  eine  Basis  zwischen  München  und  Dachau 
(7269  T.  lang)  zur  Controlle  seiner  Dreieckskette,  die  bis  Passau  und 
Schärding  reichte.  Auf  Grundlage  dieser  Vermessung  beschloss  die  Mün- 
chener Akademie  das  Dreiecksnetz  über  das  ganze  Land  auszudehnen,  denn 
es  fehlte,  so  drückt  sich  Anlitschek  bei  dieser  Gelegenheit  aus,  — 
an  einem  zweiten  Apian!  Es  wurde  zwar  der  französische  Ingenieur 
S.  Michel  zur  Fortsetzung  der  Arbeit  berufen, -{•)  allein  seine  Leistungen 
waren  ungenügend.  Die  zwei  halb  gestochenen  Blätter  einer  in  yt^sö 
entworfenen  Karte  haben  keinen  andern  Werth,  als  dass  sie  auf  die  Art 
der  charte  de  chasses  durch  elegante  Zeichnung  und  Ausführung  das 
Auge    blenden. 

Ein  Anschluss  an  die  österreichischen  Arbeiten,  welche  seit 
dem  Jahre  1796  eine  Revision  der  Karten  Baierns  und  Militär-Aufnahmen 
in  Schwaben  und  am  Rhein  umfassten,  kam  ebenfalls  nicht  zu  Stande. 
Von    diesen    Arbeiten    ist    überhaupt    wenig    bekannt    geworden,    denn    wenn 


*)  Humi  llimus  W  ura  d  in  us  (Münz-  Wardein)  Pe  t  ru  s  Weinerus  nennt  er  sich 
in    der   Vorrede   auf  der   Karte. 

**)  Die  augenfälligsten  Aendcrungen  bestehen  darin,  dass  die  Apian'schen  Obser- 
vationes  (E)  die  Naturprodukte  unifassen,  auf  der  W ei  ner'schen  Karte  mit  anderem, 
mehr  statistischem  Inhalte  (Unirersitas,  monasteria,  fluvii,  metropolis  etc.)  vertauscht 
worden  sind,  und  dass  statt  dem  Wappen  von  Apian  und  den  Versen  von  Wolf  eine 
Allegorie    erscheint,    (Minerva    krönt    den    bayerischen    Löwen). 

Ein  dreifaches  deutsches  Meilenmaass  (Milliaria  communia,  majusciäa  und 
magna)    ist  beiden    Karten    gemeinschaftlieh. 

'**)  Kohl  er,  Landesvermessung  des  Königreiches  Württemberg.  Stuttgart  1858 
pag.    370. 

'**)  Die  Karte  von  Buna  zu  Freiburg  (ohne  Jahrzahl)  in  9  Blättern  erschie- 
nen, zeigt  bereits  Strassen  und  ist  an  geschichtlichen  Notizen  reicher  als  ihre  Vorgänger. 
Als  eine  Verkleinerung  derselben  auf  4  Bl.  ist  die  von  der  Berliner  Akademie  im  Jahre  1766 
herausgegebene  Karte  von  Bayern.  Die  astronomischen  Verbesserungen,  deren  sie  sich 
rühmt,    sollen    von    Cassini   herrühren. 

-j")  Es  ist  zu  beachten,  schreibt  Kohl  er,  dass  die  französischen  Ingenieurs  da- 
mals fast  im  Alleinbesitz  solcher  Instruinente  gewesen  sind,  womit  man  grosse  Dreiecke 
genau  bestimmen  konnte,  und  dass  sie  für  Aufnahme  und  Mappirung  bessere  Metho- 
den und  vorzügliche  praktische  Geschicklichkeit  besassen,  wozu  sie  ihr  Operiren  auf 
feindlichem   unbekannten   Boden   wohl    von    selbst   führte. 


1  1  2  Anton  Steinhauser. 

auch  einige  derselben  durch  den  Stich  vervielfältigt  wurden,  so  gelangten 
sie    doch    nicht    zur    Oefientlichkeit.  *) 

Als  die  Franzosen  im  Jahre  1800  Bayern  besetzt  hatten,  ordnete 
General  Moreau  die  Aufnahme  von  zwei  Militär-Karten  an,  eine  von 
Schwaben,  eine  von  Bayern,  beide  (wie  die  Cassini  sehe  von  Frankreich) 
im  Masse  von  -g^xö-g.  Die  Direction  der  bayerischen  Karte  wurde  dem 
Director  des  topographischen  Armee- Bureaus  und  commandirenden  Adju- 
tanten Abancourt  übertragen.  Mit  den  Ingenieur-Geographen  Bonne 
und  Henry  vereinigte  sich  bayerischer  Seits  der  damalige  Director  der 
Strassen-  und  Wasser-Bauten  (nachmalige  Oberst  im  Generalstab)  Adrian 
von  Biedel,  der  Schöpfer  der  neueren  bayerischen  Topographie,  wie  ihn 
Anlitschek  nennt,0*)  nebst  einer  Abtheilung  bayerischer  Geometer.  Es 
wurde  rasch  begonnen;  die  Sectionen  wurden  nach  der  F  i  nkh'schen 
Karte  ausgeschieden  und  an  die  Geometer  vertheilt,  die  provisorische 
Grundlinien  in  ihren  Rayons  messen  sollten.  Das  trigonometrische  Netz 
zur  allgemeinen  Verbindung  sollte  nachfolgen.  Zur  Benützung  sollten  nebst- 
bei  die  seit  dem  Churförst  Theodor  behufs  einer  Karte  gesammelten 
Materiallien  dienen.  Nach  dem  Tode  Abancourt's  übernahm  Oberst 
Bonne    die    Leitung. 

Bei  der  ersten  Zusammensetzung  einiger  Parthien  soll  sich  (wie  An- 
litschek gewissenhaft  anführt)  die  anfängliche  Uebereilung  der  Detail- 
messung- gezeigt  haben  und  die  Notwendigkeit  eines  gemessenen  Vor- 
sehreitens  und  geregelten  Ganges  der  geodätischen  Arbeiten  mit  einer 
Auswahl    der   Individuen. 

Nacli  dem  Lüneviller-Frieden  (9.  Februar  1801)  entstand  ein  eigenes 
topographisches  Bureau  in  München,  welches  anfänglich  von  einer 
Commission    von    höheren    Militär-    und    Civil-Beamten    geleitet    wurde.***) 

Gerne  wurde  das  Anerbieten  französischer  Beihilfe  zur  Fortsetzung 
der  Arbeiten  angenommen.  Die  Hauptarbeiten  vertheilten  sich  folgender- 
massen :  Oberst  Bonne  entwarf  die  Projection  und  die  Schemen  der  tri- 
gonometrischen Berechnung,  Henry  übernahm  die  astronomische  Beob- 
achtungen der  Polhöhe  von  München,  des  mittleren  Meridians  durch  den 
nördlichen  Frauenthurm,  und  des  Azimuths  von  Aufkirchen.  Es  wurde  eine 
neue  Grundlinie  zwischen  München  und  Erding  sorgfältig  gemessen,  216538 
Metres  (  =  9764  baierische  Ruthen)  lang  (die  auch  den  neuesten  Vermes- 
sungen zu  Grunde  liegt),  nachdem  sich  zeigte,  dass  die  Endpuncte  der 
Cassi  ni'schen  Basis  verschwunden  waren.  Auf  diese  Daten  wurde  die  Tri- 
angulirung  gegründet.  Die  trigonometrischen  Arbeiten  besorgten  französische 
und  bayerische  Ingenieure,  nach  dem  Austritte  der  Franzosen  Hofrath 
S  eiff  er,****)    die    Detailaufnahmen   bayerische  Feldmesser   allein. 

Oberst  Adrian  von  Riedel,  welcher  anfänglich  nur  die  letzteren 
Arbeiten  geleitet  hatte,  wurde  später  Director  des  topographischen  Bureaus. 
Es    erfolgte    die    Resolution    der    Landesregierung,    dass    die   Resultate  dieser 


*)  Eine  solche  Arbeit,  die  Gegend  zwischen  Regensburg  und  Landshut,  liegt 
zur    Ansicht   vor. 

**)  Riedel  hatte  sich  bereits  1796  durch  seinen  S  t  rassen- Atla  s  von  Bayern 
(6  Bände  in  gr.  4°  mit  Strassenkärtehen  im  Maasse  -poöVinr)  rühmlich  bekannt  gemacht. 
Später  (1806)  lieferte  er  seinen  Stromatlas  über  Bayerns  Flüsse  und  Seen  (;  8ö0i>) 
nebst  Profilen   und   Plänen    von    Brücken. 

***)    S.  Kohl  er,  Vermessungen    Württembergs    pag.   371. 

*s**)    Hofrath    Seiffer    war  früher   Astronom    zu  Göttingen. 


Die  älteste  und  neueste  topographische  Karte  von  Bayern.  113 

Mappirung  auf  Kupfer  gestochen  und  als  Topographischer  Atlas 
von  Bayern  zu  Jedermanns  Gebrauch  herausgegeben  werden  sollten. 
Man  hatte  bereits  die  Aufgabe  aus  einem  höheren  Gesichtspuncte  betrach- 
tet und  setzte  zum  Ziele  nicht  eine  blosse  militärische,  sondern  eine 
genaue  topographische  Karte,  die,  auf  die  besten  mathematischen  Grund- 
lagen gestützt,  für  alle  verschiedenen  Zweige  der  Staatsverwaltung  brauch- 
bar   sein   sollte. 

Die  Arbeiten  des  topographischen  Bureaus  wurden  durch  das  Zu- 
sammentreffen mehrerer  günstiger  Verhältnisse  wesentlich  unterstützt,  denn 
in  dieselbe  Zeit  fielen  die  Erfindungen  in  Vervollkommnung  der  mecha- 
nischen und  optischen  Instrumente  von  dem  genialen  Reiche  nbach, 
dessen  europäischen  Ruf  seine  Kreistheilungsmaschinen  allein  schon  begrün- 
deten, von  Frauenhof  er,  dem  Erfinder  des  Flintglases  und  Hersteller 
der  ersten  Riesenrefractoren,  und  von  Liebherr,  dem  bekannten  Mecha- 
niker, der  Uhren,  Distanzmesser  und  andere  mathematische  Instrumente 
ganz  vortrefflich  ausführte.  Aus  solchen  Kräften  gründete  der  geheime  Rath 
von  Utzschneider,  ein  Mann,  dem  Bayern  sehr  viel  zu  danken  hat, 
das  berühmte  optische  Institut  in  München,  das  bald  für  ganz  Eu- 
ropa   arbeitete. 

Auch  war  es  dieser  Mann,  der  die  Idee  einer  Parcellar- Ver- 
messung zum  Behuf  eines  Steuer kat asters,  kurz  nachdem  eine  solche 
im  Jahre  1807  in  Frankreich  begonnen  hatte,  für  Baiern  lebhaft  anregte, 
zum  reifen  Plane  brachte,  und  denselben  nach  der  von  der  Regierung 
ertheilten    Genehmigung    energisch    ausführte.*) 

Es  wurde  zu  diesem  Zwecke  eine  eigene  Commission  zur  Vorbe- 
rathung  eingesetzt,  welche  sich  dahin  vereinigte,  dass  die  Detailvermes- 
sung mit  geometrischer  Schärfe  und  in  einem  entsprechenden  Maasse 
(wozu  Tötö  später  ^y^  bei  sehr  zerstückelter  Parcellirung  und  für  Städte 
und  Märkte,  gewählt  wurde)  durchgeführt  werden  müsse,  weil  sonst 
keine  Grundlage  erzielt  würde,  welche  den  gemachten  Aufwand  recht- 
fertigen würde.  Den  wissenschaftlichen  Vermessungs-Plan  entwarf  der 
Astronom    und    Steuerrath    Soldner. 

Es  wurde  die  frühere  Triangulirung  von  Bonne  geprüft  und  es 
ergab  sich  leider,  dass  sie  nicht  genau  genug  war,  um  als  Basis  für 
die  Specialvermessung  zu  dienen.  Es  musste  also  eine  neue  Triangu- 
lirung auf  der  Münchener  Grundlinie  vorgenommen  werden  und  Soldner 
mass  nochmals  das  Azimuth  von  Aufkirchen  zur  genauen  Bestimmung 
der  Lage  des  Münchener  Meridians,  worüber  er  später  auf  Befehl  der 
Commission    im    Jahre    1813    eine    Broschüre    veröffentlichte.**) 

Ferner  wurden  zur  Verificirung  noch  zwei  Grundlinien  gemessen, 
und  zwar  im  Jahre  1807  die  eine  zwischen  Nürnberg  und  Brück, 
(4727  13  b.  R.)  mit  Reichenbach'schen  Apparaten  durch  den  Professor 
der  Mathematik  und  Steuerrath  Schiegg,  und  viel  später,  im  Jahre  1819, 
die  zweite  zwischen  Speier  und  Oggersheim  (6782 "35  b.  R.)  unter  der 
Leitung    des  Steuerrathes    und    Trigonometers    Lämmle. 

Im  Jahre  1808  wurde  einerseits  das  topographische  Bureau 
definitiv    organisirt     und     dem     Ministerium     des    Aeussern    zugetheilt, 


*)  Auch  S  ennefe]  der  kann  hier  noch  genannt  werden,  der  Erfinder  der  Lithogra- 
phie, die  seither  so  ungemeine  Fortschritte  gemacht  hat. 

**)  Kohler,    Vermessung    Württembergs    pag   372. 

Mittheilungen  der  k.  k.  geogr.  Gesellschaft.  III.   Bd.  II.  Heft.  " 


1  |  4  Anlon  Steinhauser. 

und  erhielt  2  Directoren,  1  Astronom,  5  Ingenieur-Geographen,  2  Con- 
servatoren,  5  Dessinateurs,  1  Actuar,  1  Inspector  der  Kupferstecher  (die 
übrigen  Individuen  und  die  Kupferstecher  wurden  nur  provisorisch  angestellt); 
andererseits  wurde  die  Steuer  -  Vermessungs  -  Commission  definitiv 
begründet,  ihr  ein  von  den  übrigen  Behörden  unabhängiger  Wirkungs- 
kreis gesichert  und  eine  Dotation  jährlicher  300000  fl.  zugewiesen.  Ihr 
Personale   bestand    aus    dem    geh.     Rath    von    Utz Schneider   als    Vorstand, 

1  Director,    5    Räthen,    1    Ober-Revisor,    1    Archivar,    1    Eleven-Professor, 

2  Dessinateurs,  1  Secretär,  1  Lithographie-Inspector.  Das  Vermessungs- 
Personale  bestand  aus  nahe  300  Köpfen.  Die  Trigonometer  waren  in  zwei 
Klassen  getheilt.  Die  eine  war  theilweise  definitiv  angestellt  und  erhielt 
Diäten,  die  übrigen  Arbeiten  waren  im  Accord  vertheilt,  und  man  hoffte 
durch  Aussicht  auf  Beförderung  und  auf  das  Definitivum  genaue,  und 
durch    die    Accordirung    schnelle    Arbeiten    zu    erzielen. 

Die  Arbeiten  der  Commission  wurden  durch  genane  Instructionen 
geregelt,  sowohl  für  die  Triangulirung,  so  wie  für  die  geodätischen  Ar- 
beiten, welche  letzteren  in  Druck  gelegt  wurden.*)  Die  Geschäfte  wurden 
geregelt   und    auf   Sommer    und    Winter    entsprechend    vertheilt. 

Es  bestanden  nun  zwei  Vermessungs -Institute  neben  einander  und 
unabhängig  von  einander,  überdiess,  nach  Anlitscheks  Andeutungen, 
nicht  im  besten  Einverständnisse,  wozu  theils  der  Vergleich  der  beider- 
seitigen Arbeiten,  theils  Missverständnisse  Anlässe  boten.  Dazu  kam  noch, 
dass  Oberst  von  Riedel  im  Jahre  1809  starb  und  Seiffer  seinen  Platz 
einnahm,  dass  der  Mathematiker  Schiegg  im  Jahre  1810  mit  Tod  abging, 
der  Leiter  des  Central-Bureaus  (und  der  Winter-Arbeiten)  und  Steuer- 
rath  Bertrand  im  Jahre  1813,  endlich  dass  der  geh.  Rath  Utzschneider 
im  Jahre  1814  aus  dem  Staatsdienste  trat.  So  verloren  beide  Anstalten 
ausgezeichnete  Kräfte,  obendrein  gaben  sie  noch  tüchtige  Arbeiter  ab  an 
jenes  Ingenieur-Bureau,  welches  bei  dem  Obercommando  der 
Reserve  -  Armee   zur    Vorbereitung    topographischer    und    statistischer    Ma- 


*)  Die  Instruction  für  die  Triangulirung  nennt  Anlitschek  ein  würdiges  Dokument 
der  Geodäsie  unserer  Zeit  und  gibt  über  ihren  Inhalt  folgende  Aufschlüsse: 

Die  Einleitung  rechtfertigt  nach  kritischer  Würdigung  der  trigonometrischen  Bech- 
nungsmethoden  die  Wahl  der  sphärischen  Methode.  Es  wird  sodann  der  analytische  Weg 
ausgemittelt,  um  das  Längenmass  der  Bögen  aus  den  Functionen  der  Winkel  abzuleiten  und 
die  sphärischen  Excesse  der  Dreieckswinkel  zu  berechnen.  Es  wird  der  Einfluss  der 
Erdabplattung  auf  die  sphärischen  Dreiecke  untersucht,  wobei  hervorgeht,  dass  für  die 
Ausdehnung  Bayerns  die  Annahme  eines  mittleren  Halbmesser  genüge.  Dann  folgen  : 
Anweisungen  zur  Berechnung  der  sphärischen  Abscissen  und  Ordinaten  nach  La  Place,  zur 
Eintheilung  und  Projection  der  Aufnahmsblätter,  endlich  ein  Schema  zur  Berechnung 
eines  sphärischen  Dreieckes  und  der  Coordinaten  und  eine  Tabelle  zur  Verwandlung 
der  sphärischen    Functionen    in    das   Längenmaass. 

Der  Meridian  von  München  ist  (vom  nördlichen  Frauenthurm  aus)  in  Abscissen 
von  800  b.  Buthen  getheilt,  durch  die  Theilungspuncte  gehen  Ordinaten,  welche  Schich- 
ton  von  Kugelausschnitten  begränzen.  Diese  Schichten  werden  durch  Parallelkreise  zu 
den  Abscissen  östlich  und  westlich  von  800  zu  800  Buthen  in  Trapeze  getheilt,  welche 
die  Aufnahmssectionen  bilden.  Der  Meridian  der  Karte,  die  Ordinaten  und  Abscissen 
stehen  daher  in  einem  analogen  Verhältnisse,  wie  Aequator,  Meridiane  und  Parallel- 
kreise   auf    einem    Globus.) 

Die  Ausbreitung  dieses  Netzes  auf  einer  Ebene,  die  desshalb  notwendigen  Mo- 
difikationen und  Vorsichten  beim  Auftragen  auf  die  Messtischblätter  sind  die  Aufgabe 
der   Projection    und    der  Gegenstand   des  7.    und  8.    Abschnittes. 


Die  älteste  und  neueste  topographische  Karte  von  Bayern.  HS 

terialien  behufs  der  Lanöesvertheidigung  und  zur  Zustandebringung  einer 
Militärkarte    von    Süddeutschland    gebildet    wurde*) 

Bevor  ich  die  Producte  der  get heilten  Kräfte  erwähne  (mit 
deren  Veröffentlichung  schon  im  Jahre  1806 ,  dann  seit  d.  d.  1812  begonnen 
wurde),  halte  ich  es  für  angezeigt,  jener  wichtigen  Veränderungen  zu 
gedenken,  welche  in  der  Leitung  der  topographischen  Arbeiten  in  Laufe 
der    Zeit    eintraten. 

Im  Jahre  1816  wurde  das  topographische  Bureau  mit  dem 
Ingenieur-Bureau  der  Reserve- Armee  vereinigt  und  dem  Kriegs- 
ministerium untergeordnet.  Vorstand  wurde  General-Lieutenant  Raglovich. 

„Die  neue  Pflanze,"  drückt  sich  Anlitschek  aus,  „war  dem  mili- 
tärischen Boden  fremd,"  doch  der  Vorstand  wusste  sie  zu  pflegen,  und 
gab  ihr  die  gehörige  Richtung.  Das  Institut  war  nun  eine  Mischung  von 
Officieren  und  Civilbeamten  und  theilte  sich  in  zwei  Haupt-Geschäfts- 
Abtheilungen : 

A.  Topographische    Abtheilung,     bestehend     aus    Ingenieur -Geographen, 

Dessinateurs  und  Officieren  unter  Raglovich's  unmittelbarer  Lei- 
tung.   Gegenstand :    Triangulirung,    Mappirung,    Zeichnung    und   Stich. 

B.  Litterarische    Abtheilung,     bestehend   aus    Officieren    der   Linie    unter 

Leitung  des  Majors  von  Bauer.  Gegenstand:  Sammlung  und  Be- 
arbeitung   aller    descriptiven    Materialien. 

Mit  den  Practicanten  und  Kupferstechern  bestand  das  Personale  aus 
SO  Köpfen,  wozu  noch  42  zugetheilte  Officiere  kamen,  von  welchen  10 
in    der    litterarischen   Abtheilung    verwendet  wurden. 

Die  Hauptaufgabe  der  topographischen  Abtheilung  war  die 
Fortsetzung  des  Atlas,  und  die  Hauptbeförderung  desselben  war  die 
von  nun  an  ausgesprochene  Benützung  des  Katastermateriales. 
Der  grosse  Schritt  der  Vereinigung  homogener  Arbeiten,  zur  aus- 
reichendsten gegenseitigen  Unterstützung  war  geschehen,  ein  gemein- 
schaftlicher jährlicher  Operationsplan  wurde  festgestellt,**)  die 
topographische  Aufnahme  erfolgte  in  vrhro  statt  rrrö-ö»  a's0  m  einem 
comensurablen  Verhältnisse  zur  Detailvermessung,  und  somit  beginnt  vom 
Jahre  1817  eine  neue  Epoche  für  den  Atlas.  Allein,  was  bereits  veröf- 
fentlicht war,  konnte  von  dieser  erspriesslichen  Neuerung  nichts  mehr 
gewinnen,  es  konnten  nur  jene  Blätter  einer  sorgfältigen  Revision  und 
gedeihlichen  Verbesserungen  unterzogen  werden,  welche  in  der  Zeichnung 
oder   im    Stiche    nicht    vollendet    waren. 

In  dasselbe  Jahr  fällt  auch  die  decretirte  Einführung  der  Leh- 
mann'schen  Schraffirmethode  zur  Darstellung  der  Unebenheiten,  zu  welchem 
Zwecke  eine  ganze  Abtheilung  von  Officieren  des  topographischen  Bureaus 
bei  der  Aufnahme  und  Reduction  verwendet  wurde.  Nur  erlaubte  man 
sich,  wegen  Steilheit  der  Alpengebirge  die  Scala ,  statt,  wie  Lehman- 
mit    45°,     erst    bei    60°    Neigung    mit    vollkommenem    Schwarz     enden   zu 


*)  Diese  Karte  aus  den  vorhandenen  Materialien  auf 
1816  vollendet  und  vom  Hauptmann  und  Ingenieur-Geographen  von  Coulon  in  20 
Sectionen  herausgegeben.  Anlitschek  gibt  ihr  kein  besonderes  Lob  und  tadelt  so- 
wohl die  unvermeidliche  Ungleichförmigkeit,  die  aus  der  Mangelhaftigkeit  der  verschie- 
denen Materialien,  als  aus  dem  forcirten  Stiche  entstand  und  die  Magerkeit  an  Orts- 
angaben. 

**)    Die    primäre    Triangulirung     geschah    durch     den   Kataster,    die    seeundäre    in 
Gemeinschaft. 

h* 


|  IG  Anton  Steinhäuser. 

lassen.*)  Damit  war  nun  allen  schwankenden  Methoden,  allem  Künstler- 
eigensinn und  den  eingewurzelten  Gewohnheiten  (Anl  itsehek's  eigene 
Worte)    ein    Ende    gemacht, 

Zum  Wirkungskreise  der  litter  arisch  en  Abtheilung  gehörte  die 
Re  kognos  cirung  und  Beschreibung  des  Landes  in  militärischer  Bezie- 
ung  auf  Topographie,  Statistik,  Geognosie  und  Geschichte,  die  Bearbeitung 
eines  Bepertoriums  für  die  Atlasblätter  und  die  Sammlung  und  Wür- 
digung aller  Erscheinungen  in  der  Militär-Litteratur.  Für  die  Becognos- 
cirungen  wurde  eine  eigene  Instruction  entworfen,  eine  dazu  gehörige 
Terminologie  für  Terrain- Be  schreib  ung  lithographirt  und  unter 
die  Officiere  vertheilt.  Ein  Versuch  damit  in  einer  südlichen  Gebirgs- 
Gegend  gelang  so  sehr,  dass  Oberst  Anlitschek  sehr  bedauert,  dass 
die  Mittel  des  Instituts  es  nicht  erlaubten,  diese  lehrreiche  Schule  für 
Generalstabsofficiere  gehörig  auszubeuten  und  diese  Beschreibungen  über 
das  ganze  Land  auszudehnen.  Der  Austritt  des  Majors  von  Bauer  im 
Jahre    1818    wird    als    ein    herber    Verlust    bedauert. 

Mit  der  litterarischen  Abtheilung  war  auch  das  Conser  vato  rium 
vereinigt,  nämlich  die  Sammlung  der  vorzüglichsten  litterarischen  Werke 
und  Zeitschriften  im  Militärfache,  der  besten  Landkarten  (einschliesslich 
der  aus  der  vormaligen  Plankammer  übergegangenen),  Instrumente  und 
anderer  Gegenstände.  Auch  die  Sammlungen  des  Kriegsministeriums  waren 
damit   vereinigt    worden. 

Im  Jahre  1822  erfolgte  eine  neue  Organisation  des  General- 
stabes und  die  Creirung  eines  General-Quartiermeister-Stabes 
aus  dem  bisherigen  Generalstabe,  und  den  älteren  Officieren  des  topo- 
graphischen Bureaus.  Chef  blieb  der  General  der  Infanterie  Baglovich. 
Das  topographische  Bureau  wurde  dadurch  ein  Attribut  und  Depot  des 
General-Qnartiermeister-Stabes,  wozu  noch  das  ältere  Civil-Personale  und 
eine  Abtheilung  Ingenieur-Geographen  mit  besonderer  Uniform  kam.  Durch 
den  erweiterten  Geschäftskreis  des  General-Quartiermeister-Stabes  im  Jahre 
1826  für  den  organischen  Dienst  der  Armee  wurde  das  Officier-Corps 
des  General- Quartiermeister-Stabes  vermehrt,  dagegen  das  des  topogra- 
phischen Bureaus  vermindert.  Das  Personale  desselben  bestand  im  Jahre 
1829  noch  aus  40  Civil -Personen,  einschliesslich  der  Ingenieure  und 
Kupferstecher  (mit  allen  commandirten  Officieren  und  den  übrigen  Ange- 
stellten waren  es  70  bis  80  Personen)  und  der  jährliche  Aufwand  auf 
Triangulirungs-  und  Mappirungskosten,  Ankäufe  für  das  Conservatorium 
und    die    Zeichnungsmaterialien    wurde    mit    50000    fl.    präliminirt. 


*)  Ueber  das  „Warum"  der  Einführung  lässt  sich  Anlitschek  wörtlich  ver- 
nehmen,  wie  folgt: 

„Wenn  auch  die  Ausführung  der  Lehma  nn'schen  Zeichnungsmanier  hinter  dem 
Buchstaben  der  Theorie  zurückbleibt,  so  kann  man  sich  doch  auf  diesem  constructiven 
Wege  der  Wahrheit  in  dem  Grade  nähern,  als  der  Maasstab  die  Zergliederung  der  Berg- 
oherfläche  gestattet  und  die  Bezeichnung  der  Flächen-Neigung  in  grösseren  kenntlichen 
Vorhältnissen  entsteht.  In  jedem  F<*Ile  ist  damit  gewonnen,  dass  dieser  Gegenstand  auf 
bestimmte  Grundsätze  zurückgeführt,  Gleichförmigkeit  der  Arbeit  erzweckt  und  die 
dem   Maasstabe   angemessene   Forderung   befriedigt   werden   kann." 

Die  Einführung  war  jedoch  vor  der  Hand  nur  auf  das  topographische  Bureau 
beschränkt  und  noeh  im  Jahre  1829  schwebte  nach  Anlitschek's  Angabe  die  (mitt- 
lerweile gewiss  bejahend  erledigte)  Verhandlung  wegen  Einführung  dieser  Zeichnungs- 
art  in  allen    Militärschulen    Bayerns. 


(Seite  II?)